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Ein Abgesang aufs Profiboxen

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Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte am 18. Oktober 2017 unter der Rubrik „Sport im TV“ einen Kommentar mit dem Titel „Im Boxen wurde zu lange getrickst“. Dieser Kommentar stellt nicht nur einen Abgesang auf das Profiboxen in Deutschland dar, sondern liefert außerdem eine sehr zutreffende Analyse der Ursachen für diesen Niedergang.
Grundannahme des Kommentars ist, dass Boxen eigentlich ein idealer Fernsehsport ist, nicht zuletzt weil die Regeln einfach zu verstehen sind. Es stehen sich in einem Ring zwei Frauen oder Männer gegenüber, die sich ausschließlich mit ihren Händen und nur oberhalb der Gürtellinie schlagen dürfen. Wer häufiger oder stärker trifft, hat am Ende gewonnen.
Gleichwohl ist Boxen inzwischen nicht mehr „deutsche TV-Sportart Nummer drei hinter dem Fußball und der Formel 1“. Durch den Wechsel der Übertragungsrechte für die Veranstaltungen des Sauerland-Teams von Sat1 zu Sport1, ist das Boxen aus den großen Fernsehsendern sogar ganz verschwunden. Dabei bietet Boxen eine Geschichte, die die Fernsehzuschauer als Samstagabendunterhaltung doch sehen wollen. Es geht im Grunde um Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg einer Person. Nun ist es aber genau dieses Drama, das den Zuschauern von den Veranstaltern vorenthalten worden ist. Die haben nämlich ihre Boxer „geschützt…, durch die Auswahl eines harmlosen Gegners oder, viel dramatischer, durch Unterstützung der Punktrichter.“ Die Macher des Profiboxens dachten lange Zeit, „dass all die kleinen und großen Trickserein keinem auffallen würden.“ Hinzu kommt, dass Ankündigungen von Kämpfen einfach nicht hielten, was sie versprochen hatten. Das hatte schließlich zum Resultat, dass die Fernsehzuschauer ausschalteten, bzw. eben nicht mehr einschalteten.
Als, wenn auch vielleicht etwas schaler, Trost mag dienen, dass man den Wechsel zu Sport1 für das deutsche Boxen auch als Chance betrachten kann. Die Kampfabende werden nämlich nun in einem Sparten- bzw. Sportsender übertragen werden. Das lässt doch immerhin erwarten, dass nun auch Sport gezeigt werden sollte. Und muss man denn nicht sagen, dass nur so sowohl die Zuschauer zurückerobert werden als „auch der angekündigte Aufbau der nächsten Generation gelingen“ kann. „Er kann aber nur gelingen, wenn Sauerland und überhaupt der Boxsport wieder den ernst nimmt, der all den Sport und all das Getöse darum finanziert: den Fernsehzuschauer.“
Der Kommentar von Benedikt Warmbrunn in der SZ belegt, dass die Sportredaktionen der Tageszeitungen durchaus unzufrieden mit dem waren, was sie als Profiboxen geboten bekommen haben. Die „Trickserein“ sind aufgefallen. Das alles macht es nun möglichen neuen Boxern und Veranstaltern sehr schwer, überhaupt noch mal in die Zeitungen zu kommen. Landauf und landab dürfte das Misstrauen in den Sportredaktionen inzwischen ziemlich groß sein.
All diejenigen, die sich gegen eine Kritik an den Missständen im Profiboxen mit der Begründung verwahrt haben, dem Boxen dienen zu wollen, haben dem Boxen tatsächlich einen Bärendienst erwiesen. Sie haben nicht, wie sie vorgaben, das Boxen in Deutschland geschützt, sondern sie haben es schwer beschädigt. In Wirklichkeit haben sie doch wohl eher die finanziellen Einzelinteressen ganz weniger in der Branche über die des Sports gestellt.
© Uwe Betker

