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Heimspiel für Timo Rost

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Der Düsseldorfer Timo Rost ist seit mehr als einem Jahr Profiboxer. In diesem Zeitraum hat er fünf Kämpfe bestritten, die er alle für sich entscheiden konnte, zwei durch KO. In seiner Heimatstadt Düsseldorf hat er aber noch nie geboxt. Bislang mussten seine Freunde und Fans mit ihm immer nach Wuppertal, Düren, Essen und Heerlen fahren.

Timo Rost boxt jetzt also zum ersten Mal in der schönsten Stadt am Rhein, in Düsseldorf. Austragungsort ist die Classic Remise. Der ehemalige Ringlokschuppen in Oberbilk ist bekannt als der Ort, an dem Freunde von automobilen Oldtimern und Sammlerfahrzeugen ihre Träume aus Stahl und Blech bewundern und verwirklichen können. Diese Location kann man schon als einen durchaus angemessenen Ort für das erste Heimspiel von Rost bezeichnen.

Der Gegner von Rost ist Tiran Metz, mit bürgerlichem Namen Tiran Mkrtchyan. Er ist 32 Jahre alt und sehr viel erfahrener als Rost: Er wird in den Ranglisten weit über ihm geführt. Metz absolvierte bis jetzt 22 Kämpfe, von denen er 15 gewinnen konnte, 6 durch KO. Hinzu kommen drei Niederlagen und 3 Unentschieden. Metz ging 2013 mit Vincent Feigenbutz schon über die Runden. Er bereitete sich vier Monate auf den Kampf vor. Es ist also ein klassisches Aufeinandertreffen von Erfahrung und Jugend. Allerdings kann man bei Rost Jugend in Anführungszeichen setzen, denn er ist 27 Jahre alt.

Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass der auf acht Runden angesetzte Kampf im Super Mittelgewicht, das Limit bis 76,203 kg, hart werden wird. Keiner der beiden Boxer ist ein ausgesprochener KO-Schläger. Beide sind technische Boxer und beide suchen den Schlagabtausch.

Wir dürfen uns auf einen spannenden Kampf beim ersten Heimspiel von Timo Rost freuen!

© Uwe Betker

Dieser Text enstand für das Programmheft der Veranstaltung, welches leider nicht erscheint.

Boxen in Herne – fünf Vierrunder

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Die Ruhrstadt Arena in Herne war am 02.06.2018 Austragungsort einer Kampfsportveranstaltung. Veranstalter war WiTo Sport-Events, von Isa Topal. Insgesamt gab es dreizehn Kämpfe zusehen, sechs nach K1 Regeln, zwei nach Amateurboxregeln und fünf Profiboxkämpfe, wobei die Profikämpfe alle auf vier Runden angesetzt waren.
Leider habe ich den ersten Kampf verpasst. Es war eine Begegnung im Super Mittelgewicht zwischen Mihalis Davis (2 Kämpfe, 1 Sieg, 1 Niederlage, 1 durch KO) und Emir Recepaga (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 1 durch KO). Laut dem Punktrichter waren die ersten beiden Runden ausgeglichen. In der ersten Runde gab es nur wenige Aktionen, weil beide sich abtasteten. Die zweite war munterer. Die dritte und vierte Runde dominierte dann Davis. Punktsieger: Mihalis Davis.

Im Schwergewicht trafen die beiden Debütanten Rinus Douma und Piotr Wilczek aufeinander. Beide zeigten gutes Boxen. Sie überhasteten nicht und verteilten gut. Wilczek war der etwas aktivere. Die zweite Runde war munter. Beide standen lange Fuß an Fuß und deckten sich gegenseitig ein. Wilczek stellte sich in der dritten Runde mehrfach in eine Ecke, um Douma dort zum Schlagabtausch aufzufordern. Am Ende der Runde stand Douma in einer neutralen Ecke und es gab einen harten und verbissenen Schlagabtausch. In der vierten Runde wurde der Kampf nochmals härter. Douma, in der gleichen Ecke gestellt, wurde fast eine Minute lang nicht raus gelassen. Punktsieger: Piotr Wilczek.

Ebenfalls im Schwergewicht boxten Frederik Kretschmar (3 Kämpfe, 3 Siege) und Paul Zummach. Beide tasteten sich zunächst zwei Minuten lang gegenseitig ab. Dann machten sie mehr. Am Ende der Runde gab es einen munteren Schlagabtausch. In der zweiten Runde erhöhte Kretschmar den Druck. Immer wieder kam es zum Kräftemessen, wobei Kretschmar gut zum Körper durch kam. Die dritte Runde war intensiv. Beide schenkten sich nichts. Kretschmar behielt dabei wieder die Oberhand. In der vierten Runde verwaltete er nur noch seinen Punktevorsprung. Punktsieger: Frederik Kretschmar.

Im Super Weltergewicht trafen Armin Malekzadeh (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) und Nicolae Dragos (12 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 10 Niederlagen, 5 durch KO, 1 Unentschieden) aufeinander. Malekzadeh sprang durch die Seile in den Ring, vollführte eine Rolle und kam auf den Füßen zu stehen – ein sehenswerter Auftritt. Ähnlich spektakulär agierte Malekzadeh auch im Kampf. Er wollte von der ersten Sekunde an den KO. Er verteilte gut und es war nur eine Frage der Zeit, wann Dragos KO gehen würde. In der ersten Runde habe ich keinen Schlag von Dragos gesehen. Er war zu sehr damit beschäftigt sich zu decken. Ende der Runde fing er an, aus der Nase zu bluten. Es sah so aus, als hätte Dragos am Anfang der zweiten Runde dreimal versucht zurück zu schlagen. Dafür wurde er allerdings jeweils böse bestraft. Am Ende der Runde sah Dragos Gesicht aus wie ein blutiges Stück Fleisch. Zur dritten Runde trat er nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 3: Armin Malekzadeh.

