Box-Blog

Posts Tagged ‘Sebastian Sylvester

Pech oder System?

with 3 comments

Bei der Pressekonferenz nach dem Kampf in Bamberg zwischen Yoan Pablo Hernandez und Troy Ross verlor der Manager Kalle Sauerland ein wenig seine Contenance. Der Trainer des unterlegenen Ross, Christopher Amos, stellte nämlich sinngemäß fest: „In Deutschland nach Punkten zu gewinnen, ist sehr schwierig.“ Damit gab er aber wohl nur die Meinung des Großteils der Boxfans in der Welt und auch in Deutschland wider. Gleichwohl reagierte Herr Sauerland erstaunlich dünnhäutig auf diese Feststellung. Er erwiderte: „Ich kann verstehen, wenn Leute sich über Urteile aufregen, aber in Bezug auf Deutschland kann ich das gar nicht verstehen. Die IBF war heute der Weltverband. Und in den letzten 16 Monaten gab es zwei große IBF Weltmeisterschaften auf deutschem Boden. Zweimal hat der deutsche Weltmeister hier den Titel verloren. Einmal Felix Sturm und einmal unser Sebastian Sylvester.“ Später ergänzte er auf Englisch, wenn ich es denn richtig verstanden habe, die Punktrichter seien keine Deutschen gewesen und ihm gefiele die In-Beziehung-Setzung mit Deutschland nicht.
Natürlich hat Herr Sauerland vollkommen Recht, wenn er Deutschland verteidigt. Fehlurteile gibt es im Boxenschon seit es Boxen überhaupt gibt – und das überall auf der Welt. Argumentativ macht er jedoch einen Salto rückwärts, wenn er durch die Niederlagen von Sturm und Sylvester beweisen will, dass es keine Beziehung zwischen Fehlurteilen und Deutschland gibt, denn beide Boxer hatten doch wohl zu Recht nach Punkten verloren. Als Beobachter von außen könnte man aber nun auf die Idee kommen, es könnte eine Beziehung zwischen Fehlurteilen und Sauerland Event geben. Gefühlt gibt es keinen Veranstalter auf der Welt, bei dessen Veranstaltungen es mehr Fehlurteile gibt, als bei dem berliner Promoter.
Nach meiner Meinung waren z.B. Yoan Pablo Hernandez gegen Troy Ross (15.09.12) und Robert Helenius gegen Dereck Chisora (03.12.2011) krasse Fehlurteile. Marco Huck verlor in meinen Augen klar nach Punkten gegen Firat Arslan am 03.11.2012. Vorher wurde er auch schon gegen Ola Afolabi (05.05.2012), Denis Lebedev (18.12.2010) und noch einmal gegen Afolabi (05.12.2009) zum Sieger erklärt. Bei all diesen Kämpfen habe ich persönlich immer den Gegner von Muamer Hukic als Sieger gesehen. Damit könnte der Mann aus Ugao, Serbien glatt der ungekrönte Weltmeister der Fehlurteile sein. – Ich möchte dazu noch bemerken, dass die oben angeführten sechs Kämpfe nur die sind, die mir spontan einfallen.
Wären Fehlurteile von Punktrichtern Zufall, dann sollte man erwarten, dass sie auch dem Zufallsprinzip folgen müssten. Sie müssten sich dann sowohl auf Boxer, die für wie auf solche, die gegen einen Boxstall antreten, entfallen. Mir will aber partout kein einziges Fehlurteil zu Ungunsten von Sauerland Event einfallen. Ist dies nun Pech oder einer Anhäufung von unglücklichen Zufällen geschuldet – oder steckt etwa ein System dahinter?
Unlängst wurde mir die Geschichte erzählt, dass eine in Deutschland lebende Boxerin sich bitterlich bei ihrem Veranstalter darüber beschwert hätte, er hätte die Punktrichter nicht im Griff gehabt und sie dadurch ihren WM-Titel verloren. Ob die Geschichte nun wahr ist oder nicht, bleibt dahin gestellt. Offensichtlich gibt es aber in Deutschland Veranstalter, bei denen es weniger Fehlurteile gibt als bei anderen.
Den Punktsieg des alten und neuen Weltmeisters im Cruisergewicht nach Version WBO Marco Huck über Firat Arslan, vom 03.11.2012, nenne ich jedenfalls ein Fehlurteil. Und die Häufung der Fehlurteile bei Sauerland Event kommt mir persönlich doch schon sehr bemerkenswert vor.
© Uwe Betker