Die Ferien des Monsieur Sturm

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Geht man auf die Internetseite von Felix Sturm (46 Kämpfe, 39 Siege, 18 durch KO, 4 Niederlage, 1 durch KO, 2 Unentschieden), so sieht man als Hintergrund ein rötliches Foto von einem von oben fotografierten Ring und einen kurzen Text: “Felix Sturm, for exclusiv content and more information visit my social networks.“ Darunter findet man Links zu Twitter, Facebook, Instagram und Youtube, hierunter wiederum ein Farb- und ein Schwarzweißfoto von ihm und darunter schließlich das Impressum. Geht man auf die Internetseite von Sturm Box-Promotion sieht man ein Schwarzweißfoto als Hintergrund von einem aus der Entfernung fotografierten Ring, in dem offensichtlich Sturm steht und den schon bekannten kurzen Text. Darunter ist das Plakat von dem Soliman Kampf vom 31. Mai abgebildet, und hierunter finden sich wieder zwei Links: Fighters und Impressum. Bei Fighters findet man je ein Foto und ein Kurzportrait von Susi Kentikian, Konni Konrad, Maurice Weber, Alex Born und Mike Keta. Die Kampfrekorde der Fighter von Sturm Box-Promotion sind allerdings veraltet. Die Internetseiten von Felix Sturm und Sturm Box-Promotion wurden also lange nicht mehr gepflegt und sind nicht aktuell.
Folgt man dem Facebooklink von Sturm Box-Promotion, dann kommt man auf ihre Facebookseite: Der letzte Eintrag vom 02. August beinhaltet die hinlänglich bekannte charmante Antwort auf die öffentliche Herausforderung von Robert Stieglitz (51 Kämpfe, 47 Siege, 27 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO): „Ich habe heute mitbekommen, dass mich Robert Stieglitz letzte Woche herausgefordert hat – kein Problem, jeder Zeit! Ich hoffe nur, dass dann keine Ausreden kommen oder das ‚zufällig‘ eine Verletzung den Kampf verhindern würde. Mal sehen ob die Herausforderung ernst gemeint ist oder ob wieder mal ein Boxer und sein Team eine große Schnauze hatten und auf sich aufmerksam machen wollen.“
Außerdem kommt man über den Link auch auf die Facebookseite von Felix Sturm. Da bekommt man dann viele schöne bunte Fotos von Sturm im Urlaub in Bosnien Herzegowina zu sehen. Sturm mit Sohn, Sturm im Liegestuhl, Sturm beim Sprung in seinen Pool, Sturm auf einem Quadt, Sturm am Grill usw.. Man sieht also viele schöne Urlaubsfotos. Jeder gönnt Sturm natürlich seinen Urlaub – aber war da nicht noch etwas?
Eigentlich sollte doch im September oder Oktober die nächste Veranstaltung von Sturm Box-Promotion mit Felix Sturm stattfinden. Eigentlich – so war jedenfalls die Planung vor seiner Niederlage gegen Sam Soliman, bei der er seinen IBF Titel im Mittelgewicht verlor. Nun aber ist die Zukunft von Sturm ungewiss. Ursprünglich wollten sich Sturm und Vertreter von SAT1 am Montag nach dem Kampf gegen Soliman über die weitere Zusammenarbeit unterhalten. Eigentlich – denn dieses Treffen fand nicht statt. Sind meine Informationen nämlich richtig, so fanden bis jetzt keinerlei Gespräche zwischen SAT1 und Sturm statt.
