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Ein Pas de deux mit Mahmoud Omeirat Charr und Frank Michael Maass

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Wieso muss ich immer wieder in deutschen Boxringen Ringrichter sehen, die bei mir den Eindruck erwecken, nicht ihrer eigentlichen Aufgabe nachzugehen, sondern sich zum Büttel der Veranstalter zu machen? Da frage ich mich doch: Was ist eigentlich die Aufgabe eines Ringrichters? Gibt man den Begriff „Ringrichter“ bei Wikipedia ein, so wird man schnell zu dem Synonym Kampfrichter weitergeleitet, und dort ist zu lesen: „Als Kampfrichter werden alle unparteiischen Personen bezeichnet, die die Überwachung und Einhaltung der Regeln bei einer Sportveranstaltung sicherstellen.“ Also nochmals: Ein Ringrichter soll unparteiisch sein. Außerdem soll er darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden.
Wieso versucht dann aber kein Ringrichter ernsthaft, bei dem syrischen Schwergewichtler Mahmoud Omeirat Charr, der sich Manuel Charr nennt und der sich den Kampfnamen Diamond Boy gegeben hat, auf der Einhaltung der Regeln zu bestehen. Ein Beispiel: In seinem letzten Kampf – dem ersten nach einer mehrmonatigen Knieverletzung – bekam es Charr (15 Kämpfe, 14 Siege, 7 durch KO) mit Robert Hawkins (38, Kämpfe, 23 Siege, 7 durch KO, 16 Niederlagen, 3 durch KO) zu tun. Der 40jährige Hawkins ist ein alter Haudegen, der gerne als Aufbaugegner genommen wird. So hat er schon gegen Eddie Chambers (09.09.2005), Samuel Peter (15.12.2005), David Tua (22.02.2007, Denis Boytsov (26.04.2008) und Oleg Maskaev (06.09.2008) geboxt und – verloren.
In der ersten Runde des Kampfes waren Charr und Maass als Paar noch nicht so richtig aufeinander eingestimmt. Der Ringrichter Frank Michael Maass ermahnte den Boxer, nicht mit der Innenhand zu schlagen und nicht mit dem Elleboxen zu stoßen bzw. zu schlagen. Aber schon am Ende der Runde zeigten sie sich besser eingespielt: Charr drückte mit der Linken den Kopf seines Gegners runter, hielt ihn fest und schlug mit der Rechten mehrfach zu. Maass, der direkt daneben stand, übersah das. Danach war das Muster etabliert. Maass sah keine Ellebogeneinsätze mehr und störte auch sonst kaum noch die Kampfführung von Charr.
Am Ende der vierten Runde kam es dann zum Höhepunkt im Tanz der Beiden: Charr stieß mehrfach mit der Schulter zu, und als er damit keine Wirkung erzielte und sein Gegner sich auch noch beschwerte, gab er noch einen Kopfstoß. Der Ringrichter, der direkt dabei stand, reagierte, ganz Tanzpartner, indem er sagte „Pass auf. Hör auf damit.“
Versuchen wir, die Situation des Ringrichter nachzuvollziehen! Ein Mensch wird Ringrichter, weil er in den Ring will, und er will natürlich bei den Großen in den Ring. So ein Ausflug mit Unterbringung in einem meist guten Hotel, einer netten After-Show-Party und einer kleinen Aufwandsentschädigung, die man mit nach Hause nehmen kann, ist schließlich eine angenehme Sache. Ich gönne sie auch jedem Punkt- und Ringrichter von ganzem Herzen. Aber muss dabei die Anbiederung an den jeweiligen Veranstalter wirklich so weit gehen, dass selbst gröbste Regelverstöße nicht mehr geahndet werden? Vielleicht ist ja gerade dieser, wie ich finde, devote vorauseilende Gehorsam einer der Gründe dafür, dass dem Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) der Ruf vorauseilt, das vollstreckende Organ von Klaus-Peter Kohl und Universum Box-Promotion zu sein?
Von einem Ringrichter muss man erwarten können, dass er wenigsten die gröbsten Unsportlichkeiten und Fouls des Heimboxers ahndet. Hier sind wir noch nicht einmal auf der Ebene der Unparteilichkeit. Ein absichtlicher Kopfstoß stellt den Versuch dar, seinen Gegner durch unlautere Mittel zu verletzen. Der Ringrichter ist hier in der Pflicht, die Gesundheit dieses Boxers zu schützen. Ein Punktabzug für einen absichtlichen Kopfstoß wäre das absolute Minimum gewesen.
Aber was Maas und Charr da zeigten, hatte meiner Meinung nach nur noch sehr bedingt etwas zu tun mit einem Ringrichter-Boxer-Verhältnis. Es erinnerte mich vielmehr an einen Pas de deux, diesen Paartanz in einer Ballettaufführung. Hawkins, der auf das Ringrichterverhalten recht aufgebracht reagierte, erklärte Maass: „Come on. Ist OK.“ Das hätte er gar nicht erst sagen müssen, denn wenn er diese Aktion von Charr nicht OK gefunden hätte, hätte er Charr ja disqualifizieren müssen. Aber wer möchte schon, dass sein Tanzpartner disqualifiziert wird.
© Uwe Betker

