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Wladimir Klitschko vs. Alexander Povetkin und vs. Markus Lanz

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Am Samstag, dem 05.10.2013 kämpft Wladimir Klitschko (63 Kämpfe, 60 Siege, 51 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) gegen Alexander Povetkin (26 Kämpfe, 26 Siege, 18 durch KO). Der ukrainische Schwergewichtsweltmeister der IBF (International Boxing Federation) und der WBO (World Boxing Organization) und der Super Champion der WBA (World Boxing Association) reist nach Moskau, um dort auf seinen russischen Herausforderer zu treffen.
Alexander Wladimirowitsch Povetkin war die große Schwergewichtshoffung von Sauerland Event. Kalle Sauerland persönlich, der Sohn von Wilfried Sauerland, holte den Goldmedaillengewinner der Olympischen Spielen 2004 in Athen nach Deutschland. Dadurch wurde dann auch medienwirksam der Generationenwechsel beim berliner Veranstalter öffentlich vollzogen. Povetkin blieb jedoch weit hinter den Erwartungen zurück, die man in ihn gesetzt hatte. In seinen acht Jahren als Profi errang er sich durch harte Arbeit den Titel „der zaghafte Zar“ und irgendwie wurde er auch so eine Art Quasi-Weltmeister der WBA im Schwergewicht.
Den Titel „zaghafter Zar“ hat er von mir verliehen bekommen. In einem früheren Internetauftritt gerierte er sich nicht nur als Zar, sondern bezeichnete sich auch selber so. Wie ein richtiger russischer Zar ist er natürlich ein „blütenreiner Demokrat“ und deshalb ist er Mitglied der Kremlpartei „Einiges Russland“. Er hat auch einen Abgeordnetensitz im Gebietsparlament der Oblast Kursk, was ihn wohl zu einem Nebenerwerbsprofiboxer macht. Jedenfalls boxte er in den letzten fünf Jahren nur ein Mal mehr als zweimal im Jahr. Das könnte man wohl so übersetzen: Povetkin kommt zweimal im Jahr nach Deutschland, um hier Geld zu verdienen. Dann geht er wieder zurück in seine Heimat, um dort seiner Haupttätigkeit in Kursk nachzugehen.
Zu dem Adjektiv „zaghaft“ als Zusatz zu seinem selbstgewählten Herrschertitel kam er, weil ihm bislang jedes Mal, wenn er gegen einen der Klitschkos boxen sollte, etwas dazwischen kam. Das eine Mal hindert ihn eine Nebenhöhlenentzündung am Fliegen. Ein anderes Mal lauerten ungeahnte Gefahren für Leib und Leben in der unendlichen Weite der Wälder von Russland, wo er sich dann beim Joggen verletzte. Schließlich erklärte sein Trainer Teddy Atlas, sein Schützling sei noch nicht so weit.
Ach so, beinah hätte ich noch vergessen zu erwähnen, dass Povetkin irgendwie ja Weltmeister der WBA ist. Natürlich ist er nicht der richtige Weltmeister – das ist natürlich noch immer Wladimir Klitschko. Aber da Klitschko auch Weltmeister anderer Verbände ist, machte die WBA ihn zum Super Champion. Eine solche Transformation eines richtigen Weltmeistertitels in einen erfundenen finde ich zwar unnötig, grotesk und schädlich für den Boxsport, aber in diesem Fall entspricht sie den Statuten – im Gegensatz zum Titel von Felix Sturm.
Dadurch, dass der Weltmeistertitel der WBA nun praktisch wieder vakant wurde, konnte Povetkin um ihn boxen, ohne gegen Wladimir Klitschko antreten zu müssen. Durch einen Punktsieg am 27.08.2011 über Ruslan Chagaev wurde er dann auch so eine Art Quasi-Weltmeister.
Nun aber findet der Kampf wohl doch statt. Darüber, was Povetkin nun dazu getrieben haben könnte, jetzt doch gegen einen Klitschko anzutreten, kann man nur spekulieren. Vielleicht drängt sein Veranstalter ihn ja dazu. Ein richtiger Schwergewichtsweltmeister wäre schließlich ein gutes Argument, um dem drohenden Vertrags-Aus bei der ARD etwas entgegen zu setzen. Dem Charme der Quoten eines Schwergewichtsweltmeisters könnte sich die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland denn kaum entziehen können. Aber mit einem Povetkin als richtigem Weltmeister hätte Sauerland Event mit Sicherheit gute Chancen, auch bei einem anderen TV Sender unterzukommen.
Natürlich ist es auch genauso gut möglich, dass ich Povetkin in den letzten Jahren schlicht Unrecht getan habe und es sich wirklich nur um eine Aneinanderreihung von Unfällen und Zufällen handelte, die ihn dann daran gehindert haben gegen einen Klitschko anzutreten. – Es könnte aber auch noch eine ganz andere Erklärung geben. Wenn man sich nämlich mal so umhört, dann findet man kaum jemanden, der ernsthaft mit seinem Sieg rechnen würde. Aber im Schwergewicht ist immer alles möglich.
Interessant dürfte es sein, wie Wolodymyr Wolodymyrowytsch Klytschko mit dem Druck umgeht. Zum einen boxt er in der Heimat seines Gegners. Er boxt aber auch gegen Markus Lanz, denn RTL hat die Übertragung des Boxkampfes aus Moskau auf den Sendeplatz von „Wetten, dass …?“ gelegt. Noch vor gar nicht so langer Zeit, wäre das undenkbar gewesen. Aber seit Lanz sind die Quoten der einstmals großen Samstagabend Unterhaltungsshow im freien Fall begriffen. Zuletzt sahen nur noch 6,7 Millionen zu, während bei einem später boxenden Klitschko schon 10 Millionen einschalteten.
Radio Télévision Luxembourg greift also mit Wladimir Klitschko das ZDF frontal an. Schon heute wird in der Presse spekuliert, ob Lanz, bzw. „Wetten, dass …?“ nach einer Niederlage im direkten Vergleich der Zuschauergunst noch eine Zukunft hat.
Das Zweite Deutsche Fernsehen sollte sich überlegen, ob es nicht wieder ins Boxen einsteigen will, anstatt weiter auf ein 32 Jahre altes Showkonzept und einen Showmaster zu setzen, der vom Publikum nicht akzeptiert wird. Schließlich sollte es doch möglich sein, aus den Fehlern der Vergangenheit, d.h. aus der Zusammenarbeit mit Universum Box-Promotion, zu lernen.
© Uwe Betker

