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Posts Tagged ‘Rundfunkgebühren

The same procedure as last year?

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Der grandiose Sketch „Dinner for One“ von Freddie Frinton lebt von der Variation von Running Gags. Vermutlich jeder kennte die Frage: „The same procedure as last year, Miss Sophie?” Und natürlich auch die Antwort: „Same procedure as every year, James.“ Den Sketch Silvester zu gucken ist schon fast eine kultische Handlung und nicht wenige Zuschauer haben ihn schon 20mal und mehr gesehen. Er macht immer noch Spaß zu schauen, auch wenn man ihn mittlerweile in und auswendig kennt. Was dass mit Boxen zu tun hat?
Arthur Abraham (45 Kämpfe, 41 Siege, 28 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO) boxt am 21.02.1015 in Berlin gegen Paul Smith (39 Kämpfe, 35 Siege, 20 durch KO 20, 4 Niederlagen, 2 durch KO). Es kann gar keinen Zweifel bestehen, dass Abraham seinen WBO Titel im Super Mittelgewicht erfolgreich verteidigen wird. Smith ist die nur Nummer 39 der unabhängigen Weltrangliste und nur die Nummer 7 der britischen Rangliste. Seinen letzten Kampf, 27.09.2014, verlor er gegen Abraham sehr deutlich nach Punkten. Die Punktrichter werteten (11:117, 111:117 und 109:119). Selbst die Internetseite sportschau.de, also die Seite des damaligen Haussenders von Sauerland Event kam nicht umhin feststellen zu müssen, dass Smith ein „limitierter“ Boxer ist. Es ist nicht zu erwarten, dass Smith in der Zwischenzeit ein besser Boxer geworden ist.
Abraham boxt nicht gegen Mark Heffron (9 Kämpfe. 9 Siege, 7 durch KO), Rocky Fielding (19 Kämpfe, 19 Siege, 11 durch KO), Callum Smith (15 Kämpfe, 15 Siege, 11 durch KO), George Groves (23 Kämpfe, 21 Siege, 16 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO), James DeGale (21 Kämpfe, 20 Siege, 14 durch KO, 1 Niederlage) oder gar Carl Froch (35 Kämpfe, 33 Siege, 24 durch KO, 2 Niederlagen). Das sind nur die sechs Boxer, die in der Britischen Rangliste vor Smith platziert sind. Hier könnten noch die 32 Namen der anderen nicht britischen Boxer stehen, die in der Weltrangliste vor Smith platziert sind.
Das Aufeinandertreffen von Abraham und Smith, bei dem der Sieger, wenn nicht ein Wunder passiert, feststeht ist der Hauptkampf für die erste Veranstaltung von Sauerland Event für SAT.1. Der neue Sender von dem berliner Veranstalter akzeptiert für die erste Veranstaltung als Hauptkampf eine Neuauflage von Abraham gegen Smith. Der erste Kampf der Beiden war so einseitig, dass kein Zuschauer ernsthaft einen Rückkampf gefordert hatte. Offensichtlich ist das Vertrauen des berliner Veranstalters in ihren Schützling geringer als die boxerischen Fähigkeiten von Smith. Denn sonst würde man ihm nicht einen so schwachen Gegner noch einmal vorsetzen. Was an der Ansetzung noch schlimmer macht, ist die Tatsache, dass SAT.1 diese akzeptiert und dafür Geld bezahlt. Immerhin sind dies keine Rundfunkgebühren. Wenn dies ein Ausblick auf die Zukunft den Boxens à la SAT.1 und Sauerland ist, dann geht das Profiboxen in Deutschland dunklen Zeiten entgegen. Es ist nicht „The same procedure as last year.” Nein, es ist schlimmer.
Am Ende von „Dinner for One“ sagt Butler James „Well, I’ll do my very best!”
