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Ein harter Tag im Büro: Wladimir Klitschko vs. Alex Leapai

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Man kann sich vorstellen, wie Wladimir Klitschko (64 Kämpfe, 61 Siege, 51 KO, 3 Niederlagen, 3 KO) am frühen Morgen des 27.04.2014 sein Hotelzimmer betritt. Eine Frau liegt im Bett und fragt im Halbschlaf: „Schatz, wie war dein Tag?“ Er antwortet: „Es war wieder ein harter Tag im Büro.“ So oder so ähnlich könnte sich eine idyllische häusliche Szene abspielen, nachdem Klitschko seine Schwergewichtstitel der IBF, WBO und WBA in der Arena Oberhausen verteidigt haben wird.
Sein Gegner heißt Alex Leapai (37 Kämpfe, 30 Siege, 24 KO, 4 Niederlagen, 2 KO, 3 Unentschieden). Er ist der zweitbeste Schwergewichtler in Australien und er hat am 23.11.2013 gegen Dennis Boytsov nach Punkten gewonnen. Beides hat ihn, wohl in dieser Reihenfolge dafür qualifiziert, gegen den zurzeit besten Schwergewichtler der Welt zu boxen.
Leapai wird in der unabhängigen Weltrangliste auf Position 29 geführt. Also 27 Boxer sind vermutlich besser als er und haben größere Chancen gegen Wladimir Klitschko als er. Also wären diese wohl als Gegner besser und damit für die Zuschauer auch interessanter:

Alexander Ustinov (30 Kämpfe, 29 Siege, 21 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO)
Steve Cunningham (32 Kämpfe, 26 Siege, 12 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO)
Seth Mitchell (30 Kämpfe, 26 Siege, 19 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unetschiden)
Ruslan Chagaev (35 Kämpfe, 32 Siege, 20 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden)
Manuel Charr (26 Kämpfe, 25 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO)
Francesco Pianeta (31 Kämpfe, 29 Siege, 16 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden)
Amir Mansour (20 Kämpfe, 20 Siege, 15 durch KO)
Lucas Browne (19 Kämpfe, 19 Siege, 17 durch KO)
Carlos Takam (31 Kämpfe, 29 Siege, 23 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden)
Johnathon Banks (32 Kämpfe, 29 Siege, 19 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden)
Andy Ruiz Jr. (21 Kämpfe, 21 Siege, 15 durch KO)
Erkan Teper (12 Kämpfe, 12 Siege, 8 durch KO)
Mike Perez (20 Kämpfe, 20 Siege, 12 Durch KO)
Christian Hammer (18 Kämpfe, 15 Siege, 10 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO)
Bryant Jennings (18 Kämpfe, 18 Siege, 10 durch KO)
Odlanier Solis (21 Kämpfe, 20 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO)
Tomasz Adamek (52 Kämpfe, 49 Siege, 29 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO)
Tony Thompson (42 Kämpfe, 38 Siege, 26 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO)
Alexander Povetkin (27 Kämpfe, 26 Siege, 18 durch KO, 1 Niederlage)
Bermane Stiverne (25 Kämpfe, 23 Siege, 20 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden)
Deontay Wilder (31 Kämpfe, 31 Siege, 31 durch KO)
Chris Arreola (39 Kämpfe, 36 Siege, 31 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO)
Dereck Chisora (24 Kämpfe, 20 Sieg, 13 durch KO, 4 Niederlagen, 1durch KO)
Robert Helenius (19 Kämpfe, 19 Siege, 11 durch KO)
Vyacheslav Glazkov (18 Kämpfe, 17 Siege, 11 durch KO, 1 Unentschieden)
Tyson Fury (22 Kämpfe, 22 Siege, 16 durch KO)
und
Kubrat Pulev (19 Kämpfe, 19 Siege, 10 durch KO)

Wladimir Klitschko vs. Alex Leapai – Wie schon gesagt: Ein harter Tag im Büro.
(C) Uwe Betker

