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Tolles Boxen in Plettenberg

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Mit einem Paukenschlag wurde die Stadt Plettenberg in NRW auf die Landkarte des Profiboxens gesetzt. Christoph Jan Jaszczuk (First Punch Boxpromotion) stellte am 05.11.2016 eine großartige Veranstaltung auf die Beine, die wohl alle bisherigen Veranstaltungsdebüts in den Schatten stellt. Es gab in der Volksbank Arena acht Profiboxkämpfe zu sehen.
Vorwegnehmen möchte ich: Kein Kampf endete durch Aufgabe oder durch eine geschauspielerte Aufgabe. Alle Begegnungen waren gut und ihr Ausgang wirklich umkämpft.
Im ersten Kampf des Abends trafen Javad Sadeghi (6 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO) und Dennis Kurd (4 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 2 Niederlagen) im Mittelgewicht aufeinander. Javad zeigte eine gute Deckungsarbeit und nahm von Anfang an die Ringmitte ein. Er versuchte, über rechte Körperhaken und linke Kopfhaken zu punkten. Kurd, in der Rechtsauslage boxend, konterte. Insgesamt gab es in der ersten Runde jedoch nur wenige Aktionen, zu gut sahen beide die Aktionen ihres Gegners voraus. In der zweiten Runde erhöhte Javad den Druck. Er stellte Kurd mehrfach an den Seilen und kam mit Körperhaken durch. Jedoch musste er auch Konter, linke Kopfhaken, nehmen. Ab der dritten Runde fing Javad immer häufiger seine Kombinationen mit einer rechten Graden zum Kopf an, ein Konzept, das aufging. Kurd musste mehr nehmen. Einmal trieb ihn Javad quer durch den Ring. Auch in der folgenden Runde nahm Kurd wieder mehr. Ein ums andere Mal wurde er gestellt. Dann wurde ihm vom BDB Ringrichter noch ein Punkt abgezogen für wiederholtes Innenhandschlagen. In den letzten beiden Runden wurden beide Kontrahenten zusehends müder. Javad konnte den Druck nicht aufrechterhalten und Kurd versuchte über die Runden zu kommen, was ihm auch gelang. Am Ende des Sechsrunders stand ein einstimmiger Punktsieg für Javad Sadeghi.
Anschließend stiegen im Mittelgewicht zwei Debütanten in den Ring, Rafael Lesniak und Ahmet Ali. Ali boxte mit hängender Deckung und verließ sich auf seinen Reichweitenvorteil, seine guten Meidbewegungen und seine Beine. Lesniak kam einfach nicht an seinen Gegner heran. Er versuchte es zwar unermüdlich, doch immer wieder wurde er abgekontert. Nur selten hatte er seine Momente und konnte Treffer setzen. Ali tanzte, punktete, wenn er lang boxte und konterte. Den Abtausch in der Halbdistanz konnte er fast immer durch Klammern verhindern. Die erste Hälfte der vierten Runde war eine muntere Keilerei. Der Rest des Kampfes verlief wie der Anfang. Am Ende stand ein einstimmiger und klarer Punktsieg für Ahmet Ali.
Die Gegner im nachfolgenden Kampf hatten beide bisher zehn Profikämpfe bestritten, John Rene (11 Kämpfe, 8 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 2 Unentschieden) und Dominik Tietz (11 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 5 Niederlagen 3 durch KO). Der Kampf fand im Mittelegewicht statt. Den ersten Durchgang begannen beide Boxer verhalten. Tietz machte ein wenig mehr, dafür traf Rene häufiger. Rene boxte sehr abgeklärt und ruhig. Er überhastete nicht und warte darauf, dass sich Chancen ergeben würden. Die erste kam dann auch Ende der zweiten Runde. Ein rechter Körperhaken schickte Tietz auf die Bretter. Rene arbeitete ruhig weiter. Tietz machte zu wenig, um sich seinen Gegner vom Hals zu halten. Machte er einmal mehr, so hatte er auch seine Momente. Der Kampf war aber fest in der Hand von Rene. In der fünften Runde lief Tietz in einen linken Körperhaken hinein, der ihm buchstäblich die Beine wegriss und ihn hart auf dem Boden aufschlagen ließ. Der Ringrichter winkte den Kampf sofort ab. Tietz lag noch eine ganze Weile auf dem Boden, bevor er wieder aufstehen konnte. Sieger durch KO in Runde 5, nach 2:00 Minuten: John Rene.
