Box-Blog

Posts Tagged ‘Regina Halmich

Die ARD und das Boxen

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Wie bekannt, hat sich die ARD langfristig vertraglich an den berliner Veranstalter Sauerland Event gebunden und wird in Zukunft ca. 1,5 Millionen Euro pro Show bezahlen. Diese 1,5 Millionen Euro sind ein Teil der Rundfunkgebühren, die jeder Haushalt in Deutschland zu entrichten hat. Ich muss gestehen, mich beschäftigt diese Zahl, die ich mir nicht vorstellen kann, seit ich sie gelesen habe.
Immer wieder frage ich mich, wie kontrolliert die ARD eigentlich Sauerland Event? Soweit bis zu mir durchgesickert ist, gibt es letztlich keine Kontrolle. Er gibt nur zwei Vorgaben der ARD, von denen ich gehört habe. Die eine heißt: Wir zeigen kein Frauenboxen und wenn, dann nur als Beimischung. Die andere heißt: Wir zeigen kein Boxen von Männern unterhalb des Mittelgewichts.
Natürlich starrt die ARD, wie jeder andere Sender auf die Quote. Außerdem versucht sie dabei noch bei „der werberelevanten Zielgruppe“, einer RTL-Erfindung von Helmut Thoma, besonders gut abzuschneiden – daher nämlich diese Vorgaben. Ich jedenfalls halte sie für grundlegend falsch.
Zugegeben es gehört schon einiges an Kompetenz dazu, gute Frauenboxkämpfe zu organisieren, aber es gibt sie – sowohl die Kompetenz als auch die guten Kämpfe. Und wie man an Regina Halmich sah, kann Frauenboxen auch gute Quote erzielen. Aber aus Angst vor schlechten Quoten Frauenboxen zu ignorieren und damit letztlich die Mehrheit der Bevölkerung, nämlich die Frauen, zu diskriminieren, das ist schon ein Armutszeugnis.
Auf den Ausschluss von jedwedem Boxen unterhalb des Mittelgewichts möchte ich gar nicht näher eingehen, sondern nur zwei Namen entgegen halten: Floyd Mayweather Jr. und Manny Pacquiao. Floyd Mayweather Jr. (41 Kämpfe, 41Siege, 25 durch KO) und Manny Pacquiao (57 Kämpfe, 52 Sieg, 38 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden) sind seit Jahren die besten und aufregendsten Boxer der Welt. Sie werden in Deutschland nicht gezeigt.
Das könnte man auch so interpretieren, dass es der ARD wohl an Fachkompetenz und an Mut fehlt.
© Uwe Betker

Frauenboxen und Fernsehen

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52 % der Weltbevölkerung sind Frauen. Aber warum gibt es dann so wenig Sport mit Frauen im Fernsehen zu sehen?
Das Frauenboxen in Deutschland begann und endete mit Regina Halmich. Klaus-Peter Kohl nahm die Entdeckung von Jürgen Lutz unter Vertrag und ließ sie immer wieder in seinen Veranstaltungen boxen. Nachdem Halmich im März 2001 Stefan Raab in einem Schaukampf die Nase brechen durfte, wurde sie zur Quotenkönigin. Universum setzte hiernach immer weiter auf Frauenboxen und erklärte eine Boxerin nach der anderen zur Nachfolgerin von Regina Halmich. Dabei setzte er mehr auf Quantität als auf Qualität der Boxerinnen. Es gab sowohl jede Menge von ihm propagierte Nachfolgerinnen, die nicht halten konnten, was er von ihnen versprach, als auch viele schlechte Kämpfe. Gegnerinnen wurden engagiert, die überhaupt nicht boxen konnten. Krasse Fehlurteile zugunsten der „Heimboxerinnen“ taten ein Übriges, um das Frauenboxen schließlich ganz zu diskreditieren.
Nun, nachdem Universum wohl aufgehört hat zu veranstalten, gibt es praktisch kein Frauenboxen mehr im deutschen Fernsehen. Die ARD zeigt hin und wieder noch Ausschnitte von Kämpfen der Norwegerin Cecilia Braekhus, die für Sauerland Event boxt. Die Boxerin wird von Sauerland jedoch nur geduldet, weil nordeuropäische Fernsehsender viel Geld dafür zahlen, sie boxen zu sehen.
Ob die für SES-Promoter Ulf Steinforth startende Russin Natascha Ragosina überhaupt noch im deutschen Fernsehen zu sehen sein wird, weiß ich nicht. SAT 1 setzt stattdessen voll und ganz auf eine blonde Akademikerin, die ihren Gegnerinnen gegen den Kopf tritt, soll heißen, er zeigt Ausschnitte aus Kickboxkämpfe von Frau Dr. Christine Theiss.
Obwohl 52 % der Weltbevölkerung Frauen sind, sind Sport treibende Frauen im Fernsehen deutlich unterrepräsentiert. Dies liegt beim Boxen nicht an der Qualität der Boxerinnen, die es in Deutschland gibt, sondern vielmehr an der chauvinistischen Ignoranz von Veranstaltern und Verantwortlichen von TV-Sendern und am schlechten Matchmaking.
© Uwe Betker

