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Posts Tagged ‘Taouab Mohamed Hedi

Das Matchmaking der Universum Box-Promotion

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Am Samstag, dem 21. April veranstaltet Universum Box-Promotion in Schwerin. Im Hauptkampf des Abends treten Karoly Balzsay (26 Kämpfe, 24 Siege, 17 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) und Dimitri Sartison (30 Kämpfe, 29 Siege, 18 Durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) gegeneinander an. Dabei geht es um den WM-Titel der WBA im Mittelgewicht. Das ist eine vielversprechende Kampfansetzung.
Sehr bedenklich finde ich jedoch, dass nur vier Tage vor der Show offensichtlich die Hälfte der Gegner noch nicht feststeht. Absolut unverständlich ist, dass sogar der Gegner von Marcel Meyerdiercks (21 Kämpfe, 21 Siege, 5 durch KO) noch nicht feststeht. Immerhin boxt er um den Intercontinental Titel der WBO. Es ist zu befürchten, dass der alte und neue Matchmaker von Universum, Taouab Mohamed Hedi, das macht, wofür er schon berühmt ist. War dieses Matchmaking nicht mit für den Niedergang von Universum verantwortlich? War nicht der neue Besitzer des Boxstalls, Waldemar Kluch, mit einem anderen sportlichen Anspruch angetreten?
© Uwe Betker

