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Frauenboxen: Notizen zu Michele Aboro (2.)

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Der Fall Michele Aboro lässt mich ratlos zurück. Da ist eine Frau, die sich anschickt, eine Männerdomäne zu erobern. Sie wurde 2000 Weltmeisterin der WIBF im Super Bantamgewicht.
Zur Erinnerung: Das Frauenboxen hatte sich noch nicht wirklich etabliert in Deutschland. Es gab zwar schon eine Regina Halmich, die hatte aber noch nicht Stefan Raab eins auf die Nase gegeben. – Der erste Showkampf der beiden war 2001 dann wohl erst der endgültige Durchbruch für Halmich und für das Frauenboxen in Deutschland.
Aboro ist unbestritten eine der besten Boxerinnen der Welt. Aber sie bekommt keine Kämpfe von ihrem Veranstalter mehr, weil sie nicht zu vermarkten ist.

Es ist absurd: Aboro verprügelt, im wahrsten Sinne des Wortes, in ihrem sechsten Kampf eine Frau namens Dessislawa Kirowa, genannt Daisy Lang. Und diese Daisy boxt noch jahrelang weiter, während man Aboro aufs Abstellgleis geschoben hat.

Wieso war sie nicht zu vermarkten? Oder, um die Frage präziser zu stellen: Warum ist eine dunkelhäutige (ist das politisch korrekt, es so auszudrücken?), lesbische Boxerin nicht zu vermarkten? Wo sind die Frauenmagazine, die eine solche Frau portraitieren und sie bekannt machen? Wo sind die weiblichen Redakteure in den Medien, die sich mit einer starken und kämpfenden Frau identifizieren? Kann man als weibliche Athletin nur bekannt werden, wenn man, pardon – frau, sich für so genannte Herrenmagazinen nackt macht? Erst wenn man sich als Sportlerin für Männer nackt ausgezogen hat, wird man von Frauenmagazinen wahrgenommen?

Ich bin ratlos und ziemlich angewidert.

© Uwe Betker