Vor dem Kampf titelte die BILD Zeitung: „Sturm kämpft gegen den TV-K.o.“ und zitierte Manager Roland Bebak „eine Niederlage wäre eine Katastrophe.“ Diese Katastrophe ist nun eingetreten. Es ist wohl nicht absehbar, ob Sturm einen neuen TV Vertrag bekommt. SAT1 muss sich natürlich überlegen, ob ein 35-jähriger Sturm, bei der Leistung, die er zuletzt gezeigt hat, überhaupt noch ein langfristiger Partner sein kann. Jetzt rächt sich auch, dass Sturm es versäumt hat, einen Stall aufzubauen. Vor dem Kampf hatte er der Presse noch erzählt, es würden sich ständig Boxer bei ihm melden, die für ihn boxen möchten. Die Boxer, die er aber unter Vertrag hat, sind entweder noch lange nicht so weit, einen Hauptkampf zu bestreiten oder, was bei den meisten sehr viel wahrscheinlicher ist, sie werden nie einen Hauptkampf, jedenfalls nicht im größeren Rahmen, bestreiten können. Seine WBA Weltmeisterin im Fliegengewicht Syuzanna, genannt Susianna oder Susi Kentikian (36 Kämpfe, 33 Siege, 17 durch KO, 2 Niederlagen), die selbsternannte „Killer Queen“ jedenfalls, hat sich durch ihr Verhalten viele Sympathien bei den Fans verscherzt. Ich kann mir kaum vorstellen, dass eine Kentikian einen Hauptkampf im Fernsehen bestreiten kann.
Jetzt wäre es nicht schlecht einen Schwergewichtler wie Manuel Charr (28 Kämpfe, 26 Siege, 15 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) im Stall zu haben. Aber die Wege der Beiden haben sich ja schon vor geraumer Zeit getrennt. Es hält sich aber noch immer das Gerücht, Sturm könne es nicht ertragen, dass ein Boxer in seinem Stall große mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Dabei könnten von einem erneuten Zusammengehen beide profitieren.
Es weiß wohl im Moment keiner, wie es weitergeht. Aufgrund einer Armverletzung bzw. einer Operation hat Sturm zwischenzeitlich einen International Boxing Federation WM-Ausscheidungskampf gegen Curties Stevans (31 Kämpfe, 27 Siege, 20 durch KO, 4 Niederlage, 2 durch KO) auch abgelehnt. Soweit ich informiert bin, wissen die in Köln zurückgelassenen Boxer und der Manager auch nicht, wann oder wie es weitergehen soll. Vor November oder Dezember dürfte Sturm aber wohl nicht wieder in den Ring steigen.
Mir ist da auch noch ein seltsames Gerücht zu Ohren gekommen. Angeblich läuft der Pachtvertrag des Sturm Gyms auf dem Bonner Wall in Köln aus und soll auch nicht verlängert werden können. Sturm müsste dann ja wohl ein neues Gym bauen. Eine solche Investition würde aber natürlich nur Sinn machen bei einem neuen TV Vertrag.
Adnan Catic hat sich seinen Urlaub verdient. Er muss sich nicht nur erholen, er muss sich auch Gedanken darüber machen, ob und wie es beruflich mit ihm weiter gehen soll.
(c) Uwe Betker

