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Zwei Bücher über Harry Haft

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An dieser Stelle möchte ich auf zwei lesenswerte Bücher über den amerikanischen Schwergewichtler Harry Haft hinweisen, die es auf Deutsch gibt: Einmal „Der Boxer“ von Reinhard Kleist, eine Graphic Novel und dann „Eines Tages werde ich alles erzählen“ von Alan Scott Haft, dem ältesten Sohn von Harry Haft.
Gegenstand beider Bücher ist die Lebensgeschichte von Hertzko Haft. Einigen dürfte eher sein amerikanischer Name, Harry Haft, etwas sagen. Er boxte in seinen 21 Kämpfen (13 Siege, 8 durch KO, 8 Niederlagen, 5 durch KO) u. a. gegen Roland LaStarza. In seinem letzten Kampf trat er am 18.07.1949 gegen Rocky Marciano an. Er verlor durch KO in Runde 3.
Harry Haft wurde am 28.07 1925 in Bełchatów, Polen als Hertzko Haft in bitterer Armut geboren. Als 16-Jähriger wurde er, weil er Jude war, nach Auschwitz deportiert. Da er kräftig war, wurde er von einem SS-Aufseher zum Boxer ausgebildet. Er musste zur Belustigung der Wachmannschaften kämpfen. Dabei ging es für ihn buchstäblich auf Leben und Tod. 75 dieser Kämpfe absolvierte er. Vermutlich hat keiner seiner Gegner den Tag nach dem Kampf überlebt. Die Verlierer wurden wahrscheinlich von den Nazis ermordet. Die Kämpfe fanden im Konzentrationslager Jaworzno statt. Nachdem er 75 Kämpfen absolviert hatte, wurde das KZ, wegen des Heranrückens der Roten Armee, aufgelöst und die Häftlinge auf Todesmärsche geschickt. Im April 1945 gelang es Haft, unter abenteuerlichen Umständen zu fliehen. 1948 wanderte er in die USA aus und verdiente seinen Lebensunterhalt als Profiboxer.
Erst kurz vor seinem Tod vertraute Haft seinem ältesten Sohn Alan Scott seine Lebensgeschichte an, die dieser dann aufschrieb. 2006 wurde sie dann in den USA veröffentlicht. Die deutsche Ausgabe ist gut und flüssig geschrieben. Leichte Kost ist das Buch jedoch nicht. Dafür war Hafts Leben zu sehr geprägt von ihn deformierenden Erlebnissen.
Basierend auf dieser Lebensgeschichte gestaltete Reinhard Kleist seine Graphic Novel.
Wikipedia definiert: „ Graphic Novel (dt. illustrierter Roman, Comicroman) ist eine aus den Vereinigten Staaten übernommene Bezeichnung für Comics im Buchformat, die sich aufgrund ihres thematischen Anspruches und ihrer erzählerischen Komplexität vom normalen Heftcomic unterscheiden und sich dadurch an erwachsene Leser richten, was auch durch den ausschließlichen Verkauf im Buchladen zum Ausdruck kommen soll.“
Die Graphic Novel erschien zunächst als Fortsetzungscomic und Vorabdruck von April bis September 2011 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und später als Album-Ausgabe. Das Buch besticht durch seine Zeichnungen. Sie sind nicht wirklich realistisch, dafür aber wahrhaftig. Beide Bücher zusammen gehören für mich in jede gut sortierte Bibliothek mit Boxliteratur.
© Uwe Betker