(C) Uwe Betker

Markus Lanz und Marco Huck

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Wenn man sich eine Weile die publizistischen Reaktionen auf die im Internet kursierende Onlinepetition „Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr!“, dann bemerkt man eine gewisse Ratlosigkeit der Kommentatoren. Innerhalb von wenigen Tagen unterzeichneten 230.000 Menschen diese Petition. Darüber, wie viele sie noch unterschrieben hätten, kann man nur mutmaßen, denn die Petition ist von der Autorin aus dem Netz genommen worden. Nun kann man die Meinung von fast einer Viertelmillion Zuschauer nicht einfach ignorieren. Gleichzeitig ist aber das Misstrauen gegen Menschen, die Onlinepetitionen verfassen und unterzeichnen, groß. Da wird gefragt, ob es sich hier nicht um eine „von sich selbst berauschte Internetöffentlichkeit“, um einen Mob handelt.
Der Kabarettist Ottfried Fischer sprach von „Menschenjagd“, die, seiner Meinung nach, seit Christian Wulff salonfähig geworden sei. Fischer rief das ZDF auf, stark zu bleiben und zu ihrem Moderator zu halten. Der öffentlich-rechtliche Sender dürfe „Markus Lanz auf keinen Fall dem Pöbel vorwerfen“. Der „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe rückte den Protest gegen Lanz gar in die Nähe der Nazi-Kampagne gegen jüdische Geschäfte. Mich brachte das ganze publizistische Getöse auf die Idee, dass der Moderator Markus Lanz und der Boxer Marco Huck sehr viel gemeinsam haben.
Sowohl Lanz als auch Huck müssen sich im Internet Hohn, Spott und auch offene Ablehnung gefallen lassen: Lanz für seine Art zu moderieren und Huck unter anderem für seine Art zu boxen. Beide sind außerhalb von Deutschland geboren. Markus Josef Lanz Bruneck, Italien und Muamer Hukić in Ugao, Serbien. Lanz hat eine italienische Staatsangehörigkeit und Huck die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen. Beide verdienen ihr Geld bei einer öffentlich rechtlichen Fernsehanstalt. Lanz beim ZDF, dem Zweiten Deutschen Fernsehen, und Huck bei der ARD, der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland.
Beide waren und sind gut aussehende Männer, die eine Affinität zu Nahrungsmitteln und Kochen haben. Seit Oktober 2009 ist Lanz der Nachfolger von Johannes Baptist Kerner und ist nun auch der Namensgeber für die Sendung „Lanz kocht“. Er ist wohl so etwas wie ein Kerner Light. In ihr plaudert er charmant mit Spitzenköchen und gibt gerne zum Besten, dass er hin und wieder in Restaurants speist. Huck ist genauso charmant und dem Kochen zugetan. Er gab nach seinem Rückkampf gegen Firat Arslan zum Besten: „Wenn ich rohes Fleisch rieche, lasse ich nicht mehr los.“
Was den Umgang mit Kritik angeht, kann der italienische Moderator noch viel von dem eingedeutschten Boxer lernen. Der ZDF-Moderator gestand nach seinem gescheiterten Versuch, den Journalisten zu geben, gemeint ist hier das Gespräch mit der Linken-Politikerin Sarah Wagenknecht, lauwarm Fehler ein. „Das war sicher an der einen oder anderen Stelle verbesserungswürdig.“ Huck ist da sehr viel gradliniger und sympathischer. Er veröffentlicht munter Videos, auf denen er erzählt, dass immer, wenn er etwas veröffentlicht, er gleich Hasskommentare bekommt. Huck ist zwar weniger diplomatisch als Lanz, aber wohl sehr viel ehrlicher.
Andererseits schafft es Lanz, wenn er öffentlich kritisiert wird, sich persönlich zu entschuldigen. So hat er „in einem längeren Telefonat“ persönlich sein Bedauern wegen des Interviews ausgedrückt und sich entschuldigt. So etwas hat Huck (40 Kämpfe, 37 Siege, 26 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) noch nicht geschafft. Sonst hätte er sich doch wohl bei Denis Lebedev für seine verbalen Entgleisungen entschuldigt. Hier ist der Moderator sehr viel mutiger als der Boxer.
Beide scheinen sich vom weiblichen Geschlecht zur Leistungssteigerung animieren zu lassen. Lanz, der, sofern ich das richtig sehe, eigentlich der Meister der Harmlosigkeit und der Weichgespültheit ist, der nie irgendwelche kritischen Fragen stellt, oder gar nachfragt, versucht sich bei einem weiblichen Studiogast als kritisch fragender Journalist. Sein Versuch, den Michel Friedmann zu geben, wurde vom Publikum allerdings nicht so gewürdigt, wie er es sich offenbar erhofft hatte.
