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Ein lauer Sommerabend in Euskirchen

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Benny Blinder ging ein Risiko ein. Er organisierte eine Oper Air Boxveranstaltung. Und dieser Mut wurde belohnt. Das Wetter war schon mal ideal. Und der Austragungsort, das schöne Erftstadion, war gut gewählt. Der überdachte Ring war vor der Tribüne aufgebaut. Links und rechts waren VIP Tische und dahinter noch zusätzliche Stuhlreihen und Stehtische aufgestellt. Es kamen schätzungsweise 2.000 bis 2.500 Zuschauer. Zu sehen gab es insgesamt 11 Kämpfe, davon fünf Profiboxkämpfe.
Den Anfang machten bei den Profis Hayk Harutyunyan (7 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO, 2 Niederlagen) und Nazar Thiaka (3 Kämpfe, 1 Sieg, 2 Niederlagen) mit einem Vierrunder im Mittelgewicht. Harutyunyan besetzte die Ringmitte und begann die Jagd. Er schob sich hinter seiner Doppeldeckung an Thiaka heran und deckte ihn, wenn er die Möglichkeit sah, mit Kombinationen ein. Dabei waren seine Körperhaken besonders schön. Thiaka lief an den Seilen entlang und hielt manchmal dagegen. Harutyunyan suchte den KO und Thiaka versuchte zu punkten. Es sah so aus, als würde sich die Angelegenheit eindeutig und einseitig entwickeln. Aber weit gefehlt. Ab der zweiten Runde brachte Thiaka mehr Hände ins Ziel, während die Powerpunches von Harutyunyan ihr Ziel nicht fanden. In der dritten Runde erhöhte Thiaka das Tempo und Harutyunyan machte noch weniger. In der vierten Runde versuchte nun Harutyunyan den Kampf zu drehen. Er machte aber zu wenig und verließ sich darauf, mit seinen Haken zum Kopf den Kampf vorzeitig entscheiden zu können. Aber die trafen ihr Ziel nicht. Einstimmiger Punktsieger (37:39, 37:39 und 37:39): Nazar Thiaka – eine Überraschung.
Im Schwergewicht trafen Andy Höschler (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) und Samuel Zade (8 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 6 Niederlagen. 6 durch KO). Die beiden Kontrahenten tasteten sich zunächst gegenseitig ab. Es war aber schon nach wenigen Sekunden klar, dass Höschler der bessere Techniker war. Er boxte abgeklärt und systematisch. Zade versuchte, aus dem Gefahrenbereich raus zu kommen und mit Schwingern zu beeindrucken. Am Ende der Runde ging Zade nach einer Schlagkombination zu Boden und der umsichtig agierende GBA Ringrichter Mike Wissenbach zählte bis acht. Nur wenige Sekunden später war die Runde zu Ende und damit auch der Kampf. Zur nächsten Runde trat Zade nämlich nicht mehr an. Er hatte sich die rechte Hand verletzt. Sieger durch TKO in Runde 2: Andy Höschler.

(C) Dominique Tabatabaei


Simon Krebs und Michael Klempert (26 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 21 Niederlagen, 15 durch KO, 3 Unentschieden) bestritten im Halbschwergewicht einen Vierrunder. Krebs, der Debütant, machte seine Sache zunächst gut. Er boxte ruhig und locker an. Wenn er mit seiner Schlaghand durchkam, überhastete er nichts, sondern boxte ruhig weiter. In der ersten Runde gab es insgesamt nur wenige Aktionen. In der zweiten Runde erhöhten beide Boxer das Tempo, wodurch es zu mehr Schlagabtäuschen kam. Die meisten von ihnen konnte Krebs für sich entscheiden. Hinzu kamen Junikäfer, Verwandte der Maikäfer, die vom Licht angelockt, die Boxer ein wenig irritierten. In der dritten Runde machte Klempert mehr Druck und stellte Krebs immer wieder. Der bekam denn auch mehr und mehr Schwierigkeiten. Der Ringrichter Timo Hoffmann hatte praktisch nichts zu tun gehabt. Die vierte Runde dann dominierte Klempert. Am Ende stand eine einstimmiges und gerechtes Unentschieden (38:38, 38:38 und 38:38).
Es folgte ein Achtrunder im Schwergewicht, in dem sich Hussein David Mohammed (12 Kämpfe, 12 Siege 11 durch KO) und Hasan Kurnaz (11 Kämpfe, 5 Siege, 5 durch KO, 6 Niederlagen, 6 durch KO) ihre Kräfte und ihr Können miteinander maßen. Die Junikäfer hatten inzwischen, unter Zurücklassung von knapp einem Dutzend zertretener Artgenossen, fast alle den Rückzug angetreten. Mohammed boxte überlegen, machte aber wenig. Er nutzte seinen Reichweitenvorteil und spielte mit seinem Gegner. Zur zweiten Runde wollte Kurnaz, aufgrund einer Verletzung, nicht mehr antreten. Sieger durch TKO in Runde 2: Hussein David Mohammed.