Taouab Mohamed Hedi ist zurück

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Aufstieg und Niedergang von Universum Box-Promotion unter der Leitung von Klaus-Peter Kohl sind unverbrüchlich verbunden mit dem Namen Taouab Mohamed Hedi. Er war und ist jetzt auch wohl wieder der Matchmaker von Universum. Dariusz Michalczewski setzte ihm ein sprachliches Denkmal, als er auf die Frage eines Journalisten, wer denn der nächste Gegner sei, antwortete: „Irgend ein Kater Carlo.“ Gemeint war Paul Carlo, dessen einziger halbwegs bemerkenswerter Kampf seine KO Niederlage am 20.05.1995 gegen Michalczewski war.
Nun meldet sich Taouab Mohamed Hedi eindrucksvoll mit den Kampfpaarungen für die Universum Show am 28.01.2012 in Hamburg zurück. Der Cruisergewichtler Evgeny Tishchenko gibt sein Profidebüt gegen einen Mann, der von seinen letzten elf Kämpfen keinen einzigen gewinnen konnte. Der Herr heißt Ihor Pylypenko (15 Kämpfe, 3 Siege, 11 Niederlagen, 7 durch KO, 1 Unentschieden). Es handelt sich hier um eine Paarung, wie sie für ein Debüt üblich ist und an der man noch nicht den, nennen wir ihn mal „Hedi Touch“ erkennen kann. Was ich unter dem „Hedi Touch“ verstehe, erkennt man deutlicher, wenn man sich die Kampfansetzung etwas genauer ansieht.
Der ungeschlagenen Schwergewichtler Vladimir Tereshkin (14 Kämpfe, 13 Siege, 7 durch KO, 1 Unentschieden) darf gegen einen Landsmann aus Russland antreten, der immerhin von seinen letzten acht Kämpfen, drei nicht verloren hatte. Die Gegner, die er besiegte, hatten insgesamt vor ihm nur einen einzigen Kampf bestritten. Der Herr heißt Evgeny Orlov (24 Kämpfe, 13 Siege, 8 durch KO, 10 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden).
Im Super Federgewicht bekommt es Vitali Tajbert (23 Kämpfe, 21 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) mit einem Gegner zu tun, Jose Luis Graterol (29 Kämpfe, 14 Siege, 5 durch KO, 10 Niederlagen, 4 durch KO), der auf Position 247 der unabhängigen Weltrangliste ist. Dieser Mann verlor seine beiden letzten Kämpfe und von seinen letzten zehn verlor er sechs. Immerhin gewann er drei und er konnte auch ein Unentschieden erreichen.
Die ungeschlagene Schwergewichtshoffnung Denis Boytsov (29 Kämpfe, 29 Siege, 24 durch KO) bekommt es mit dem alten, genauer, mit dem 37 Jahre alten Haudegen Darnell Wilson (40 Kämpfe, 24 Siege, 20 durch KO, 13 Niederlagen, 2 durch KO, 3 Unentschieden)zu tun. Obwohl Wilson von seinen letzten zehn Kämpfen nur zwei für sich entscheiden konnte, ist diese Kampfansetzung noch vertretbar, und wohl für Hedis Verhältnisse extrem mutig.
Der Halbschwergewichtler Jürgen Brähmer (38 Kämpfe, 36 Siege, 29 durch KO, 2 Niederlagen) steigt auch mal wieder in den Ring. Dort wartet auf ihn ein gewisser Herr Jose Maria Guerrero (32 Kämpfe, 29 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden), der immerhin 2003 gegen Mario Veit nach Punkten verloren hatte.
Ruslan Chagaev (30 Kämpfe, 27 Siege, 17 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) wird nach seinem verlorenen WM Kampf gegen Alexander Povetkin (27.08.2011) vorsichtig wieder aufgebaut. Kertson Manswell (25 Kämpfe, 22 Siege, 17 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) hat einen Kampfrekord, der sich nett anhört, aber seine Niederlagen kassierte er immer gegen zweitklassige Schwergewichtler.
Auch Ina Menzer (28 Kämpfe, 27 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage), die ehemalige Weltmeisterin im Federgewicht, wird sehr vorsichtig wieder aufgebaut. Ihr Gegenüber: Milena Koleva (7 Kämpfe, 3 Siege, 3 Niederlagen, 1 Unentschieden), eine Dame aus Bulgarien, die keines ihrer letzten vier Gefechte für sich entscheiden konnte.
Der ungeschlagenen Federgewichtler Marcel Meyerdiercks (20 Kämpfe, 20 Siege, 5 durch KO) darf seine Kräfte mit Roberto Santos de Jesus (17 Kämpfe, 13 Siege, 9 durch KO, 4 Niederlagen, 3 durch KO) messen. Der Herr aus Brasilien gewann sogar seine beiden letzten Kämpfe. Zuletzt besiegte er einen Debütanten und davor wurde er brasilianischer Meister. Santos de Jesus konnte hier seine ganze Klasse zeigen und durch KO in Runde eins siegen. Sein Gegner hatte vorher fünfmal in Folge kurzrundig verloren.
Im Cruisergewicht trifft Firat Arslan (37 Kämpfe, 31 Siege, 20 durch KO, 5 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) auf Orlando Antonio Farias (33 Kämpfe, 23 Siege, 12 durch KO, 10 Niederlage, 6 durch KO). In derselben Gewichtsklasse kämpfen Rakhim Chakhkiev (11 Kämpfe, 11 Sieg, 9 durch KO) und Alexander Kotlobay (24 Kämpfe. 21 Siege, 15 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) gegeneinander. Das Aufeinandertreffen der Nummer 29 der unabhängigen Weltrangliste und der Nummer 46, bzw. der Nummer 26 und der Nummer 92, lässt ein wenig den „Hedi Touch“ vermissen.
Dafür darf dann Rafael Bejaran (14 Kämpfe, 13 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage) im Mittelgewicht um den Europameistertitel der WBO boxen. Sein Gegner Daniel Urbanski (31 Kämpfe, 21 Siege, 5 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO, 3 Unentschieden) kommt aus Europa, was schon einmal nicht immer bei diesem Titel vorkommt. Er hat auch seinen letzten Kampf gewonnen, was auch für seine Qualität spricht.
Taouab Mohamed Hedi meldet sich mit diesen Kampfpaarungen der Universum Box-Promotion Veranstaltung eindrucksvoll wieder zurück.
© Uwe Betker

