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Boxen in Herne – fünf Vierrunder

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Die Ruhrstadt Arena in Herne war am 02.06.2018 Austragungsort einer Kampfsportveranstaltung. Veranstalter war WiTo Sport-Events, von Isa Topal. Insgesamt gab es dreizehn Kämpfe zusehen, sechs nach K1 Regeln, zwei nach Amateurboxregeln und fünf Profiboxkämpfe, wobei die Profikämpfe alle auf vier Runden angesetzt waren.
Leider habe ich den ersten Kampf verpasst. Es war eine Begegnung im Super Mittelgewicht zwischen Mihalis Davis (2 Kämpfe, 1 Sieg, 1 Niederlage, 1 durch KO) und Emir Recepaga (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 1 durch KO). Laut dem Punktrichter waren die ersten beiden Runden ausgeglichen. In der ersten Runde gab es nur wenige Aktionen, weil beide sich abtasteten. Die zweite war munterer. Die dritte und vierte Runde dominierte dann Davis. Punktsieger: Mihalis Davis.

Im Schwergewicht trafen die beiden Debütanten Rinus Douma und Piotr Wilczek aufeinander. Beide zeigten gutes Boxen. Sie überhasteten nicht und verteilten gut. Wilczek war der etwas aktivere. Die zweite Runde war munter. Beide standen lange Fuß an Fuß und deckten sich gegenseitig ein. Wilczek stellte sich in der dritten Runde mehrfach in eine Ecke, um Douma dort zum Schlagabtausch aufzufordern. Am Ende der Runde stand Douma in einer neutralen Ecke und es gab einen harten und verbissenen Schlagabtausch. In der vierten Runde wurde der Kampf nochmals härter. Douma, in der gleichen Ecke gestellt, wurde fast eine Minute lang nicht raus gelassen. Punktsieger: Piotr Wilczek.

Ebenfalls im Schwergewicht boxten Frederik Kretschmar (3 Kämpfe, 3 Siege) und Paul Zummach. Beide tasteten sich zunächst zwei Minuten lang gegenseitig ab. Dann machten sie mehr. Am Ende der Runde gab es einen munteren Schlagabtausch. In der zweiten Runde erhöhte Kretschmar den Druck. Immer wieder kam es zum Kräftemessen, wobei Kretschmar gut zum Körper durch kam. Die dritte Runde war intensiv. Beide schenkten sich nichts. Kretschmar behielt dabei wieder die Oberhand. In der vierten Runde verwaltete er nur noch seinen Punktevorsprung. Punktsieger: Frederik Kretschmar.

Im Super Weltergewicht trafen Armin Malekzadeh (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) und Nicolae Dragos (12 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 10 Niederlagen, 5 durch KO, 1 Unentschieden) aufeinander. Malekzadeh sprang durch die Seile in den Ring, vollführte eine Rolle und kam auf den Füßen zu stehen – ein sehenswerter Auftritt. Ähnlich spektakulär agierte Malekzadeh auch im Kampf. Er wollte von der ersten Sekunde an den KO. Er verteilte gut und es war nur eine Frage der Zeit, wann Dragos KO gehen würde. In der ersten Runde habe ich keinen Schlag von Dragos gesehen. Er war zu sehr damit beschäftigt sich zu decken. Ende der Runde fing er an, aus der Nase zu bluten. Es sah so aus, als hätte Dragos am Anfang der zweiten Runde dreimal versucht zurück zu schlagen. Dafür wurde er allerdings jeweils böse bestraft. Am Ende der Runde sah Dragos Gesicht aus wie ein blutiges Stück Fleisch. Zur dritten Runde trat er nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 3: Armin Malekzadeh.

Ivan Freidenberg (4 Kämpfe, 1 Sieg, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Batscho Broian (1 Kampf, 1 Sieg, 1 durch KO) bestritten im Weltergewicht den letzten Kampf des Abends. Broian, ein Debütant, boxte systematisch und druckvoll. Er trieb Freidenberg vor sich her. In der zweiten Runde hielt der verstärkt dagegen. Er versuchte an Broian, einen Rechtsausleger, heranzukommen und ihm durch Körperhaken die Luft zu nehmen, was aber nicht leicht war. Broian konterte ihn meist ab. In der dritten Runde verlor Broian ein wenig seine boxerische Linie und versuchte das durch Faxenmachen zu kaschieren, dennoch blieb er der Herr im Ring. Zur vierten Runde trat Freidenberg nicht mehr an.
Sieger durch TKO in Runde 4: Batscho Broian.
Der GBA Ringrichter Kazim Kurnaz hatte einen ruhigen Abend. Er hatte praktisch nichts zu tun.
Die Vierrunder waren unterhaltsam. Zwei der Boxer sollte man im Auge behalten.Wenn WiTo Sport-Events wieder eine Veranstaltung auf die Beine stellen könnte, würde mich das freuen. Ich würde auch gerne wieder hinfahren.
© Uwe Betker

