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Felix Sturm, der Zauberlehrling

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Felix Sturm (39 Kämpfe, 36 Siege, 15 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) erinnert mich mehr an einen Zauberlehrling, als an Leonidas, den König einer barbarischen und menschenverachtenden Militärdiktatur. Der WBA Super Champion im Mittelgewicht beschwört nämlich Geister, die er – und wir dann mit ihm – nun nicht mehr loswerden.
Erst beschwor er den Boxer Ronald Hearns herauf, den Sohn des großen Thomas „Hit Man“ Hearns. Hearns Jr. war und ist nur ein ganz schwacher Abklatsch von seinem Vater. Trotzdem boxte Sturm am 19.02.2011 gegen ihn. Und nun wird die Boxwelt ihn nicht mehr los. Obwohl Hearns in der siebten Runde TKO ging, war er ernsthaft als Gegner für Julio Cesar Chavez Jr. (45 Kämpfe, 43 Siege, 30 durch KO, 1 Unentschieden), den WBC Weltmeister im Mittelgewicht und sehr viel schwächeren Abklatsch des großen Julio Cesar Chavez Sen., im Gespräch. Wir erinnern uns: Chavez Jr. wurde am 04.06.2011 durch einen sehr umstrittenen Punktsieg über Sebastian Zbik Weltmeister. Hearns Jr., der sich sogar „The Chosen One“ nennt, wird uns wohl auch weiter im Boxen erhalten bleiben, und es würde mich nicht wundern, wenn er schon bald wieder einen WM-Kampf bekommt.
Einen Kampf später erschuf Sturm dann Matthew Macklin. Sturm, noch in der Kritik stehend, einen solch schwachen Gegner wie Hearns geboxt zu haben, erklärte, dass Hearns Macklin nach ein paar Runden KO schlagen würde. Das könnte man ja jetzt so verstehen, dass Sturm „Mack The Knife“ nicht ernst genug nahm. Auf jeden Fall sah Sturm gegen den Europameister nicht gut aus. Er machte dadurch aus ihm einen Top-Ten Boxer. Nun versucht er Macklin (31 Kämpfe, 28 Siege, 19 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) zu einem Rückkampf zu bewegen. Aber dieser ziert sich, denn nun kann er nämlich sehr viel mehr Börse verlangen, als die 180.000 Euro, die er wohl von Sturm für den ersten Kampf bekommen hatte, und er hat wohl auch noch andere mögliche Gegner im Auge.
© Uwe Betker

Felix Sturm auf dem Weg zur Legende?