Da Huck ja nicht gegen Frauen öffentlich boxen kann, er aber auch den weiblichen Gegner sucht, versucht er es mit Selbstsuggestion. So verkündete er vor dem Rückkampf mit Arslan. „Diesmal mache ich Arslan im Ring zu meinem Mädchen“. Der Erfolg gibt Huck recht. Kaum stellte er sich sein Gegenüber als Frau vor, brachte er auch schon die beste Leistung seiner Karriere.
Sowohl das ZDF als auch die ARD werden vermutlich dem Druck der Zuschauer in absehbarer Zeit nicht nachgeben. Auch wenn beide ihre Plattform für ihr öffentliches Tun verlieren würden, bräuchte man aber nicht gleich eine Kollekte für die Geschassten veranstalten. Huck dürfte gut verdient haben. Lanz dürfte sogar noch erheblich wohlhabender sein, denn er ist auch Produzent seiner Sendungen und verdient daher mit seinem charmanten Plaudern gleich doppelt.
Man kann wohl davon ausgehen, dass die beiden gut aussehenden Herren, Lanz und Huck, uns noch eine Weile erhalten bleiben. Lanz wird voraussichtlich nach seinem desaströsen Ausflug in den Bereich Journalismus, bei seinem Interview mit Sarah Wagenknecht, zu seinem „Flachland-Entertainment“ zurückkehren. Da seine Quoten gut sind und mittlerweile nicht wenige glauben, dass er Opfer eines digitalen Mobbing ist, wird er weiterhin plaudern und dabei gut aussehen. Und es ist zu befürchten, dass er dies noch Jahrzehnte lang weiter durchhalten kann.
Huck wird wohl nach seinem letzten guten Kampf gegen Firat Arslan, zu seinen leichten, handverlesenen Gegnern zurückkehren und sie verprügeln. Solange die ARD noch das Boxen der Sauerland Event GmbH überträgt, wird er beim Ersten zu sehen sein. Seine Bedeutung beschrieb sein Trainer Ulli Wegner mit den Worten: „Marco ist der Garant für die Zukunft des gesamten Sauerland-Boxstalls.“ Sein Problem ist, dass der Vertrag von Sauerland Ende des Jahres ausläuft und im Augenblick fraglich ist, ob er verlängert wird. Zur Erinnerung: Vor kurzem kursierte das Gerücht, dass Huck vergeblich versucht hat, selber einen Vertrag mit der ARD zu bekommen.
Nur wenige haben in der Beurteilung der Onlinepetition gegen Markus Lanz erkannt, dass es sich hier um ein legitimes Mittel der Öffentlichkeit handelt. Es ist geradezu grotesk, wenn den Lanz-Kritikern empfohlen wird, einfach abzuschalten oder den Kanal zu wechseln. Markus Lanz, aber auch Marco Huck, verdient schließlich sein Geld im öffentlich rechtlichen Fernsehen. Nachdem nun mal praktisch jeder Bürger der Bundesrepublik Deutschland per Gesetz gezwungen ist, Rundfunkgebühren zu zahlen, hat er da nicht auch das Recht und die Pflicht, Fernsehprogramme, Fernsehformate, Moderatoren oder auch Sportler zu kritisieren?
Je länger ich mir Markus Lanz und Marco Huck so ansehe, umso ähnlicher finde ich sie. Kann es nicht sein, dass sie Brüder sind? Oder zumindest Seelenverwandte?
© Uwe Betker

Ein Dank an Wladimir Klitschko und eine Frage an die ARD

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Der Kampf ist vorbei. Wladimir Klitschko (64 Kämpfe, 61 Siege, 51 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) ist weiter Schwergewichtsweltmeister der IBF (International Boxing Federation) und der WBO (World Boxing Organization) und der Super Champion der WBA (World Boxing Association). Der Ukrainer besiegte Alexander Povetkin (27 Kämpfe, 26 Siege, 18 durch KO, 1 Niederlage) klar und eindeutig nach Punkten. Der russische Herausforderer zeigte vor heimischem Publikum eine tapfere, wenn auch etwas uninspirierte Leistung. Zugetraut hatte ihm das durchaus nicht jeder. Auch ich nicht, schließlich hatte er sich ja durch lange und harte Arbeit den Titel „zaghafter Zar“ bei mir erworben. Diesen Titel ist er nun los. Vermutlich ist er auch seinen Quasi Weltmeister Titel der WBA los.
