Box-Blog

Posts Tagged ‘Superstar

„Kingsvillage Beatdown“ – ein Anwärter auf den Titel „beste Veranstaltung 2015“

leave a comment »

Das Foyer des Abtei Gymnasiums in Pulheim war am 12.12.2015 Austragungsort einer sehr bemerkenswerten Veranstaltung, die Bihes Barakat auf die Beine gestellt hatte. Der Ring stand, wie gesagt, im Foyer der Schule. Darum herum standen Stühle. Es gab auch noch eine Empore, von der aus man auf den Ring gucken konnte. Der Ort war fürs Boxen gut gewählt. Das ganze nannte sich „Kingsvillage Beatdown“ Es begann mit einer Darbietung der Cheerleader des 1. FC Köln. Überhaupt war die Veranstaltung etwas FC-lastig. Chistoph Daum war Ehrengast und Michael Tripple, der Stadionsprecher des FC, war Kommentator fürs Fernsehen. Im Vorprogramm gab es erst mal vier Kämpfe nach K1 Regeln.
Den ersten richtigen Boxkampf des Abend bestritten dann im Superleichtgewicht Khavazhy Khatsyhau (24 Kämpfe, 12 Siege, 8 durch KO, 12 Niederlagen, 8 durch KO) und Agali Alishov (29 Kämpfe, 21 Siege, 15 durch KO, 6 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden). Khatsyhau, der kompaktere und kleinere Boxer, hatte von Anfang an Schwierigkeiten. Alishov, der Rechtsausleger, versuchte es mit Schwingern, war aber dabei zu hektisch, um für sein Gegenüber gefährlich zu werden. Die zweite Runde war härter. Beide Kontrahenten suchten den Schlagabtausch, wobei aber viele Schläge die Deckung trafen. Am Ende der Runde verletzte sich Khatsyhau den rechten Ellbogen. Er schaffte es noch, die Rundenpause zu erreichen, aber zur dritten Runde trat er nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 3 nach 0:00 Minuten: Agali Alishov.
Im folgenden Kampf gab Branimir Stankovic sein Profidebüt im Weltergewicht. Stankovic, der für die German Eagles in der World Series of Boxing geboxt hatte, traf auf Samir Boukrara (34 Kämpfe, 12 Siege, 2 durch KO, 21 Niederlagen, 8 durch KO, 1 Unentschieden). Um es gleich vorweg zu sagen, Stankovic sah richtig gut aus. Von Nervosität bei seinem Debüt war kaum etwas zu sehen. Er beherrschte auf beeindruckende Art und Weise das Geschehen im Ring. Er boxte variabel auf schnellen Beinen. Immer wieder ging er schön zum Körper. In der zweiten Runde kam er wiederholt mit Kopfhaken durch. In der dritten Runde erhöhte er das Tempo. Er verteilte seine Schläge gut und klug und Boukrara musste viele harte Treffer nehmen. Irgendwann hatte die Ecke von ihm genug gesehen und schütze ihn vor weiteren Schlägen mit dem Wurf des Handtuchs. Sieger durch TKO in Runde 3 nach 1:02 Minuten: Branimir Stankovic. Der Boxer von CSC-Boxpromotion hat da ein wirklich sehr beeindruckendes Profidebüt gegeben.