Warum Felix Sturm nicht gegen mich boxen will

leave a comment »

Felix Sturm hat Angst vor mir. Er will nicht gegen mich antreten, weil er weiß, dass ich ihn in der zweiten Runde KO schlagen würde und ihn damit als Weltmeister der WBA entthronen würde. – Das ist natürlich vollkommener Unsinn. Die Gründe, die ich dafür anfüge, dass es zu keinem WM-Kampf zwischen Sturm und mir kommen wird, sind aber vermutlich genauso zutreffend wie die, die Sturm für das Nichtzustandekommen des Rückkampfes mit Matthew Macklin angibt.
Sturm (39 Kämpfe, 36 Siege, 15 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden), der amtierende Super Champion der WBA im Mittelgewicht, vermutet hinter der zweimal schon geplatzten Vertragsunterzeichnung für den Rückkampf folgende Gründe: „Er hat beim ersten Mal keinen sauberen Kampf geliefert und kam immer mit seinem Kopf auf mich zu. Ich bin mir sicher, dass er seine eigenen Chancen in einem Rückkampf als gering einschätzt. Er ist ein toller Kämpfer aber er ist nicht gut genug um mich zu schlagen. Wenn er sich beweisen will, soll er den Vertrag unterschreiben und wir testen es im Ring“
Also für mich klingt das so, als würde Sturm versuchen, die Öffentlichkeit Glauben zu machen, Matthew Macklin (31 Kämpfe, 28 Sieg, 19 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) hätte Angst vor ihm und scheue das Risiko. Nach meiner Einschätzung hört sich das ähnlich glaubhaft an, wie die Vorstellung, Sturm könnte vor mir Angst haben.
Sturm hat sich selber in die Defensive gedrängt. Er kündigt an, die Besten boxen zu wollen, und dann holt er sich immer nur, wie ich finde, zweitklassige Gegner. Er stilisiert sich als Leonidas, der Spartaner König, der sich einer riesigen Übermacht entgegenstellt und ist doch selber einer der größten und mächtigsten Veranstalter. Er lässt sich als zukünftige Legende feiern und kann dann nur sehr umstritten gegen einen Macklin gewinnen, der bis dahin nicht zur ersten Garnitur des Mittelgewichts gezählt hat. Sturm hat erst durch seine schwache Leistung den „starken“ Macklin erfunden.
Der Ire pokert hoch. Er will für seinen nächsten Kampf vermutlich sehr viel mehr Geld, als er für seinen letzten Kampf bekommen hat. Angeblich hat er für seinen letzten Kampf 180.000 Euro bekommen. Seine Verhandlungsposition ist jedoch sehr gut. Er weiß, dass Sturm ihn sehr viel dringender braucht als er ihn – zumal jetzt, wo klar ist, dass es einen Kampf gegen Sebastian Sylvester (39 Kämpfe, 34 Siege, 16 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) nicht geben wird. Macklin kann nun gegen jeden Mittelgewichtsweltmeister in der Welt antreten, denn er ist in der Wahrnehmung außerhalb Deutschlands derjenige, der Sturm klar besiegt hat und dann um diesen Sieg von dem großen und übermächtigen Veranstalter Sturm gebracht worden ist. Macklin hat ja auch Zeit. Er könnte auch zwei leichtere Aufbaukämpfe vor heimischem Publikum absolvieren und sich als der „wahre WBA Weltmeister“ feiern lassen. Diese Situation müsste Sturm bekannt vorkommen. Schließlich wurde er nach seinem Kampf gegen Oscar De La Hoya genauso vermarktet.
Sturm wird Macklin sicherlich nur dann zu einem Rückkampf nach Deutschland bringen, wenn er richtig tief in seine Tasche greift. Aber genau daran ist doch wohl sein Vorsatz, gegen die Besten zu boxen, bis jetzt immer gescheitert.
© Uwe Betker

