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Ein harter Tag im Büro: Wladimir Klitschko vs. Alex Leapai

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Man kann sich vorstellen, wie Wladimir Klitschko (64 Kämpfe, 61 Siege, 51 KO, 3 Niederlagen, 3 KO) am frühen Morgen des 27.04.2014 sein Hotelzimmer betritt. Eine Frau liegt im Bett und fragt im Halbschlaf: „Schatz, wie war dein Tag?“ Er antwortet: „Es war wieder ein harter Tag im Büro.“ So oder so ähnlich könnte sich eine idyllische häusliche Szene abspielen, nachdem Klitschko seine Schwergewichtstitel der IBF, WBO und WBA in der Arena Oberhausen verteidigt haben wird.
Sein Gegner heißt Alex Leapai (37 Kämpfe, 30 Siege, 24 KO, 4 Niederlagen, 2 KO, 3 Unentschieden). Er ist der zweitbeste Schwergewichtler in Australien und er hat am 23.11.2013 gegen Dennis Boytsov nach Punkten gewonnen. Beides hat ihn, wohl in dieser Reihenfolge dafür qualifiziert, gegen den zurzeit besten Schwergewichtler der Welt zu boxen.
Leapai wird in der unabhängigen Weltrangliste auf Position 29 geführt. Also 27 Boxer sind vermutlich besser als er und haben größere Chancen gegen Wladimir Klitschko als er. Also wären diese wohl als Gegner besser und damit für die Zuschauer auch interessanter:

Alexander Ustinov (30 Kämpfe, 29 Siege, 21 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO)
Steve Cunningham (32 Kämpfe, 26 Siege, 12 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO)
Seth Mitchell (30 Kämpfe, 26 Siege, 19 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unetschiden)
Ruslan Chagaev (35 Kämpfe, 32 Siege, 20 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden)
Manuel Charr (26 Kämpfe, 25 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO)
Francesco Pianeta (31 Kämpfe, 29 Siege, 16 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden)
Amir Mansour (20 Kämpfe, 20 Siege, 15 durch KO)
Lucas Browne (19 Kämpfe, 19 Siege, 17 durch KO)
Carlos Takam (31 Kämpfe, 29 Siege, 23 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden)
Johnathon Banks (32 Kämpfe, 29 Siege, 19 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden)
Andy Ruiz Jr. (21 Kämpfe, 21 Siege, 15 durch KO)
Erkan Teper (12 Kämpfe, 12 Siege, 8 durch KO)
Mike Perez (20 Kämpfe, 20 Siege, 12 Durch KO)
Christian Hammer (18 Kämpfe, 15 Siege, 10 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO)
Bryant Jennings (18 Kämpfe, 18 Siege, 10 durch KO)
Odlanier Solis (21 Kämpfe, 20 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO)
Tomasz Adamek (52 Kämpfe, 49 Siege, 29 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO)
Tony Thompson (42 Kämpfe, 38 Siege, 26 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO)
Alexander Povetkin (27 Kämpfe, 26 Siege, 18 durch KO, 1 Niederlage)
Bermane Stiverne (25 Kämpfe, 23 Siege, 20 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden)
Deontay Wilder (31 Kämpfe, 31 Siege, 31 durch KO)
Chris Arreola (39 Kämpfe, 36 Siege, 31 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO)
Dereck Chisora (24 Kämpfe, 20 Sieg, 13 durch KO, 4 Niederlagen, 1durch KO)
Robert Helenius (19 Kämpfe, 19 Siege, 11 durch KO)
Vyacheslav Glazkov (18 Kämpfe, 17 Siege, 11 durch KO, 1 Unentschieden)
Tyson Fury (22 Kämpfe, 22 Siege, 16 durch KO)
und
Kubrat Pulev (19 Kämpfe, 19 Siege, 10 durch KO)

Wladimir Klitschko vs. Alex Leapai – Wie schon gesagt: Ein harter Tag im Büro.
(C) Uwe Betker

Foto: Steve Cunningham and Naazim Richardson

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Cunningham + Naazim Richardson (2)
(C) Uwe Betker

Written by betker

16. Februar 2014 at 23:59

Foto: Steve Cunningham

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(C) Klaus Frevert / http://www.boxfotograf.de

Written by betker

29. August 2012 at 23:59

Gastbeitrag von Andreas Grunwald: Warum der stagnierende Boxsport dringend frischen Wind braucht

