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Jack Culcay vs. Demetrius Andrade – ein Vorbericht

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Wenn Jack Robert Culcay-Keth (23 Kämpfe, 22 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage) am 11. März 2017 in der Friedrich-Ebert-Halle in Ludwigshafen in den Ring steigt, dann wird der Ausgang dieses Kampfes, wie wohl kein Kampf vorher, den Rest seiner Karriere bestimmen.
Jack Culcay wurde, nachdem er Weltmeister der Amateure im Weltergewicht in Mailand geworden war, 2009 Profi. Er galt als eines der größten deutschen Boxtalente. Er wurde im Super Weltergewicht WBA Inter Continental Champion, Europameister der EBU, Interimsweltmeister der WBA und kampflos „richtiger“ Weltmeister der WBA. Er ist seit sechseinhalb Jahren Profi und nunmehr 31 Jahre alt. Culcay muss nun langsam die Erwartungen, die in ihn gesteckt wurden, erfüllen. Eben dies wird aber gegen den Herausforderer Demetrius Andrade (23 Kämpfe, 23 Siege, 16 durch KO) nicht einfach werden.
Andrade ist mit 185 cm Größe ganze 13 cm größer als Culcay. Culcay muss  einen erheblichen Reichweitennachteil ausgleichen. Bei der Amateurweltmeisterschaft 2007 in Chicago konnte er das nicht. Dort unterlag er im Viertelfinale dem späteren Tourniersieger Demetrius Andrade.
Der Kampf zwischen Andrade und Culcay verspricht ein Superkampf zu werden. Austragungsort ist gleichwohl die relativ kleine Friedrich-Ebert-Halle in Ludwigshafen, die ohne Innenraumbestuhlung nur 2.250 Sitzplätze haben soll. Wir dürfen auch auf die Einschaltquoten gespannt sein. In einer Pressemeldung war zu lesen, dass der Kampf auf ProSieben MAXX zu sehen sein wird.
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Team Sauerland tut alles dafür, dass Culcay gewinnt. Er bekommt sogar maßangefertigte Boxhandschuhe. Allerdings irritiert mich das ein wenig, denn, soweit ich recht informiert bin, müssen die Handschuhe identisch sein.
Das Team um Culcay gibt sich optimistisch. Trainer Ulli Wegner: „Ohne übertreiben zu wollen: Ich kann Unmögliches möglich machen.“ Und weiter: „Die Experten unterschätzen Jack Culcays Leistungsfähigkeit. Das wird nicht nur Jacks schwerster Kampf, sondern auch Andrades – wahrscheinlich so schwer, dass der Amerikaner den Ring nicht als Sieger verlassen wird!“ Auch Culcay ist siegessicher: „Ich habe Power für die vollen zwölf Runden und werde der Welt beweisen, dass ich gegen die stärksten Boxer der Welt bestehen kann. Und dann geht es auf nach Amerika!“
Auch Moritz Klatten, der Manager von Culcay, spricht von Amerika: „Mit einem Sieg über Andrade kann sich Jack über Nacht einen Namen in den USA und damit weltweit machen. Fights gegen die absoluten Topstars der Branche sind dann keine Utopie mehr, sondern werden Realität.“
Die Äußerungen Amerika betreffend sind interessant. Damit wird doch wohl ankündigt, dass Culcay nach einem Sieg und damit dem Gewinn seines ersten „richtigen“ Weltmeisterschaftskampfes nicht mehr nahezu ausschließlich in Deutschland boxen will und soll, sondern in den USA. Man muss kein Hellseher oder Gedankenleser sein, um zu erkennen, dass das wohl finanzielle Gründe hat.
Amerika ist aber noch Zukunftsmusik, denn vorher muss Culcay wie gesagt erst noch den Titelverteidiger Andrade bezwingen. Und das wird nicht ganz einfach werden, ganz im Gegenteil. Und was macht Jack Robert Culcay-Keth, wenn er nicht gewinnt?
© Uwe Betker