Beginn eines neuen Zeitalters

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8Mit der Veranstaltung am 07.04.2017 in Wuppertal schaffte Werner Kreiskott den Beginn eines neuen Zeitalters. Bislang war Kreiskott selbst immer auch Hauptkämpfer oder agierte zumindest als möglicher Hauptkämpfer im Hintergrund. Nun aber, nachdem er seine Handschuhe an den berühmten Nagel gehängt hat, fungiert er „nur“ noch als Veranstalter. Die Veranstaltung am Samstag war nun die erste ohne Kreiskott als Boxer und – sie war ein voller Erfolg. Die verkleinerte Unihalle war mit 1.000 verkauften Karten restlos ausverkauft. Und, was das wichtigste ist, es gab guten Kampfsport zu sehen.
Der erste Profiboxkampf, den ich gesehen habe – und ich war relativ früh da – war ein Vierrunder im Leichtgewicht. Susan Kolukisa (2 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 1 Unentschieden) traf auf die Debütantin Leila Chebabi. Die erste Runde wurde von beiden Frauen relativ verhalten geführt. Sie zeigten beide ein gutes technisches Boxen, wobei Kolukisa die besseren und härteren Treffer setzen konnte. Zur zweiten Runde trat Chebabi verletzungsbedingt nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 2: Susan Kolukisa.
Danach stiegen, ebenfalls für einen Vierrunder Marc Dube (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Ziya Goekalp (17 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 16 Niederlagen, 11 durch KO) in den Ring. Die Begegnung im Super Weltergewicht wurde von Anfang an sehr intensiv geführt. Der Kampf war nichts für die Technikfreunde, sondern eher einer für Freunde der harten Keilerei. Mitte der ersten Runde war Dube etwas übereifrig. Er hörte nicht auf das Break Kommando von Goran Morawiec, was ihm eine Ermahnung einbrachte. In der zweiten Hälfte der Runde musste Goekalp viele Treffer nehmen. Immer wieder wurde er an den Seilen gestellt und steckte einen Schlag nach dem anderen zum Kopf ein. Zu diesem Zeitpunkt konnte er froh sein, dass er nicht vom GBA Ringrichter aus den Kampf genommen wurde. Auch die folgenden Runden verliefen ähnlich munter, wenn auch nicht ganz so einseitig. Goekalp verließ sich dabei mehr auf seine Nehmerfähigkeit als auf seine Deckung. Dube schaffte es jedenfalls nicht, ihn mit seinen Schwingern zu fällen. Einstimmer Punktsieger: Marc Dube.
Im Super Mittelgewicht gab sodann Edison Demaj sein Profidebüt gegen Yesilat Berkta (44 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO, 38 Niederlagen, 23 durch KO). Der Kampf wurde verbissen und hart geführt. Die beiden Kontrahenten standen Fuß an Fuß und deckten sich gegenseitig mit Schlägen ein. Zur zweiten Runde trat Berkta, verletzungsbedingt, nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 2: Edison Demaj.
Anschließend gab es wieder einen Frauenboxkampf. Özlem Sahin (26 Kämpfe, 24 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) traf im Minimumgewicht auf Teona Pirosmanashvili (5 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO). Sahin trieb ihre Gegnerin vor sich her. Mehrfach kam sie mit schönen Treffern durch, so in der zweiten Runde mit einem schönen Körpertreffer und einem rechten Cross, die Pirosmanashvili beide deutlich gespürt haben dürfte. In der dritten Runde erhöhte Sahin dann den Druck. Mehrfach kam sie mit dem rechten Cross durch, der Pirosmanashvili immer wieder erschütterte. Zur vierten Runde trat Pirosmanashvili nicht mehr an. Angeblich hatte sei sich verletzt. Ich persönlich vermute eher, sie wollte nicht KO gehen. Später am Abend habe ich sie sogar tanzen gesehen; dabei schien sie mir auch keine Schmerzen gehabt zu haben. Der Ringrichter Jens-Uwe Baum hatte in dem Kampf nichts zu tun. Sieger durch TKO 4: Özlem Sahin
Im Mittelgewicht maßen Ercan Tuncel (5 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO) und Emir Recepaga (3 Kämpfe, 3 Niederlagen, 1 durch KO) ihre Kräfte. Beide zeigten gutes und technisches Boxen. Tuncel präsentierte sich aber als der physisch stärkere und schnellere Boxer; vor allem war er der härtere Puncher. Ende der ersten Runde kam Tuncel dann mit einer Rechten zum Kopf durch, die Recepaga sichtlich beeindruckte. In der zweiten Runde erhöhte Tuncel langsam den Druck, aber Recepaga hielt dagegen. Die dritte Runde war geprägt von vielen Schlagabtäuschen. In der vierten Runde sah es sogar so aus, als könnte Recepaga den Kampf drehen. Dann aber kam Tuncel erst mit einer Rechten und später mit einer Linken zum Kopf durch, beides Volltreffer. Am Ende der Runde nahm Recepaga noch mehr harte Kopftreffer, ging aber nicht runter. In der fünften Runde spielte Tuncel ein wenig mit seinem Gegner und machte weniger Druck. In der sechsten Runde erhöhte Tuncel noch mal den Druck, stellte Recepaga und ließ ihn nicht mehr weg. Als Ringrichter Morawiec gerade den Kampf abbrechen wollte, weil Recepaga sich nicht mehr verteidigen konnte, flog auch ein Handtuch in den Ring. Sieger durch TKO in der 6. Runde, nach 2:26 Minuten: Ercan Tuncel.
Im Leichtgewicht gab Manuel Steffan gegen Attila Csereklye (20 Kämpfe, 7 Siege, 5 durch KO, 13 Niederlagen, 7 durch KO) sein Profidebüt. Csereklye versuchte Steffan den Kampf kaputt zu machen. Überfallartig sprang er Steffan an, um ihm den Infight aufzuzwingen und/oder er versuchte zu klammern. Nur selten konnte Steffan ihn abkontern. In der zweiten Runde gelang es Steffan aber, mehr und mehr seinen Kampf zu etablieren. Er kam mehrfach mit Kontern zu Kopf und Körper durch, wodurch Csereklye langsamer wurde. In der dritten Runde hatte Steffan seinen Gegner dann im Griff. Er bestimmte das Kampfgeschehen. Csereklye kam nicht mehr an ihn ran. In der vierten Runde boxte Steffan schön lang und grade, ein vorzeitiger Sieg blieb ihm jedoch verwehrt. Punktsieger: Manuel Steffan.
Eine Gewichtklasse höher boxten Nawid Hakimsadeh (10 Kämpfe, 9 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage) und Bilal Messoudi (9 Kämpfe, 5 Siege, 1 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO) in einem Vierrunder gegeneinander. Es war ein intensives Aufeinandertreffen. Beide wollten den KO. Hakimsadeh wollte ihn eher erboxen, Messoudi durch harte Schwinger erzwingen. Es gab viele harte Schlagabtäusche. In der zweiten Runde punktete Messoudi durch harte Körpertreffer. In der dritten Runde wurde Hakimsadeh in einer neutralen Ecke von Ringrichter Baum angezählt. Eine Rechte zum Kopf hatte ihn zu Boden gezwungen. Es war ein wüster Kampf. Messoudi wurde ein Punkt abgezogen, wegen mehrfachen Hinterkopfschlagens. Danach ging die Ringschlacht weiter. In der vierten Runde war von einer boxerischen Linie nichts mehr zu sehen. Es war ein ununterbrochener wilder Schlagabtausch, bei dem Hakimsadeh viele Schläge zum Kopf nahm. Punksieger: Bilal Messoudi.

(C) Andreas Bornewasser


Es folgte der Titelkampf des Abends. Dabei ging es um den vakanten World Boxing Federation International Titel im Super Weltergewicht. Marco Martini (18 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO, 3 Niederlagen) und Yaser Yüksel (6 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage). Es war das klassische Aufeinandertreffen eines Fighters und eines Boxers. Beide fingen sehr verhalten an. Es gab nur wenige Aktionen und nur wenige Hände fanden ihr Ziel. Martini beherrschte die Ringmitte, schob sich an seinen Gegner heran und suchte den Abtausch. Yüksel beschränkte sich aufs Kontern. In den folgenden Runden wurde das Tempo kontinuierlich höher. Die ersten Runden gehörten Martini. Er machte mehr und traf häufiger. In der vierten Runde konterte Yüksel Martini häufiger ab und kam dann auch häufiger mit seinen Schlägen durch. In der fünften machte Martini wieder mehr. Die sechste Runde war extrem eng. Hiernach wurde die Begegnung härter. In der siebten konnte Yüksel dann mehr Hände ins Ziel bringen. In der achten Runde wiederum erzielte Martini wieder mehr Treffer. Runde neun war wieder sehr eng und in der zehnten Runde suchte Yüksel den KO, der aber nicht kam. Die Punktrichter werteten 96:94, 98:92 und 98:92. Einstimmiger Punktsieger: Marco Martini.