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Aus der ehemals glänzenden Gelddruck-Maschine „Profiboxen“ ist ein schwächelndes Motörchen geworden, welchem langsam der Sprit ausgeht. Während noch vor 30 Jahren eine Weltmeisterschaft im Schwergewicht von der halben Welt zu den unmöglichsten Uhrzeiten am TV verfolgt wurde, locken heutzutage selbst hochkarätige Box-Events nur noch ein paar schlappe Millionen Zuschauer vor die Glotze.
Die Boxwelt ist aufgerieben in einige große und viele kleine Verbände. In jeder Gewichtsklasse gibt es eine Unzahl an Weltmeistern, Super-Weltmeistern, Interims-Weltmeistern und darüber hinaus noch etliche geradezu lächerliche Titel, die dem Hirn eines billigen Fantasy-Roman-Autors entsprungen sein könnten.
Die Zuschauer fühlen sich anhand von dubiosen Punktrichter-Urteilen, von handverlesenen und medial zu Hochkarätern aufgepuschten Schwachmaten als Gegner für alteingesessene Weltmeister, von Weltmeistern, die ernsthaften Konkurrenten um ihre Titel mit den abstrusesten Strategien aus dem Weg gehen und der undurchschaubaren „Politik“ der großen Verbände und Veranstalter für dumm verkauft und genießen die Fernseh-Prime-Time lieber bei „Wetten Dass“ oder dem Tatort, als sich den 25. „Kampf des Jahres“ innerhalb eines
Jahres anzusehen.
Die Strukturen sind verkrustet, der mediale Rummel für die Vermarktung der immer uninteressanter werdenden Kämpfe verschlingt Unmengen an Geld, welches die Veranstalter an anderer Stelle wieder einsparen müssen, und das Interesse der großen Sendeanstalten lässt proportional mit der sinkenden Einschaltquote immer mehr nach, wodurch dem schwächelnden Markt noch mehr Geld entzogen wird.
Einer der Ersten, der die Zeichen der Zeit erkannt hat, war Kalle Sauerland. So kam ihm 2009 die brilliante Idee, ein Turnier der besten Supermittelgewichtler aus allen Verbänden, das „Super Six“ ins Leben zu rufen, weil das quotenbringende (und damit geldbringende) Zuschauervolk kein Kirmesboxen mehr sehen will, sondern stattdessen wirklich die Besten gegen die Besten.
Der organisatorische Aufwand, dieses Turnier zu stemmen, die Boxer, die Veranstalter und die Verbände vertraglich unter einen Hut zu bringen und dabei auch die Interessen der übertragenden Sendeanstalten sowie die Beschaffung und Verteilung der erforderlichen Geldmittel mit allen Beteiligten abzustimmen und juristisch dingfest zu machen, war wahrscheinlich DIE Managerleistung der Boxgeschichte.
In der praktischen Umsetzung erwies sich das Super-Six-Turnier dann allerdings als ein unberechenbarer Popans. Einige Boxer stiegen mitten im Turnier ohne Begründung einfach aus, andere verletzten sich und konnten nicht mehr antreten, und es musste mit so vielen Unwägbarkeiten gekämpft werden, dass sich die ganze Schose wie zäher Honig über zwei Jahre in die Länge zog und am Ende trotz eines hochklassigen Finals nur noch als eine Karikatur seiner selbst einen Abschluss fand.
Dennoch ist der von Sauerland eingeschlagene Weg der richtige. Das Boxen braucht drei Dinge: Einschaltquote, Einschaltquote und Einschaltquote! Und der Weg dahin kann nur über neue Ideen führen, die dem Zuschauer und Quotenbringer ein Höchstmaß an Spektakel und echtem Weltklasse-gegen-Weltklasse-Boxen garantiert!
Nehmen wir einmal die Sauerland-Idee „Super-Six“ als Initialzündung und spinnen den guten Ursprungsgedanken zu einer neuen Idee weiter: Statt eines Turniers, aus welchem nach Monaten oder Jahren nur ein einziger Kämpfer als Sieger hervorgeht, könnte man auch an einem einzigen Abend zur Prime-Time ein fünf- bis sechsstündiges TV-Event anbieten, in welchem die vier oder fünf besten Boxer einer Gewichtsklasse aus Europa gegen die vier oder fünf besten Boxer vom amerikanischen Kontinent antreten. Es finden also vier oder fünf Kämpfe an einem Abend statt, wobei die jeweiligen Paarungen erst frühestens am Abend vor dem Event live im TV ausgelost werden.
Welcher Kontinent am Kampfabend dann die meisten Siege errungen hat, hat gewonnen. Selbstverständlich gibt es für jeden Kampf der Kontinente auch einen Rückkampf; die eingeladenen Boxer können sich durch interessante Ausscheidungskämpfe qualifizieren, kein Boxer muss seinen persönlichen Titel aufs Spiel setzen, die Zuschauer bekommen endlich das, was sie sehen wollen, und die Kohle fließt für alle Beteiligten wieder in Strömen. Diese Länder- oder Kontinentalkämpfe können so durchaus eine ständige Institution werden (wie es ja auch beispielsweise im Golfsport jedes Jahr einen Team-Cup Europa gegen Amerika gibt) und würden auch immer interessant bleiben, weil sich immer neue Leute an die Spitze ihrer jeweiligen Kontinente boxen, so dass sich die Besetzungen der jeweiligen Teams ständig verändern werden.
Die Vorstellung, im Cruisergewicht kämpfen so erbitterte Rivalen wie Marco Huck, Denis Lebedew, Ola Afolabi und Firat Arslan abendfüllend Seite an Seite in einem Europa-Team gegen das Team Amerika mit Joan Pablo Hernandez, Steve Cunningham, Antonio Tarver und Guillermo Jones, ist einfach nur elektrisierend.
Und die halbe Welt würde auch wieder vor dem Fernseher sitzen.Verehrte Deutsche Promoter, es gibt viel zu tun. Packt es an!
Herzlichst, Euer Andreas Grunwald, Ringfotograf (Sportfotodienst Stuttgart)
(C) Andreas Grunwald