Über den männlichen Blick auf Sport treibende Frauen

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Die Deutsche Bundespost bringt Sondermarken zur Fußball WM der Frauen heraus. Es gibt auch eine in das Trikot der deutschen Nationalmannschaft gekleidete Barbie Puppe. Im Fernsehen und in den Zeitungen wird ausführlich über die kickenden Frauen berichtet. Ganz Deutschland scheint hinter der weiblichen Fußballnationalmannschaft zu stehen. Viele scheinen ihnen sogar mehr zuzutrauen als ihren männlichen Kollegen.
Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, und die sind noch gar nicht so lange her, da war die Akzeptanz nicht so groß. Da waren unweigerlich Sprüche zu hören wie: „Frauen können das nicht.“ „Das ist doch kein Fußballspiel.“ Der Klassiker war ein von Sabbern oder Röhren begleitetes: „Trikottausch!“
Ich frage mich, warum die gleichen Medien, die jetzt auf der Frauenfußballwelle schwimmen, sich gleichzeitig mit Händen und Füßen gegen Frauenboxen wehren. Die ARD zeigt da einerseits die Fußballerinnen gerne life und in voller Länge. Aber Boxerinnen werden nicht gezeigt. Nur eine Nordeuropäerin wird mal hin und wieder in Ausschnitten und dann auch nur als Beimischung gezeigt. Eurosport bringt wohl prinzipiell keine boxenden Frauen. Es scheint fast so, als wollten die von älteren Herren dominierten Gremien der TV-Sender das Boxen als letzte männliche Bastion verteidigen.
Universum Box-Promotion hat zusammen mit Jürgen Lutz das Frauenboxen in Deutschland eingeführt. Regina Halmich wurde erst zur Boxweltmeisterin und dann zur Quotenkönigin. Nachdem Halmich mit dem Boxen aufgehört hatte, ging es mit dem Frauenboxen im rasenden Tempo abwärts. Dabei scheint der rapide Niedergang zu einem nicht geringen Teil auch der verfehlten Auswahl von Boxerinnen durch Klaus-Peter Kohl und seinen Schwiegersohn Dietmar Poszwa, dem grauenerregenden Matchmaking von Taouab Mohamed Hedi und skandalösen Fehlurteilen geschuldet zu sein.
Aber es gibt ein Frauenboxen in Deutschland. Es gibt einige sehr gute, ja weltklasse Boxerinnen in Deutschland. Vermutlich gibt es proportional, also gemessen an der Zahl der Aktiven, mehr weltklasse Boxerinnen als Boxer in Deutschland. Dass weibliche Boxer konsequent von den Medien im Allgemeinen und vom Fernsehen im Besonderen ignoriert werden, hat wohl vor allem mit dem männlichen Blick der Verantwortlichen auf das Boxen zu tun. Da hören wir dann wieder die schon bekannten, dumpf chauvinistischen Klischees: „Frauen können das nicht.“ „Das ist doch kein Boxen.“
© Uwe Betker