Der schleichende Niedergang von Sauerland Event (2)

leave a comment »

Sauerland Event nahm wohl den Ausstieg des ZDFs aus dem Vertrag mit Universum Box-Promotion nicht zum Anlass über die eigenen Veranstaltungen und den generellen Umgang mit dem Boxen und dem Publikum nachzudenken. Das Verharren im Status Quo war zwar verständlich, schließlich hatte der berliner Veranstalter als einziger noch einen lukrativen Vertrag mit einem öffentlich-rechtlichen Sender, aber man kann es dennoch als einen gravierenden Fehler ansehen.
Sauerland war nun nahezu der unumschränkte Herrscher über das Boxen in Deutschland. Es gab keine direkte Konkurrenz mehr. Es gibt zwar noch Felix Sturm auf SAT 1 und Wladimir und Vitali Klitschko auf RTL, aber die sind keine Veranstalter im eigentlichen Sinne, sondern eher nur Selbstvermarkter. Sie haben keinen eigenen Boxstall und sie bauen auch keine anderen Boxer systematisch auf. Aber wie so häufig wenn es keinen Wettbewerb mehr gibt, wird der Übriggebliebene träge und behäbig. Sauerland machte einfach so weiter, wie zuvor.
Wenn man sozusagen der größte und alles beherrschende deutsche Promoter ist, schauen alle einem ganz genau auf die Finger. Was die Zuschauer von der ARD im Groben zu sehen bekamen, war folgendes: Der einst als nahezu unschlagbar geltende Arthur Abraham musste sich ein ums andere Mal gegen bessere Boxer geschlagen geben. Dabei musste er diese Niederlagen alle in einem Turnier hinnehmen, das Sauerland sogar selbst ins Leben gerufen hatte. Sie sahen weiter, wie der russische Riese Nikolai Valuev, der auch vorher schon nicht immer sehr überzeugt hatte, erst gegen David Haye verlor und seither verletzungsbedingt nicht wieder boxte. Ob und wann Valuev wieder in den Ring steigt, steht wohl in den Sternen.
Weil Abraham verlor und Valuev nicht mehr boxte, wurden die Weltmeister der – wenn man so will – zweiten Reihe umso wichtiger für Sauerland als Hauptkämpfer. So bekam Muamer Hukic alias Marco Huck, der Weltmeister im Cruisergewicht nach Version WBO, mehr Aufmerksamkeit. Dieses Mehr, auch an medialer Aufmerksamkeit nutzte er vor seinem Kampf gegen Denis Lebedev dazu, seinen Herausforderer übel zu beleidigen. Wohl noch angestachelt vom Echo in den Medien, legte er verbal dann später sogar noch einmal nach. Diese verbalen Kraftakte, blieben dann auch seine stärkste Leistung 2010. Im Kampf mit den Fäusten konnte Huck jedenfalls nur sehr knapp durch Mehrheitsentscheidung seinen Titel behalten, weil zwei Punktrichter den Kampfverlauf wohl nicht durch ihr Punkten wiedergeben konnten oder wollten. Die Folge: Ein, wie ich finde skandalöses Fehlurteil.
Das Selbstbewusstsein des Herrn Hukic war nach seinem Sieg nicht gerade angekratzt. Er sah sich nach dem Kampf als klaren Sieger, beglückwünschte sich zu seiner Leistung und dankte vor allem Gott – und nicht den Punktrichtern. Das offensichtliche Nichtanbieten eines Rückkampfes und das sehr zögerliche in Aussichtstellen einer Teilnahme an einem möglichen Super-Six-Turniers im Cruisergewicht durch Sauerland Event danach machte die ganze Sache auch nicht gerade erfreulicher. Dann setzte man Huck einen Gegner (Denis Lebedev) vor, von dem man absolut sicher sein konnte, dass er dem amtierenden Weltmeister niemals irgendwelche Schwierigkeiten machen würde.
Sebastian Sylvester konnte nur Mittelgewichtsweltmeister der IBF werden, weil Arthur Abraham diesen Titel aufgegeben hatte. Er gewann seinen Titel durch einen knappen Punktsieg mit Mehrheitsentscheidung gegen den nicht sehr starken Giovanni Lorenzo (19.09.2009). Danach verteidigte er seinen Titel durch einen TKO-Sieg gegen einen eher mittelmäßigen Boxer namens Billy Lyell (30.01.2010), der exakt ein Viertel seiner Profikämpfe verloren hatte. Dann folgte eine Pflichtverteidigung gegen Roman Karmazin (05.06.2010). Gegen ihn erreichte er nur mit Müh und Not ein nicht unumstrittenes Unentschieden. Natürlich, wir kennen das Muster schon: Es gab keinen Rückkampf, dafür aber einen leichteren Gegner (Mahir Oral). In der nächsten Pflichtverteidigung bekam er es dann mit Daniel Geale zu tun. Diesmal verlor er knapp nach Punkten
© Uwe Betker