Von TV-Ärzten und einem Ringarzt

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Prof. Dr. med. Klaus Brinkmann (Die Schwarzwaldklinik), Dr. Karsten Mattiesen bzw. Dr. Ulrich Teschner (Der Landarzt), Dr. Thomas Burgner (Der Bergdoktor), Oberstabsärztin Dr. Sabine Petersen (Die Rettungsflieger), Dr. Peter Brockmann bzw. Dr. Peter Sommerfeld (Praxis Bülowbogen), Dr. Margarethe Haase (Doctor´s Diary), Dr. Christian Kleist (Familie Dr. Kleist) und Frauenarzt Dr. Markus Merthin sind die Doktoren, die man so aus dem deutschen Fernsehen kennt. Fast ebenso bekannt, jedenfalls bei den Boxinteressierten, ist Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Walter Wagner aus Bayreuth. Dr. Wagner ist mit Sicherheit der bekannteste deutsche Ringarzt.
Erst vor kurzem aber, nämlich am 04.02.2012, fungierte Dr.Wagner beim Kampf von Sauerland Event nicht als Ringarzt, obwohl er dort sonst eigentlich immer seinen Dienst versieht. Der Grund war wohl, dass Steve Cunningham glaubte, in seinem ersten Kampf gegen Yoan Pablo Hernandez am 01.10.2011 hätte Dr. Wagner zu sehr in den Kampf eingegriffen.
Wir erinnern uns: Hernandez erlitt in der dritten Runde nach einem Zusammenstoß eine stark blutende Cutverletzung am Haaransatz. Am Ende der sechsten Runde kam es zu einem weiteren Zusammenstoß, durch den sich ein Cut an Hernandez’ rechter Augenbraue öffnete. Auf Anraten von Wagner wurde der Kampf von Ringrichter Mickey Vann gestoppt. Die Punktrichter entschieden für den Sauerland Boxer Hernandez. Cunningham wiederum glaubte, dass der Cut keinen Abbruch gerechtfertigt hätte. Seltsam war schon, dass vor, bei und nach der Urteilsverkündung kein Tropfen Blut zu sehen war.
Damit wären wir bei meinem Grundproblem der Beurteilung der Leistungen von Ringärzten angekommen. Ich bin kein Mediziner. Ärzten ist man in der Regel hilflos ausgeliefert, daher nennt man sie wohl auch Götter in Weiß und man hofft darauf, dass sie ihren Job anständig machen.
Seinen spektakulärsten Auftritt hatte Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Walter Wagner am 23.09.2006 in Wetzlar. Dort kämpften Arthur Abraham und Edison Miranda gegeneinander. In der vierten Runde zog sich Abraham einen doppelten Kieferbruch zu. Sein Gesicht schwoll grotesk an und Blut quoll die restlichen Runden aus seinem Mund. Wie gesagt, ich bin kein Mediziner. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es ungefährlich ist, mit einem doppelten Kieferbruch weiter zu kämpfen.
Es gibt den Eid des Hippokrates – benannt nach dem griechischen Arzt Hippokrates von Kós (um 460 bis 370 v. Chr.) -, der als erste grundlegende Formulierung einer ärztlichen Ethik gilt, an die sich Ärzte halten sollten. Obwohl der Eid des Hippokrates heute in seiner klassischen Form nicht mehr von Ärzten geleistet wird und er auch keine Rechtswirkung hat, hat er doch Einfluss auf die Formulierung moderner Alternativen. In der ursprünglichen Eidesformel heißt es: „Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden.“
Um es noch einmal deutlich zu machen. Ein Arzt darf seine Fähigkeit und sein Urteil nicht zum Schaden seiner Patienten nutzen. Er darf auch nicht seine Fähigkeit und sein Urteil in „unrechter Weise anwenden“. Also Dr. Wagner würde niemals einen Boxer bevorteilen und dadurch einen Anderen benachteiligen. Vermutlich ist es reiner Zufall, dass ich mich an keinen einzigen Boxkampf erinnern kann, bei dem Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Walter Wagner Einfluss auf den Ausgang eines Kampfes genommen hätte in der Weise, dass der Heimboxer durch die Entscheidung von Wagner einen Kampf verloren hätte.
Dementsprechend war wohl die schon angesprochene Cutverletzung von Hernandez viel gefährlicher als der doppelte Kieferbruch von Abraham. Vermutlich hat Dr. Wagner Hernandez sogar das Leben gerettet und kein Boxer sollte ohne Kieferbruch boxen. Für mich reiht sich Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Walter Wagner in die Reihe der großen TV-Ärzte ein.
© Uwe Betker