Ivan Freidenberg (4 Kämpfe, 1 Sieg, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Batscho Broian (1 Kampf, 1 Sieg, 1 durch KO) bestritten im Weltergewicht den letzten Kampf des Abends. Broian, ein Debütant, boxte systematisch und druckvoll. Er trieb Freidenberg vor sich her. In der zweiten Runde hielt der verstärkt dagegen. Er versuchte an Broian, einen Rechtsausleger, heranzukommen und ihm durch Körperhaken die Luft zu nehmen, was aber nicht leicht war. Broian konterte ihn meist ab. In der dritten Runde verlor Broian ein wenig seine boxerische Linie und versuchte das durch Faxenmachen zu kaschieren, dennoch blieb er der Herr im Ring. Zur vierten Runde trat Freidenberg nicht mehr an.
Sieger durch TKO in Runde 4: Batscho Broian.
Der GBA Ringrichter Kazim Kurnaz hatte einen ruhigen Abend. Er hatte praktisch nichts zu tun.
Die Vierrunder waren unterhaltsam. Zwei der Boxer sollte man im Auge behalten.Wenn WiTo Sport-Events wieder eine Veranstaltung auf die Beine stellen könnte, würde mich das freuen. Ich würde auch gerne wieder hinfahren.
© Uwe Betker

Mindener Nächte sind lang

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In Minden stellte am 03.02.2018 Christoph Gresfoerder (Flügelmann Sportspromotion) eine schöne, aber sehr lange Veranstaltung auf die Beine. In der ziemlich gut gefüllten Kampa Halle gab es insgesamt 16 Kämpfe zu sehen, wovon sieben nach den K1 Regeln geführt wurden. Der Rest waren Profiboxkämpfe, wobei hier ein Schwergewichtsturnier à la „Bigger, Better“ enthalten war.
Es begann mit einem Profiboxkampf über 6 Runden zwischen Shokran Parwani (10 Kämpfe, 9 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) gegen Vojtech Koncitik (9 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO; 6 Niederlagen, 5 durch KO). Der Rechtsausleger Parwani bestimmte den Kampf. Er boxte lang und überlegen. In der Mitte der ersten Runde stellte er seinen Gegner an den Seilen und deckte ihn ein. Nach einem rechten Haken zur Schläfe musste der dann auch runter und wurde vom umsichtig agierenden GBA Ringrichter Cornelius Bernds angezählt. Koncitik kam zwar wieder hoch, musste aber bereits nach der nächsten Kombination erneut zu Boden. Bernds zählte den stehenden, aber nicht mehr kampffähigen Koncitik aus. Sieger durch KO in Runde 1, nach 2:35 Minuten: Shokran Parwani.

Es folgte ein Achtrunder im Super Weltergewicht zwischen Yaser Yüksel (6 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO) und Ziya Gökalp (16 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 15 Niederlagen, 11 durch KO). Beide Boxer begannen verhalten. Es gab nur wenige Aktionen und nur selten fand eine einzelne Hand ihr Ziel. Die zweite Runde war etwas munterer, wobei der Kampf von beider guten Technik und gutem Auge gekennzeichnet war. Viele Aktionen wurden, noch bevor sie stattfanden, vom Gegner schon vorhergesehen. Mitte des dritten Durchgangs fing Yüksel Gökalp mit einer Rechten zum Kopf ab, die diesen leicht einknicken ließ. Danach spielte Yüksel nur noch mit seinem Gegner. Die nächste Runde begann Gökalp ungestüm, aber nach kurzer Zeit besannen beide sich wieder auf gutes technisches Boxen. In der fünften Runde gab es wieder mehr Aktionen. In der sechsten Runde versuchte Gökalp mit Schwingern zum Ziel zu kommen, die allerdings nicht ihr Ziel trafen. In der siebten Runde machte Yüksel mehr Druck und Gökalp baute konditionell ab. Gökalp versuchte dann noch, durch einen Auslagenwechsel seinen Gegner zu irritieren; das funktionierte jedoch nicht. Er nahm mehr und mehr Schläge. Auf einen Ruf aus dem Publikum „Boxe!“ erwiderte er: „Keine Luft“: Zum Pausengong brachte er noch einen Schwinger, wobei er von seinem eigenen Schwung zu Boden ging. In der achten Runde blieb Yüksel am Mann dran und suchte den KO, der aber nicht kam. Punktsieger (78:74): Yaser Yüksel.

Im Halbschwergewicht traf Armenak Havhannisyan (3 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO) auf Emin Karimli, der sein Profidebüt gab. Es war ein ausgesprochen munteres Aufeinadertreffen. Beide suchten den Schlagabtausch und fanden ihn auch. Havhannisyan, der bessere und erfahrenere Boxer, hatte es nicht leicht, den unorthodox agierenden und boxenden Karimli zu beherrschen. In der dritten Runde stellte er ihn zwar in einer Ecke und kam mit einer Rechten gut durch, die Karimli auch erschütterte, aber er schaffte es nicht, ihn zu finishen. Ich muss gestehen, mein Herz schlug für den Außenseiter und ich war froh, als er den Schlussgong erreichte. Sieger nach Punkten (40:36): Armenak Havhannisyan.

Im Anschluss startete die erste Runde des Schwergewichtsboxturniers. Als erstes traf der Debütant Frederik Kretschmer auf Muhammed Ali Durmaz (37 Kämpfe, 10 Siege, 9 durch KO, 26 Niederlagen, 23 durch KO). Der Rechtsausleger Kretschmer übernahm weitestgehend das Kommando im Ring. Er trieb Durmaz vor sich her und versuchte es mit Rechts-Links-Kombinationen. Durmaz beschränkte sich eher auf Konter und war damit zu passiv, um nur eine Runde gewinnen zu können. Ende der vierten Runde wurde er sogar von Ringrichter Kazim Kurnaz, der sonst nichts zu tun hatte, angezählt. Er war in seiner eigenen Ecke gestellt worden und musste nach einer längeren Kombination auf die Bretter. Sieger nach Punkten (40:35): Frederik Kretschmer.