Habe in den Text geändert. Cecilia Braekhus kommt aus Norwegen und nicht aus …, wie ich schrieb.

Ein Blick in die Glaskugel

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Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass, seit sie ihren TV-Vertrag mit dem ZDF verloren hat, das einstige „German Powerhouse“ Universum Box-Promotion in den letzten Zügen liegt. Dafür hat Universum, so scheint mir, lange Jahre hart und verbissen gearbeitet. Die Erosion des Veranstalters ist nicht zu übersehen. Viele bekannte Namen sind verschwunden. Von der Frauenabteilung sind nur noch zwei Boxerinnen übrig geblieben. Boxer werden ins Ausland geschickt.
Offensichtlich ist es Klaus-Peter Kohl, dem Besitzer und Gründer von Universum, nicht gelungen, einen potenten TV-Partner für sein Produkt zu interessieren. Es sind Gerüchte zu hören, dass Boxer dazu genötigt werden, auf die Hälfte ihrer vertraglich garantierten Börse verzichten, nur um überhaupt noch boxen zu können. Weitere Gerüchte besagen, dass Sauerland Event sich nicht retten kann vor Anfragen von Universum-Boxern, die den Stall wechseln wollen. Angeblich sind alle bereit, für einen Vertrag radikale finanzielle Einbussen in Kauf zu nehmen. Das hört sich nicht gut an.
Wie lang es Klaus-Peter Kohl noch versuchen wird, seinen Boxstall zu alter Größe zurück zu führen, ist ungewiss. Wenn man den Gerüchten Glauben schenken will, hat Kohl genug Geld, noch eine ganze Weile durchzuhalten. Ein Problem, mit dem er sich konfrontiert sieht, ist natürlich, dass der Ruf seiner Veranstaltungen nicht der beste ist. Denn wären seine Veranstaltungen gut gewesen, hätte auch die Einschaltquote gestimmt. Hätte die Einschaltquote gestimmt, wäre das Zweite Deutsche Fernsehen nicht ausgestiegen.
Also schauen wir in die Glaskugel, die die Zukunft uns zeigt. Was sehen wir, sagen wir in einem dreiviertel Jahr?
Klaus-Peter Kohl hat seinen Laden dicht gemacht. SES, der Boxstall von Ulf Steinforth hat keinen Anschlussvertrag mit SAT 1 bekommen und veranstaltet nur noch im Verbund mit Arena Boxpromotion und Felix Sturm. Sauerland Event ist der größte Veranstalter von Europa. Sie haben nur Denis Boytsov, Sebastian Zbik und Jack Culcay, von Universum übernommen. Dafür hat Nikolai Valuev aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt erklärt. Andere Boxer wurden schlicht aussortiert.
Die Brüder Wladimir und Vitali Klitschko vermarkten sich weiter alleine. Und sie vermarkten weiterhin einzig und alleine sich selber. Sie sind immer noch auf RTL zu sehen und das Vorprogramm ist weiterhin zum großen Teil zum Wegsehen.
Das Frauenboxen hat, soweit es das Fernsehen in Deutschland betrifft, aufgehört zu existieren. Manchmal sieht man noch im Publikum Regina Halmich, und manchmal zeigt die ARD ein paar Minuten von den Kämpfen der Norwegerin Cecilia Braekhus.
Felix Sturm setzt seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit SAT1 fort. Einen Teil des Vorprogramms bestückt er selber. Der andere Teil kommt von Arena Boxpromotion. Arena wird zum zweitgrößten Veranstalter in Deutschland. Odlanier Solis bekommt seinen Kampf gegen Wladimir Klitschko und … Yuriorkis Gamboa und Selcuk Aydin sind immer noch Weltmeister im Federgewicht bzw. im Weltergewicht. Ihre Kämpfe sind aber immer noch nur selten im deutschen Fernsehen zu sehen. Bei den wenigen SAT1-Veranstaltungen sind Benjamin Simon und wechselnde andere die Hauptkämpfer von Arena.
© Uwe Betker