Marco Huck im Schwergewicht

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Marco Huck (35 Kämpfe, 34 Siege, 25 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) ist amtierender Weltmeister im Cruisergwicht nach Version WBO. Nun will er sein Glück im Schwergewicht versuchen, nachdem er schon mehrfach die Klitschkos herausgefordert hat. Er tritt aber nicht gegen einen der Herausgeforderten an, sondern gegen seinen Stallgefährten bei Sauerland Event Alexander Povetkin (23 Kämpfe, 23 Sieg, 16 durch KO). Povetkin darf sich Weltmeister im Schwergewicht nennen, weil die WBA Wladimir Klitschko (59 Kämpfe, 56 Siege, 49 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) zum Superchampion machte und dadurch einen weiteren Weltmeister erfinden konnte. Dabei dürfte allerdings wohl niemand auf der Welt Povetkin als richtigen Weltmeister ansehen.
Muamer Hukic, der sich jetzt Marco Huck nennt, will nun seine Kräfte mit Schwergewichtlern messen. Ich persönlich hätte mit gewünscht, dass er vorher noch gegen ein paar starke Cruisergewichtler geboxt hätte. Aber die will er offensichtlich nicht. Er äußerte niemals vernehmbar den Wunsch, jedenfalls habe ich es nie gehört, seine TKO-Niederlage gegen Steve Cunningham vom 29.12.2007 auszuwetzen. Auch seinen m.E. beschämend zu nennender Sieg über Denis Lebedev vom 18.12.2010 wollte er nicht geraderücken. Vielmehr besiegte er fleißig Gegner, die er besiegen konnte.
Nun also trifft er auf Alexander Povetkin, der sich über lange Jahre den Ruf eines zaghaften Boxers erarbeitet hat, weshalb er auch in Abwandlung seines Kampfnamens von mir „Zaghafter Zar“ genannt wurde. Für einen Sieg von Huck spricht, dass Povetkin sich vor kurzem von seinem us-amerikanischen Trainer Teddy Atlas getrennt hat. Das dürfte mit Sicherheit Auswirkungen auf die Vorbereitung gehabt haben. Gegen einen Sieg spricht, dass kaum ein Cruisergwichtler es schafft, Weltmeister im Schwergewicht zu werden. – Die alles überstrahlende Ausnahme stellt Evander Holyfield dar.
Man darf gespannt sein, wie der Kampf ausgeht.
© Uwe Betker

