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Foto: Ilias Essaoudi vs. Sabri Ulas Göcmen

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(C) Uwe Betker

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3. Juni 2016 at 23:59

Foto: Ilias Essaoudi

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24. Mai 2016 at 23:59

Profiboxen in Dorsten mit einer epischen Ringschlacht

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Die Eissporthalle in Dorsten war am Samstag, dem 21.05.2016, Austragungsort für die zweite Assassin Fighting Championship. An zwei Seiten des Rings waren Tische aufgestellt, an einer Stuhlreihen und an der der letzten Tische und Stuhlreihen. Getränke und Essensstände waren an der Längsseite angeordnet. Es gab zwei Amateurboxkämpfe, drei K1 Kämpfe und sechs Profikämpfe zu sehen.
Im ersten Profiboxkampf des Abends trafen im Mittelgewicht Alexander Nikolic (7 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Toni Camin (15 Kämpfe, 11 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) für einen Vierrunder aufeinander. Sie begannen verhalten. Camin schob sich, hinter seiner Doppeldeckung verschanzt, an seinen Gegner heran und Nikolic zeigte gute Beinarbeit. Es gab nur wenig Schlagabtäusche Die erste Runde war ausgeglichen. Die zweite Runde war dann schon deutlich munterer und Nikolic kam immer wieder mit seinem rechten Cross durch. In der dritten Runde machte nun Camin deutlich mehr und übernahm das Kommando im Ring. Sein Gegenüber schien Konditionsprobleme zu bekommen. Die vierte Runde entschädigte dann vollends für die erste Runde. Häufig standen beide Kontrahenten nun Fuß an Fuß. Beide schlugen viel und trafen viel, wobei Camin deutlich mehr Treffer setzen konnte. Am Ende der Runde zog Ringrichter Sergey Kovalenko Nikolic einen Punkt ab für ein Nachschlagen nach dem Trennungskommando. Sieger nach Punkten: Toni Camin.
Anschließend gab es eine EM im Cruisergewicht nach Version WBU zu sehen. Es trafen Darko Knezevic (24 Kämpfe, 8 Siege, 6 durch KO, 16 Niederlagen, 13 durch KO) und Mohammed Bekdash (6 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO) kurz aufeinander. Der Kampf war für Knezevic kurz und schmerzhaft. Bekdash nutzte konsequent seinen Reichweitenvorteil. Schon bald war offensichtlich, dass Knezevic der unterlegene Boxer war. Nach einer klassischen Links-Rechts-Kombiantion zum Kopf ging er das erste Mal zu Boden und wurde angezählt. Kurz darauf fand er sich, nach einem Stolperer, erneut auf den Brettern, wofür er aber nicht angezählt wurde. Eine Rechte zum Körper, in die er hineingelaufen war, schickte ihn ein weiteres Mal abwärts; dafür wurde er angezählt. Knezevic, überfordert und konzeptlos, machte noch zweimal Bekanntschaft mit dem Ringboden, jeweils nachdem er gestolpert war. Dann kamen der Gong und der Ringarzt. Kurz nach dem Gong zur nächsten Runde kam dann die Aufgabe. Sieger durch TKO in Runde 2, nach 10 Sekunden: Mohammed Bekdash.
Es folgte ein besonders unterhaltsamer Kampf im Schwergewicht zwischen Eugen Buchmüller (3 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO) und Ivan Sakic (10 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 9 Niederlagen, 5 durch KO). Buchmüller, der der massigere Boxer war, setzte seinen Gegner von Anfang an unter Druck. Er stellte ihn Mitte der ersten Runde in der neutralen Ecke und kam mit einer schönen Eins-Zwei-Kombination zum Kopf durch. Sakic kämpfte sich aber raus und kam seinerseits mit Schlägen zum Kopf durch. Damit war das Kampfmuster etabliert. Buchmüller versuchte seinen Gegner zu überrollen und mit Kombinationen einzudecken und Sakic konterte über die Außenbahn zum Kopf. Ende der zweiten Runde musste Buchmüller einen Tiefschlag nehmen. In der dritten Runde drehte sich der Kampf. Buchmüller konnte den Druck nicht weiter aufrechterhalten und Sakic verteilte, was sich in der zweiten Runde schon angedeutet hatte, seine Schläge mehr. Immer wieder ging nun Sakic auch zum Körper, wobei zweimal ein Schlag wieder tief traf. Dafür wurde Sakic auch ein Punkt abgezogen. Er wollte es allerdings nicht wahrhaben. Kurzfristig sah es sogar so aus, als wollte er den Kampf abbrechen. Beide Boxer stellten sich aber dann doch wieder zum Kampf. Buchmüller hatte Probleme und Sakic suchte den KO. In der vierten Runde zerfiel Buchmüller dann zusehends. Sakic schaffte es aber nicht, den Kampf durch ein KO zu drehen. Sieger nach Punkten: Eugen Buchmüller.
