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Gastbeitrag: Boxen in der Literatur – Jack London (3) „The Abysmal Brute“

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Der erfahrene Boxmanager Sam Stubener erhält im ersten Kapitel diese Romans [Jack London. The Game and The Abysmal Brute. London: Arco Pub., 1967. 65-142] einen Brief von Pat Glendon. Der ehemalige Schwergewichtsprofi, dem nur durch Pech und Betrug ein Weltmeistertitel vorenthalten blieb, bittet den Manager darin, seinen Sohn unter seine Fittiche zu nehmen. Glendon beschreibt Pat Junior als den perfekten Schwergewichtler. Da Stubener auf das Urteil des ehemaligen Weltklasseboxers vertraut macht er sich auf in die entlegenen Wälder Nordkaliforniens, um das junge Talent mit eigenen Augen zu sehen. Pat Glendon Junior übertrifft sowohl in physischer als auch in boxerischer Hinsicht alle Erwartungen und so nimmt ihn der Manager unter Vertrag. Allerdings besteht der Vater auf einer Klausel, die die Abmachung ungültig macht, sollte der Stubener den jungen Mann in unsaubere Geschäfte verwickeln. Der alte Mann hatte seinen Sohn nämlich in alle Finessen des Boxsports eingeweiht, ihn aber in einem abgelegenen Waldgebiet aufgezogen und ihm alle Berichte über Betrügereien in der Szene vorenthalten, um die Unschuld des jungen Mannes zu bewahren. Dessen Lehrerin war im übrigen die einzige Frau, mit der er zu tun hatte und vor deren Nachstellungen floh er in die Wälder.
Der junge Boxer begleitet den Manager allerdings nur um seines Vaters Willen nach Los Angeles und wird dort von Heimweh nach den Bergen geplagt. Seine ersten Kämpfe gewinnt Glendon Junior nach nur wenigen Sekunden durch K.O., was einen der Gegner zu folgender Aussage bewegt: „„What happened?“ he queried hoarsely. „Did the roof fall on me?““ [London. Abysmal Brute. 86]
Daraufhin überzeugt der Stubener seinen Schützling, seine nächsten Kontrahenten nicht so schnell bewußtlos zu schlagen, da es sein Ruf ansonsten schwierig machen würde, neue Gegner zu bekommen und da die Zuschauer für ihr Eintrittsgeld länger unterhalten werden wollen. Unmittelbar vor seinem nächsten Kampf hat Pat Junior die traurige Pflicht, seinen Vater zu beerdigen. Dennoch führt er die Anweisung seines Managers pflichtbewußt aus. Nach einer Weile gehen die beiden sogar dazu über, die Runden zu verabreden, in denen der Knockout stattfinden soll. Der Manager nutzt dies ohne das Wissen des Boxers aus und verdient durch seine Verbindung zu einem Wettsyndikat große Summen.
Der Boxer verbringt seine Freizeit mit dem Lesen von Gedichten und Museumsbesuchen. Da er nur wenig Zeit mit anderen Sportlern verbringt, sehr wortkarg ist und alle Kämpfe vorzeitig gewinnt wird er für dumm und brutal gehalten und ein Sportreporter verleiht ihm den Beinamen Abysmal Brute.
Im sechsten Kapitel des Romans wird die junge Maud Sangster vorgestellt. Um ihrer Unabhängigkeit willen verließ sie ihr millionenschweres Elternhaus und wurde Reporterin. Außerdem ist sie jung und hübsch, Staatsmeisterin Tennis, spielt mit Männern Polo und verfaßt Gedichte. Auf eigenen Wunsch übernimmt sie den Auftrag, für ihre Zeitung Pat Glendon zu interviewen, der inzwischen als möglicher neuer Weltmeister gehandelt wird. Dieser muß erst von seinem Manager überzeugt werden, dieses Interview zu geben, denn bislang hatte er sich stets von Reportern fern gehalten. Erst als er erfährt, daß die junge Frau, die das Gespräch führen soll auch Gedichte schreibt willigt er ein. Die Begegnung zwischen dem Schwergewichtler und der Reporterin ist ein zentraler Moment des Romans.
“The meeting was a mutual shock. When blue eyes met grey, it was almost as if the man and the woman shouted triumphantly to each other, as if each had found something sought and unexpected.” [London. Abysmal Brute. 103]
Obwohl der Manager dies zu verhindern sucht bringt die junge Frau das Gespräch auf Betrügereien im Boxgeschäft. Sie erklärt, daß einer ihrer Kollegen stets vorher weiß, in welcher Runde die Kämpfe Glendons enden werden. Glendon schickt nach diesem indirekten Betrugsvorwurf seinen Manager aus dem Raum. Nur dieser wußte schließlich außer ihm von der Abmachung, den Gegner im nächsten Kampf, Nat Powers, bis zur 16. Runde stehen zu lassen. Der junge Boxer verabredet mit der Reporterin den bevorstehenden Kampf in einer späteren Runde, der 18., zu beenden, um der Reporterin zu beweisen, daß sie mit ihrem Verdacht im Unrecht ist.
Maud Sangster schleicht sich als Mann verkleidet in die Arena, um den Fight zu verfolgen. Dort wird sie Zeugin, als Powers in der 16. Runde K.O. geht und wendet sich mit Abscheu ab. Glendon wollte den Kampf erst später beenden, doch sein Manager wollte kein Risiko eingehen und bestach den Gegner, in der verabredeten Runde zu Boden zu gehen. In dem Moment als Powers ohne Schlagwirkung zu Boden geht wird sich Glendon klar über die Verruchtheit des Boxgeschäftes.
Es gelingt ihm die junge Reporterin zu überzeugen, daß er nicht an dem Betrug beteiligt war. Die beiden heiraten Hals über Kopf und verbringen ihre Flitterwochen in den Bergen. Glendon beschließt noch ein letztes Mal zu kämpfen bevor er sich mit seiner Frau in die endgültig in die Einsamkeit der Natur zurückzieht. Seinen Manager läßt er in dem Glauben, er habe sich mit den dunklen Seiten des Boxgeschäftes abgefunden. Unmittelbar vor seinem letzten Kampf hält der junge Boxer unter dem Jubel der Zuschauer im Ring eine Rede, in der er die üblen Machenschaften des Wettsyndikates aufdeckt und die letzten Endes zu einer offiziellen Untersuchung der Boxbranche führt.
Der wütende Weltmeister, der als Gast unter den Zuschauern ist stürmt in den Ring, wird aber von Glendon mit einem Schlag ausgeknockt. Der eigentliche Kampf findet schließlich statt, denn Glendon will seinen Gegner nicht wie verabredet in der 14. sondern bereits in der ersten Runde ausknocken. Dies gelingt ihm auch und im Saal bricht ein Tumult aus, denn die Zuschauer fallen über die betrügerischen Boxer, Manager und Promoter her. Der Roman endet damit, daß Pat Glendon auf den Schultern seiner Anhänger getragen wird und erneut eine Rede halten muß.
Der Titel des Romans kommt von dem Spitznamen, den London 1905 dem dänischen Leichtgewichtsboxer Battling Nelson verlieh. Er meinte dies durchaus nicht abwertend:
“I like Nelson. I named him the „Abysmal Brute“ after his seventeen-round fight with Britt at Colma several years ago. Bat didn´t like it at first, but we got together and talked it over, and he began to appreciate the term. I called him that as a compliment. He has the primitive thing in his nerves and fibre and soul that goes ahead; that knows no quitting-primitive.” [Zitiert nach: Kingmann, Russ. A Pictorial Life of Jack London. New York: Crown, 1979, .226]
Im Roman dient der Titel wohl eher dazu, dem Leser klarzumachen, daß sich hinter einem scheinbar stupiden und brutalen Boxer auch ein sensibler und kluger Mann verbergen kann.
Die Kampfszenen in diesem Roman sind absolut überzeugend und realistisch. Der „Übermensch“ Pat Glendon, der körperlich, geistig und moralisch perfekt ist wirkt dagegen wie eine Figur aus einem Märchen. Im Wald aufgewachsen wurde er zum Vorbild für den klassischen Stereotypen des natural, des geborenen Athleten vom Lande. [vgl. Oriard, Michael: Dreaming of Heroes: American Sports Fiction, 1868-1980, Chicago: Nelson-Hall, 1982, 82]
Fast so als ginge es darum Londons Darstellung zu rechtfertigen wurde 15 Jahre nach der ersten Veröffentlichung von The Abysmal Brute ein Mann Weltmeister, der Pat Glendon in vielen Dingen entsprach. Gene Tunney sah blendend aus und erlitt als Profi nur eine Niederlage, schlug aber den Gegner danach noch mehrmals. Nachdem er innerhalb von drei Jahren fast 1.800.000 Dollar verdient hatte trat er zurück und widmete sich seinen Hobbys. [Higgs, Robert. The Unheroic Hero: A Study of the Athlete in Twentieth-Century American Literature. Diss. U. of Tennessee. Ann Arbor: University Microfilms International, 1961, 152] Dazu gehörte die Literatur und so gab Tunney sogar Shakespeare-Vorlesungen in Yale. Außerdem heiratete er eine Dame aus der High Society, welche der fiktiven Maud Sangster nicht unähnlich war. [ebd.]
Seit Muhammad Ali ist auch bekannt, daß ein Weltklasseboxer die Runde vorhersagen kann, in der er einen Kampf beenden wird, wenn auch nicht immer ganz korrekt. Der einzig wirklich utopische Teil des Romans ist folglich die Schlußszene, in der Pat Glendon im Ring eine Rede hält und damit anscheinend auf einen Schlag die gesamte Korruption im Boxgeschäft beseitigt. Ebenso unglaubwürdig ist, daß ihn die nur an ihrer Unterhaltung interessierten Zuschauer dafür bejubeln, ihn am Ende auf den Schultern tragen und noch eine Rede fordern.
Auffällig in diesem Roman sind noch die Anspielungen auf Glendons Rasse und seine irische Abstammung. Sein Vater schreibt über ihn: „Talk about the hope of the white race. This is him.“ [London. Abysmal Brute. 70] und im letzten Kapitel heißt es: „Glendon had the Celt´s intuitive knowledge of the psychology of the crowd.“ [London. Abysmal Brute. 135]
Man kann The Abysmal Brute einfach als Attacke gegen die Korruption im Boxgeschäft verstehen. Michael Oriard ist der Meinung, daß Jack London mit diesem Roman den Konflikt zwischen Stadt und Land darstellen wollte. [Oriard. Jack London: 3ff] Pat Glendon ist ein Kind der Natur, die ihn reichlich mit Talenten und Tugenden ausstattete. Er ist abstinent von Alkohol und Tabak, moralisch rein, gutaussehend, hat ein angeborenes Talent als Redner und besitzt nicht zuletzt die perfekten physischen Voraussetzungen für einen Boxer. Auf Frauen reagiert er mit Scheu, aber als er seiner idealen Partnerin begegnet erkennt er sie und verhält sich intuitiv richtig. Die Stadt dagegen ist das Zentrum der Korruption in dem der natural sich zwar problemlos behaupten kann, dem er die Einsamkeit der Natur jedoch vorzieht.
Der Aspekt der Flucht vor dem Übel der Stadt wird auch in einem anderen Roman thematisiert, in dem das Boxen eine Rolle spielt. Der Held im Roman „The Valley of the Moon“ [Jack London. The Valley of the Moon. New York: Macmillan, 1913] verdient gelegentlich als Boxprofi zusätzliches Geld. Als er aufgrund eines Streiks seinen Job verliert beschließt er mit seiner Frau Saxon aufs Land zu ziehen, wo sie Land kaufen und glücklich werden.
Will man einschätzen, inwieweit die hier angesprochenen Aspekte ein wirkliches Anliegen Londons war muß man besonders berücksichtigen, daß London das Plot für diesen Roman nicht selbst entwickelte, sondern es als „The Dress Suit Pugilist“ seinem Freund Sinclair Lewis für 7,50 Dollar abkaufte. [Vergleiche: Franklin Walker. „Jack London´s Use of Sinclair Lewis Plots, Together with a Printing of Three of the Plots“ in: Jacqueline Tavernier-Courbin (Hg.). Critical Essays on Jack London. Boston: Hall, 1983. 76]
(C) Martin Scheja

