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Foto: Selim Sarialioglu vs. Suleyman Dag

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(C) Uwe Betker

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17. Februar 2018 at 23:59

Mindener Nächte sind lang

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In Minden stellte am 03.02.2018 Christoph Gresfoerder (Flügelmann Sportspromotion) eine schöne, aber sehr lange Veranstaltung auf die Beine. In der ziemlich gut gefüllten Kampa Halle gab es insgesamt 16 Kämpfe zu sehen, wovon sieben nach den K1 Regeln geführt wurden. Der Rest waren Profiboxkämpfe, wobei hier ein Schwergewichtsturnier à la „Bigger, Better“ enthalten war.
Es begann mit einem Profiboxkampf über 6 Runden zwischen Shokran Parwani (10 Kämpfe, 9 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) gegen Vojtech Koncitik (9 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO; 6 Niederlagen, 5 durch KO). Der Rechtsausleger Parwani bestimmte den Kampf. Er boxte lang und überlegen. In der Mitte der ersten Runde stellte er seinen Gegner an den Seilen und deckte ihn ein. Nach einem rechten Haken zur Schläfe musste der dann auch runter und wurde vom umsichtig agierenden GBA Ringrichter Cornelius Bernds angezählt. Koncitik kam zwar wieder hoch, musste aber bereits nach der nächsten Kombination erneut zu Boden. Bernds zählte den stehenden, aber nicht mehr kampffähigen Koncitik aus. Sieger durch KO in Runde 1, nach 2:35 Minuten: Shokran Parwani.

Es folgte ein Achtrunder im Super Weltergewicht zwischen Yaser Yüksel (6 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO) und Ziya Gökalp (16 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 15 Niederlagen, 11 durch KO). Beide Boxer begannen verhalten. Es gab nur wenige Aktionen und nur selten fand eine einzelne Hand ihr Ziel. Die zweite Runde war etwas munterer, wobei der Kampf von beider guten Technik und gutem Auge gekennzeichnet war. Viele Aktionen wurden, noch bevor sie stattfanden, vom Gegner schon vorhergesehen. Mitte des dritten Durchgangs fing Yüksel Gökalp mit einer Rechten zum Kopf ab, die diesen leicht einknicken ließ. Danach spielte Yüksel nur noch mit seinem Gegner. Die nächste Runde begann Gökalp ungestüm, aber nach kurzer Zeit besannen beide sich wieder auf gutes technisches Boxen. In der fünften Runde gab es wieder mehr Aktionen. In der sechsten Runde versuchte Gökalp mit Schwingern zum Ziel zu kommen, die allerdings nicht ihr Ziel trafen. In der siebten Runde machte Yüksel mehr Druck und Gökalp baute konditionell ab. Gökalp versuchte dann noch, durch einen Auslagenwechsel seinen Gegner zu irritieren; das funktionierte jedoch nicht. Er nahm mehr und mehr Schläge. Auf einen Ruf aus dem Publikum „Boxe!“ erwiderte er: „Keine Luft“: Zum Pausengong brachte er noch einen Schwinger, wobei er von seinem eigenen Schwung zu Boden ging. In der achten Runde blieb Yüksel am Mann dran und suchte den KO, der aber nicht kam. Punktsieger (78:74): Yaser Yüksel.

Im Halbschwergewicht traf Armenak Havhannisyan (3 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO) auf Emin Karimli, der sein Profidebüt gab. Es war ein ausgesprochen munteres Aufeinadertreffen. Beide suchten den Schlagabtausch und fanden ihn auch. Havhannisyan, der bessere und erfahrenere Boxer, hatte es nicht leicht, den unorthodox agierenden und boxenden Karimli zu beherrschen. In der dritten Runde stellte er ihn zwar in einer Ecke und kam mit einer Rechten gut durch, die Karimli auch erschütterte, aber er schaffte es nicht, ihn zu finishen. Ich muss gestehen, mein Herz schlug für den Außenseiter und ich war froh, als er den Schlussgong erreichte. Sieger nach Punkten (40:36): Armenak Havhannisyan.