Danach trafen Badien Hasso (10 Kämpfe, 10 Siege, 4 durch KO) und Dzianis Makar (38, Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO, 31 Niederlagen, 8 durch KO, 2 Unentschieden) im Halbschwergewicht aufeinander. Hasso ist ein Boxer, der sich von Kampf zu Kampf steigert; er lernt und wird besser. Er begann ruhig und verhalten und studierte erst mal seinen Gegner. In der zweiten Runde erhöhte er dann den Druck und boxte systematischer. Zum Ende hin, deckte er ihn mit mehreren harten Kombinationen ein. Makar versuchte zwar gegenzuhalten, bekam aber von Hasso keine Chance. Bei einer der letzten Aktionen verletzte sich Makar am linken Auge. Auf Anraten des Ringarztes trat er zur folgenden Runde dann nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 3 nach 0:00 Minuten: Badien Hasso.
Es folgte ein kleine Pause und ein Showact: Die Pop-Sängerin Almok. Die stimmgewaltige Sängerin ist in Togo ein Superstar. Sie trug zwei Lieder vor.
Im Weltergewicht maßen dann Ilhami Aydemir (8 Kämpfe, 8 Siege, 5 durch KO) und Anton Bekish (22 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO, 16 Niederlagen, 4 durch KO, 1 Unentschieden) ihre Kräfte. Aydemir, auch von CSC-Boxpromotion, besetzte die Ringmitte und beherrschte das Geschehen mit seinem beeindruckenden Jab. Überhaupt war seine ganze Vorstellung beeindruckend. Angriffe von Bekish pendelte er locker aus, um dann selber effektiv und hart zu kontern. Ende der ersten Runde wurde Bekish durch eine Linke, gefolgt von und zwei Rechten zum Kopf, gefällt. Während der Ringrichter Tengis Sade von der GBA noch zählte, ertönte der Gong. Bekish trat aber zur nächsten Runde nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 2, nach 0:00 Minuten: Ilhami Aydemir.
Die Einmarschmusik für Kouami Folly Kuegah (16 Kämpfe, 13 Siege, 9 durch KO, 3 Niederlagen), genannt Prinz Lorenzo, sang Almok live. Kuegah traf auf Bakhtiyar Isgandarzada (17 Kämpfe, 10 Siege, 3 durch KO, 7 Niederlagen, 4 durch KO). Dabei ging es um die Weltmeisterschaft der GBC im Halbweltergewicht. Der Prinz machte von Anfang an Druck. Isgandarzada hielt gegen und versuchte mit Haken zu kontern. Lorenzo traf aber besser. Ende der zweiten Runde verletzte sich Isgandarzada die Schlaghand. Daher erhöhte Kuegah auch den Druck. Isgandarzada trat aber trotz seiner Verletzung zur dritten Runde an. Er arbeitete viel mit der Linken und nur im Ausnahmefall mit der Rechten. Er versuchte dem Druck von Lorenzo durch schnelle Beine, Auslagenwechsel und hohe Schlagfrequenz mit der Linken etwas entgegenzusetzen. Das Vorhaben war aber zum Scheitern verurteilt. Dennoch stellte er sich auch zur vierten Runde, in der er viel nehmen musste, denn Lorenzo erhöhte immer weiter den Druck und suchte den KO-Erfolg. Zur fünften Runde trat Isgandarzada dann nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 5 nach 0:00 Minuten: Kouami Folly Kuegah – Prinz Lorenzo.
Für mich stellt der erste „Kingsvillage Beatdown“ einen ganz heißen Anwärter auf den Titel „beste Veranstaltung 2015“ dar. Es war einfach ein richtig gute Veranstaltung. Auch der Veranstaltungsort war gut gewählt. Besonders bemerkenswert aber fand ich die Qualität des Vorprogramms. Von vier Vorkämpfen waren drei wirklich gut. Wäre da noch zu erwähnen, dass es beim Hauptkampf ein Nummerngirl gab, eine Sambatänzerin.
© Uwe Betker

