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Das kölner Imperium wackelt

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Felix Sturm hatte es geschafft, nach seinem Weggang von Universum Box-Promotion ein Imperium aufzubauen. In seinem Reich gab es nur ihn und alles drehte sich um ihn. Er baute sich sein eigenes Gym auf dem Bonner Wall in Köln. Er schaffte es irgendwie, dass der Verband WBA (World Boxing Association) ihn zum „Super Champion“ machte, obwohl er die Voraussetzungen hierfür, nach den Regularien des Verbandes, gar nicht erfüllte. – Die Ausführungen von Ahmet Öner, wie Sturm zu diesem Titel gekommen ist, sind hier unerheblich. – Der Titel „Super Champion“ ermöglichte es ihm dann, einen Multimillionenvertrag mit SAT1 abzuschließen. Dem TV-Sender war es offensichtlich egal, dass Sturm kein richtiger Weltmeister war. Man tat einfach so als ob.
Praktisch war auch, dass er als „Super Champion“ der Verpflichtung zur Pflichtverteidigung seines Titels enthoben war. Er musste damit zwar nicht regelmäßig die Nummer Eins der Rangliste boxen, dafür setzte es ihn aber auch einer gewissen Kritik aus. Als Sturm nämlich noch bei Universum geboxt hatte, beschwerte er sich öffentlich, dass man ihm keine besseren Gegner vorsetzte. Er forderte sogar die besten Boxer als Gegner. Dabei kursierte allerdings schon damals das Gerücht, er wolle auf keinen Fall gegen seinen Stallkollegen Gennady Golovkin antreten. Nun da Felix Sturm einen übertragenden Fernsehsender und sogar seine eigene Promotion-Firma gegründet, die Felix Sturm Box-Promotion, gegründet hatte, war er doch sein eigener Herr. Er konnte sich seine Gegner nun selber suchen. Boxte er nun aber gegen die besten Boxer der Welt? – Nein! Er boxte zweitklassige Boxer und tat so, als träte er gegen Weltklasseboxer an.
Erst vor kurzem schränkte Sturm seinen Anspruch ein wenig ein, indem er zugab. „ Wir machen Kämpfe, die sportlich sowie auch wirtschaftlich Sinn machen. Das wollen manche Leute nicht verstehen. Ich scheue keine Gegner. Unser Business ist das Preisboxen. Am Ende des Tages geht es um das liebe Geld. Wir verstellen uns nicht, sind keine Schlipsträger, sind kölsche Jungs und ziehen unser Ding durch, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“ (Boxen Heute 2/2013, S. 19) Nie war er offener hinsichtlich seines sehr laut artikulierten Willens die Besten boxen zu wollen. Was mich nur an dieser Äußerung wundert ist, warum der am 31. Januar 1979 in Leverkusen geborene Adnan Ćatić sich als „kölsche Jung“ bezeichnet.
Sturm braucht einen Titel. Das Problem ist nur, dass er wohl nicht noch einmal einen Titel wie den des „Super Champion“ verliehen bekommen wird. Also muss er darum kämpfen. Das wird aber nicht so einfach. Denn der beste Mittelgewichtler, Sergio Gabriel Martinez (54 Kämpfe, 50 Siege, 28 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden), der Weltmeister der WBC, World Boxing Council, steht in absehbarer Zeit als Gegner nicht zur Verfügung. Er boxt am 27.04.2013 gegen Martin Murray (26 Kämpfe, 25 Siege, 11 durch KO, 1 Unentschieden).