Im Anschluss startete die erste Runde des Schwergewichtsboxturniers. Als erstes traf der Debütant Frederik Kretschmer auf Muhammed Ali Durmaz (37 Kämpfe, 10 Siege, 9 durch KO, 26 Niederlagen, 23 durch KO). Der Rechtsausleger Kretschmer übernahm weitestgehend das Kommando im Ring. Er trieb Durmaz vor sich her und versuchte es mit Rechts-Links-Kombinationen. Durmaz beschränkte sich eher auf Konter und war damit zu passiv, um nur eine Runde gewinnen zu können. Ende der vierten Runde wurde er sogar von Ringrichter Kazim Kurnaz, der sonst nichts zu tun hatte, angezählt. Er war in seiner eigenen Ecke gestellt worden und musste nach einer längeren Kombination auf die Bretter. Sieger nach Punkten (40:35): Frederik Kretschmer.

Ebenfalls im Schwergewicht traf Vincenzo Anzalone (2 Kämpfe, 2 Niederlagen) auf den Debütanten Arnold Kasongo. Kasongo bestimmte die erste Runde. Mit seiner Linken hielt er sich seinen kleineren Gegner vom Hals und bereitete seine Rechte vor, die auch immer wieder ihr Ziel fand. In der zweiten Runde setzte er seine Linke weniger ein, wodurch Anzalone an ihm herkam und ihn seinerseits mit Schwingern eindeckte. Die dritte Runde gestaltete sich als recht muntere und unterhaltsame Keilerei. Am Ende der Runde wackelte Anzalone sichtlich, aber zu Boden ging er nicht. In der letzten Runde waren beide Boxer mit ihrer Kraft am Ende, sie konnten nicht mehr Aber für ein Tänzchen von Anzalone und die Andeutung eines Bolapunchs von Kasongo und einen gemeinsamen Tanz reichte es dann doch noch. Punksieger (40:36): Arnold Kasongo.
Damit standen die Teilnehmer des Turnierfinales fest: Frederik Kretschmer und Arnold Kasongo.

Hiernach traf der Jubilar Suleyman Dag (100 Kämpfe, 10 Siege, 5 durch KO; 90 Niederlagen, 62 durch KO) im Halbschwergewicht auf Selim Sarialioglu (16 Kämpfe, 7 Siege, 7 durch KO, 9 Niederlagen, 9 durch KO). Dag bestritt seinen einhundertsten Profiboxkampf, in dem er dann auch genau das machte, was er immer machte: Er versuchte zu überleben, seinen Gegner mit unerwarteten Aktionen zu ärgern und möglichst wenig abzubekommen. Sarialioglu seinerseits versuchte Dag KO zu hauen. In der dritten Runde stellte er Dag in seiner Ecke und kam mit zwei Volltreffern durch. Cornelius Bernds zählte Dag an. Kurze Zeit später wiederholte sich die Szene an gleicher Stelle, nur mit dem Unterschied, dass Dag mehr nehmen musste. Bernds ging dazwischen und brach den Kampf ab. Sieger durch TKO in Runde 3, nach 2:10 Minuten; Selim Sarialioglu .

Im Mittelgewicht boxten Oleg Harder (3 Kämpfe, 1 Sieg, 2 Niederlagen, 1 durch KO) und Dogan Kurnaz (16 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO, 13 Niederlagen, 12 durch KO) gegeneinander. Harder versuchte Kurnaz zu stellen und ihn KO zu schlagen. Kurnaz versuchte Harders Kampf kaputt zu machen, indem er um ihn herum tanzte und mit schnellen Händen ärgerte. In der dritten Runde bekam Kurnaz leichte Konditionsprobleme, wodurch er häufiger gestellt wurde und mehr kassierte. Anfang der vierten Runde wurde Kurnaz von Ringrichter Bernds angezählt. Ein Ausrutscher mit gleichzeitigem Schlag hatte ihn zu Boden gebracht. Hierdurch wurde die Runde sehr munter, weil Kurnaz mehr machte. Zur fünften Runde trat er dann nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 5: Oleg Harder.
Ebenfalls im Mittelgewicht trafen Besir Ay (8 Kämpfe, 7 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage) und Recepagy Emir, ein Debütant, für einen Vierrunder aufeinander. Ay dominierte den Kampf. Er nutzte seinen Reichweitenvorteil und verteilte gut. Mehrfach stellte er Emir, der seine liebe Müh und Not hatte zu überleben. In der zweiten Runde konnte Emir dann auch manchmal kontern. In der dritten und vierten Runde wurde Ay wieder stärker und Emir musste viele Treffer nehmen. Punktsieger (40:36): Besir Ay.