Internationaler Deutscher Meister: Alexander Povetkin

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Erwartungsgemäß besiegte Alexander Povetkin (22 Kämpfe, 22 Siege, 15 durch KO) Ruslan Chagaev (30 Kämpfe, 27 Siege, 17 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden). Nicht erwartet hatte ich allerdings, dass Povetkin sich so schwer tun würde.
Nun darf sich Povetkin also WBA Weltmeister im Schwergewicht nennen. Er ist natürlich nicht der „richtige“ Weltmeister, denn der heißt schließlich immer noch Wladimir Klitschko (59 Kämpfe, 56 Siege, 49 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO). Aber die WBA erklärte Klitschko einfach zum Super Champion, und schon konnten die Titel noch einmal vergeben werden, was auch bedeutet, dass die WBA natürlich noch einmal kassieren kann.
Der Kommentator des Kampfes in der ARD versuchte nun den Zuschauer glauben zu machen, Povetkin und Chagaev seien die Besten nach den Klitschkos. Das bezweifle ich persönlich allerdings stark. Mit meinen Zweifeln bin ich wohl auch nicht ganz allein, denn der ARD Mitarbeiter, der den Kampf von Robert Helenius (16 Kämpfe, 16 Siege, 11 durch KO) kommentierte, sah Helenius noch vor Povetkin. Vielleicht sollte die ARD immer, und nicht nur im Bedarfsfall, die unabhängige Weltrangliste zu Rate ziehen.
Man kann aber auch die Boxer und deren Trainer selber fragen, wo sie sich sehen. Man könnte sie da einfach fragen, ob sie gegen einen der Klitschkos boxen wollen. Diese Frage stand nämlich den ganzen Abend im Raum. Ich hatte schon den Eindruck, dass Povetkin, sein Trainer Teddy Atlas und die ARD eine solchen Kampf auf keinen Fall haben wollen. Damit wiederum wäre die Wertigkeit der WBA Weltmeisterschaft im Schwergewicht eindrucksvoll illustriert.
Um es deutlich zu sagen: Wir sahen einen guten Kampf. Aber wenn die WBA und das Profiboxen nicht so wären, wie sie nun mal sind, dann wäre der Kampf zwischen Povetkin und Chagaev ein Kampf um die Internationale Deutsche oder Österreichische Meisterschaft oder eventuell auch um die Europameisterschaft gewesen. Die britische Boxing News überschrieb ihren Vorbericht zum Kampf denn auch mit „Fool´s Gold“.
© Uwe Betker