Daniel Geale (30 Kämpfe, 29 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage), der Weltmeister der IBF, International Boxing Federation, gewann erst am 30.01.2013 das inneraustralische Duell gegen Anthony Mundine (49 Kämpfe, 44 Siege, 26 durch KO, 5 Niederlagen, 2 durch KO). Wieso sollte Geale Sturm einen Rückkampf in Deutschland geben, wenn er hier nur in einer relativ kleinen Halle antreten würde, wo er in seiner Heimat das Entertainment Centre in Sydney voll bekommt?
Der WBO, World Boxing Organization, Champion Peter Quillin (28 Kämpfe, 28 Siege, 20 durch KO) boxt am 27.04.2013 in Barclays Center, Brooklyn, New York, gegen Fernando Guerrero (26 Kämpfe, 25 Siege, 19 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO).
Der Titelträger der WBA, World Boxing Association, Gennady Golovkin (26 Kämpfe, 26 Siege, 23 durch KO) hatte erst vor kurzem, am 30.03.2013, einen Kampf. Er schlug Nobuhiro Ishida (35 Kämpfe, 24 Siege, 9 durch KO, 9 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) in der dritten Runde KO. Ein Kampf von Sturm gegen Golovkin wäre längst überfällig. Angeblich zieht Sturm mittlerweile sogar einen Kampf gegen ihn in Erwägung, wie es heißt, noch in diesem Jahr. – Also weit und breit ist kein Titel für Felix Sturm in Sicht, jedenfalls keiner, den man einfach so bekommt.
Sturms Idee, die ehemalige Weltmeisterin im Fliegengewicht Sjusanna Lewonowna Kentikjan oder auch Syuzanna Kentikyan oder auch Susi Kentikian (33 Kämpfe, 30 Siege, 16 durch KO, 2 Niederlagen), mit reinzunehmen,- war wohl auch nicht so besonders gut. Kentikian gewann zwar ihren letzten Kampf, am 01.02.2013 gegen Sanae Jah, der besten Fliegengewichtlerin in Belgien, aber vorher, am 01.12.2012, hat sie gegen Carina Moreno (28 Kämpfe, 23 Siege, 6 durch KO, 5 Niederlagen) verloren und ist dadurch nicht WBA Champion geworden. Nicht nur, dass Kentikian nicht wieder Weltmeisterin wurde, sie zeigte sich dann nach dem Kampf auch wieder als schlechte Verliererin. Sie, die selbst so oft von den sehr subjektiven Wahrnehmungen von Punktrichtern und Ringärzten profitiert hatte, beschwerte sich. Was aber noch schlimmer war: Die Einschaltquote war nicht gut.
Auch die vollmundige Ankündigung von Mohammed Lassoued, Maurice Weber (19 Kämpfe, 17 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden), „Ich will Sturms erster Weltmeister werden!“ ist eher eine Projektion in die fernere Zukunft. Weber ist zurzeit nur die Nummer 3 in Deutschland und die Nummer 138 in der Welt.
Felix Sturm steht unter Druck. Er braucht einen Titel, um seinem TV Sender etwas bieten können. Aber woher nehmen? Wackelt etwa sein kölner Imperium?
© Uwe Betker/www.box-blog.de