Über die Stunde des größten sportlichen Erfolgs von Adnan Catic

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Am 07.12.2013 wurde Adnan Catic (45 Kämpfe, 39 Siege, 18 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden), der auch unter dem Künstlername Felix Sturm bekannt ist, zum vierten Mal Weltmeister. Er ist nun Weltmeister im Mittelgewicht nach Version IBF. Damit wurde eine zukünftige Aufnahme in die International Boxing Hall Of Fame wahrscheinlicher. Er besiegte den amtierenden Weltmeister der International Boxing Federation, Darren Barker (28 Kämpfe, 26 Siege, 16 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO). Sein Sieg war beeindruckend. Eigentlich sollte man meinen, dass nach einer so großartigen boxerischen Leistung die Kritik an ihm nun verstummen würde. Dem ist aber nicht so. Catic schaffte es in der Stunde seines größten sportlichen Erfolges, viele gegen sich aufzubringen.
Als Catic ins Profilager wechselte, gab er sich den Namen Felix Sturm. Ich persönlich hatte immer Probleme mit diesem Namen, denn ich habe ihn vermutlich häufiger unter dem Namen Catic boxen sehen, als unter dem Namen Sturm. Deshalb benutzte ich auch in meinen Berichten über ihn immer wieder seinen Geburtsnamen, also den Namen, den ihm seine Mutter gegeben hat. Das gefiel aber wohl nicht immer allen aus seinem Umkreis. Man kann wohl davon ausgehen, dass Catic sein Glück gemacht hat. Er dürfte einen zweistelligen Millionenbetrag in Deutschland erboxt haben.
Was also ist nun schon wieder passiert, dass Catic trotz seines großartigen Sieges angegriffen wird? Nach seinem Sieg gegen Barker versuchte ihn eine Dame von SAT1 im Ring zu interviewen. SAT1 hat als übertragender TV Sender und damit auch als die Haupteinnahmequelle von Catic doch wohl jedes Recht dazu, seinen Boxer, den er schließlich mit seinen Geld bezahlt, zu interviewen. Wer zahlt, bestimmt auch die Musik.
Ich persönlich finde es zwar eine Unart, Sportlern nach vollbrachter Leistung ein Mikrofon unter die Nase zu halten. Es ist aber nun mal üblich, auch wenn selten etwas Vernünftiges dabei herauskommt. Bei Catic kam eine Rede auf bosnisch heraus: „Bosnien ist Champion und wird immer Champion bleiben.“ Danach sprach er Englisch und danach dann auch Deutsch. Im Internet brach eine heftige Diskussion los. Viele sahen es als Affront an, dass Catic nicht die Frage beantwortete, sondern erst ein Statement auf Bosnisch abgab. Es ist natürlich relativ leicht, diejenigen, die sich darüber aufgeregt haben, in die rechte Ecke zu schieben oder ihnen Nationalismus vorzuwerfen.
Aber vielleicht wäre es ja gar nicht schlecht, wenn Adnan Catic – oder Felix Sturm – erst mal für sich selber die Frage nach seiner Nationalität beantwortet und eventuell diese Antwort dann auch den Boxfans und seinem Fernsehsender mitteilt. Vor seinen Kämpfen erheben sich schließlich alle Zuschauer in der Halle, weil für ihn, den in Leverkusen geborenen deutschen Staatsbürger, die deutsche Nationalhymne gespielt und gesungen wird. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich von Menschen, die sich als seine Freunde ausgaben bedroht wurde, weil ich in Artikeln über Felix Sturm seinen Geburtsnamen nannte.
Man könnte argumentieren – und einige Verteidiger von Catic haben das auch getan -, dass er sich eben im Überschwang seiner Gefühle erst an seine „Landsleute“ gewendet hat. Man könnte hier jetzt auch noch das furchtbare Schicksal Bosniens im jugoslawischen Bürgerkrieg anführen. Die Verteidigung stützt sich also genau betrachtet auf zwei Erklärungsansätze: sie führt seinen emotionalen Stress und seine bosnische Identität an.
Dem 34-jährigen Vierfachweltmeister Catic zu unterstellen, dass er nach einem Kampf nicht weiß, was er tut und was er sagt, erscheint mir persönlich allerdings eher beleidigend. Er ist seit Jahren im Boxgeschäft und seit Jahren hat er intensiv mit Medien zu tun. Er ist ein Profi. Man muss ihm somit schon unterstellen, dass er genau wusste, was er tat. Nur seine Motive hat er uns leider noch nicht offenbart.
Was nun seine angebliche bosnische Identität angeht, so verwirrt sie mich. Ist Catic nicht ein in Leverkusen geborener und aufgewachsener Deutscher? Änderte er nicht seinen Namen in Felix Sturm, um sich damit besser vermarkten zu können und besser von seinen Landleuten, damit meine ich die Deutschen, akzeptiert zu werden? Lässt er nicht die deutsche Nationalhymne vor seinen Kämpfen absingen?
Er ist nicht nach dem Barker Kampf hingegangen und hat der SAT1 Moderatorin gesagt: „Ich beantworte ihre Frage gleich, aber mir ist es aus diesen und jenen Gründen ein Bedürfnis erst etwas meinen bosnischen Fans zu sagen“. Hätte er sich so verhalten, dann hätte ihn wohl kein Mensch wohl kritisiert.
Man muss dem Medienprofi Catic wohl unterstellen, dass er ganz bewusst getan hat, was er tat, nämlich die Bedürfnisse seines TV-Senders und somit seines Arbeitgebers ignorieren. Vermutlich bewusst ignorierte er auch die Wünsche der deutschen Fernsehzuschauer. Die Gründe hierfür hat er uns bis heute nicht mitgeteilt.
Am 31.01.2014 boxt Adnan Catic alias Felix Sturm in Krefeld gegen Sam Soliman (55 Kämpfe, 43 Siege, 18 durch KO, 11 Niederlagen, 1 durch KO). SAT1 überträgt den Kampf.
(C) Uwe Betker