Der zaghafte Zar ist die Nummer 2

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Alexander Povetkin (21 Kämpfe, 21 Siege, 15 durch KO), unser zaghafter Zar, sah in seinen letzten Kämpfen alles andere als überzeugend und dominant aus. Wir erinnern uns: Nach seinem letzten, mäßigen Kampf in Berlin am 18.12.2010 gegen Nicolai Firtha kanzelte sein Veranstalter Wilfried Sauerland ihn öffentlich im Fernsehen ab und kritisierte seine Trainerwahl und seine boxerische Entwicklung.
Nach dem Kampf gegen Firtha wurde bekannt, dass Povetkin sich im ersten Drittel die Schlaghand verletzt hatte. Gleichwohl steht die Kritik im Raum, dass Povetkin sich unter seinem neuen Trainer Teddy Atlas boxerisch nicht weiter sondern zurück entwickelt hat.
Trotzdem wurde Povetkin unlängst vom Weltverband WBA auf Platz 2 der Rangliste im Schwergewicht gesetzt. Im Dezember noch war Ruslan Chagaev (29, Kämpfe, 27 Siege, 17 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden) auf 1, Dennis Boytsov (28 Kämpfe, 28 Siege, 23 durch KO) auf 2 und Alexander Povetkin auf 3 gesetzt. In der Rangliste vom Januar tauschten Boytsov und Povetkin die Plätze – auf den ersten Blick eine unverständliche Entscheidung. Hier könnte man sehr gut hineininterpretieren, dass Povetkin nur darum so hoch eingestuft wurde, weil der Weltmeister der WBA, David Haye (26, Kämpfe, 25 Siege, 23 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO), mit Povetkins Promoter Sauerland Event geschäftliche Beziehungen unterhält.
Natürlich versucht sich Sauerland Event in eine günstige Ausgangsposition zu bringen für den Fall, dass der Klitschko-Haye-Kampf platzen sollte – was ich persönlich für sehr wahrscheinlich halte. Ein Aufeinandertreffen von Haye und Povetkin könnte auch tatsächlich sehr interessant werden. Beide sind wohl eher als Cruiser- denn als Schwergewichtler anzusehen. Es könnte also ein guter Kampf werden, sofern der zaghafte Zar Mut zeigen, sich bei der Vorbereitung nicht verletzen sollte und, wenn sein Trainer ihn denn lässt.
Die gleichzeitige Heraufstufung von Povetkin und Herabstufung von Boytsov ist auch durchaus vertretbar. Povetkin war nämlich noch im Dezember aktiv, und zwar gegen einen Gegner, der in der Rangliste im 60er Bereich anzutreffen ist. Boytsov dagegen boxte zuletzt im November (19.11.2010) gegen Mike Sheppard, der heute auf 148 steht. Dementsprechend ist der Positionswechsel der Beiden zu rechtfertigen.
© Uwe Betker

Auf der Suche nach der Hintertür (2.)

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Teddy Atlas, Povetkins Trainer seit Mitte 2009, kündigte an, seinem neuen Zögling „einen neuen Stil zu verpassen“. Sichtbare Erfolge hat er damit bis jetzt aber noch nicht, jedenfalls sehe ich keine. Povetkins letzter Kampf ähnelte mehr einer Bankrotterklärung als einer boxerischen Offenbarung. Auf diesem Hintergrund macht es auch Sinn, dass Atlas den Kampf gegen Wladimir Klitschko verhindert hat.
Offensichtlich glaubt er nicht, dass Povetkin in absehbarer Zeit zur Weltspitze vordringen kann. Denn wie sonst ist es zu erklären, dass er auch dessen Teilnahme am IBF Tunier verhinderte. Dem Sieger winkt, oder sollte man auf Povetkin bezogen lieber sagen, droht ein Kampf gegen Wladimir Klitschko. Das ist der, den der „zaghafte Zar“ und sein Trainer auf keinen Fall in absehbarer Zeit im Ring gegenüber stehen wollen.
Povetkin scheint zum einen zu spüren, dass er kein richtiger Schwergewichtsprofi ist und zum anderen scheint er auch nicht den Willen zu haben, sich im Ring zu beweisen. Er hat offenbar nicht den Ehrgeiz, sich und der Welt zu zeigen, dass er der beste Schwergewichtler ist. Vielmehr träumt er sich wohl in seine gute alte Zeit zurück, in der er das Maß aller Dinge im Amateurboxen war. Wie sonst ist zu erklären, dass der Olympiasieger von 2004 unlängst darüber sprach, noch einmal an den Olympischen Spielen teilnehmen zu wollen. So etwas nennt man wohl eine Flucht in die Vergangenheit.
Alexander Povetkin ist mittlerweile 31 Jahren alt und müsste eigentlich auf dem Höhepunkt seiner Kraft und seines Könnens sein. Sein Veranstalter Sauerland Event möchte natürlich so schnell wie möglich eine WM-Kampf und einen WM-Titel. Sah nicht Kalle Sauerland stolz aus, als er den großen Coup landete und den von allen begehrten Povetkin für Sauerland Event unter Vertrag nahm? Es ist davon auszugehen, dass Povetkin ihn eine Stange Geld gekostet hat und auch noch heute kostet, und nun wird er langsam von dem Geld etwas zurück bekommen wollen.
Da lässt sich ein Boxer von einem Veranstalter gut bezahlen, um sich dann, bevor es anfängt weh zu tun, klammheimlich aus dem Staub zu machen. Nun hält sich mein Mitleid gegenüber dem Veranstalter in sehr engen Grenzen. Und wäre nur der Veranstalter von diesem Verhalten betroffen, so könnte man sich als Betrachter zurücklehnen, abwarten, beobachten und sich darüber amüsieren, dass es hier einmal ein Boxer geschafft hat, seinen Veranstalter über den Tisch zu ziehen. Aber da gibt es ja noch die Zuschauer, und die erwarten doch noch etwas mehr. Ich halte ein solches Verhalten gegenüber den Boxfans für ganz schlechten Stil. Zu viele Zuschauer haben Povetkin schließlich angefeuert und mitgefiebert, wenn er gekämpft hat. Hat Povetkin nicht große Reden geschwungen und angekündigt, Wladimir Klitschko entthronen zu wollen? Und es gab nicht wenige, die ihm geglaubt haben. Mit diesen Sprüchen ist er eine Verpflichtung gegenüber dem Zuschauer eingegangen, der er offensichtlich in keinster Weise nachzukommen gedenkt. Es sieht danach aus, als ob Povetkin irgendeinen Hinterausgang sucht, um sich zu drücken. Wie schon gesagt: Schlechter Stil!
© Uwe Betker