Über Ersatzgegner, eine Straßenmeisterschaft und eine mutige Tat

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Es nötigt mir schon Respekt ab, wie konsequent der BDB (Bund Deutscher Berufsboxer) unter der Führung seines Präsidenten Thomas Pütz seinen einmal eingeschlagenen Weg verfolgt. Der Verband hatte ja bekanntlich den Kampf zwischen Maurice Weber alias Mohammed Lassoued (18 Kämpfe, 16 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) und Andreas Reimer (19 Kämpfe, 7 Siege, 6 durch KO, 10 Niederlagen, 2 Unentschieden) als Deutsche Meisterschaft im Junior Mittelgewicht sanktioniert. Zur Erinnerung: Reimer hat in seinem letzten Kampf nur ein Unentschieden erreicht. Vorher war er zwei Jahre und zwei Monate inaktiv und noch davor hatte er zwei Kämpfe in Folge verloren.
Dieser Kampf soll nun doch nicht am Samstag, dem 01.12.2012 in Düsseldorf in der „Super Fight Night“ von Sturm Box-Promotion und dem Privatfernsehsender SAT. 1 stattfinden. Wieso, wurde nicht veröffentlicht. Als ob diese Ansetzung nicht schon beschämend genug gewesen wäre, setzten nun alle drei Beteiligten noch einen drauf: Andreas Reimer darf jetzt gegen einen Ersatzgegner eine Gewichtsklasse höher, im Mittelgewicht, um die Deutsche Meisterschaft boxen. Um es noch sicherer zu machen, dass er verliert, darf er außerdem gegen einen stärkeren Boxer als Weber boxen, nämlich Mike Keta (14 Kämpfe, 12 Siege, 11 durch KO, 2 Niederlagen, 2 Niederlagen, 1 durch KO). Der sportliche Wert dieser so genannten Deutschen Meisterschaft ist nach meiner Meinung ungefähr so hoch wie eine Straßenmeisterschaft im Mittelgewicht in einer beliebigen deutschen Großstadt.
Es kommt aber noch besser: Der beste Kampf der Veranstaltung, bei dem immerhin noch die theoretische Möglichkeit bestanden hätte, dass nicht der für Sturm Box-Promotion Boxende gewinnen könnte, findet nicht statt. Der usbekische Schwergewichtler Ruslan Chagaev (33 Kämpfe, 30 Siege, 19 mit KO, 2 Niederlagen 1 durch KO, 1 Unentschieden) bekommt es nun nicht mit dem ungeschlagenen Ismaikel Pérez, genannt Mike Pérez (18 Kämpfe, 18 Siege, 12 durch KO) zu tun. Dieser sagte verletzungsbedingt ab. Nun boxt Chagaev gegen Yakup Saglam (29 Kämpfe, 28 Siege, 25 durch KO, 1 Niederlage). Saglams Kampfrekord sieht zwar auf den ersten Blick beeindruckend aus, ist es aber tatsächlich nicht. Denn er boxte in seiner Karriere erst fünfmal gegen einen Gegner mit positivem Kampfrekord. Einmal boxte er sogar gegen einen Mann Namens Alexandru Manea, der alle seine 50 Profikämpfe verloren hatte. Im letzten Jahr, am 01.04.2011, verlor er gegen Michael Wallisch den Kampf um den Titel des Internationalen Deutschen Meisters. Jetzt hat er seit nunmehr 20 Monaten überhaupt nicht mehr geboxt. Das sind doch wohl die besten Voraussetzungen für einen BDB Titelkampf.
Die ganze Verantwortung für das Gelingen dieser Veranstaltung liegt nun auf den hübschen Schultern von Sjusanna Lewonowna Kentikjan (31 Kämpfe, 29 Siege, 16 durch KO, 1 Niederlage). Die ehemalige Weltmeisterin im Fliegengewicht, die auch Syuzanna Kentikyan geschrieben wird – oder eingedeutscht Susi Kentikian – war einmal ein Liebling der Presse und der Werbetreibenden. Sie schaffte es, das Etikett „Regina Halmich Nachfolgerin“ abzulegen und als „Killer Queen“ selber zu einer Marke zu werden. Ihre Lebensgeschichte, „Boxen fürs Bleiberecht“, ging durch die Gazetten. Die aus Armenien stammende Boxerin wurde sogar Werbefigur (Milch-Schnitte).
Dann aber passierte etwas. Sie änderte ihren Stil, und sie gewann nur noch ihre Kämpfe, weil die Punktrichter es sehr gut mit ihr und sehr böse mit ihren Gegnerinnen meinte. Sie reagierte auf Kritik sehr dünnhäutig, was nur die Kritik an ihr lauter werden ließ. Sie musste es sich sogar gefallen lassen, sich von Gegnerinnen als „Milch-Schnitte“ verspotten zu lassen.
Nachdem nun in ihrem letzten Kampf, damals noch für SES Sports Events, die Punktrichter fair werteten, war sie ihre Titel los. Schlagzeilen machte sie dann, als ihr Audi RS5 (450 PS, ab 78 200 Euro) in einen Unfall mit Fahrerflucht verwickelt war und sie, um den wirklichen Fahrer zu schützen, vorgab selbst gefahren zu sein.
Nun soll eine Art Aufbaukampf von ihr der Hauptkampf bei SAT1 sein. Das ist sehr mutig. Nicht dass etwa zu befürchten wäre, Kentikian könnte Gefahr laufen, gegen Carina Moreno (27 Kämpfe, 22 Siege, 6 durch KO, 5 Niederlagen) zu verlieren. Moreno hat schließlich in den letzten drei Jahren vier der letzten fünf Kämpfe verloren. Viele Beobachter meinen, sie hätte ihre beste Zeit schon längst hinter sich. Es ist schon ziemlich mutig, einen Frauenboxkampf von dieser Güte den Fernsehzuschauern als Hauptkampf anzubieten. Mutig ist auch, Susi Kentikian zur Hauptkämpferin zu machen, obwohl sie, nach meiner Meinung, in den letzten drei Jahren in keinem Kampf überzeugen konnte.
© Uwe Betker