(C) Dominique Tabatabaei


Den Hauptkampf des Abend bestritt der Veranstalter Benjamin Blindert (11 Kämpfe, 11 Siege, 9 durch KO). Er traf auf Vito Vendetta (21 Kämpfe, 13 Siege, 8 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden). Es ging um den vakanten Intercontinental Titel im Halbschwergewicht der GBC. Blindert beherrschte die Ringmitte und trug Vendetta den Kampf an. Dabei zeigte er eine sehr schöne schnelle lange Führhand, mit der er punktete. Vendetta machte sich klein, wich aus und versuchte es mit Überfällen. Nach einer verhaltenen ersten Runde nahm der Kampf im zweiten Durchgang etwas an Fahrt auf. Blindert kam mehrfach mit seiner Rechten durch und Vendetta versuchte, mehr zum Körper zu gehen. In der dritten Runde gelangen Vendetta zwei Aktionen, bei denen er Blindert jeweils mit einem Schlaghagel überraschen konnte. Die nächste Runde dominierte wieder Blindert. Zweimal kam er schön mit dem rechten Cross durch. Zu Anfang der fünften Runde machte Blindert Vendetta stark, indem er in der Halbdistanz blieb. Auch den Rest der Runde konnte er nicht dominieren. In der folgenden Runde wurde der Kampf härter und Ringrichter Arno Pockrandt bekam mehr zu tun. Beide Boxer waren nicht mehr so frisch wie anfangs. Die Abtauche wurden verbissener. Am Ende der siebten Runde nahm Blindert eine Rechte zum Kinn und es sah so aus, als hätte es in seinem Kopf geblitzt. In der achten Runde wurde es noch mal härter. Vendetta hatte seine Momente, wenn er es schaffte, die Distanz zu verkürzen und mit Haken und Schwingern zu punkten. Blindert hatte seine Aktionen, wenn er mit der Führhand seinen Gegner stellte und mit seiner Schlaghand zum Kopf oder Körper nachzog. Mitte der neunten Runde fand sich Vendetta, nach einer Rechten zum Kopf, dann am Boden wieder. Vendetta kam stürmisch zurück in den Kampf, wurde aber immer wieder abgekontert. Auch in der zehnten und letzten Runde suchte Vendetta den KO, fand ihn aber nicht, weil Blindert zu gut boxte. De Punkrichter werteten: 99:90, 98:91 und 97:91. Einstimmiger Punktsieger: Benjamin Blindert.
Benny Blindert hat den Zuschauern in Euskirchen an einem lauen Sommerabend eine schöne Abendunterhaltung geboten. Man kann nur hoffen, dass es bald wieder einen solchen Abend geben wird.
© Uwe Betker

Gastbeitrag: Essener Boxing Fight Night „The Return“

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Özlem Sahin ist neue WIBA Weltmeisterin im Mini Fliegengewicht. Sie sicherte sich den vakanten Titel in zehn Runden gegen die Französin Anne Sophie da Costa. Außerdem feierte auf der Vierten Essener Boxnacht der Lokalmatador Patrick Korte ein souveränes Comeback im Schwergewicht.

(C) Andreas Bornewasser


Es war der erwartet schwere Schlagabtausch, und er ging über die gesamte Distanz. Doch letztendlich gewann Özlem Sahin verdient gegen die aufopferungsvoll kämpfende Französin mit dem klingenden Namen Anne Sophie da Costa nach einstimmigem Urteil. Dementsprechend groß war die Freude in der Ecke der 42-jährigen neuen WIBA Weltmeisterin bis 47,6 kg. Dort waren die Chancen auf einen Titelgewinn vor dem ersten Gongschlag nämlich mit 50:50 bewertet worden. Doch hätte das Pendel überhaupt in die Richtung der 36-jährigen Linksauslegerin aus Reims ausschlagen können? Eher nein. Zwar drückte sie beizeiten aufs Tempo und setzte Sahin auch unter Druck, so dass die sechs Jahre jüngere Französin durchaus vier Runden für sich entscheiden konnte, schaffte es aber nicht, ihre Kontrahentin wesentlich zu verunsichern oder gar in zu große Bedrängnis zu bringen. Nur in den ersten beiden und in der siebten sowie achten Runde, machte Costa deutlich, dass sie durchaus den Titel mit nach Frankreich nehmen wollte. Sie versäumte es aber, den Kampf in seiner Gesamtheit zu dominieren.
Sahin dagegen zeigte sich gut vorbereitet, variierte während des Kampfes Tempo und Distanz und hatte nach anfänglichen Schwierigkeiten – zu häufiges Ausweichen über Costas Schlaghandseite – das Geschehen im Viereck ab der dritten Runde weitestgehend unter Kontrolle. Ein um das andere Mal zog sie rückwärtsgehend ihre Gegnerin mit sich, um sie plötzlich abzufangen und mit präzisen Stößen zu stoppen. Im Verlaufe des Kampfes platzierte sie sogar einige schöne Aufwärtshaken am Kinn der Französin.
Warum die neue Titelträgerin dagegen in der Mitte der zweiten Kampfhälfte die Zügel schleifen ließ, wird wohl ihr Geheimnis bleiben, denn Costas Führhand fand plötzlich häufiger ihr Ziel, was Sahin sichtlich verunsicherte. Mehrmals gingen ihre Blicke in ihre Ecke, wo ihr Trainer Sebastian Tlatlik sie lautstark unterstützte und verstärkt auf ihre Distanzprobleme hinwies. Zu diesem Zeitpunkt war der Titel nämlich noch nicht eingetütet. Erst ab der neunten Runde schaffte es Sahin wieder, eine akzeptable Kampfdistanz zu finden und ihrer Gegnerin den Schneid abzukaufen. Dass in der letzten Runde beide Kämpferinnen nochmal das Letzte aus sich herausholten, liegt in der Natur des Boxsportes. Doch nur eine Verletzung oder ein Knockout hätten zu diesem Zeitpunkt den Titel nach Frankreich gehen lassen.