Ebenfalls im Schwergewicht traf Vincenzo Anzalone (2 Kämpfe, 2 Niederlagen) auf den Debütanten Arnold Kasongo. Kasongo bestimmte die erste Runde. Mit seiner Linken hielt er sich seinen kleineren Gegner vom Hals und bereitete seine Rechte vor, die auch immer wieder ihr Ziel fand. In der zweiten Runde setzte er seine Linke weniger ein, wodurch Anzalone an ihm herkam und ihn seinerseits mit Schwingern eindeckte. Die dritte Runde gestaltete sich als recht muntere und unterhaltsame Keilerei. Am Ende der Runde wackelte Anzalone sichtlich, aber zu Boden ging er nicht. In der letzten Runde waren beide Boxer mit ihrer Kraft am Ende, sie konnten nicht mehr Aber für ein Tänzchen von Anzalone und die Andeutung eines Bolapunchs von Kasongo und einen gemeinsamen Tanz reichte es dann doch noch. Punksieger (40:36): Arnold Kasongo.
Damit standen die Teilnehmer des Turnierfinales fest: Frederik Kretschmer und Arnold Kasongo.

Hiernach traf der Jubilar Suleyman Dag (100 Kämpfe, 10 Siege, 5 durch KO; 90 Niederlagen, 62 durch KO) im Halbschwergewicht auf Selim Sarialioglu (16 Kämpfe, 7 Siege, 7 durch KO, 9 Niederlagen, 9 durch KO). Dag bestritt seinen einhundertsten Profiboxkampf, in dem er dann auch genau das machte, was er immer machte: Er versuchte zu überleben, seinen Gegner mit unerwarteten Aktionen zu ärgern und möglichst wenig abzubekommen. Sarialioglu seinerseits versuchte Dag KO zu hauen. In der dritten Runde stellte er Dag in seiner Ecke und kam mit zwei Volltreffern durch. Cornelius Bernds zählte Dag an. Kurze Zeit später wiederholte sich die Szene an gleicher Stelle, nur mit dem Unterschied, dass Dag mehr nehmen musste. Bernds ging dazwischen und brach den Kampf ab. Sieger durch TKO in Runde 3, nach 2:10 Minuten; Selim Sarialioglu .

Im Mittelgewicht boxten Oleg Harder (3 Kämpfe, 1 Sieg, 2 Niederlagen, 1 durch KO) und Dogan Kurnaz (16 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO, 13 Niederlagen, 12 durch KO) gegeneinander. Harder versuchte Kurnaz zu stellen und ihn KO zu schlagen. Kurnaz versuchte Harders Kampf kaputt zu machen, indem er um ihn herum tanzte und mit schnellen Händen ärgerte. In der dritten Runde bekam Kurnaz leichte Konditionsprobleme, wodurch er häufiger gestellt wurde und mehr kassierte. Anfang der vierten Runde wurde Kurnaz von Ringrichter Bernds angezählt. Ein Ausrutscher mit gleichzeitigem Schlag hatte ihn zu Boden gebracht. Hierdurch wurde die Runde sehr munter, weil Kurnaz mehr machte. Zur fünften Runde trat er dann nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 5: Oleg Harder.
Ebenfalls im Mittelgewicht trafen Besir Ay (8 Kämpfe, 7 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage) und Recepagy Emir, ein Debütant, für einen Vierrunder aufeinander. Ay dominierte den Kampf. Er nutzte seinen Reichweitenvorteil und verteilte gut. Mehrfach stellte er Emir, der seine liebe Müh und Not hatte zu überleben. In der zweiten Runde konnte Emir dann auch manchmal kontern. In der dritten und vierten Runde wurde Ay wieder stärker und Emir musste viele Treffer nehmen. Punktsieger (40:36): Besir Ay.

Den Abschlusskampf bei den Profis, der schließlich am Sonntag um 01:45 Uhr begann, bildete das Turnierfinale im Schwergewicht zwischen Frederik Kretschmer und Arnold Kasongo. Kretschmer kam schneller in den Kampf. Obwohl kleiner, nutzte er seine Schnelligkeit, um in der Halbdistanz zu explodieren. Obwohl Kasongo in der zweiten Hälfte besser boxte, machte er aber doch mit seiner Linken zu wenig. Die zweite Runde war ausgeglichen, wobei Kretschmer am Ende der Runde Probleme hatte. Der dritte und vierte Durchgang gehörten dann wieder Kretschmer. Kasongo machte zu wenig. Punktsieger (37:39): Frederik Kretschmer.

Die Zutaten für eine richtig gute Kampfsportveranstaltung sind gefunden: muntere KI-Kämpfe, unterhaltsame Profiboxkämpfe und ein Profiboxturnier, eventuell im Schwergewicht. Die Kampa Halle ist schön. Man kann nur hoffen, dass Flügelmann Sportspromotion weiter Profiboxkämpfe zeigt. Ich würde mir nur wünschen, beim nächsten Mal 02:00 Uhr morgens aus der Halle zu kommen.
Die Veranstaltung ist über die Facebook-Seite von Boxwelt als Lifestream übertragen worden. Obwohl hierfür keine Werbung gemacht wurde, gab es immerhin 22.200 Aufrufe in der Summe: Dabei gab es die Konkurrenz von mehreren andern Boxveranstaltungen, die im Fernsehen gezeigt wurden.
(C) Uwe Betker