Foto: Susi Kentikian

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(C) Team Sturm

Written by betker

28. November 2012 at 23:59

ran Boxen: Die Super Fight Night

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Der Privatfernsehsender SAT. 1 hat die Messlatte sehr hoch gelegt. Seine nächste Veranstaltung am 01.12.2012 soll eine „Super Fight Night“ werden. Das ist ein hoher Anspruch. Daher ist es nur natürlich, dass man diesen Anspruch mit der Wirklichkeit, nämlich der Kampffolge, vergleicht.
Alex Born gibt im Super Mittelgewicht gegen Piotr Tomaszek (16 Kämpfe, 1 Sieg, 15 Niederlagen, 1 durch KO) sein Profidebüt. Eine solche Kampfansetzung ist weder sportlich besonders interessant, noch ist sie sonderlich mutig, jedoch üblich. Der Debütant wird gewinnen und der Gegner aus Polen wird verlieren, denn dafür wird er schließlich engagiert.
In der gleichen Gewichtsklasse boxt Patrick Dobroschi (16 Kämpfe, 12 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 3 Unentschieden) gegen Roman Javoev (4 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO, 1 Unentschieden). Dobroschi, der zwar in seinen letzten Kämpfen nicht überzeugen konnte, ist viel erfahrener als sein Gegner. In Jubelstürme lässt einen diese Kampfansetzung allerdings nicht ausbrechen. Die 197 der unabhängigen Weltrangliste, bzw. die Nummer 12 in Deutschland, Dobroschi, boxt gegen die 272 der Weltrangliste, bzw. die 2 in Georgien, Javoev. Nun ja.
Im Mittelegwicht kämpft Mike Keta (14 Kämpfe, 12 Siege, 11 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO) gegen Adam Grabiec (9 Kämpfe, 3 Siege, 6 Niederlagen). Auch hier scheint es mir nur darum zu gehen, einen vorher festgelegten Boxer, nämlich Keta, gewinnen zu lassen. Grabiec, der Mann aus Polen, hat von seinen letzten fünf Kämpfen vier verloren. Und seinen einzigen Sieg errang er gegen einen Debütanten. Ihn und den Albaner trennen sage und schreibe 327 Weltranglistenplätze.
Den absoluten Tiefpunkt der Veranstaltung dürfte die Ansetzung Maurice Weber (18 Kämpfe, 16 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) gegen Andreas Reimer (19 Kämpfe, 7 Siege, 6 durch KO, 10 Niederlagen, 2 Unentschieden) darstellen. Der Kampf ist sogar die Deutsche Meisterschaft im Junior Mittelgewicht. Dass der eingetragene Verein BDB (Bund Deutscher Berufsboxer) diesen Kampf als Deutsche Meisterschaft sanktioniert, ist in meinen Augen schlicht ein Skandal. Reimer hat sich für den Titelkampf dadurch qualifiziert, dass er in seinem letzten Kampf ein Unentschieden erreichte, nachdem er zwei Jahre und zwei Monate pausiert und davor zwei Kämpfe in Folge verloren hatte! Eigentlich war, sofern ich mich