Ein Prä-Event

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Wenn private Fernsehanstalten Boxen übertragen, zeigen sie zumeist nicht Boxen, sondern eher ein Box-Event oder einfach auch nur ein Event. Da aber ein Profiboxabend, bevorzugt in einer Arena, nicht nur aus einem einzigen Kampf bestehen kann, gibt es auch hier, wie bei allen anderen Boxveranstaltungen, Vorkämpfe. Ich möchte nun dafür plädieren, diese Vorkämpfe bei bestimmten großen Events besser Prä-Events zu nennen.
Felix Sturm, der sein Veranstalter-Handwerk bei Klaus-Peter Kohl bzw. bei Taouab Mohamed Hedi gelernt hat, veranstaltet nun selber*. Sturms Freund, der Super Mittelgewichtler Patrick Dobroschi (13 Kämpfe, 11 Siege, 2 durch KO, 2 Unentschieden) kämpft gegen Mounir Toumi (11 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO). Dobroschi, die Nummer 176 in der Welt, boxt gegen einen Gegner, der überhaupt nicht in der Rangliste geführt wird. Beide Boxer leben in Köln; diese Begegnung dürfte aber vermutlich nicht mal die Kriterien der Kölner Stadtmeisterschaft erfüllen.
Mahmoud Omeirat Charr, der sich Manuel Charr (16 Kämpfe, 16 Siege, 8 durch KO) nennt, ist der Neuzugang in Sturms Boxteam. Der ungeschlagene Mann aus Syrien ist die Nummer 37 in der Schwergewichtsrangliste und sein Gegner, Jonathan Pasi (29 Kämpfe, 9 Siege, 4 durch KO, 18 Niederlagen, 7 durch KO, 2 Unentschieden) ist ein Cruisergewichtler, der schon mehr Kämpfe verloren hat, als Charr überhaupt bestritten hat. Pasi ist im Cruisergewicht lediglich die Nummer 288.
Der Schwergewichtler Alexander Kahl (23 Kämpfe, 15 Sieg, 13 durch KO, 7 Niederlagen, 6 durch KO, 1 Unentschieden) verlor seine letzten drei Kämpfe in Folge und ging in seinem letzten (12.11.2010) gegen Erkan Teper schwer KO. Nun bekommt es die Nummer 477 in der Welt mit dem Cruisergewichtler Sebastian Tuchscherer (16 Kämpfe, 6 Siege, 3 durch KO, 10 Niederlagen, 3 durch KO) zu tun. Tuchscherer ist die Nummer 358 im Cruisergewicht. Das ist zwar schon ein Kampf von zwei Boxern auf Augenhöhe, aber noch nicht einmal auf der Höhe einer Deutschen Meisterschaft.
Der aus Albanien kommende Mittelgewichtler Mike Keta (9 Kämpfe, 8 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO), die Nummer 318 in der Welt, darf seine Kräfte mit dem aus Kirgisistan stammenden Viktor Dick (24 Kämpfe, 13 Siege, 5 durch KO, 11 Niederlagen, 3 durch KO), der Nummer 179 der Welt, messen.
Der Schwergewichtler Adnan Redzovic (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) darf nun nicht, wie von Sturm Box-Promotion geplant, Werner Kreiskott (25 Kämpfe, 8 Siege, 6 durch KO, 16 Niederlagen, 6 durch KO) zu seinem zweiten KO innerhalb von zwei Wochen verhelfen. Nun muss er mit dem Ersatzgegner Ergin Solmaz (31 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 24 Niederlagen, 13 durch KO, 3 Unentschieden) vorlieb nehmen, dessen Kampfrekord für sich spricht.
Alle aufgeführten Kämpfe des Vorprogramms, besser gesagt des Prä-Events, haben ihre Berechtigung. Aber alle diese Kämpfe verdienen es nicht, ins Vorprogramm einer großen Boxveranstaltung aufgenommen zu werden. Womöglich sind sie jedoch gerade deshalb hier zu finden. Felix Sturm arbeitet wie früher Universum Box-Promotion gearbeitet hat. Implizit geht er davon aus, dass die Zuschauer nur in die Arena kommen um ihn zu sehen. Er geht wohl davon aus, dass diese Zuschauer sich weder fürs Boxen interessieren noch Ahnung davon haben. Wie soll man sich sonst ein Vorprogramm von solcher Qualität erklären. Wie schon gesagt, ich bin für die Einführung der Bezeichnung Prä-Event für das Vorprogramm von Box-Events, deren Qualität nicht über die von Kleinringveranstaltungen hinaus geht.
© Uwe Betker