Den Abschlusskampf bei den Profis, der schließlich am Sonntag um 01:45 Uhr begann, bildete das Turnierfinale im Schwergewicht zwischen Frederik Kretschmer und Arnold Kasongo. Kretschmer kam schneller in den Kampf. Obwohl kleiner, nutzte er seine Schnelligkeit, um in der Halbdistanz zu explodieren. Obwohl Kasongo in der zweiten Hälfte besser boxte, machte er aber doch mit seiner Linken zu wenig. Die zweite Runde war ausgeglichen, wobei Kretschmer am Ende der Runde Probleme hatte. Der dritte und vierte Durchgang gehörten dann wieder Kretschmer. Kasongo machte zu wenig. Punktsieger (37:39): Frederik Kretschmer.

Die Zutaten für eine richtig gute Kampfsportveranstaltung sind gefunden: muntere KI-Kämpfe, unterhaltsame Profiboxkämpfe und ein Profiboxturnier, eventuell im Schwergewicht. Die Kampa Halle ist schön. Man kann nur hoffen, dass Flügelmann Sportspromotion weiter Profiboxkämpfe zeigt. Ich würde mir nur wünschen, beim nächsten Mal 02:00 Uhr morgens aus der Halle zu kommen.
Die Veranstaltung ist über die Facebook-Seite von Boxwelt als Lifestream übertragen worden. Obwohl hierfür keine Werbung gemacht wurde, gab es immerhin 22.200 Aufrufe in der Summe: Dabei gab es die Konkurrenz von mehreren andern Boxveranstaltungen, die im Fernsehen gezeigt wurden.
(C) Uwe Betker

Vorweihnachtliches Boxen in Düren

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Kurz vor Weihnachten, am 16.12.2017, war es die Rurtalhalle in Lendersdorf/Düren, wo man als Freund des gepflegten Kampfsports gewesen sein sollte. Baktash Saidi hatte eine schöne Veranstaltung auf die Beine gestellt. Es gab insgesamt 21 Kämpfe zu sehen, 8 K1-Kämpfe, 10 Amateurboxkämpfe und 3 Profiboxkämpfe. Den Anfang machten zwei K1-Kämpfer, die beide nur knapp die Höhe des zweiten Seils erreichten. Einer von diesen beiden war der Sohn des Veranstalters. Nach drei mal einer Minute gab es ein gerechtes Unentschieden.