Das Ende des Profiboxens in Deutschland

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Wäre dies ein etwas altertümlicher Bericht über Politik, dann würde er wohl so anfangen: „Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautete…“. Es ist aber ein Bericht übers Profiboxen in Deutschland – also fängt er anders an:
Es kursiert das Gerücht, dass Sat.1 zum April nächsten Jahres die Zusammenarbeit mit Sauerland Promotion praktisch einstellen will. Es sollen dann nur noch drei bis vier Boxveranstaltungen, und zwar Weltmeisterschaften, übertragen werden. Wohl gemerkt, das ist nur ein Gerücht, aber es kommt doch „aus gut unterrichteten Kreisen“.
Angeblich hat die Entscheidung auch schon Folgen. Es heißt da etwa, dass wohl die Trainer in Zukunft nicht mehr von dem Berliner Veranstalter bezahlt werden, vielmehr sollen das die Boxer selber tun. Meinem Informanten zufolge, wurde diese Entscheidung einem Trainer von Sauerland bereits mitgeteilt. Offen ist noch, ob dies auch für Ulli Wegner gelten soll. Ich werde aber nicht müde zu wiederholen, dass es sich hier nur um ein Gerücht handelt.
Eine solche Entscheidung von Sat.1 würde praktisch der Anfang vom Ende des Profiboxens in Deutschland, so wie wir es heute kennen, darstellen. Unberührt bleibt davon aber die Frage, ob, in absehbarer Zeit, danach dann vielleicht etwas Neues – und auch Erwähnenswertes – entstehen wird und kann.
Versuchen wir doch einmal durchzuspielen, was passiert:
Sat.1 überträgt nur noch drei bis vier Veranstaltungen von Sauerland im Jahr. Überträgt der Sender dann zusätzlich weiterhin Kämpfe von Felix Sturm, der bis jetzt noch keine wahrnehmbaren Anstalten getroffen hat, sich von dem Vorwurf, ein Doper, und damit ein Betrüger, zu sein, rein zu waschen. Die Frage ist, ob der Sender aus Unterföhring bei München Adnan Ćatić noch weiter geschätzte 1,5 Millionen Euro (das ist natürlich auch nur ein Gerücht) für einen Kampf überweisen will, obwohl doch die Staatsanwaltschaft weiterhin ermittelt.
RTL überträgt seit geraumer Zeit nur noch Wladimir Klitschko und Marco Huck. Was aber passiert, wenn Klitschko den Kampf, der aktuell im Gespräch ist, gegen Anthony Joshua, nicht gewinnen kann oder sogar KO geht? – Beides durchaus realistische Szenarien. Können wir davon ausgehen, dass der 40-jährige Klitschko dann noch einmal von vorne anfängt? Oder geht die Ära Klitschko endgültig zu Ende? Und was wird dann RTL weiter machen? Wird der Sender aus Köln weiter die Kämpfe von Muamer Hukić zeigen? Oder zieht er sich dann ganz aus dem Boxen zurück?
Es bleiben da noch SES-Boxing und der Mitteldeutsche Rundfunk. Hier hört man (auch dies ist nur ein Gerücht), dass der MDR schon zum Teil unzufrieden mit der Qualität der Veranstaltungen ist. Und massive Unzufriedenheit soll auch der Grund für den faktischen Ausstieg von Sat.1 aus dem Boxen sein.
Für das Profiboxen in Deutschland hieße das, es blieben nur noch das Internet, ein öffentlich-rechtliches Regionalprogramm und Spartenkanäle. Das dürfte dann der Anfang vom Ende des Profiboxens, in der jetzigen Form jedenfalls, in Deutschland sein. Zwangsläufig wird das Profiboxen schrumpfen.
Sollten sich nun Vertreter des Amateurboxens – pardon, des Olympischen Boxens – die Hände reiben und sich darüber freuen, dass „ihre“ Boxer zukünftig nun nicht mehr von den „bösen“ Profis abgeworben werden, dann ist das ein wenig kurz gedacht. Gibt es nämlich kein Profiboxen mehr im Fernsehen zu sehen, dann werden auch immer weniger Jungen und Mädchen überhaupt den Weg zum Boxen finden. Und dann haben wir nicht nur eine Krise des Profiboxens, sondern auch des Amateurboxens.
© Uwe Betker