Profiboxen in Voerendaal – Quintessens des Boxens

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Die Veranstaltungen von Patrick Driessen sind immer eine Reise wert. Hier gibt es immer gutes Boxen zu sehen. Diesmal war jedoch etwas anders. Diesmal nämlich waren im Zaalencentrum in De Borenburg in Voerendaal bei Heerlen 17 Amateurkämpfe und nur 2 Profikämpfe zu sehen. Diese beiden Profikämpfe waren allerdings so etwas wie die Quintessenz des Boxens: eine brutale Ringschlacht und ein Fechten mit der Faust.
Den Anfang bei den Profis machten im Weltergewicht Bo Delbressine, der sein Profidebüt gab, und Bryan Nisia (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) mit einem Vierrunder. Von der ersten Sekunde an war es eine harte Ringschlacht, bei der sich die Kontrahenten nichts schenkten, vor allem keine Ruhe. Nisia boxte unorthodox. Er verzichtete weitestgehend auf seine Deckung, schlug aus allen Positionen und verließ sich auf seine Reflexe und Meidbewegungen. Delbressine boxte hinter einer Doppeldeckung, suchte aber auch den Schlagabtausch. Und davon gab es dann auch wirklich viel zu sehen. In der zweiten Runde kam Nisia immer häufiger mit seinen Schlägen durch. Delbressine nahm viele und harte Treffer. Es sah auch schon danach aus, als würde er runter gehen, er machte es aber nicht. Stattdessen kam er selbst mit harten Treffern durch, die Nisia erschütterten. Zu Anfang der dritten Runde konnte Delbressine mehrfach Körperhaken anbringen. Es sah sogar schon danach aus, dass er den Kampf für sich entscheiden könnte. Dann aber kam wieder Nisia. Er erhöhte den Druck und Delbressine musste wieder mehr und mehr nehmen. Schließlich traf ihn eine harte Linke zur Schläfe und er drehte sich wie eine Schraube, während er zu Boden sank. Er wurde angezählt, kam schwankend wieder hoch. Der gute Ringrichter Gerard Steifzand nahm ihn jedoch aus dem Kampf, weil er Delbressine nicht mehr als kampffähig einschätzte.
Sieger durch TKO in Runde 3 nach 2:25 Minuten: Bryan Nisia.
Der Hauptkampf des Abends war die Beneluxmeisterschaft im Cruisergewicht zwischen Ricardo Snijders (11 Kämpfe, 11 Siege, 2 durch KO) und Erik Nazaryan (48 Kämpfe, 24 Siege, 18 durch KO, 19 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden). Beide Kontrahenten zeigten gutes technisches Boxen, allerdings in unterschiedlicher Ausführung. Snijders war erheblich größer als Nazaryan und hatte dementsprechend mehr Reichweite. Er boxte überlegt und kreiste langsam um seinen Gegner herum. Er agierte hinter einer kompakten Doppeldeckung und versuchte, seine Führhand zu etablieren, um seinen Reichweitenvorteil zu nutzen. Nazaryan versuchte, an Snijders heranzukommen, um dann seine Haken ins Ziel zu bringen. Seine Deckung war auch gut. In der zweiten Runde wurde der Kampf etwas munterer. Snijders verteilte gut, was Nazaryan dazu verleitete, gestenreich darauf hinzuweisen, dass die Schläge ihm nichts anhaben könnten. Er forderte Snijders auf, ihn doch anzugreifen. Snijders reagierte auf die Provokationen nicht – nur Ringrichter Toni Tiberi. Der ermahnte Nazaryan, die Faxen zu lassen. In der dritten Runde trieb Snijders Nazaryan kontrolliert vor sich her, ohne zu überhasten. In der vierten Runde erhöhte Snijders den Druck und trieb Nazaryan an den Seilen entlang. Dann öffnete sich ein böser Cut unter der linken Braue, auf dem Lid, von Nazaryan und der Kampf wurde gestoppt. Sieger durch TKO in Runde 4, nach 1:45 Minuten: Ricardo Snijders. – Eine bemerkenswert souveräne Leistung.
Die Veranstaltung in Heerlen war klein, aber fein. Sie stellte einen tollen Start in die neue Boxsaison dar. Es gab zwar nur zwei Profiboxkämpfe zu sehen, nachdem sich geplante Kämpfe zerschlagen hatten, weil sich die Boxer verletzt hatten. Zum Ausgleich boten gerade diese beiden Kämpfe aber die komplette Spannbreite des Boxens.
© Uwe Betker