Im Halbschwergewicht boxten Aleksandar Jankovic (54 Kämpfe, 11 Siege, 9 durch KO, 43 Niederlagen, 31 durch KO) und Patrick Rokohl (5 Kämpfe, 5 Siege, 5 durch KO) gegeneinander. Es war ein seltsamer Kampf. Rokohl wirkte verkrampft und es sah lange danach aus, dass er zum ersten Mal würde über die Distanz gehen müssen. Der Kampf plätscherte die ersten zwei Runden so dahin. Auch wenn Rokohl den Kampf bestimmte, machte er für meinen Geschmack einfach zu wenig. Jankovic beschränkte sich weitgehend darauf, den Kampf von Rokohl zu zerstören und zu versuchen, mit Schwingern in Ziel zu kommen. Und genau das passierte dann auch in der dritten Runde. Jankovic wurde in der neutralen Ecke gestellt musste zwei Links-Rechts-Kombiantionen zum Kopf nehmen. Jankovic schlug einen rechten Schwinger und der traf die Schläfe von Rokohl. Der schien auch beeindruckt. Jankovic setzte nach und kam erneut mit einem rechten Schwinger durch, der dann Rokohl zu Boden zwang. Nach dem obligatorischen Anzählen versuchte Jankovic zwar noch weiter, vorzeitig zu gewinnen, aber seine Chance, den Kampf für sich zu entscheiden, war vorbei. Die nächsten Runden verliefen nach dem gleichen Muster. Immer wenn Rokohl arbeitete, bestimmte er den Kampf. Immer wieder ging Jankovic tief mit dem Körper runter und immer wieder legte sich Rokohl auf ihn, wodurch der Kampf entschleunigt wurde. In der achten Runde öffnete sich nach einer Rechten ein Cut über dem linken Auge von Jankovic. Der Ringarzt wurde gerufen und der Kampf wurde abgebrochen. Wenn ich es richtig gesehen habe, wollte Jankovic nicht mehr. Sieger durch TKO in Runde 8, nach 2:08 Minuten: Patrick Rokohl.
Danach stiegen Milos Janjanin (5 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO) und Atilla Kayabasi (4 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO) in den Ring. Es ging um den WBU International Titel im Super Leichtgewicht. Um es gleich vorab zu sagen: Es war der Kampf des Abends. Beide gingen von der ersten Sekunde an ein unglaublich hohes Tempo. Ein Schlagabtausch folgte auf den nächsten. Janjanin boxte relativ offen und verteilte seine Schläge gut. Offensichtlich wollte er versuchen, Kayabasi über Körpertreffer zu knacken. Der wiederum agierte hinter einer kompakten Doppeldeckung. Er schlug zumeist zum Kopf und kam häufiger durch als sein Gegner. Fünf Runden lang wurde der Kampf intensiv geführt, wobei Kayabasi jede Runde für sich entscheiden konnte. In der sechsten Runde wurden beide Boxer langsamer. Dann öffnete sich ein ziemlich stark blutender Cut über dem rechten Auge von Kayabasi, den er sich durch einen unbeabsichtigten Kopfstoß zugezogen hatte. Von nun an entwickelte sich der bis dahin gute Boxkampf zur epischen Ringschlacht. Janjanin versuchte natürlich, den Riss zu vergrößern, um noch zu gewinnen. Kayabasi seinerseits, versuchte das mit seiner Rechten zu verhindern. Ihm wurde sehr schnell klar, dass er seinen Gegner umso stärker machte, je weniger er seine Rechte einsetzte. Daher kämpfte er sich mit dem Gong der siebten Runde zurück. Immer und immer wieder trafen sich beide Kontrahenten zu einem brutalen und blutigen Kräftemessen. In der zehnten und letzten Runde versuchte Kayabasi dann, den KO zu erzwingen, schaffte es aber nicht. Also, für mich ist der Kampf ein heißer Anwärter auf den Titel: Boxkampf des Jahres. Die Punktrichter werteten 99:93, 99:91 und 98:93. Sieger nach Punkten: Atilla Kayabasi.
Mit diesem Drama konnte dann der Hauptkampf des Abends natürlich nicht mithalten. In ihm trafen Ilias Essaoudi (6 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO) und Sabri Ulas Göcmen (26 Kämpfe, 10 Siege, 16 Niederlagen, 15 durch KO) im Super Weltergewicht aufeinander. Essaoudi boxte sehr souverän und beherrscht. Er trieb Göcmen vor sich her, punktete und wartete auf den KO. Immer wieder stellte er ihn an den Seilen und deckte ihn mit kurzen aber harten Kombinationen ein. Göcmen hatte dem wenig entgegenzusetzen. Er versuchte es mit Schwingern, die jedoch nicht trafen. In Runde drei kam dann das Ende. Göcmen ging nach einem Leberhaken zu Boden und wurde angezählt. Als er kurze Zeit später wieder nach einem Leberhaken runter musste, wurde das Handtuch geworfen. Sieger durch TKO in Runde 3, nach 2:04 Minuten: Ilias Essaoudi.
© Uwe Betker