Sauerland Event und die Medien

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Wenn man Boxzeitschriften und Internetportale durchliest, kann man den Eindruck gewinnen, als ob die ganze Boxwelt, zumindest die deutsche, in dem Wunsch vereint wäre, Arthur Abraham (40 Kämpfe, 36 Siege, 28 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO) solle so schnell wie möglich wieder gegen Robert Stieglitz (48 Kämpfe, 45 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO) boxen. Ich kann mich da aber des Verdachts nicht erwehren, dass wir hier nur Zeugen einer sehr geschickten PR Kampagne sind.
Zur Erinnerung: Am 22.08.2011 wurde Stieglitz durch ein TKO in Runde 11 über Karoly Balzsay Weltmeister der WBO, World Boxing Organization, im Super Mittelgewicht. Zur gleichen Zeit war Arthur Abraham schon über zweieinhalb Jahre Weltmeister der IBF, International Boxing Federation, im Mittelgewicht. Am 25.08.2012 verlor Stieglitz seinen Titel an Abraham durch eine Punktniederlage. Avetik Abrahamyan war eine Gewichtsklasse aufgestiegen und hatte im Super Six Turnier drei bittere Niederlagen einstecken müssen. Nachdem beide noch einen weiteren Kampf absolviert hatten, kämpften Abraham und Stieglitz dann am 23.03.2013 wieder gegeneinander. Der Ausgang ist bekannt: Abraham gab nach der dritten Runde auf und Sergey Shtikhlits war erneut Weltmeister der WBO. Der Rückkampf kam zustande, weil der Kampfvertrag zum ersten Kampf eine Rückkampfklausel enthielt.
Nun ist allerorten zu lesen, dass die Boxfans einen Rückkampf fordern. Natürlich wäre ein Rückkampf nicht schlecht. Natürlich wäre es interessant zu sehen, wie Abraham gegen den Mann boxt, gegen den er aufgegeben hatte. Wieso sollte aber Stieglitz wieder gegen Abraham boxen? Er hat seinen Rückkampf nur bekommen, weil es eine Rückkampfklausel gab.
Beide Boxer sind bei verschiedenen Veranstaltern unter Vertrag, Abraham bei Sauerland Event und Stieglitz bei SES Boxing. Durch den Sieg über Abraham hat SES einen Fernsehvertrag mit SAT1 bekommen. Dadurch bekommen die Boxinteressierten jetzt mehr Boxen im Fernsehen zu sehen. Aber kann SES nun ein Interesse daran haben, Stieglitz der Gefahr auszusetzen, seinen Titel an Abraham wieder zu verlieren und damit womöglich auch den TV Vertrag?
Wenn jetzt auf der Seite von Sauerland mit Fairness argumentiert wird, dann wird es für mich schon absurd. Profiboxen hat schließlich nur sehr wenig mit Fairness zu tun und das Profiboxen von Sauerland Event noch weniger. Hat Marco Huck Ola Afolabi einen Rückkampf gegeben, nachdem er ihm am 05.12.2009 recht umstritten den WM Titel abgenommen hatte? Hat Marco Huck Denis Lebedev einen Rückkampf gegeben, nachdem man ihm am 18.12.2010 den Sieg zugeschanzt hatte?
Damals gab es keine lauten Rufe nach einem Rückkampf. Viele Medien schwiegen damals offensichtlich aus Rücksichtnahme. Beide Rückkämpfe hätte wohl Huck nicht gewonnen, jedenfalls nicht wenn gute Punktrichter am Ring gesessen hätten. Die Öffentlichkeit schwieg. Es ging ja schließlich darum, das Boxen in Deutschland nicht zu schädigen. Dass es dabei allerdings nicht ums Boxen allgemein, sondern um das Boxen von Sauerland Event ging, verloren viele aus den Augen. Da haben sich nicht wenige doch mit den Interessen eines einzelnen Veranstalters gemein gemacht.
Wenn also heute zu lesen ist, die Öffentlichkeit fordere nun eine dritte Auflage von Abraham vs. Stieglitz, dann werde ich ganz einfach misstrauisch. Offensichtlich werden hier doch wieder nur die Sonderinteressen von Sauerland Event über die von SES Boxing gestellt.
Als Boxinteressiertem ist es mir aber doch lieber, wenn mehrere Veranstalter Fernsehverträge haben und Boxen zeigen, als wenn nur ein Veranstalter das Boxen in Deutschland monopolisiert. Natürlich wäre ein drittes Aufeinandertreffen von Abraham und Stieglitz möglich. Es kann zu dem Kampf kommen – nämlich dann, wenn Abraham weiter aktiv bleibt, wenn er dann auch wieder gegen bessere Boxer antritt und schließlich wieder Pflichtherausforderer der WBO wird.
Ich persönlich hätte es allerdings seinerzeit viel lieber gesehen, wenn Sauerland Event und Marco Huck 2010 den Mut gehabt hätten, gegen Ola Afolabi anzutreten oder sich Denis Lebedev erneut zu stellen.
Ich selbst halte es für höchst problematisch, wenn sich einzelne Journalisten und Medien nicht nur von einem Veranstalter instrumentalisieren lassen, sondern auch noch deren finanzielle Interessen vertreten. Denn machen wir uns nichts vor! Wenn Sauerland Event nach einem Rückkampf ruft, dann geht es nur in zweiter Linie um Sport. In erster Linie geht es darum, sich einen quotenträchtigen Hauptkämpfer zu erhalten, um den Vertrag mit der ARD erfüllen zu können.
© Uwe Betker

