Box-Blog

Posts Tagged ‘Titelträgerin

Gastbeitrag: Essener Boxing Fight Night „The Return“

leave a comment »

Özlem Sahin ist neue WIBA Weltmeisterin im Mini Fliegengewicht. Sie sicherte sich den vakanten Titel in zehn Runden gegen die Französin Anne Sophie da Costa. Außerdem feierte auf der Vierten Essener Boxnacht der Lokalmatador Patrick Korte ein souveränes Comeback im Schwergewicht.

(C) Andreas Bornewasser


Es war der erwartet schwere Schlagabtausch, und er ging über die gesamte Distanz. Doch letztendlich gewann Özlem Sahin verdient gegen die aufopferungsvoll kämpfende Französin mit dem klingenden Namen Anne Sophie da Costa nach einstimmigem Urteil. Dementsprechend groß war die Freude in der Ecke der 42-jährigen neuen WIBA Weltmeisterin bis 47,6 kg. Dort waren die Chancen auf einen Titelgewinn vor dem ersten Gongschlag nämlich mit 50:50 bewertet worden. Doch hätte das Pendel überhaupt in die Richtung der 36-jährigen Linksauslegerin aus Reims ausschlagen können? Eher nein. Zwar drückte sie beizeiten aufs Tempo und setzte Sahin auch unter Druck, so dass die sechs Jahre jüngere Französin durchaus vier Runden für sich entscheiden konnte, schaffte es aber nicht, ihre Kontrahentin wesentlich zu verunsichern oder gar in zu große Bedrängnis zu bringen. Nur in den ersten beiden und in der siebten sowie achten Runde, machte Costa deutlich, dass sie durchaus den Titel mit nach Frankreich nehmen wollte. Sie versäumte es aber, den Kampf in seiner Gesamtheit zu dominieren.
Sahin dagegen zeigte sich gut vorbereitet, variierte während des Kampfes Tempo und Distanz und hatte nach anfänglichen Schwierigkeiten – zu häufiges Ausweichen über Costas Schlaghandseite – das Geschehen im Viereck ab der dritten Runde weitestgehend unter Kontrolle. Ein um das andere Mal zog sie rückwärtsgehend ihre Gegnerin mit sich, um sie plötzlich abzufangen und mit präzisen Stößen zu stoppen. Im Verlaufe des Kampfes platzierte sie sogar einige schöne Aufwärtshaken am Kinn der Französin.
Warum die neue Titelträgerin dagegen in der Mitte der zweiten Kampfhälfte die Zügel schleifen ließ, wird wohl ihr Geheimnis bleiben, denn Costas Führhand fand plötzlich häufiger ihr Ziel, was Sahin sichtlich verunsicherte. Mehrmals gingen ihre Blicke in ihre Ecke, wo ihr Trainer Sebastian Tlatlik sie lautstark unterstützte und verstärkt auf ihre Distanzprobleme hinwies. Zu diesem Zeitpunkt war der Titel nämlich noch nicht eingetütet. Erst ab der neunten Runde schaffte es Sahin wieder, eine akzeptable Kampfdistanz zu finden und ihrer Gegnerin den Schneid abzukaufen. Dass in der letzten Runde beide Kämpferinnen nochmal das Letzte aus sich herausholten, liegt in der Natur des Boxsportes. Doch nur eine Verletzung oder ein Knockout hätten zu diesem Zeitpunkt den Titel nach Frankreich gehen lassen.

(C) Andreas Bornewasser


Mit einem Unentschieden musste sich dagegen der Kölner Rene Oeffner zufrieden geben. Der Rechtsauslager bekam es mit dem ungeschlagenen Artur Shevchuk zu tun, der sich die Punkteteilung redlich verdiente. Immer wieder setzte er den 22-jährigen Kämpfer vom May Boxing mit Serien und Kombinationen unter Druck, die zwar ihre Wirkung verfehlten, Oeffner aber kaum Möglichkeiten boten, seinerseits die Initiative zu ergreifen. So blieben dem Kölner nur vereinzelte Führ- oder Schlaghände als Aktionen. Die trafen zwar ihr Ziel, waren aber – im wahrsten Sinne des Wortes – ohne durchschlagenden Erfolg. „Ballere rein“, coachte Rüdiger May schließlich in der Pause zur letzten des auf sechs Runden angesetzten Kampfes. Eine Aufforderung, die leider ungehört verhallte.