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Charley Burley, Marcel Cerdan, Ezzard Charles, Nonparieil Jack Dempsey, Bob Fitzsimmons, Gene Fullmer, Tiger Flowers, Mike Gibbons, Marvin Hagler, Bernard Hopkins, Roy Jones Jr., Harry Greb, Stanley Ketchel, Sam Langford, Jack LaMotta, Kid McCoy, Carlos Monzon, Sugar Ray Robinson, Marcel Thil, Dick Tiger, Mickey Walker, Holman Williams, Tony Zale – um nur die zu nennen, die mir spontan einfallen – sind etwas, was Felix Sturm gerne sein möchte, nämlich Legenden. Die oben genannten Herren, sind wie Sturm Mittelgewichtler, aber Sturm gehört in diese Reihe nicht.
Die Zuschauer in der Halle und an den Bildschirmen staunten nicht schlecht, als die Reporter von SAT 1, vor dem Felix Sturm gegen Matthew Macklin Kampf ganz selbstverständlich darüber parlierten – und zwar ohne sichtbar rot zu werden -, dass Sturm auf dem Weg sei, eine Legende zu werden. Wer auch immer sich das von SAT1 oder von Sturm Box-Promotion hat einfallen lassen, der will entweder sein Publikum für dumm verkaufen, oder er hat keinen blassen Schimmer vom Boxen.
Sturm (39 Kämpfe, 36 Siege, 15 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) wiederholte immer und immer wieder seinen Anspruch, die Besten boxen zu wollen. Als er noch bei Universum Box-Promotion unter Vertrag war, konnte er noch bequem die Schuld dafür, dass er nicht gegen die besten, sondern eher gegen zweit- und drittklassige Boxer antrat, auf seine Veranstalter schieben. Nun aber, wo er seit geraumer Zeit sein eigener Herr ist und auch noch einen TV-Vertrag hat, könnte er doch die Besten boxen. Das aber hat er bis jetzt nicht getan. Ein Giovanni Lorenzo, Ronald Hearns und Matthew Macklin, die Gegner die Sturm sich selber ausgesucht hat, sind keinen Deut besser als die, die er unter Klaus-Peter Kohl boxte. Bis jetzt hat also Sturm seinen Ankündigungen keine Taten folgen lassen. Auf diesem Hintergrund erscheint der „Weg zur Legende“ eher wie eine maßlose Selbstüberschätzung und komplette Negierung der Realität.
Wenn Sturm sich mit den oben genannten Boxlegenden vergleicht, kann er das ruhig tun. Er gehört zu denjenigen, die wohl am häufigsten ihren Titel verteidigt haben. Auch was die Länge seiner „Amtszeit“ als Weltmeister angeht, dürfte er in der Spitzengruppe zu finden sein. Vermutlich hat er sogar schon jetzt sehr viel mehr verdient als die meisten der Genannten. Was ihn aber von ihnen unterscheidet, ist, dass die anderen tatsächlich die Besten ihrer Zeit geboxt haben, während bei Sturm der Eindruck entsteht, dass er das eigentlich doch nicht wirklich will. Einem Matthew Macklin (31 Kämpfe, 28 Sieg, 19 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) einen Rückkampf geben zu wollen, ist toll. Damit zeigt Sturm mehr Rückgrat als viele andere Boxer, die man so im deutschen Fernsehen zu sehen bekommt. Aber Macklin gehört nun mal eben nicht zu den besten Mittelgewichtlern der Welt, auch wenn SAT1 und Felix Sturm das den Zuschauern weismachen wollen.
Um es deutlich zu sagen: Meiner Meinung nach würde Sturm noch nicht einmal die Kölner Stadtmeisterschaft der legendären Mittelgewichtler gewinnen. Denn „De Aap“ Peter Müller (175 Kämpfe, 132 Siege, 68 durch KO, 26 Niederlagen, 17 durch KO, 14 Unentschieden), der nie mehr als Deutscher Meister war, ist eine wirkliche Legende. Felix Sturm, der sich seit kurzem Leonidas nennt, ist es nicht. Noch nicht?
© Uwe Betker