(C) Andreas Bornewasser


Mit einem Unentschieden musste sich dagegen der Kölner Rene Oeffner zufrieden geben. Der Rechtsauslager bekam es mit dem ungeschlagenen Artur Shevchuk zu tun, der sich die Punkteteilung redlich verdiente. Immer wieder setzte er den 22-jährigen Kämpfer vom May Boxing mit Serien und Kombinationen unter Druck, die zwar ihre Wirkung verfehlten, Oeffner aber kaum Möglichkeiten boten, seinerseits die Initiative zu ergreifen. So blieben dem Kölner nur vereinzelte Führ- oder Schlaghände als Aktionen. Die trafen zwar ihr Ziel, waren aber – im wahrsten Sinne des Wortes – ohne durchschlagenden Erfolg. „Ballere rein“, coachte Rüdiger May schließlich in der Pause zur letzten des auf sechs Runden angesetzten Kampfes. Eine Aufforderung, die leider ungehört verhallte.

(C) Andreas Bornewasser


Apropos Hall. Als Patrick Korte am Sonntag Morgen erwachte, hallten bestimmt noch die zahlreichen Glückwünsche in seinen Ohren wider, die er im Anschluss an seinem erfolgreichen Kampf hörte. Nach zehn Schwergewichtsrunden durfte der Essener Lokalmatador am Vorabend stolz und zufrieden seine Arme in die Höhe strecken. Dieser Punktsieg über Edson Cesar Antonio könnte der Karriere des 35-jährigen, der gut trainiert war, nun die erhoffte positive Wendung geben.
Der Kampf stand deutlich unter der Devise, Sicherheit zuerst, keine Experimente. So beließ es das Boxer-Trainer Gespann, Korte-Tlatlik, an diesem Abend bei drei einstudierten Aktionen, die letztendlich für den 41-jährigen Brasilianer ausreichten. Der Sieg war somit zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Für weitere Herausforderungen wird sich der Linksausleger Korte allerdings steigern und dabei weniger auf Couching, dafür mehr auf seinen Instinkt setzen müssen. Dass er diesen hat, bewies er in früheren Kämpfen mehrfach.
(C) Manfred Fammler

Profiboxen in Messehalle 7

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Halle 7 der Messe Essen, auf der „Mode, Heim und Handwerk“, fand am Freitag, dem 16.11.2018, zum zweiten Mal eine Veranstaltung der German Boxing Association statt. Die GBA machte damit einerseits auf einer großen Verbrauchermesse Werbung fürs Profiboxen. Andererseits wurde das karitative Projekt GIBEI (https://gibei.jimdo.com/) unterstützt, das sich im Senegal engagiert.

Bevor noch der Berichterstatter in der Halle angekommen war, hatte bereits Christian Hiller (12 Kämpfe, 11 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) seinen Comebackfight im Cruisergewicht bestritten. Hiller hatte mehr als zweieinhalb Jahre nicht mehr im Ring gestanden. Er besiegte Mirko Crnovic (11 Kämpfe, 11 Niederlagen, 10 durch KO) durch KO in Runde 1 nach 2:17.

Der ersten Profiboxkampf, den der Berichtersatter dann sah, war die Begegnung im Super Weltergewicht zwischen Hayk Harutunyan (5 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO) und Cankan Guenyuezlue (16 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 14 Niederlagen, 13 durch KO). Der Sechsrunder war kurz und einseitig. Harutunyan machte den Kampf und Guenyuezlue war überfordert. Bereits bei der ersten Aktion ging Guenyuezlue zu Boden. Hiernach ging er nach einer Rechten aufs Ohr zu Boden und zum dritten Mal nach einer Rechten zum Körper. Dann hatte Ringrichter Kornelius Bernds genug gesehen und brach die Begegnung ab. Sieger durch TKO in Runde 1, nach 1:08 Minuten: Hayk Harutunyan.

Maher Ayada (5 Kämpfe, 5 Siege, 5 durch KO) und Dogan Kurnaz (20 Kämpfe, 3 Siege, 17 Niederlagen, 16 durch KO) trugen einen Sechsrunder im Mittelgewicht aus. Der Kampf war munter. Beide gingen ein hohes Tempo. Nach zirka einer Minute schlug Kurnaz ins Leere und verletzte sich dabei die Schulter. Er wurde vom Ringarzt behandelt und stellte sich erneut. Nach kurzer Zeit signalisierte er seiner Ecke, dass er nicht mehr weiter boxen könne und es kam ein Handtuch geflogen. Sieger durch TKO in Runde 1, nach 2 Minuten: Maher Ayada.

Ebenfalls im Mittelgewicht boxten Ibrahim Ayada (7 Kämpfe, 7 Siege, 7 durch KO) und Ahmed Akit Beide (8 Kämpfe, 8 Niederlagen, 8 durch KO) einen Sechsrunder.  Ayada machte Druck und trieb seinen Gegner vor sich her. Er versuchte, vor allem durch Körperhaken zum Ziel zu kommen. Akit Beide versuchte, am Anfang lang zu boxen. Aber schon  bald verschanzte er sich oft hinter seiner Doppeldeckung und versuchte, an den Seilen entlang wegzukommen. In der zweiten Runde ging es so weiter, wobei Ayada den Druck erhöhte und Akit Beide immer wieder sein Heil in Angriffen suchte. Dann wurde er an den Seilen gestellt und mit Körpertreffern eingedeckt, so dass er zu Boden ging. Ringrichter Jens-Uwe Baum zählte bis acht. Akit Beide stellte sich wieder zum Kampf. Kurze Zeit später wurde er von einer harten Rechten zum Kinn schwer zu Boden geschickt, wo er lange lag und  ausgezählt wurde. Sieger durch KO in Runde 2, nach 2:42 Minuten: Ibrahim Ayada.

