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Posts Tagged ‘Roman Karmazin

Der schleichende Niedergang von Sauerland Event (2)

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Sauerland Event nahm wohl den Ausstieg des ZDFs aus dem Vertrag mit Universum Box-Promotion nicht zum Anlass über die eigenen Veranstaltungen und den generellen Umgang mit dem Boxen und dem Publikum nachzudenken. Das Verharren im Status Quo war zwar verständlich, schließlich hatte der berliner Veranstalter als einziger noch einen lukrativen Vertrag mit einem öffentlich-rechtlichen Sender, aber man kann es dennoch als einen gravierenden Fehler ansehen.
Sauerland war nun nahezu der unumschränkte Herrscher über das Boxen in Deutschland. Es gab keine direkte Konkurrenz mehr. Es gibt zwar noch Felix Sturm auf SAT 1 und Wladimir und Vitali Klitschko auf RTL, aber die sind keine Veranstalter im eigentlichen Sinne, sondern eher nur Selbstvermarkter. Sie haben keinen eigenen Boxstall und sie bauen auch keine anderen Boxer systematisch auf. Aber wie so häufig wenn es keinen Wettbewerb mehr gibt, wird der Übriggebliebene träge und behäbig. Sauerland machte einfach so weiter, wie zuvor.
Wenn man sozusagen der größte und alles beherrschende deutsche Promoter ist, schauen alle einem ganz genau auf die Finger. Was die Zuschauer von der ARD im Groben zu sehen bekamen, war folgendes: Der einst als nahezu unschlagbar geltende Arthur Abraham musste sich ein ums andere Mal gegen bessere Boxer geschlagen geben. Dabei musste er diese Niederlagen alle in einem Turnier hinnehmen, das Sauerland sogar selbst ins Leben gerufen hatte. Sie sahen weiter, wie der russische Riese Nikolai Valuev, der auch vorher schon nicht immer sehr überzeugt hatte, erst gegen David Haye verlor und seither verletzungsbedingt nicht wieder boxte. Ob und wann Valuev wieder in den Ring steigt, steht wohl in den Sternen.
Weil Abraham verlor und Valuev nicht mehr boxte, wurden die Weltmeister der – wenn man so will – zweiten Reihe umso wichtiger für Sauerland als Hauptkämpfer. So bekam Muamer Hukic alias Marco Huck, der Weltmeister im Cruisergewicht nach Version WBO, mehr Aufmerksamkeit. Dieses Mehr, auch an medialer Aufmerksamkeit nutzte er vor seinem Kampf gegen Denis Lebedev dazu, seinen Herausforderer übel zu beleidigen. Wohl noch angestachelt vom Echo in den Medien, legte er verbal dann später sogar noch einmal nach. Diese verbalen Kraftakte, blieben dann auch seine stärkste Leistung 2010. Im Kampf mit den Fäusten konnte Huck jedenfalls nur sehr knapp durch Mehrheitsentscheidung seinen Titel behalten, weil zwei Punktrichter den Kampfverlauf wohl nicht durch ihr Punkten wiedergeben konnten oder wollten. Die Folge: Ein, wie ich finde skandalöses Fehlurteil.
Das Selbstbewusstsein des Herrn Hukic war nach seinem Sieg nicht gerade angekratzt. Er sah sich nach dem Kampf als klaren Sieger, beglückwünschte sich zu seiner Leistung und dankte vor allem Gott – und nicht den Punktrichtern. Das offensichtliche Nichtanbieten eines Rückkampfes und das sehr zögerliche in Aussichtstellen einer Teilnahme an einem möglichen Super-Six-Turniers im Cruisergewicht durch Sauerland Event danach machte die ganze Sache auch nicht gerade erfreulicher. Dann setzte man Huck einen Gegner (Denis Lebedev) vor, von dem man absolut sicher sein konnte, dass er dem amtierenden Weltmeister niemals irgendwelche Schwierigkeiten machen würde.
Sebastian Sylvester konnte nur Mittelgewichtsweltmeister der IBF werden, weil Arthur Abraham diesen Titel aufgegeben hatte. Er gewann seinen Titel durch einen knappen Punktsieg mit Mehrheitsentscheidung gegen den nicht sehr starken Giovanni Lorenzo (19.09.2009). Danach verteidigte er seinen Titel durch einen TKO-Sieg gegen einen eher mittelmäßigen Boxer namens Billy Lyell (30.01.2010), der exakt ein Viertel seiner Profikämpfe verloren hatte. Dann folgte eine Pflichtverteidigung gegen Roman Karmazin (05.06.2010). Gegen ihn erreichte er nur mit Müh und Not ein nicht unumstrittenes Unentschieden. Natürlich, wir kennen das Muster schon: Es gab keinen Rückkampf, dafür aber einen leichteren Gegner (Mahir Oral). In der nächsten Pflichtverteidigung bekam er es dann mit Daniel Geale zu tun. Diesmal verlor er knapp nach Punkten
© Uwe Betker