Den Anfang bei den Boxprofis machten im Super Mittelgewicht Alpay Yaman und Mesud Guenay (6 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO) mit einem Vierrunder. Yaman schob sich, hinter einer Doppeldeckung verschanzt, heran und versuchte zu explodieren. Guenay, ein Schützling von Yusuf Kanguel
versuchte, dagegen seinen Reichweitenvorteil auszuspielen und sich seinen Gegner durch lange Hände und schnelle Beine vom Hals zu halten. Das machte er auch ziemlich gut. Yaman kam nur ganz selten mit seinem Jab durch. In der zweiten Runde erhöhte er dann den Druck. Es kam so auch zu mehr Schlagabtäuschen und Yaman kam nun auch mehrfach schön zum Kopf durch. In der dritten Runde ließ der Druck von Yaman wieder etwas nach, wodurch Guenay wieder besser mit seinen langen Händen punkten konnte. In der vierten Runde suchte Guenay den KO, den er allerdings nicht erreichte. Für meinen Geschmack ging er viel zu wenig zum Körper. Der GBA Ring- und Punktrichter Kazim Kurnaz wertete 40:37. „Einstimmiger“ Punktsieger: Alpay Yaman. – Ich haber den Kampf eher als Unentschieden gesehen.
Anschließend stiegen ebenfalls im Super Mittelgewicht Timo Rost (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Mohamed Boulahya (8 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 6 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) für einen Sechsrunder in den Ring. Die erste Runde, wie auch alle folgenden Runden, wurde extrem schnell und hart geführt. Boulahya machte Druck und versuchte Wirkungstreffer ins Ziel zu bringen. Rost war schnell auf den Beinen und ließ ihn oft in Leere laufen. Es gab nur wenige Treffer. In der zweiten Runde übernahm Rost das Kommando im Ring. Er bestimmte das Kampfgeschehen. Am Ende der Runde stellte er Boulahya in dessen Ecke und kam mit drei harten rechten Kopfhaken durch. In der dritten Runde gab es mehr harte Schlagabtäusche. In der folgenden vierten Runde nahm Rost, der Mann von Trainer Rüdiger May, die Jagd auf. Nach ca. einer Minute sah es so aus, als würde Boulahya nach einer Kombination zum Kopf einknicken und am Ende der Runde wurde ihm ein Punkt wegen Haltens abgezogen. In der fünften Runde tanzte Timo um Boulahya und punktete immer wieder mit Kontern. In der sechsten Runde wurde der Kampf etwas ruppig. Beide suchten den KO. Die Punktwertung: 57:56. Sieger nach Punkten Timo Rost.
Den letzten Kampf des Abends bestritt der Veranstalter Baktash Saidi (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) selbst. Er boxte im Super Weltergewicht gegen Suleyman Dag (99 Kämpfe, 10 Siege, 5 durch KO, 89 Niederlagen, 61 durch KO), der ganz kurzfristig für den erkrankten Ersatzgegner eingesprungen war. Dag versuchte zu kreisen und zum Körper zu gehen. Baktash wartete zunächst ab, um dann zum Körper zu gehen. Er spielte mit Dag. In der zweiten Runde machte Saidi mehr Druck. Er ging mehr zum Körper und bewegte sich schneller. In der dritten Runde kam dann das erwartete Ende. Dag musste erst nach einer Linken zum Körper und dann nach einer rechten Graden zum Solarplexus zu Boden. Das Handtuch beendete dann den Kampf. Sieger durch TKO in Runde 3, nach 1:57 Minuten: Baktash Saidi.
Die Rurtalhalle in Lendersdorf/Düren war Austragungsort für eine kleine und schöne vorweihnachtliche Kampfsportveranstaltung. Es gab keine Geschenke, dafür aber Schläge. Dem Publikum gefiel es und am Ende wurden auch keine Weihnachtslieder gesungen.
(C) Uwe Betker

Foto: Yusuf Kanguel vs. Suleyman Dag

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Yusuf Kanguel vs. Suleyman Dag (4)
(C) Uwe Betker

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19. Januar 2016 at 23:59

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Foto: Yusuf Kanguel vs. Suleyman Dag

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Yusuf Kanguel vs. Suleyman Dag (2)
(C) Uwe Betker

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29. Dezember 2015 at 23:59

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Foto: Yusuf Kanguel vs. Suleyman Dag

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Yusuf Kanguel vs. Suleyman Dag
(C) Uwe Betker

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9. Dezember 2015 at 23:59

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Von Profiboxern, boxenden Rappern und prügelnden Zuschauern