Den Hauptkampf des Nachmittags bildete die Deutsche Meisterschaft der GBA im Schwergewicht, die von Djuar El Scheich (7 Kämpfe, 7 Siege, 6 durch KO) und Rojhat Bilgetekin (25 Kämpfe, 9 Siege, 8 durch KO, 16 Niederlagen, 14 durch KO) ausgeboxt wurde. Beide boxten hinter einer kompakten Doppeldeckung. Beide boxten gut an, wobei El Scheich mehr machte. In der zweiten Runde wurde nun Bilgetekin aktiver, wodurch er sich seine Momente erarbeitete, aber El Scheich auch die Möglichkeit eröffnete, gute Treffer zu landen. Ende der Runde wurde Bilgetekin in seiner Ecke gestellt und er musste mehrere Treffer nehmen. Im dritten Durchgang war er wiederum so passiv, dass er dafür am Ende von Ringrichter Mike Wissenbach ermahnt wurde. In der vierten Runde musste Bilgetekin dann harte Treffer zum Körper und eine Rechte zum Kopf nehmen, die ihn zu Boden zwang. Am Ende der Runde nahm er noch mehrere harte Kopftreffer, die ihn erneut zu Boden zwangen. Zwar stellte er sich nochmal zum Kampf und holte, durch den Verlust seines Mundschutzes, noch etwas Erholungszeit heraus aber bereits bei der nächsten Aktion nahm er sofort wieder drei Volltreffer zum Kopf. Der Ringrichter ging dazwischen und beendete den ungleich gewordenen Kampf. Sieger durch TKO in Runde 4, nach 2:33 Minuten: Djuar El Scheich.

Eine Messe ist schon ein ungewöhnlicher Ort für eine Profiboxveranstaltung. Gleichwohl erschien es mir ganz richtig, hier für den Sport zu werben. Gleichzeitig ist  GIBEI (https://gibei.jimdo.com/) eine Organisation, die Unterstützung verdient. Ich hoffe, dass es im nächsten Jahr zu einer Neuauflage kommt.