(C) Andreas Bornewasser


Apropos Hall. Als Patrick Korte am Sonntag Morgen erwachte, hallten bestimmt noch die zahlreichen Glückwünsche in seinen Ohren wider, die er im Anschluss an seinem erfolgreichen Kampf hörte. Nach zehn Schwergewichtsrunden durfte der Essener Lokalmatador am Vorabend stolz und zufrieden seine Arme in die Höhe strecken. Dieser Punktsieg über Edson Cesar Antonio könnte der Karriere des 35-jährigen, der gut trainiert war, nun die erhoffte positive Wendung geben.
Der Kampf stand deutlich unter der Devise, Sicherheit zuerst, keine Experimente. So beließ es das Boxer-Trainer Gespann, Korte-Tlatlik, an diesem Abend bei drei einstudierten Aktionen, die letztendlich für den 41-jährigen Brasilianer ausreichten. Der Sieg war somit zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Für weitere Herausforderungen wird sich der Linksausleger Korte allerdings steigern und dabei weniger auf Couching, dafür mehr auf seinen Instinkt setzen müssen. Dass er diesen hat, bewies er in früheren Kämpfen mehrfach.
(C) Manfred Fammler

Eine gute Kampfansetzung: Derya Saki vs. Alicia Melina Kummer

leave a comment »

Am 31. Oktober 2015 wird es in Hamburg, im Universum Gym, einen viel versprechenden Frauenboxkampf zu sehen gegen. Die beiden ungeschlagenen Leichtgewichtlerinnen Derya Saki (7 Kämpfe, 7 Siege, 4 durch KO) und Alicia Melina Kummer (8 Kämpfe, 8 Siege, 7 durch KO) werden gegeneinander antreten. Dabei geht es um den vakanten Weltmeistertitel der GBC. Man kann natürlich hinter diesen WM-Titel des Global Boxing Council ein Fragezeichen machen. Aber die Kampfansetzung ist gut.
Das Leichtgewicht ist in Deutschland gut besetzt. Nicole Wesner (11 Kämpfe, 11 Siege, 5 durch KO), Beke Bas (4 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO) und Alicia Melina Kummer sind die besten drei. Kummer rangiert auf Position 32 der unabhängigen Weltrangliste. Saki wird im Augenblick nicht in den Ranglisten geführt, weil sie mehr als ein Jahr nicht geboxt hatte. In ihrem letzten Kampf, am 03.05.2014, wurde sie aber immerhin auch schon mal Titelträgerin der GBC.
Bemerkenswert ist schon mal, dass hier zwei der ungeschlagenen Talente in Deutschland gegeneinander antreten, was selten ist. Allein das verspricht Spannung. Auch im Kampfstil passen die beiden zueinander. Die Lokalmatadorin Kummer hat sich zu einer respektierten Kämpferin, bzw. KO-Schlägerin entwickelt. Dabei sah es am Anfang ihrer Karriere eher danach aus, als wäre das Profiboxen nur ein PR-Gag. Sie stieg in den Ring als “Miss Schleswig Holstein” und ihr Profidebüt bei FFM Box Promotion in Kaarst, begeisterte mich nicht gerade, trotz KO. Aber die 27-jährige Kummer, die im Niedersächsischen Buchholz geboren wurde und nun in Hamburg lebt, betreibt das Profiboxen wohl doch ernsthaft. Sie hat einen richtig guten Punch, den sie schon mehrfach durch spektakuläre KOs unter Beweis stellte. Technisch ist sie, wie mir scheint, noch nicht ganz ausgereift. Das konnte man auch an ihrem letzten Kampf sehen, dem einzigen, der über die angesetzte Zeit ging.
Derya Saki ist eher eine Technikerin. Sie boxt ihre Gegnerinnen aus. Die 25-jährige Krefelderin Saki steigt nach einer fast eineinhalbjährigen Pause in den Ring. Sie bekam schlicht keine Kämpfe. Ihr Trainer Mannie Faber vermutet, dass die meisten Veranstalter Angst um ihre Boxerinnen haben, weshalb Saki so schwer Kämpfe bekommt. Saki ist eine gut ausgebildete Boxerin mit einem starken Jab. Sie hat auch Schlagkraft, ließ jedoch den Killerinstinkt manchmal vermissen. Faber plant schon für die Zukunft. Er will mit Saki, nicht zuletzt weil es in Deutschland so schwierig ist, für Kämpfe in die USA oder nach Südamerika gehen. Er geht davon aus, dass seine Boxerin sich dort durchsetzen wird. Dafür sollte sie aber den Kampf gegen Kummer gewinnen.
Wie schon gesagt, die Kampfansetzung Saki vs. Kummer ist wirklich gut. So was braucht das Frauenboxen in Deutschland, um attraktiver zu werden. Leider sind aber hiesige TV-Stationen zurzeit wohl nicht bereit, Frauenboxen zu zeigen.
© Uwe Betker