Auf der Suche nach der Hintertür (1.)

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Es gab Zeiten, da war ein Schwergewichtler bzw. ein Weltmeister im Schwergewicht die Inkarnation von Mut und Kraft. Es gibt ein Comicheft, in dem man Muhammad Ali gegen Superman kämpfen sieht. Es wird die Geschichte kolportiert, dass einmal ein zum Tode Verurteilter in den USA bei seiner Hinrichtung geschrieen haben soll: „Joe Louis rette mich!“
Auf Alexander Povetkin bezogen, kann ich mir noch nicht einmal vorstellen, dass er irgendwann gegen einen nur etwas stärkeren Gegner kämpft, geschweige denn gegen einen Boxer wie Wladimir Klitschko. Von Superman wollen wir mal ganz schweigen. Und im Augenblick käme wohl noch nicht einmal mehr ein Hase auf der Flucht auf die Idee von Povetkin Rettung zu erwarten. Wenn man die Meldungen der letzten Wochen Revue passieren lässt, dann kann man von Povetkin eher den Eindruck eines Gehetzten bekommen, der auf der Suche nach einer Hintertüre ist.
Lässt man seine Karriere mal Revue passieren, so kann man den Eindruck gewinnen, der erste geplatzte WM-Kampf gegen Wladimir Klitschko im Dezember 2008 war der Wendepunkt. Erst verletzte er sich in den Tiefen der russischen Wälder einen Knöchel und musste den Kampf absagen. Und dann fand er nie wieder richtig Tritt. Sein Comeback-Kampf gegen Jason Estrada (04.04.2009) wurde von nicht wenigen Zuschauern als uninspiriertes und lahmes Geboxe empfunden. Der „zaghafte Zar“ zog daraufhin die Konsequenz. Er entließ seinen russischen Trainer Valeri Belov und suchte sich einen neuen, den er in Teddy Atlas auch fand.
Hier stellt sich natürlich die Frage, warum sich Povetkin gerade Atlas als Trainer ausgesucht hat. Atlas ist, obwohl er sein Handwerk bei dem großen Cus D´Amato gelernt hat, nicht unumstritten. So hat sich Donny Lalonde im Streit von ihm getrennt und der große Barry McGuigan wollte ihn nur einen einzigen Kampf lang in seiner Ecke haben. Atlas hat keinen einzigen Boxer aufgebaut und zur Weltspitze geführt. Seinen größten Erfolg hatte er mit Michael Moorer, den er aber auch gleichzeitig bei seinem Titelgewinn gegen Evander Holyfield (22.04.1994) öffentlich in der Pause nach der 8. Runde demontierte.
Da sagte er nämlich zu ihm: “Do you want me to fight? Huh? Do you want me to trade places with you. Do you? Listen. This guy [Holyfield] is finished. There comes a time in a man’s life when he makes a decision – to just live. Survive. Or he wants to win. You’re doing just enough to keep him off you. And hope he leaves you alone. You’re lying to yourself. You’re gonna cry tomorrow because of this. Do you want to cry tomorrow? Huh? Don’t lie to yourself. Back this guy up and fight a full round.” Es gibt Stimmen, die meinen, diese Ansprache hätte er extra für das Fernsehpublikum gehalten und nicht, weil er Moorer motivieren wollte. Atlas wechselte später ganz zum Fernsehen als Kommentator und Analyst und trainierte in den letzten Jahren keine Boxer mehr.
Jenen Atlas also suchte sich Povetkin als Trainer aus. Hier möchte ich nicht die philosophische Frage stellen, ob ein Boxer, der Zeit seines Lebens einen ost-europäisch geprägten Stil boxte, mit einem US-amerikanischen Trainer überhaupt gut bedient ist. – Wladimir Klitschko ist dabei explizit ausgenommen, da er ja erst als reifer und erfolgreicher Boxer zu Emanuel Steward wechselte. Für mich ist eine ganz andere Frage viel interessanter, nämlich die: Warum entscheidet sich ein russischer Boxer, der seinen Lebensmittelpunkt in Tschechow/Russland hat, für einen Trainer, der in den USA lebt und arbeitet?
© Uwe Betker