Ein Schwanengesang auf Arthur Abraham

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Arthur Abraham (49 Kämpfe, 44 Siege, 29 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) verlor am 09.04.2016 in der MGM Garden Arena in Las Vegas gegen Gilberto Ramirez (34 Kämpfe, 34 Siege, 24 durch KO) nach Punkten. Durch diese Niederlage verlor er seinen Weltmeistertitel im Super Mittelgewicht nach Version WBO. So weit, so normal. Bemerkenswert an die Niederlage ist, wie sie zustande kam. Die Punktwertungen der Punktrichter (Adalaide Byrd 120:108, Glenn Trowbridge 120:108 und Glenn Feldman 120:108) geben den Kampfverlauf nämlich sehr genau wieder: Abraham konnte keine einzige Runde gewinnen. Vor dem Kampf hatte er noch angekündigt, dass die Zuschauer den besten Abraham aller Zeiten zu sehen bekommen würden. Aber das Gegenteil war der Fall.
Aufgrund der desaströsen Leistung, die er 36-jährigen Abraham hier zeigte, wurde in den einschlägigen Medien unverholen darüber spekuliert, ob dieser Kampf nicht das Ende seiner langen und sehr erfolgreichen Karriere als Profiboxer sei. Ich möchte mich hier nicht an diesen Spekulationen beteiligen. Vielmehr möchte ich mich daran erinnern, was für ein großer Fighter Abraham einst war.
Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich Abraham zum ersten Mal traf. Ich besuchte das Sauerland Gym in Köln, beim Müngersdorfer Stadion, um dort ein Interview mit Markus Beyer zu führen, der sich auf einen Titelkampf vorbereitete. Wie immer, wenn möglich, schaute ich mir die ganze Trainigseinheit ein. An der Tür des Gyms hing eine Liste, der Plan für das Sparring. Als letzter auf der Liste stand Arthur Abraham, der damals noch Artur geschrieben wurde. Er sollte 8 Runden Sparring machen. Ich hatte bis dahin weder Abraham gesehen und noch von ihm gehört. Er stand ganz am Anfang seiner Karriere.
Der junge Mittelgewichtler Abraham absolvierte die ersten vier Runden mit dem Sparringspartner von Markus Beyer, einem Super Mittelgewichtler. Danach traf er auf einen Sparringspartner von Kai Kurzawa, einem Halbschwergewichtler. Das Sparring war gut und man sah, dass Abraham kein Schlechter war. Man sah auch, dass er sich im Sparring nicht geschont hatte. Er pumpte und war fertig. Als Abraham sich durch die Seile zwängte, ertönte die knarzige Stimme von Ulli Wegner „Artur, du bist noch nicht fertig. Du musst noch vier Runden machen.“ Abraham: „Aber Trainer, ich habe die acht Runden doch gemacht. Auf dem Plan stehen acht Runden.“ Wegner ließ das nicht gelten: „Artur, du kannst nicht richtig lesen. Auf dem Plan stehen zwölf Runden.“
Abraham kletterte zurück in den Ring und bekam es nun mit einem Cruisergewichtler zu tun. Abraham war am Ende seiner Kraft, er atmete schwer, aber immer wenn sein Sparringspartner auch nur eine kleine Pause machte, um Atem zu holen oder sich zu orientieren, explodierte Abraham. Er war offensichtlich wütend und versuchte das Sparring durch einen Niederschlag vorzeitig zu beenden. Das schaffte er nicht. Aber er schaffte es, mich für sich einzunehmen. Ich fuhr nach Hause mit der Aufnahme eines Interviews und der Gewissheit, einen zukünftigen Weltmeister gesehen zu haben.
Arthur Abraham boxt am 16.07.2016 in Berlin gegen Tim Robin Lihaug (16 Kämpfe, 15 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO). Lihaug ist die Nummer 74 in der Weltrangliste
(C) Uwe Betker

Rezension: „Mit Links und 40 Fieber“ von Monty Gräßner

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Monty Gräßners Buch „Mit Links und 40 Fieber“ hat den Untertitel „Die außergewöhnliche Karriere des Boxweltmeisters Markus Beyer“. Es erschien 2009. Es ist haptisch ein ungewöhnlich schönes Buch. Es ist ca. 20 mal 13 Zentimeter groß, liegt gut in der Hand und ist sogar fadengeheftet. Für meinen Geschmack sind die Fotos allerdings etwas zu klein.
Die Karriere von Beyer wird über die klassische 15 Runden/Kapitel Distanz erzählt. Das Buch in ungewöhnlich gut und klar strukturiert. In jedem einzelnen Kapitel wechseln sich Gräßner und Beyer, wohl O-Töne aus Interviews, ab, und am Ende steht immer ein kurzes Interview mit einer dritten Person. Da das Buch von 2009 ist, finden sich hier auch Dinge, die in einer Neuauflage oder einer Überarbeitung wohl so nicht mehr stehen würden. Eineinhalb Kapitel haben sich auf jeden Fall überholt, weil sie über die Hochzeit und Liebe zu Daniela Haak gehen. Soweit ich es mitbekommen habe, gehen Beyer und Haak mittlerweile getrennte Wege. Das Kapitel über die diversen TV-Auftritte bei Stefan Raab und Co. interessierten mich auch nur mäßig.
Als primär am Boxen Interessiertem kommt mir der Boxer Beyer und seine Kämpfe doch etwas zu kurz. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob Kollege Gräßner ein Boxfachmann ist. Jedenfalls sehen die Interviews, in denen sowohl Weggefährten als auch Freunde und Verwandte von Beyer zu Wort kommen, nicht so danach aus. Einige Zuschreibungen von Personen sind zumindest ungenau. Andere fehlen komplett. Das Interview mit Kai Ebel ist absolut nichtssagend. Dafür ist das mit Ulli Wegner zu kurz; hier hätte man schon mal nachfragen können. Mit dem mit Joey Kelly konnte ich einfach nichts anfangen. Wilfried Sauerland erzählt, eigentlich hätte er Thomas Ullrich haben wollen, am Ende hätte es dann aber Streit um Geld gegeben. Leider wurde auch hier nicht nachgefragt. Ein Register wäre auch nicht schlecht gewesen. Gut gefiel mir dagegen, dass Gräßner schreibt, dass der Ex-Bundestrainer der Amateure Helmut Ranzer alle Interviewanfragen ignoriert hat.
„Mit Links und 40 Fieber“ lässt sich gut und flüssig lesen. Man bekommt es an einem verregneten Sonntagnachmittag durch. Besonders gut gefallen hat mir immer, wenn Beyer selber zu Wort kommt. Viele meiner Erwartungen wurden nicht erfüllt. Aber empfehlen kann man das Buch dennoch – schon, weil es im Internet sehr preiswert zu haben ist.
(C) Uwe Betker