(C) Uwe Betker

Beginn eines neuen Zeitalters

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8Mit der Veranstaltung am 07.04.2017 in Wuppertal schaffte Werner Kreiskott den Beginn eines neuen Zeitalters. Bislang war Kreiskott selbst immer auch Hauptkämpfer oder agierte zumindest als möglicher Hauptkämpfer im Hintergrund. Nun aber, nachdem er seine Handschuhe an den berühmten Nagel gehängt hat, fungiert er „nur“ noch als Veranstalter. Die Veranstaltung am Samstag war nun die erste ohne Kreiskott als Boxer und – sie war ein voller Erfolg. Die verkleinerte Unihalle war mit 1.000 verkauften Karten restlos ausverkauft. Und, was das wichtigste ist, es gab guten Kampfsport zu sehen.
Der erste Profiboxkampf, den ich gesehen habe – und ich war relativ früh da – war ein Vierrunder im Leichtgewicht. Susan Kolukisa (2 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 1 Unentschieden) traf auf die Debütantin Leila Chebabi. Die erste Runde wurde von beiden Frauen relativ verhalten geführt. Sie zeigten beide ein gutes technisches Boxen, wobei Kolukisa die besseren und härteren Treffer setzen konnte. Zur zweiten Runde trat Chebabi verletzungsbedingt nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 2: Susan Kolukisa.
Danach stiegen, ebenfalls für einen Vierrunder Marc Dube (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Ziya Goekalp (17 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 16 Niederlagen, 11 durch KO) in den Ring. Die Begegnung im Super Weltergewicht wurde von Anfang an sehr intensiv geführt. Der Kampf war nichts für die Technikfreunde, sondern eher einer für Freunde der harten Keilerei. Mitte der ersten Runde war Dube etwas übereifrig. Er hörte nicht auf das Break Kommando von Goran Morawiec, was ihm eine Ermahnung einbrachte. In der zweiten Hälfte der Runde musste Goekalp viele Treffer nehmen. Immer wieder wurde er an den Seilen gestellt und steckte einen Schlag nach dem anderen zum Kopf ein. Zu diesem Zeitpunkt konnte er froh sein, dass er nicht vom GBA Ringrichter aus den Kampf genommen wurde. Auch die folgenden Runden verliefen ähnlich munter, wenn auch nicht ganz so einseitig. Goekalp verließ sich dabei mehr auf seine Nehmerfähigkeit als auf seine Deckung. Dube schaffte es jedenfalls nicht, ihn mit seinen Schwingern zu fällen. Einstimmer Punktsieger: Marc Dube.
Im Super Mittelgewicht gab sodann Edison Demaj sein Profidebüt gegen Yesilat Berkta (44 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO, 38 Niederlagen, 23 durch KO). Der Kampf wurde verbissen und hart geführt. Die beiden Kontrahenten standen Fuß an Fuß und deckten sich gegenseitig mit Schlägen ein. Zur zweiten Runde trat Berkta, verletzungsbedingt, nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 2: Edison Demaj.
Anschließend gab es wieder einen Frauenboxkampf. Özlem Sahin (26 Kämpfe, 24 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) traf im Minimumgewicht auf Teona Pirosmanashvili (5 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO). Sahin trieb ihre Gegnerin vor sich her. Mehrfach kam sie mit schönen Treffern durch, so in der zweiten Runde mit einem schönen Körpertreffer und einem rechten Cross, die Pirosmanashvili beide deutlich gespürt haben dürfte. In der dritten Runde erhöhte Sahin dann den Druck. Mehrfach kam sie mit dem rechten Cross durch, der Pirosmanashvili immer wieder erschütterte. Zur vierten Runde trat Pirosmanashvili nicht mehr an. Angeblich hatte sei sich verletzt. Ich persönlich vermute eher, sie wollte nicht KO gehen. Später am Abend habe ich sie sogar tanzen gesehen; dabei schien sie mir auch keine Schmerzen gehabt zu haben. Der Ringrichter Jens-Uwe Baum hatte in dem Kampf nichts zu tun. Sieger durch TKO 4: Özlem Sahin
Im Mittelgewicht maßen Ercan Tuncel (5 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO) und Emir Recepaga (3 Kämpfe, 3 Niederlagen, 1 durch KO) ihre Kräfte. Beide zeigten gutes und technisches Boxen. Tuncel präsentierte sich aber als der physisch stärkere und schnellere Boxer; vor allem war er der härtere Puncher. Ende der ersten Runde kam Tuncel dann mit einer Rechten zum Kopf durch, die Recepaga sichtlich beeindruckte. In der zweiten Runde erhöhte Tuncel langsam den Druck, aber Recepaga hielt dagegen. Die dritte Runde war geprägt von vielen Schlagabtäuschen. In der vierten Runde sah es sogar so aus, als könnte Recepaga den Kampf drehen. Dann aber kam Tuncel erst mit einer Rechten und später mit einer Linken zum Kopf durch, beides Volltreffer. Am Ende der Runde nahm Recepaga noch mehr harte Kopftreffer, ging aber nicht runter. In der fünften Runde spielte Tuncel ein wenig mit seinem Gegner und machte weniger Druck. In der sechsten Runde erhöhte Tuncel noch mal den Druck, stellte Recepaga und ließ ihn nicht mehr weg. Als Ringrichter Morawiec gerade den Kampf abbrechen wollte, weil Recepaga sich nicht mehr verteidigen konnte, flog auch ein Handtuch in den Ring. Sieger durch TKO in der 6. Runde, nach 2:26 Minuten: Ercan Tuncel.
Im Leichtgewicht gab Manuel Steffan gegen Attila Csereklye (20 Kämpfe, 7 Siege, 5 durch KO, 13 Niederlagen, 7 durch KO) sein Profidebüt. Csereklye versuchte Steffan den Kampf kaputt zu machen. Überfallartig sprang er Steffan an, um ihm den Infight aufzuzwingen und/oder er versuchte zu klammern. Nur selten konnte Steffan ihn abkontern. In der zweiten Runde gelang es Steffan aber, mehr und mehr seinen Kampf zu etablieren. Er kam mehrfach mit Kontern zu Kopf und Körper durch, wodurch Csereklye langsamer wurde. In der dritten Runde hatte Steffan seinen Gegner dann im Griff. Er bestimmte das Kampfgeschehen. Csereklye kam nicht mehr an ihn ran. In der vierten Runde boxte Steffan schön lang und grade, ein vorzeitiger Sieg blieb ihm jedoch verwehrt. Punktsieger: Manuel Steffan.
Eine Gewichtklasse höher boxten Nawid Hakimsadeh (10 Kämpfe, 9 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage) und Bilal Messoudi (9 Kämpfe, 5 Siege, 1 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO) in einem Vierrunder gegeneinander. Es war ein intensives Aufeinandertreffen. Beide wollten den KO. Hakimsadeh wollte ihn eher erboxen, Messoudi durch harte Schwinger erzwingen. Es gab viele harte Schlagabtäusche. In der zweiten Runde punktete Messoudi durch harte Körpertreffer. In der dritten Runde wurde Hakimsadeh in einer neutralen Ecke von Ringrichter Baum angezählt. Eine Rechte zum Kopf hatte ihn zu Boden gezwungen. Es war ein wüster Kampf. Messoudi wurde ein Punkt abgezogen, wegen mehrfachen Hinterkopfschlagens. Danach ging die Ringschlacht weiter. In der vierten Runde war von einer boxerischen Linie nichts mehr zu sehen. Es war ein ununterbrochener wilder Schlagabtausch, bei dem Hakimsadeh viele Schläge zum Kopf nahm. Punksieger: Bilal Messoudi.

(C) Andreas Bornewasser


Es folgte der Titelkampf des Abends. Dabei ging es um den vakanten World Boxing Federation International Titel im Super Weltergewicht. Marco Martini (18 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO, 3 Niederlagen) und Yaser Yüksel (6 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage). Es war das klassische Aufeinandertreffen eines Fighters und eines Boxers. Beide fingen sehr verhalten an. Es gab nur wenige Aktionen und nur wenige Hände fanden ihr Ziel. Martini beherrschte die Ringmitte, schob sich an seinen Gegner heran und suchte den Abtausch. Yüksel beschränkte sich aufs Kontern. In den folgenden Runden wurde das Tempo kontinuierlich höher. Die ersten Runden gehörten Martini. Er machte mehr und traf häufiger. In der vierten Runde konterte Yüksel Martini häufiger ab und kam dann auch häufiger mit seinen Schlägen durch. In der fünften machte Martini wieder mehr. Die sechste Runde war extrem eng. Hiernach wurde die Begegnung härter. In der siebten konnte Yüksel dann mehr Hände ins Ziel bringen. In der achten Runde wiederum erzielte Martini wieder mehr Treffer. Runde neun war wieder sehr eng und in der zehnten Runde suchte Yüksel den KO, der aber nicht kam. Die Punktrichter werteten 96:94, 98:92 und 98:92. Einstimmiger Punktsieger: Marco Martini.