Anspruch und Wirklichkeit

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Es klingt wie ein Mantra, das Felix Sturm seit Jahren in immer neuen Variationen betet: „Ich will die Besten boxen“, oder „Ich will Herausforderungen, will die Besten boxen.“ Nun gut, er hatte bis vor kurzem eine Begründung dafür, dass er nur sehr selten gegen die Besten boxte: Universum Box-Promotion. Sturm war lange bei dem hamburger Veranstalter unter Vertrag und als hanseatischer Kaufmann sah Klaus-Peter Kohl wohl vor allem aufs Geld bzw. auf die Rendite. Manchmal konnte da schon der Eindruck entstehen, dass der Matchmaker Taouab Mohamed Hedi vor allem darauf achtete, dass die Gegner möglichst billig sind.
Seit Mitte 2010 ist nun Adnan Catic, so heißt Felix Sturm wirklich, und als solchen habe ich ihn in seiner Amateurzeit häufig boxen gesehen, sein eigener Herr. Er hat zusammen mit dem Partner seiner Wahl die Sturm Box-Promotion gegründet. Er hat einen Vertrag mit SAT 1, die seine Kämpfe überträgt. Keiner kann ihn nun noch wie früher dazu zwingen, gegen unwürdige Boxer zu kämpfen. Der Anspruch lautet: „Felix Sturm will die Besten boxen.“
Wie so häufig klafft aber zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine Lücke. Und diese Lücke hat, was Herrn Catic angeht, die Ausmaße des Marianengrabens. Sturm, der Super Champion der WBA (37 Kämpfe, 34 Siege, 14 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) boxt gegen Ronald Hearns (27 Kämpfe, 26 Siege, 20 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO), der die Nummer 50 (!) der unabhängigen Weltrangliste ist.
Um die sportliche Qualität von Hearns Jr. richtig einschätzen zu können, muss man sich nur anschauen, wer direkt vor ihm in der Rangliste steht: Mahir Oral. Das ist eben jener Oral, der in seinem letzten Kampf gegen Sebastian Sylvester um den IBF-WM-Titel im Mittelgewicht boxen durfte und dabei deklassiert wurde. Die Kampfansetzung Sylvester gegen Oral war schon sehr grenzwertig. Aber Oral (33 Kämpfe, 28 Siege, 11 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) ist trotz dieser Niederlage noch immer vor Hearns in der Rangliste plaziert.
Man kann wohl behaupten, seine größte sportliche Leistung besteht darin, der Sohn von Thomas „The Hitman“ Hearns zu sein, dem legendären Weltmeister in drei Gewichtsklassen. Um es deutlich zu sagen: Ich halte Hearns für einen höchstens zweitklassigen, wenn nicht sogar drittklassigen Mittelgewichtler. Wieso also boxt Sturm nun nicht einen der Besten?
Von außen betrachtet sieht es das doch so aus, als wollte Sturm das, was nicht wenige als das Geschäftsmodell seines ehemaligen Veranstalters Klaus-Peter Kohl identifiziert haben, reproduzieren: Einen Titel erringen und diesen dann gegen möglichst billige Gegner verteidigen, um möglichst lange mit möglichst kleinem Risiko so viel Geld wie nur irgend möglich zu verdienen.
Beklagte Sturm sich nicht unlängst in einem Interview, dass „gute Gegner“ alle zu viel Geld fordern? Erwartet er denn wirklich, dass die Top-Boxer nach Deutschland kommen, um für kleines Geld zu boxen?
Ich persönlich halte es für durchaus legitim, wenn Sturm in der ihm als Boxer noch verbleibenden Zeit versucht, so viel Geld wie nur irgend möglich zu verdienen und dabei so wenig Arbeit zu investieren und so wenige Risiken einzugehen wie überhaupt nur möglich. Nun formuliert Sturm aber den Anspruch, die Besten boxen zu wollen und muss es sich jetzt gefallen lassen, daran gemessen zu werden. Und dabei zeigt sich, dass er diesem Anspruch in keiner Weise gerecht wird. M. a. W. fühle ich mich nicht dadurch verprellt, dass Sturm diesen Gegner für sich ausgesucht hat, sondern durch den Anspruch, mit dem er Hearns präsentiert.
© Uwe Betker