(C) Andreas Bornewasser


Es folgte ein Sechsrunder im Weltergewicht. Sherif Morina (7 Kämpfe, 7 Siege, 4 durch KO) boxte gegen Giorgi Gviniashvili (26 Kämpfe, 14 Siege, 10 durch KO, 11 Niederlagen, 4 durch KO). Morina setzte seinen Gegner von Anfang an unter Druck, obwohl er, wie so oft, der Kleinere ist. Ende der ersten Runde schien Gviniashvili durch einen Körperhaken, gefolgt von einem Kopfhaken, beeindruckt zu sein. In der zweiten Runde erhöhte Morina den Druck, aber Gviniashvili steckte nicht auf. Er versuchte, selber durch Körpertreffer und Schläge auf dem Hinterkopf Morina langsamer zu machen. Dafür wurde er dann auch zweimal von Ringrichter Baum ermahnt. Mitte der dritten Runde kam Morina mehrfach mit schönen Rechten zum Kopf durch, die Gviniashvili einknicken ließen. In den verbleibenden drei Runden versuchte Gviniashvili zu überleben. Er machte Faxen, er schlug Innenhände, er monierte Tiefschläge die nicht existierten. Morina suchte den KO. In der sechsten Runde knickte Gviniashvili nach schweren Treffern sichtlich ein, aber er erreichte den Schlussgong. Punktsieger: Sherif Morina.

(C) Andreas Bornewasser


Den letzten Kampf des Abends bestritten Timo Rost (4 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO) und Diego Shamatava (13 Kämpfe, 5 Siege, 2 durch KO, 8 Niederlagen, 1 durch KO) im Super Mittelgewicht mit einem Sechsrunder. Shamatava, der gut einen Kopf kleiner als Rost ist, stürmte auf seinen Gegner zu und schlug dabei wilde Schwinger. Rost nutzte seinen Reichweitenvorteil und deckte seinen Gegner mit Schlägen zum Kopf ein. Die erste Runde war extrem schnell. In der zweiten Runde normalisierte sich das Tempo, aber es war immer noch sehr hoch. Rost ließ sich von dem unsauber Boxenden Shamatava nicht provozieren und boxte seinen Kampf weiter. Shamatava nutzte jede Gelegenheit zum Klammern. In der vierten Runde zeigte Shamatava eine kleine Catcheinlage mit Schlagen auf den Hinterkopf. Dafür wackelte er dann nach einem Körper- und Kopftreffer. In den folgenden Runden nahm Shamatava unglaublich viele Schläge gegen den Kopf, aber er fiel nicht. Punktsieger: Timo Rost.
© Uwe Betker

Written by betker

8. April 2018 at 23:59

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Gastbeitrag: Boxen in der Literatur – Jack London (4) „The Mexican“

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Keiner aus der Junta mag den etwa 18 Jahre alten Felipe Rivera der zu Beginn dieser Kurzgeschichte [Jack London. Best Short Stories of Jack London. Garden City, N.Y.: Doubleday, 1945. 226-248] seine Dienste dieser Gruppe mexikanischer Revolutionäre anbietet. Sein Auftreten dort wird folgendermaßen beschrieben:
“There was no smile on his lips, no geniality in his eyes. Big, dashing Paulino Vera felt an inward shudder. Here was something forbidding, terrible, inscrutable. There was something venomous and snakelike in the boy´s black eyes. They burned like cold fire, as with a vast, concentrated bitterness.” [ London. Best Stories. 227]
Anfangs wird er für einen Spion des Präsidenten Diaz gehalten und beauftragt, den Fußboden zu schrubben und die Spucknäpfe zu leeren. Er fragt nur: „Is it for the revolution?“ und auf die Antwort: „It is for the revolution“ sagt er nur „It is well“ und macht sich an die Arbeit. [Anfangs wird er für einen Spion des Präsidenten Diaz gehalten und beauftragt, den Fußboden zu schrubben und die Spucknäpfe zu leeren. Er fragt nur: „Is it for the revolution?“ und auf die Antwort: „It is for the revolution“ sagt er nur „It is well“ und macht sich an die Arbeit. [London. Best Stories. 227]
Nach einer Weile bittet Rivera darum, im Büro der Junta übernachten zu dürfen. Diese Bitte wird ihm jedoch aus Mißtrauen verweigert und er fragt nie wieder danach. Die Revolutionäre sind von Geldmangel geplagt und müssen ihre letzten Habseligkeiten verkaufen. Immer wieder schafft Rivera Bargeld heran, ohne die Quelle bekanntzugeben. Langsam schwindet der Argwohn der Revolutionäre, doch sie mögen ihn dennoch nicht, denn er stahlt Eiseskälte aus und macht ihnen Angst, so daß sie es nicht wagen, ihm Fragen zu stellen.
Der erste richtige Auftrag, den River erhält ist die Wiederherstellung der Nachrichtenverbindung zwischen Los Angeles und dem Rest Kaliforniens. Diese hatte Juan Alvarado, der brutale Befehlshaber des Präsidenten, unterbrochen, indem er drei Revolutionäre erschießen und zwei weitere festnehmen ließ. Rivera stellt die Verbindung wieder her und als man wenig später von der Ermordung Alvarados erfährt ist klar, daß er seinen Auftrag mehr als erfüllt hat.
Immer häufiger bringt Rivera Geld ins Büro der Junta und immer häufiger trägt sein Gesicht Kampfspuren. Es wagt jedoch niemand nach der Herkunft des Geldes zu fragen. Die Vorbereitungen für die Revolution sind in der entscheidenden Phase, als das Scheitern droht, da der wichtigste Geldgeber von Diaz´ Männern erschossen wurde und dringen Gewehre benötigt werden. In dieser Situation fragt Rivera, ob 5000 Dollar reichen würden und als dies bejaht wird sagt er nur: „Order the guns.“ [London. Best Stories. 232]
Das dritte Kapitel dieser Kurzgeschichte spielt im Büro des Boxmanagers Kelly. Er ist auf der verzweifelten Suche nach einem neuen Gegner für seinen aufstrebenden Leichtgewichtsboxer Danny Ward weil der eigentlich vorgesehene Billy Carthey sich den Arm gebrochen hat. In dieser Situation bietet sich Rivera als Gegner an. Weil Roberts, der erfahrene Trainer des jungen Mexikaners den Manager überzeugen kann, daß sein Schützling in der Lage ist den Zuschauern einen Kampf zu bieten willigt Kelly schließlich ein. Anschließend berichtet Roberts davon wie er den jungen Rivera kennenlernte. Dieser lungerte einige Jahre zuvor völlig ausgehungert in der Nähe von Roberts´ Trainingscamp herum und da dieser verzweifelt nach einem Sparringspartner für den brutalen Boxer Prayne suchte zog er dem Jungen einfach ein Paar Handschuhe über und ließ ihn von dem Prayne prügeln, bis er bewußtlos wurde. Anschließend erhielt er einen halben Dollar und eine Mahlzeit. Wider Erwarten tauchte Rivera am folgenden Tag wieder auf und schließlich lernte er sich zu behaupten und wurde ein regelmäßiger Sparringspartner. Erst während der letzten Monate zeigte er, für Roberts überraschend, Interesse, selbst zu boxen.
Als die Börse für den kommenden Kampf ausgehandelt wird besteht Rivera zur Überraschung aller darauf, daß der Sieger alles bekommen soll. [Im Profiboxen wird üblicherweise die Börse vor dem Kampf festgelegt. Sieg oder Niederlage kann jedoch die Börse im nächsten Kampf um den Faktor zehn verändern.]
Dafür muß er Kelly allerdings zugestehen, daß das Einwiegen bereits um zehn Uhr morgens stattfindet. [Durch das früh angesetzte Wiegen kann der schwerere Boxer, in diesem Fall Kelly, das Gewicht, das er abtrainierten mußte, um im Limit zu bleiben vor dem Kampf ersetzen. Dies stellt einen immensen Vorteil dar]
Als der Kampf stattfindet sind von Beginn an alle Anwesenden, einschließlich des Ringrichters auf Kellys Seite. Selbst Riveras Sekundanten haben ihre Anweisungen von Kelly bekommen: „No layin´ down at the start. Them´s instructions. Take a beatin´ an´ earn your dough.“ [London. Best Stories. 239]
Nun wird auch Riveras Einstellung zum Boxen klar.
“He despised prize fighting. It was the hated game of the hated gringo. He had taken up with it, as a chopping block for others in the training quarters, solely because he was starving. The fact that he was marvelously made for it had meant nothing. He hated it. Not until he had come in to the Junta had he fought for money, and he had found the money easy.” [London. Best Stories. 238]
Riveras Motivation, für die Revolution zu kämpfen, im wahrsten Sinne des Wortes wird durch einen Rückblick verdeutlicht. Er wuchs in ärmsten Verhältnissen auf. Sein Vater organisierte einen Streik und wurde zusammen mit seiner Mutter und dutzenden anderer von Diaz´ Männern erschossen.
Nach einem furiosen Ansturm von Kelly gelingt Rivera bereits in der ersten Runde ein Niederschlag. Der Schiedsrichter verhindert jedoch unfairerweise einen schnellen Sieg. In der vierten und siebten Runde erzielt Kelly einen Niederschläge, doch nun beeilt sich der Schiedsrichter mit dem Zählen. In der neunten Runde geht erneut der Favorit zu Boden und in der folgenden sogar dreimal und noch einmal vier Runden später erneut. Zwischen den Runden helfen Riveras Sekundanten ihm kaum und geben ihm falsche Ratschläge.
Schließlich versucht der Manager Kellys ihn mit verlockenden Angeboten dazu zu bewegen, den Kampf absichtlich zu verlieren. Als nächstes soll Rivera wegen Fouls disqualifiziert werden, doch geschickt gelingt ihm dies zu vermeiden. In der 14. Runde wird Riveras Überlegenheit so klar, als er seinen Gegner wieder und wieder zu Boden schlägt, daß der Polizeikommandant den Ring betritt. Rivera gelingt es noch Kelly endgültig auszuknocken bevor der Polizist einschreitet. Dem Ringrichter bleibt schließlich nichts anderes übrig, als den Mexikaner zum Sieger zu erklären. Niemand gratuliert ihm, doch er hat sein Ziel erreicht. Die Revolution kann weitergehen.
Der Boxkampf der in dieser Kurzgeschichte sehr detailliert und realistisch gezeigt wird dient als Metapher für den Kampf des Mexikaner gegen die verhaßten Weißen und den Unterdrücker Diaz. Im Kampf muß der 18jährige Felipe Rivera gegen fast alle denkbaren Widrigkeiten ankämpfen. Er ist schlecht ernährt, nicht optimal trainiert, muß gegen den viel erfahreneren Weltmeisterschaftsaspiranten Kelly antreten und alle Zuschauer, ja selbst seine eigenen Betreuer sind gegen ihn. Er muß neben dem eigentlichen Kampf auch noch darauf acht geben, was außerhalb des Ringes geschieht. Nur so kann er die Pläne vereiteln, die die anderen schmieden, damit er unter allen Umständen verliert.
Der Leser soll damit auf die Seite des jungen Boxers gezogen werden, den niemand mag. Außerdem erfährt nur der Leser die grausame Details aus der Kindheit des Mexikaners, die den anderen Figuren der Geschichte vorenthalten bleiben.
London schrieb diese Geschichte offensichtlich, um die Revolution in Mexiko zu unterstützen. Einige Jahre später war er nach einer Reise dorthin jedoch völlig desillusioniert wie folgende Sätze belegen:
„He […] came to believe that it was American ingenuity that had developed Mexico industrially. About the revolutionaries, Jack said, „These `breeds´ do politics, issue pronunciamentos, raise revolutions or are revolutionized against by others of them, write bombastic unveracity that is accepted as journalism in this sad, rich land, steal payrolls of companies and eat out hazienda after hacienda as they picnic along what they are pleased to call wars for liberty, justice and the square deal.”[Kingmann, Russ. A Pictorial Life of Jack London. New York: Crown, 1979, 253]
Nach dieser Erfahrung wäre also eine Geschichte wie „The Mexican“ nicht mehr möglich gewesen.