Der Kampf selbst war auf eine spezifische Art langweilig, und das obwohl Povetkin in der zweiten Runde einmal und in der siebten Runde dreimal zu Boden ging. Das kam daher, dass einerseits Klitschko sich auf seinen Herausforderer legte, um den Infight zu verhindern. Andererseits bückte sich Povetkin ab, um Schläge zu vermeiden.
Grundsätzlich hätte es schon eine ganze Reihe von Gründen gegeben, für Povetkin zu sein. Die Dominanz von Wladimir Klitschko macht das Schwergewichtsboxen einfach langweilig. Dementsprechend hätte ein Sieg des Quasi-Weltmeisters für Bewegung gesorgt. Auch hätte Sauerland Event mit einem richtigen Schwergewichtsweltmeister auch in Zukunft einen lukrativen TV Vertrag. Das wiederum wäre positiv fürs Profiboxen in Deutschland.
Trotzdem, meine Sympathien waren, wie schon seit Jahren nicht mehr, auf der Seite von Klitschko. Warum ich für den Titelträger war? Die Antwort heißt Alexander Wladimirowitsch Povetkin. Povetkin steht einfach für vieles, was ich nicht mag. Zunächst mal bringt der in Tschechow lebende und für Sauerland boxende Povetkin in Interviews kein einziges deutsches Wort über die Lippen. Klar könnte man sagen, dass das doch eigentlich nur seine Sache ist. Was mir an seiner Entscheidung aber seltsam aufstößt, ist, dass er sich doch immerhin seit Mitte 2005 von den Rundfunkgebühren der Deutschen bezahlen lässt. Der berliner Veranstalter nämlich, der ihn bezahlt, bekommt ja sein Geld von der ARD. Ich möchte hier keine Diskussion um Integration vom Zaun brechen. Um die geht es hier ja gar nicht. Hier versucht sich vielmehr jemand ostentativ abzugrenzen.
Der mit deutschen Rundfunkgebühren doch wohl recht gut ausgestattete Povetkin leistet sich den Luxus, sein Boxen als eine Art Nebenerwerb zu betreiben. Im Hauptberuf sitzt er als Abgeordneter und Mitglied der Kremlpartei „Einiges Russland“ im Gebietsparlament der Oblast Kursk. Er steht dafür, dass in Russland Demonstranten einem Prozess wegen bandenmäßiger Piraterie entgegensehen müssen. Er steht dafür, dass Frauen für ein 41 Sekunden langes Punk-Gebet Jahre im Gefängnis sitzen müssen. Er steht dafür, dass unliebsame politische Kontrahenten in Geheimprozessen zu langen Lagerhaftstrafen verurteilt werden. Er steht dafür, dass Homosexuelle verfolgt werden – und noch für vieles andere. Ganz sicher aber steht er, soweit ich es jedenfalls übersehen kann, nicht für Demokratie und Toleranz.
Sollte es bis dato noch irgendwelche Zweifel an seinen Überzeugungen gegeben haben, so hat er sie selber vor seinem Kampf gegen Klitschko zerstreut. Povetkin, der sich mittlerweile den Kampfnamen „Russischer Ritter“ gegeben hat, trat bewusst nationalistisch auf. Erstmal trug er vor dem Kampf ein T-Shirt mit dem Aufdruck. „Wer zu uns mit dem Schwert kommt, wird auch durch das Schwert umkommen.“ Bei einem anderen Auftritt trug er auf seiner Brust ein Bildnis von Zar Alexander III und Sprüche wie „Wir sind Russen! Alles für Russland!“ Er hat auch passende Tätowierungen. Dann verkündete er vor dem Kampf: „Ich erinnere mich immer daran, dass ich die Ehre des russischen Volkes verteidige.“
Ich jedenfalls bin froh, dass Alexander Povetkin nicht ein richtiger Weltmeister wurde, denn er hätte diesen Titel wohl für nur für seine politischen Zwecke ausgenutzt. Danke Wladimir Klitschko!