Die ultimativ subjektive Liste 2015

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Boxer des Jahres 2015
Tyson Fury (25 Kämpfe, 25 Siege, 18 durch KO), der neue Weltmeister der WBO und Super Champion der WBA, hat alles richtig gemacht. Er kam nach Deutschland, um zu gewinnen und nicht, wie viele vor ihm, nur um sich eine Börse abzuholen. Er hatte einen Plan und den zog er erfolgreich durch. Im Vorfeld des Kampfes machte er alles, um in das Gehirn von Wladimir Klitschko zu kriechen. Er nutzte jede Gelegenheit, ihm immer wieder zu zeigen: „Ich bin nicht berechenbar!“ Er und sein Team kümmerten sich um jedes Detail und gingen keiner Konfrontation aus dem Weg. Jedes Detail war wichtig: die Passform der Handschuhe, die Härte des Ringbodenbelags … Dass er auf alles achtete, das war wiederum etwas, womit er den Titelverteidiger auch gründlich nerven konnte. Vor allem hatte Fury einen simplen Kampfplan: Klitschko lang boxen, schnelle Beine und schnelle Hände. Sobald er Klitschko seinen Kampf aufzwingen konnte, sah der alt und planlos aus, was er wohl auch war. Es war kein schöner Kampf, aber Fury war erfolgreich, und der Erfolg gibt ihm schließlich Recht.

Boxer des Jahres 2015 (ehrenhalber)
Alexander Mengis boxte am 23. Mai 2013 in Berlin um die Internationale Deutsche Meisterschaft der GBA im Weltergewicht. Sein Gegner hieß Stefan Worth. Es war der fünfte Kampf des Stuttgarters. Erst einen Kampf vorher, am 18.11.2012, hatte er diesen Titel gewonnen. Gegen Worth ging er in der achten Runde schwer KO und fiel ins Koma. Es hat dann wohl eine Notoperation gegeben. Heute lebt Mengis irgendwo als Pflegefall. Alexander Mengis steht für den brennenden Wunsch aller Boxer und Boxerinnen, mit dem, was sie tun, Geld und Ruhm zu erringen. Er steht aber auch dafür, dass das Profiboxen, das wir alle so lieben, sehr gefährlich ist. Eine Tatsache, die immer und immer wieder von allen Beteiligten und Zuschauern vergessen wird. Um das Bewusstsein dafür wach zu halten, möchte ich Alexander Mengis zum Boxer des Jahres 2015 ernennen – ehrenhalber.

Boxerin des Jahres
Nicole Wesner (11 Kämpfe, 11 Siege, 5 durch KO) wurde am 06.09.2015 in der Markthalle in Wismar Weltmeisterin der WBF, WIBF und der GBU im Leichtgewicht. Sie besiegte Irma Balijagic Adler klar nach Punkten. Damit ist sie in Deutschland die Beste im Leichtgewicht und in der Welt unter den Top Ten.

KO des Jahres
Am 14.08.2015 verlor Marco Huck (42 Kämpfe, 38 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden), in Newark, New Jersey, gegen den nicht sehr hoch eingeschätzten Krzysztof Głowacki (25 Kämpfe, 25 Siege, 16 durch KO) durch KO in Runde 11 nach 2.39 Minuten. Głowacki brachte einen linken Haken an die Schläfe und dann eine Rechte mitten auf die Stirn – und Huck ging zum ersten Mal in dieser Runde zu Boden. Er kam zwar wieder hoch, war aber doch sichtlich angeschlagen. Głowacki setzte nach. Mit einem rechten und einem linken Körperhaken, gefolgt von einem linken Kopfhaken sowie einem Volltreffer mit links auf die Schläfe knockte er Huck schließlich aus. Aber Huck musste, bevor er zuletzt zu Boden sackte, noch einen rechten Wischer und drei linke Kopfhaken nehmen. Ringrichter David Fields brach den Kampf dann ab, um Huck, der zwar schon KO war aber durch die Seile vor dem Fall zu Boden noch gehindert wurde, vor weiteren Schlägen zu schützen – klassischer KO. Huck hat durch den KO jetzt ja wohl einen TV-Vertrag bei RTL bekommen.

Schlechteste Veranstaltung des Jahres
Alle Veranstaltungen von großen Promotern, die das Geld nicht wert waren, das die Fernsehsender und die Zuschauer an den Kassen bezahlt haben.

Rookie des Jahres (männlich)
Gerade mal 17 Jahre ist Leon Bauer (5 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO), der Löwe aus der Pfalz. Der Super Mittelgewichtler hat zwar bis jetzt nur gegen sogenannte Aufbaugegner geboxt, aber die waren klug ausgesucht und nicht die schlechtesten. Wir dürfen gespannt sein, was er in den nächsten Jahren noch so zeigen wird.

Rookie des Jahres (weiblich)
Die von Kai Gutmann trainierte Leichtgewichtlerin Beke Bas (4 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO) ist die Entdeckung des Jahres im Frauenboxen. Die 21-Jährige hat Talent, einen gewissen Punch und eine gute Technik. Vor allem hat sie aber ein Kämpferherz: Eine Boxerin, die man im Auge behalten muss.

Überschätzter Boxer des Jahres
Habe keine schlüssige Antwort.

Überschätze Boxerin des Jahres
Alicia Melina Kummer (9 Kämpfe, 8 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlagen), die ehemalige Miss Schleswig Holstein, versuchte sich im Profiboxen. Zum Teil spektakuläre KOs überdeckten ihre technischen Mängel. Die wurden ihr dann aber am 31. Oktober 2015 in Hamburg, im Universum Gym, von Derya Saki (8 Kämpfe, 8 Siege, 4 durch KO) aufgezeigt. Die Leichtgewichtlerin ist damit für zu leicht befunden worden.