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Ein neuer Veranstalter, FFM Box Promotion, sorgte mit seinem innovativen Konzept, Profiboxen, Promiboxen und Showacts zu verbinden, genannt „Boxentertainment“, für großes Medieninteresse, schon bevor der erste Gong ertönte. Die BILD Zeitung, RTL, SAT 1 und andere berichteten, was die Konkurrenz zu beunruhigen schien. Ein Mitbewerber hatte offenbar sogar das Gerücht gestreut, Promoter Nikolas Weinhart hätte die Angewohnheit, die Boxer bei seinen Veranstaltungen nicht zu bezahlen. Der Konkurrent hat dabei aber im Eifer des Gefechtes gegen einen neuen vermeintlichen Feind, übersehen, dass Weinhart noch gar keine Show veranstaltet hat.
Obwohl das Medienecho groß war, wobei das Promiboxen und die Showacts den größten Teil der Aufmerksamkeit auf sich zogen, lief die Vorbereitung der ersten Show jedoch unrund. Zuerst war sie für den 03.05.2014 in der International Sport Arena in Kaarst, bei Düsseldorf angesetzt. Dann sollte die Veranstaltung in einem größeren und edleren Rahmen stattfinden. Das Zoo Palais in Frankfurt/Main sollte am 26.07.2014 Austragungsort sein. Dabei spielte wohl auch eine Rolle, dass man meinte, ein Frankfurter Boxstall sollte seine erste Veranstaltung auch in Frankfurt machen. Dann gab es irgendwelche nicht näher benannten Schwierigkeiten und FFM zog kurzerhand zurück in die ISA in Kaarst. Die International Sport Arena ist nun allerdings keine richtige Halle, sondern ein Hotel mit angeschlossenen Indoorfußballplätzen und kleiner Tribüne.
Den erneuten Umzug wollte Boris Estenfelder (4 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO) dann auch nicht mitmachen. Der ungeschlagene Schwergewichtler sollte den Hauptkampf bestreiten. Er sollte eigentlich nach einer über zweieinhalbjährigen Pause seiner Karriere noch einmal Schwung geben und gegen die Ringlegende Danny Williams (68 Kämpfe, 46 Siege, 35 durch KO, 22 Niederlagen, 11 durch KO) antreten. Der „Brixton Bomber“ Danny Williams schickte immerhin am 30.07. 2004 Mike Tyson durch einen KO in der 4. Runde praktisch in Rente. Später boxte er gegen Vitali Klitschko, Audley Harrison, Matt Skelton, Albert Sosnowski, Dereck Chisora, Manuel Charr, Alfred Cole, Christian Hammer, Denis Bakhtov, Oleg Maskaev und andere.
Eigentlich sollte der Abschiedskampf von Williams ein Tribut an den großen Schwergewichtler werden, aber der Kampf fiel leider aus. Die Veranstaltung war, laut Durchsage am Ring bis auf den letzten Platz ausverkauft. Die Halle, die sehr schwülwarm war, ist nun relativ klein und fasst wohl nur ein paar hundert Zuschauer. Die Veranstaltung, welche 8 Profikämpfe und 2 Promiboxkämpfe umfassen sollte, wurde zum Teil im Internet von einer Verkaufsplattform übertragen. Das hatte zur Folge, wie auch bei TV Übertragungen, dass sich der Ablauf in der Halle nach den Plänen und Bedürfnissen des Senders zu richten hatte.
Bevor es richtig los ging, kam der Rapper Sinan G in den Ring und erklärte dem Publikum, dass die für ihn geplanten Gegner gekniffen hätten. Millionen Mike, der eigentlich gegen Francois Botha hätte boxen sollen, saß auch am Ring. Er konnte nicht boxen, weil irgendjemand ihm in den Fuß geschossen hatte. Bevor es dann losgehen konnte, die Boxer für den ersten Kampf standen schon im Ring, mussten sich dann aber alle in der Halle erst noch mal in Geduld üben. Ringrichter, Punktrichter, Supervisor, Zeitnehmer und Ringarzt waren nicht auf ihren Plätzen. Ca. 15 Minuten standen die Boxer im Ring herum und warteten auf die Offiziellen.