recht entsinne, Thomas Pütz 2010 mit den Anspruch als neuer Präsident des BDBs angetreten, den Boxverband aus der Umklammerung der Veranstalter zu lösen. Aber wie kann man ernsthaft einen Kampf zwischen Andreas Reimer und Mohammed Lassoued als Deutsche Meisterschaft sanktionieren? Maurice Weber bleibt natürlich Deutscher Meister nach Version BDB. Aber dieser Titel verliert durch solch eine Ansetzung, nach meiner Meinung, jedweden Wert.
Aber auf der Veranstaltung in Düsseldorf gibt es nicht nur Kämpfe in der oben beschriebenen Qualität zu sehen. Es gibt sogar einen Kampf zu sehen, der ganz interessant zu werden verspricht. Der usbekische Schwergewichtler Ruslan Chagaev (33 Kämpfe, 30 Kämpfe, 19 mit KO, 2 Niederlagen 1 durch KO, 1 Unentschieden) boxt gegen Ismaikel Pérez, genannt Mike, (18 Kämpfe, 18 Siege, 12 durch KO). Chagaev unterlag letztes Jahr Alexander Povetkin in einem WBA WM-Kampf. Hiernach gewann er in drei Kämpfen in Folge, gegen schlagbare Gegner. Perez ist immerhin ungeschlagen und die Nummer 49 der unabhängigen Weltrangliste. Man kann relativ schwer einschätzen, wie stark er wirklich ist und natürlich ist Chagaev haushoher Favorit. Aber immerhin gibt es bei dieser Kampfansetzung noch die theoretische Möglichkeit, dass ein Boxer gewinnt, der nicht für Sturm Box-Promotion unter Vertrag ist.
Der Hauptkampf des Abends ist da schon wieder sehr viel weniger spannend. Die ehemalige Weltmeisterin im Fliegengewicht Sjusanna Lewonowna Kentikjan oder auch Syuzanna Kentikyan oder auch Susi Kentikian (31 Kämpfe, 29 Siege, 16 durch KO, 1 Niederlage)soll nach ihrer Niederlage gegen Melissa McMorrow wieder aufgebaut werden. Ihre Gegnerin Carina Moreno (27 Kämpfe, 22 Siege, 6 durch KO, 5 Niederlagen)war 2008 Weltmeisterin im Minimumgewicht. 2009 verlor sie ihren WBC Titel gegen die große Anabel Ortiz. In ihrem nächsten Kampf, 2011, verlor sie gegen die schon legendäre Yesica Yolanda Bopp. Von den nachfolgenden drei Kämpfen gewann sie einen und die letzten zwei verlor sie.
Moreno ist in der unabhängigen Rangliste relativ weit oben, sie steht auf Position 16. Aber Kentikian kann wohl eigentlich nur gegen sie verlieren, wenn sie noch schlechter, defensiver und unmotivierter boxt als in ihrem letzten Kampf. Ihre Gegnerin dürfte ihre beste Zeit als Boxerin nämlich hinter sich haben.
Wenn ich mir die Kampffolge also so ansehe, dann kommt es mir so vor, als wäre bei dem Titel „Super Fight Night“ ein Adjektiv vergessen worden. Ich denke dabei an Adjektive wie z. B: billig, mittelmäßig, uninteressant, überraschungsarm, vorhersehbar und schlecht. Aber es gibt natürlich ganz viele Adjektive in der deutschen Sprache.
© Uwe Betker