Zwischendurch ein paar Worte zum Kampfgericht des Bundes Deutscher Berufsboxer. Die Punktrichter werteten durch die Bank weg gut und sie scheuten sich auch nicht, einen „Heimboxer“ nach Punkten verlieren zu lassen. Besonderns bemerkenswert war die Leistung der Ringrichters Goran Filipovic. Er agierte umsichtig und sehr souverän.
Es folgte ein Kampf im Schwergewicht. Der spät berufene aber sich schnell entwickelnde Patrick Korte (8 Kämpfe, 8 Siege, 6 durch KO) traf auf Kamil Kulczyk (3 Kämpfe, 1 Sieg, 2 Niederlage, 1 durch KO). Korte zeigte erneut, dass er sich von Kampf zu Kampf technisch verbessert. Er boxte ruhig und baute seinen Kampf auf. Er dominierte. Kulczyk versuchte sich mit Schwingern Respekt zu verschaffen, was ihm aber nur sehr bedingt gelang, denn sie trafen nur die Deckung von Korte. Zum Ende des Kampfes hin versuchte Korte dann, seinen Gegner mit Rechten zum Körper und einer Linken zum Kopf zu knacken, aber Kulczyk erreichte des Schlussgong nach der vierten Runde: Einstimmiger Punktsieger: Patrick Korte.
Auch der nächste Kampf ging über die Distanz. Nur, hier waren sechs Runden angesetzt. Im Super Leichtgewicht trafen Andreas Maier (5 Kämpfe 5 Siege, 4 durch KO) und Marcin Ficner (20 Kämpfe, 2 Siege, 14 Niederlagen, 5 durch KO, 4 Unentschieden) aufeinander. Es war das Kräftemessen zweier Techniker. Maier dominierte den Kampf mit seinem schönen Jab. Mit fortschreitendem Kampfverlauf ging er immer häufiger mit seiner Rechten zu Körper und Kopf. Trotz seiner Dominanz musste er aber auch die ein oder andere Linke nehmen. In der vierten Runde sah es so aus, als könnte Maier vorzeitig siegen. Er kam mehrfach hart durch und schien Ficner beeindruckt zu haben. Dabei blieb es dann aber. Maier dominierte, konnte aber nicht vorzeitig gewinnen. Am Ende des technisch sehr sauberen Sechsrunders stand ein einstimmiger und klarer Punktsieg für Andreas Maier.
Die nachfolgende Super Mittelgewichtsbegegnung, die über sechs Runden ging, zwischen Pas Fontanet (4 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 1 Niederlage) und Aro Schwartz (14 Kämpfe, 12 Siege, 9 durch KO, 2 Niederlagen) war eine Ringschlacht. Schwarz schlug schöne Eins-Zwei-Kombinationen und schöne Kopfhaken. Fontanet schlug weniger, dafür aber sehr harte Schläge. In der zweiten Runde erhöhte Schwarz den Druck. Er schlug und traf nun mehr. Von nun an wurde der Kampf Runde für Runde härter und verbissener geführt. Es kam immer häufiger zum Schlagabtausch. Fontanet schlug mehr, traf aber häufig nur die Deckung. Zu Beginn der sechsten Runde öffnete sich dann ein Cut am linken Auge von Fontanet und es entbrannte ein brutales Kräftemessen. Beide Boxer suchten den KO. Buchstäblich mit dem Schlussgong wurde Fontanet, durch eine Rechte zum Kopf, zu Boden geschickt. Einstimmiger Punktsieger: Aro Schwarz.