Felix Sturm 2.0

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Wenn Felix Sturm (43 Kämpfe, 37 Siege, 16 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) am 06. Juli in der Westfalenhalle in Dortmund in den Ring steigt, werden wir einen neuen Felix Sturm sehen. Er wird den ungeschlagenen Predrag Radosevic (27 Kämpfe, 27 Siege, 9 durch KO) eindrucksvoll besiegen. Damit wird er wohl einen Weltmeisterschaftskampf im Mittelgewicht nach Version IBF (International Boxing Federation) bekommen.
Natürlich wird er eindrucksvoll gewinnen, denn Radosevic ist zwar die Nummer 4 der IBF Rangliste, aber nur die 75 der unabhängigen Weltrangliste. Sage und schreibe 70 Weltranglistenplätze trennen Sturm von Radosevic. Das sind 70 Kämpfe, die sportlich mehr Sinn machen würden. Selbst der 42-jährige Haudegen Bronco McKart (65 Kämpfe, 54 Siege, 32 durch KO, 10 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden), der seinen letzten Kampf verloren hat, ist besser – und auch besser platziert als Radosevic. Interessant wäre z.B. ein Kampf gegen den in den Schweiz lebenden und nun bei 8M Box-Promotion boxenden Ungarn Istvan Szili (17 Kämpfe, 17 Siege, 7 durch KO). Der steht auf Position 63. – Sturm dürfte den leichtesten Kampf seit achteinhalb Jahren bestreiten und dementsprechend wird er auch seit langer Zeit wieder einmal eindrucksvoll gewinnen.
Gleichwohl, wir werden einen neuen Sturm sehen. Schließlich hat er sich nach seiner Niederlage gegen Sam Soliman (54 Kämpfe, 42 Siege, 17 durch KO, 11 Niederlagen, 1 durch KO) am 01.02.2013, die in ein No Contest umgewandelt wurde, erstmals selbstkritisch geäußert. Derselbe Sturm, der Journalisten und Boxexperten, die kritisch berichten bzw. sich kritisch über sein Matchmaking äußern, schon mal Hausverbot erteilt, gibt nun öffentlich Fehler zu. Adnan Catic, denn so heißt Sturm in Wirklichkeit, beichtet öffentlich in der größten Boulevardzeitung Deutschlands über seine „Süßigkeiten-Sucht“. Dem Journalisten der Zeitung mit den großen Lettern vertraute er sogar bei seinem Lieblingsitaliener in Köln in einem investigativen Interview an, dass „Felix Sturm 2.0“ vor ihm sitzt. Sturm sagt sogar über seinen Kampf gegen Soliman. „Das war der schlechteste Kampf meiner Karriere.“ Ein anderes Mal hat er der gleichen Zeitung anvertraut: „Ich habe mein Leben umgekrempelt, im und außerhalb des Ringes. In der Vergangenheit unterliefen mir grobe Fehler in der Vorbereitung.“ – Hat man je solch selbstkritische Töne von Sturm gehört? Wenn das so weiter geht, schickt Sturm Box-Promotion womöglich mir noch eine Pressekarte.
Sturm boxt also die Nummer 75 in der Welt. Und dieser Kampf ist dann so etwas wie ein WM-Ausscheidungskampf! Natürlich kann Sturm nichts dafür, dass die IBF einen Radosevic auf die Nummer 4 ihrer Rangliste hievte. Es ist nur schade, dass er schon wieder das Opfer von Machenschaften der Verbände geworden ist. Zuletzt wurde er ja vom Verband WBA (World Boxing Association) zum „Super Champion“ gemacht, obwohl er, den Regularien dieses Verbandes gemäß, die Voraussetzungen dafür gar nicht erfüllte. Diese Missachtung der Regeln und die darin auch zum Ausdruck kommende Verachtung der Boxfans durch den Verband hatte eine kuriose Folge: Sturm bekam einen Vertrag mit dem TV-Sender SAT1, der ihm vermutlich mehrere Millionen Euro einbrachte.
Es besteht wohl kein Zweifel daran, dass Sturm den unwürdigen Gegner Radosevic eindrucksvoll besiegen wird. Dadurch bekommt er dann wohl einen WM-Kampf gegen Daniel Geale (30 Kämpfe, 29 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage). Das wiederum hat dann zur Folge, dass Sturm 2.0 weiterhin …
© Uwe Betker