Gedanken zur Niederlage von Felix Sturm (1)

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Am 01.09.2012 verlor Felix Sturm (42 Kämpfe, 37 Siege, 16 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden) in Oberhausen gegen den Australier Daniel Geale (29 Kämpfe, 28 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage). Damit verlor er seinen Titel „Super Champion“ der WBA (World Boxing Association), den er nach den Regularien des Verbandes gar nicht hätte tragen dürfen. Sein Bezwinger Geale war und ist Weltmeister der IBF (International Boxing Federation) im Mittelgewicht.
Sicher, eine Niederlage ist erst einmal nichts Besonderes. Schließlich verliert ja in fast allen Boxkämpfen einer der beiden Kontrahenten den Kampf. Dennoch, die Niederlage von Sturm verdient doch eine nähere Betrachtung.
Zunächst einmal ist positiv zu vermerken, dass Geale in Deutschland überhaupt einen deutschen Boxer besiegen konnte. Schließlich hat sich Deutschland bzw. haben sich die deutschen Veranstalter international über Jahre hinweg den Ruf erarbeitet, dass man hierzulande als Herausforderer eines Deutschen nicht nach Punkten gewinnen kann. Die Wertungen der Punktrichter Stanley Christodoulou und Dave Parris mit jeweils 112:116 für Geale, sind zwar wohl zu hoch, gehen aber von der Tendenz her in Ordnung. Weshalb Eugene Grant 116:112 für Sturm wertete, ist dagegen für mich nicht nachvollziehbar. Geales Sieg ist gut für den Ruf des deutschen Profiboxens, wenn er auch schlecht ist für den schwächelnden Sport.
Die Niederlage Sturms trifft das deutsche Boxen schwer. Zwar überträgt die ARD noch die Veranstaltungen von Sauerland Event. Aber wenn man die neuerdings immer wieder eingestreuten kritischen Bemerkungen über den Boxsport im Allgemeinen als Indiz ansieht, dann geht der Sender wohl zunehmend auf Distanz zum Boxen. Hinzu kommen die Gerüchte, dass die ARD den Vertrag nicht über 2015 hinaus verlängern will. Wenn aber doch, so soll er jedenfalls nicht mehr den gleichen Umfang haben. Der andere öffentlich rechtliche Sender, ZDF, hat wohl immer noch genug vom Boxen – nach all den Erfahrungen, die er mit Universum Box-Promotion gemacht hat.
RTL zeigt einzig und alleine Kämpfe von Wladimir Klitschko (61 Kämpfe, 58 Siege, 51 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) und Vitali Klitschko (46 Kämpfe, 44 Siege, 40 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO). Mir klingt da zwar noch im Ohr, dass sowohl RTL als auch die Gebrüder Klitschko einmal ankündigten, sie wollten einen richtigen Boxstall aufbauen. Sie haben dann aber keinen Schritt in diese Richtung getan. RTL zeigt Klitschko und nichts anderes. Und wenn denn einmal kein Klitschko mehr boxt, dann wird es wohl auch kein Boxen mehr auf RTL zu sehen geben.
SES, Sport Events Steinforth und EC Boxing mühen sich redlich, Boxen zu zeigen, aber bis jetzt konnten sie leider nur im Spartenkanal Eurosport ihre Veranstaltungen unterbringen. Ob Arena Box-Promotion noch in ein paar Monaten bestehen wird, wird sich zeigen.
Dementsprechend ist die Niederlage von Felix Sturm ein harter Schlag für das Profiboxen in Deutschland. Sturms Haussender SAT1 konzentrierte sich nur auf Felix Sturm. SAT1 kann nur Felix Sturm zeigen, denn Sturm Box-Promotion besteht faktisch nur aus Felix Sturm. Zwar haben Syuzanna Kentikyan bzw. Susi Kentikian (31 Kämpfe, 29 Siege, 16 durch KO, 1 Niederlage), Fliegengewicht, Maurice Weber (18 Kämpfe, 16 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden), Junior Mittelgewicht, Mike Keta (14 Kämpfe, 12 Siege, 11 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO), Mittelgewicht und Patrick Dobroschi (16 Kämpfe, 12 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 3 Unentschieden), Super Mittelgewicht, einen Vertrag bei Sturm, aber keiner von ihnen kann derzeit einen Hauptkampf bestreiten. Wenn also Sturm es nicht mehr schafft, einen attraktiven Kampf zu bekommen, wird SAT1 wohl kein Boxen mehr zeigen.
Die Niederlage von Felix Sturm ist ein harter Rückschlag für den Patienten Profiboxen in Deutschland.
© Uwe Betker