Deutsche TV Sender zeigen kein Boxen

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Einer der profundesten Kenner des Profiboxens und „die Kultfigur des deutschen Boxsports“, Ebby Thust, veröffentlichte auf seiner Internetseite http://www.boxen1.com einen Artikel mit dem Titel: „Warum verweigern die deutschen TV-Sender den Boxfans die „Big Fights“?“ In dem sehr guten und hellsichtigen Artikel stellt Thust fest, dass das deutsche Fernsehen „die wirklich großen Boxkämpfe“ nicht zeigt und man so gezwungen ist, sie im ausländischen Fernsehen zu sehen.
Die Situation in Deutschland ist hinlänglich bekannt. RTL hat einen Exklusiv-Vertrag mit den Klitschko-Brüdern. Das hat zur Folge, dass der kölner Sender nichts anderes zeigt als díe maximal vier Kämpfe pro Jahr von Wladimir Klitschko und Vitali Klitschko. Die vollmundigen Versprechungen, die die Klitschkos vor ein paar Jahren abgaben, sie würden einen eigenen Stall aufbauen, waren nur körperwarme Luft. RTL zeigt die Klitschkos und nichts als die Klitschkos.
SAT1 hat einen Vertrag mit Sturm Box-Promotion. Da Felix Sturm es nun konsequent versäumt hat, andere Boxer mit Potential unter Vertrag zu nehmen, zeigt SAT1 eben nur Felix Sturm, auch wenn er nur noch ein Schatten seines früheren Selbst ist, und ein wenig Syuzanna Kentikian.
Die ARD hat einen Exklusiv-Vertrag mit Sauerland Event und bringt also das, was Sauerland Event unter Vertrag hat und was der berliner Veranstalter für Hauptkämpfer hält. Wenn man Glück bekommt man Awetik Abrahamjan (Arthur Abraham), Muamer Hukić (Marco Huck) und Juan Pablo Hernandez zu sehen. Hat man aber Pech, dann bekommt man Jürgen Brähmer, Jack Robert Culcay-Keth (Jack Culcay) und Robert Helenius vorgesetzt.
Von den großen deutschen Fernsehsendern zeigt keiner wirklich Boxen. Alle zeigen nur das Boxen, das jeweils nur ein Veranstalter anzubieten hat. Wenn man davon ausgeht, dass es an jedem Wochenende in der Regel ca. 100 Boxkämpfe auf der Welt gibt, die nicht im deutschen Fernsehen zu sehen sind, die aber zum großen Teil besser sind, als all das, was uns hier so angeboten wird, kann man schon mal auf seltsame Ideen kommen.
Mir persönlich ist da z.B. der Gedanke gekommen, dass wir im deutschen Fernsehen womöglich gar kein Boxen sehen, sondern nur ein „Simulakrum“ von Boxen. Natürlich sehen wir schon die Übertragung oder Aufzeichnung eines wirklichen Boxkampfs. Aber irgendwie ist es eben auch nur ein Bild oder eine Nachbildung eines Boxkampfes. Die hiesigen Boxkämpfe sind dann auch häufig choreographiert. Der Sieger steht bereits vorher fest. Der Kampf, der uns gezeigt wird, ist also ein fiktiver. Heißt das dann aber nicht, dass das Bild oder die Nachbildung des Boxkampfes zu einem diffusen Bild, einem Traumbild oder Phantom wird.
Das Abbild des Boxens hat sich seiner Referenz auf die Wirklichkeit entledigt, d.h. das, auf das es sich bezieht, existiert nicht bzw. ist ein „leeres“ Zeichen. Die deutschen Fernsehanstalten zeigen also kein richtiges Boxen, sondern eine „Produktion“, die, außer dem äußeren Schein, nichts mit realem Boxen zu tun hat. Gleichzeitig aber ist die Nachbildung so perfekt, dass kaum noch jemand unterscheiden kann zwischen Original und Kopie, Vorbild und Abbild, Realität und Imagination. Das dürfte dann ja auch von den Veranstaltern und den TV-Sendern gewollt sein.
Das war ein postmoderner bzw. Postmoderne kritischer Diskurs im Bereich Kultur- und Mediensemiotik, angewendet auf das Profiboxen in Deutschland. – Kommt in absehbarer Zeit nicht wieder vor. Versprochen!
© Uwe Betker

Pech oder System?