Ein großer Sieg für die ARD

leave a comment »

Der Weltmeister im Mittelgewicht nach Version IBF, Sebastian Sylvester konnte in seinem Kampf gegen Daniel Geale am 07.05.2011 seinen Titel nicht verteidigen. Er unterlag nach Punkten. Das ist für Sylvester (39 Kämpfe, 34 Siege, 16 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) und für seinen Veranstalter Sauerland Event eine bittere Niederlage. Aber es gab auch zwei Sieger an diesem Abend, Geale (26, Kämpfe, 25 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage), den neuen Weltmeister, und den übertragenden TV-Sender ARD.
Dabei fing es alles andere als viel versprechend an, jedenfalls bei der ARD. Der Kommentator Andreas Witte reflektierte bereits in der ersten Runde über den „Heimvorteil“ und dass Sauerland Event die Versteigerung des Rechts auf Ausrichtung dieser Pflichtverteidigung durch ein hohes Gebot vermieden hatte, um sich den „Heimvorteil“ zu sichern. In den folgenden Runden übersah Witte gerne Treffer von Geale und lobte nur Sylvester. Ähnlich eindimensional analysierte auch der Boxexperte Henry Maske.
Aber dann wurde Geale stärker und Sylvester schwächer. – Mit diesem Kampfverlauf hätte man rechnen können. Womit ich allerdings nicht gerechnet habe, ist, dass auch Das Erste stärker wurde. Andreas Witte fielen nun auch die Treffer des Herausforderers auf. Als bei seinem Mitpunkten Geale mit dem Weltmeister gleichzog, punktete er sogar weiter. Ich kann mich an keine Box-Übertragung der letzten Jahre erinnern, bei der der Kommentator weiter gepunktet hätte, nachdem der Boxer von Sauerland ins Hintertreffen geraten war. Auch Henry Maske schwenkte auf diese Linie ein. Es wurden auch nicht mehr die Begriffe „Heimboxer“ und „Weltmeisterbonus“ herangezogen, die zumeist nur ein Synonym für Betrug und Korruption sind. Am Ende hatte Witte Geale mit zwei Runden vorne – eine sehr gute Wertung. Und er sagte es auch gerade heraus, dass sie Sylvester hinten hätten. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die ARD in den letzten Jahren so etwas einmal gesagt hätte.
Daniel Geale wurde verdient mit einer guten Leistung Weltmeister im Mittelgewicht nach Version IBF. Aber den größeren Sieg errang die ARD. Sie hat sich hoffentlich für immer von der Hofberichterstattung verabschiedet und zurückgefunden zu einer journalistisch sauberen Sportberichterstattung – ein großer Sieg, der nur gut sein kann für die Zuschauer, das Boxen, die ARD und letztlich auch für Sauerland Event.
© Uwe Betker