In der folgenden Halbschwergwichtsbegegnung boxten David Saric (9 Kämpfe, 9 Siege, 8 durch KO) und Przemyslaw Binienda (9 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO) gegeneinander. Am Anfang des Kampfs zeigte Ringrichters Filipovic eine beeindruckende akrobatische Einlage: Er kam ins Stolpern, fiel nach hinten auf den Rücken, rollte sich ab und kam wieder auf die Füße, um weiterzumachen. Er erhielt dafür auch den gebührenden Szenenapplaus. – Aber zurück zum Boxkampf. Saric boxte lang und er schlug hart. Ende der ersten Runde stellte er Binienda in den Seilen und deckte ihn mit Schlägen ein, so dass dieser sich Nasenbluten zuzog. In der zweiten Runde versuchte Saric dann, den vorzeitigen Sieg zu erzwingen. Das gelang ihm aber nicht. Binienda wollte nur noch über die Runden zu kommen. In der dritten Runde wurde ihm ein Punkt abgezogen, nachdem er sich zum wiederholten Mal nicht lösen wollte nach dem „Stepp back“. Außerdem gesellte sich eine Schwellung unter dem linken Auge zu seinem Nasenbluten. In der fünften Runde bekam dann auch Saric einen Punkt abgezogen, nachdem er wiederholt versucht hatte, seinen Gegner auf den Boden zu drücken. In der sechsten Runde versuchte er noch mal, den KO zu erzwingen. Zwar brachte er Binienda, der viele harte Treffer nehmen musste, in Bedrängnis, aber der KO blieb aus. Einstimmiger Punktsieger David Saric.
Der Hauptkampf des Abends ging um die GBU Europameisterschaft im Super Federgewicht. Es trafen die beiden ungeschlagenen Federgewichtler Marek Jedrzejewski (11 Kämpfe, 11 Siege, 10 durch KO) und Manuel Buchheit (9 Kämpfe, 8 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO). Jedrzejewski nutzte von der ersten Sekunde an seinen Reichweitenvorteil. Er schlug schnelle, präzise Führhände und machte es Buchheit sehr schwer. Dieser versuchte sich, hinter seiner guten Doppeldeckung verschanzt, an den Gegner heranzuschieben und mit Haken und Schwingern zum Erfolg zu kommen. Die erste Runde verlief für ihn auch gut. Denn am Ende der Runde öffnete er einen Cut unter der rechten Braue von Jedrzejewski. Von nun an stand der Kampf unter der Frage, ob Jedrzejewski sein rechtes Augen würde schützen können. Diese Frage stellte sich nach der dritten Runde dann aber nicht mehr. Jedrzejewski hatte den Kampf, trotz seines Handicaps, im Griff. Buchheit kam einfach nicht mehr an ihn ran. Und Buchheit nahm. Immer weiter versuchte er, an seinen Gegner heranzukommen, und dabei kassierte er Schlag um Schlag. Zunächst gelang es ihm noch, die meisten mit seiner Doppeldeckung zu blocken. Aber mit zunehmender Dauer des Kampfes ermüdete er und nahm dann doch immer mehr. In der elften Runde nahm er vier Volltreffer zum Kopf hintereinander. Und dann passierte das, was keiner sehen will. Jedrzejewski stellte Buchheit an den Seilen und deckte ihn mit Links-rechts-Kombinationen zum Kopf ein. Und sie trafen. Sie trafen auch dann noch, als Buchheit schon KO war, aber noch stand; schließlich stürzte er dann durch die Seile auf den Tisch der Offiziellen. Wenn ich es richtig gesehen habe, schlug er, schon bewusstlos, mit dem Kopf gegen die Glocke. Minutenlang lag Buchheit regungslos im Ring. Die Ringärztin war sofort bei ihm und die Rettungssanitäter nur Sekunden danach. Buchheit wurde mit einer Trage aus dem Ring ins Krankenhaus geschafft. Sieger durch KO nach 50 Sekunden der Runde 12: Marek Jedrzejewski.