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Bei der Pressekonferenz nach dem Kampf in Bamberg zwischen Yoan Pablo Hernandez und Troy Ross verlor der Manager Kalle Sauerland ein wenig seine Contenance. Der Trainer des unterlegenen Ross, Christopher Amos, stellte nämlich sinngemäß fest: „In Deutschland nach Punkten zu gewinnen, ist sehr schwierig.“ Damit gab er aber wohl nur die Meinung des Großteils der Boxfans in der Welt und auch in Deutschland wider. Gleichwohl reagierte Herr Sauerland erstaunlich dünnhäutig auf diese Feststellung. Er erwiderte: „Ich kann verstehen, wenn Leute sich über Urteile aufregen, aber in Bezug auf Deutschland kann ich das gar nicht verstehen. Die IBF war heute der Weltverband. Und in den letzten 16 Monaten gab es zwei große IBF Weltmeisterschaften auf deutschem Boden. Zweimal hat der deutsche Weltmeister hier den Titel verloren. Einmal Felix Sturm und einmal unser Sebastian Sylvester.“ Später ergänzte er auf Englisch, wenn ich es denn richtig verstanden habe, die Punktrichter seien keine Deutschen gewesen und ihm gefiele die In-Beziehung-Setzung mit Deutschland nicht.
Natürlich hat Herr Sauerland vollkommen Recht, wenn er Deutschland verteidigt. Fehlurteile gibt es im Boxenschon seit es Boxen überhaupt gibt – und das überall auf der Welt. Argumentativ macht er jedoch einen Salto rückwärts, wenn er durch die Niederlagen von Sturm und Sylvester beweisen will, dass es keine Beziehung zwischen Fehlurteilen und Deutschland gibt, denn beide Boxer hatten doch wohl zu Recht nach Punkten verloren. Als Beobachter von außen könnte man aber nun auf die Idee kommen, es könnte eine Beziehung zwischen Fehlurteilen und Sauerland Event geben. Gefühlt gibt es keinen Veranstalter auf der Welt, bei dessen Veranstaltungen es mehr Fehlurteile gibt, als bei dem berliner Promoter.
Nach meiner Meinung waren z.B. Yoan Pablo Hernandez gegen Troy Ross (15.09.12) und Robert Helenius gegen Dereck Chisora (03.12.2011) krasse Fehlurteile. Marco Huck verlor in meinen Augen klar nach Punkten gegen Firat Arslan am 03.11.2012. Vorher wurde er auch schon gegen Ola Afolabi (05.05.2012), Denis Lebedev (18.12.2010) und noch einmal gegen Afolabi (05.12.2009) zum Sieger erklärt. Bei all diesen Kämpfen habe ich persönlich immer den Gegner von Muamer Hukic als Sieger gesehen. Damit könnte der Mann aus Ugao, Serbien glatt der ungekrönte Weltmeister der Fehlurteile sein. – Ich möchte dazu noch bemerken, dass die oben angeführten sechs Kämpfe nur die sind, die mir spontan einfallen.
Wären Fehlurteile von Punktrichtern Zufall, dann sollte man erwarten, dass sie auch dem Zufallsprinzip folgen müssten. Sie müssten sich dann sowohl auf Boxer, die für wie auf solche, die gegen einen Boxstall antreten, entfallen. Mir will aber partout kein einziges Fehlurteil zu Ungunsten von Sauerland Event einfallen. Ist dies nun Pech oder einer Anhäufung von unglücklichen Zufällen geschuldet – oder steckt etwa ein System dahinter?
Unlängst wurde mir die Geschichte erzählt, dass eine in Deutschland lebende Boxerin sich bitterlich bei ihrem Veranstalter darüber beschwert hätte, er hätte die Punktrichter nicht im Griff gehabt und sie dadurch ihren WM-Titel verloren. Ob die Geschichte nun wahr ist oder nicht, bleibt dahin gestellt. Offensichtlich gibt es aber in Deutschland Veranstalter, bei denen es weniger Fehlurteile gibt als bei anderen.
Den Punktsieg des alten und neuen Weltmeisters im Cruisergewicht nach Version WBO Marco Huck über Firat Arslan, vom 03.11.2012, nenne ich jedenfalls ein Fehlurteil. Und die Häufung der Fehlurteile bei Sauerland Event kommt mir persönlich doch schon sehr bemerkenswert vor.
© Uwe Betker