Lübecker Requiem

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Die geschätzt einhundert Zuschauer, die sich am 26.04.2014 in die Hansehalle Lübeck einfanden, kamen nicht für ein Requiem, sondern für eine Profiboxveranstaltung. Der Veranstalter Rolf Neumann stellte seine zweite Show auf die Beine. Zwei weitere waren für dieses Jahr geplant. Er schickte sich an, eine feste Größe im Boxgeschäft zu werden. Aber alles kam ganz anders. Die Fightcard der „2. Fight Night Hansestadt Lübeck“ sah 10 Kämpfe vor.
Den ersten Kampf bestritten im Cruisergewicht Helge Rippe (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Özgur Göcmen (5 Kämpfe, 3 Siege, 2 Niederlagen, 2 durch KO). Das Aufeinandertreffen der beiden war kurz und – zumindest für Göcmen – schmerzhaft. Dieser versuchte sich hinter einer Doppeldeckung zu verschanzen, während Rippe seine harten Schläge gut auf Körper und Kopf verteilte. Göcmen wurde bald schon an den Seilen gestellt und kam nicht mehr weg. Ein rechter Haken ans Kinn fällte ihn. Schwer KO lag er minutenlang auf dem Ringboden. KO 1, 1:24min.
Im zweiten Kampf trafen im Halbschwergewicht Ismael Özen (11 Kämpfe, 10 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) und Dusan Makula (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 2 durch KO) aufeinander. Der von Artur Grigorian trainierte Özen begann sehr passiv. Er behauptete zwar die Ringmitte, aber Makula setzte mehr Treffer. Im zweiten Durchgang wurde Özen aktiver und bestimmte von da an den Kampf. Sein Jab kam immer häufiger durch. Makula versuchte mit überfallartigen Angriffen zum Ziel zu kommen. In der hart umkämpften dritten Runde musste er zu Boden, weil Özen ihn getroffen hatte, als er aus der Balance war. Es wurde nicht als Niederschlag gewertet. In der vierten Runde zahlte sich die Geduld von Özen aus. Bei einem Schlagabtausch traf er seinen Gegner hart. Der versuchte noch mit einer schauspielerischen Einlage die Schlagwirkung zu kaschieren. Aber Özen ließ sich nicht täuschen. Er deckte ihn mit Schlägen ein, die ihn dann schließlich auch zu Boden zwangen. Makula wurde angezählt. Um Zeit zu gewinnen, spuckte er noch seinen Mundschutz aus. Aber auch diese Extrasekunden retteten ihn nicht. Der folgende Schlaghagel zwang ihn erneut zu Boden. Wieder wurde er angezählt. Sein Trainer hatte dann schließlich ein Einsehen und warf das Handtuch um seinen noch schwankenden Schützling vor weiteren Schlägen zu schützen. TKO 4, 2:45min
Der dritte Kampf fand im Mittelgewicht statt. Hier trafen Omar Siala (39 Kämpfe, 21 Siege, 8 durch KO, 15 Niederlagen, 9 durch KO, 3 Unentschieden) und Pavel Hermann (10 Kämpfe, 10 Niederlagen, 8 durch KO) aufeinander. Die erste Runde wurde von beiden extrem schnell geführt. Beide waren schnell auf den Beinen und umkreisten sich. Am Ende der Runde kam Siala mit einem linken Haken durch und Hermann musste runter. Auch er spuckte seinen Mundschutz aus, um sich Extrasekunden zu verschaffen – mit Erfolg. Kurz drauf kam der Gong. Die folgende Runde war dann sowas wie eine Jagd auf Hermann. Dieser konnte boxerisch seinem Gegner kaum etwas entgegensetzen. Mitte der Runde spuckte er erneut seinen Mundschutz aus, um Sekunden für eine Verschnaufpause zu schinden. Wofür er ermahnt wurde. Das Ende der Runde gestaltete sich identisch zur Vorrunde. Der Unterschied war nur, dass Hermann zur dritten Runde nicht mehr antrat. TKO 3