Als Fazit bleibt festzuhalten: Das Debüt, das Christoph Jan Jaszczuk mit First Punch Boxpromotion in Plettenberg gegeben hat, setzte Standards. Für mich ist diese Veranstaltug ein heißer Anwärter auf den Titel „Veranstaltung des Jahres“. Die Halle war schön, das Matchmaking war gut, die Kämpfe waren gut. Die Showeinlage, eine Rock and Roll Nummer, war ansehnlich, ebenso die Nummerngirls. Dies erwähne ich auf den ausdrücklichen Wunsch mehrerer photographierender Kollegen. First Punch Boxpromotion hat sich die Latte extrem hoch gelegt. Von der zweiten Veranstaltung erwartet man schließlich immer noch mal mehr als von der ersten. Ich bin schon sehr gespannt auf die nächste Show von First Punch Boxpromotion.
© Uwe Betker

Written by betker

6. November 2016 at 23:59

Veröffentlicht in Boxen

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King of the Ring 1

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Der Veranstalter Henryk Adam Boxpromotion wählte für seine „King of the Ring 1“ am 07.06.2014 die schöne Turbinenhalle in Oberhausen als Austragungsort. Bevor ich dort ankam, waren zwei Kämpfe bereits vorbei. Im Super Mittelgewicht besiegte Ziso Poulitsa (3 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 1 Unentschieden) einen gewissen Fendi Sancar. Und im Halbschwergewicht gewann Timur Zaslavskiy (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) gegen einen gewissen Giovanni Trinchera. Sancar und Trinchera verloren beide durch TKO in der ersten Runde. Beide hatten sich irgendwie verletzt. Beide sind Boxer von Suleyman Dag.
Der erste Kampf, den ich dann sah, also der dritte Kampf des Abends, war auch schnell, nämlich nach exakt 2 Minuten, zu Ende. In ihm trafen Weltergewicht Nawid Hakimsadeh (1 Kampf, 1 Sieg, 1 durch KO) und Gökhan Uear (19 Kämpfe, 19 Niederlagen, 14 durch KO) aufeinander. Der Kampf war kurz und heftig, aber auch etwas seltsam anzusehen. Bei Uear, auch ein Mann von Dag, handelte es sich um einen Rechtsausleger und dementsprechend boxte er auch. Hakimsadeh schlug häufig eine unvorbereitete Rechte. Den KO bereitete er mit einem linken Körperhaken vor, dem ein rechter Kopfhaken folgte. Uear wurde auf allen Vieren kniend ausgezählt.
Der folgende Kampf im Halbschwergewicht zwischen Jaron Benjamin Transfeld (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) und Selim Sarialioglu (5 Kämpfe, 5 Niederlagen, 5 durch KO) war, man glaubt es kaum, noch kürzer. Sarialioglu begann gut. Er boxte hinter einer Doppeldeckung agierend. Transfeld hielt gegen und es kam zu einem kurzen Schlagabtausch. Hiernach ging Sarialioglu zu seinem Trainer, um sich seine linke Hand untersuchen zu lassen. Es wurde die Ringärztin hinzugezogen und er gab auf, weil er sich seine Hand bzw. die Kapsel von seinem Daumen angeblich verletzt hatte. Ich schreibe bewusst angeblich, weil schon ein paar Sekunden später kratzte er sich mit seiner ach so schmerzenden Hand die Nase. Der Kampf war nach einer Minute und 10 Sekunden beendet: TKO 1. Natürlich wünsche ich Sarialioglu, ein Boxer von Dag, gute Genesung, aber mir persönlich wünsche ich, ihn nie wieder in einem Ring zu sehen zu bekommen.