Ein Rückblick auf das letzte Jahr der sportlichen Karriere von Marco Huck

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Von Marco Hucks letztem Kampf war das Bild im Internet am häufigsten zu sehen, auf dem er besinnungs- und wehrlos auf dem zweiten Seil von unten liegt , über ihm stehend: der Ringrichter David Fields, der ihn auszählt. Huck (42 Kämpfe, 38 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) ist nicht mehr Weltmeister der WBO im Cruisergewicht. Das sollte nun Grund genug sein, das letzte Jahr seiner sportlichen Karriere Revue passieren zu lassen.

Im Sommer letzten Jahres war die Welt von Huck noch in Ordnung. Am 30. August absolvierte er im Garry Weber Stadion in Halle ein leichtes Sparring. Dabei besiegte er den Italiener Mirko Laghetti, einen handverlesenen Gegner. Aus blieb dabei allerdings das angekündigte Zerbröseln der Hartweizen Nudeln. Er brauchte für die „Spagetti à la Laghetti“ doch zwölf Runden. Dies war sein letzter Kampf für Sauerland Events GmbH.
Sauerland hatte ihn, den Kickboxer, 2004 unter Vertrag genommen. Da Huck spät und über den Umweg des Kickboxens zum Boxen gekommen war, wurde aus ihm, trotz der Bemühungen von Trainer Ulli Wegner, kein technischer Boxer, sondern ein harter, technisch limitierter Fighter, der den KO sucht. Trotz schlechterer Voraussetzungen und allein durch Fleiß, Härte und die Hilfe seines Veranstalters wurde er Europameister und Weltmeister der World Boxing Organisation.

Nach seinem Kampf gegen Laghetti trennte sich Huck von seinem Veranstalter. Vermutlich war Geld der Grund hierfür. Es geht schließlich fast immer um Geld. Huck gründete mit seinem Bruder Kenan Hukić eine eigene Promotion-Firma – nach dem Vorbild der Klitschkos und Felix Sturms. Er und sein Bruder, der nun sein Promoter, Manager und Geschäftsführer seiner Firma ist, versuchte er, sich selber ins Gespräch zu bringen als ein möglicher Gegner für Wladimir Klitschko (66 Kämpfe, 63 Siege, 53 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO). „Jetzt bin ich frei für Klitschko!“ Aber natürlich war solch ein Kampf nicht zu vermarkten. Wieso sollte der zur Zeit beste Schwergewichtler der Welt und amtierende Weltmeister der IBF, WBO und Super Champion der WBA gegen jemanden boxen, der seinen einzigen Schwergewichtskampf nicht gewinnen konnte. – Huck verlor am 25.02.2012 gegen Alexander Povetkin. Seine Leistung war keine Offenbarung. Auf keinen Fall aber war sie eine, die ihn als einen möglichen Herausforderer für Klitschko qualifiziert hätte. Gleichwohl wurde er nach diesem Kampf nicht müde, Klitschko herauszufordern.
Der als Muamer Hukić in Novi Pazar, im heutigen Serbien geborene Huck versuchte nach seinem Weggang von Sauerland einen deutschen TV-Sender für seine Kämpfe zu interessieren. Diese Bemühungen waren jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Zeljko Karajica, der Geschäftsführer der ProSiebenSat.1 TV Deutschland sagte öffentlich: „Huck muss mit Sauerland einen Deal machen, wenn er in Sat.1 boxen will. Es wird keinen separaten Vertrag mit Huck Sports Promotion geben.“ Und Wilfried Sauerland gab zum Besten, Huck würde sich überschätzen.
Da Huck keinen TV-Vertrag in Deutschland bekam, ging er in die USA. Die Überlegung, die hinter diesem Schritt stand, war gut. Mit seinem Boxstil und seinem WM -Titel standen ihm die Türen offen. Geplant war eine relativ einfache Titelverteidigung gegen den als zweitklassig angesehenen Kryrsztof Glowacki. Dann sollte er gegen die Ringlegende Roy Jones jun. (67 Kämpfe, 59 Siege, 42 durch KO, 8 Niederlagen, 4 durch KO) antreten. Zwei überzeugende Siege, die auch realistisch waren, und er wäre eine feste Größe auf dem US-amerikanischen Markt geworden. Aber dazu kam es nicht. Er verlor nämlich durch KO in Runde 11.
Nach dieser Niederlage steht Huck nun vor dem Scherbenhaufen seiner Karriere. Da nutzte auch nichts, einen Rückkampf zu fordern. Warum sollte er ihn auch bekommen. Hat er denn selbst Denis Lebedev einen Rückkampf gewährt, nachdem er am 19.12.2010 von diesem vermöbelt worden war und durch die zwei Punkrichter Lahcen Oumghar und Manuel Oliver Palomo den Sieg geschenkt bekommen hatte? – Nein.
Es fiel auf: Huck boxte in seinem letzten Kampf technisch um Klassen schlechter als sonst. Durch seinen Weggang von Sauerland war er gezwungen, sich auch einen neuen Trainer zu suchen. Ulli Wegner, der ihn als Trainer zum Weltmeister gemacht hatte, durfte ihn nicht mehr trainieren. Aus einem mir unerfindlichen Grund nahm er sich dann einen amerikanischen Trainer. Er plauderte selber in einem Interview darüber, dass er einmal zu spät zum Training in seinem Trainingslager in Las Vegas gekommen sei, weil er im Casino festhing. Das spricht ja wohl nicht gerade dafür, dass er seinen Gegner und seinen Trainer Don House sonderlich ernst genommen hätte.