Eine Schwergewichtsweltmeisterschaft in Deutschland nebst Vorprogramm

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Die Arena in Oberhausen war am 26.11.2017 der Austragungsort für die WBA Weltmeisterschaft im Schwergewicht. Die Halle war gut gefüllt, aber nicht ausverkauft. Vermutlich mochten zu wenige Manuel Charr zutrauen, Weltmeister zu werden.
Insgesamt waren fünf Kämpfe zu sehen. Den Anfang machten Mohammed Berkdash (12 Kämpfe, 12 Siege, 9 durch KO) und Istvan Zeller (57 Kämpfe, 38 Siege, 12 durch KO, 19 Niederlagen, 13 durch KO) mit einem Sechsrunder im Halbschwergewicht. Der Rechtsausleger Berkdash beherrschte die Ringmitte und trieb sein Gegenüber vor sich her. Der versuchte vor allem, dem Schlagabtausch zu entgehen. Es gab nur zwei erwähnenswerte Aktionen in der ersten Runde und bei diesen hatte Zeller schon Schwierigkeiten. In der zweiten Runde ging Zeller nach einem rechten Kopfhaken runter und BDB Ringrichter Jürgen Langos zählte bis acht. In der dritten Runde nutzte Zeller dann jede Gelegenheit, Zeit zu gewinnen, indem er zu Boden glitt, weil er sich runter gedrückt oder geschubst fühlte. In der vierten Runde meine ich gesehen zu haben, dass er einmal zurückschlug. Kaum war das aber geschehen, rutschte er, angeblich geschoben, durch die Ringseile. In der fünften Runde wurde Zeller, dann mal ein Punkt abgezogen für seine Verzögerungstaktik. Er hatte es geschafft, mehrfach mit Kopf und Oberkörper durch die Seile zu gehen. In der sechsten Runde wackelte der Pazifist Zeller noch mehrfach, aber er erreicht den Schlussgong. Bemerkenswert an dem Kampf war die stoische Ruhe, mit der Berkdash zu Werke ging. Er ließ sich kaum irritieren und boxte einfach seinen Kampf. Einstimmiger Punktsieger: Mohammed Berkdash.
Anschließend stiegen Ryan Hatton (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) und Attial Orsos (39 Kämpfe, 14 Siege, 8 durch KO, 23 Niederlagen, 20 durch KO, 1 Unentschieden) für einen Vierrunder im Halbschwergewicht in den Ring. Der Kampf gestaltete sich ganz anders als der vorangegangene. Beide stellten sich nämlich zum Kampf. Hatton boxte sauber und verteilte gut. Eine Linke zum Körper kombiniert mit einer Rechten zum Kopf fällte Orsos das erste Mal. Kurze Zeit später kam Hatton mit einem harten Leberhaken durch und Langos zählte durch. Sieger durch KO in Runde 1, nach 1:53 Minuten: Ryan Hatton.
Im Superfedergewicht trafen sodann Marek Jerzejewski (13 Kämpfe, 13 Siege, 12 durch KO) und Karoly Gallovich (16 Kämpfe, 10 Siege, 6 Niederlagen, 5 durch KO) für einen Achtrunder aufeinander. Der Kampf war kurz und knackig. Jerzejewski stellte seinen Gegner direkt in seiner Ecke und fällte ihn mit Körperhaken. Gallovich stellte sich wieder, wurde wieder gestellt und ging nach brutalen Körperhaken erneut zu Boden. Ringrichter Maurizio Rinaudo zählte den sich vor Schmerzen auf dem Boden krümmenden Gallovich aus. Sieger durch KO in Runde 1, nach 49 Sekunden: Marek Jerzejewski.
Sam Maxwell (4 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO) und Ozcar Fiko (54 Kämpfe, 29 Siege, 15 durch KO, 24 Niederlagen, 11 durch KO, 1 Unentschieden) maßen ihre Kräfte in einem Sechsrunder im Superleichtgewicht. Maxwell machte von der ersten Sekunde an Druck. Er zeigte gutes Boxen, eine schöne Führhand und er verteilte gut. Nach ca. zwei Minuten lief Fiko in eine Rechte von Maxwell hinein und ging zu Boden. Er schaffte es, wieder hoch zu kommen und das Ende der Runde zu erreichen. In der zweiten Runde erhöhte Maxwell den Duck, aber Fiko hielt dagegen. Fiko boxte tapfer und versuchte, sich mit Schwingern und indem er in den Gegner hereinstürmte Maxwell vom Hals zu halten. In der nächsten Runde kam Maxwell aber wieder mit einer harten Rechten zum Kopf durch, die Fiko einknicken und seinen Mundschutz verlieren ließ. Dadurch dass der Mundschutz erst mal gesäubert und wieder eingeschoben werden musste, gewann Fiko zwar Zeit, aber es nutzte ihm nichts. Kurze Zeit später fiel er krachend auf die Bretter. Ein rechter Kopfhaken hatte ihn gefällt. Fiko kam zwar wieder hoch und stellte sich dem Kampf, aber noch weitere Treffer zu Körper und Kopf ließen ihn zu Boden sinken. Der Ringrichter stoppte den Kampf.
Sieger durch KO in Runde 3, nach 1:50 Minuten: Sam Maxwell.
Nach einer einstündigen Pause kam dann der Hauptkampf. Es war natürlich die WBA Weltmeisterschaft im Schwergewicht zwischen Manuel Charr (35 Kämpfe, 31 Siege, 17 durch KO, 4 Niederlagen, 3 durch KO) und Alexander Ustinov (36 Kämpfe, 34 Siege, 25 durch KO, 2 Niederlage). Es war Ustinov, der in den ersten drei Runden den Kampf machte. Er beherrschte weitestgehend die Ringmitte und trieb Charr vor sich her. Er nutzte seinen Reichweitenvorteil. Charr dagegen boxte verhalten. Er verschanzte sich hinter seiner Doppeldeckung und konterte selten. In der zweiten Runde fing Ustinov dann an, seine Führhand fallen zu lassen, um Charr zu einer Aktion zu verleiten. Ustinov sah bis dahin aus, wie der sichere Sieger. In der dritten Runde zog Charr sich einen Cut über dem linken Auge zu. Das veranlasste Charr nun, mehr zu machen und er kam auch mit schönen einzelnen Händen ins Ziel.
In der vierten Runde übernahm Charr das Kommando im Ring. Er kam mehrfach mit seiner linken Graden und seinem rechten Cross durch. Er ging mehr in den Infight, wo er punktete und Ustinov passiv blieb. Der Kampf hatte sich gedreht. In der folgenden Runde bestimmte Charr den Kampf und Ustinov konnte ihn sich nicht mehr vom Hals halten. Ustinovs Manager Wlad Runow, der bis dahin ruhig am Ring gesessen hatte, hielt es auf seinem Platz nicht mehr aus. Er ging in die Ecke seines Schützlings und brüllte in den Ring. In der sechsten Runde versuchte Ustinov mit der ausgestreckten Führhand den Abstand zu Charr zu halten. Dieser wich aber nach rechts aus und brachte eine Rechte zum Kopf durch. Das veranlasste Ustinov dazu, diesen Klitschko-Trick nicht mehr zu versuchen. Nach ca. einer Minute des siebten Durchgangs nahm Ustinov einen linken Haken zum Kinn, der ihn einknicken ließ. Danach nahm er immer wieder Schläge, die ihn auch mehrfach einknicken ließen. Er fiel aber nicht. Am Ende der nächsten Runde brachte ein knackiger linker Kinnhaken Ustinov schließlich zu Boden. Der gute WBA Ringrichter Tony Weeks zählte acht und dann war auch schon die Runde zu Ende. In der neunten Runde trieb Charr seinen Gegner vor sich her und suchte die Lücke. Er suchte den KO. Der aber kam nicht. Manager Runow verließ währenddessen die Halle. Zu Beginn der zehnten Runde tanzte Charr nur noch um Ustinov herum, ohne ihn anzugreifen. Er zeigte ihm, dass er nicht müde war und sehr viel schneller als sein Gegner. Bis zum Schlussgong verwaltete und baute Charr seinen Punktevorsprung aus, ohne noch ein großes Risiko zu gehen. Zur letzten Runde kam Runow wieder.
Am Ende stand ein einstimmiger und recht deutlicher Punktsieg (Stefano Carozza 115:111, John Porturaj 116:111, Stanley Christodolou 115:112) für Manuel Charr. Seine ersten Worte zu den Zuschauern in der Halle lauteten: „Deutschland ist Weltmeister!“
© Uwe Betker