Über das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Trainer und Boxer am Beispiel von Torsten Schmitz

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Den Boxtrainer Torsten Schmitz zieht es weiter – auf zu neuen Ufern. Es ist ihm nicht zu verdenken, denn eine Festanstellung bei dem größten deutschen Veranstalter, Sauerland Event, ist schon verlockend. Na ja, und so eine freiberufliche Trainertätigkeit dürfte auch kein Zuckerschlecken sein. Dementsprechend stellt sie keine Verpflichtung dar, der man nachkommen muss. Jedenfalls verlässt er nun seinen Weltmeister Robert Stieglitz kurz vor einem entscheidenden Kampf, um zu einem anderen Arbeitgeber zu wechseln. Der Eindruck, den mir Schmitz damit vermittelt, könnte folgendermaßen zusammengefasst werden: Meine Rolle in der Vorbereitung auf einen Kampf, auch auf einen WM-Kampf, ist so unbedeutend, dass ich, Torsten Schmitz, jederzeit ausgewechselt werden kann, ohne dass dies irgendwelche Folgen für meinen Kämpfer hätte. – Als Außenstehender fragt man sich dann aber natürlich schon: Wieso engagiert jemand Schmitz dann überhaupt als Trainer?
Nach einer relativ langen und erfolgreichen Amateurkarriere (250 Kämpfe mit 215 Siegen, Junioreneuropameister 1982, WM-Dritter 1986 und 1991 und WM-Zweiter 1989, DDR-Meister 1983, 1984, 1987 und 1989). 1996 wurde Schmitz Trainer bei Universum Box-Promotion. Er betreute u. a. Bert Schenk, Regina Halmich, Michel Trabant und Luan Krasniqi. Das Karriereende von Regina Halmich im November 2007 bedeutete für ihn zugleich den Verlust der Anstellung beim hamburger Boxstall. Danach betreute er freiberuflich Robert Stieglitz, der für Sport Events Steinforth (SES) boxt.
Robert Stieglitz (40 Kämpfe, 38 Siege, 23 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO), eigentlich Sergei Stieglitz, in Jeisk, im heutigen Russland, geboren, wurde mit seinem Trainer Schmitz am 22. August 2009 gegen den Universum-Boxer Károly Balzsay WBO-Weltmeister im Supermittelgewicht. Nur wenige Tage vor der dritten Titelverteidigung am 20.11.2010 gegen Enrique Ornelas (36 Kämpfe, 30 Siege, 20 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO) in Dresden verlässt Schmitz jetzt seinen Schützling und wechselt zum Boxstall des Promoters Wilfried Sauerland nach Berlin.
Das Thema Fairness spielt nun im Profiboxen inzwischen eine so untergeordnete Rolle, dass ich in diesem Zusammenhang darauf nicht eingehen möchte. Eine andere Sache ist allerdings das besondere Verhältnis zwischen Trainer und Boxer, von dem man doch so gerne spricht. Welches Signal sendet Torsten Schmitz da eigentlich mit einer solchen Handlungsweise an seine künftigen Boxer? Für mich heißt das: So lange ich kein besseres Angebot bekomme, bin ich auf deiner Seite, in deiner Ecke. Bekomme ich aber ein besseres Angebot, bin ich sofort weg. Seine Begründung kann ich mir auch schon vorstellen. Sie wird dann wohl wieder lauten: „Job ist Job. Ich muss am Sonnabend XY in XY betreuen.“ Ich persönlich bin mir aber sehr sicher, dass ich einem solchen Trainer meinen Sohn oder meine Tochter bestimmt nicht anvertrauen würde, wenn denn meine Kinder, bzw. mein Sohn boxen würde. Ob also ein solches Verhalten, oder soll man sagen, ein solcher Charakter, die Grundlage für ein vertrauensvolles Trainer-Boxer-Verhältnis sein kann, sei dahin gestellt.
Ein anderer interessanter Aspekt ist, dass es schon verwunderlich ist, dass der größte Box-Veranstalter Deutschlands sich überhaupt die Mühe macht, einem Mitbewerber so zu schaden. Denn SES spielt doch offensichtlich nicht in derselben Liga wie Sauerland Event, auch wenn Ulf Steinforth das nun behauptet.
Man kann sich schlechterdings nicht vorstellen, dass dem berliner Veranstalter der WM-Kampf von Robert Stieglitz entgangen sein sollte. Also, wieso macht Sauerland Event so etwas? Machen sie es nur, weil sie es können? Wenn sich ein solcher Riese mit solcher Wucht auf einen im Vergleich zu ihm so viel Kleineren und Schwächeren stürzt, sieht das jedenfalls irgendwie nicht sonderlich souverän an.
Sauerland hätte ja Größe zeigen können und Torsten Schmitz unter Vertrag nehmen, um ihn bis nach dem WM-Kampf freizustellen. Das in Verbindung mit ein paar netten Presseerklärungen und guten Wünschen für Stieglitz („Wir drücken Stieglitz die Daumen!“), das hätte Klasse gehabt. Aber diese Form von Klasse und Souveränität ist wohl nicht en vogue.
Ob es nun Skrupellosigkeit von Torsten Schmitz war, oder eiskaltes Kalkül von Sauerland Events, oder knallharter Egoismus oder nur Unachtsamkeit Beider -, was auch immer es gewesen sein mag, ein solches Verhalten ist in meinen Augen, auch wenn es vielleicht üblich ist, ganz schlechter Stil.
© Uwe Betker