Jeder weiß, dass ein Trainerwechsel nicht unproblematisch ist. Noch schwieriger ist es, wenn der Trainer aus einer ganz anderen Trainerschule kommt. Relativ selten nur kamen europäische Boxer mit amerikanischen Trainern zum Erfolg. Zu unterschiedlich sind beide Boxschulen. Und „Umschulungen“ auf einen anderen Stil gehen in der Regel nicht gut. Wenn Huck nun in seinem Trainer den Sündenbock für seinen Titelverlust gefunden zu haben glaubt, so ist das einfach billig. Er hat sich House doch selbst ausgesucht, der außerdem – abgesehen von Bermane Stiverne – aktuell auch keinen Top-Boxer betreut.
Hucks Deckung war schlecht. Die Kondition war schlecht. Die Linke hängen lassen, um den Gegner zum Angriff zu verleiten, war ein suboptimale Idee. Die Verständigung in der Ringecke war auch schlecht. Sich nur über einen Dolmetscher zu verständigen, kann nun auch einfach nicht hilfreich sein, vor allem, wenn man nur maximal 60 Sekunden Zeit hat zu kommunizieren. Wie schon gesagt Captain Hook hat sich seinen Trainer selbst ausgesucht und alle Probleme waren vorher bekannt.
Huck sucht inzwischen einen neuen Trainer. Es sieht im Moment danach aus, als würde Graciano Rocchigiani sein neuer Trainer werden. Auch hier sehe ich Schwierigkeiten voraus. Aber Huck wird schon wissen, warum er Rocky will. Neue sportliche Aufgaben hat er aber immer noch keine.
© Uwe Betker

Written by betker

25. Oktober 2015 at 23:59

Veröffentlicht in Boxen

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Die ultimativ subjektive Liste 2014

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Boxer des Jahres
Gennady Golovkin (31 Kämpfe, 31 Siege, 28 durch KO) ist zurzeit der beste Mittelgewichtler der Welt. In allen Pound for pound Listen steht er ganz oben. Warum hat kein deutscher Veranstalter ihn unter Vertrag genommen, nachdem Universum Box-Promotion seine Tore geschlossen hatte?

Boxer des Jahres (ehrenhalber)
Der IBF Cruisergewichtsweltmeister Yoan Pablo Hernandez (30 Kämpfe, 29 Siege, 14 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) hat sich 2014 mehrfach politisch geäußert und gegen den Völkermord an den Jesiden im Nordirak demonstriert. Das ist nicht nur sehr ehrenwert. Normalerweise äußern sich Profiboxer in Deutschland ja nicht politisch, es sei denn, dass sie ihrer Bewunderung für Wladimir Wladimirowitsch Putin Ausdruck verleihen wollen, oder wenn sie darüber sprechen, dass die Bevölkerung in Russland noch nicht reif sei für eine Demokratie. Dies Engagement vom Hernandez bringt ihm den Titel Boxer des Jahres (ehrenhalber) ein.

Boxerin des Jahres
Özlem Sahin (19 Kämpfe, 18 Siege, 6 durch KO, 1 Unentschieden) wurde am 21.06.2014 Weltmeisterin der WIBF, WBF und GBU im Minimumgewicht. Ohne Veranstalter und ohne Manager erreichte sie dies. Seit 2007 boxt sie nun als Profiboxerin unter wechselnden Trainern. Sie ist ohne Zweifel eine der attraktivsten Boxerinnen der Welt.

KO des Jahres
Habe ich verpasst.
Schlechteste Veranstaltung des Jahres
Alle Veranstaltungen von großen Promotern, die das Geld nicht wert waren, das die Fernsehsender und die Zuschauer an den Kassen bezahlt haben.

Rookie des Jahres (männlich)
Manager Rainer Gottwald verkündete lautstark, sein Schützling Vincent Feigenbutz (19 Kämpfe, 18 Siege, 17 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) könne jetzt Arthur Abraham schlagen. Nun, das bezweifle ich schon. Aber Feigenbutz hat einen guten Punch, und mit einem Mehr an Technik kann der Karlsruher noch weit kommen. Er ist auch seit kurzem bei Sauerland Event unter Vertrag.