Ringrichter des Jahres
Rosario Triolo vom BDB. Der älteste deutsche Boxverband in Deutschland ist nicht nur die Heimat von Ringrichtern wie Manfred Küchler, die es wohl nicht ertragen können, wenn ein Heimboxer verliert; daher tun sie alles, wohl wirklich alles, um das zu verhindern. Der Bund Deutscher Berufsboxer ist ein eingetragener Verein, dessen Führung in stalingradhafter Treue zu Männern wie Küchler steht. Aber es gibt hier auch einen Ringrichter wie Rosario Triolo, einen jungen Mann, der offensichtlich das Ziel verfolgt, Boxkämpfe einfach nur zu leiten bzw. deren Ergebnis durch eine Punktwertung widerzuspiegeln.

Absteiger des Jahres (männlich)
Der ehemalige Weltmeister im Mittelgewicht Felix Sturm (48 Kämpfe, 39 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden) verlor seinen IBF-Titel am 31.05.2014 gegen Sam Solimann. Danach erreichte er gegen Robert Stieglitz, am 08.11.2014, noch ein Unentschieden. Seine letzte Begegnung, einen WM-Kampf der WBA, verlor er am 05.06.2015 in Frankfurt/Main gegen Fedor Chudinov auch. Ausbeute: Ein Unentschieden und zwei Niederlagen. Eigentlich wollte er am 05. Dezember in einem Rückkampf gegen Chudinov antreten. Sein TV-Sender SAT.1 wollte ihm dafür angeblich nur einen Sendeplatz wie Culcay, also nach den zwei Spielfilmen anbieten. Das dürfte wohl seiner Einschaltquote geschuldet sein. Nun boxt er am 20.02.1016 in Oberhausen.

Absteiger des Jahres (weiblich)
Es gibt da eine in Deutschland boxende Frau, die sich Weltmeisterin nennt. In ihrem letzten WM-Kampf traf sie auf eine Gegnerin, die von ihren letzten sechs Kämpfen fünf verloren und im sechsten ein Unentschieden erreicht hatte. Das wurde ernsthaft als WM sanktioniert. Den Namen nenne ich hier nicht, weil ich versprochen habe, ihn nie wieder zu schreiben.

Aufsteiger des Jahres (männlich)
Die Karriere von Samy Raid Musa (9 Kämpfe, 9 Siege, 7 durch KO) dürfte nach seinem letzten Kampf Schwung bekommen haben. Er besiegte am 28.11.2015, auf der Undercard von Klitschko vs. Fury, den ungeschlagenen Jay Spencer (11 Kämpfe, 10 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage).

Aufsteiger des Jahres (weiblich)
Derya Saki (8 Kämpfe, 8 Siege, 4 durch KO) hat mit ihrem Sieg über Alicia Melina Kummer (9 Kämpfe, 8 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlagen) gezeigt, dass mit ihr im Leichtgewicht zu rechnen ist.

Aussteiger des Jahres
Der 2015 sportlich nicht ganz so erfolgreiche ehemalige Weltmeister im Mittelgewicht Felix Sturm (48 Kämpfe, 39 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden) entzog für seinen letzten Kampf dem dienstältesten und renommiertesten Boxsportjournalisten Deutschlands, Hartmut Scherzer seine Akkreditierung. Der hatte sich in einem Vorbericht nämlich kritisch über ihn geäußert. Die Presseabteilung von Sturm-Box-Promotion hatte es über Monate vor dem Kampf nicht geschafft, die Legitimität der zu boxenden WM zu kommunizieren. Natürlich ist es schwer, mit Kritik umzugehen. Aber eine Person des öffentlichen Lebens, die von der Öffentlichkeit lebt – und das tut Felix Sturm ja schließlich -, sollte mit Kritik doch souveräner umgehen können. Veranstalter, die hingehen und unliebsamen Journalisten die Akkreditierung verweigern oder entziehen oder sie mit Hausverboten belegen, respektieren einfach nicht die Pressefreiheit. Die Pressefreiheit ist ein Grundrecht und eine der Säulen einer demokratischen Gesellschaft – und die gilt es zu verteidigen.

Veranstalter des Jahres
Der Hamburger Holger Petersen hat 2015 dreimal in der Boxsporthalle Braamkamp in Hamburg veranstaltet. Petersen, ein Unternehmer aus Hamburg, von dem man wenig weiß, hat einfach angefangen, gute und solide Boxveranstaltungen zu organisieren. Man kann nur hoffen, dass er weitermacht und noch besser wird.

Veranstaltung des Jahres
„Kingsvillage Beatdown“ im Foyer des Abtei Gymnasiums in Pulheim (12.12.2015) war für mich die beste Veranstaltung des Jahres. Wenn man sich diese Veranstaltung von Bihes Barakat anschaut und mit denen vergleicht, die von Veranstaltern mit TV-Verträgen organisiert werden, kann man sich nur fragen: Wieso gibt es auf einer „Kleinringveranstaltung“ besseres Boxen zu sehen als bei den Großen?

Boxevent des Jahres
Keines jedenfalls, das ich gesehen hätte. Das kann allerdings auch damit zu tun haben, dass ich bei dem einen Veranstalter Hausverbot habe, von einem anderen schriftlich bekommen habe, niemals eine Akkreditierung zu bekommen und von einem dritten immer nur sehr höfliche Ablehnungen kriege, auch wenn dort sonst jeder Pressevertreter rein kommt.

Fehlentscheidung des Jahres
Der Punktsieg von Vincent Feigenbutz (22 Kämpfe, 21 Siege, 19 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) gegen Giovanni De Carolis (29 Kämpfe, 23 Siege, 11 durch KO, 6 Niederlagen, 1 Unentschieden). Die Punktrichter Erkki Meronen, Jesus Morata Garcia und Jean-Francois Toupin sahen offenbar einen anderen Kampf als die Zuschauer in der Halle und an den Fernsehgeräten. Alle drei gaben Feigenbutz den Sieg. Selbst wenn man als Punktrichter so etwas wie einen Heimvorteil geben will und sich vielleicht auch dem Veranstalter verpflichtet fühlt, weil der einen ja bezahlt, darf dabei m. E. doch höchstens ein geschenktes Unentschieden rauskommen. Ich hoffe aufrichtig, dass Erkki Meronen, Jesus Morata Garcia und Jean-Francois Toupin in den nächsten zehn Jahren nicht mehr in Deutschland punkten.

Trainer des Jahres
Die Qualität eines Trainers kann nicht an seinen TV-Auftritten, sondern nur an seiner Arbeit gemessen werden. Wer durch die Republik fährt und sich Trainings ansieht, der wird schnell feststellen, dass es hierzulande viele gute Trainer gibt, Trainer, deren Hauptaugenmerk auf der Ausbildung ihrer Boxer liegt. Hier eine kurze Liste guter Trainer: Manni Faber, Stefan Freudenreich, Sini Ivanisevic, Steven Küchler, Kai Gutmann, Frank Lubitz, Rüdiger May, Youssef Ramadan und Michael Siegel. Das sind jetzt nur die, die mir gerade spontan eingefallen sind. Ich habe einige vergessen. Entschuldigung!

Entgleisung des Jahres
Im letzten Jahr war Vincent Feigenbutz (22 Kämpfe, 21 Siege, 19 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) hier noch „Rookie des Jahres (männlich)“. Inzwischen wurde er Interim Champion der WBA im Super Mittelgewicht. In seinem letzten Kampf, am 17.10.2015, gegen einen soliden aber nicht sehr starken Giovanni De Carolis (29 Kämpfe, 23 Siege, 11 durch KO, 6 Niederlagen, 1 Unentschieden) gewann er zwar nach Punkten, sein eigenes Publikum aber sah in seiner Heimatstadt den Italiener als Sieger und tat dies auch kund. Feigenbutz sah das aber ganz anders. Er sah sich selbst als klaren Sieger und dann sprach er davon, seinem Gegner die Fresse polieren zu wollen – wirklich kein guter Stil.

Boxkampf des Jahres (männlich)
Der Kampf zwischen Yusuf Kangül (10 Kämpfe, 7 Siege, 2 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) und Tiran Metz (18 Kämpfe, 12 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage, 4 Unentschieden) im Super Mittelgewicht ist ein Klassiker. Zwölf Runden lang schenkten sich die beiden, die offensichtlich eine gepflegte, dafür aber tiefe gegenseitige Abneigung verbindet, nichts. Wenn ein Fighter und ein Techniker aufeinandertreffen, ist das immer wieder ein Erlebnis. Am Ende der knappen Europameisterschaft der WBU sollte eigentlich ein klarer Punktsieger stehen, aber einige Zuschauer verhinderten, dass ein Urteil gefällt werden konnte. Bis heute steht das offizielle Urteil des Kampfes vom 19.12.2015 aus.