Eine ansteckende Seuche

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Es scheint eine ansteckende Seuche zu sein, eine Epidemie, wenn nicht sogar eine Pandemie. Diese schier unausrottbare Seuche heißt: Unwürdige Gegner. Das neuste Opfer, das wir zu beklagen haben, ist Felix Sturm.
Der World Boxing Association Super Champion Felix Sturm (37 Kämpfe, 34 Siege, 14 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) ist jetzt wohl auch von dieser heimtückischen Seuche infiziert worden. Wie ist es denn sonst zu verstehen, dass er am 19.02.2011 gegen Ronald Hearns boxen will. Zugegeben, Hearns (27 Kämpfe, 26 Siege, 20 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) hat eine guten Kampfrekord. Der übertragende Sender SAT 1 ist bestimmt auch dafür dankbar, dass über Hearns eine wunderbare „Homestory“ zu machen ist. Er ist schließlich der Sohn des legendären Thomas „The Hitman“ Hearns, des ehemaligen Weltmeisters im Welter-, Junior Mittel- und Mittelgewicht.
Aber der schöne Kampfrekord von Hearns Jr. kann uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass er ein Gegner ist, der keinen WM-Kampf verdient hat. Er boxte noch nie gegen einen namhaften Boxer. Sein letzter Gegner war Robert Kliewer (15.10.2010, TKO 6), der 7 seiner letzten 8 Kämpfe verlor, 5 sogar durch KO. Sein vorletzter Gegner, Delray Raines (17.04.2010, KO 1), hatte 1 Unentschieden, 1 Niederlage, 2 Siege, 1 Niederlage, 1 Sieg, 1 Niederlage, 1 Sieg, 1 Niederlage usw., bevor er auf Hearns traf. Der Gegner davor, Martez Logan (27.03.2010, W 6), brachte es gar auf 10 Niederlagen in Folge. Das waren die Gegner von Hearns im letzten Jahr und auch insgesamt entspricht das der Qualität an Boxern, gegen die er bis jetzt so boxte. Trifft er dann mal auf einen besseren, wie Harry Joe Yorgey (22 Kämpfe, 21 Siege, 9 durch KO, 1 Unentschieden), verliert er auch prompt (28.03.2009) durch KO in Runde 9.
Es ist dann auch nicht weiter verwunderlich, dass Hearns in der unabhängigen Weltragliste nur auf Position 64 geführt wird. Die WBA führt ihn in ihrer Rangliste bis jetzt überhaupt noch nicht. Wie dieser Verband dann auf die Idee kommen kann, diesen Kampf überhaupt zu sanktionieren, ist mir ein Rätsel.
Ich gebe zu, es hätte bei 1086 gerankten Boxern im Mittelgewicht auch noch schlimmer kommen können. Sturms Matchmaking weist für mich da doch große Ähnlichkeit auf mit dem von Taouab Mohamed Hedi von Universum Boxpromotion. Naiv wie ich bin, habe ich Sturm aber zunächst geglaubt, als er verkündete, es besser machen zu wollen als sein alter Arbeitgeber Universum. Aber da habe ich mich wohl gewaltig geirrt.
Adnan Catic, der sich, seit er Profi ist, Felix Sturm nennt, hatte sich nach seinen juristischen Querelen mit Klaus-Peter Kohl und der damit verbundenen Zwangspause mit seinem Punktsieg über Giovanni Lorenzo am 04.09.2010 immerhin eindrucksvoll zurück gemeldet. Aber was ihn und sein Management nun dazu treibt, seinen Ruf durch einen so schlechten Gegner direkt wieder zu beschädigen, kann ich gar nicht verstehen. Womöglich glaubt er wirklich, dass die Zuschauer nicht merken, einen wie absolut unwürdigen Gegner er da engagiert hat. Das Schicksal von Universum hätte ihm doch eigentlich zeigen sollen, dass ein solches Matchmaking nicht immer gut geht.
Es gibt nur ein Heilmittel gegen die beschriebene ansteckende Krankheit: Bessere Gegner. Alle in Deutschland boxenden Weltmeister sollten sich dazu verpflichten, gegen keinen zu boxen, der nicht unter den Top 30 der unabhängigen Weltrangliste gerankt ist.
© Uwe Betker