Rookie des Jahres (weiblich)
Die Weltergewichtlerin Ornella Domini (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO) aus der Schweiz hat zwar erst 8 Kämpfe bestritten, ist aber bereits auf Position 6 der unabhängigen Weltrangliste – und das ohne Titelkampf.

Ringrichter des Jahres
Manfred Küchler vom BDB. Bereits am 14.10.2011 hatte er einem Heimboxer, nämlich Alexander Petkovic, eine Niederlage erspart, indem er beherzt eingriff. Am 26.07.2014 wurde er nun noch zum Wiederholungstäter. Er sorgte nämlich dafür, dass Christina Hammer (18 Kämpfe, 17 Siege, 8 durch KO), die von Anne Sophie Mathis (31 Kämpfe, 27 Siege, 23 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) ganz regelkonform KO geschlagen worden war, doch ihren WM Titel behalten durfte. Das schaffte er, indem er kurzerhand die Siegerin disqualifizierte.
Ich möchte hier noch mal bemerken, dass es mir persönlich absolut schleierhaft ist, wieso der Bund Deutscher Berufsboxer einen solchen Mann, der offensichtlich das Boxen so sehr hasst, dass er immer wieder versucht, dessen Glaubwürdigkeit zu zerstören, in seinen Reihen duldet. Manfred Küchler vom BDB gebührt eigentlich nicht der Titel Ringrichter des Jahres, sondern wohl eher skandalösester Ringrichter aller Zeiten oder schlechtester Ringrichter aller Zeiten.

Absteiger des Jahres (männlich)
2014 war für Robert Stieglitz (52 Kämpfe, 47 Siege, 27 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) ein Seuchenjahr. Erst verlor er den Rückkampf gegen Arthur Abraham und war damit auch seinen WBO Titel im Super Mittelgewicht los. Und dann erreichte er gegen Felix Sturm nur ein Unentschieden.

Absteiger des Jahres (weiblich)
Elina Tissen (20 Kämpfe, 18 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) bestritt im Oktober 2013 erst einen Kampf ohne sanktionierenden Verband, den sie gewann. 2014 boxte sie nur einmal. Sie gewann auch wieder. Ihre Gegnerin kam mit einem Rekord von 9 Kämpfen, 4 Siegen, 4 Niederlagen und ein Unentschieden in den Kampf. Das war dann auch noch ein WM Kampf im Federgewicht nach Version WIBF und GBU. – Ich werde mich ehrlich bemühen, nie wieder über diese Frau zu schreiben, die sich selber Maschine nennt.

Aufsteiger des Jahres (männlich)
Der Weltergewichtler Robert Tlatlik (16 Kämpfe, 16 Siege, 10 durch KO) schickt sich an, in die europäische Spitze vorzustoßen.

Aufsteiger des Jahres (weiblich)
Nicole Wesner – Leichtgewicht – 9 Kämpfe, 9 Siege, 4 durch KO, bereits Weltmeisterin der WIBF und WBF, Nummer 8 der unabhängigen Weltrangliste – Was soll ich mehr schreiben?

Aussteiger des Jahres (männlich)
Markus Tomala (11 Kämpfe, 9 Siege, 4 durch KO, 2 Niederlagen) erklärte mir vor ein paar Monaten, er sei noch im Training und warte auf Kämpfe. Aber ich habe den Verdacht, dass er nie wieder in den Ring steigt. Seinen letzten Kampf bestritt Tomala am 16.12.2012. In ihm zeigte er, was aus ihm hätte werden können. Ich habe dem Düsseldorfer Schwergewichtler locker zugetraut, Deutscher Meister zu werden. Auch eine Europameisterschaft traute ich ihm zu. Man mag mich für einen Träumer halten, aber sogar einen heißen Tanz mit einem der Klitschkos habe ich für möglich gehalten. Schade!

Aussteiger des Jahres (weiblich)
Die Federgewichtlerin Goda Dailydaite (9 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO, 1 Niederlage) boxte 2013 zum letzten Mal. Sie verlor gegen Ina Menzer (31 Kämpfe, 30 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage) in deren Abschiedskampf. Offensichtlich konzentriert sie sich jetzt auf ihr Lehramtsstudium.