(C) Andreas Bornewasser


Es folgte ein Sechsrunder im Weltergewicht. Sherif Morina (7 Kämpfe, 7 Siege, 4 durch KO) boxte gegen Giorgi Gviniashvili (26 Kämpfe, 14 Siege, 10 durch KO, 11 Niederlagen, 4 durch KO). Morina setzte seinen Gegner von Anfang an unter Druck, obwohl er, wie so oft, der Kleinere ist. Ende der ersten Runde schien Gviniashvili durch einen Körperhaken, gefolgt von einem Kopfhaken, beeindruckt zu sein. In der zweiten Runde erhöhte Morina den Druck, aber Gviniashvili steckte nicht auf. Er versuchte, selber durch Körpertreffer und Schläge auf dem Hinterkopf Morina langsamer zu machen. Dafür wurde er dann auch zweimal von Ringrichter Baum ermahnt. Mitte der dritten Runde kam Morina mehrfach mit schönen Rechten zum Kopf durch, die Gviniashvili einknicken ließen. In den verbleibenden drei Runden versuchte Gviniashvili zu überleben. Er machte Faxen, er schlug Innenhände, er monierte Tiefschläge die nicht existierten. Morina suchte den KO. In der sechsten Runde knickte Gviniashvili nach schweren Treffern sichtlich ein, aber er erreichte den Schlussgong. Punktsieger: Sherif Morina.

(C) Andreas Bornewasser


Den letzten Kampf des Abends bestritten Timo Rost (4 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO) und Diego Shamatava (13 Kämpfe, 5 Siege, 2 durch KO, 8 Niederlagen, 1 durch KO) im Super Mittelgewicht mit einem Sechsrunder. Shamatava, der gut einen Kopf kleiner als Rost ist, stürmte auf seinen Gegner zu und schlug dabei wilde Schwinger. Rost nutzte seinen Reichweitenvorteil und deckte seinen Gegner mit Schlägen zum Kopf ein. Die erste Runde war extrem schnell. In der zweiten Runde normalisierte sich das Tempo, aber es war immer noch sehr hoch. Rost ließ sich von dem unsauber Boxenden Shamatava nicht provozieren und boxte seinen Kampf weiter. Shamatava nutzte jede Gelegenheit zum Klammern. In der vierten Runde zeigte Shamatava eine kleine Catcheinlage mit Schlagen auf den Hinterkopf. Dafür wackelte er dann nach einem Körper- und Kopftreffer. In den folgenden Runden nahm Shamatava unglaublich viele Schläge gegen den Kopf, aber er fiel nicht. Punktsieger: Timo Rost.
© Uwe Betker

Written by betker

8. April 2018 at 23:59

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Wieder gutes Boxen in der Rurtalhalle in Düren

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Wenn Saidi Baktash Veranstaltungen auf die Beine stellt, gibt es immer Kampfsport satt. Am 24. Februar in der Rurtalhalle in Düren waren sage und schreibe 28 Kämpfe zu sehen: Kickboxen, K1 Kämpfe, Boxen und Profiboxen. Insgesamt wurden fünf Profiboxkämpfe geboten.
Den Anfang beim Profiboxen machten Alpay Yaman (3 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO) und Mesud Guenay (8 Kämpfe, 1 Siege, 7 Niederlagen, 2 durch KO) mit einem Vierrunder im Halbschwergewicht. Interessant an dem Kampf war das Aufeinandertreffen zweier konträrer Kampfstile. Yaman ist ein Boxer, der nach vorne geht, den Abtausch und den KO sucht. Guenay ist ein defensiver Konterboxer, der sich an den Seilen entlang bewegt und mögliche Schlagabtäusche vermeiden will. Yaman ging mit einer geradezu bewundernswert stoischen Ruhe ans Werk. Er trieb Guenay vor sich her und versuchte ihn zu stellen. Das gelang ihm auch mehrfach pro Runde. Guenay konnte sich jedoch immer wieder aus den für ihn gefährlichen Situationen befreien. Bemerkenswert war, wie Yaman, auch wenn er Guenay gestellt hatte, nicht überhastetete. Es war ein Kampf für Boxtechnik-Freunde. Am Ende stand ein Punktsieg für Guenay.
Hiernach gaben Yasir Malik und Kerim Koca ihre Profidebüts im Super Weltergewicht. Malik stieg nicht in den Ring, um Gefangene zu machen. Konzentriert ging er ans Werk. Er boxte an und verteilte gut. Immer wieder kam er mit seinen Schlägen zum Körper durch. Am Ende der ersten Runde stellte Malik seinen Gegner in dessen Ecke und ließ ihn nicht mehr raus. Koca ging runter und der GBA Ringrichter Kazim Kurnaz, der bis dahin nur wenig zu tun hatte, nahm ihn aus dem Kampf: Sieger durch TKO in Runde 1, nach 2:51: Yasir Malik.