Sebastian Sylvester – suboptimal

leave a comment »

Eigentlich mag ich das Adjektiv „suboptimal“ überhaupt nicht. Normalerweise soll damit verschleiert werden, dass irgendetwas grottenschlecht ist. Es kann aber auch sein, dass derjenige, der dieses Wort benutzt, sich nur spreizen und seine tolle Bildung unter Beweis stellen will. Aber zur Beschreibung des bevorstehenden Kampfes zwischen Sebastian Sylvester und Daniel Geale am 07. Mai fällt mir wirklich kein passenderer Begriff ein.
Der Weltmeister im Mittelgewicht nach Version IBF, Sebastian Sylvester (38 Kämpfe, 34 Siege, 16 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden), tritt in einer Pflichtverteidigung gegen Daniel Geale (25, Kämpfe, 24 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage) an. Der Weltmeister aus Greifswald wird in der unabhängigen Weltrangliste auf Position 7 geführt. Sein australischer Herausforderer ist sogar über ihm, nämlich auf Platz 3. Es verspricht ein guter und vor allem sehr spannender Kampf zu werden. Sylvester ist kleiner, agiert gerne hinter einer Doppeldeckung und versucht Einzeltreffer zu setzen. Geale ist ein aktiver und aggressiv nach vorne gehender Boxer, der seine Gegner zermürben will. Die Kampfstile passen also gut zueinander. Glaubt man den Experten, so wird diese Titelverteidigung sehr schwer für Sylvester, und nicht wenige sehen ihn sogar als Außenseiter.
Man könnte also durchaus den Eindruck gewinnen, dass da für die Boxfans ein Kampf angesetzt worden ist, den man schon als optimal bezeichnen könnte -, wenn es da nicht diese Vorgeschichte geben würde. In seiner letzten Pflichtverteidigung (05.06.2010) kämpfte Sylvester doch gegen den Russen Roman Karmazin, und er sah dabei überhaupt nicht gut aus. Nur mit Müh und Not erreichte er durch ein Split Decision ein Unentschieden. Ich möchte hier den Punktrichter Jason Lawson in Erinnerung rufen, der Sylvester mit unglaublichen 118:111 vorne sah.
Die Addition der Punktzettel dauerte eine sich über sieben Minuten hinziehende Ewigkeit. In dieser Zeit wurde Hagen Döring, der Sportdirektor und Matchmaker von Sauerland Event, zum Hauptkämpfer des Abends. Ihm war nämlich aufgefallen, dass ein Punktrichter eine Runde unentschieden gewertet haben müsste. Das aber die Delegierten angehalten sind keine Runden unentschieden zu werten, wurden die Punktzettel mit der Masterscorecard verglichen. Wobei ein Übertragungsfehler fstgestellt wurde. So wurde dann das Ergebnis einer Runde zu Gunsten von Sylvester geändert. Nur durch diese Korrektur von einer Runde blieb Sylvester Weltmeister.
Sozusagen zum Kollateralschaden der ganzen Aktion wurde ein Mitglied des Karmanzin-Teams, das versucht hatte, den umstrittenen Punktzettel zu fotografieren, weil er von einer Manipulation ausgehen musste. Der Mann wurde niedergekämpft. Die Leute von Sauerland Event glaubten wohl, der Punktzettel sollte entwendet werden, und so flogen also die Fäuste. Wenn ich es richtig gesehen habe, stellte Herr Döring unter Beweis, dass er selber einmal als Amateur geboxt hat. Diesen Kampf gewann das Sauerland-Team eindeutig.
Ginge es im Profiboxen etwas fairer und gerechter zu und sollte dem zahlenden Zuschauer mehr geboten werden, dann hätten Sauerland und Sylvester nach diesen Vorfällen Karmanzin einen Rückkampf angeboten. Stattdessen gönnte man Sylvester einen Zahltag (30.10.2010) gegen Mahir Oral.
Roman Karmazin musste in einem von der IBF angesetzten Eliminator am 31.10.2010 gegen Daniel Geale antreten. Den verlor er durch TKO in Runde 12. Optimal wäre in meinen Augen nun also ein Rückkampf zwischen Sebastian Sylvester und Roman Karmazin gewesen. Und erst dann hätte eine Pflichtverteidigung gegen Daniel Geale stattfinden sollen. So ist aber die jetzige Ansetzung nur suboptimal.
© Uwe Betker