Die dritte Assassin Fighting Championship

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Die Eissporthalle in Dorsten ist wieder einmal zu einem Ort geworden, an dem man gewesen sein musste, um man harte Profiboxkämpfe zu sehen. Es begann mit zwei 8-jährigen Jungen, die einen K1 Kampf zeigten. Anschließend gab es zwei Amateurboxkämpfe und dann folgten noch zwölf Profiboxkämpfe, von denen einige richtig klasse waren.
Den ersten dieser Profikämpfe bestritten im Super Weltergewicht Azad Dogru (15 Kämpfe, 15 Niederlagen, 15 durch KO) und Marcus Jakobs, der sein Debüt gab. Der Kampf war geprägt von Hektik. Jakobs ging etwas ungestüm nach vorne und Dogru lief um sein Leben. Dogru ging erst in der Ecke von Jakobs zu Boden, dann in seiner eigenen und schließlich in einer neutralen Ecke. Die Niederschläge waren mehr das Ergebnis von Dogrus Überforderung, als der Schlagwirkung von Jakobs geschuldet. Der GBA-Ringrichter Kornelius Bernds winkte beim dritten Niederschlag den Kampf ab. Sieger durch TKO in Runde 1, nach 2:31 Minuten: Marcus Jakobs.

Danach stiegen Eduino Dos Santos und Ahmet Akil, beides Debütanten, für eine Schwergewichtsbegegnung in den Ring. Dos Santo machte den Kampf. Er trieb seinen Gegner vor sich her. Akil verschanzte sich hinter seiner Doppeldeckung und versuchte, den Schlägen auszuweichen. Immer wenn er nah an Dos Santos stand, deckte er ihn mit Schlägen zum Körper ein. Zur zweiten Runde trat er nicht mehr an: Sieger durch TKO in Runde 2: Eduino Dos Santos.

Ebenfalls im Schwergewicht boxten sodann David Gegeshideze (40 Kämpfe, 20 Siege, 6 durch KO, 19 Niederlagen, 15 durch KO, 1 Unentschieden) und Sascha Prinz (3 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO) gegeneinander. Gegeshideze, ein sehr zäher Handlungsreisender in Sachen Boxen, machte es Prinz schwer. Der kam auch in der ersten Runde nur einmal mit einem schönen rechten Cross durch, der Gegeshideze beeindruckte. Es sah ganz danach aus, als hätte Prinz vier Runden harte Arbeit vor sich. Dann kam Prinz aber, zu Anfang der zweiten Runde, mit einem brutalen rechten Körperhaken durch, der Gegeshideze zu Boden sinken ließ. Während der Ringrichter Kazim Kurnaz noch zählte, kam das Handtuch geflogen. Sieger durch TKO in Runde 2, Nach 29 Sekunden: Sascha Prinz.

Im Super Weltergewicht maßen anschließend Devor Matic (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 2 durch KO) und Yaser Yüksel (4 Kämpfe, 4 Siege, 4 durch KO) ihre Kräfte. Ich möchte aber lieber sagen, die Beiden verglichen ihre boxerischen Fähigkeiten. Yüksel spielte tatsächlich ein grausames Spiel mit seinem Gegner. Wie eine Katze mit einer gefangenen Maus spielt, so spielte Yüksel mit Matic. Ohne Deckung, nur auf seine Reflexe und schnellen Beine vertrauend, machte er gerade eben genug, um Matic seine Dominanz spüren zu lassen. Ende der ersten Runde schlug er ihn durch einen Kopftreffer zu Boden. Den Kampf sodann zu beenden, dazu machte er aber dann keine Anstalten. Immer weiter ging das Spiel. Die dritte Runde endete genauso wie die erste – nur dass es diesmal ein Körpertreffer war. In der vierten Runde kam Matic zweimal mit einer Rechten durch, was Yüksel gar nicht gefiel. Er erhöhte daraufhin den Druck und machte Ernst. Er stellte Matic in einer neutralen Ecken und ließ ihn nicht mehr raus. Matic ging zu Boden. Diesmal setzte Yüksel nach und stellte Matic erneut. In dessen eigener Ecke deckte er ihn ein. Wieder musste Matic zu Boden. Hier nun beendete Kornelius Bernds das grausame aber kurzweilige Spiel. Sieger durch TKO in Runde 4, nach 1:11 Minuten: Yaser Yüksel.

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Es folgte eine Begegnung im Super Mittelgewicht zwischen Muharem Özkul und Jerome Kock (4 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO). Kock begann gut. Er beherrschte die Ringmitte und trieb Özkul vor sich her. Der Kampf war munter, auch weil Özkul entschlossen schien, in seinem Profidebüt nicht zu verlieren. Immer wieder versuchte er, Kock mit Körpertreffern langsamer zu machen. Aber zur dritten Runde trat er dann doch nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 3: Jerome Kock.

Dann boxten Drazjan Janjanin (30 Kämpfe, 15 Siege, 14 durch KO, 15 Niederlagen, 7 durch KO) und Kristijan Krstacic (15 Kämpfe, 14 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) im Cruisergewicht gegeneinander. Krstacic begann verhalten, kreiste um seinen Gegner herum. Kontinuierlich erhöhte er den Druck. Immer wieder ging er mit der Linken zur Leber – das mochte Janjanin augenscheinlich gar nicht. Zur zweiten Runde trat Janjanin dann auch nicht mehr an. Er gab vor, sich den Ellenbogen seiner Linken verletzt zu haben. Sieger durch TKO in Runde 2: Kristijan Krstacic.