Ein Trailer

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Sat1 bewirbt den Kampf von Felix Sturm (43 Kämpfe, 37 Siege, 16 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) gegen die Nummer 75 der unabhängigen Rangliste, Predrag Radosevic (27 Kämpfe, 27 Siege, 9 durch KO), mit einem bildgewaltigen Trailer, der mich allerdings überfordert. Darin hören wir eine markige, männliche Stimme bedeutungsschwanger sagen:
Es gibt kein Aufgeben
Kein Aufhören
Keine Schwächen
Keine Verzweiflung
Keine Ausreden
Keine Niederlage
Keine Ruhe vor dem Sturm
Jetzt gibt es nur eins: Den Sieg!
Ran Boxen
Back to the top
Felix Sturm gegen Predrag Radosevic
Am 06. Juni um 22 Uhr 45 life in SAT1 und auf ran.de

Ich gebe zu, dass ich die ersten Verse oder Zeilen nicht verstehe. Ich frage mich: Wieso wird hier so betont, dass es kein Aufgeben etc. gibt? Dachte Sturm – oder sonstwer – denn an Aufgeben? Wollte er aufhören? Muss ich mir Sorgen machen? Wieso …
© Uwe Betker

Written by betker

5. Juli 2013 at 23:59

Marco Huck vs. Ola Afolabi 3

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Am 08.06.2013 boxt der amtierende Weltmeister der WBO im Cruisergewicht, Marco Huck (38 Kämpfe, 35 Siege, 25 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden), zum dritten Mal gegen Ola Afolabi (25 Kämpfe, 19 Siege, 9 durch KO, 2 Niederlagen, 4 Unentschieden). Man könnte da ja meinen, Muamer Hukic würde besonders gerne gegen Afolabi antreten. Das ist aber sicher nicht so. Er muss – es ist eine Pflichtverteidigung.
Bei dem geplanten Kampf in Berlin treffen die Beiden also zum dritten Mal aufeinander. Am 05.12.2009 gewann Huck in Ludwigsburg den ersten Kampf. Die Punktrichter John Stewart, Manuel Maritxalar und Andre Van Grootenbrue sahen ihn mit 115:113, 115:113 und 116-112 vorne. Schon damals gab es allerdings einige Kritiker, die meinten, der Mann aus Ugao, Serbien hätte nicht gewonnen. Im Rückkampf, am 05.05.2012 in Erfurt, also fast zweieinhalb Jahre später, konnte Huck dann nur ein Unentschieden erreichen. Die Punktrichter Ingo Barrabas, Zoltan Enyedi und Paul Thomas werteten 114:114, 115:113 und 114:114. Das Publikum pfiff Huck und die Punktrichter aus. Vermutlich konnten nur die fanatischsten Huck-Fans damals ernsthaft glauben, Huck hätte sich wirklich ein Unentschieden erkämpft.
Huck muss somit wieder gegen einen Mann antreten, gegen den er sich immer schwer getan hat. Er kann sich jedoch glücklich schätzen, dass er auf einer Veranstaltung von Sauerland Event in den Ring steigen darf. Bei der Versteigerung des Kampfes Ende Februar unterlag sein Veranstalter nämlich gegen Don King, der den Kampf für 1,5 Millionen Dollar ersteigert und damit 536.000 Dollar mehr geboten hatte als Sauerland.