Boxkampf des Jahres (weiblich)
Am 07.11.2015 verlor Özlem Sahin (20 Kämpfe, 19 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage) gegen Gretchen Abaniel (24 Kämpfe, 16 Siege, 6 durch KO, 8 Niederlagen, 1 durch KO) ihre WM-Titel im Minimumgewicht. Sahin fand zu keinem Zeitpunkt vor heimischem Publikum in den Kampf, daher fightete sie. Es war ein sehr enger Kampf, den man auch knapp für Sahin oder als Unentschieden hätte werten können. In der Tat hatte ein Punktrichter Abaniel mit zwei Runden vorne und ein anderer Sahin. Aber der BDB-Punktrichter Jürgen Langos wertet 91:99 für Abaniel. Keine Ahnung, weshalb er das machte. Auf jeden Fall war es ein großartiger Kampf.

Comeback des Jahres (männlich)
Ahmet Öner ist wieder – oder besser – immer noch da. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, veranstaltete er 2015 neun Shows, davon 2 in der Türkei und eine in den USA. Zurzeit hat er keinen Boxer unter Vertrag, der (oder die) die Phantasie der breiten Boxöffentlichkeit anregen könnte. Aber er lässt seine Boxer arbeiten und hofft, dass sich einer von ihnen durchsetzt.

Comeback des Jahres (weiblich)
Alesia Graf (32 Kämpfe, 27 Siege, 12 durch KO, 5 Niederlagen), die ehemalige Weltmeisterin im Super Fliegengewicht und Super Bantamgewicht, kassierte 2014 zwei Niederlagen in Folge, jeweils in WM Kämpfen, nachdem sie 2013 gar nicht geboxt hatte. Im letzten November stieg sie gegen die Ungarin Marianna Gulyas (34 Kämpfe, 13 Siege, 2 durch KO, 21 Niederlagen, 12 durch KO) nun wieder in den Ring und gewann durch KO in Runde 2.

Bester Show Act des Jahres
Tyson Fury mit seinem Sieges-Liebes-Lied.

Boxer, der einen WM-Kampf verdient (männlich)
Der Leichtgewichtler Zapir Rasulov (30 Kämpfe, 30 Siege, 28 durch KO) boxte bisher in Deutschland, in der Schweiz (1 Mal), in Panama (4 Mal) und in den USA (2 Mal). Der Charlottenburger ist die Nummer 11 der WBA-Rangliste. Er hat eine KO Quote von 90%. Muss man noch mehr sagen?

Boxer, der einen WM-Kampf verdient (weiblich)
Lucia Morelli (25 Kämpfe, 19 Siege, 9 durch KO, 5 Niederlagen, 3 durch KO) boxt im Super Leichtgewicht. Alle ihre fünf Niederlagen kassierte sie im Ausland bei WM-Kämpfen, also im Wohnzimmer ihrer Gegnerinnen. Sie unterlag Cecilia Braekhus, Myriam Lamare, Delfine Persoon (zweimal) und Klara Svensson. Morelli verdient es, einmal vor heimischem Publikum einen WM Kampf bestreiten zu können.

Boxer, der zu Unrecht übersehen wird
Agron Dzilla (24 Kämpfe, 23 Siege, 18 durch KO, 1 Niederlage), der in der Schweiz lebende Cruisergewichtler aus Mazedonien, stahl am 21.03.015 auf der Sauerland Veranstaltung in Rostock allen, Jürgen Brähmer, Vincent Feigenbutz, Timo Schwarzkopf, Denis Boytsov, Stefan Härtel und Orhan Davis, die Show. Sein Kampf gegen Bernard Adie dürfte der beste Kampf des Abends gewesen sein. Dzilla gewann klar nach Punkten und damit den Titel der Global Boxing Union, aber einen Vertrag gewann er nicht.

Boxkampf, den wir 2016 sehen wollen (männlich)
Jack Robert Culcay-Keth (22 Kämpfe, 21 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage), genannt Jack Culcay, alias Golden Jack, ist Interims Champion der WBA im Super Weltergewicht. Er wird gerne als eine der deutschen Boxhoffnungen für eine Weltmeisterschaft vermarktet. Schön wäre es, wenn er und sein Management, Sauerland Event, sich dazu entschließen könnten, auch unter Beweis zu stellen, dass er der beste deutsche Super Weltergewichtler ist. Dafür müsste er aber schon gegen Besar Nimani (21 Kämpfe, 20 Siege, 16 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) antreten. Den Kampf will wohl jeder sehen.

Boxkampf, den wir 2016 sehen wollen (weiblich)
Bis jetzt kam es nicht zum Rückkampf zwischen Christina Hammer (19 Kämpfe, 18 Siege, 8 durch KO) und Anne Sophie Mathis (32 Kämpfe, 27 Siege, 23 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO). Wir erinnern uns: Der BDB Ringrichter Manfred Küchler, der immer noch gerne von seinem Verband eingesetzt wird, sorgte mit seinem ganzen Können dafür, dass die Mittelgewichtlerin Hammer den Kampf nicht durch KO verlor. Wenn nun Hammer, was wir auch schon etwas verstehen könnten, nun nicht mehr gegen Mathis antreten will, so könnte sie aber doch wenigstens gegen die Super Mittelgewichtlerin Nikki Adler (14 Kämpfe, 14 Siege, 8 durch KO) antreten.
© Uwe Betker

Written by betker

31. Dezember 2015 at 23:59

Veröffentlicht in Boxen, Frauenboxen, Uncategorized

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Samstagnachmittagsboxen in Essen mit dem Profidebüt des jüngsten Profiboxers Deutschlands

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Samstagnachmittag, nach dem Kaffee, ist eine gute Zeit für den Besuch einer kleinen Boxveranstaltung. Die Boxing Industry in Essen, das Gym von Sebastian Tlatlik, war am 12.12.2015 Austragungsort für drei Profikämpfe. Es gab keine Nummerngirls und auch keine Einmarschmusik. Es gab einfach nur Boxen. Dabei war auf dieser Mini-Veranstaltung sogar ein sehr bemerkenswerter Kampf, ein Profidebüt, zu sehen.
Den Anfang machten im Super Mittelgewicht Rustem Trott (7 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) und Pascal Manke (3 Kämpfe, 3 Niederlagen, 3 durch KO). Der bereits 44-jährige Trott trieb von der ersten Sekunde an seinen Gegner vor sich her. Immer wieder wechselte er die Auslage, womit Manke nicht zurechtkam. Ende der ersten Runde musste er dann auch direkt nach einem Auslagenwechsel eine Rechte zum Kopf nehmen, die ihn sichtlich erschütterte. Bei der Wiederholung der Szene einige Sekunden später zog Trott eine Rechte zum Solarplexus nach. Manke ging runter und wurde ausgezählt. Sieger durch KO in Runde 1 nach 2:27 Minuten: Rustem Trott.
Im Leichtgewicht trafen Sandro Lütke Bordewick (8 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 4 Niederlagen, 3 durch KO) und Mike Kässmann (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 4 durch KO) aufeinander. Bordewick, der bessere Boxer, agierte von der Ringmitte aus und trieb seinen Gegner vor sich her. Es gab im ersten Durchgang viele Schlagabtäusche, bei denen Bordewick die Oberhand behielt. Erstaunlich war, dass sich seine Atmung anhörte, als ob er bereits elf Runden gegangen wäre. In der zweiten Runde wurde Kässmann aktiver, bis er einer rechten Körperhaken nehmen musste, der ihn einknicken ließ. Hiernach schlug Bordewick mehr auf den Körper, was sein Gegner sichtlich nicht mochte. Als der Gong zur Ringpause ertönte, war er ein geschlagener Mann. Es gab eine kurze Diskussion in der Ecke mit seinem Trainer. Als die dritte Runde angegongt wurde, warf dieser dann das Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 3 nach 1 Sekunde: Lütke Bordewick.
Den Hauptkampf des Nachmittags bestritt Jann Kulik (1 Kampf, 1 Sieg, 1 durch KO) mit seinem Profidebüt im Junior Weltergewicht. Dabei bekam er es mit Sergey Vib (9 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO, 5 Niederlagen, 3 durch KO) zu tun. Kulik, der vonRobert und Sebastian Tlatlik trainiert wird, zeigte in der ersten Runde Explosivität und eine gute Führhand, die er variabel schlagen kann. Ein linker Körperhaken brachte Vib zu Boden. Kulik versuchte dann etwas überhastet den Kampf vorzeitig zu beenden, was ihm dann auch nicht gelang. Auch im zweiten Durchgang ging er noch hektisch ans Werk. Immer wieder stellte er Vib in den Ringseilen und deckte ihn ein. In der dritten Runde boxte er dann aber sehr viel ruhiger. Er schlug weniger, dafür aber effektiver. Eine Führhand zum Kopf gefolgt von einem brutalen Leberhaken schickte Vib erneut auf die Bretter, wo er dann von GBA Ringrichter Kornelius Bernds ausgezählt wurde. Sieger durch KO in Runde 3 nach 1:29 Minuten: Jann Kulik.
Kulik ist mit seinen 16 Jahren zurzeit der jüngste Profiboxer in Deutschland. Überhaupt scheinen hierzulande die Profis immer jünger zu werden. Auch der umtriebige Rainer Gottwald setzt und setzte mit Vinzent Feigenbutz und Leon Bauer auf die Jugend. Ich aber bin mir noch nicht sicher, was ich von dieser Entwicklung halten soll. Sehr sicher bin ich mir aber, dass Kulik ein großes Talent ist, das sich lohnt im Auge zu behalten.
© Uwe Betker