Ist die Karriere von Povetkin schon vorbei?

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Alexander Wladimirowitsch Povetkin hat seinen letzten Gegner Teke Oruh durch KO in Runde 5 besiegt – soweit, so überraschungsarm. Povetkin zeigte sich im Olympischen Sportpalast in Chekhov. Der Kampf war in Deutschland, soweit ich weiß, weder im Fernsehen noch im Internet zu sehen. Daher muss man sich auf die Informationen von Povetkins Veranstalter verlassen, und die sind schon bemerkenswert.
Die Website von Sauerland Event schreibt: „Povetkin verbuchte vor heimischer Kulisse von Beginn an leichte Vorteile für sich. Mit Kopf- und Körpertreffern sicherte er sich Runde um Runde. Der 32-jährige Oruh versuchte mit Kontern dagegen zu halten und verwickelte den Kontrahenten mehrfach in einen direkten Schlagabtausch. Dabei sah der von Teddy Atlas gecoachte russische Lokalmatador nicht immer gut aus.“
Lese ich richtig? „Leichte Vorteile“? und sah beim Schlagabtausch „nicht immer gut aus“? – Und das schreibt Sauerland Event? Hier muss man sich doch noch mal vor Augen führen, gegen wen Povetkin hier angetreten ist. Immerhin sollte er doch vor kurzem noch als Pflichtherausforderer gegen Wladimir Klitschko boxen, bis er wohl beschloss, auf seinen Trainer Teddy Atlas zu hören und sich lieber krank zu melden.
Zur Erinnerung: Herr Oruh stand vor diesem Kampf fast zwei Jahren lang nicht mehr im Ring. Er war in der unabhängigen Weltrangliste nicht (mehr) gelistet. Seine beiden letzten Kämpfe hatte er verloren. Und gegen einen solchen Boxer sieht ein Povetkin „nicht immer gut aus“?
Vor dem Kampf hieß es noch auf Seiten von Sauerland Event, dass dieser Kampf von Povetkin nur ein leichter Aufgalopp werden sollte vor einem schweren Kampf am 30. Oktober. Nun heißt es: „Wie am Rande der Veranstaltung in Chekhov bekannt wurde, gibt es jetzt andere Pläne.“ Weiß der Veranstalter Sauerland Event etwa nichts von den Plänen seines Boxers Povetkin und dessen Trainer Atlas. Da könnte man doch fast auf die Idee kommen, dass es Meinungsverschiedenheiten zwischen Veranstalter und Boxer gibt. Jedenfalls ist eine so offene Kritik an seinem eigenen Boxer schon sehr auffällig.
Der letzte Kampf und Sieg des „zaghaften Zaren“ wirft, für mich zumindest, mehr Fragen auf, als er Antworten gibt: Wie ist es möglich, dass Povetkin sich unter einem so renommierten Trainer wie Teddy Atlas nicht weiter-, sondern eher zurückentwickelt? Gegen wen soll Povetkin denn als nächstes noch boxen? Oder anders gefragt: Ist die Karriere von Povetkin schon vorbei, bevor sie überhaupt richtig angefangen hat?
© Uwe Betker