Zusammenfassung
Bei der Betrachtung der Werke Londons darf man nicht vergessen, daß für ihn das Schreiben eher ein Beruf war, mit dem er Geld verdienen konnte als eine künstlerische Herausforderung. Bei dem ungeheuren Ausstoß, den er an Reportagen, Kurzgeschichten und Romanen hatte ist es nur verständlich, daß er über Bereiche des Lebens schrieb, in denen er sich auskannte. London war ohne Zweifel ein Boxexperte aber er scheute sich auch nicht die Idee für einen der hier besprochenen Romane einem Freund abzukaufen. Die Handlungen und Figuren der Romane und Kurzgeschichten erscheinen nicht immer ganz plausibel und manchmal sogar unglaubwürdig. Vergleicht man aber den fiktiven Helden Pat Glendon mit Gene Tunney und Muhammad Ali und den ausgehungerten Felipe Rivera mit dem Mexikaner Pipino Cuevas, der 1976 als 18jähriger Profiweltmeister im Weltergewicht wurde schwinden etwaige Zweifel an der Authentizität. Die Beschreibungen der Boxer und der Kämpfer lassen sich kaum von denen in Londons Reportagen unterscheiden. Über Jim Jeffries schrieb er vor dessen Weltmeisterschaftskampf gegen Jack Johnson im Dezember 1910: „His back muscles play in matted masses, while those of the shoulders and biceps leap into a twisted roll at the slightest uplift of the arms. And they are all the right kind of muscles. they are not hard and knotted, like those of the professional strong man and weight lifters. […] Those soft mounds and ridges and rolls are the finest grade and quality of muscle a man can possess.” [Zitiert nach: Irving Shepard (Hg.). Jack London´s Tales of Adventure. Garden City, New York: Hanover House, 1956. 135]
Pat Glendon in The Game wird von seinem Vater folgendermaßen beschrieben:
“`See the softness of him´, old Pat chanted. `Tis the true stuff. Look at the slope of the shoulders, an´the lungs of him. Clean, all clean, to the last drop an´ ounce of him. You´re looking at a man, Sam, the like of which was never seen before. Not a muscle of him bound. No weight-lifter or Sandow exercise artist there. See the fat snakes of muscles a-crawlin´ soft an´ lazy-like.” [London. Abysmal Brute. 79]
Die hier betrachteten Werke Londons ähneln aber nicht nur seinen Reportagen in Stil und Sprache, sie haben auch untereinander zahlreiche Elemente gemeinsam. Alle Helden wollen – allerdings aus unterschiedlichen Gründen – mit dem Boxen aufhören. Alle sind außergewöhnlich talentierte Boxer auch wenn Joe Fleming trotzdem im Ring umkommt und Tom King seine besten Tage hinter sich hat.
In einigen Punkten unterscheidet sich „The Mexican“ von den anderen Werken. Felipe Rivera ist kein gutmütiger, moralisch integerer Mann sondern ein haßerfüllter Mörder. Er hat, im Gegensatz zu den anderen drei Boxern bei London keine Lebensgefährtin. Während Fleming, Glendon und King jedoch mehr oder weniger aus dem Nichts auftauchen erfährt man von den prägenden Einflüssen aus dessen Kindheit.
„The Mexican“ ist eher ein „propagandistic revolutionary tract“ [Oriard. Heroes. 19] In den drei anderen Werken wurden die „essential conflicts in American sport between country and city, youth and age, and masculinity and feminity“ [Oriard. Jack London. 3] thematisiert. Für Michael Oriard ist die Hauptaussage dieser drei Texte dagegen eine andere: „Londons boxing stories proclaim the preeminence of either fate („A Piece of Steak“), chance (The Game), or will (The Abysmal Brute).” [Oriard. Sporting, 241] Dieser Standpunkt ist auch nicht von der hand zu weisen und verdeutlicht zudem den Kontrast zu „The Mexican“.
Man kann Londons Arbeiten vorwerfen, daß viele der Charaktere stereotypisch sind. Man muß jedoch bedenken, daß man dies in der Zeit der ersten Erscheinung wohl nicht so empfand, denn der professionelle Sport fand erst in den 20er Jahren breite Akzeptanz in den USA und erst dann gab es eine größere Menge an Sportliteratur. Folglich waren griff London die Stereotypen die er verwendete, wie den natural oder den alternden Profi nicht auf, wie viele Autoren nach ihm sondern er entwickelte sie neu. Michael Oriard sagt über Londons Boxgeschichten: “His stories have an archetypical quality that appears stereotypical in retrospect, for they have been retold numberless times by countless authirs.“ Oriard. Heroes. 134]
Zuletzt soll noch einmal darauf hingewiesen werden, daß London sehr viel schrieb und dies vor allem, um Geld zu verdienen, also um seine Bücher zu verkaufen. Deshalb tritt neben den künstlerischen manchmal fast gleichberechtigt der Unterhaltungsaspekt. Die Darstellung der Boxkämpfe war mitunter also reiner Selbstzweck und diente nicht unbedingt dazu, eine bestimmte künstlerische Aussage zu unterstreichen. Dies soll jedoch die Bedeutung der hier vorgestellten Werke insbesondere als Wegbereiter für die Boxliteratur des 20. Jahrhunderts keinesfalls schmälern. Andrew Sinclairs Aussage zum unterschätzten Stellenwert Londons in der Literatur trifft den Punkt:
„Those who followed his self-dramatizing style of existence and his short, jerky, bald method of writing, such as Ernest Hemingway, forgot to acknowledge the inventor of the mode, which had more to do with Jack London´s Alaska than the Paris of Gertrude Stein. Jack also got little thanks from Dos Passos or Steinbeck or Kerouac for pioneering the hobo novel in The Road. Norman Mailer has not praised the American writer who, straight from the shoulder, made prizefighting the subject of his best journalism and professional fiction.” [Andrew Sinclair. Jack: A Biography of Jack London. London: Weidenfeld & Nicolson, 1978. 248]
(C) Martin Scheja