Drei Profiboxkämpfe im Assassin Gym in Dorsten

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Das Ehepaares Eda und Elias Essaoudi haben sich mit dem Assassin Gym in Dorsten einen gemeinsamen Traum erfüllt. Sie wollten immer ein eigenes Gym in ihrer Heimatstadt haben. Seit März gibt es nun das schöne, alles in allem, 600 Quadratmeter große Gym.
Am 29.09.2015 wurde hier eine Veranstaltung mit 26 Kämpfen ausgetragen. Es war die erste Veranstaltung hier. 18 Kämpfe wurden nach K1-Regeln ausgetragen. Hinzu kamen fünf Boxkämpfe. Den Abschluss bildeten 3 Profiboxkämpfe, die bei tropischen Temperaturen stattfanden. Um den leicht erhöhten Ring standen an drei Seiten ca. 34 Klappbänke, wie man sie auch aus Biergärten kennt.
Den 24. Kampf des Abends – das war der erste Profiboxkampf – bestritten im Cruisergewicht Flamur Elezaj (4 Kämpfe, 4 Siege, 4 durch KO) und Dejan Krneta (9 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 7 Niederlagen, 5 durch KO). Der Kampf war auf 4 Runden angesetzt. Elezaj, der größere und kompaktere Mann, wirkte stärker und fokussierter als sein Gegenüber. Früh ging Krneta zu Boden, dies war aber ein Ausrutscher und er wurde nicht angezählt. In der folgenden Szene nahm er aber eine Links-Rechts-Kombination und ging noch mal auf die Bretter; diesmal wurde er auch angezählt. Damit war dann auch das Ende des Kampfes eingeläutet. Krneta suchte sein Glück in Schwingern zum Körper, aber er fand es nicht, genauso wenig wie seine Schläge ihr Ziel fanden. Er ging erneut zu Boden und wurde wieder zu Recht nicht angezählt. Er war beim Klammern ausgerutscht. In der unmittelbar folgenden Aktion musste er dann aber wirklich zu Boden. Wieder hatte eine Links-Rechts-Kombination zum Kopf seine Wirkung erzielt. Kurze Zeit später schickte Elezaj, der eine solide Leistung zeigte, ihn noch mal auf die Bretter und der GBA Ringrichter brach den Kampf ab. Sieger durch TKO in Runde 1 nach 2 Minuten 30: Flamur Elezaj.
Es folgte, ebenfalls im Cruisergewicht, das Aufeinandertreffen von Sanel Papic (15 Kämpfe, 15 Siege, 12 durch KO) und Josip Jalusic (51 Kämpfe, 10 Siege, 7 durch KO, 40 Niederlagen, 15 durch KO) in einem Sechsrunder. Papic hatte die undankbare Aufgabe, gegen einen Stinker zu boxen. Jalusic ist ein Veteran, der eigentlich nicht wirklich boxen kann. Aber er kann nehmen, seine Deckung ist unorthodox und gar nicht schlecht. Vor allem aber lässt er seinen Gegner schlecht aussehen. Papic entledigte sich seiner Aufgabe aber gut. Er ging systematisch ans Werk und ließ sich von den Tricks und Clownerien Jalusics nicht beeindrucken. Ende der ersten Runde hatte er ihn auch in der neutralen Ecke gestellt, konnte den entscheiden Schlag aber nicht setzen. In der zweiten Runde ging Papic noch konzentrierter ans Werk und Jalusic versuchte durch Durchstecken von Armen und Kopf einen Kampf zu verhindern. Dann war plötzlich Schluss, nachdem Jalusic eine Verletzung des Beines reklamiert hatte. Sieger durch TKO in Runde 2 Nach 1 Minute 25: Sanel Papic.
Ich gebe zu, ich hatte schon den Verdacht, Josip Jalusic hätte sich aus dem Kampf gestohlen. Aber ich tat ihm unrecht. Nach der Veranstaltung saß ich in einem türkischen Imbiss, um die Ecke des Assassin Gym und aß eine sehr gute Iskembe Corbasi mit Çay. Wer kam humpelnd herein und bestellte auch einen Çay? – Josip Jalusic.
Den Abschluss bildete ebenfalls ein Sechsrunder. Im Super Weltergewicht trafen Ilias Essaoudi (3 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO) und Aleksandar Nikolic (17 Kämpfe, 3 Siege, 14 Niederlagen, 14 durch KO) aufeinander. In diesem Kampf demonstrierte Essaoudi sein Talent. Er boxte schnell, konzentriert und variabel. Dreimal schickte er sein Gegenüber zu Boden: Zweimal mit linken Körperhaken und das letzte Mal mit einem schönen rechten Cross. Hiernach nahm der Ringrichter den überforderten Nikolic aus dem Kampf. Sieger durch TKO in Runde 1 nach 2 Minuten 14: Ilias Essaoudi.
Die Veranstaltung von Eda und Elias Essaoudi machte Spaß. Dorsten ist auf meiner persönlichen Boxlandkarte nun kein weißer Fleck mehr und ich werde Elias Essaoudi im Auge behalten, denn der 24-Jährige ist ein Talent und man darf gespannt sein, wie er sich weiter entwickeln wird.
© Uwe Betker