Sebastian Sylvester – suboptimal

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Eigentlich mag ich das Adjektiv „suboptimal“ überhaupt nicht. Normalerweise soll damit verschleiert werden, dass irgendetwas grottenschlecht ist. Es kann aber auch sein, dass derjenige, der dieses Wort benutzt, sich nur spreizen und seine tolle Bildung unter Beweis stellen will. Aber zur Beschreibung des bevorstehenden Kampfes zwischen Sebastian Sylvester und Daniel Geale am 07. Mai fällt mir wirklich kein passenderer Begriff ein.
Der Weltmeister im Mittelgewicht nach Version IBF, Sebastian Sylvester (38 Kämpfe, 34 Siege, 16 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden), tritt in einer Pflichtverteidigung gegen Daniel Geale (25, Kämpfe, 24 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage) an. Der Weltmeister aus Greifswald wird in der unabhängigen Weltrangliste auf Position 7 geführt. Sein australischer Herausforderer ist sogar über ihm, nämlich auf Platz 3. Es verspricht ein guter und vor allem sehr spannender Kampf zu werden. Sylvester ist kleiner, agiert gerne hinter einer Doppeldeckung und versucht Einzeltreffer zu setzen. Geale ist ein aktiver und aggressiv nach vorne gehender Boxer, der seine Gegner zermürben will. Die Kampfstile passen also gut zueinander. Glaubt man den Experten, so wird diese Titelverteidigung sehr schwer für Sylvester, und nicht wenige sehen ihn sogar als Außenseiter.
Man könnte also durchaus den Eindruck gewinnen, dass da für die Boxfans ein Kampf angesetzt worden ist, den man schon als optimal bezeichnen könnte -, wenn es da nicht diese Vorgeschichte geben würde. In seiner letzten Pflichtverteidigung (05.06.2010) kämpfte Sylvester doch gegen den Russen Roman Karmazin, und er sah dabei überhaupt nicht gut aus. Nur mit Müh und Not erreichte er durch ein Split Decision ein Unentschieden. Ich möchte hier den Punktrichter Jason Lawson in Erinnerung rufen, der Sylvester mit unglaublichen 118:111 vorne sah.
Die Addition der Punktzettel dauerte eine sich über sieben Minuten hinziehende Ewigkeit. In dieser Zeit wurde Hagen Döring, der Sportdirektor und Matchmaker von Sauerland Event, zum Hauptkämpfer des Abends. Ihm war nämlich aufgefallen, dass ein Punktrichter eine Runde unentschieden gewertet haben müsste. Das aber die Delegierten angehalten sind keine Runden unentschieden zu werten, wurden die Punktzettel mit der Masterscorecard verglichen. Wobei ein Übertragungsfehler fstgestellt wurde. So wurde dann das Ergebnis einer Runde zu Gunsten von Sylvester geändert. Nur durch diese Korrektur von einer Runde blieb Sylvester Weltmeister.
Sozusagen zum Kollateralschaden der ganzen Aktion wurde ein Mitglied des Karmanzin-Teams, das versucht hatte, den umstrittenen Punktzettel zu fotografieren, weil er von einer Manipulation ausgehen musste. Der Mann wurde niedergekämpft. Die Leute von Sauerland Event glaubten wohl, der Punktzettel sollte entwendet werden, und so flogen also die Fäuste. Wenn ich es richtig gesehen habe, stellte Herr Döring unter Beweis, dass er selber einmal als Amateur geboxt hat. Diesen Kampf gewann das Sauerland-Team eindeutig.
Ginge es im Profiboxen etwas fairer und gerechter zu und sollte dem zahlenden Zuschauer mehr geboten werden, dann hätten Sauerland und Sylvester nach diesen Vorfällen Karmanzin einen Rückkampf angeboten. Stattdessen gönnte man Sylvester einen Zahltag (30.10.2010) gegen Mahir Oral.
Roman Karmazin musste in einem von der IBF angesetzten Eliminator am 31.10.2010 gegen Daniel Geale antreten. Den verlor er durch TKO in Runde 12. Optimal wäre in meinen Augen nun also ein Rückkampf zwischen Sebastian Sylvester und Roman Karmazin gewesen. Und erst dann hätte eine Pflichtverteidigung gegen Daniel Geale stattfinden sollen. So ist aber die jetzige Ansetzung nur suboptimal.
© Uwe Betker