Die ultimativ subjektive Liste 2017

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Boxer des Jahres
Wladimir Klitschko (69 Kämpfe, 64 Siege, 53 durch KO, 5 Niederlagen, 4 durch KO) stieg am 29.04.2017 im Wembley Stadion in London zum letzten Mal in den Ring. Er verlor gegen Anthony Joshua. Es hätte vermutlich keiner vorher ernsthaft erwartet, dass Klitschko im Herbst seiner Karriere noch einmal zu einer solchen Leistung fähig wäre.

Boxer des Jahres (ehrenhalber)
Alexander Mengis und Eduard Gutknecht zahlen einen hohen Preis für ihre Liebe zum Boxen.

Boxerin des Jahres
2017 sah ich in Deutschland keine Boxerin, die diesen Titel verdient hätte.

KO des Jahres
Im Viertelfinale der World Boxing Super Series, im Turnier im Cruisergewicht, knockte der Kubaner Yunier Dorticos (22 Kämpfe, 22 Siege, 21 durch KO) den Russen Dmitry Kudryashov (23 Kämpfe, 21 Siege, 21 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) in der zweiten Runde durch eine perfekte Rechte zur Schläfe aus.

Schlechteste Veranstaltung des Jahres
Alle Veranstaltungen von großen Promotern, die das Geld nicht wert waren, das die Fernsehsender und die Zuschauer an den Kassen bezahlt haben und bei denen Boxer um den Sieg betrogen wurden.

Rookie des Jahres
Sherif Morina (6 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO) ist seit eineinhalb Jahren Profi. Er boxt im Weltergewicht und boxt mit hohem Risiko, sowohl was seinen Kampfstil als auch was die Auswahl seiner Gegner anbelangt.

Überschätzter Boxer des Jahres
Christian Hammer (27 Kämpfe, 22 Siege, 12 durch KO, 5 Niederlagen, 2 durch KO) alias Cristian Ciocan boxte am 15. Dezember 2017 um den WBO International Titel im Schwergewicht gegen Alexander Povetkin (34 Kämpfe, 33 Siege, 23 durch KO, 1 Niederlage). Auf meinem Punktzettel gewann er keine Runde.

Überschätzte Boxerin des Jahres
Es gibt sie, aber ich will sie hier nicht mit einer Nennung ehren.

Punktrichter des Jahres
Urs Schneider (BDB), ein Punktrichter der in seiner ganzen Karriere noch kein einziges Fehlurteil gefällt hat: Hinzu kommt ein vorbildlicher Auftritt als Supervisor.

Ringrichter des Jahres
Jens-Uwe Baum (GBA) agiert unauffällig und unaufgeregt, auch wenn es im Ring hektisch wird.

Absteiger des Jahres (männlich)
Der am 22.12.2014 verstorbene Erfolgstrainer Fritz Sdunek war so etwas wie der Säulenheilige des deutschen Boxens. Eine Reportage im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zeigte, dass er wohl doch so heilig nicht war.

Absteiger des Jahres (weiblich)
Gab es sie?

Aussteiger des Jahres
Der Wuppertaler Schwergewichtler und Kultboxer Werner Kreiskott (46 Kämpfe, 25 Siege, 17 durch KO, 19 Niederlagen, 8 durch KO, 2 Unentschieden) machte im Oktober seinen letzten Kampf. Er war ein Boxer, der seine Kämpfe gewann, der aber auch verlor und beides machte er mit Würde. Viele werden ihn im Ring vermissen. Alle aber sind, wie ich, froh, dass er den richtigen Zeitpunkt für seinen Rücktritt gewählt hat.