Jahresrückblick 2011 – She’s A Rainbow: Frauenboxen

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Obwohl im deutschen Fernsehen kein Frauenboxen zu sehen ist, – wenn man einmal von den Ausschnitten absieht, die die ARD manchmal zeigt – ist das Frauenboxen nicht tot. Im Gegenteil, bei den boxenden Frauen gibt es relativ viele, die das Zeug dazu haben, Weltklasseboxerinnen zu werden, bzw. die schon weltklasse sind. Da aber die weibliche Form des Profiboxens gründlich durch die Möchtegernnachfolgerinnen von Regina Halmich diskreditiert wurde, gibt es keinen deutschen TV-Sender, der noch den Mut hätte, Frauenboxen zu zeigen.
Daher müssen Boxerinnen schon sehr überzeugend sein, um Trainer zu finden, die sich darauf einlassen, mit ihnen zu arbeiten. Geld ist mit ihnen jedenfalls zurzeit nicht zu verdienen. Einer der überzeugt wurde, ist Manni Faber in Krefeld. Er ging 2011 mit der Leichtgewichtlerin Derya Saki (1 Kampf, 1 Sieg, 1 KO) an den Start. Saki sah in ihrem ersten Kampf so beeindruckend aus, dass sie eindeutig zu den großen Talenten zu rechen ist.
In Dortmund arbeitet Thorsten Brück mit Goda Dailydait (6 Kämpfe, 6 Siege, 2 durch KO). Dailydait, eine technisch gut ausgebildete Boxerin, ist wohl die beste deutsche Federgewichtlerin. Damit hat sie dann allerdings auch die damit verbundenen Probleme: Wie bekommt man Kämpfe und wer soll sie bezahlen?
Von Karlsruhe aus versucht Dominik Junge mit Raja Amasheh (13 Kämpfe, 12 Siege, 3 durch KO, 1 Unentschieden) die Weltspitze im Fliegengewicht anzugreifen. Gerade weil Amasheh 2011 inkonsistente Leistungen zeigte – sie hat neben Arbeit und Boxen auch noch ihren Master gemacht – ist zu erwarten, dass sie bald einen gewaltigen Leistungssprung machen wird und die anderen im Fliegengewicht boxenden Deutschen (Syuzanna Kentikyan und Nadia Raoui) herausfordern wird.
Wenn das Boxen gerecht und fair wäre und eben nicht so, wie es nun mal ist, wäre Nadia Raoui (15 Kämpfe, 13 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) schon Weltmeisterin der WBA und WBO. So aber gaben die zwei deutschen Punktrichter des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), Werner Kasimir und Frank-Michael Maaß, ihr nicht den Sieg im Kampf gegen Syuzanna Kentikyan (24.04.2010), obwohl nahezu alle Beobachter sie klar haben gewinnen sehen. Nun versucht sie weiter von Herne aus, zusammen mit ihren Trainern Dirk Kiekhäfer und Dr. Andreas Künkler, Weltmeisterin zu werden.
Syuzanna, genannt Susianna, Kentikian (30 Kämpfe, 29 Siege, 16 durch KO) darf sich immer noch Weltmeisterin der WBA und WBO im Fliegengewicht nennen. Sie gehört zu der Generation von Boxerinnen, die von ihrem Veranstalter Universum Box-Promotion als Nachfolgerin von Regina Halmich präsentiert wurden. Ihr umstrittener Sieg über Nadia Raoui und ihr No Contests über Arely Mucino (17.07.2010) gehören zu den Kämpfen, die das Frauenboxen wohl nachhaltig beschädigt haben. Ihre sportlichen „Leistungen“ und ihr kurzzeitiges Werben für ein Süßwarenprodukt, das im Verhältnis mehr Fett und Zucker beinhaltet als z. B. eine Sahnetorte, haben der selbsternannten „Killer Queen“ den Spottnamen „Milch-Schnitte“ eingetragen. Mittlerweile boxt sie zusammen mit anderen Boxerinnen für Ulf Steinforth und sein SES Sports Events. Sie wird betreut von Magomed Schaburow.
Mario Guedes aus Aachen trainiert Jessica Balogun (23 Kämpfe, 22 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage), eine der besten Weltergewichtlerinnen der Welt. Damit wäre sie die logische und zwangsläufige Wahl als Gegnerin für die norwegische Boxerin Cecilia Braekhus (19 Kämpfe, 19 Siege, 5 durch KO), die für Sauerland Event boxt. Es ist aber zu befürchten, dass Balogun, weil sie eben so gut ist, erst dann ihre Chance bekommt, wenn keine billigeren und leichteren Gegnerinnen mehr in der Rangliste zu finden sind.
Die für mich beste und attraktivste Boxerin ist die Interims Weltmeisterin der WIBF im Junior Fliegengewicht, Özlem Sahin (14 Kämpfe, 13 Siege, 4 durch KO, 1 Unentschieden). Die natürliche Minimumgewichtlerin, die von Conny Mittermeier in Stuttgart trainiert wird, boxte zuletzt auf den Veranstaltungen von Arena Boxpromotion. Offensichtlich hat sie aber keinen Vertrag mit dem Veranstalter Ahmet Öner. Obwohl die deutschen und türkischen Medien ungewöhnlich stark und positiv auf sie reagieren und sie immer wieder Gegenstand der Berichterstattung ist, hat sich noch kein TV-Sender gefunden, der den Mut hätte, ihre Kämpfe zu übertragen. Es scheint mir auch, als ob Arena Boxpromotion kein Konzept hätte, was sie mit Sahin machen wollen.
Trotz allem – das Frauenboxen lebt.
© Uwe Betker