Den ersten Kampf des Abend bestritten Granit Shala (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) und ein gewisser Mohammad Hassan Ibrahim im Super Weltergewicht. Was Herr Ibrahim – übrigens ein Boxer Suleyman Dags – zeigte, war eine Karikatur des Boxens. Kleine Anmerkung: Am morgen hatte ich noch dem Sparring von Hobbyboxerinnen zugesehen. Und ich kann nur sagen, alle diese Hobbyboxerinnen hätten diesen Herrn Ibrahim vermöbelt oder ausgeboxt. Granit Shala schlug zum Körper und der Möchtegernboxer drehte sich unter Schmerzen ab. Das wiederholte sich noch einmal und der Mann, der nicht Boxen kann, ging zu Boden. Shala war zu Recht empört über dieses unwürdige Schauspiel seines Gegners. Immerhin stellte sich der Mann, der hoffentlich nie wieder in ein Ring steigt, noch einmal zum Kampf – oder was er dafür gehalten haben mochte. Wenige Sekunden später gab er den sterbenden Schwan und ließ sich auszählen. KO 1 nach 1:27 Minuten.
Granit Shala erklärte dann, dass der eigentlich geplante Promiboxkampf, den er gegen den türkischen Schauspieler Dogan Akkaya ausfechten sollte, nach dem Hauptkampf stattfinden würde, weil er keine zwei Kämpfe hintereinander machen wollte, zumal er vor dem Kampf lange hatte warten müssen. Diese Ankündigung kam etwas seltsam rüber, da Akkaya schon mit Handschuhen und im Kampfdress im Ring stand.
Im zweiten Kampf traf dann Samy Raid Musa (6 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO) im Halbschwergewicht auf einen gewissen Herrn Erhan Kalli, der sein Profidebüt gab. Kalli, auch ein Boxer von Suleyman Dag, war ein wenig besser als sein Kollege. Musa bestimmte den Kampf mit seiner guten Führhand. Dem Jab hatte Kalli nichts entgegenzusetzen. Gleichwohl war er relativ mutig und versuchte immerhin das objektiv Unmögliche. Er bemühte sich sogar, selber Treffer zu setzen. Bald musste er aber nach einer Links-Rechts-Kombination zu Boden. Dag warf das Handtuch – TKO 1 nach 2:40 Minuten. – Für mich ist es ja immer wieder eins der ungeklärten Mysterien des deutschen Boxens, woher Suleyman Dag nur immer wieder die Männer holt, die sich in den Ring stellen, um sich für wenige Minuten verprügeln zu lassen.
Der folgende Kampf entschädigte dann aber für die beiden vorangegangenen. Im Halbschwergewicht trafen Badien Hasso (4 Kämpfe, 4 Siege, 1 durch KO) und Artur Waiz (2 Kämpfe, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) aufeinander. Der Kampf dieser beiden war hart umkämpft. Hasso versuchte mit Kraft und mit Schwingern zum Erfolg zu kommen. Er setzte Waiz ununterbrochen und mit zunehmender Kampfdauer auch immer stärker unter Druck. Waiz hielt seine Deckung geschlossen und beschränkte sich auf Konter, hoffend, dass Hasso zum Ende hin die Luft ausgehen möge. In der dritten und vierten Runde konnte Hasso dann auch tatsächlich das Tempo nicht halten, dafür verlegte er sich aufs Boxen. Hierdurch traf er dann auch häufiger als in den Runden davor. Bemerkenswert ist die kämpferische Leistung von Waiz, der zu keinem Zeitpunkt aufsteckte. Am Ende der vier Runden stand ein eindeutiger Punktsieg für Hasso (40:36). Hasso widmete diesen Sieg seinem verstorbenen ersten Trainer. Eigentlich wollte ich den Namen, den ich nicht verstanden hatte, noch erfragen, aber aufgrund der folgenden Ereignisse, die noch zu schildern sind, habe ich das ganz aus den Augen verloren.