Es folgte eine richtig harte Ringschlacht. Nikoloz Berkatsahvili (48 Kämpfe, 29 Siege, 12 durch KO, 19 Niederlagen, 17 durch KO) traf im Leichtgewicht auf Atilla Koyabasi (9 Kämpfe, 9 Siege, 5 durch KO). Koyabasi wollte so schnell wie möglich in den Schlagabtausch. Er wollte ganz offensichtlich den KO-Sieg. Dementsprechend schnell führten die Beiden die Begegnung, die wirklich sehr schnell, sehr hart und sehr intensiv war. Zuerst schickte ein harter rechter Kopfhaken Berkatsahvili zu Boden. Ringrichter Izzet Kurnaz bekam danach aber erst recht viel zu tun. Der Kampf wurde noch härter und nun auch unsauber von beiden Seiten geführt. Es gab viele wilde Schlagabtäusche. Berkatsahvili fand sich noch mehrfach auf dem Ringboden wieder, allerdings wurde er nicht angezählt, denn es waren Ausrutscher und Schupser. Irgendwann hatten dann sowohl Berkatsahvili als auch Koyabasi je einen Cut an einem Auge. Anfang der zweiten Runde kam Koyabasi erneut mit einer harten Rechten zum Kopf durch, die Berkatsahvili zu Boden zwang. Kurze Zeit später war er wieder auf dem Boden, Erschöpfung und ein paar Schläge waren Schuld daran. Hier nun beendete der Ringrichter den Kampf: Sieger durch TKO in Runde 2, nach 54 Sekunden: Atilla Koyabasi.

Im Schwergewicht maßen danach Asad Adrovic (4 Kämpfe, 1 Sieg, 3 Niederlagen, 3 durch KO) und Eugen Buchmüller (8 Kämpfe, 8 Siege, 5 durch KO) ihre Kräfte. Der bereits 36 Jahre alte Buchmüller beeindruckte. Er zeigte sehr-sehr schnelle Hände. Er trieb Adrovic vor sich her. Dieser hielt aber tapfer dagegen. Buchmüller boxte sehr souverän. Zum Ende der ersten Runde sickerte Blut aus dem linken Ohr von Adrovic. Zur zweiten Runde konnte er deshalb nicht mehr antreten: Sieger durch TKO in Runde 2. Eugen Buchmüller.

Im Anschluss kämpften Giorgi Khulelidze (16 Kämpfe, 9 Siege, 2 durch KO, 7 Niederlagen, 6 durch KO) und Yusuf Kangül (15 Kämpfe, 12 Siege, 6 durch KO, 3 Niederlagen, 1 Unentschieden) im Super Mittelgewicht gegeneinander. Beide trafen sich im Ring und suchten den Schlagabtausch. Beide boxten nur an, um sodann in den Abtausch zu gehen. Es gab viele intensive Schlagabtäusche, bei denen der starke Kangül die Oberhand behielt. Anfang der zweiten Runde kam er mit einer schönen Rechten zum Kopf durch, die Khulelidze auf die Bretter schickte. Der zerfiel dann zusehens. Kurze Zeit später fand er sich in einer neutralen Ecke erneut auf dem Boden wieder. Ein Leberhaken hatte ihn gefällt. Seine Ecke hatte nun endlich Erbarmen mit ihm und warf das Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 2, nach 42 Sekunden: Yusuf Kangül.

Die Veranstalterin Edda Essaoudi (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) bestritt den einzigen Frauenboxkampf des Abends. Sie boxte im Federgewicht gegen Nikolina Vokie. Der Kampf war kurz und hart. Essaoudi trieb ihre Gegnerin vor sich her und deckte sie mit Schlägen ein, kaum dass sie sie gestellt hatte. Schon bald war klar, dass sie Vokie keine Chance lassen würde. Essaoudi stellte sie an den Seilen und ließ sie nicht mehr weg. Unter dem Schlaghagel brach Vokie zusammen und die Ecke warf das Handtuch. Siegerin durch TKO in Runde 1, nach 57 Sekunde: Edda Essaoudi.

Im vorletzten Kampf des Abend trafen Ramazi Gogichashvili (48 Kämpfe, 28 Siege, 15 durch KO, 18 Niederlagen, 12 durch KO, 2 Unentschieden) und Tahir Kahrovic (6 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO), genannt Tommy Punch, aufeinander. Es handelte sich um eine Junioren Weltmeisterschaft im Cruisergewicht, nach Version WBU. Beide Boxer agierten hinter einer kompakten Doppeldeckung. Gogichashvili besetzte die Ringmitte und Punch kreiste um ihn herum. In der zweiten Runde machte Punch mehr Druck, wodurch es zu mehr Aktionen kam. Ringrichter Sergej Kovalenko hatte am Ende der Runde seine liebe Mühe, Punch und Gogichashvili zu trennen. In der vierten Runde wurde der Kampf härter. Punch wurde für Schlagen mit dem Ellenbogen ermahnt. Ende der Runde ging Gogichashvili zu Boden, nach einer Rechten zum Körper. Später ging er in der neutrale Ecke, nach vielen Treffern, die er nehmen musste, erneut zu Boden. Das wiederholte sich nach kurzer Zeit am gleichen Ort dann noch mal. Gogichashvili hatte offensichtlich den Ehrgeiz, das Ende der Runde zu erreichen, was ihm auch gelang. Zur nächsten Runde trat er allerdings nicht mehr an, Sieger durch TKO in Runde 5: Tahir Kahrovic.

Den Hauptkampf des Abends bestritt der Veranstalter Ilias Essoaudi (10 Kämpfe, 10 Siege, 8 durch KO). Er boxte gegen Chris Hermann (37 Kämpfe, 22 Siege, 13 durch KO, 14 Niederlagen, 12 durch KO, 1 Unentschieden). Dabei ging es um die WBU-Weltmeisterschaft im Super Weltergewicht. Der Kampf war kurz, weil Essoaudi nicht lange fackelte. Ein linker Körperhaken ließ Hermann zum ersten Mal auf die Bretter gehen. Etwas später schickte eine Rechte zum Kopf Herrmann beinahe durch die Seile. Kurz vor Ende der ersten Runde war er wieder am Boden. Diesmal war es allerdings ein Ausrutscher. Aber es war allen in der Halle klar, dass Herrmann kurz vor dem Ende war. In der zweiten Runde vollendete Essoaudi sein Werk. Zu Beginn der Runde zwang eine schöne Kombination sein Gegenüber erneut zu Boden. Dann fällte ein schöner brutaler Leberhaken Herrmann ein weiteres Mal. Es kam nun schließlich ein Handtuch geflogen. Sieger durch TKO in Runde 2, nach 1:22 Minuten: Ilias Essoaudi.