Die zweite First Punch Night in Frankfurt/Main

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219 Km durch Schneegestöber hin und dann wieder 219 Km durch wechselhaftes Wetter, inklusive Nebel, zurück – und das für 7 Profikämpfe und 2 Amateurkämpfe. Aber ich wurde entschädigt. First Punch Box Promotion stellte am 24. Januar im Sports-Performance Studio in Frankfurt/Main eine durchaus sehenswerte Boxveranstaltung auf die Beine. Der Ort: Das tolle Boxgym in Frankfurt Griesheim von Sinisa Ivanisevic mit seiner besonders beeindruckenden Empore, von der aus man auf den Ring schauen kann.
Den ersten Kampf des Abend bestritten im Super Federgewicht Pierre David Wagner (4 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) und Sebastian Tlatlik (7 Kämpfe, 7 Siege, 6 durch KO). Tlatlik begann verhalten. Er beschränkte sich in der ersten Minute darauf, die Ringmitte zu besetzen und seinen Gegner zu studieren. Dabei wurde er kaum getroffen, zu gut waren seine Meidbewegungen und seine linke Führhand, mit der er sich seinen Gegner vom Hals hielt. Als Tlatlik dann aktiver wurde, konterte er Wagner vor allem ab. Immer wieder, wenn dieser seine Führhand zu langsam und zu tief zurückzog, schlug er einen linken Haken zum Kopf. Der fand auch immer wieder sein Ziel. Im weiteren Verlauf der Runde ging Tlatlik dann vermehrt zum Körper.
Am Anfang des zweiten Durchgangs stellte Tlatlik Wagner in der neutralen Ecke, eine Linke zum Kopf gefolgt von einem linken und einem rechten Körperhaken zwangen Wagner zu Boden. Hiernach ging Tlatlik auf die Jagd und Wagner war auf der Flucht. Die sporadischen Angriffe von Wagner waren nur noch dazu da, ihm kurzfristig Luft zu verschaffen. Tlatlik stellte seinen Gegner schließlich in seiner Ecke. Ein rechter Kopfhaken, gefolgt von zwei Körperhaken zwang Wagner erneut zu Boden. Das Ende kam dann in der gegenüberliegenden Ringecke. Mehrere Körperhaken, häufig rechte, ließen Wagner erneut runter gehen. Er kam zwar wieder hoch, wurde aber ausgezählt. KO in Runde 2 nach 2 Minuten und 42 Sekunden.
Nach einem Amateurkampf stiegen Emre-Han Semiz (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 3 durch KO) und Granit Shala (4 Kämpfe, 4 Siege, 4 durch KO) für einen Weltergewichtskampf in den Ring. Der Kampf war kurz, kurzweilig und brachte viele Niederschläge. Schon direkt am Anfang der ersten Runde brachte Shala Semiz zu Boden, wobei es sich aber um einen Stolperer handelte. Er wurde auch nicht als Niederschlag gewertet. Im Weiteren konnte sich der schlaksige und größere Semiz aber kaum der Angriffe von Shala erwehren. Eine Linke, gefolgt von einer Rechten und einem rechten Aufwärtshaken zum Kopf brachten ihn zu Boden. Er wurde angezählt. Später wurde er noch einmal angezählt, wobei dies wohl eher einer Kombination aus Schrittfehler und Schlagwirkung zu verdanken war. Immerhin erreichte er Semiz dadurch die Ringpause.
Zu Beginn der nächsten Runde musste er gleich wieder zu Boden. Kurze Zeit später ging er erst nach einer Linken und Rechten zum Kopf und später nach einem rechten Körperhaken runter. Es folgte ein weiterer Niederschlag, der noch mal eine Mischung aus Schlagwirkung und Stolpern war. Diesmal aber retteten ihn die 10 Sekunden Erholungszeit nicht. Ein rechter Körperhaken zwang ihn kurze Zeit später erneut zu Boden. Sitzend gab er auf. TKO Runde 2 nach 2 Minuten, 23 Sekunden.
Shala ist Profiboxer, Gastronom und Boxpromoter. Er hat angekündigt noch in der ersten Hälfte dieses Jahres wieder eine Profiboxveranstaltung auf die Beine stellen.
Die nächsten zwei Kämpfe dauerten nicht länger als eine Runde. Im ersten gab Marek Jedzejewski im Leichtgewicht sein Profidebüt. Er bekam es mit Azad Dogru (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 4 durch KO) zu tun. Jedzejewski, mehrfacher polnischer Meister der Amateure, ist offensichtlich ein Talent. Alles, was er in der kurzen Zeit im Ring zeigte, war beeindruckend. Er deckte seinen Gegner von Anfang an mit Schlägen, insbesondere mit Körperhaken, ein. Schon bald stellte er seinen Gegner in einer neutralen Ecke, ließ ihn nicht mehr heraus und deckte ihn mit Körperhaken ein. Nur mit Mühe konnte Dogru sich durch Klammen aus der Situation befreien und dadurch retten. Dieses Glück hatte er wenig später nicht noch mal. Jedzejewski nagelte Dogru in dessen Ecke fest. Körperhaken und viele Rechte zwangen ihn zu Boden, wo er sitzend seine Ecke anwies, das Handtuch zu werfen. TKO in Runde 1 nach 1 Minute, 28 Sekunden.
Im Federgewicht boxten dann noch Sergej Vib (6 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO) und Jason Eagen (2 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) gegeneinander. Eagen versuchte sein Glück durch Flucht nach vorn. Er griff ungestüm und unorthodox boxend an. Aber Vib konterte ihn ein ums andere Mal ab. Er stellte Eagen in dessen Ecke und zwang ihn durch Körperhaken zu Boden, wo er sitzend ausgezählt wurde. KO in Runde 1 nach 1 Minute und 51 Sekunden.
Nach einem weiteren Amateurkampf boxten Christian Pawlak (29 Kämpfe, 21 Siege, 12 durch KO, 7 Niederlagen) und Kevin Laubach (1 Kampf, 1 Niederlage, 1 durch KO) im Super Mittelgewicht gegeneinander. Pawlak war der bessere Boxer und in allen Belangen überlegen. Er zeigte gutes sauberes Boxen. Laubach zeigte Tapferkeit. Nach 2 Minuten und 46 Sekunden in der zweiten Runde machte der gute GBA-Ringrichter Thomas Hackenberg Schluss. Nach einem harten Leberhaken und mehreren anderen Treffern nahm er Laubach aus dem Kampf. Wenn man sich vor Augen führt, dass er seinen ersten Profikampf bestritt, so muss man die Leistung von Laubach noch mal höher bewerten.
Es gab dann auch noch eine Pause mit einer Tanzeinlage von jungen Damen.
Der vorletzte Kampf des Abends fand danach im Mittelgewicht statt. In ihm maßen Robert Szalach (3 Kämpfe, 3 Niederlagen, 3 durch KO) und John Rene (4 Kämpfe, 1 Sieg, 2 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) ihre Kräfte. Man muss allerdings sagen, dass diese Kräfte doch ziemlich ungleich verteilt waren. „Captain Caveman“ Rene ging mit brachialer Kraft zu Werke. Er knüppelte seinen Gegner geradezu viermal zu Boden. Zuletzt war es eine Kombination aus einem rechten Körperhaken, einem linken Kopfhaken, einem linken Aufwärtshaken zum Kinn, gefolgt noch von einem rechten Kopfhaken, der Szalach schließlich zu Boden schickte. Dann hatte der Ringrichter Kornelius Bernds genug und brach die einseitige Begegnung ab.
Hauptkampf des Abends war die Internationale Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht der German Boxing Association. In ihr trafen Samy Raid Musa (6 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO) und Rustem Trott (5 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) aufeinander. Musa bestimmte von der ersten Sekunde an das Kampfgeschehen, wobei er sich aber Zeit ließ. Er beeindruckte mit seiner Führhand, die immer wieder ihr Ziel fand. Er nutze konsequent seinen Reichweitenvorteil. Immer wieder konterte er geschickt Trott ab. In der zweiten Runde wurde Musa aktiver und erhöhte den Druck. Dann kam er plötzlich mit einer schönen rechten Grade zum Körper durch und traf genau den Solarplexus. Trott klappte zusammen wie ein Taschenmesser. KO in Runde 2 nach 1 Minute und 34 Sekunden.
Trotz Schneegestöber haben sich die 219 Km hin und die 219 Km zurück gelohnt. Die zweite First Punch Night in Frankfurt war eine gute Boxveranstaltung, die Spaß gemacht hat. Man kann nur hoffen, dass der Promoter Christoph Jaszczuk noch viele weiteren folgen lässt.
© Uwe Betker

PS: Im Eifer des Gefechtes habe ich in der ursprünglichen Fassung dieses Berichtes Sergej Vib mit Jason Eagen verwechselt. Dafür möchte ich mich bei allen, vor allem bei den beiden Kämpfern entschuldigen.

Der erste Titelkampf für Melanie Zwecker

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Die Federgewichtlerin Melanie Zwecker (5 Kämpfe, 5 Siege, 2 durch KO) bestreitet am 10. Mai in ihrer Heimatgemeinde Dettenheim bei Karlsruhe ihren ersten Titelkampf. Ês geht hier um den Internationalen Titel der World Boxing Federation. Ihre Gegnerin ist Grecia Nova (35 Kämpfe, 11 Siege, 3 durch KO, 20 Niederlagen, 8 durch KO, 4 Unentschieden).
Zwecker ist, meiner Meinung nach, eines der großen Talente im deutschen Frauenboxen – und es scheint mir so, als gäbe es zurzeit mehr weibliche als männliche Talente. Sie wird von Michael Siegel in Karlsruhe trainiert, der auch der Veranstalter (Baden Box Promotion) ist.
Zwecker ist bereits die Nummer 24 in der unabhängigen Weltrangliste. Nova befindet sich auf Position 35. Der Titelkampf der WBF ist der erste wirkliche Härtetest für sie. Man kann natürlich das Wort Titelkampf in Anführungszeichen setzen, weil der Verband WBF keiner der großen ist und dementsprechend ein „International“ Titel von diesem Verband nicht gerade atemberaubend viel bedeutet. – Leider gibt es im Frauenboxen noch mehr Verbände als beim Männerboxen. – Dennoch, ein solcher Titel ist immerhin ein Titel und das beinhaltet die Möglichkeit, einen Achtrundenkampf anzusetzen. Wenn Zwecker den Kampf eindrucksvoll gewinnt, dann kann sie die Weltspitze angreifen.
Das Federgewicht ist eine starke Gewichtsklasse, in der noch zwei andere deutsche Boxerinnen aktiv sind, Goda Dailydaite (9 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO, 1 Niederlage) und
Elina Tissen (19 Kämpfe, 17 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen). Die eine befindet sich auf Position 13, die andere auf Position 8 der unabhängigen Weltrangliste. Eine Begegnung mit jeder von den beiden im Ring würde einen guten und interessanten Kampf ergeben – würde ich unbedingt auch life sehen wollen. Aber Zwecker muss erst einmal diesen Kampf gewinnen. Leider schaffe ich es nicht hinzufahren.
© Uwe Betker

Die ultimativ subjektive Liste 2013

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Boxer des Jahres
Robert Stieglitz (49 Kämpfe, 46 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO) wurde am 23.03.2013 Weltmeister der WBO im Super Mittelgewicht. Er besiegte dabei nicht nur den Titelträger Arthur Abraham, der ihn 25.08.2012 als Weltmeister entthronte hatte, sondern er zwang ihn zur Aufgabe.

Boxer des Jahres (ehrenhalber)
Der Weltergewichtler Alexander Mengis (5 Kämpfe, 4 Siege, 1 KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) gab Alles für den Sport, den wir lieben. Er gab sogar seine Gesundheit dafür. Am 23.05.2013 wollte er in Berlin gegen Stefan Worth seinen Internationalen Deutschen Meistertitel verteidigen. In der der 8. Runden ging er KO. Er war schwer verletzt und wurde in einem berliner Krankenhaus in ein künstliches Koma versetzt. Er gab eine Notoperation und eine Verlegung nach Stuttgart.
Nach meinen Informationen gibt es keinen, der für den Zustand von Mengis verantwortlich ist. Alle Beteiligten haben wohl Alles richtig gemacht. Boxen ist gefährlich und Alexander Mengis ist das Opfer einer furchtbaren Tragödie.