Was nun folgte, war eine Farce. King bekam den Kampf bei keinem deutschen TV-Sender unter. Der Privatsender SAT1 soll zunächst interessiert gewesen sein, wollte ihn dann aber doch nicht zeigen. Felix Sturm soll seinen Einfluss geltend gemacht haben. Es liefen aber womöglich auch schon die Verhandlungen zwischen SAT1 und SES Boxing über die Übertragung der nächsten vier Kämpfe des frischgebackenen WBO Weltmeisters im Super Mittelgewicht, Robert Stieglitz (47 Kämpfe, 44 Siege, 25 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO).
Sportlich ist der Huck-Afolabi-Kampf von sehr hohem Interesse. Obwohl Ola Afolabi manchmal eine schlampige Kampfvorbereitung nachgesagt wird, glauben viele Experten, dass er dieses Mal gewinnen wird. Für Afolabi dürfte es jetzt auch die letzte Chance sein, sich einen WM Titel zu erkämpfen. Auf der anderen Seite muss Huck, will er gewinnen, schon deutlich mehr zeigen als in seinen letzten Kämpfen. Für den deutschen Boxsport kann dabei nur hoffen, dass am Ring nicht wieder die altbekannten Punktrichter sitzen, die die Glaubwürdigkeit des Boxens in Deutschland schon ziemlich gründlich zerstört haben.
Muamer Hukic gibt sich selbstbewusst. Erst unlängst hat er über sich gesagt: „Ich bin der Boxer, den alle am liebsten sehen“. Aber, ebenfalls vor noch nicht allzu langer Zeit, als er von Sauerland Event weg wollte, hat er dann keinen Veranstalter und keinen TV Sender gefunden, der ihn unter Vertrag hätte nehmen wollen, jedenfalls nicht zu seinen Bedingungen. Nun, nachdem er bei Sauerland bis Ende 2014 verlängert hat – „ein Millionendeal“ -, muss er Leistung zeigen. Verliert Huck, dann hat Sauerland Event nämlich keinen Hauptkämpfer mehr, der einen WM Titel hat und eine gute Quote bringt.
Hier sind wir dann schon wieder beim Thema Punktrichter. Am Ring soll Lahcen Oumghar sitzen. Das ist eben jener Oumghar, der am 18.12.2010 bei Huck gegen Denis Lebedev punktete und der dann den Sauerlandboxer mit unglaublichen 115:113 vorne hatte. Damit hatte er sich seinerzeit in meiner persönlichen Hall Of Shame einen Platz gesichert. Der zweite auserkorene Punktrichter heißt Deon Dwarte. Dwarte hat sich durch sein Wirken am 28.01.2008 in Berlin seinen Platz in meiner Hall of Shame gesichert. Er sah und wertete tatsächlich Alexander Povetkin, einen Sauerlandboxer, mit 117:111, als Sieger gegen Eddie Chambers.
Die Vorzeichen sehen also nicht besonders günstig aus. Sollte Marco Huck wieder einmal das arme Opfer eines umstrittenen Punkturteils werden und dadurch wieder einmal seinen Titel, womöglich unverdient, behalten, hat Sauerland Event zwar weiterhin einen Hauptkämpfer, aber keinerlei Glaubwürdigkeit mehr.
© Uwe Betker