Der Traum eines jeden Veranstalters (2)

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Wie schon gesagt: Jeder Veranstalter von Profiboxkämpfen träumt von einem Schwergewichtsweltmeister. Ein Schwergewichtsweltmeister verspricht Geld, viel Geld, noch mehr Geld – und zudem noch ein gerüttelt Maß an Aufmerksamkeit. Daher setzt wohl auch Universum Box-Promotion in seiner nächsten Veranstaltung am 04.12.2010 in Schwerin konsequent auf die schweren Jungs. Der Hauptkampf ist die Europameisterschaft im Schwergewicht zwischen Alexander Dimitrenko (31 Kämpfe, 30 Siege, 20 durch KO, 1 Niederlage) und Yaroslav Zavorotnyy (19 Kämpfe, 14 Siege, 12 durch KO, 5 Niederlagen, 2 durch KO).
Im Vorprogramm boxt unter anderem Juan Carlos Gomez (51 Kämpfe, 48 Siege, 36 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO). Gomez, der ehemalige Weltmeister der WBC im Cruisergewicht von 1998 bis 2001, bringt sich gerne als möglichen Gegner für einen der Klitschkos ins Gespräch. Bei seinen letzten Auftritten sah er eher untrainiert und übergewichtig aus. Sein Gegner heißt Herold Sconiers (40 Kämpfe, 17 Siege, 11 durch KO, 21 Niederlagen, 8 durch KO, 2 Unentschieden). Gomez, der 19te der unabhängigen Weltrangliste, hat den Anspruch, um die WM zu boxen. Und da kämpft er gegen einen Boxer mit einem negativen Kampfrekord?! Sconiers ist die Nummer 210 der unabhängigen Rangliste. Es ist schon erstaunlich wie hier Anspruch und Wirklichkeit auseinander klaffen. Der Matchmaker von Universum Box-Promotion, Taouab Mohamed Hedi, liefert hier ja wohl ein Beispiel dafür, was ich ein klassisches Mismatch nenne. Will man einen so schlechten Boxer buchen, muss man doch keinen aus Florida einfliegen lassen.
Mahmoud Omeirat Charr genannt Manuel Charr (15 Kämpfe, 15 Siege, 8 durch KO) bekommt es mit Zack Page (54 Kämpfe, 21 Siege, 7 durch KO, 31 Niederlagen, 3 durch KO), einem erfahren Handlungsreisenden in Sachen Boxen, zu tun. Von besonderem Interesse an diesem Kampf dürfte sein, zu sehen, ob Charr wieder mit der Schulter oder mit dem Kopf stößt, ob er mit dem Ellebogen schlägt und ob er sein „Temperament“ so weit untere Kontrolle hat, dass er nicht foult. Ein weiter interessanter Aspekt an diesem Kampf dürfte sein, ob ein Ringrichter vom BDB den Mut hat, Charr, wenn er den foult, dafür auch zu bestrafen.
Der wohl interessanteste Kampf im Vorprogramm, den man als nachträgliches stallinternes Duell verstehen kann, bestreiten Christian Hammer (9 Kämpfe, 7 Siege, 4 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) und  (30 Kämpfe, 26 Siege, 12 durch KO, 4 Niederlagen, 3 durch KO). Hammer heißt eigentlich Christian Ciocan und kommt aus Rumänien. Er ist aktuell und Bidenko war bei Universum unter Vertrag. Bidenko, der mittlerweile von Oktay Urkal trainiert und gemanagt wird, verlor seine letzten beiden Kämpfe (Robert Helenius und Denis Boytsov) im letzten Jahr. Aber auch Hammer verlor seinen letzten Kampf (Mariusz Wach). Natürlich ist Hammer der Favorit, aber ich halte eine Überraschung hier nicht für ausgeschlossen.
© Uwe Betker