Ein beeindruckender, ein unbeeindruckender Kampf und lästige Punktrichter

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Ob die Übertragung von Boxkämpfen im Internet die Zukunft von Universum Box-Promotion sichern kann – ich weiß es nicht. Von den vier Kämpfen der letzten Veranstaltung im Universum Gym am 26.03.2011, die wohl auch die letzte an diesem Ort überhaupt gewesen sein dürfte, wurden zwei via Internet von bild.de übertragen. Man muss wirklich sagen: Dem Zuschauer wurde etwas geboten für seine Telefongebühren.
Im ersten Kampf verteidigte Schwergewichts-Europameister Alexander Dimitrenko (32 Kämpfe, 31 Siege, 21 durch KO, 1 Niederlage) seinen Titel gegen Albert Sosnowski (51 Kämpfe, 46 Siege, 28 durch KO, 4 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) erfolgreich. Die Beiden zeigten einen durchaus sehenswerten Kampf. Der 28jährige Dimitrenko, der das erste Mal als Deutscher in den Ring stieg, war in der langen Distanz überlegen. In der ersten Hälfte konnte er seinen Reichweitenvorteil (er ist 2,01 Meter groß und sein Gegner ist 12 Zentimeter kleiner) nutzen und punktete schön mit der Führ- und mit der Schlaghand. Wollte Sosnowski eine Chance haben, in den Kampf zu kommen, war er gezwungen, die Distanz zu verkürzen. Gerade die Zähigkeit und Kampfstärke des Polen machte dann die Begegnung der beiden Kontrahenten zu einem wirklich beeindruckenden EM-Kampf. Als Dimitrenko in den letzten Runden massive konditionelle Probleme bekam, wurde es noch einmal richtig spannend. Der Kampf schien zu kippen. Der Herausforderer suchte die Entscheidung und der Titelverteidiger konnte ihn nicht mehr auf Distanz halten. In höchster Not klammerte Dimitrenko so oft er nur konnte. In der letzten Runde kam er dann aber mit einem brutal harten rechten Aufwärtshaken durch, der Sosnowski fällte.
Das Aufeinandertreffen der Beiden zeigte, dass nicht immer nur bei WM-Kämpfen gutes und vor allem spannendes Boxen zu sehen ist. Es war einer der unterhaltsamsten Schwergewichtskämpfe seit langer Zeit. Man kann nur hoffen, dass wir mehr solche Kämpfe zu sehen bekommen. Weiterhin hoffe ich, dass Klaus-Peter Kohl, der Manager von Dimitrenko, nicht auf die Idee kommt, seinen Schützling in absehbarer Zeit eine WM boxen zu lassen. Denn dafür reicht es, nach meiner Meinung, noch nicht. Zu offensichtlich zeigte Dimitrenko Schwächen in der Defensive und zu wenig Druck und Entschlossenheit in der Offensive.
Die ebenfalls erfolgreiche Titelverteidigung der Weltmeisterin im Fliegengewicht der Verbände WIBF, WBA und WBO Susianna Kentikian (28 Kämpfe, 28 Siege, 16 durch KO) war schlicht unbeeindruckend. Die eingedeutschte Syuzanna Kentikyan boxte gegen eine Hausfrau und dreifache Mutter aus Mexiko. Anna Arrazola (28 Kämpfe, 19 Siege, 16 durch KO, 6 Niederlagen, 3 Unentschieden) hatte ihr schlicht nichts entgegenzusetzen außer ihren Willen.
Der Kampf beeindruckte mich nicht nur deshalb so wenig, weil er nach der Dimitrenko EM kam. Es war auch so, dass die boxende Hausfrau und Mutter einfach viel zu schwach war. Und Frau Kentikian boxte auch ganz gewiss nicht wie eine „Killer Queen“, sondern eher wie eine Büroangestellte, die ihre Aufgaben abarbeitet.
Am Ring saß nun zu allem Überfluss auch noch als Punktrichter wieder Frank-Michael Maaß. Das ist jener Maaß, den man als Garantie dafür ansehen kann, dass Frau Kentikian auf jeden Fall nach Punkten gewinnt, wie der Kampfverlauf auch immer sein mag. Da könnte man doch fast auf die Idee kommen, Universum Box-Promotion war sich vorher über das Leistungsvermögen ihrer Kämpferin nicht so ganz sicher.
Außerdem fand ich bemerkenswert, wie stolz der BILD-Kommentator Fuss darauf war, dass er während des Dimitrenko-Kampfes von einem Punktrichter – ob dies wiederum Herr Maaß war, weiß ich natürlich nicht – über den Punktestand informiert wurde. Soweit ich nun aber informiert bin, ist das immer noch nicht erlaubt. Wie schon sooft, stelle ich mir auch jetzt erneut die Frage, wieso sich an deutschen Ringen die Punktrichter eigentlich nicht einfach nur darauf beschränken, das zu machen, wofür sie da sind, nämlich den Kampfverlauf durch ihr Punkten wiederzugeben. Punktrichter, die ihre Aufgabe nicht erfüllen, sind doch einfach nur lästig.
© Uwe Betker