Homosexualität und Boxen (2.)

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Den zweiten homosexuellen Boxer, den ich kenne, ist eine Boxerin, Michele Aboro. Jene Michele Aboro, die nicht nur ich für die beste Boxerin aller Zeiten halte. Sie blieb ungeschlagen (21 Kämpfe, 21 Siege und 12 durch KO) und wer sie boxen gesehen hat, hielt sie auch für unschlagbar. Wenn sie in den Ring stieg, verebbten schnell die dumpfen, meist biergeschwängerten chauvinistischen Sprüche, die sich so gerne über das Frauenboxen lustig machen. Hier stieg eine Frau in den Ring, die es ernst meinte und die auch Ernst machte. Aboro war eine Kriegerin, an der die Klischees über das Frauenboxen abprallten, bzw. sie trafen einfach nicht auf sie zu.
Als Aboro Weltmeisterin im Super Bantamgewicht nach Version WIBF (05.02.2000) wurde, steckte das Frauenboxen noch in den Kinderschuhen. Zu diesem Zeitpunkt war Regina Halmich schon fast fünf Jahre Weltmeister und wurde langsam bekannter. Universum Box-Promotion setzte als einziger großer, deutscher Veranstalter auf diesen Sport. Wobei hier marktwirtschaftliche Überlegungen wohl eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben mögen. Boxende Frauen sind deutlich billiger als ihre boxenden männlichen Kollegen. Und zwischen ihnen ist der Unterschied erheblich größer als die in Deutschland „normalen“ 22% im Schnitt. Um zu beweisen, dass Frauenboxen ein „richtiger Sport“ ist, brauchte Klaus-Peter Kohl Boxerinnen, die wirklich boxen konnten. Daher war es nur zwangläufig, dass er Aboro unter Vertrag nahmen.
Aboro, die vom Kickboxen kam, absolvierte ihre ersten drei Kämpfe – alles Siege durch KO in der ersten Runde – in drei verschiedenen Ländern, bevor sie nach Deutschland kam. Hier verbeulte sie dann die deutsch-bulgarische Boxhoffnung und spätere Weltmeisterin im Bantamgewicht Dessislawa Kirowa, genannt Daisy Lang (29.11.1997). Nach dem Titelgewinn gegen Eva Jones Young (05.02.2000) absolvierte sie noch sechs Kämpfe incl. drei Titelverteidigungen, die letzte von ihnen Ende 2001. Dann war Schluss.
Michel Aboro bekam als „nicht zu vermarkten“ keine Kämpfe mehr. Um es deutlich zu sagen: Die beste Boxerin der Welt, eventuell die beste Boxerin aller Zeiten, war „nicht zu vermarkten“. Und das nur, weil sie zu jenen, anfangs angesprochenen 10% der Weltbevölkerung gehört. Ich glaube heute, neun Jahre später, ist die Situation keine andere. Wenn man bzw. hier frau nicht dem Frauenbild von heterosexuellen Männern, die wiederum nicht einmal 40% der Bevölkerung ausmachen, entspricht, ist man „nicht zu vermarkten“. D.h. für mich, dass das, was man gemeinhin Toleranz nennt, ein extrem dünner Firnis ist, und dass sich darunter etwas befindet, was sehr ekelhaft ist.
© Uwe Betker

Frauenboxen: Notizen zu Michele Aboro (2.)