PS: Matthews Podgorski punktete nicht für Sylvester, wie ich ursprünglich schrieb, sondern Jason Lawson. Sorry Matthews Podgorski!

Die Beschreibung des Durcheinanders mit den Punktzetteln habe ich präzisiert.

Danke für den Hinweis und für die Präzisierung.

Quo vadis Sauerland Event? (2)

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Der berliner Veranstalter von Profiboxveranstaltungen Sauerland Event ist wohl in ein gefährliches Fahrwasser gekommen. Weltmeister behalten ihre Titel unter dubiosen Umständen. Der Veranstalter sitzt den Unmut der Zuschauer aus, wohl hoffend, dass sich der Zorn verflüchtigt und ihre so noch einmal davon gekommenen Weltmeister gegen schwächere Gegner besser aussehen. Offensichtlich sind sie ängstlich darauf bedacht, keinem Gegner, der durch eine umstrittene Punktentscheidung verlor, einen Rückkampf zu gewähren. Zu groß ist ist wohl konkret nun ihre Angst, ihre beiden technisch doch eher limitierten Weltmeister, Muamer Hukic alias Marco Huck und Sebastian Sylvester, zu verlieren. Immerhin sind sie ja Weltmeister und damit Hauptkämpfer. Dem Profit wird hier wohl die Glaubwürdigkeit geopfert.
Um Glaubwürdigkeit geht es in meinen Augen auch bei der Auswahl der Gegner für die freiwilligen Titelverteidigungen. Auch hier sehe ich Erosionserscheinungen. Zum einen gibt es das „Sorgenkind“ Alexander Wladimirowitsch Povetkin, den Zaghaften Zar, der zwar immer noch als möglicher Gegner von Wladimir Klitschko gehandelt wird, dem aber immer, wenn ein solcher Kampf bevorsteht, etwas dazwischen kommt. Beim ersten Mal war es eine Verletzung, die er sich in den Tiefen der russischen Wäldern zugezogen hatte und beim zweiten Mal die Bedenken sein neuer Trainer Teddy Atlas in dem Dschungel von New York. Stattdessen boxte er dann Gegner aus der fünften oder sechsten Reihe. Da gab es zuerst ein „El Monstruo“ Javier Mora (29 Kämpfe, 22 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden), dann kam ein „African Prince“, Teke Oruh (16 Kämpfe, 14 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen), und danach „Stone Man“ Nicolai Firtha (27 Kämpfe, 19 Sieg, 8 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden).
Povetkin hat sich unter seinem neuen Trainer wohl nicht weiter-, sondern eher zurückentwickelt, was auch Wilfried Sauerland zuletzt vor laufenden Kameras verkündete. An dieser Stelle kann man sich nun auch fragen, warum solche Aufbaukämpfe ohne Bedeutung, ohne Spannung und – was am schlimmsten ist – auch ohne Unterhaltungswert zum Teil von der ARD gezeigt werden. Mich persönlich beschleicht da schon das Gefühl, dass hier auf zweierlei Weise für die Zuschauer Potemkinsche Dörfer aufgebaut werden. Zum einen soll uns hier wohl ein Boxer, der, so wie es aussieht, vermutlich nie ein würdiger Herausforderer für einen WM-Kampf im Schwergewicht werden wird, jedenfalls nicht solange Boxer von der Klasse der Klitschkos Titelträger sind, als große russische Schwergewichtshoffnung verkauft werden. Zum anderen werden uns da offenbar schwache Aufbaugegner als starke Schwergewichtsprüfungen verkauft.