Die Ankündigungen von Felix Sturm

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Wenn man sich so ansieht, wie der Super Champion der WBA im Mittelgewicht Felix Sturm (38 Kämpfe, 35 Siege, 15 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) immer wieder öffentlich macht, gegen wen er boxen möchte und gegen wen nicht, kann man schon ins Grübeln kommen.
Sturm hatte einen perfekten Start. Er boxte am 04.09.2010 gegen Giovanni Lorenzo. Das war der richtige Gegner nach seiner langen Zwangspause. Kaum hatte er überzeugend gewonnen und auch SAT 1 überzeugt, ging es auch schon, wie ich finde, bergab. Er watschte öffentlich die beiden deutschen Weltmeister Sebastian Sylvester (nach Version IBF) und Sebastian Zbik (nach Version WBC) ab, indem er erklärte, dass ein Kampf mit einem von diesen Beiden sportlich uninteressant sei. Lediglich ihre Titel seien für ihn von einigem Interesse. Kurz nachdem er einen Kampf mit den Beiden ausgeschlossen hatte, boxte er am 10.02.2011 gegen Ronald Hearns – ein grauenhaftes Mismatch.
Für diesen Kampf musste der Wahlkölner viel Kritik einstecken. Sturm zog hieraus die Konsequenz und verkündete munter, er wolle nun doch gegen den von ihm so geschmähten Zbik (30 Kämpfe, 30 Siege, 10 durch KO) antreten. Er betonte nun, dass eine deutsch-deutsche Titelvereinigung ja doch etwas ganz besonders Tolles sei. Richtig!
Allerdings war zu diesem Zeitpunkt schon allen Boxinteressierten klar, dass ein solcher Kampf, zumindest vorläufig, sehr unwahrscheinlich ist. Der Weltverband WBC hatte nämlich bereits einen Kampf zwischen Zbik und Julio Cesar Chavez Jr. (44 Kämpfe. 42 Siege, 30 durch KO, 1 Unentschieden) angeordnet. Zwar kommen Titelvereinigungen vor Pflichtverteidigungen, aber wenn ein Verband einen Kampf bereits angeordnet hat, muss man schon mit sehr guten Argumenten und sehr viel Geld ankommen, um diese Pflichtverteidigung noch verschieben zu können. Spätestens als der amerikanische Bezahlfernsehsender HBO angekündigt hatte, den Kampf der Beiden zu übertragen, musste also jedem klar geworden sein, dass die Verlautbarung von Sturm zumindest box-weltfremd ist. Zbik boxt am 04.06.2011 in Los Angeles gegen Chavez Jr.
Die nächste vollmundige Ankündigung von Felix Sturm folgte prompt. Nun verkündete er, er wolle Kelly Pavlik (38 Kämpfe, 36 Siege, 32 durch KO, 2 Niederlagen) boxen. Das wäre eine wirklich tolle Kampfansetzung. Aber auch hier gibt es ein Problem: Der ehemalige Weltmeister im Mittelgewicht nach Version WBC und WBO ist gerade erst aus einer dreimonatigen Alkoholentwöhnungsbehandlung entlassen worden. Außerdem hatte er schon angekündigt, ins Super Mittel aufsteigen zu wollen, wo er auch bereits gerankt ist. Das ist eine Tatsache, die jedem in der Branche bekannt ist. Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass Felix Sturm das nicht weiß. Ich frage mich nun aber, wieso er dann so etwas verkündet.
Danach preschte Felix Sturm nun nicht mehr mit einer Ankündigung vor, von der jeder wissen kann, dass sie zumindest unrealistisch, wenn nicht sogar falsch ist. Vielmehr wurde jetzt versucht, im Stillen einen Gegner zu finden. Es drang dann aber doch etwas an die Öffentlichkeit, nämlich dass er Marco Antonio Rubio (55 Kämpfe, 49 Siege, 42 durch KO, 5 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) im Visier hatte. Auch das wäre ein guter Kampf. Nur hatte Rubio leider bereits die Verträge für einen WM-Ausscheidungskampf gegen David Lemieux (25 Kampfe, 25 Siege, 24 durch KO) unterschrieben. Der Kampf findet bekanntlich am 8. April in Montreal statt. Eine Pressekonferenz fand in Kanada auch schon statt und der Vorverkauf hat wohl bereits vor geraumer Zeit angefangen.
Nun soll der Gegner Avtandil Khurtsidze heißen, aber dazu später mehr…
© Uwe Betker

Felix Sturms nächster Gegner

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Die Rechnung von Felix Sturm (38 Kämpfe, 35 Siege, 15 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) ist aufgegangen. Der Super Champion der WBA im Mittelgewicht boxte zweimal für SAT 1 (04.09.2010 gegen Giovanni Lorenzo und 10.02.2011 gegen Ronald Hearns). Den letzten Kampf des Wahlkölners, gegen einen komplett überforderten boxenden Sohn, verfolgten im Durchschnittlich 4,74 Millionen Zuschauer vor den heimischen Fernsehgeräten.
Diese Zahlen dürften dem Privatsender aus Unterföhring gefallen haben. Schließlich wird „der Vertrag zwischen Sat1 und der Sturm Boxpromotion … auf weitere 6 Kämpfe ausgedehnt. Sportchef Sven Froberg freut sich über die Verlängerung: „Die Quoten von ‚ran Boxen‘ sprechen eine deutliche Sprache: Felix Sturm zählt zur absoluten Box-Elite unseres Landes“. Das jedenfalls ist auf den Internetseiten von SAT1 zu lesen.“ Damit dürfte dann wohl die finanzielle Zukunft von Sturm gesichert sein.
Unsicher bleibt aber weiterhin, wie Sturm von der Boxgeschichte beurteilt werden wird. Sturm hat immer und immer wieder den Anspruch formuliert, dass er gegen die Besten antreten will. Die hat er mit einer einzigen Ausnahme, die auch noch von seinem alten Veranstalter Universum Box-Promotion organisiert wurde, aber nie geboxt. Nunmehr ist Sturm unabhängig und er ist für die Auswahl der Gegner selber verantwortlich. Bis jetzt kann man feststellen, dass Sturm nicht gegen die Besten angetreten ist. Sein letzter Gegner kann sogar eher nur als dritt- oder viertklassig bezeichnet werden.
Der nächste Auftritt von Sturm findet im Juni statt, wieder in seiner jetzigen Heimatstadt Köln. Als potentieller Gegner wird immer wieder Sebastian Zbik (30 Kämpfe, 30 Siege, 10 durch KO) genannt. Zbik, der WBC-Weltmeister im Mittelgewicht, wurde noch vor kurzem von Sturm als uninteressant abgetan. Sturm hat sich aber besonnen und ihn nun selber als möglichen Gegner genannt.
Nun hören wir aber auch, dass das Management des WBC-Champions bereits Verhandlung mit dem offiziellen Herausforderer Julio Cesar Chavez jr. (44 Kämpfe, 42 Siege, 30 durch KO, 1 Unentschieden) aus Mexiko aufgenommen hat. Man darf gespannt sein, für welchen Gegner sich Zbik entscheiden wird. Jeder in Deutschland hofft, das Felix Sturm endlich anfängt seinem Anspruch gerecht zu werden. Wenn er weiter Gegner boxt, wie den letzten, wird die Boxgeschichte nicht sehr freundlich über ihn urteilen.
© Uwe Betker