Hiernach maßen Benny Blindert (7 Kämpfe, 7 Siege, 7 durch KO) und Slobodan Vukic (6 Kämpfe, 6 Niederlagen, 6 durch KO) in einem Sechsrunder im Super Mittelgewicht ihre Kräfte. Blindert zeigte schönes grades Boxen. Er verteilte gut, konzentrierte sich aber darauf, mit seiner Rechten zum Kopf schlagen, die Vukic auch mehrfach beeindruckte. In der zweiten Runde erhöhte Blindert das Tempo. Er stellte seinen Gegner in dessen Ecke und holte ihn mit einem linken Körperhaken von den Beinen. Sieger durch KO in Runde 2 nach 45 Sekunden: Benny Blindert.
Der Schwergewichtskampf von Waldemar Schönbeck (12 Kämpfe, 12 Siege, 12 durch KO) und Gjenis Tolaj (5 Kämpfe, 5 Niederlagen, 5 durch KO) war zu Ende, bevor er richtig angefangen hatte. Tolaj nahm einen linken Körperhaken, ging zu Boden und gab auf. Sieger durch TKO in Runde 1, nach 45 Sekunden: Waldemar Schönbeck.
Den Hauptkampf des Abend bestritt natürlich der Veranstalter Baktash Saidi (3 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO). Er traf im Mittelgewicht auf Yesilat Berkta (42 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO, 36 Niederlagen, 21 durch KO) für einen Sechsrunder. Beide gingen von Anfang an ein hohes Tempo. Saidi versuchte direkt die kompakte Doppeldeckung durch Körperhaken zu knacken. Nach einer langen Kombi, bei der Berkta einen Schlag auf dem Hinterkopf monierte und sich abdrehte, wurde angezählt
Hierdurch wurde der zweite Durchgang härter. Es gab viele Schlagabtäusche, in denen beide ihre Momente hatten. In der dritten Runde geriet der Kampf zu einer regelrechten Ringschlacht. Am Ende der Runde musste Berkta nach einem Leberhaken zu Boden. Zwar stellte er sich danach wieder dem Kampf und erreichte auch den Pausengong, zur nächsten Runde trat er aber nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 4: Baktash Saidi.
Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Karriere Baktash Saidi weiter entwickeln wird. Die große Leistung, die er an diesem Abend abgeliefert hat, kam immerhin zu Stande trotz eines akuten grippalen Infekts und einer zweiwöchigen Tranigszwangspause, aufgrund einer anderen Erkrankung.
© Uwe Betker

Zwei Profikämpfe und zwei Talente

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Fast 600 Zuschauer fanden den Weg in die Turnhalle der Berufbildendenschule in Bad Neuenahr. Dort fand eine Veranstaltung des Boxsportclubs Bad Neuenahr Ahrweiler statt. Insgesamt gab es neun Kämpfe zu sehen. In der Mitte, also an sechster Position, und am Ende, als letztem Kampf, gab es auch zwei Profikämpfe.

Bevor der erste Profi in Ring stieg, setzte eine, gerade mal sechzehn Jahre alte, junge Dame die Messlatte für die nachfolgenden Kämpfer schon gleich sehr hoch. Sarah Liegmann, sechsfache Weltmeisterin im Kickboxen, zeigte einen sehr guten Amateurkampf, den sie nach Belieben dominierte und klar nach Punkten gewann. Bemerkenswert war aber vor allem die Art und Weise, wie sie siegte. Das Tempo, die Härte und der Siegeswillen waren beeindruckend, wenn auch ihre Technik noch nicht zu 100% ausgereift ist. Aber was kann man andererseits von einer sechszehnjährigen Kickboxerin erwarten? Es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn sie schon bald das Profiboxen der Frauen aufmischen würde.

Nach den Damen stiegen Hizni Altunkaya (31 Kämpfe, 30 Siege, 17 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) und Niko Lohmann (12 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 8 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) für einen Vierrunder im Cruisergewicht in den Ring. Die erste Runde begann verhalten. Altunkaya zeigte eine schöne steife Führhand. Lohmann, „Karl Stahl“, versuchte an den Mann herzukommen und am Körper zu explodieren. Es gab allerdings nur wenige Schlagabtäusche. In der zweiten Runde erhöhte Altunkaya das Tempo. Er brachte schöne Links-Rechts-Kombinationen ins Ziel. Aber immer wenn er stehen blieb, bekam Lohmann die Chance, seinen rechten Cross zu schlagen, woraus sich dann harte Schlagabtäusche entwickelten. Die dritte und vierte Runde wurde noch härter umkämpft. Immer wieder standen beide Boxer Fuß an Fuß, um buchstäblich ihre Kräfte zu messen. Es gab kaum Rückwärtsbewegungen. Beide Boxer trafen sich im Ring und schlugen aufeinander ein. Der unauffällig-souverän agierende GBA Ringrichter Hans-Joachim Pagel hatte im Ring praktisch nichts zu tun. Er gab Altunkaya jede Runde. Sieger nach Punkten: Hizni Altunkaya.

Vor dem Hauptkampf stieg der Schwergewichtler Sebastian Breidbach für einen Amateurkampf in den Ring. Breidbach ist augenscheinlich eines der ganz großen Talente im Schwergewicht. Der technisch boxende Schwergewichtler hat das Zeug dazu, ein ganz Großer zu werden.
Kleine Anmerkung in eigener Sache: Normalerweise wird hier nicht über Amateurboxen berichtet. Wenn hier aber Amateurboxerinnen oder Amateurboxer erwähnt werden, halte ich sie für Talente, die das Profiboxen aufmischen könnten.

Als letztes boxten Enis Agushi (4 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO) und Francis Kojo Ennin (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 3 durch KO) für einen Sechsrunder im Super Mittelgewicht gegeneinander. Der Kampf war kurz und knackig. Ennin versuchte Agushi zu überrollen und ihm durch einen wilden und unorthodoxen Schlaghagel seinen Kampf aufzuzwingen. Dies gelang ihm aber nur zum Teil. Seine Schläge prallten an der Deckung von Agushi ab, der auch immer wieder mit guten und harten Schlägen durchkam. Schon nach kurzer Zeit hatte er Ennin in dessen eigener Ecke gestellt und ließ ihn nicht mehr raus. Er verteilte gut zu Körper und Kopf und Ennin ging zu Boden. Ringrichter Pagel zählte bis acht, bevor Ennin wieder hochkam. Was noch folgte, war reine Formsache. Agushi stellte Ennin kurze Zeit später wieder an den Seilen, ließ ihn wieder nicht weg und deckte ihn wieder mit einer schönen langen Kombination ein. Ennin sank wieder zu Boden, wieder wurde er angezählt und wieder kam er hoch. Diesmal winkte der Ringrichter allerdings den Kampf ab.
Sieger durch TKO in Runde 1 nach 2:46 Minuten: Enis Agushi.
In Bad Neuenahr tut sich etwas. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die dortigen Boxer und Boxerinnen weiter entwickeln.
© Uwe Betker