Boxen im Revierpark Wischlingen

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Am Freitag, dem 20.04.2012 fand in Dortmund, im Revierpark Wischlingen, eine sehenswerte Boxveranstaltung statt. Dabei begann es nicht sehr verheißungsvoll, aber von Kampf zu Kampf wurden die Boxkämpfe immer besser.
Im ersten Kampf des Abends gaben die Mittelgewichtler Schirwan Hansen und Moustafa Kükener ihr Profidebüt. Die Darbietung der beiden erinnerte mehr an ein leichtes Sparring als an einen Boxkampf. Hansen, der bessere Boxer, boxte nahezu nur mit seiner linken Führhand und benutzte nur sehr selten seine Rechte. Das war sehr gut für Kükener, der häufig falsch rum, d.h. in die Schlaghand rein lief. Am Ende gewann Hansen dann auch nach Punkten, ohne seinem Gegner allzu sehr weh getan zu haben. Höhepunkt des Kampfes waren die Nummerngirls. In der Pause zwischen der dritten und vierten Runde, trat eines zum ersten Mal auf und kündigte die dritte Runde an. Das hatte dann zur Folge, dass nach der vierten Runde, vor der Urteilsverkündung, eine andere nun die vierte Runde ankündigte. Zu Recht bekam sie daraufhin einen größeren Applaus als die anderen Akteure im Ring.
Im zweiten Kampf trafen im Halbschwergewicht Roman Djavoev (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) und Stefan Albers (3 Kämpfe, 3 Niederlagen, 3 durch KO) aufeinander. Ich hatte den Eindruck, Albers hatte Angst. Er hatte Djavoev Nichts entgegenzusetzen. Ein Wischer schickte ihn dann zu Boden, wo er angezählt wurde. Sein Chefsekundant hatte sich übrigens während dieser Runde bei seinem Helfer nach dem Namen seines Schützlings erkundigt.
In der zweiten Runde schickte eine Rechte zum Kopf Albers erneut zu Boden. Wieder wurde er angezählt. Diesmal aber brach der umsichtig agierende Ringrichter Toni Tiberi aus Luxemburg ab. Die Veranstaltung stand unter der Aufsicht des luxemburger Boxverbandes F.L.B. (Fédération Luxembourgeoise de Boxe).
Der folgende Kampf im Super Mittelgewicht war sehr unterhaltsam. Auch hier wurde ein Boxer, Christian Pawlak (23 Kämpfe, 18 Siege, 10 durch KO, 4 Niederlagen, 1 Unentschieden), aufgebaut. Daher hatte man wohl auch Dominik Ameri (17 Kämpfe, 5 Sieg, 2 durch, KO, 8 Niederlage, 6 durch KO) kommen lassen. Aber der Schützling von Suleyman Dag, der seinem Gegner hoffnungslos unterlegen war, hatte sich offensichtlich vorgenommen, den Kampf zu überstehen. Pawlak wollte den vorzeitigen Sieg und Ameri wollte überleben. Da machte es auch dem Chancenlosen nichts, dass er in der fünften Runde für sein Klammern mit einem Punktabzug bestraft wurde. Und natürlich verlor er dann in der sechsten und letzten Runde seinen Mundschutz. Selbstverständlich dauerte das Säubern und das Wiedereinsetzen ziemlich viel Zeit. Ich gestehe: Ich fieberte mit Ameri mit und ich habe mich königlich amüsiert. Die Verkündigung des Punkturteils war reine Formsache.
Hiernach wurde die Veranstaltung, die von Khalil Box Promotion auf die Beine gestellt worden war, auch sportlich richtig gut und steigerte sich von Kampf zu Kampf. Der als Aufbaugegner engagierte Karim Allous (4 Kämpfe, 1 Sieg, 3 Niederlagen, 1 durch KO) sorgte für eine faustdicke Überraschung. Der Mann, der bis dahin keinen seiner Profikämpfe gewinnen konnte, kam nicht nach Dortmund, um zu verlieren. Er wollte seine Negativserie beenden. Sein Gegner Armand Cullhaj (17 Kämpfe, 11 Siege, 6 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO, 3 Unentschieden) versuchte mit Kraft zum Ziel zu kommen, während sich Allous aufs Boxen verlegte. Cullhaj kam nie richtig in den Kampf, seine Schläge trafen nicht. Sein Gegner entzog sich zumeist erfolgreich seinen Versuchen, ihm den Schlagabtausch aufzuzwingen. Dafür setzte Allous immer wieder schöne Treffer, vor allem mit seiner Linken. Nach vier Runden gab es dann noch eine kleinere Diskussion im Ring, weil der Kampf in der Kampffolge irrtümlich als Sechsrunder angekündigt worden war. Hiernach wurde dann Allous zum Punktsieger erklärt.