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Der Fall Michele Aboro lässt mich ratlos zurück. Da ist eine Frau, die sich anschickt, eine Männerdomäne zu erobern. Sie wurde 2000 Weltmeisterin der WIBF im Super Bantamgewicht.
Zur Erinnerung: Das Frauenboxen hatte sich noch nicht wirklich etabliert in Deutschland. Es gab zwar schon eine Regina Halmich, die hatte aber noch nicht Stefan Raab eins auf die Nase gegeben. – Der erste Showkampf der beiden war 2001 dann wohl erst der endgültige Durchbruch für Halmich und für das Frauenboxen in Deutschland.
Aboro ist unbestritten eine der besten Boxerinnen der Welt. Aber sie bekommt keine Kämpfe von ihrem Veranstalter mehr, weil sie nicht zu vermarkten ist.

Es ist absurd: Aboro verprügelt, im wahrsten Sinne des Wortes, in ihrem sechsten Kampf eine Frau namens Dessislawa Kirowa, genannt Daisy Lang. Und diese Daisy boxt noch jahrelang weiter, während man Aboro aufs Abstellgleis geschoben hat.

Wieso war sie nicht zu vermarkten? Oder, um die Frage präziser zu stellen: Warum ist eine dunkelhäutige (ist das politisch korrekt, es so auszudrücken?), lesbische Boxerin nicht zu vermarkten? Wo sind die Frauenmagazine, die eine solche Frau portraitieren und sie bekannt machen? Wo sind die weiblichen Redakteure in den Medien, die sich mit einer starken und kämpfenden Frau identifizieren? Kann man als weibliche Athletin nur bekannt werden, wenn man, pardon – frau, sich für so genannte Herrenmagazinen nackt macht? Erst wenn man sich als Sportlerin für Männer nackt ausgezogen hat, wird man von Frauenmagazinen wahrgenommen?

Ich bin ratlos und ziemlich angewidert.

© Uwe Betker

Susianna Kentikians Fähigkeit zur Selbstkritik (1)

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Alles deutete darauf hin, dass Susianna Kentikian die Nachfolgerin von Regina Halmich werden könnte. Die schwierige Lebensgeschichte der in Armenien geborenen Boxerin wurde gerne und ausführlich von den Medien kolportiert. Ihre Flucht von Armenien nach Berlin, dann nach Moldawien, endete schließlich in Hamburg. Der Rest ihrer Geschichte wird gerne zusammengefasst unter der Überschrift „Boxen fürs Bleiberecht“. Nach ein paar Jahren als Amateurin nahm sie der größte und einflussreichste Veranstalter von Frauenboxkämpfen, Universum Box-Promotion/Spotlight Boxing, unter Vertrag. In der Folge war wohl kein Klischee abgeschmackt genug, um es auf sie anzuwenden. So wurde sie mit dem „Million Dollar Baby“ verglichen. Dann wurde sie kurzerhand zur „kleinsten Profiboxerin Deutschlands“ erklärt, was vermutlich, wie fast immer, wenn Superlative verwendet werden, auch nicht wahr ist. Der WDR drehte eine Dokumentation über sie. Sie durfte auch Stefan Raab auf seinen Rückkampf mit Regina Halmich vorbereiten. Sie nahm an der Wok-Weltmeisterschaf 2007 teil und gewann sogar den Wettbewerb im Vierer-Wok. Kentikians Aufstieg schien unaufhaltsam.

Ihr leicht, ich nenne es mal quietschiges Jungmädchen-Gehabe kam gut an. Der TV-Sender ProSieben machte mit seiner so genannten „ProSieben Fight Night“ eine Zeitlang auch in Boxen und Kentikian trat mehrmals bei TV total auf. Der Flüchtling aus Armenien hatte es geschafft. Sie bekam einen Werbevertrag und wirbt seitdem für „Milch-Schnitte“. Sie durfte sogar die Laudatio auf Michael Wendler halten bei der Preisverleihung zur Krone der Volksmusik. Dann ist aber da noch das Boxen …

© Uwe Betker