Marco Huck im Schwergewicht

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Marco Huck (35 Kämpfe, 34 Siege, 25 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) ist amtierender Weltmeister im Cruisergwicht nach Version WBO. Nun will er sein Glück im Schwergewicht versuchen, nachdem er schon mehrfach die Klitschkos herausgefordert hat. Er tritt aber nicht gegen einen der Herausgeforderten an, sondern gegen seinen Stallgefährten bei Sauerland Event Alexander Povetkin (23 Kämpfe, 23 Sieg, 16 durch KO). Povetkin darf sich Weltmeister im Schwergewicht nennen, weil die WBA Wladimir Klitschko (59 Kämpfe, 56 Siege, 49 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) zum Superchampion machte und dadurch einen weiteren Weltmeister erfinden konnte. Dabei dürfte allerdings wohl niemand auf der Welt Povetkin als richtigen Weltmeister ansehen.
Muamer Hukic, der sich jetzt Marco Huck nennt, will nun seine Kräfte mit Schwergewichtlern messen. Ich persönlich hätte mit gewünscht, dass er vorher noch gegen ein paar starke Cruisergewichtler geboxt hätte. Aber die will er offensichtlich nicht. Er äußerte niemals vernehmbar den Wunsch, jedenfalls habe ich es nie gehört, seine TKO-Niederlage gegen Steve Cunningham vom 29.12.2007 auszuwetzen. Auch seinen m.E. beschämend zu nennender Sieg über Denis Lebedev vom 18.12.2010 wollte er nicht geraderücken. Vielmehr besiegte er fleißig Gegner, die er besiegen konnte.
Nun also trifft er auf Alexander Povetkin, der sich über lange Jahre den Ruf eines zaghaften Boxers erarbeitet hat, weshalb er auch in Abwandlung seines Kampfnamens von mir „Zaghafter Zar“ genannt wurde. Für einen Sieg von Huck spricht, dass Povetkin sich vor kurzem von seinem us-amerikanischen Trainer Teddy Atlas getrennt hat. Das dürfte mit Sicherheit Auswirkungen auf die Vorbereitung gehabt haben. Gegen einen Sieg spricht, dass kaum ein Cruisergwichtler es schafft, Weltmeister im Schwergewicht zu werden. – Die alles überstrahlende Ausnahme stellt Evander Holyfield dar.
Man darf gespannt sein, wie der Kampf ausgeht.
© Uwe Betker