Abschließend muss gesagt werden: Die Veranstaltungen des Ehepaars Essaoudi werden immer besser. – Wann ist die nächste Profiboxveranstaltung in der Eissporthalle in Dorsten?
(C) Uwe Betker

Written by betker

14. Mai 2017 at 23:59

Veröffentlicht in Boxen, Frauenboxen

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Ein langer und unterhaltsamer Nachmittag/Abend in Wuppertal

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Bereits um 16 Uhr ging es in Fight Club Wuppertal los. Insgesamt gab es sage und schreibe 35 Kämpfe zu sehen. Es gab K1, IKBO-Boxen und Profiboxen. Mit fünf Kämpfen, waren die Profiboxer allerdings in der Minderheit.
Zwei Kämpfe, die am frühen Nachmittag stattfanden, habe ich schon verpasst. Deshalb hier nur kurz die Fakten: Sebastian Tlatlik (14 Kämpfe, 13 Siege, 12 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) boxte im Super Federgewicht gegen Marc Schulz (9 Kämpfe, 9 Niederlagen, 9 durch KO). Der auf acht Runden angesetzte Kampf erreichte nicht das Ende der ersten Runde. Ein Leberhaken fällte Schulz, woraufhin ihn Ringrichter Patryk nicht wieder antreten ließ. Sieger durch TKO in Runde 1, nach 2:47 Minuten; Sebastian Tlatlik.
Im Super Mittelgewicht boxten Adam Peszko (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) gegen Hani El Jarie (11 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 9 Niederlagen, 9 durch KO). Zur dritten Runde trat Hani nicht mehr an. Sieger durch RTD in der zweiten Runde: Adam Peszko.

Nun zu dem, was ich gesehen habe:
Den dritten Profi-Kampf bestritten Nawid Hakimsahde (7 Kämpfe, 7 Siege, 6 durch KO) und Loran Elyas (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 3 durch KO) im Super Leichtgewicht. Der Fight war kurz und knackig. Bereits bei der ersten Aktion fällte eine harte Links-Rechts-Kombination zum Kopf Elyas in der eigenen Ecke. Der GBA Ringrichter Jens-Uwe Baum zählte bis acht. Hakimsahde wollte nun nicht mehr locker lassen. In der nächsten Aktion rutschte Elyas, durch Schläge getrieben, durch die Lücke zwischen erstem und zweitem Seil aus dem Ring. Erneut wurde er angezählt. Kurze Zeit später sank er unter einem Schlaghagel zu Boden und Ringrichter Baum winkte den Kampf ab. Sieger durch KO in Runde 1 nach 1:21 Minuten: Nawid Hakimsahde.

Danach stiegen Philipp Kolodziej (13 Kämpfe, 8 Siege, 6 durch KO, 5 Niederlagen, 5 durch KO) und Konstantin Jawtschenko (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 1 durch KO) für einen Vierrunder im Super Mittelgewicht in den Ring. Der Rechtsausleger Kolodziej machte Druck. Er trieb seinen Gegner vor sich her. Er zeigte eine gute Führhand und versuchte, mit der Rechten zum Köper Jawtschenko langsamer zu machen. In der zweiten Runde erhöhte Kolodziej, der physisch sehr stark wirkte, den Druck. In der dritten Runde wurde der Kampf dann härter. Kolodziej dominierte weiter, musste aber selber auch eine Rechte nehmen, die zu Nasenbluten führte. Nach einer Minute in der vierten Runde stellte Kolodziej Jawtschenko in einer neutralen Ecke. Der konnte sich aber wieder daraus befreien. Nach einer weiteren Minute gab es eine harten Schlagabtausch, mit anschließendem Klammern und abschließendem Zu-Boden-Sinken beider Boxer. Irgendwie zog sich Jawtschenko dabei einen Cut über einem Auge zu. Noch die letzte Minute war heiß umkämpft. Am Ende stand aber ein einstimmiger Punktsieg für Philipp Kolodziej.

Den Hauptkampf des Abends bestritt der Lokalmatador Marco Martini (15 Kämpfe, 12 Siege, 6 durch KO, 3 Niederlagen). Er traf für einen Sechsrunder im Super Weltergewicht auf Artyom Babayan (7 Kämpfe, 2 Siege, 4 Niederlagen). Babayan versuchte sich mit langen Händen Martini vom Hals zu halten, wobei er seinen kleinen Reichweitenvorteil nutzte. Nur selten kam er mit seinen Schlägen durch. Die meisten trafen nur die kompakte Deckung von Martini. Der versuchte sich an Babayan heranzuschieben und ihn mit Haken einzudecken. Am Ende der ersten Runde kam er dann mit einem schönen rechten Kopfhaken durch. Ab der zweiten Runde beherrschte Martini die Ringmitte und gab sie nicht mehr her. Ansonsten verlief das weitere Kampfgeschehen nach dem gleichen, oben beschriebenen Muster. Babayan konnte dabei die zweite Runde aufgrund von Körpertreffern, die er landen konnte, ausgeglichen gestalten. Mitte der nächsten Runde öffnete sich ein Cut unter Babayans rechter Braue. Der Kampf wurde dann härter, was vor allem Martini zugute kam. In der vierten Runde versuchte Babayan, das Kommando zu übernehmen. Der Erfolg blieb aber aus. Vielmehr wurde er immer wieder schön abgekontert. In der vorletzten Runde trieb Martini Babayan geradezu vor sich her und setzte die härteren und präziseren Treffer. Zum Ende der letzten Runde wurde Martini zwar in den Ringseilen gestellt, aber die Schläge trafen nur die Deckung. Sieger durch einstimmigen Punktentscheidung: Marco Martini.

Die Veranstaltungen von Werner Kreiskott im Fight Club Wuppertal sind Kult. Schon zwei Wochen vorher sind sie ausverkauft. Aber mit acht Stunden war die letzte dann einfach doch zu lang. Alle Beteiligten, vom Veranstalter über die Delegierten bis hin zum Ringsprecher Thomas Bielefeld, waren am Ende nur erschöpft. Andererseits kann man natürlich auch sagen: Wo bekommt man schon für sein Geld so viel geboten? – Also ich gehe auf jeden Fall wieder hin.
© Uwe Betker