Im Schwergewicht maßen sich dann Spas Genov (6 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO) und Serdar Uysal (34 Kämpfe, 14 Siege, 7 durch KO, 18 Niederlagen, 14 durch KO, 2 Unentschieden), was eine mutige Ansetzung war. Immerhin stand der 40-jährige Uysal schon mit Christian Hammer, Manuel Charr, Michael Sprott, Robert Helenius und vielen anderen im Ring. Genov musste sich seinen Sieg in dem Sechsrunder hart erarbeiten. Die Rechte, also die Führhand von Uysal, machte ihm Schwierigkeiten. Uysal bekam zum Ende des Kampfes hin Konditionsprobleme. Das war allerdings verständlich, denn er stand drei Wochen vorher bereits im Ring. Letztlich gewann der technisch bessere Boxer, Genov, klar nach Punkten.
In dem letzten Kampf vor der Frauenweltmeisterschaft kämpften im Cruisergewicht Timur Musafarov (5 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO) und Prince Anthony Ikeji (18 Kämpfe, 12 Sieg, 9 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO) gegeneinander. Das Aufeinandertreffen der beiden war eine intensiv geführte Ringschlacht, die hin und her wogte. Der erfahrenere Ikeji dominierte die erste Runde. Aber bereits im zweiten Durchgang wendete sich das Blatt. Er verlor seine boxerische Linie und der Musafarov errang die Oberhand. Wiederum eine Runde später wurde Ikeji wieder stärker. Beide suchten den KO. In den Runden vier, fünf und sechs gab es viele harte Schlagabtäusche. In Durchgang sieben musste Musafarov viel einstecken, konnte dafür aber im achten schön kontern. Es war ein großartiger Kampf, der so verbissen geführt wurde, dass beide Kontrahenten den Schlussgong überhörten. Am Ende gewann Musafarov mit zwei Runden Vorsprung.
Den Hauptkampf des Abend bestritten zwei Frauen: Goda Dailydaite (7 Kämpfe, 7 Siege, 2 durch KO) und Arleta Krausova (8 Kämpfe, 6 Siege, 2 durch KO, 2 Niederlagen): Hierbei ging es um die Interims WM der WIBF (Women’s International Boxing Federation) und um den vakanten Titel der WBF (World Boxing Federation) im Federgewicht. Der Kampf der beiden Damen war wirklich ein Hauptkampf. Die unangenehm zu boxende Krausova, die schon Pia Mazelanik und Ramona Kühne das Leben schwer gemacht hatte, wobei sie Mazelanik auch besiegte, forderte der Boxerin aus Essen alles ab.
Dailydaite startete sichtlich nervös. Durch einen Schrittfehler ging sie in der ersten Runde zu Boden, was Ringrichter Daniel van De Wiele zu Recht nicht als Niederschlag wertete. Dailydaite war die bessere Boxerin aber Krausova war die Fighterin, die ihr den Kampf antrug. Auch in der zweiten Runde ging Dailydaite wieder zu Boden. Und wieder wurde es nicht als Niederschlag gewertet. Dabei bin ich persönlich mir allerdings nicht sicher, ob hier nicht doch auch Schlagwirkung im Spiel war.
Ab der dritten Runde kam Dailydaite besser in den Kampf. Immer wenn sie lang boxen konnte, sah sie gut aus. Jedoch verlor sie manchmal beim Schlagabtausch etwas die Übersicht. Bis zum Ende der zehnten Runde wogte der Kampf hin und her, wobei Dailydaite in der Regel immer mehr Hände im Ziel hatte. Am Ende gewann sie verdient nach Punkten. Logisch wäre in der Zukunft ein Kampf gegen die in Deutschland boxende Weltmeisterin bzw. Ex-Weltmeisterin Elina Tissen (16 Kämpfe, 14 Sieg, 6 durch KO, 2 Niederlagen) oder Ina Menzer (30 Kämpfe, 29 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage).
Ich hoffe, dass Khalil Box Promotion noch viele gute Veranstaltungen auf die Beine stellt und dabei weiterhin so viel Mut bei den Kampfansetzungen zeigt.
© Uwe Betker