BDB spielt mit dem Leben eines Boxers

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Dem seit Jahren krisengeschüttelten Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) droht ein neuer Skandal, der für mich schlicht seine Existenzberechtigung in Frage stellt. Hauptanliegen eines Boxverbandes muss es doch wohl sein, darüber zu wachen, dass Boxveranstaltungen im Rahmen von vorher festgelegten Regeln stattfinden. Dies macht man, um das Boxen sicherer zu machen und die Boxer zu schützen. Genau dies macht der BDB aber nicht.
Am Samstag, dem 19.02.2011 soll Felix Sturm in der Arena in Stuttgart gegen Ronald Hearns boxen. Dabei wird er seinen Titel des WBA Super Champions wohl ohne wirklich viel Arbeit und Mühe verteidigen können. Die ganze Veranstaltung steht unter der Aufsicht des BDB. Im Vorprogramm versteckt sich nun aber ein Kampf, der gar nicht stattfinden dürfte. Der Schwergewichtler Adnan Redzovic (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) aus Sarajewo trifft auf Werner Kreiskott (25 Kämpfe, 8 Siege, 6 durch KO, 16 Niederlagen, 6 durch KO) aus Wuppertal. Das ist ein üblicher Aufbaukampf. Das Unübliche daran ist allerdings, dass hier der mir unbekannte Matchmaker – und das offenbar wohl bewusst, was ich nun wirklich übel finde – gegen international gültige Regeln im Boxer verstößt. Der BDB unterbindet dieses skandalöse und, wie ich meine, auch skrupellose Verhalten nicht, was doch wohl seine Pflicht wäre, sondern sanktioniert dies auch noch.
Was den Kampf Kreiskott gegen Redzovic zu einer Ungeheuerlichkeit macht, ist nämlich die Tatsache, dass Kreiskott vor zwei Wochen, am 05.02.2011 in Brentwood/Essex in Großbritannien gegen Tom Dallas in der ersten Runde KO ging. Im Regelwerk des BDB steht nun unmissverständlich:

Artikel 24
Jeder Boxer, der auf diese Art oder durch KO aufgrund von Kopftreffern einen Kampf verloren hat, muss eine Zwangspause von drei Monaten absolvieren. Innerhalb dieser Zeit oder unmittelbar nach der Zwangspause ist eine erneute ärztliche Untersuchung durch den Vertrauensarzt des BDB erforderlich. Hinsichtlich der durchzuführenden ärztlichen Untersuchungen entscheidet der BDB nach Rücksprache mit dem Vertrauensarzt. Bei einem Körper-KO bzw. einem TKO beträgt die Zwangspause 6 Wochen.