Ein hinkender Vergleich

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Man kennt die Situation zur Genüge: Kaum hat der Athlet seine sportliche Leistung beendet, so wird ihm auch schon ein Mikrofon vor den Mund gehalten und er muss irgendetwas sagen. Dass dabei selten etwas Vernünftiges herauskommt, ist geschenkt. Man kennt natürlich auch die Situation, wo man sich sagt: na ja, aber boxen/Fußball spielen/Rhythmische Sportgymnastik kann er/sie ja.
Aber bei Vitali Klitschko und Emanuel Steward liegt die Sache wohl etwas anders. Wenn beide nach dem sehr einseitigen Kampf, der mit einem schweren KO von Samuel Peter in Runde 10 endete, Wladimir Klitschko mit Muhammad Ali vergleichen, dann ist dies nicht Erschöpfung und mangelnder intellektueller Fähigkeit geschuldet, denn beides ist definitiv nicht zutreffend.
Steward sagte: „Wladimir hat geboxt wie Ali im dritten Kampf gegen Frazier. Er hat Samuel Peter systematisch zerbrochen.“ Man kann natürlich jeden Boxer mit jedem anderen Boxer vergleichen, einfach weil beide Boxer sind. So könnte man also Wladimir Klitschko mit Svetla Taskova vergleichen. Beide sind gute und harte Boxer. Es gibt aber einen kleinen Unterschied zwischen den Beiden. Taskova ist eine Frau, boxt im Fliegengewicht und hat von ihren 36 Kämpfen 30 verloren. Na ja und Wladimir Klitschko ist ein Mann, boxt…
Also was sagt ein Vergleich von Klitschko mit Taskova? Nichts.
Wenn es denn sein muss, vergleichen wir also Wladimir Klitschko mit Muhammad Ali. Ich mache es kurz, Ali wird deswegen „der Größte“ genannt, weil er in einer Zeit Weltmeister im Schwergewicht war, in der diese Gewichtsklasse so gut besetzt war niemals vorher oder nachher. Ali ist keinem aus dem Weg gegangen, und er war „der Weltmeister“. Er war nicht ein oder ein zweiviertel oder ein dreiviertel Weltmeister. Nein, Ali war einfach nur Weltmeister und musste sich diesen Titel nicht teilen, zumindest für die meiste Zeit, auch nicht mit irgendwelchen Brüdern und anderen Boxern. Bei aller Wertschätzung für die Fähigkeiten eines Wladimir Klitschko: Er ist nicht „der“ Weltmeister im Schwergewicht, er ist lediglich einer von dreien.
Und was den Vergleich von Samuel Peter mit Joe Frazier betrifft, der ist einfach nur noch so lächerlich, dass ich mir weitere Worte spare.
Ein Vergleich von Wlademir Klitschko mit Muhammad Ali hinkt, er hinkt sogar gewaltig. Wenn Klitschko weiter gegen solche Gegner boxt, wie zuletzt, ist er, für mich einer Svetla Taskova näher als einem Muhammad Ali.
Ich weiß: Auch dieser Vergleich hinkt.
© Uwe Betker