PS: Matthews Podgorski punktete nicht für Sylvester, wie ich ursprünglich schrieb, sondern Jason Lawson. Sorry Matthews Podgorski!

Die Beschreibung des Durcheinanders mit den Punktzetteln habe ich präzisiert.

Danke für den Hinweis und für die Präzisierung.

Ein schwerer Kampf für Benjamin Simon

leave a comment »

Dem berliner Benjamin Simon (21 Kämpfe, 20 Siege, 19 durch KO, 1 Niederlage) steht ein schwerer Kampf bevor. Am Freitag, dem 01.April soll die Nummer 83 der unabhängigen Weltrangliste gegen Sam Soliman (50 Kämpfe, 39 Siege, 17 durch KO, 11 Niederlagen, 1 durch KO) antreten. Soliman ist immerhin die Nummer 35 der unabhängigen und Nummer 11 der IBF Rangliste.
Der Australier aus Melbourne hat einen mit guten Namen gespickten Kampfrekord. So stand er bereits mit Jerry Elliot (06.05.2000, L 8), Howard Eastman (16.09.2000, L 12), Anthony Mundine (03.09.2001, L 12, 07.03.2007, L KO 9, 25.03.2008, L 12), Nader Hamden (02.06.2003, W 12) und Ronald Wright (10.12.2005, L 12) zusammen im Ring. In seiner seit über 13 Jahren andauernden Karriere machte er auch immer wieder Ausflüge in höhere Gewichtsklassen, z.B. ins Cruisergewicht. Mit seinen 37 Jahren dürfte er physisch unterlegen sein. Jedoch hat er immer noch eine sehr gute Beinarbeit, ist beweglich, technisch stark und sehr erfahren.
Iron Bens Stärke ist offensichtlich seine Physis. Er hat eine beeindruckende KO-Quote von 90,48 %.
Soliman ist mit Sicherheit der beste Mann, dem Simon jemals gegenüber stand. Gleichzeitig ist er aber auch, aufgrund seines Alters und seiner körperlichen Unterlegenheit, jemand, den er schlagen kann. Damit ist aber noch nicht gesagt, dass der Ausgang des Kampfes schon entschieden ist. Erfahrung ist der entscheidende Pluspunkt für Soliman. Er ist ein Überlebenskünstler im Ring und es bleibt abzuwarten, ob Simon ihn stellen kann und was passiert, wenn er es nicht schafft.
In dem auf 12 Runden angesetzten Kampf im Mittelgewicht geht es zum einen um den Intercontinental Titel der IBF. Zum anderen ist er vermutlich aber auch ein WM-Ausscheidungskampf. Der Sieger würde damit dann zum Pflichtherausforderer für den für Sauerland Event boxenden Sebastian Sylvester (38 Kämpfe, 34 Siege, 16 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) werden.
© Uwe Betker