Egal, ob Kreiskott durch einen Kopf- oder Körpertreffer KO gegangen ist, er darf nicht boxen. Jeder, aber auch wirklich jeder, der mit Boxen zu tun hat, weiß, dass es nach einem KO eine Zwangspause gibt. Der BDB verstößt dadurch, dass er diesen Kampf sanktioniert, gegen die eigenen und auch gegen internationale Regeln. Um es noch mal ganz deutlich zu sagen: Damit spielt der BDB mit der Gesundheit und letztlich mit dem Leben eines Verbandsmitglieds. Wenn Herrn Kreiskott jetzt im Ring etwas passiert, übernimmt dann der BDB die Verantwortung? Bezahlt er seine Arztkosten oder zahlt ihm eine Rente, wenn er zum Pflegefall werden sollte? Nein. Das kann der BDB nämlich gar nicht, weil der Verband praktisch keinerlei Rücklagen hat.
Worauf ich hinweisen möchte, ist, dass das Verhalten des BDB mindestens verantwortungslos und pflichtvergessen ist, wenn nicht sogar mehr. Man muss sich die Frage stellen, ob ein Verband, der so verantwortungslos und pflichtvergessen handelt, überhaupt noch eine Existenzberechtigung hat.
© Uwe Betker

Anspruch und Wirklichkeit

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Es klingt wie ein Mantra, das Felix Sturm seit Jahren in immer neuen Variationen betet: „Ich will die Besten boxen“, oder „Ich will Herausforderungen, will die Besten boxen.“ Nun gut, er hatte bis vor kurzem eine Begründung dafür, dass er nur sehr selten gegen die Besten boxte: Universum Box-Promotion. Sturm war lange bei dem hamburger Veranstalter unter Vertrag und als hanseatischer Kaufmann sah Klaus-Peter Kohl wohl vor allem aufs Geld bzw. auf die Rendite. Manchmal konnte da schon der Eindruck entstehen, dass der Matchmaker Taouab Mohamed Hedi vor allem darauf achtete, dass die Gegner möglichst billig sind.
Seit Mitte 2010 ist nun Adnan Catic, so heißt Felix Sturm wirklich, und als solchen habe ich ihn in seiner Amateurzeit häufig boxen gesehen, sein eigener Herr. Er hat zusammen mit dem Partner seiner Wahl die Sturm Box-Promotion gegründet. Er hat einen Vertrag mit SAT 1, die seine Kämpfe überträgt. Keiner kann ihn nun noch wie früher dazu zwingen, gegen unwürdige Boxer zu kämpfen. Der Anspruch lautet: „Felix Sturm will die Besten boxen.“
Wie so häufig klafft aber zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine Lücke. Und diese Lücke hat, was Herrn Catic angeht, die Ausmaße des Marianengrabens. Sturm, der Super Champion der WBA (37 Kämpfe, 34 Siege, 14 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) boxt gegen Ronald Hearns (27 Kämpfe, 26 Siege, 20 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO), der die Nummer 50 (!) der unabhängigen Weltrangliste ist.
Um die sportliche Qualität von Hearns Jr. richtig einschätzen zu können, muss man sich nur anschauen, wer direkt vor ihm in der Rangliste steht: Mahir Oral. Das ist eben jener Oral, der in seinem letzten Kampf gegen Sebastian Sylvester um den IBF-WM-Titel im Mittelgewicht boxen durfte und dabei deklassiert wurde. Die Kampfansetzung Sylvester gegen Oral war schon sehr grenzwertig. Aber Oral (33 Kämpfe, 28 Siege, 11 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) ist trotz dieser Niederlage noch immer vor Hearns in der Rangliste plaziert.
Man kann wohl behaupten, seine größte sportliche Leistung besteht darin, der Sohn von Thomas „The Hitman“ Hearns zu sein, dem legendären Weltmeister in drei Gewichtsklassen. Um es deutlich zu sagen: Ich halte Hearns für einen höchstens zweitklassigen, wenn nicht sogar drittklassigen Mittelgewichtler. Wieso also boxt Sturm nun nicht einen der Besten?
Von außen betrachtet sieht es das doch so aus, als wollte Sturm das, was nicht wenige als das Geschäftsmodell seines ehemaligen Veranstalters Klaus-Peter Kohl identifiziert haben, reproduzieren: Einen Titel erringen und diesen dann gegen möglichst billige Gegner verteidigen, um möglichst lange mit möglichst kleinem Risiko so viel Geld wie nur irgend möglich zu verdienen.
Beklagte Sturm sich nicht unlängst in einem Interview, dass „gute Gegner“ alle zu viel Geld fordern? Erwartet er denn wirklich, dass die Top-Boxer nach Deutschland kommen, um für kleines Geld zu boxen?
Ich persönlich halte es für durchaus legitim, wenn Sturm in der ihm als Boxer noch verbleibenden Zeit versucht, so viel Geld wie nur irgend möglich zu verdienen und dabei so wenig Arbeit zu investieren und so wenige Risiken einzugehen wie überhaupt nur möglich. Nun formuliert Sturm aber den Anspruch, die Besten boxen zu wollen und muss es sich jetzt gefallen lassen, daran gemessen zu werden. Und dabei zeigt sich, dass er diesem Anspruch in keiner Weise gerecht wird. M. a. W. fühle ich mich nicht dadurch verprellt, dass Sturm diesen Gegner für sich ausgesucht hat, sondern durch den Anspruch, mit dem er Hearns präsentiert.
© Uwe Betker