Veranstalter des Jahres
Die 15-jährige Ranee Schröder dürfte wahrscheinlich immer noch die jüngste Promoterin der Welt sein. Sie war Veranstalterin des WBF WM-Kampfes im Cruisergewicht zwischen Serdar Sahin und Javier Sanabria auf der Messe „Mode, Heim und Handwerk“ am 18. November 2017 in der Messe Essen.

Veranstaltung des Jahres
Die GBA ging am 18. November 2017 neue Wege, um Werbung für das Profiboxen in Deutschland zu machen: Sie veranstaltete selber eine Profiboxveranstaltung, und zwar in der Messehalle Halle 7 der Messe Essen. Auf der Messe „Mode, Heim und Handwerk“, einer Verbrauchermesse, gab es Profiboxen zu sehen und die Zuschauer waren die Messebesucher, die vorbei kamen.

Boxevent des Jahres
Da findet eine Schwergewichtsweltmeisterschaft in Deutschland statt und die Halle ist nicht ausverkauft. Da wird jemand, der seit ewiger Zeit in Deutschland lebt, Weltmeister im Schwergewicht und ein Teil der Presse fragt nach seinem Pass. In der Arena Oberhausen fand am 15.11.2017 eines der seltsamsten Boxevents aller Zeiten statt: Manuel Charr vs. Alexander Ustinov.

Fehlentscheidung des Jahres
Am 04. März 2017 gab Araik Marutjan sein Profidebüt gegen Serhii Ksendzov. Sauerlands neuer Mittelgewichtler Marutjan dominierte den Kampf. Dann erlitt er einen Achillessehnen-Abriss und konnte nicht weiter boxen. Im Ring wurde offenbar ein “No Contest“ verkündet. Später wandelte der BDB das Urteil in einen Sieg für Marutjan um.

Trainer des Jahres
Habe ich nicht gesehen.

Entgleisung des Jahres
Malte Müller-Michaelis und Gerhard Pfeil schrieben in „Der Spiegel“: „Die Promoter witterten das schnelle Geld. Statt Talente ordentlich auszubilden, schickten sie unfertige Athleten ins Feuer. Durchschnittsboxer wie Sven Ottke oder Markus Beyer wurden zu Weltmeistern hochgejazzt.“

Boxkampf des Jahres (männlich)
Im Wembley Stadion in London versuchte Wladimir Klitschko (69 Kämpfe, 64 Siege, 53 durch KO, 5 Niederlagen, 4 durch KO) am 29.04.2017 gegen Anthony Joshua noch mal Weltmeister im Schwergewicht zu werden. Vorher hatte kaum jemand geglaubt, dass der einundvierzigjährige Herausforderer Klitschko zu einer solchen Leistung, wie er sie dann zeigte, nochmal fähig sein würde. Womöglich hätte er den Kampf sogar gewinnen können, hätte er in den Kunstpausen von Joshua nur konsequent angegriffen. Seine Ecke aber, allen voran sein Bruder Vitali, verhinderten dies.

Boxkampf des Jahres (weiblich)
Özlem Sahin (25 Kämpfe, 23 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) besiegte am 05.08.2017 in Essen auf sehr beeindruckende Weise Sandy Coget (16 Kämpfe, 8 Siege, 7 Niederlagen, 1 Unentschieden). Durch einen technisch sehr gut und hart geführten Kampf verteidigte Sahin ihren UBO Weltmeister- und ihren WBF Interconti-Titel.

Comeback des Jahres (männlich)
Habe ich übersehen.

Comeback des Jahres (weiblich)
Habe ich übersehen.

Bester Show Act des Jahres
Der Ringsprecher Dave Kaufmann sang bei der Freiluftveranstaltung in Gelsenkirchen am 08. Juli 2017 „New York, New York“ – großartig.

Ringsprecher des Jahres
Thomas Bielefeld ist die Stimme des Profiboxens in Deutschland.

Boxer, der einen WM-Kampf verdient (männlich)
Der Leichtgewichtler Gabor Veto (31 Kämpfe, 31 Siege, 23 durch KO) hat 2017 nicht geboxt. Dennoch verdient er einen WM Kampf. Er sitzt in einer Falle: Er lebt in der Schweiz, ist Ungar und ist zu stark, um ohne Not eine Chance auf einen Titelkampf zu bekommem.

Boxer, der einen WM-Kampf verdient (weiblich)
Die Leichtgewichtlerin Beke Bas (10 Kämpfe, 10 Siege, 5 durch KO) dürfte reif für eine WM sein. Sie eine Kriegerin, die nach vorne geht und den Sieg erkämpfen will.

Boxer, der zu Unrecht übersehen wird (männlich)
Der in Kanada lebende Kolumbianer Oscar Rivas (22 Kämpfe, 22 Siege, 16 durch KO) wird nie genannt, wenn es um einen WM Kampf geht. Der 22-jährige ist einer denen, die im Schwergewicht ganz weit oben mitmischen könnten.

Boxer, der zu Unrecht übersehen wird (weiblich)
Verena Kaiser (10 Kämpfe, 10 Siege, 5 durch KO) ist Weltmeisterin der WIBF und GBU im Weltergewicht.

Boxkampf, den wir 2018 nicht sehen wollen (männlich)
Irgendwelche Come-Back-Kämpfe von Boxern, die durch sind und nur noch einmal Kasse machen wollen, obwohl sie schon genug Geld verdient haben.

Boxkampf, den wir 2018 nicht sehen wollen (weiblich)
Alle schlechten.

Boxkampf, den wir 2018 sehen wollen (männlich)
Einen Kampf von Agit Kabayel (17 Kämpfe, 17 Siege, 12 durch KO) gegen einen Top-Ten Mann im Schwergewicht.

Boxkampf, den wir 2018 sehen wollen (weiblich)
Ein Aufeinandertreffer der beiden deutschen Minimumgewichtlerinnen Tina Rupprecht (7 Kämpfe, 7 Siege, 3 durch KO) und Özlem Sahin (25 Kämpfe, 23 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) wäre einer der besten Frauenboxkämpfe, die 2018 weltweit möglich wären.
© Uwe Betker

Written by betker

31. Dezember 2017 at 23:59

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Vorweihnachtliches Boxen in Düren

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Kurz vor Weihnachten, am 16.12.2017, war es die Rurtalhalle in Lendersdorf/Düren, wo man als Freund des gepflegten Kampfsports gewesen sein sollte. Baktash Saidi hatte eine schöne Veranstaltung auf die Beine gestellt. Es gab insgesamt 21 Kämpfe zu sehen, 8 K1-Kämpfe, 10 Amateurboxkämpfe und 3 Profiboxkämpfe. Den Anfang machten zwei K1-Kämpfer, die beide nur knapp die Höhe des zweiten Seils erreichten. Einer von diesen beiden war der Sohn des Veranstalters. Nach drei mal einer Minute gab es ein gerechtes Unentschieden.