Im nächsten Kampf trafen im Cruisergewicht Marcel Gottschalk (21 Kämpfe, 12 Siege, 9 durch KO, 7 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden) und Sead Karhovic, der sein Profidebüt gab, aufeinander. Der Kampf begann spektakulär. Karhovic deckte Gottschalk mit einem Schlaghagel ein und kam damit durch. Gottschalk schien überrascht und auch beeindruckt. Gottschalk versuchte im Gegenzug dann seinerseits Karhovic unter Druck zu setzen, was ihm aber nur bedingt gelang. Immer wenn Karhovic durchkam, schien er dann doch beeindruckt zu sein. In der zweiten Runde kam Karhovic noch aggressiver als in der ersten. Er ging immer wieder mit dem Kopf zuerst in den Mann. Der an diesem Abend großartig agierende Ringrichter Thomas Hackenberg bestrafte dies mit einem Punktabzug. Kurz darauf clinchten Karhovic und Gottschalk und Karhovic versuchte, Gottschalk mit dem Kopf zu stoßen. Hackenberger ging sofort wieder dazwischen und Karhovic verlor die Kontrolle über sich. Er brüllte „nein, nein“ und war außer Rand und Band, worauf Hakenberger ihn disqualifizierte (1:40 Minuten). Daraufhin versuchte er, noch im Ring Gottschalk anzugreifen. Später entschuldigte er sich aber bei Ringrichter und Gegner.
Vor dem 5. Kampf sang der Sänger Nitro die offizielle FFM Box Promotion Hymne. Dann kam der einzige Frauenboxkampf des Abends. Die amtierende Miss Schleswig Holstein Alicia Melina Kummer gab im Weltergewicht ihr Profidebüt. Sie boxte gegen Helena Tosnerova (4 Kämpfe 4 Niederlagen, 4 durch KO). Der Kampf war auch schon zu Ende, bevor er richtig angefangen hatte. Kaum bekam Tosnerova einen Schlag ab, ging sie sofort zu Boden. Nach 32 Sekunden war alles zu Ende. Tosnerova hat im übrigen noch in keinem ihrer vier Kämpfe den Schlussgong zur ersten Runde erreicht.
Hiernach traten die beiden Rapper Toony und OJ Kingping gegeneinander an. Der Promiboxkampf über drei mal zwei Minuten wurde Unentschieden gewertet, wobei ich persönlich ja OJ Kingping den Sieg zugesprochen hätte. Die beiden Rapper schenkten sich nichts und keilten zur Freude ihrer Fans heftig aufeinander ein. Ihr Kampf war definitiv unterhaltsam und kurzweilig. Und ihre Fans hatten großen Spaß daran.
Die Gruppe Spanish Musil Mafia trat noch auf, bevor schließlich einer der Tiefpunkte des deutschen Boxens erreicht wurde. Birkan Akyol (bis zu diesem Kampf: 3 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO) und Sascha Brinkmann (bis zu diesem Kampf: 1 Kampf, 1 Niederlage) traten gegeneinander im Schwergewicht an. Die ersten Sekunden gehörten Brinkmann. Er kam durch und Akyol schien beeindruckt. Er fing sich aber schnell wieder und deckte Brinkmann mit harten Schlägen ein. Nach ungefähr der Hälfte der Runde, roch es nach einem KO Sieg für Akyol. Er trieb Brinkmann vor sich her und stellte ihn an den Seilen, wo er ihn mehrfach hart am Kopf traf. Brinkmann war sichtlich angeschlagen. Er schaffte es jedoch, Akyol von sich zu schieben und ihm einen Schlagabtausch aufzuzwingen. Beide schlugen praktisch ohne Deckung aufeinander ein, wobei das Glück auf Seiten von Brinkmann war. Er traf mehrfach. Akyol torkelte. Er war schwer angeschlagen. Brinkmann setzte nach und schubste ihn zu Boden. Ringrichter Hackenberger machte das einzig Richtige und Regelkonforme, indem er das zu Bodengehen nicht als Niederschlag wertete. Hierauf erregte sich die Ecke von Brinkmann, beschimpfte den Ringrichter und warf das Handtuch (2:13 Minuten).