Arthur Abraham und die Kriese von Sauerland Event

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Am Samstag, den14.01.2012 boxt in Offenburg Arthur Abraham (35 Kämpfe, 32 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen) gegen Pablo Oscar Natalio Farias (20 Kämpfe, 19 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage). Dieses Aufeinandertreffen verspricht ein netter Kampf zu werden. Abraham, der ehemalige Weltmeister der IBF im Mittelgewicht, soll nach drei desaströsen Niederlagen wieder aufgebaut werden. Da kommt der Mann aus Argentinien ganz recht. Es ist kein besonders hart schlagender Gegner. Seinen letzten Kampf hatte er verloren und war dabei auch zu Boden gegangen. Er ist aber auch nur die Nummer 71 der unabhängigen Weltrangliste.
Man muss kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass Abraham gewinnen wird. Das wie, also durch KO oder nach Punkten, dürfte auch eine Frage der Stallregie sein. Es ist gut und es ist richtig zu versuchen, Arthur Abraham wieder aufzubauen. Man kann sich aber schon fragen, wofür er aufgebaut werden soll. Erklärtes Ziel ist es natürlich, dass Avetik Abrahamyan wieder Weltmeister werden soll – im Super Mittelgewicht. Es fragt sich aber, ob er realistischer Weise überhaupt einen der Weltmeister schlagen kann?
Erstaunlich ist, dass der Kampf Abraham gegen Farias Hauptkampf der ARD ist. Es gab Zeiten – und die sind noch gar nicht so lange her – da konnte man den Eindruck gewinnen, dass alles, was unterhalb einer Weltmeisterschaft rangierte, unter der Würde der ARD war. Und nun wird ein Kampf gezeigt, in dem es um Nichts geht. Offensichtlich ist Sauerland Event in einer sportlichen Krise. Sie haben mit einem Marco Huck (35 Kämpfe, 34 Siege, 25 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) einen Weltmeister im Cruisergwicht, der wohl lieber sein Glück im Schwergewicht versuchen will als erneut in einer Pflichtverteidigung gegen Denis Lebedev (24 Kämpfe, 23 Siege, 17 durch KO, 1 Niederlage) anzutreten. Sie haben mit Yoan Pablo Hernandez (26 Kämpfe, 25 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) einen Weltmeister, der nur umstritten IBF Weltmeister im Cruisergewicht wurde. Sie haben mit Alexander Povetkin (23 Kämpfe, 23 Sieg, 16 durch KO) einen Weltmeister im Schwergewicht, den niemand auf der Welt als richtigen Weltmeister ansehen mag. Sie haben mit Robert Helenius (17 Kämpfe, 17 Siege, 11 durch KO) einen Europameister, der seinen Titel auf eine sehr-sehr-sehr umstrittene Art gewonnen hat.
Sauerland Event fehlen offensichtlich die Hauptkämpfer. Daher sahen sie sich wohl gezwungen, um überhaupt Titelkämpfe in der Show zu haben, mit Sport Events Steinforth zu kooperieren, um von ihnen die Titelkämpfe, ohne die es wohl doch nicht geht, zu bekommen. Das hat zur Folge, dass Robert Stieglitz (42 Kämpfe, 40 Siege, 23 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) jetzt auch in der ARD seinen WBO Super Mittelgewichtstitel gegen Henry Weber (16 Kämpfe, 15 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage) verteidigen darf. Es darf diesmal sogar eine Frau auf einer Sauerland Show boxen. – Bekanntermaßen ist Wilfried Sauerland ein entschiedener Gegner des Frauenboxens. – Cecilia Braekhus (19 Kämpfe, 19 Sieg, 5 durch KO), die Weltmeisterin der WBC, WBA und WBO im Weltergewicht, wird geduldet, weil sie einen lukrativen TV-Vertrag hat. – Nun also darf Ramona Kühne (19 Kämpfe, 18 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) sich auf einer Sauerland Veranstaltung präsentieren und ihre WIBF, WBO und WBF Titel im Super Federgewicht gegen Renata Domsodi (8 Kämpfe, 7 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage) verteidigen.
© Uwe Betker

Robert Helenius als Symptom für das Boxen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