Eine gelungene Housegala in Euskirchen

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Austragungsort einer wirklich sehr gelungenen Housegala war am 02.09.2017 das BB5 Gym in Euskirchen. Es gab insgesamt 10 Kämpfe zu sehen. Es begann mit einem K1-Kampf und ging mit fünf unterhaltsamen Amateurboxkämpfen weiter. Dann kamen vier Profikämpfe.

Den Anfang bei den Profis machten im Super Mittelgewicht Mohamed Boulahya (5 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO) und Walid Iaaraj, der sein Profidebüt gab. Boulahya bestimmte das Kampfgeschehen. Er trieb seinen Gegner vor sich her. Er verteilte gut. Besonders die Körpertreffer hinterließen Wirkung. Iaaraj fand nicht in den Kampf. Er machte zu wenig. Zu selten schlug er zurück. Boulahyan stellte ihn in seiner Ecke und kam mit einem sehr schönen harten Linken, durch die Mitte geschlagenen Aufwärtshaken zum Kopf durch. Der ließ Iaaraj die Ringecke runter rutschen. Kaum saß er auf dem Boden, warf seine Ecke auch schon das Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 1, nach 2:02 Minuten: Mohammed Boulahya.

Sodann stiegen Sabri Ulas Göcmen (29 Kämpfe, 11 Siege, 1 durch KO, 18 Niederlagen, 17 durch KO) und Dogan Kurnaz (14 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO, 11 Niederlagen, 10 durch KO) in den Ring für ein Kräftemessen im Super Leichtgewicht. Die erste Runde war munter. Göcmen dominierte zwar den Kampf, aber Kurnaz hielt gut dagegen. Göcmen hatte seine Momente, wenn er den Druck hoch hielt und die Schläge verteilte. Kurnaz konterte und punktete, wenn Göcmen den Druck etwas raus nahm. In der zweiten Runde erhöhte Göcmen das Tempo. Kurnaz versuchte, durch Klammern den Kampfrhythmus zu stören. Verletzungsbedingt gab Kurnaz nach der zweiten Runde auf. Sieger durch TKO in Runde 3, nach 01 Sekunde: Sabri Ulas Göcmen.

Im Schwergewicht trafen Salvatore Aiello (35 Kämpfe, 33 Siege, 18 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) und Niko Lohmann (11 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO) für einen Vierrunder aufeinander. Beide zeigten gutes Boxen. Aiello bestimmte die ersten zwei Minuten des Kampfes. Er kam mit den härteren Treffern durch. Lohmann punkte mit seiner Führhand, die Aiello störte. In der zweiten Runde erhöhte der Lokalmatador Aiello den Druck. Er trieb Lohmann vor sich her und verwickelte ihn immer wieder in harte Schlagabtäusche, bei denen er deutlich mehr Treffer ins Ziel brachte. Dann stellte er Lohmann an den Seilen und kam mit einer Rechten zum Kopf durch, die diesen zeitverzögert, sehr langsam zu Boden gleiten ließ. Gerade als Aiello nachsetzten wollte, flog das Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 2 nach 2:15 Minuten: Salvatore Aiello.

Hauptkampf des Abends war die Begegnung zwischen Benjamin Blindert (5 Kämpfe, 5 Siege, 5 durch KO) und Richard Hilgert (13 Kämpfe, 10 Siege, 7 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) im Halbschwergewicht. Blindert, ein großer und physisch starker Boxer, war Hilgert in allen Belangen überlegen. Von der ersten Sekunde des Kampfes an roch es nach einem KO. Blindert stieg nicht in den Ring um sein boxerisches Können zu zeigen, sondern um seinen Gegner so schnell wie möglich KO zu schlagen. Und so boxte er dann auch. Hilgert hatte dem nur sehr wenig entgegen zu setzen. Er versuchte, durch Zurückweichen Zeit zu gewinnen und Blindert durch Cross` abzukontern. Blindert stellte Hilgert schließlich in dessen Ecke und Hilgert ging zu Boden. Es war nicht die Wirkung eines einzigen Schlages, sondern die Addition von ganz vielen. Hilgert kam wieder hoch und es ging weiter.
In der zweiten Runde boxte Blindert ruhiger und überlegter. Dabei trieb er aber weiter seinen Gegner vor sich her und der hatte nun auch noch mehr Probleme als in der vorangegangen Runde. Immer wieder stellte Blindert Hilgert an den Seilen. Irgendwann sackte Hilgert erneut zu Boden und wurde von dem sehr souverän und unauffällig agierenden Ringrichter vom Bund Deutscher Faustkämpfer, Christian Rösenl, ausgezählt.
Sieger durch KO in Runde 2 nach 41 Minuten: Benjamin Blindert.

Die Veranstaltung von Lothar Pinkernelle in Euskirchen war sehr gelungen. Sie war um 21 Uhr zu Ende, so dass die Zuschauer noch etwas von ihrem Samstagabend hatten. Ich bin schon auf die nächste Veranstaltung gespannt, für die wohl ein größerer Rahmen geplant ist. Und Benjamin Blindert sollte man im Auge behalten.
© Uwe Betker