Sturm macht Werbung

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Unlängst (13.01.2011) stand in der Zeitung Express ein langes Interview mit dem Super Champion der World Boxing Association Felix Sturm (37 Kämpfe, 34 Siege, 14 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden), in dem er sich über das Boxen im allgemeinen und über seinen nächsten Gegner, Ronald Hearns (27 Kämpfe, 26 Siege, 20 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO), im besonderen äußerte.
Dort heißt es:

„Expess:
Was kann man von Ihnen gegen Ronald Hearns erwarten?
Sturm:
Ich werde ihn fertig machen, so wie mein Idol Marvin Hagler, mein Vorbild, es 1985 mit Thomas Hearns gemacht hat. Ich will einen spektakulären Kampf bieten, deutlich gewinnen und meine Fans zufrieden stellen. Es soll ein großartiger Boxabend werden.
(…)
Express:
Zurück zum Gegner. Spötter sagen, Hearns Jr. sei Fallobst…
Sturm:
Wie bitte? Dummes Gerede. Er will in die Fußstapfen seines Vaters treten. Das und seine enorme Reichweite machen ihn gefährlich.
Express:
Wenn Sie Ihre Karriere beenden, was soll man über Felix Sturm sagen?
Sturm:
Dass er der beste Mittelgewichtler seiner Zeit war.“

Wenn ich Felix Sturm richtig verstehe, was nicht der Fall sein muss, sagt er dreierlei:
1.
Er will seinen Gegner Ronald Hearns so „fertig machen“ wie sein Vorbild Marvin Hagler es mit Hearns Vater tat. Das müsste dann wohl heißen, dass er vorhat, ganz anders zu boxen, als wir es von ihm kennen. Wir können dann erwarten, dass er von Anfang an Druck aufbaut, dem Gegner hinterher geht und jeden Schlag mit äußerster Schlaghärte abfeuert. Wir dürfen gespannt sein, ob die hier offenbar angekündigte komplette Umstellung seines Kampfstils zum gewünschten Resultat, nämlich zu einem „spektakulären Kampf“, führt.
2.
Die zweite Behauptung, die ich heraushöre, lautet: Hearns Jr. ist ein guter, wenn nicht sogar sehr guter Boxer, weil er „in die Fußstapfen seines Vaters treten“ will. Hinzu kommt seine gefährliche „enorme Reichweite“. Reicht der Entschluss allein, „in die Fußstapfen seines Vaters“ zu treten aber schon aus. Müsste dann nicht entsprechend Axel Merckx einer der größten Profi-Radrennfahrer aller Zeiten sein, nur weil auch er seinem Vater Eddy Merckx nachfolgte. Ich persönliche, sehe das etwas anders.
Was die Reichweite betrifft, so ist die Reichweite von Hearns eher erstaunlich kurz, jedenfalls in Relation zu seiner Körpergröße. Er ist 191 cm groß und hat eine Reichweite von 185 cm. Giovanni Lorenzo, Sturms letzter Gegner, ist 183 cm groß und hat eine Reichweite von 191 cm.
3.
Sturm vertritt schließlich den Anspruch, der „beste Mittelgewichtler“ seiner Zeit zu sein. Um diesem Anspruch jedoch gerecht werden zu können, müsste er aber auch gegen die besten Mittelgewichtler seiner Zeit geboxt haben. Das deutet sich bislang aber noch nicht wirklich an. Auch wenn er Hearns Jr. stark redet, so ist der doch eher ein mittelmäßiger Mittelgewichtler.
Offensichtlich versucht Felix Sturm, eher nur Werbung für seine Veranstaltung am 19.02.2011 in Stuttgart zu machen. Dafür redet er seinen Gegner stark und formuliert einen Anspruch an sich, dem er zurzeit in keinster Weise gerecht wird.
© Uwe Betker