Povetkin bekam für den Kampf, den RTL übertragen hat, eine Börse von rund 4,3 Mio. Euro. Geht man davon aus, dass Sauerland Event 33,33% davon kassiert, also 1.433.190 Euro, dann bleiben ihm aber immer noch 2.866.810 Euro. Das ist auch für einen russischen Abgeordneten kein schlechtes Zubrot. Man kann weiter davon ausgehen, dass Povetkin in den letzten Jahren, mit Hilfe der Rundfunkgebühren – und seit geraumer Zeit mit Hilfe des Rundfunkbeitrags – insgesamt schon eine ganz nette Summe in Deutschland verdient hat.
Ich frage mich nun aber schon, wieso eigentlich die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland noch Povetkin Kämpfe zeigen sollte. Oder noch mal anders gefragt: Wie ist die Finanzierung eines russischen Politikers, nämlich Alexander Wladimirowitsch Povetkin, überhaupt vereinbar mit dem Auftrag der ARD?
© Uwe Betker

Das berliner Sommertheater

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Die Sommerpause im Boxen hat noch nicht angefangen, aber das Sommertheater ist schon im vollen Gange. In der größten deutschen Boulevardzeitung wird der Streit, den Ex-Weltmeister Arthur Abraham (40 Kämpfe, 36 Siege, 28 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO) mit seinem Veranstalter Sauerland Event um die Kampfbörse für den nächsten Abraham-Kampf führt, öffentlich ausgetragen.
Die Ausgangssituation ist die: Abraham verlor seinen letzten Kampf am 23.03.2013 gegen Robert Stieglitz (47 Kämpfe, 44 Siege, 25 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO) durch TKO und verlor damit auch seinen WBO Titel im Super Mittelgewicht. Wann er wieder einen WM Kampf bekommt, ist unklar. Noch unklarer ist, ob er überhaupt noch einmal Weltmeister werden kann. Da aber Abraham zurzeit mit dem Weltmeister der WBO im Cruisergewicht, Marco Huck (39 Kämpfe, 36 Siege, 25 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden), der einzige Boxer des berliner Veranstalters ist, der gute Einschaltquoten bringt, will man Abraham wieder aufbauen.
Abraham soll nun am 24. August in Schwerin gegen Willbeforce Shihepo (26 Kämpfe, 20 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO) boxen. Shihepo schmückt sich mit dem angsteinflößenden Kampfnamen Black Mamba. Er ist aktuell immerhin die Nummer 1 in Namibia. Er hat eine furchteinflößende KO-Quote von 57.69%. – Abraham hat 70%. – Er ist auf Position 67 der unabhängigen Weltrangliste zu finden, also nur ein paar Ränge hinter Jürgen Doberstein (16 Kämpfe, 14 Siege, 4 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden), der auf Position 64 steht, und Khoren Gevor (41 Kämpfe, 32 Siege, 17 durch KO, 9 Niederlagen, 2 durch KO), der sich auf Position 55 befindet.
Sportlich ist diese Kampfansetzung, so wie ich das sehe, eine Nullnummer. Sie macht eigentlich nur Sinn, wenn man die Herausnahme von Abraham in seinem letzten Kampf durch Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Walter Wagner als das interpretiert, als was sie Augen- und Ohrenzeugen auch tatsächlich sahen, nämlich als Aufgabe.
Leider wird nicht veröffentlicht, wie viel Sauerland Event von dem Geld, das sie von den Rundfunkgebühren der ARD bekommen, Abraham für diesen Kampf bereit sind zu geben. Abraham ist es jedenfalls zu wenig. Er droht: „Wenn Sauerland Event sich nicht mit meinem Anwalt einigt, boxe ich nicht. Nicht am 24. August und auch später nicht mehr. Ich brauche nicht mehr zu boxen, kann sofort aufhören. Mit einem Sportler muss man fair umgehen.“
Abraham droht also damit, seine Handschuhe an den Nagel zu hängen. Was das aber wirklich zu bedeuten hat, lassen wir einfach mal dahingestellt sein.