Die folgende Begegnung im Cruisergewicht war sehr seltsam. Der sehr schlaksig wirkende Mohamed Soltby (3 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO), der von Arthur Grigorian trainiert wird, traf auf Martin Stensky (31 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 30 Niederlagen, 29 durch KO). Stensky ging zweimal nach nicht besonders hart wirkenden linken Kopfhaken runter. Als er das zweite Mal hoch kam hielt er sich den rechten Ellbogen und gab auf. TKO 1, 2:17 min.
Auch der folgende Kampf, der im Mittelgewicht ausgetragen wurde, ging nicht über die Distanz und wirkte auch eher merkwürdig. Chris Hermann (24 Kämpfe, 19 Siege, 10 durch KO, 4 Niederlagen, 4 durch KO, 1 Unentschieden) trat gegen Sabri Ulas Göcmen (22 Kämpfe, 10 Siege, 12 Niederlagen, 11 durch KO) an. Hermann wirkte stabil und boxte druckvoll. Er verteilte seine Schläge schön. In der zweiten Runde stellte Hermann seinen Gegner mehrfach an den Seilen. Einmal ging Göcmen auch zu Boden, was aber mehr das Resultat eines unbeabsichtigten Tiefschlags war. In der Ringpause gab er dann auf. TKO 3
Der folgende Kampf im Halbmittelgewicht war der erste, der über die angesetzte Distanz ging. In ihm trafen Arman Torosyan (13 Kämpfe, 12 Siege, 9 durch KO, 1 Unentschieden) und Artem Karasev (14 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 10 Niederlagen, 1 durch KO) aufeinander. In den ersten beiden Runden schlug Torosyan nur sehr selten und wenn, dann meist mit der Linken. Die traf dann regelmäßig den rechten Handschuh von Karasev. Der wiederum traf immer wieder mit seinem rechten Cross den Kopf seines Gegners. Im dritten Durchgang war dann Torosyan etwas aktiver, wobei er am Anfang der Runde noch einmal zurück in seine Ecke musste, weil sein Trainer seinen Mundschutz vergessen hatte. Auch die vierte Runde konnte er für sich entscheiden. Er schaffte es sogar, dass Karasev am Ende der Runde aus der Nase blutete. Die folgenden zwei Runden gehörten dann wieder Karasev, nicht zuletzt deshalb, weil sein Gegner einfach zu inaktiv war und nur sehr selten die Führhand benutzte. Karasev glaubte irrtümlicherweise, der Kampf wäre auf sechs Runden angesetzt worden. Obwohl er sich in den letzten zwei Runden doch etwas verausgabt hatte, konnte er Torosyan, der sein Arbeitstempo partout nicht erhöhen wollte, aber dennoch weiter dominieren. Zu Beginn der letzten Runde rief sein Trainer Torosyan in den Ring zu: „Nach Punkten kannst du nicht mehr gewinnen, du musst ihn KO schlagen.“ Aber Torosyan konnte einfach den Druck nicht erhöhen. Am Ende der achten Runde feierte Karasev sich als Sieger und das Publikum sah es genauso. Aber er – und auch die Zuschauer – hatte die Rechnung ohne das Kampfgericht vom BDF gemacht. Die Punktrichter gaben den Sieg durch Mehrheitsentscheidung dem Mann aus Berlin. Dieser musste sich die Pfiffe und die Unmutsäußerungen der Zuschauer gefallen lassen. Die Punktrichter werteten 78:74, 77:75 und 76:77. Es war übrigens Matthias Kranz, der Punktrichter vom Bund Deutscher Faustkämpfer, der richtig lag. Der Punktsieg für Torosyan ist eine böse Fehlentscheidung.