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Sauerland Event wollte sich und der ARD einen neuen Hauptkämpfer schenken. Zwar gibt es da noch einen Alexander Povetkin (23 Kämpfe, 23 Siege, 16 durch KO), der sich auch Schwergewichtsweltmeister der WBA nennen darf, aber da es noch die Klitschkos gibt, ist dieser Titel eher so etwas wie der Internationale Deutsche Meister Titel.
Robert Helenius (17 Kämpfe, 17 Siege, 11 durch KO) sollte es also machen. Der WBA und WBO Intercontinental Titelträger sollte gegen Dereck Chisora (17 Kämpfe, 15 Siege, 9 durch KO, 2 Niederlagen) Europameister im Schwergewicht werden, was er auch schaffte.
Helenius gewann allerdings hauptsächlich dadurch, dass zwei Punktrichter, nämlich Giuseppe Quartarone und Manuel Oliver Palomo ihm den Kampf gaben. Sie werteten den Kampf 115-113 und 115-113 und überstimmten ihren Kollegen Leszek Jankowiak, der 113-115 wertete.
Selbst wer den Kampf nicht gesehen hat, kann schon ahnen, was passiert ist. Richtig! Der in Deutschland schon berühmte Manuel Oliver Palomo hat es wieder getan, er sah einen Boxer aus dem Sauerland Stall gewinnen, den viele als Verlierer wahrgenommen haben. Auch wenn sie eine scharfe Positionierung noch vermieden, so drängte sich doch der Eindruck auf, dass auch der übertragende TV-Sender ARD Helenius nicht als Sieger sah.
Interessant war zu sehen, wie die ARD mit dieser Situation umgeht: Alle schienen mir etwas „genervt“. Offensichtlich sind die Zeiten bei der ARD vorbei, in denen noch jede Punktrichterentscheidung entschuldigt und gerechtfertigt wurde. Zum einen ist das schon mal eine positive Entwicklung und ich persönlich würde mir wünschen, dass die Redakteure sich trauen, noch deutlicher Position zu beziehen und klar und deutlich zu sagen, wenn ein Sauerland Boxer verloren hat. Beunruhigend fand ich allerdings, dass ich eine Art Resignation zu sehen glaubte. So, als ob die ARD nur noch ihren Vertrag erfüllen will, um sich dann aus dem Boxen ganz zurückzuziehen.
© Uwe Betker

Internationaler Deutscher Meister: Alexander Povetkin

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Erwartungsgemäß besiegte Alexander Povetkin (22 Kämpfe, 22 Siege, 15 durch KO) Ruslan Chagaev (30 Kämpfe, 27 Siege, 17 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden). Nicht erwartet hatte ich allerdings, dass Povetkin sich so schwer tun würde.
Nun darf sich Povetkin also WBA Weltmeister im Schwergewicht nennen. Er ist natürlich nicht der „richtige“ Weltmeister, denn der heißt schließlich immer noch Wladimir Klitschko (59 Kämpfe, 56 Siege, 49 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO). Aber die WBA erklärte Klitschko einfach zum Super Champion, und schon konnten die Titel noch einmal vergeben werden, was auch bedeutet, dass die WBA natürlich noch einmal kassieren kann.
Der Kommentator des Kampfes in der ARD versuchte nun den Zuschauer glauben zu machen, Povetkin und Chagaev seien die Besten nach den Klitschkos. Das bezweifle ich persönlich allerdings stark. Mit meinen Zweifeln bin ich wohl auch nicht ganz allein, denn der ARD Mitarbeiter, der den Kampf von Robert Helenius (16 Kämpfe, 16 Siege, 11 durch KO) kommentierte, sah Helenius noch vor Povetkin. Vielleicht sollte die ARD immer, und nicht nur im Bedarfsfall, die unabhängige Weltrangliste zu Rate ziehen.
Man kann aber auch die Boxer und deren Trainer selber fragen, wo sie sich sehen. Man könnte sie da einfach fragen, ob sie gegen einen der Klitschkos boxen wollen. Diese Frage stand nämlich den ganzen Abend im Raum. Ich hatte schon den Eindruck, dass Povetkin, sein Trainer Teddy Atlas und die ARD eine solchen Kampf auf keinen Fall haben wollen. Damit wiederum wäre die Wertigkeit der WBA Weltmeisterschaft im Schwergewicht eindrucksvoll illustriert.
Um es deutlich zu sagen: Wir sahen einen guten Kampf. Aber wenn die WBA und das Profiboxen nicht so wären, wie sie nun mal sind, dann wäre der Kampf zwischen Povetkin und Chagaev ein Kampf um die Internationale Deutsche oder Österreichische Meisterschaft oder eventuell auch um die Europameisterschaft gewesen. Die britische Boxing News überschrieb ihren Vorbericht zum Kampf denn auch mit „Fool´s Gold“.
© Uwe Betker