Die Qualität der Gegner von Sebastian Sylvester wird, wie mir scheint, konsequent gesenkt. Zuerst boxte er in diesem Jahr gegen einen schwachen Billy Lyell (28 Kämpfe, 21 Sieg, 4 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO). Danach kam die Geschichte mit der Korrektur des Punktzettels, gegen Roman Karmazin (05.06.2010), so dass gerade noch ein Unentschieden erreichte wurde. Hernach gab man ihm mit Mahir Oral (30.10.2010) einen Gegner, den man als Gegner nach einem schweren Kampf gerade mal so durchgehen lassen kann. Der nächste Gegner Mehdi Bouadla (24 Kämpfe, 21 Siege, 10 durch KO, 3 Niederlagen) senkt das Niveau noch einmal erheblich. Der Franzose ist lediglich die Nummer 50 der unabhängigen Weltrangliste.
Beschämend grotesk war für mich auch die letzte Kampfansetzung von der Weltmeisterin im Weltergewicht nach Version WBA, WBC und WBO Cecilia Braekhus. Sie boxte doch tatsächlich Eva Halasi, die in der unabhängigen Weltrangliste zwar auf Position 30 geführt wurde und für ihre bisherigen Kämpfe aber sage und schreibe 0 Punkte bekommen hatte, als genauso viele, wie sie auch die Letzte der Rangliste hat.
Die Kampfpaarungen wachsen sich m. E. mehr und mehr zu einem Problem aus. Mir drängt sich der Verdacht auf, Sauerland Event könnte in einen Teufelskreis gefangen sein. Ihre technisch limitierten Weltmeister Hukic und Sylvester sehen in ihren Pflichtverteidigungen schlecht aus. Sie gewinnen aber unter dubiosen Umständen. Rückkämpfe werden, weil zu gefährlich, nicht gewährt. Stattdessen werden immer unwürdigere Gegner für die freiwilligen Titelverteidigungen gefunden. Hinzu kommt bei ihrer weiblichen Weltmeisterin die Schwierigkeit, überhaupt gute Gegnerinnen zu finden, die ihrer „First Lady“ gleichzeitig aber nicht gefährlich werden können.
Die Stärke von Sauerland Event war es einmal, dass sie bei den Paarungen besser waren als Universum Box-Promotion. Das Matchmaking von Universum war „berühmt“. Wie formulierte es einst doch noch Darius Michalczewski, als er gefragt wurde, wer sein nächster Gegner sein sollte: „Irgendein Kater Carlo.“ Dem setzte Sauerland Event früher Qualität entgegen. Heute scheinen sie jedoch nur noch auf Sicherung des Erreichten zu setzen. Damit setzt sie sich aber womöglich der Gefahr aus, genau so zu enden wie der Boxstall von Klaus-Peter Kohl.
© Uwe Betker

Quo vadis Sauerland Event? (1)