Auch der nun folgende Frauenboxkampf ging über die Distanz. Im Minimumgewicht boxten Özlem Sahin (18 Kämpfe, 17 Siege, 5 durch KO, 1 Unterschieden) gegen Elke Beinwachs (12 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 7 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden). Die ungeschlagene Sahin ist erheblich kleiner als ihre Gegnerin. Trotzdem hatte sie kaum Schwierigkeiten, die Distanz zu verkürzen und selber mit der Führhand zu punkten. Sie boxte variabler, druckvoller und aggressiver. Gleichwohl hielt Beinwachs dagegen, wodurch sich ein munterer Kampf entwickelte, der der beste des Abends war. Am Ende der sechs Runden stand ein klarer und einstimmiger Punktsieg für Sahin fest.
Der achte Kampf des Abends, der auf vier Runden im Halbschwergewicht angesetzt war, ging glücklicherweise nicht über die Distanz. Am Ende siegte Sami Said (5 Kämpfe, 4 Siege, 4 durch KO, 1 Niederlage) durch TKO 2, 1:51. Selten kamen mir 291 Sekunden so lang vor. Der Debütant Maruen Chabbouh hüpfte durch den Ring und versuchte wohl durch hartes Auftreten auf den Ringboden seinen Gegner zum Umfallen zu bringen oder zumindest zu beeindrucken. Manchmal schlug er auch zu, aber zumeist war er zu weit von seinem Gegner entfernt um ihn auch nur zu berühren. Said machte irgendwie nichts und ging langsam durch den Ring. Kam er seinem Gegner zu nah, drehte dieser sich ab. Said machte dann in der folgenden Runde mehr und irgendwie wurde dann Chabbouh vom Ringrichter aus dem Kampf genommen, wodurch dann das groteske aber unamüsante Theater zu Ende war.
Danach gab es eine Pause, die dann immer länger wurde. Per Lautsprecher wurde der Ringarzt zum Ring gerufen, dann waren alle Offiziellen verschwunden. Dann ergriff Ringsprecher Gerhard Müller das Mikrofon und erklärte dem wartenden Publikum, der Veranstalter Rolf Neumann sei bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Offensichtlich war er nach Hause gefahrenen, um etwas zu holen. Es gab eine Schweigeminute und danach wurde die Veranstaltung abgebrochen. Die Athleten, Trainer, Manager und Offiziellen versammelten sich noch mal. Es wurde die weitere Vorgehensweise besprochen, schließlich hatten ja die Boxer ihre Börsen noch nicht bekommen.
Das also war das Lübecker Requiem. Ein Veranstalter, der auszog, das Boxen zu bereichern, starb vor der Zeit. Ob seine letzte Veranstaltung nun eines Requiems für ihn würdig war, kann man nicht sagen. Zu heterogen war die Qualität der Kämpfe. Ob die zwei abgesagten Kämpfe, von dem einer der erste Titelkampf des BDF sein sollte, das Gesamtbild geändert hätte, darüber kann man auch nur spekulieren.

Epilog: Im Internet kursiert das Gerücht, dass Rolf Neumann lebt und seinen Tod nur vorgetäuscht hat. Um sich vor der Auszahlung der Börsen zu drücken. Ob diese Behauptung richtig ist, ist zurzeit nicht zu klären. – Vor der Veranstaltung haben mehrere Personen einige Boxer angeschrieben, um ihnen die Absage der Veranstaltung mitzuteilen.
(C) Uwe Betker