Wie in einem richtigen Sommertheater jedenfalls geht die mediale Auseinandersetzung zwischen den beiden Parteien noch weiter. Da wird auf der einen Seite behauptet, Abraham sei bis zum 1. Juli im Urlaub. Abraham aber sagt: „Ich mache keinen Urlaub, trainiere im Gym und im Fitnessstudio.“ – Sommertheater.
© Uwe Betker

Eine Vorschau: Yoan Pablo Hernandez gegen Eric Fields

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Der Weltmeister der IBF im Cruisergewicht, Yoan Pablo Hernandez Soarez, hat das letzte Mal am 15.09.2012 geboxt. Das fachkundige und faire bamberger Publikum pfiff und buhte ihn aus, weil es seinen Gegner Troy Ross als Sieger sah und hatte mit ansehen müssen, wie dieser um seinen verdienten Triumph gebracht wurde. Die Punktrichter Michael Pernick, Mickey Vann und Benny Decroos sahen alle den Kubaner als Sieger, sie punkteten 114:113, 115:112 und 116:112. Zu erwähnen ist noch, dass die Leistung der Punktrichter geradezu kongenial ergänzt wurde durch die Leistungen des Ringrichters David Fields. Fields schaffte es immer wieder, das Abdrehen eines schwer getroffenen und torkelnden Hernandez nicht als Aufgabe zu werten.
Eventuell aber hatten ja die Punktrichter recht. Eventuell waren sie und die Angehörigen von Sauerland Event sowie einige Mitarbeiter der ARD die einzigen, die den Kampfverlauf richtig gesehen haben, während der Rest der Welt schlicht keine Ahnung vom Boxen hat. Auf jeden Fall boxt Hernandez in dem jetzt anstehenden Kampf nicht in Bamberg, sondern in Berlin. Ulli Wegner hatte ja schließlich, als Reaktion auf die Pfiffe, dem Publikum gedroht: „Bei so einem knappen Ding sollte das Publikum auf unserer Seite sein. Da muss man überlegen, ob es sich verdient hat, dass man hier noch einmal herkommt.“ Offensichtlich hat man sich etwas überlegt und ist zum Schluss gekommen, dass die Zuschauer in Bamberg Hernandez nicht noch mal verdienen.
Der nächste Gegner von Hernandez heißt natürlich nicht Troy Ross, denn den hat ja der Weltmeister schon das letzte Mal verprügelt. Sauerland Event suchte folglich einen anderen Gegner. Der berliner Veranstalter, der immer wieder das Opfer der Fehlwahrnehmung der unkundigen Zuschauer ist, fand nun für seinen kubanischen Weltmeister einen Gegner, der den Kampfnamen „Danger“ trägt. Daher lohnt es sich einen Blick auf das Gefahrenpotential für den in Deutschland lebenden Titelverteidiger zu werfen.
Eric Fields (22 Kämpfe, 21 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) ist immerhin die Nummer 37 der unabhängigen Weltrangliste, was ja schon mal nicht schlecht ist, da ja nur 36 besser positioniert sind als er. Auch gibt es 972 Boxer die hinter ihm in der Rangliste stehen, was ihn besonders gefährlich macht. Er ist weiterhin die Nummer 6 in den USA. Es sind zwar 5 über ihn, aber 203 hinter ihm gerankt, was sein Gefahrenpotential noch einmal erheblich steigert. Weshalb aber die IBF, International Boxing Federation, ihn an Position 15 gesetzt hat, wird noch geklärt werden müssen.
Vielleicht geben seine letzten boxerischen Leistungen uns ja Auskunft. Fields gewann seine letzten 10 Kämpfe in Folge. In seinem letzten Kampf, am 27.10.2012, besiegte er einen Mann, Kevin Franklin, nach Punkten, der immerhin die Hälfte seiner 8 Kämpfe gewonnen hatte. Davor besiegte er, am 28.01.2012, einen Mann, Derrick Brown, der seine letzten 4 Kämpfe alle verloren hatte. Davor boxte er am 02.09.2011 gegen Rubin Williams, der vorher 13 Kämpfe in Folge verloren hatte. Davor, am 17.06.2011 und am 14.12.2010, Danny Batchelder und Jose Luis Herrera, die jeweils 5 Kämpfe hintereinander verloren hatten. Am 13.08.2010 besiegte er Harvey Jolly, der immerhin nur 15 von 27 Kämpfen verloren hatte. Davor besiegte er am 21.05.2010 Edward Gutierrez, der 8 Niederlagen in Folge kassiert hatte. Wenn ich es richtig übersehe, hat Herr Fields in seiner ganzen Karriere erst einmal gegen einen Mann aus den Top 100 geboxt. Seine beiden letzten Gegner waren im sehr schlechten 700er, bzw. im mittleren 300er Bereich angesiedelt. Das kann natürlich nur heißen, dass er so super gefährlich ist, dass sich keine anderen Boxer getraut haben, gegen ihn anzutreten. Nun macht auch das Ranking der IBF Sinn.