Den Anfang bei den Boxprofis machten im Super Mittelgewicht Alpay Yaman und Mesud Guenay (6 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO) mit einem Vierrunder. Yaman schob sich, hinter einer Doppeldeckung verschanzt, heran und versuchte zu explodieren. Guenay, ein Schützling von Yusuf Kanguel
versuchte, dagegen seinen Reichweitenvorteil auszuspielen und sich seinen Gegner durch lange Hände und schnelle Beine vom Hals zu halten. Das machte er auch ziemlich gut. Yaman kam nur ganz selten mit seinem Jab durch. In der zweiten Runde erhöhte er dann den Druck. Es kam so auch zu mehr Schlagabtäuschen und Yaman kam nun auch mehrfach schön zum Kopf durch. In der dritten Runde ließ der Druck von Yaman wieder etwas nach, wodurch Guenay wieder besser mit seinen langen Händen punkten konnte. In der vierten Runde suchte Guenay den KO, den er allerdings nicht erreichte. Für meinen Geschmack ging er viel zu wenig zum Körper. Der GBA Ring- und Punktrichter Kazim Kurnaz wertete 40:37. „Einstimmiger“ Punktsieger: Alpay Yaman. – Ich haber den Kampf eher als Unentschieden gesehen.
Anschließend stiegen ebenfalls im Super Mittelgewicht Timo Rost (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Mohamed Boulahya (8 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 6 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) für einen Sechsrunder in den Ring. Die erste Runde, wie auch alle folgenden Runden, wurde extrem schnell und hart geführt. Boulahya machte Druck und versuchte Wirkungstreffer ins Ziel zu bringen. Rost war schnell auf den Beinen und ließ ihn oft in Leere laufen. Es gab nur wenige Treffer. In der zweiten Runde übernahm Rost das Kommando im Ring. Er bestimmte das Kampfgeschehen. Am Ende der Runde stellte er Boulahya in dessen Ecke und kam mit drei harten rechten Kopfhaken durch. In der dritten Runde gab es mehr harte Schlagabtäusche. In der folgenden vierten Runde nahm Rost, der Mann von Trainer Rüdiger May, die Jagd auf. Nach ca. einer Minute sah es so aus, als würde Boulahya nach einer Kombination zum Kopf einknicken und am Ende der Runde wurde ihm ein Punkt wegen Haltens abgezogen. In der fünften Runde tanzte Timo um Boulahya und punktete immer wieder mit Kontern. In der sechsten Runde wurde der Kampf etwas ruppig. Beide suchten den KO. Die Punktwertung: 57:56. Sieger nach Punkten Timo Rost.
Den letzten Kampf des Abends bestritt der Veranstalter Baktash Saidi (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) selbst. Er boxte im Super Weltergewicht gegen Suleyman Dag (99 Kämpfe, 10 Siege, 5 durch KO, 89 Niederlagen, 61 durch KO), der ganz kurzfristig für den erkrankten Ersatzgegner eingesprungen war. Dag versuchte zu kreisen und zum Körper zu gehen. Baktash wartete zunächst ab, um dann zum Körper zu gehen. Er spielte mit Dag. In der zweiten Runde machte Saidi mehr Druck. Er ging mehr zum Körper und bewegte sich schneller. In der dritten Runde kam dann das erwartete Ende. Dag musste erst nach einer Linken zum Körper und dann nach einer rechten Graden zum Solarplexus zu Boden. Das Handtuch beendete dann den Kampf. Sieger durch TKO in Runde 3, nach 1:57 Minuten: Baktash Saidi.
Die Rurtalhalle in Lendersdorf/Düren war Austragungsort für eine kleine und schöne vorweihnachtliche Kampfsportveranstaltung. Es gab keine Geschenke, dafür aber Schläge. Dem Publikum gefiel es und am Ende wurden auch keine Weihnachtslieder gesungen.
(C) Uwe Betker

Eine gelungene Housegala in Euskirchen

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Austragungsort einer wirklich sehr gelungenen Housegala war am 02.09.2017 das BB5 Gym in Euskirchen. Es gab insgesamt 10 Kämpfe zu sehen. Es begann mit einem K1-Kampf und ging mit fünf unterhaltsamen Amateurboxkämpfen weiter. Dann kamen vier Profikämpfe.

Den Anfang bei den Profis machten im Super Mittelgewicht Mohamed Boulahya (5 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO) und Walid Iaaraj, der sein Profidebüt gab. Boulahya bestimmte das Kampfgeschehen. Er trieb seinen Gegner vor sich her. Er verteilte gut. Besonders die Körpertreffer hinterließen Wirkung. Iaaraj fand nicht in den Kampf. Er machte zu wenig. Zu selten schlug er zurück. Boulahyan stellte ihn in seiner Ecke und kam mit einem sehr schönen harten Linken, durch die Mitte geschlagenen Aufwärtshaken zum Kopf durch. Der ließ Iaaraj die Ringecke runter rutschen. Kaum saß er auf dem Boden, warf seine Ecke auch schon das Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 1, nach 2:02 Minuten: Mohammed Boulahya.

Sodann stiegen Sabri Ulas Göcmen (29 Kämpfe, 11 Siege, 1 durch KO, 18 Niederlagen, 17 durch KO) und Dogan Kurnaz (14 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO, 11 Niederlagen, 10 durch KO) in den Ring für ein Kräftemessen im Super Leichtgewicht. Die erste Runde war munter. Göcmen dominierte zwar den Kampf, aber Kurnaz hielt gut dagegen. Göcmen hatte seine Momente, wenn er den Druck hoch hielt und die Schläge verteilte. Kurnaz konterte und punktete, wenn Göcmen den Druck etwas raus nahm. In der zweiten Runde erhöhte Göcmen das Tempo. Kurnaz versuchte, durch Klammern den Kampfrhythmus zu stören. Verletzungsbedingt gab Kurnaz nach der zweiten Runde auf. Sieger durch TKO in Runde 3, nach 01 Sekunde: Sabri Ulas Göcmen.

Im Schwergewicht trafen Salvatore Aiello (35 Kämpfe, 33 Siege, 18 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) und Niko Lohmann (11 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO) für einen Vierrunder aufeinander. Beide zeigten gutes Boxen. Aiello bestimmte die ersten zwei Minuten des Kampfes. Er kam mit den härteren Treffern durch. Lohmann punkte mit seiner Führhand, die Aiello störte. In der zweiten Runde erhöhte der Lokalmatador Aiello den Druck. Er trieb Lohmann vor sich her und verwickelte ihn immer wieder in harte Schlagabtäusche, bei denen er deutlich mehr Treffer ins Ziel brachte. Dann stellte er Lohmann an den Seilen und kam mit einer Rechten zum Kopf durch, die diesen zeitverzögert, sehr langsam zu Boden gleiten ließ. Gerade als Aiello nachsetzten wollte, flog das Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 2 nach 2:15 Minuten: Salvatore Aiello.