Veranstalter des Jahres
Veranstalter des Jahres kann nur sehr schwer ein großer Veranstalter mit TV Vertrag werden. Die Großen bekommen viel Geld für ihre Veranstaltungen, aber häufig wirken ihre Shows billig und die Gegner ihrer Boxer sehen schlecht aus. Offensichtlich verschwindet einfach zu viel Geld in den Taschen der Veranstalter, die dann eben zu wenig Geld für ihre Veranstaltungen ausgeben. Da lobe ich mir die vielen Kleinen, die mit viel Mut, viel Enthusiasmus und Liebe – und wenig Geld – veranstalten.
Drei möchte ich hier stellvertretend für viele andere nennen: Benedikt Poelchau, Patrick Driessen, Timor Khalil und Peter M. Pospichal.
Der Veranstalter Benedikt Poelchau ist erneut Veranstalter des Jahres geworden. Zwar veranstaltet er nur selten, aber wenn, dann richtig gut. Seine Show im Volkshaus in Zürich, am 30.08.2014 war einfach vorbildlich. An Poelchau sollten sich die großen und mit TV-Verträgen ausgestatteten Promoter ein Beispiel nehmen. Noch besser wäre es aber, wenn ein Fernsehsender seine Show übertragen würde.

Veranstaltung des Jahres
Die Veranstaltung im Volkshaus in Zürich am 30.08.2014 von Benedikt Poelchau war so gut, dass einer dieser ewigen Nörglern nur bemängeln konnte, dass bei seiner Show die Nummerngirls zu schnell waren.

Boxevent des Jahres
Diese Kategorie sollte ich eventuell ganz streichen. Wenn es nämlich ein Event, also eine Großveranstaltung, nicht schafft, Veranstaltung des Jahres zu werden, warum sollte man ihr dann noch den Trostpreis „Boxevent des Jahres“ zukommen lassen, nur weil die Veranstalter viel Geld dafür bekommen haben?

Fehlentscheidung des Jahres
Anne Sophie Mathis (31 Kämpfe, 27 Siege, 23 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) hat Christina Hammer (18 Kämpfe, 17 Siege, 8 durch KO) absolut regelkonform KO geschlagen. Der Ringrichter Manfred Küchler vom BDB hat seiner Verachtung für den Sport und das Publikum Ausdruck verliehen, indem er Mathis disqualifizierte. Dass die Entscheidung später in ein No Contest umgewandelt wurde, ändert nichts an dem Skandal.

Trainer des Jahres
Fritz Sdunek (geb. am 18. April 1947 in Lüssow – gest. am 22. Dezember 2014 in Hamburg). Der große Fritz ist tot. Wie kein anderer verkörperte er den Trainer, der bei und mit seinen Schützlingen war. Man hatte nie den Eindruck, dass er seine Boxer als Mittel zum Zweck des Geldverdienens sah. Er war vielleicht der beste und ehrlichste deutsche Trainer aller Zeiten.

Entgleisung des Jahres
Die Entgleisung des Jahres ist eigentlich nichts weiter als eine unglaublich ehrliche Reaktion. Als Ulli Wegner auf der Pressekonferenz mitgeteilt wurde, was der ARD Experte Henry Maske über den Sieg von Yoan Pablo Hernandez (30 Kämpfe, 29 Siege, 14 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) über Firat Arslan (44 Kämpfe, 34 Siege, 21 durch KO, 8 Niederlagen, 3 durch KO, 2 Unentschieden) gesagt hatte, war er empört. Wegner polterte: „Dass Henry von einem Fehlurteil spricht, ist eine Schweinerei von ihm. Wer das so sieht, der kann nicht mehr mein Freund sein.“

Boxkampf (männlich) des Jahres
fand nicht in Deutschland statt.

Boxkampf (weiblich) des Jahres
Özlem Sahin (18 Kämpfe, 17 Siege, 5 durch KO, 1 Unentschieden) bestritt am 21.06.2014 ihren ersten WM Kampf. Es ging um die WIBF, WBF und GBU Titel im Minimumgewicht. Eindrucksvoll besiegte sie Thuion Thanyathada alias Buangern OnesongchaiGym (18 Kämpfe, 11 Siege, 2 durch KO, 6 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden). Von Runde zu Runde stärker werdend, schickte sie ihre Gegnerin in der sechsten Runde nach einer längeren Kombination zu Boden. Wieder auf den Beinen, deckte Sahin sie weiter mit Schlägen ein, unter denen Thanyathada zusammenbrach und ausgezählt wurde. – Ein großartiger Kampf von eine großartige Weltmeisterin.

Comeback des Jahres (männlich)
Graciano Rocchigiani versucht sein Comeback. Nachdem 2012 bekannt wurde, dass er sein komplettes Vermögen durchgebracht hat und Hartz IV bezieht. Nun betreibt er ein eigenes Box Gym.

Comeback des Jahres (weiblich)
2013 musste Rola El Halabi (15 Kämpfe, 14 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage) bei ihrem Comebackkampf, nachdem sie sich von ihren Verletzungen erholt hatte, eine bittere Niederlage einstecken. Damals zeigte sie sich als große und faire Verliererin. Mittlerweile ist sie die Nummer 6 in der unabhängigen Weltrangliste im Junior Weltergewicht und Weltmeisterin der Verbände WIBF, WIBA und UBF.

