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Posts Tagged ‘Stjepan Bozic

Arthur Abraham und die Ranglisten

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Arthur Abraham (35 Kämpfe, 32 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen) verlor drei seiner letzten vier Kämpfen. Alle diese Niederlagen musste er im Rahmen der Super Six Turniers (Andre Dirrell, Carl Froch und Andre Ward) hinnehmen. Und sein Sieg über einen Herrn namens Stjepan Bozic ist keiner, der zu seinen großen zählt. Trotz der Niederlagen ist er jedoch immer noch bei dem Weltverbänden WBA auf Platz 3 und bei der WBO sogar auf Platz 1.
Wie kann jemand mit drei Niederlagen aus vier Kämpfen auf Platz 1 in einer Rangliste stehen? Wie kann jemand, der in nahezu zwei Jahre keinen einzigen Sieg von Bedeutung zu verbuchen hat, so weit oben stehen? Offensichtlich wollen die privaten Vereine oder Firmen, die sich Weltverbände nennen, so schnell wie möglich einen für sie lukrativen WM-Kampf mir Abraham ermöglichen. Dabei scheinen sie so etwas wie Schamgefühl nicht zu kennen.
Wenn man schon einen WM-Kampf mit Abraham möchte, kann man dann nicht zumindest die Form wahren und ihn zuerst gegen einen einigermaßen guten Gegner boxen lassen und ihm dann einen Ausscheidungskampf zugestehen?
© Uwe Betker

Mülheimer Nachlese (2)

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5. Kampf im Mittelgewicht über 8 Runden: Joe Rea (Großbritannien) vs. Dominik Britsch (Deutschland): Sieger Britsch (einstimmig) nach Punkten
Dominik Britsch (jetzt 21 Kämpfe, 21 Siege, 7 durch KO) hat mich richtig beeindruckt. Sein Gegner, der Nordire Joe Rea (jetzt 11 Kämpfe, 7 Siege, 4 durch KO, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden), war ein sehr zäher Gegner, der sich wirklich bemühte, es ihm schwer zu machen. In diesem Kampf zeigte sich dann, warum sein Trainer Ulli Wegner so große Stücke auf Britsch hält. Besonders gefallen hat mir, wie er zum Körper arbeitet. Seine Körperhaken waren wirklich sehr sehenswert.
6. Kampf im Cruisergewicht über 12 Runden, IBF-Weltmeisterschaft: Steve Cunningham (USA) vs. Enad Licina (Deutschland): Sieger Cunningham (einstimmig) nach Punkten
Das Aufeinandertreffen von Steve Cunningham (jetzt 25 Kämpfe, 23 Siege, 12 durch KO, 2 Niederlagen) und Enad Licina (jetzt 21 Kämpfe, 19 Siege, 10 durch KO, 2 Niederlagen) hielt das, was ich von ihm erwartet hatte. Cunningham zeigte seine unglaublich elegante und effektive Deckungsarbeit. Dies minimalistische Anheben der Schulter, mit dem er Schläge abwehrt, ist einfach großartig. Auch sonst zeigte er sich als Minimalist. Die ganze Zeit über war er stets nur ein bisschen besser als sein Gegner. Bei der Pressekonferenz nach der Veranstaltung erklärte er, er sei in der Woche vor dem Kampf drei Tage lang krank gewesen. Ein grippaler Infekt hat ich geschwächt und er spürte ein Brennen in der Lunge, auch während des Kampfes. Aber auch Licina zeigte eine so starke Leistung, dass man von ihm noch einiges erwarten kann. Wenn Cunningham einen richtigen Punch hätte, den er aber leider nicht hat, wäre er wohl der Megastar des Boxens. Aber es war trotzdem ein Genuss, ihn boxen zu sehen.
7. Kampf im Cruisergewicht über 12 Runden, WBA-Interims-Weltmeisterschaft: Steve Herelius (Frankreich) vs. Yoan Pablo Hernandez (Kuba): Sieger Hernandez durch KO in der siebten Runde
Jeder hat gesehen, wie Herelius (jetzt 24 Kämpfe, 21 Siege, 12 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO, I Unentschieden) den Hinterausgang suchte. Interessant fand ich, dass Hernandez (jetzt 25 Kämpfe, 24 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) mit dem ihm von Ulli Wegner antrainierten Boxstil Erfolg hatte. Zwar hatte ich zwischendurch schon auch das Gefühl, dass es dem Boxstil von Hernandez nicht so gut getan hat, das Kubanische ausgetrieben zu bekommen. Aber wen kümmern Stilfragen. Er ist immerhin so Weltmeister geworden. Da muss ich meine Meinung wohl revidieren. Beeindruckt hat mich schließlich, wie Hernandez – sehr unkubanisch – abwartete, sich Zeit ließ, als offensichtlich wurde, dass Herelius reif für den KO war.
8. Kampf im Super-Mittelgewicht über 10 Runden: Stjepan Bozic (Kroatien) vs. Arthur Abraham (Deutschland): Sieger Abraham durch technischen KO in der zweiten Runde
Der Kampf selber brachte wohl keinen Erkenntnisgewinn. Bemerkenswert fand ich, dass sich in der Pressekonferenz ein Kommunikationsproblem bemerkbar machte. Abraham (jetzt 34 Kämpfe, 32 Siege, 26 durch KO, 2 Niederlagen) sprach davon, dass er mit diesem Kampf das Ringgefühl hätte wiederbekommen wollen. Wegner widersprach ihm und sagte, Ringgefühl bekäme man auch im Training. Es sei vielmehr in diesem Kampf darum gegangen zu beweisen, wie gut sie trainieren würden.
© Uwe Betker