Yoan Pablo Hernandez Soarez wird gegen den brutal gefährlichen Fields alles, aber auch wirklich alles, geben müssen, um seinen WM Gürtel erfolgreich zu verteidigen. Selten war er in so großer Gefahr. „Danger“ Fields kommt! Der brandgefährliche und superstarke Fields ist ein Boxgigant – der blanke Terror des Cruisergewichts – der Stärkste der Starken – der Unbesiegbare – der Albtraum der Boxer aus Pinar del Rio, Kuba …
Ich bin vor Dankbarkeit gerührt, dass die ARD Sauerland Event Rundfunkgebührengelder für einen solch grandiosen Kampf gibt. Wer möchte auch schließlich schon einen Rückkampf gegen Troy Ross sehen?
© Uwe Betker

Wenig Zeit

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Der in Kursk geborene Russe Alexander Wladimirowitsch Powetkin (25 Kämpfe, 25 Siege, 17 durch KO) dürfte wenig Zeit für sein Hobby, das Boxen, haben. Er lebt zusammen mit seiner Frau Irina und seiner Tochter Arina in Tschechow. Hauptberuflich ist er Abgeordneter im Gebietsparlament von Kursk. Dort verteidigt er zusammen mit seinen politischen Freunden von der Partei Einiges Russland die Demokratie, oder was sich Wladimir Putin darunter so vorstellt.
Aber manchmal findet Powetkin doch noch etwas Zeit und dann verdient er nebenbei mit seinem Hobby Geld, Geld, das jeder Haushalt in der Bundesrepublik zahlen muss; er verdient nämlich an den Rundfunkgebühren. Er ist bei Sauerland Event unter Vertrag und Sauerland Event überträgt bei der ARD. Somit stattet der Gebührenzahler den lupenreinen Demokraten noch mit einem Zusatzeinkommen aus.
Powetkin hat sportlich viel erreicht. Er darf sich Weltmeister im Schwergewicht nach Version WBA nennen. Dies wurde möglich, weil dieser Verband gerne Boxer, die Weltmeister bei mehreren Verbänden sind, zu „Super Champions“ erklärt, um dann den regulären Titel wieder vergeben zu können. Damit kann dann die WBA zweimal Gebühren kassieren. Ein weiterer Grund, warum er Weltmeister werden konnte, ist, dass er erfolgreich bis jetzt den Klitschkos, sozusagen den anderen Weltmeistern, aus dem Weg gehen konnte, was ihm bei mir den Ehrentitel „Zaghafter Zar“ eintrug.
Am 29.09.2012 boxte Powetkin wieder und verteidigte dabei erfolgreich seinen Weltmeistertitel. Da man einem so vielbeschäftigten Mann aber nun mal nicht zumuten kann, gegen einen richtigen Gegner zu boxen, suchte und fand man einen Gegner, den auch ein als Hobby boxender Abgeordneter beeindruckend besiegen kann, Hasim Rahman (61 Kämpfe, 50 Siege, 41 durch KO, 8 Niederlagen, 6 durch KO, 2 Unentschieden).
Rahman hatte vor gefühlten 30 Jahren, aber es sind in Wirklichkeit nur 11, sensationell Lennox Lewis durch KO besiegt. Er war ein paar Monate Weltmeister. Dann schlug Lewis ihn im Rückkampf KO. 2008 tat es diesem dann auch Wladimir Klitschko gleich. Seitdem stand Rahman noch fünfmal im Ring und blieb dabei unbesiegt. Seine Gegner waren von beeindruckender Schwäche. Der erste hatte von seinen letzten vier Kämpfen drei verloren, der Zweite drei von fünf, der Dritte zwei von vier, der Vierte vier von acht und der Fünfte sechs von neun. Diese beindruckende Siegesserie und die dann folgende Pause von 15 Monaten qualifizierten nun Rachman zum WM-Kampf gegen Powetkin. Sich über den Kampfverlauf und den Ausgang dieses Kampfes zu äußern, erübrigt sich.