Eine wirklich gute Veranstaltung

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Die ca. 5.000 Zuschauer fassende Fraport Arena in Frankfurt war nicht gut gefüllt. Die Oberränge waren geschlossen, eine Seite war gesperrt und der Rest war auch nicht voll. Angeblich haben 3.000 den Weg in die Halle gefunden. In diesem Fall ist das bedauerlich! Sauerland Event hatte nämlich eine wirklich gute Veranstaltung auf die Beine gestellt.
Dabei fing es eher enttäuschend an. Der ungeschlagene deutsche Cruisergewichtler David Graf bekam es im ersten Kampf des Abends mit Paul Morris aus Großbritannien zu tun. Graf, von dem es vorher hieß „Graf mag es gerne schnell!“, konnte den zwar auf sechs Runden angesetzten Kampf einstimmig nach Punkten für sich entscheiden, aber er überzeugte nicht. Morris (12 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) zwang Graf (6 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO), zum ersten Mal in seiner Profikarriere über die volle Distanz zu gehen. Es schien fast so, als wäre Graf überrascht gewesen, dass sein Gegner nicht umfiel. Für die boxerische Entwicklung von Graf war diese Erfahrung bestimmt wichtig. Für die Zuschauer war der Kampf aber eher langweilig.
Obwohl der zweite Kampf des Abends einen auch nicht vom Stuhl gerissen hat, war er aber doch sehr viel interessanter. Angekündigt wurde, dass der Sieger des Kampfes gegen den Sieger von Hernandez gegen Cunningham antreten dürfe. Das war natürlich ein Scherz. Der Pole Lukasz Rusiewicz (22 Kämpfe, 10 Siege, 3 durch KO, 12 Niederlagen 1 durch KO) wäre ein geradezu grotesk unwürdiger Herausforderer. Und selbst wenn er denn gewonnen hätte, wäre er damit niemals auf eine Weltranglistenposition gerutscht, die die Sanktionierung durch den Verband IBF gerechtfertigt hätte. Es ging also lediglich darum, dass Troy Ross (27 Kämpfe, 25 Siege, 16 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO) aus Kanada noch einmal gewinnt.
Ross, der am 05.06.2010 durch TKO gegen Cunningham einen WM Kampf verloren hatte, entledigte sich seiner Aufgabe pflichtgemäß. Nach dem Kampf erklärte er mir, dass es nur darum gegangen sei zu gewinnen und keine Verletzung zu bekommen. Er hatte Rusiewicz zweimal hart getroffen und gemerkt, dass dieser nicht schnell umfällt. Daraufhin hat sein Trainer ihn immer ermahnt mit Kopf und mit so wenig Risiko wie möglich zu boxen. Für den Zuschauer war es interessant sich vorzustellen, wie der mit 182 cm doch recht kleine Ross sich wohl gegen Hernandez oder Cunningham schlagen würde. Ross gewann also den Achtrunder einstimmig nach Punkten.
Der dritte Kampf war die Europameisterschaft im Halbschwergewicht. Es boxten Vyacheslav Uzelkov (27 Kämpfe, 25 Siege, 16 durch KO, 2 Niederlagen) aus der Ukraine gegen Eduard Gutknecht (23 Kämpfe, 22 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage) aus Deutschland. Es handelte sich hier um eine richtige Europameisterschaft, sanktioniert von der Europäischen Box Union, und nicht um eine dieser Pseudo-Europameisterschaften, bei der jeder boxen darf. Das merkte man der Qualität des Kampfes auch an. Gutknecht zeigte in seiner Pflichtverteidigung eine große Leistung, die nicht alle ihm zugetraut hätten. Gutknecht hielt nicht nur dem enormen Druck von Uzelkov stand und punktete mit schönen Kontern. Im Laufe des Kampfes bestimmte er sogar mehr und mehr das Geschehen im Ring. Je länger der Kampf dauerte, umso einseitiger wurde er. In den letzten Runden schien es fast so, als ob Gutknecht, der wirklich kein Puncher ist, sogar noch den KO suchen würde. Gutknecht gewann beeindruckend einstimmig nach Punkten.