Dann geriet die Situation komplett außer Kontrolle. Ein Mitglied der Ecke von Brinkmann, sein Co-Trainer (?), führte einen Disput mit den Freunden und Unterstützern von Birkan Akyol. Diese fühlten sich provoziert. Ungefähr 20 bis 30 stürmten daraufhin los und versuchten, ihn und Brinkmann zumindest zu verprügeln. Es flogen Stühle. Die Fans von Birkan Akyol schubsten, prügelten und traten alles, was zwischen sich ihnen und den beiden von ihnen gesuchten Personen befand, aus dem Weg, auch Frauen und Kinder. Dabei wurde eine ganze Reihe von Zuschauern verletzt. Eine Frau, die mehrere Platzwunden im Gesicht und am Kopf erlitten hatte, wurde dann noch von einem der Unterstützer Birkan Akyols über mehrere Stuhlreihen hinweg in die Kulisse der Internetfirma geschmissen. Später hatten die Anhänger von Birkan Akyol Brinkmann gestellt und schlugen mit Stühlen auf ihn ein. So wie ich es gesehen habe, grenzt es schon an ein Wunder, dass Brinkmann das überlebte.
Der Tumult, der wieder und wieder aufflackerte, ebbte dann endlich mit der Zeit ab. Die GBA, der sanktionierende Verband, brach die Veranstaltung ab. Irgendwann kam auch die Polizei und nahm ihre Ermittlungen auf. Weshalb die sich jedoch nicht die während der Tumulte gemachten Fotos und Filmaufnahmen zum Zwecke der Identifizierung der Täter anschaute, weiß ich nun nicht.
Nach ungefähr einer Stunde hatte sich dann die Halle bis auf ganz wenige Zuschauer, zumeist die Fans von Jürgen Doberstein, geleert. Es kam dann auch das Gerücht auf, die Veranstaltung würde weitergehen. Zumindest sollte der Kampf im Super Mittelgewicht zwischen Jürgen Doberstein (18 Kämpfe, 16 Siege, 4 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) und Matingu Kindele (8 Kämpfe, 5 Siege, 1 durch KO, 3 Niederlagen) noch ausgetragen werden. Beide kamen tatsächlich auch und kletterten in den Ring. Dann begann das Warten. Alle noch in der Halle Verbliebenen warteten ganze 45 Minuten lang, Doberstein und Kindele die ganze Zeit im Ring. Dann erklärte der Ringrichter Heinrich Mühmert, jetzt und hier handele es sich um eine geschlossene Gesellschaft und auch die Türen seien abgeschlossen, so dass keiner mehr hereinkommt. Dann begann der Kampf zwischen Doberstein und Kindele.
Alle acht Runden verliefen nach dem gleichen Muster. Kindele besetzte die Ringmitte und versuchte an Doberstein heranzukommen. Dieser kreiste auf sehr schnellen Beinen um seinen Gegner herum. In der ersten Runde punktete Doberstein mit seiner explosiven Führhand. Seine Rechte traf nur selten. Ab der zweiten Runde hatte sich Kindele weitestgehend darauf eingestellt und Doberstein traf seltener. In dieser Runde kam er auch mit einem rechten Wischer zum Kopf durch, der Doberstein einknicken ließ. In der Folgezeit versuchte Kindele seinen Gegner zu stellen. Im dritten Durchgang ging Kindele nach einer Links-Rechts-Kombination zu Boden und wurde angezählt. In den folgenden zwei Runden gab es wenige Treffer. In der fünften Runde kam Kindele dann zweimal mit Rechten zum Kopf durch. Doberstein, ein Fechter mit der Faust, konnte durch Ausweichen den Schlägen die Wirkung nehmen. In den verbleibenden drei Runden verschoben sich immer wieder die Vorteile. Am Ende der acht Runden stand ein Punktsieg (77:75) für Doberstein. Eventuell gibt es im Herbst eine Neuauflage dieses wirklich guten, unterhaltsamen und engen Kampfes. Ein Vorgespräch hat schon stattgefunden.
Die erste Veranstaltung von FFM Box Promotion endete in einem Desaster. Ich persönlich hoffe dennoch, dass der Veranstalter weitermacht. Das Konzept vom „Boxentertainment“ ist gut. Die Fans der boxenden Rapper kamen auf ihre Kosten. Die Showacts kamen an. Es wurde zum Teil gutes Boxen gezeigt. Das ist doch schließlich etwas, auf dem man aufbauen kann.
© Uwe Betker

Written by betker

27. Juli 2014 at 23:59

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