Was mich an diesem Kampf noch weiter beschäftigt, ist allein die Frage, warum eigentlich die Gebührenzahler in Deutschland einem russischen Abgeordneten sein Hobby bezahlen sollen, wo dieser noch nicht einmal um einen richtigen Titel oder zumindest gegen einen richtigen Gegner boxen will. Warum zeigt die ARD kein richtiges Boxen?
© Uwe Betker

Hört endlich auf uns zu langweilen!

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Hört endlich auf uns zu langweilen!
Wir sind es müde! Es ist so beschämend banal und entsetzlich überraschungsarm. Ständig und immer wieder dasselbe Schmierentheater! Und die Wiederholung des immer Gleichen macht das Stück nicht besser, das da heißt: „Wir bringen einen Boxer um den Lohn seiner Arbeit“. Es widert alle einfach nur noch an. Gefühlt wurde dieses Stück schon häufiger zur Aufführung gebracht als „Dinner for One“. Nur, der Sketch von Freddie Frinton verliert durch die Wiederholungen nicht an Witz. Die Farce aber, die sich Boxen nennt und die die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, die ARD, finanziert, u. z. von den Rundfunkgebühren, und uns immer und immer wieder vorführt, finden viele einfach nicht mehr witzig, sondern nur noch langweilig. Ihr langweilt uns! Hört doch endlich damit auf, uns zu langweilen!
Am Samstag erfuhr das Stück also eine Wiederaufführung, nur mit anderen Hauptdarstellern: Yoan Pablo Hernandez (28 Kämpfe, 27 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) verteidigte am 15.09.2012 im Bamberg seinen Titel im Cruisergewicht nach Version IBF gegen Troy Ross (28 Kämpfe, 25 Siege, 16 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO). Seine Titelverteidigung war erfolgreich, wobei sein Sieg nicht seiner Leistung im Ring geschuldet war, sondern den drei Punktrichtern (Michael Pernick, Mickey Vann und Benny Decroos), die sich sehr willfährig gegenüber dem Veranstalter Sauerland Event zeigten und gegenüber dem Geschehen im Ring blind waren.
Hernandez wurde von Ross schwer verprügelt. Er torkelte mehrfach durch den Ring. Er wurde auch wiederholt zu Boden geschlagen. Aber die Punktrichter werteten einstimmig für den Titelträger, wobei sie den Kampfverlauf völlig ignorierten. Zur Erinnerung: Michael Pernick wertete 114:113, Mickey Vann 115:112 und Benny Decroos 116:112.
Auch der Ringrichter David Fields übernahm freiwillig eine Hauptrolle in dem Schmierentheaterstück. Einen nach dem Anzählen noch wackelnden Hernadez ließ er weiter boxen. Ein eindeutiges Abdrehen, was als Aufgabe hätte gewertet werden müssen, ignorierte er. Ein Niedersinken aus Entkräftung und Schlagwirkung wertete er als Ausrutscher und gestattete dem Weltmeister, sich weiter zu erholen. Er soll sogar seine neutrale Zurückhaltung aufgegeben haben und dem Heimboxer zugerufen haben. „Schlag die letzten Sekunden durch.“
Yoan Pablo Hernandez blieb Weltmeister. Gedankt ist diese Titelverteidigung der Tätigkeit der Punktrichter Michael Pernick, Mickey Vann und Benny Decroos sowie des Ringrichters David Fields, die alle durch ihr Handeln wohl sehr deutlich gezeigt haben, welche Verachtung sie gegenüber dem Sport und seinen Zuschauern hegen. Ich möchte noch einmal appellieren: Hört endlich auf damit, Kämpfe zu verschieben – denn so nenne ich ein solches Verhalten. Das Publikum ist es leid, sich so etwas anzusehen. Habt ihr das Publikum in Bamberg nicht gehört? Hört endlich auf, uns zu langweilen!
© Uwe Betker