Den besten Kampf zeigt die ARD nicht

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Erst kürzlich habe ich noch geschrieben, dass die Veranstaltung am 12.02.2011 in Mühlheim an der Ruhr eine schöne Abwechslung zu dem üblichen Eventeinerlei zu werden verspricht. Nun fürchte ich, im Fernsehen wird das aber leider nicht so ganz nachvollziehbar sein. Aus unerfindlichen Gründen scheint nämlich die ARD den besten Kampf der Veranstaltung überhaupt nicht zeigen zu wollen.
Wie bekannt, versucht Sauerland Event, den einst so unwiderstehlichen Arthur Abraham (33 Kämpfe, 31 Siege, 25 durch KO, 2 Niederlagen) nach zwei Niederlagen in Folge wieder aufzubauen. Dabei wird er vor eine recht schwere aber lösbare Aufgabe gestellt. Diese Aufgabe heißt Stjepan Bozic (28 Kämpfe, 24 Siege, 15 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO) und kommt aus Kroatien. Die Nummer 39 der unabhängigen Weltrangliste dürfte Abraham fordern, aber nicht überfordern. Der vorprogrammierte Sieg dürfte Abraham Selbstvertrauen geben. Abraham gegen Bozic verspricht ein interessanter Kampf zu werden, aber er bezieht seinen Reiz nur aus der Person Abrahams und aus dessen Standortbestimmung.
Sehr viel interessanter verspricht der Versuch von Yoan Pablo Hernandez (24 Kämpfe, 23 Siege, 12 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO), Interims Weltmeister der WBA im Cruisergewicht gegen Steve Herelius (23 Kämpfe, 21 Siege, 12 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden) zu werden. Bei diesem Kampf steht der Sieger jedenfalls vorher noch nicht fest. Dementsprechend ist er auch sportlich sehr viel höher anzusiedeln als der Abraham-Auftritt.
Der Höhepunkt des Abend dürfte allerdings das Aufeinandertreffen von IBF-Weltmeister Steve Cunningham (25 Kämpfe, 23 Siege, 12 durch KO, 2 Niederlagen) und Enad Licina (21 Kämpfe, 19 Siege, 10 durch KO, 2 Niederlagen) sein. Cunningham gilt zurzeit als der beste Cruisergewichtler der Welt. Und hier trifft er auf die Nummer 15 der Welt, auf Licina. Und genau diesen Kampf will die ARD nun nicht zeigen, jedenfalls nicht live. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Es zeugt aber nicht gerade von Sachverstand, wenn man den Zuschauern den besten Kampf des Abends vorenthält.
Was mich dabei, gerade auf dem Hintergrund der letzten WM im Cruisergewicht von Sauerland Event, auch noch etwas beunruhigt, ist die Tatsache, dass Cunningham die Rote Ecke zugeteilt worden ist. Alle Boxer von Sauerland kommen aber aus der blauen Ecke. Der amtierende Weltmeister bekommt also in dem stallinternen Duell Cunningham gegen Licina die Ecke des Gegners zugewiesen und der Herausforderer die des Heimboxers. Damit will Sauerland Event wohl sagen: zwar ist Cunningham bei uns unter Vertrag, aber lieber würden wir Licina als Weltmeister sehen. Solche Signale verstehen Punktrichter meist sehr gut. Ich hoffe aber trotzdem aufrichtig, dass objektiv gepunktet wird.
Mag wohl sein, dass wir mit der ARD in der ersten Reihe sitzen, den vermutlich besten Kampf des Abends werden wir von da aber voraussichtlich nicht zu sehen kriegen. Dafür muss man schon nach Mühlheim fahren.
© Uwe Betker