Boxerin des Jahres
Elina Tissen (19 Kämpfe, 17 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen), die in Orynbor, Russland geborene „Elin The Machine“, boxte am 26.10.2013 gegen Fleis Djendji, die bis dahin von ihren 37 Kämpfen immerhin 16 gewinnen konnte. Eine interessante Wahl auf dem Hintergrund, dass sie ungeschlagene und andere Boxerinnen mit sehr viel besseren Kampfrekorden als Gegnerin abgelehnt hatte.
Bei ihrem Kampf gegen Djendji soll es um den vakanten GBU-Titel im Superbantamgewicht gegangen sein. Die „5-Fach Worldchampionesse“ gewann natürlich einstimmig nach Punkten. Das Problem an diesem Kampf ist nur, dass die Global Boxing Union den Kampf nicht sanktioniert und nicht beaufsichtigt hat. Offensichtlich hat überhaupt kein Verband Aufsicht geführt, jedenfalls war keiner willens ihn bei boxrec eintragen zu lassen. – Wenn ich mich recht entsinne, lehnte Frau Tissen dieses Jahr eine Pflichtverteidigung ab, weil ihr der deutsche Verband zu unseriös sei.
„Die 5-Fach Worldchampionesse“ Tissen ist die beste Boxerin der Welt, daher braucht sie auch keine Punktrichter und Ringrichter von irgendwelchen Verbänden. Daher ist sie auch die „Boxerin des Jahres“.

KO des Jahres
Gennady Golovkin schlug am 29.06.2013 Matthew Macklin in der dritten Runde KO. Jenen „Mack The Knife“ Macklin, der am 25.06.2011 gegen Felix Sturm umstritten nach Punkten unterlag. Er hatte aber gegen Golovkin keine Chance. GGG jagte und erlegte ihn. Ein unglaublich präziser und ansatzlos geschlagener Leberhaken beendete den Kampf.

Schlechteste Veranstaltung des Jahres
Es gab leider viele schlechte Veranstaltungen. An deutschen Ringen sitzen immer noch Punktrichter, die im Sinne der großen Veranstalter punkten und nicht das bewerten, was im Ring zu sehen ist. Es wird immer noch an der Waage manipuliert. Es werden Boxer für Kämpfe gebucht, die sie nicht gewinnen können und dabei passiert es, dass sie verletzt werden. Die schlimmsten Veranstaltungen sind jene, bei denen Boxerinnen oder Boxer zu Schaden kommen.

Rookie (männlich) des Jahres
Der Super Mittelgewichtler Vincent Feigenbutz (10 Kämpfe, 9 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) geht seinen Weg. In seinem zweiten Kampf verlor er durch TKO. Die folgenden Kämpfe konnte er alle gewinnen und fast alle durch KO. Er boxte bereits in Ungarn und in Polen.

Rookie (weiblich) des Jahres
Die 29-jährige Melanie Zwecker (4 Kämpfe, 4 Siege, 1 durch KO) schickt sich an, das Federgewicht aufzumischen. Die von Michael Siegel trainierte Boxerin aus Karlsruhe ist eines der größten weiblichen Talente in Deutschland. Es bleibt zu hoffen, dass sie viele Kämpfe bekommt, um sich sportlich weiterzuentwickeln und in den Ranglisten weiter aufzusteigen.

Absteiger des Jahres
Waldemar Kluch, der Käufer der Hülle von Universum Box-Promotion, schickte wohl folgende SMS an Klaus-Peter Kohl: „Sie haben unsere wahrnung ighnorirt. Ich habe die freundlichkeit ihnen mitteilen ich habe bekommen ihnen Hand und Ohr abschneiden. Sie haben 2 wochen sich einigen wegen universum mit anwahlt. kein wort an Polizei oder klug. sonst sofort Kugel in Kopf. Deine letzte Chance danach du nie wieder gesund dein geld ausgeben. Allah dich bestrafen Du ungläubiger.“

Aufsteiger des Jahres
Eva Rolle, die früher in Berlin Profiboxkämpfe veranstaltete, wurde zur Präsidentin des MBC, Malta Boxing Council, des maltesischen Verbandes gewählt. Keiner versteht, warum dies geschah und weshalb der maltesische Verband eine Ausländerin zu seiner Präsidentin machte. Aber dies ist sicherlich ein Aufstieg für Frau Rolle, der sich vermutlich auf finanziell für sie lohnen dürfte.

Aussteiger des Jahres
Der russische Schwergewichtler Alexander Wladimirowitsch Povetkin (27 Kämpfe, 26 Siege, 18 durch KO, 1 Niederlage) ließ sich seit Mitte 2005 von den Rundfunkgebühren der Deutschen bezahlen. Als Gegenleistung boxte er ein wenig, vermied es aber, gegen einen der Klitschkos anzutreten und arbeitete an seiner politischen Karriere als loyaler Gefolgsmann von Wladimir Putin. Am 05.10.2013 stellte er sich endlich Wladimir Klitschko (64 Kämpfe, 61 Siege, 51 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) und verlor klar nach Punkten. Nun hat der in Tschechow lebende Povetkin angekündigt, natürlich nicht auf Deutsch, denn er hat sich schließlich 8 Jahre lang geweigert, auch nur ein Wort Deutsch zu sprechen, nicht mehr für Sauerland Event anzutreten. Er wird in Zukunft für den russischen Milliardär Andrey Ryabinski antreten, der zuletzt den Kampf zwischen ihm und Klitschko für 23 Mio. US-Dollar ersteigert und veranstaltet hatte.

Veranstalter des Jahres
Der Magdeburger Veranstalter Ulf Steinforth hat sich etabliert. Von den großen Promotern in Deutschland, ist er derjenige, der die solidesten Veranstaltungen auf die Beine stellt. Mit seinem WBO Weltmeister im Super Mittelgewicht, Robert Stieglitz (49 Kämpfe, 46 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO), hat er den Mann unter Vertrag, der Arthur Abraham zur Aufgabe zwang und entthronte.
Man kann auch sagen SES Boxing ist gerade noch „Veranstalter des Jahres“ geworden. Die beiden letzten Gegner von Stieglitz hätten allerdings wirklich besser sein können. Und Michael Wallisch (10 Kämpfe, 10 Siege, 7 durch KO) eine Internationale Deutsche Meisterschaft gegen einen Alexander Kahl boxen zu lassen, der von der EBU gesperrt war, ist geradezu ein Tiefschlag. Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich SES Boxing entwickelt.
Der Newcomer Michaelis TV aus Erkrath zeigte allen in der Branche bei seiner ersten Veranstaltung, wie es geht. Es wurden gute Kämpfe und eine perfekte Show gezeigt. Man darf gespannt sein, ob Bernd Michaelis dem Boxen treu bleibt und damit weiter der Konkurrenz zeigt, wie es geht.

Veranstaltung des Jahres
Die Veranstalter Benedikt Poelchau und Götz Bauer (Blanko Sports) machten am 07. September 2013 in Ravensburg ihre erste Veranstaltung und setzten damit direkt Standards. Es gab gutes Boxen zu sehen, die Kampfansetzungen waren durch die Bank weg gut und der Veranstaltungsort, ein Biergarten, war gut gewählt. Was will ein Boxfan mehr?
Blanko Sports schickt sich wohl an, auch in den USA zu veranstalten. Man kann hier nur viel Glück wünschen und hoffen, dass bald auch deutsche Boxer in den USA ihre Erfahrungen sammeln können.

Boxevent des Jahres
Den Rahmen bildete die „erste WM im Charity Boxen“, bei dem sich Uwe Hück, der Konzern-Betriebsratsvorsitzende und stellv. Aufsichtsratsvorsitzende der Porsche AG und Luan Krasniqi in einem Ring in Ludwigsburg trafen. Der Newcomer aus Erkrath, Michaelis TV, machte alles richtig. Es gab gutes Boxen und eine perfekte Show zu sehen. Bemerkenswert ist, dass Bernd Michaelis das richtige Gespür für Profiboxen zeigte. Denn die Abfolge der Kämpfe sowie die Wahl des Hauptkampfes, ich spreche hier vom Profiboxen und nicht von Charity Boxen, war genau richtig.