Der nun folgende Kampf entschädigte das Publikum allerdings. Samy Raid Musa (5 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO) und Francis Kojo Ennin (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 1 durch KO) trafen im Supermittelgewicht aufeinander. Ennin, offensichtlich Thaiboxer, versuchte sich an Musa heranzuschieben, um seinen Reichweitennachteil auszugleichen. Ein ums andere Mal kam er mit einem rechten Kopfhaken durch, wenn Musa seine Führhand nicht hoch genug hatte oder sie nicht schnell genug zurückzog. Musa zeigte technisch gutes Boxen und wurde auch von Runde zu Runde stärker. Mit zunehmender Kampfdauer hielt er sich seinen Gegner immer besser vom Leib. Er boxte lang und punktete. Ab der dritten Runde ging er dann vermehrt zum Körper. Ende des vierten Durchgangs zeigten seine Bemühungen Wirkung. Ennin wirkte angeschlagen, jedoch konnte er sich zum Schlussgong retten. Der Punktsieg von Musa war deutlich.
Der nächste Kampf, der im Halbmittelgewicht ausgetragen wurde, war wieder kurz. Granit Shala (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) traf auf Manuel Posada (10 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 8 Niederlagen, 7 durch KO). Bevor aber der Kampf begann, trug eine Sängerin für Shala ein Lied vor, sozusagen als persönliche Hymne. Posada hatte leichte Reichweitenvorteile, die er aber nicht für sich nutzen konnte. Beide Boxer agierten verhalten und arbeiteten viel zum Körper. Mitte der ersten Runde gab es einen Schlagabtausch, bei dem Shala wohl den linken Ellenbogen von Posada traf. Danach hatte er jedenfalls Probleme mit ihm. Zur zweiten Runde trat Posada, aufgrund seiner Verletzung, nicht mehr an.
Der folgende Kampf im Leichtgewicht zwischen Slaibi Slaibi (4 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 2 Unentschieden) und Waqar Mahmood (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 4 durch KO) war dann wieder noch kürzer als der vorangegangene. Slaibi drosch mit harten Schwingern so lange auf seinen Gegner ein, bis dieser in der neutralen Ecke zu Boden ging und auf allen Vieren ausgezählt wurde. Der Kampf war nach 1 Minute 20 zu Ende.
Der folgende Kampf, der im Super Mittelgewicht ausgetragen wurde, hatte immerhin einen hohen Unterhaltungswert. Yusuf Kanguel (5 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) traf auf Suleyman Dag (68 Kämpfe, 11 Siege, 5 durch KO, 58 Niederlagen, 38 durch KO). Dag, der Aufbaugegner für nahezu alle Boxer in Deutschland und gleichzeitig Manager und Trainer der Aufbaugegner, die sich so häufig und so schwer in der ersten Runde schon verletzen, zeigte nun selbst sein Können. Aber er zeigte seinen Schützlingen auch, dass man gegen einen hart schlagenden Gegner länger als eine Runde im Ring stehen kann.
Dag kam natürlich nicht nach Oberhausen, um zu gewinnen, sondern um zu überleben. Daher machte er auch alles, um den Kampf von Kanguel kaputt zu machen. Er klammerte und steckte Körperteile und Kopf durch alles, was immer sich ihm bot. Er machte sich klein und ließ die Schläge an seiner guten Doppeldeckung abprallen oder pendelte sie aus. Kanguel machte ihm das Leben allerdings auch etwas zu leicht, weil er zu übermotiviert ans Werk ging. Nach der zweiten Runde gab dann Dag auf. Er hatte sich, genau wie seine Schützlinge, verletzt. Irgendetwas mit seinen rechten Ellenbogen. Es kann aber auch etwas ganz anderes gewesen sein. Immerhin hatte er doppelt so lange gearbeitet wie seine Leute. Es würde mich nicht wundern, wenn er bereits, am nächsten Wochenende wieder in einen Ring steigt.