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Der berliner Veranstalter von Profiboxveranstaltungen, Sauerland Event, ist wohl in ein gefährliches Fahrwasser gekommen. Bis vor kurzem gab es in Deutschland zwei große Promoter, die für das Boxen Made in Germany standen: Sauerland Event und Universum Box-Promotion. Beide hatten ein eigenes Profil und standen sich in z. T. erbitterter Rivalität gegenüber. Mit dem Verlust des TV-Vertrages beim ZDF und einem Großteil seiner Boxer scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann Universum seine Pforten schließt, zumal Universum wohl auch nicht über ein tragfähiges Alternativkonzept verfügt. Sauerland Event ist also aktuell „der“ deutsche Veranstalter.
Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen, dass diese unumschränkte Machtposition ihnen nicht gut tut. Es machte immer die Qualität des Sauerland Stalls aus, dass sie sich bemühten, besser zu sein als ihre Konkurrenz – ein Konzept, das über die Jahre auch weitestgehend aufgegangen ist. Nun aber haben sie keine Konkurrenten mehr und das, so scheint mir, ist inzwischen auch zu spüren.
Das „weihnachtliche Geschenk“ der beiden, wie ich finde, unsäglichen Punktrichter Lahcen Oumghar und Manuel Oliver Palomo, die aus einem mir unerfindlichen Grund heraus wohl zu den ganz wenigen auf der Welt gehören, die ernsthaft meinen, Muamer Hukic, genannt Marco Huck, hätte Denis Lebedev am 18.12.2010 in Berlin besiegt. Überschattet wurde dieses Fehlurteil schon im Vorfeld durch üble verbale Entgleisungen des WBO-Weltmeisters im Cruisergewicht, die von seinem Veranstalter geduldet scheinen. Das muss man wohl als Stilbruch beim Sauerland Stall ansehen.
Dieser Stilbruch scheint inzwischen ins Bild zu passen. Ich möchte an jene unwürdigen Szenen nach dem Kampf von Sebastian Sylvester und Roman Karmazin (05.06.2010) erinnern, bei denen es unlängst sogar zu Handgreiflichkeiten kam. Die nachträgliche Änderung eines Punktzettels war wohl rechtens, die dann zu dem umstrittenen Unentschieden und damit zur Titelverteidigung von Sylvester führte. Ein Punktrichter musste nachträglich die Wertung einer Runde ändern. Zunächst hatte er sie Unentschieden gewertet, was er aber seit kurzem aufgrund einer Regeländerung der IBF nicht mehr durfte. Er gab die Runde dann Sylvester, der dadurch Weltmeister der IBF im Mittelgewicht blieb. Gleichzeitig hinterlässt dieser Vorgang doch ein „Geschmäckle“.
An dieser Stelle sei noch ausdrücklich der amerikanische Punktrichter Matthew Podgorski erwähnt, bei dem man schon fast den Eindruck bekommen konnte, dass er die Punktzettel schon vor dem Kampf ausgefüllt hat. Wie sonst ist zu erklären, dass er als der vermutlich einzige Mensch auf dieser Welt Sylvester mit einem derart großen Vorsprung (117:111) siegen sah – noch ein Punktrichter, den ich nicht mehr am Ring sehen möchte.
Ich halte diese Häufung von „umstrittenen“ Punktrichter-Entscheidungen für bedenklich. Für besorgniserregend halte ich es jedoch, wie Sauerland Event damit umgeht. Anstatt einen unmittelbaren Rückkampf anzusetzen meint der Veranstalter aber offensichtlich, es aussitzen zu können. Dies gründet sich dann wohl auf die Hoffnung, Zuschauer würden schon vergessen, was passiert ist. Vielleicht hoffen sie aber auch, dass der Gegner, gegen den der eigene Mann so schlecht aussah, gegen einen anderen verliert und damit aus dem Weg ist, wie es Karmazin erging. In meinen Augen ist eine solche Haltung ein fundamentaler Fehler. Durch das Aussitzen wird nämlich nur der Eindruck erweckt oder verfestigt, dass im Boxen sowieso betrogen wird. Das kann aber doch nicht im Sinne eines Promoters sein. Sauerland sollte sich schon überlegen, ob es nicht sinnvoll ist, das Risiko einzugehen, einen schwachen Weltmeister in einem Rückkampf vielleicht verlieren zu sehen, dafür aber seine Glaubwürdigkeit zu erhalten. Schließlich war genau dies – Glaubwürdigkeit – einer der Hauptunterschiede zwischen Sauerland und Universum.
© Uwe Betker