Die nächste Begegnung war die IBF-Weltmeisterschaft im Cruisergewicht zwischen dem Herausforderer und vormaligen Weltmeister Steve Cunningham (27 Kämpfe, 24 Siege, 12 durch KO, 3 Niederlagen) und dem Titelverteidiger Yoan Pablo Hernandez (26 Kämpfe, 25 Siege, 13 Siege, 1 Niederlage, 1 durch KO). Den Kampf verdankt die Boxwelt der IBF, die einen Rückkampf angeordnet hatte, nachdem Cunningham am 01.10.2011 unter zumindest etwas dubiosen Umständen seinen Titel an Hernandez verloren hatte. Der Hauptakteur des ersten Kampfes, Prof. Dr. Dr. Walter Wagner, Facharzt für Allgemeine Chirurgie in Bayreuth, war bei diesem Kampf auf Druck von Cunningham, nicht als Ringarzt bestellt. Mit diesem Kampf haben wir eine großartige Ringschlacht gesehen. In den ersten Runden versuchte Cunningham offensichtlich, der Linken, also der Schlaghand von Hernandez aus dem Weg zu gehen. In der vierten Runde kam Hernandez dann aber mit einem harten kurzen linken Kopfhaken durch, und der US-Amerikaner ging schwer zu Boden. Kaum stand er wieder, musste er erneut runter. In den verbleibenden 35 Sekunden war er nur noch damit beschäftigt, den Gong zu erreichen. Es gibt vermutlich kaum einen Cruisergewichtler der Welt, der dies gegen den Kubaner in einer solchen Verfassung geschafft hätte. Wie schon des Öfteren in seiner Karriere, kam Cunningham nach diesem Niederschlag stärker wieder zurück in den Kampf. Die folgenden Runden waren bis zur letzten Sekunde spannend. Am Ende gewann Yoan Pablo Hernandez verdient und einstimmig nach Punkten. Der offensichtlich beste Cruisergewichtler der Welt besiegte den wohl zweitbesten der Welt.
Die folgende Europameisterschaft, ebenfalls im Cruisergewicht, hatte Ähnlichkeit mit einer öffentlichen Schlachtung. Der aus Serbien stammende Lokalmatador Enad Licina (24 Kämpfe, 21 Siege, 11 durch KO, 3 Niederlagen) hatte gegen den Russen Alexander Alekseev (24 Kämpfe, 22 Siege, 20 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) nicht die geringste Chance. Licina, hinter seiner Doppeldeckung agierend, war einfach zu statisch, um Alekseev in Gefahr zu bringen. Vielmehr kassierte er Treffer um Treffer. Die Verkündung des einstimmigen Punktsieges war reine Formsache. Licina muss sich jetzt fragen, welche boxerischen Ziele er noch erreichen kann, nachdem er eine Niederlage in einem WM-Kampf, am 12.02.2011 gegen Cunningham, und nun in einem EM-Kampf einstecken musste.
Den letzten Kampf des Abend bestritten Michael Simms (40 Kämpfe, 22 Siege, 14 durch KO, 16 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden) aus den USA und Mateusz Masternak (24 Kämpfe, 24 Siege, 18 durch KO) aus Polen. Der als KO-Sensation angekündigte Masternak hatte mit dem Überlebenskünstler Simms, ganz klar seine Schwierigkeiten. Er sah gegen den Routinier regelrecht durchschnittlich aus. Dass der Kampf in der vierten Runde abgebrochen wurde, hat er nicht seiner Schlaghärte zu verdanken, sondern lediglich einer engen Regelauslegung durch den Ringrichter Gerhard Sigl. Masternak hatte Simms an den Seilen gestellt und mit einem Schlaghagel eingedeckt, der aber nur die Deckung traf. Der Ringrichter brach den Kampf ab, weil Simms auf die Schläge nicht mit einer eigenen Aktion geantwortet hatte. Ich persönlich hätte dem Kampf noch gerne etwas länger zugesehen.
Sauerland Event hat eine wirklich gute Veranstaltung auf die Beine gestellt. Es gab interessante und spannende Paarungen und sogar einen richtig phantastischen Kampf zu sehen. Was will man mehr? ! – Nun, vielleicht noch einen schönen KO in einem der Hauptkämpfe. Aber als Veranstalter kann man hoffentlich eben doch nicht alles planen.
© Uwe Betker