Überlegungen zu Pacquiao vs. Margarito (1.)

leave a comment »

Am Samstag 13.11.2010 boxt Manny Pacquiao (56 Kämpfe, 51 Sieg, 38 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO) gegen Antonio Margarito (45 Kämpfe, 38 Siege, 27 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO) um den vakanten WBC Junior Mittelgewichtstitel. Dieser Kampf wird von dem US-amerikanischen TV-Sender HBO übertragen. Wer den Kampf in den USA im Fernsehen sehen will, muss dafür $ 54,95 zahlen.
HBO ist der Fernsehsender, der Boxer reich machen kann. Es ist auch der Sender, der die Klitschko-Brüder aus dem Programm geschmissen hat. Offiziell hieß es, dass die Zuschauer Vitali und Wladimir Klitschko nicht auseinander halten könnten. Der wahre Grund dürfte aber eher sein, dass sich das amerikanische Publikum bei den Klitschko-Kämpfen schlicht langweilt. Die taktisch brillanten Vorstellungen, die große boxerische und physische Überlegenheit und die auf Sicherheit bedachte Kampfführung sind nicht besonders spektakulär und kommen bei den amerikanischen Boxfans nicht an. Die stehen mehr auf actionreiche Kämpfe, und das wollen und können die Klitschkos einfach nicht bieten. Man kann sich die Frage stellen: Würde ich um einen Klitschko-Kampf im Fernsehen zu sehen dafür $ 54,95 ausgeben?
Pacquiao geht als 5:1 Favorit in den Kampf. Das ist für jemanden, der dem Pacquiao-Hype sehr fern ist, relativ unverständlich. Pacquiao ist 10 Zentimeter kleiner als Margarito und er hat 15 Zentimeter weniger Reichweite. Er kommt aus dem Fliegengewicht, wo er seine phantastische Karriere begann. Hier wurde er auch zum ersten Mal Weltmeister (04.12.1998) nach Version WBC. Nachdem er seinen Titel verloren hatte (17.09.1999), stieg „Pac Man“ ins Super Bantamgewicht auf und wurde dort Weltmeister des Verbandes IBF (23.06.2001). Hiernach ging er weiter hoch ins Federgewicht, wo er dann erneut Weltmeister der WBC (15.03.2008) wurde, um dann direkt weiter hoch zu gehen und beim selben Verband Weltmeister im Leichtgewicht zu werden (28.06.2008). Zuletzt boxte er im Weltergewicht, wo er auch bereits wieder Weltmeister wurde (14.11.2009), diesmal beim WBO.
Die nackten Daten zeigen schon, und dabei habe ich mir das „Namedropping“ noch gespart, wieso Manny Pacquiao einer der wenigen aktuellen Superstars des Boxens ist. – Keinen der beiden Klitschkos sehe ich im Übrigen auch nur in der Nähe eines solchen Superstar-Status´. Dabei verstehe ich hier unter Superstars nicht jene Teilnehmer einer Castingshow. Das gewählte Mitglied des philippinischen Kongresses gilt, je nachdem welcher Liste man folgt, als bester Boxer bzw. zweitbester Boxer pound for pound. Es stellt sich hier für mich die Frage, wieso es hier keinen TV-Sender gibt, der seine Kämpfe überträgt.
Die Karriere von Antonio Margarito verlief bei weitem nicht so spektakulär, ist aber doch grundsolide. Er wurde im Weltergewicht Weltmeister der WBO (16.03.2003) und verlor diesen Titel vier Jahre später wieder (14.07.2007). Zwischenzeitlich versuchte er, einen Titel im Junior Mittelgewicht zu erringen (11.09.2004), was aber nicht von Erfolg gekrönt war. Relativ schnell wurde er wieder Weltmeister im Weltergewicht (12.04.2008), diesmal beim Verband IBF, dem er einen Kampf später (26.07.2008) den WBA-Titel hinzufügte. Wiederum einen Kampf später unterlag er Shane Mosley (24.01.2009) durch TKO in Runde 9.
Es bleibt abzuwarten ob Pacquiao seiner Favoritenrolle gerecht werden kann. Ich persönlich glaube nicht daran. Margarito ist von seinem Körperbau dem Junior Mittelgewicht sehr viel näher als Pacquiao. Es fällt mir schwer zu glauben, dass der Favorit diesen Nachteil durch Schnelligkeit und Technik wettmachen kann. Zumindest verspreche ich mir von diesem Kampf, dass er nicht so deutlich ausfallen wird, wie uns die Wettquote weismachen will.
© Uwe Betker