Der folgende Kampf im Halbschwergewicht ging tatsächlich über die angesetzten vier Runden. Badien Hasso (3 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO) boxte gegen Ismael Altintas (15 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO, 8 Niederlagen 2 durch KO, 4 Unentschieden). In der ersten Runde verschanzte sich Altintas hinter seiner Doppeldeckung. Das meine ich ganz buchstäblich so. Er war bis auf die letzten 15 Sekunden, in denen er zweimal seine Faust Richtung Gegner bewegte, nur mit seiner Deckung beschäftigt. Man hätte schon den Eindruck gewinnen können, einer Lehrstunde in Pazifismus beizuwohnen. Hasso zeigte eine gute Linke, die er variabel einsetzte. In der zweiten Runde schlug Altintas dann zurück, was Hasso zunächst irritierte. Danach wurde noch ein guter Kampf daraus. Im dritten Durchgang verlor Hasso zeitweise seine boxerische Linie und schien auch leichte Konditionsprobleme zu haben. Er schlug vermehrt Innenhandschwinger. Hierdurch ließ er seinen Gegner besser aussehen. In der vierten und letzten Runde war Hasso dann aber wieder da. Er verteilte seine Schläge wieder besser, ging mehr zum Körper und versucht die Deckung zu knacken. Das gelang ihm aber nicht. Sein Punktsieg war ungefährdet und sehr deutlich. Ich traue Badien Hasso zu, noch einiges im Profiboxen zu erreichen.
In der folgenden Begegnung im Weltergewicht trafen Deniz Ilbay (11 Kämpfe 11 Siege, 6 durch KO) und Sabri Ulas Goecmen (24 Kämpfe, 10 Siege, 14 Niederlagen, 13 durch KO) aufeinander. Ilbay, der Supermann-Strümpfe trug und auf seiner Hose Aufnäher von Asterix und Obelix, ein Smiley, ein Supermann-Abzeichen, Goofy und andere. Über den Kampf selber kann man eigentlich nicht viel sagen, denn er war nach exakt einer Minute zu Ende. Ilbay stellte Goecmen in der neutralen Ecke zu einem Schlagabtausch, bei dem Goecmen einen Leberhaken kassierte, zu Boden ging und ausgezählt wurde. Ilbay floh wutentbrannt aus dem Ring, weil er meinte, sein Gegner hätte eine Verletzung simuliert. Dem war aber offensichtlich nicht so. Goecmen hatte sich die Schulter ausgekugelt und wurde nach einer Viertelstunde von Rettungssanitätern behandelt. Zur Siegerehrung kam dann Ilbay doch noch wieder in den Ring. Schade, dass der Kampf nicht länger dauerte, denn Ilbay ist ein Boxer, den man im Auge behalten sollte.
Der Hauptkampf des Abend war die Internationale Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht zwischen Niko Lohmann (6 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 2 Niederlagen) und Jay Spencer (6 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO). Der Kampf dieser Beiden begann mit einem Paukenschlag. Mitte der ersten Runde brachte ein rechter Kopfhaken von Spencer “Karl Stahl” zu Boden. Nur mit Mühe konnte der die Rundenpause erreichen. Aber Lohmann kam wieder. In der nächsten Runde wurde er aktiver und die dritte Runde gewann er auf meinem Punktezettel sogar. Dies war aber die einzige Runde, die er gewann. Spencer war schlicht zu stark. Spencer boxte diszipliniert. Hinter einer Doppeldeckung agierend, machte er Druck und arbeitete konzentriert. In der fünften Runde verletzte sich Spencer am Rücken, wodurch er seine Rechte praktisch nicht mehr benutzen konnte. Hierdurch war er gezwungen, seinen Kampf komplett über die Führhand zu führen, was er bravourös machte. Lohmann zeigte, warum er „Karl Stahl“ genannt wird. Runde um Runde, Minute um Minute ging er auf den Gegner zu, um seine Chance, die er an diesen Abend allerdings nicht hatte, zu suchen. Einen Boxer, der so hart zu sich selber ist, sieht man selten. Respekt! Am Ende stand ein haushoher Punktsieg für Spencer (100:90. 99:90 und 100:90). Jay Spencer ist zurzeit der einzige Deutsche Meister im Halbschwergewicht.
© Uwe Betker