Fehlentscheidung des Jahres
Istvan Szili vs. Goekalp Özekler. Am 23.08.2013 kam für Istvan Szili nur ein Unentschieden heraus, wo nach meiner Meinung nach ein klarer Punktsieg hätte stehen müssen. Die beiden BDB Punktrichter Frank Michael Maass (114:114) und Holger Wiemann (113:115) retteten für Oezekler ein Unentschieden. Auch der Ringrichter tat hierfür, was er konnte, indem er auf das ständige Klammern von Özekler durch Ignorieren reagierte.
Nun könnte man argumentieren, dass Szili ja immerhin noch ein Unentschieden bekommen hat und daher dieser Kampf nicht zur Fehlentscheidung des Jahres taugt. Dem muss man aber entgegenhalten, dass es diesmal nicht bei einem der üblichen Verdächtigen zu so einer Fehlentscheidung gekommen war, also nicht bei den Veranstaltern, bei denen so etwas schon fast zur Regel gehört. Dieses Mal reihte sich EC Boxing in die Reihe dieser Veranstalter ein und EC-Boss Erol Ceylan reagierte denn auch, genau wie die anderen Promoter, mit Aussitzen und Ignorieren.
Hinzu kommt, dass Istvan Szili eigentlich in die Kategorie „Boxer, der einen WM-Kampf verdient“, gehört. Durch die Aktivität der Punktrichter und des Punktrichters vom Bundes Deutscher Berufsboxer e.V. aber ist das Ziel Weltmeisterschaft in weite Ferne gerückt. Seit diesem Unentschieden bekam er nämlich keinen Kampf mehr.

Trainer des Jahres
Ulli Wegner. Wohl niemals zuvor hat ein Trainer einem seiner Schützlinge so deutlich in der Öffentlichkeit gesagt, dass er nicht an ihn glaubt. Wegner musste sich entscheiden, ob er am 26. Oktober 2013 sich in die Ecke von Ex-Weltmeister Arthur Abraham oder von Karo Murat stellt. Abraham bestritt einen Kampf um die Zeit bis zu einem neuen WM Kampf gegen Robert Stieglitz zu überbrücken. Murat bestritt einen WM Kampf gegen die Boxlegende Bernard Hopkins. Wegner beschloss, bei dem sicheren Sieger Abraham in der Ecke zu stehen. Er erklärte: „So ein Kampf ist eine einmalige Sache. Aber wir müssen Prioritäten setzen. Wir brauchen Arthur noch.“
Murat verlor und Abraham gewann erwartungsgemäß. Alle Fernsehzuschauer konnten in den Rundenpausen sehen, dass Wegner Abraham nicht mehr erreichen kann. Aber die Deutlichkeit, mit der Wegner an die Öffentlichkeit geht, macht ihn zum Trainer des Jahres.

Entgleisung des Jahres
Manuel Charr zog kurz in den „Promi Big Brother“ Container ein, um dort zu verkünden, er hielte Wladimir Klitschko für 100% schwul. Nun ist eigentlich das fremd- oder zwangsouten seit mehr als 20 Jahren out. Damals hatte der Schwulenaktivist Rosa von Praunheim, der mit bürgerlichen Namen Holger Radtke heißt, zwei Showmaster geoutet. Nun versuchte sich der Schwergewichtler Manuel Charr, der mit bürgerlichem Namen Mahmoud Omeirat Charr, in der gleichen Disziplin.

Boxkampf (männlich) des Jahres
Der WM Kampf zwischen Alexander Wladimirowitsch Povetkin (27 Kämpfe, 26 Siege, 18 durch KO, 1 Niederlage) und Wladimir Klitschko (64 Kämpfe, 61 Siege, 51 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) am 05.10.2013 war langweilig. Er war sogar furchtbar langweilig. Dennoch war er für mich der Boxkampf des Jahres, weil hier der linientreue russische Putingefolgsmann und russischer Nationalist in Moskau auf den Bruder des Führers der ukrainischen Opposition traf.

Boxkampf (weiblich) des Jahres
Den habe ich verpasst.

Comeback des Jahres (männlich)
Adnan Catic (45 Kämpfe, 39 Siege, 18 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) ist wieder Weltmeister und diesmal sogar ein richtiger. Nachdem er, seit seiner Loslösung von Universum Box-Promotion 5-mal erfolgreich den WBA Super Champion Titel im Mittelgewicht verteidigte, den er laut Verbandsstatuten gar nicht tragen durfte, dann gegen Daniel Geale verlor und dadurch erstaunlicherweise seinen Titel verlor, konnte er am 07.122013 der IBF Weltmeister Darren Baker entthronen. Nun ist er also wirklich nach dreieinhalb Jahren wieder Weltmeister.
Catic zeigte in seinem Kampf gegen Baker die beste Leistung seit Jahren. Das letztlich eine Hüftverletzung von Baker zum TKO Erfolg führte, schmälert nicht die Leistung von Catic. Es war ein beeindruckendes Comeback. Man kann nur hoffen, dass Catic seine wieder gefundene Stärke jetzt auch dazu nutzt, gegen starke Gegner anzutreten.

Comeback des Jahres (weiblich)
Rola El-Halabi stieg nach 16 Monaten Zwangspause – ihr Stiefvater hatte auf sie geschossen und sie verletzt – am 12.01.2013 gegen Lucia Morelli wieder in den Ring. Sie gewann zwar nicht die Titel der WIBA (Women’s International Boxing Association), GBU (Global Boxing Union) und WBF (World Boxing Federation) im Leichtgewicht, aber sie zeigte einen guten Kampf und, was eventuell noch viel wichtiger ist, sie zeigte sich als gute und faire Verliererin, was leider sehr selten ist und was wirkliche Größe zeigt. Heute ist sie Weltmeisterin im Junior Weltergewicht nach Version WBF (World Boxing Federation).

Bester Show Act des Jahres
2013 gab es viele bemerkenswerte Show Acts:
Die Rundenpausen mit Ulli Wegner und Arthur Abraham. Diese beiden wirken auf mich wie ein seit ewigen Zeiten verheiratetes Paar, das sich nicht traut, sich scheiden zu lassen, obwohl es sich nichts mehr zu sagen hat und sich auch nicht mehr versteht.
Eine großartige Show war auch, als Ulli Wegner den Ringarzt Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Walter Wagner zu Hilfe rief, um zu verschleiern, dass Arthur Abraham gegen Robert Stieglitz aufgegeben hatte.
Aber der beste Show Act war:
Kalle Sauerland kritisierte öffentlich den Kampfstil von Wladimir Klitschko. Er forderte fairere Kämpfe und dass man sich an die Regeln gehalten möge.

Boxer, der einen WM-Kampf verdient (männlich)
Nuri Seferi (40 Kämpfe, 34 Siege, 20 durch KO, 6 Niederlagen. 1 durch KO) ist Cruisergewichtler. Der Albanian Tyson ist nur noch einen Sieg von einer Platzierung entfernt, die ihn berechtigen würde, um eine WM zu boxen.

Boxer, der einen WM-Kampf verdient (weiblich)
Özlem Sahin (17 Kämpfe, 16 Siege, 5 durch KO, 1 Unentschieden), die amtierende Interims Weltmeisterin im Junior Fliegengewicht nach Version WIBF ist eigentlich eine natürliche Minimumgewichtlerin. Sie muss kein Gewicht machen und ist dort stärker, als in den höheren Gewichtsklassen. Wir dürfen gespannt sein, ob sie 2014 einen WM Kampf im Minimumgewicht bekommt.

Boxer, der zu Unrecht übersehen wird
Agron Dzila (20 Kämpfe, 19 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage) ist ein Cruisergewichtler, dem man viel zutrauen kann. 2011 wurde er Jugend Weltmeister der WBC. Es wäre schön, wenn er 2014 ein paar Kämpfe gegen starke Gegner bekommen würde.

Boxkampf, den wir 2014 sehen wollen (männlich)
Felix Sturm vs. Gennady Golovkin. Sturm trat mit dem Anspruch an, gegen die Besten boxen zu wollen. Diesem Anspruch ist er bis jetzt nicht gerecht geworden. Man könnte sogar den Eindruck gewinnen, dass Sturm Golovkin seit den gemeinsamen Tagen bei Universum Box-Promotion aus dem Weg geht. Sturm hat sich durch seinen Sieg über Darren Baker seinen Platz im Geschichtsbuch des Boxens gesichert. Die Frage ist nun, ob dort auch vermerkt wird, dass er immer vor Golovkin davonlief. Es wird Zeit, dass Sturm seinen großen Worten nun auch Taten folgen lässt.

Boxkampf, den wir 2014 sehen wollen (weiblich)
Der Weltmeisterin der WBC, WBA und WBO im Weltergewicht, Cecilia Braekhus (23 Kämpfe, 23 Siege, 7 durch KO), gehen die Gegnerinnen aus. Kaum eine Gegnerin hat auch nur die Spur einer Chance gegen sie. Hinzu kommt natürlich auch das sehr clevere Matchmaking von Sauerland Event. Die einzige Gegnerin, die ihr gefährlich werden kann, ist Jessica Balogun (25 Kämpfe, 23 Siege, 11 durch KO, 2 Niederlagen). Das erste öffentliche Aufeinandertreffen der beiden in einem Boxring, am 02.06.2012, konnte Braekhus für sich entscheiden. Balogun ist heute reifer und fokussierter und daher könnte ein Rückkampf auch anders ausgehen.
© Uwe Betker

Written by betker

30. Dezember 2013 at 23:59

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