Die Ankündigungen von Felix Sturm

with 2 comments

Wenn man sich so ansieht, wie der Super Champion der WBA im Mittelgewicht Felix Sturm (38 Kämpfe, 35 Siege, 15 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) immer wieder öffentlich macht, gegen wen er boxen möchte und gegen wen nicht, kann man schon ins Grübeln kommen.
Sturm hatte einen perfekten Start. Er boxte am 04.09.2010 gegen Giovanni Lorenzo. Das war der richtige Gegner nach seiner langen Zwangspause. Kaum hatte er überzeugend gewonnen und auch SAT 1 überzeugt, ging es auch schon, wie ich finde, bergab. Er watschte öffentlich die beiden deutschen Weltmeister Sebastian Sylvester (nach Version IBF) und Sebastian Zbik (nach Version WBC) ab, indem er erklärte, dass ein Kampf mit einem von diesen Beiden sportlich uninteressant sei. Lediglich ihre Titel seien für ihn von einigem Interesse. Kurz nachdem er einen Kampf mit den Beiden ausgeschlossen hatte, boxte er am 10.02.2011 gegen Ronald Hearns – ein grauenhaftes Mismatch.
Für diesen Kampf musste der Wahlkölner viel Kritik einstecken. Sturm zog hieraus die Konsequenz und verkündete munter, er wolle nun doch gegen den von ihm so geschmähten Zbik (30 Kämpfe, 30 Siege, 10 durch KO) antreten. Er betonte nun, dass eine deutsch-deutsche Titelvereinigung ja doch etwas ganz besonders Tolles sei. Richtig!
Allerdings war zu diesem Zeitpunkt schon allen Boxinteressierten klar, dass ein solcher Kampf, zumindest vorläufig, sehr unwahrscheinlich ist. Der Weltverband WBC hatte nämlich bereits einen Kampf zwischen Zbik und Julio Cesar Chavez Jr. (44 Kämpfe. 42 Siege, 30 durch KO, 1 Unentschieden) angeordnet. Zwar kommen Titelvereinigungen vor Pflichtverteidigungen, aber wenn ein Verband einen Kampf bereits angeordnet hat, muss man schon mit sehr guten Argumenten und sehr viel Geld ankommen, um diese Pflichtverteidigung noch verschieben zu können. Spätestens als der amerikanische Bezahlfernsehsender HBO angekündigt hatte, den Kampf der Beiden zu übertragen, musste also jedem klar geworden sein, dass die Verlautbarung von Sturm zumindest box-weltfremd ist. Zbik boxt am 04.06.2011 in Los Angeles gegen Chavez Jr.
Die nächste vollmundige Ankündigung von Felix Sturm folgte prompt. Nun verkündete er, er wolle Kelly Pavlik (38 Kämpfe, 36 Siege, 32 durch KO, 2 Niederlagen) boxen. Das wäre eine wirklich tolle Kampfansetzung. Aber auch hier gibt es ein Problem: Der ehemalige Weltmeister im Mittelgewicht nach Version WBC und WBO ist gerade erst aus einer dreimonatigen Alkoholentwöhnungsbehandlung entlassen worden. Außerdem hatte er schon angekündigt, ins Super Mittel aufsteigen zu wollen, wo er auch bereits gerankt ist. Das ist eine Tatsache, die jedem in der Branche bekannt ist. Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass Felix Sturm das nicht weiß. Ich frage mich nun aber, wieso er dann so etwas verkündet.
Danach preschte Felix Sturm nun nicht mehr mit einer Ankündigung vor, von der jeder wissen kann, dass sie zumindest unrealistisch, wenn nicht sogar falsch ist. Vielmehr wurde jetzt versucht, im Stillen einen Gegner zu finden. Es drang dann aber doch etwas an die Öffentlichkeit, nämlich dass er Marco Antonio Rubio (55 Kämpfe, 49 Siege, 42 durch KO, 5 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) im Visier hatte. Auch das wäre ein guter Kampf. Nur hatte Rubio leider bereits die Verträge für einen WM-Ausscheidungskampf gegen David Lemieux (25 Kampfe, 25 Siege, 24 durch KO) unterschrieben. Der Kampf findet bekanntlich am 8. April in Montreal statt. Eine Pressekonferenz fand in Kanada auch schon statt und der Vorverkauf hat wohl bereits vor geraumer Zeit angefangen.
Nun soll der Gegner Avtandil Khurtsidze heißen, aber dazu später mehr…
© Uwe Betker