Hauptkampf des Abends war die Begegnung zwischen Benjamin Blindert (5 Kämpfe, 5 Siege, 5 durch KO) und Richard Hilgert (13 Kämpfe, 10 Siege, 7 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) im Halbschwergewicht. Blindert, ein großer und physisch starker Boxer, war Hilgert in allen Belangen überlegen. Von der ersten Sekunde des Kampfes an roch es nach einem KO. Blindert stieg nicht in den Ring um sein boxerisches Können zu zeigen, sondern um seinen Gegner so schnell wie möglich KO zu schlagen. Und so boxte er dann auch. Hilgert hatte dem nur sehr wenig entgegen zu setzen. Er versuchte, durch Zurückweichen Zeit zu gewinnen und Blindert durch Cross` abzukontern. Blindert stellte Hilgert schließlich in dessen Ecke und Hilgert ging zu Boden. Es war nicht die Wirkung eines einzigen Schlages, sondern die Addition von ganz vielen. Hilgert kam wieder hoch und es ging weiter.
In der zweiten Runde boxte Blindert ruhiger und überlegter. Dabei trieb er aber weiter seinen Gegner vor sich her und der hatte nun auch noch mehr Probleme als in der vorangegangen Runde. Immer wieder stellte Blindert Hilgert an den Seilen. Irgendwann sackte Hilgert erneut zu Boden und wurde von dem sehr souverän und unauffällig agierenden Ringrichter vom Bund Deutscher Faustkämpfer, Christian Rösenl, ausgezählt.
Sieger durch KO in Runde 2 nach 41 Minuten: Benjamin Blindert.

Die Veranstaltung von Lothar Pinkernelle in Euskirchen war sehr gelungen. Sie war um 21 Uhr zu Ende, so dass die Zuschauer noch etwas von ihrem Samstagabend hatten. Ich bin schon auf die nächste Veranstaltung gespannt, für die wohl ein größerer Rahmen geplant ist. Und Benjamin Blindert sollte man im Auge behalten.
© Uwe Betker

 

Boxen in der Literatur: Robert E. Howard

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Boxen in der Literatur: Robert E. Howard
Ein Kollege von mir machte mich darauf aufmerksam, dass ein gewisser Robert E. Howard Geschichten übers Boxen geschrieben hat. Er gab mir auch eine Kopie von einer, die er einem Sammelband mit Horrorgeschichten von besagtem Autor entnommen hatte. Hier muss ich nun gestehen, dass mir ein Autor namens Howard bislang nicht bekannt war. Die Zusatzinformation, es handele sich um den Autor von „Conan“, vergrößerte nur meine Skepsis. Weder Horrorgeschichten noch Geschichten über Barbaren gehören eigentlich zu meiner bevorzugten Lektüre. Trotzdem gab ich der Geschichte „The Spirt of Tom Molyneaux“ eine Chance.

„The Spirt of Tom Molyneaux“ erschien erstmals im April 1929 in dem Pulp-Magazin „Gost Stories“. Erzählt wird die Geschichte des Boxers Ace Jessel aus der Perspektive seines früheren Managers. Jessel ist ein technisch guter farbiger Boxer, der aber keinen Killerinstinkt hat. – Interessanterweise trägt er einen jüdischen Nachnamen. Jessel kommt von Joseph und bedeutet „Gott möge vermehren“. – Sein Vorbild ist der große Tommy Molineaux, den er wie einen Heiligen verehrt und zu ihm betet. Irgendwann muss er gegen Mankiller Gomez antreten, einen brutal harten und Furcht einflößenden Senegalesen, der alle seine Gegner brutal KO schlägt.
Hier nun wird die Geschichte spannend und sehr blutig. Jessel wird von Runde zu Runde immer fürchterlicher von seinem übermächtigen Gegner verprügelt. Aber er will nicht aufgeben. Als Jessel im wahrsten Sinne am Boden zerstört ist, kommt der Geist vom Tom Molineaux und hilft ihm, seinen Gegner KO zu schlagen.
Tom Molineaux (* 1784 in Georgetown, South Carolina, USA; † 4. August 1818 in Dublin, Irland) war ein legendärer afroamerikanischer Boxer der Bare-Knuckle-Ära. Noch als Sklave für einen Plantagenbesitzer begann er mit dem Boxen. Später wurde er, als Belohnung für einen Sieg, freigelassen. Berühmt wurde er durch seine zwei Ringschlachten mit Tom Cribb 1810 und 1811 in England. [mehr zu Tom Crip: https://betker.wordpress.com/2011/11/19/tom-cribb-1/ und https://betker.wordpress.com/2011/11/20/tom-cribb-2/%5D Bemerkenswert ist vor allem, dass ein schwarzer Exsklave in England und Irland zu einer Berühmtheit werden konnte.

Robert Ervin Howard, (* 22. Januar 1906 in Peaster, Texas, USA; † 11. Juni 1936 in Cross Plains, Texas, USA) war ein US-amerikanischer Autor von Fantasy-, Abenteuer- und Horrorgeschichten; er schrieb außerdem mehrere Westernromane. Berühmt wurde er mit seinem Romanzyklus um „Conan, den Cimmerier“. Er erschuf auch „Kull von Atlantis“, den Pikten Bran Mak Morn, den irischen Piraten Turlogh O’Brien und den englischen Puritaner Solomon Kane. Howard arbeitete als Baumwollpflücker, Cowboy, Verkäufer, als Gehilfe in einem Rechtsanwaltsbüro, als Landvermesser und als Journalist, bevor ihn der Verkauf seiner Geschichten an diverse Pulp-Magazine ernähren konnte. Er nahm sich im Alter von 30 Jahren das Leben. (nach wikipedia).
Howard boxte nachweislich als Amateur im Gym Fifth Street, Ecke Main Street in Cross Plane in Texas. Ab Juli 1929, also mit 23 Jahren, veröffentlichte er Boxgeschichten im „Fight Stories“, einem „Pulp Magazine“, das Geschichten übers Boxen veröffentlichte. Später erschienen Short Stories von Howard auch in „Action Stories“ und in „Sport Story Magazine“. In einigen der Geschichten tauchen immer wieder die gleichen Protagonisten auf: Sailor Steve Costigan, Dennis Dogan, Kid Allison und natürlich Ace Jessel, dem wir schon begegnet sind. Vermutlich hat Howard insgesamt 26 Short Stories übers Boxer verfasst, von denen einige erst posthum veröffentlicht wurden. Angeblich hat er auch für das „Ring“ Magazine geschrieben. Er war auf jeden Fall ein profunder Kenner des Profiboxens, was sich auch anhand seiner Briefe nachweisen lässt.
Leser, die radikale Verfechter dessen, was heute Political Correctness bedeutet, sind, sollten nicht zu Howard greifen. Er arbeitet mit Stereotypen und charakterisiert Personen und deren ethnische und soziale Herkunft durch die Wiedergabe von deren Sprache. Das machte Howard allerdings mit allen Ethnien und sozialen Gruppen, wobei er auch die eigene nicht ausnahm. Es ist ein Stilmittel – und da fragt sich, inwieweit Political Correctness in Bezug auf Literatur nicht überhaupt nur dumpfer Unsinn ist.
Robert E. Howard kann jedenfalls schreiben – und wie er schreiben kann. Seine Sprache ist große Literatur, auch wenn seine Themen es nicht sind. Nach der Lektüre von „The Spirt of Tom Molyneaux“ habe ich mir jedenfalls den Sammelband “Waterfront Fists and Others: The Collected Fight Stories of Robert E. Howard” sofort bestellt. Ich verspreche mir von diesem Bändchen Boxgeschichten von einem ganz großen Literaten, nämlich Robert E. Howard.
© Uwe Betker