Bester Show Act des Jahres
Was ist besser als Nummerngirls? – Nummerngirls und Gogo-Tänzerinnen oder Sambatänzerinnen. Auf der Veranstaltung von Patrick Driessen, am 08.11.2014 in Voerendaal bei Heerlen, gab es nicht nur gutes Boxen zu sehen, sondern auch Gogo-Tänzerinnen. Wieso gibt es eigentlich nicht auf allen Profiboxveranstaltungen Gogo-Tänzerinnen?

Boxer, der einen WM-Kampf verdient (männlich)
Der Mittelgewichtler Istvan Szili (20 Kämpfe, 18 Siege, 7 durch KO, 2 Unentschieden) könnte innerhalb eines halben Jahres Weltmeister werden. Absolut unverständlich warum kein deutscher Veranstalter mit TV-Vertrag den sympathischen, deutsch sprechenden und klasse boxenden Szili unter Vertrag nimmt. Aber vielleicht sind es ja genau diese drei Eigenschaften, die man nicht haben will.

Boxer, der einen WM-Kampf verdient (weiblich)
Melanie Zwecker (6 Kämpfe, 5 Siege, 2 durch KO) ist eine Federgewichtlerin aus Karlsruhe, die sich innerhalb ihrer zwei Jahre als Profi sehr schnell entwickelt hat. In ihrem letzten Kampf wurde sie World Boxing Federation International Champion. Wenn sie sich weiter in dem Tempo entwickelt, traue ich ihr Ende 2015 einen WM Titel zu.

Boxer, der zu Unrecht übersehen wird
Der Berliner Mittelgewichtler Arthur Hermann (15 Kämpfe, 14 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage) wird hier meist übersehen, schlicht weil er in London lebt und trainiert und vor allem in Großbritannien boxt. Hermann ist jedoch ein Mann mit Potential.

Boxkampf, den wir 2015 sehen wollen (männlich)
Schön wäre, wenn der WBA Weltmeister im Halbschwergewicht Jürgen Brähmer (47 Kämpfe, 45 Siege, 33 durch KO, 2 Niederlagen) mal wieder gegen einen halbwegs guten Boxer antreten würde. Zsolt Erdei (35 Kämpfe, 34 Siege, 18 durch KO, 1 Niederlage), der von 2004 bis 2009 Weltmeister der WBO im Halbschwergewicht war, wäre da eine gute Wahl.

Boxkampf, den wir 2014 sehen wollen (weiblich)
Wenn es einen Rückkampf geben muss, dann den zwischen Christina Hammer (18 Kämpfe, 17 Siege, 8 durch KO) und Anne Sophie Mathis (31 Kämpfe, 27 Siege, 23 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO).
© Uwe Betker

Written by betker

30. Dezember 2014 at 23:59

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Der Superchampion Marco Huck – auf zu neuen Ufern

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Es war ein kluger Schachzug von Marco Huck (41 Kämpfe, 39 Siege, 26 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden), zur WBO Tagung nach Las Vegas zu fliegen. Der Weltmeister der World Boxing Organisation im Cruisergewicht bekam dort den Titel des Superchampions verliehen. Im Gegensatz zu Felix Sturm, der sich auch mal Superchampion nannte, diesen Titel aber den Regeln des Verbandes gemäß überhaupt nicht tragen durfte, ist Huck nun wirklich Superchampion. Die WBO kann den Titel einem Boxer zusprechen, wenn dieser seinen WM Titel 13-mal erfolgreich verteidigt hat.
Huck hat zwar wohl noch ein juristisches Probleme zu lösen, bevor seine Firma (Huck Sports Promotion) ihn vermarkten kann. Sein ehemaliger Veranstalter Sauerland Event stellt sich nämlich auf den Standpunkt, Huck hätte seinen Vertrag noch nicht zur Gänze erfüllt und müsste daher noch weiter für ihn boxen. Huck aber stellt schon mal in Aussicht, dass er im Frühling 2015 gegen die Box-Legende Roy Jones jun. (67 Kämpfe, 59 Siege, 42 durch KO, 8 Niederlagen, 4 durch KO) antreten will. Vorgespräche hat es bei der WBO Tagung auch tatsächlich schon gegeben. Nun ist ein Kampf dieser beiden, sportlich gesehen, nur mäßig interessant. Zwar steht Jones noch auf Position 20 der unabhängigen Weltrangliste, und er trägt den WM Gürtel der WBU, der World Boxing Union, die deutsche Version, aber er ist bereits 45 Jahre alt und boxerisch auch nur noch eine Schatten seiner selbst.
Es kamen mir auch Gerüchte zu Ohren, denen zufolge es auch Gespräche zwischen Huck und Wladimir Klitschko (66 Kämpfe, 63 Siege, 53 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO 3) gegeben haben soll. Huck hat ja auch schon mal einem Ausflug ins Schwergewicht unternommen, nämlich am 25.02.2012. Dabei konnte er allerdings gegen Alexander Povetkin, den ich auch nicht gerade als Offenbarung wahrgenommen habe, nicht überzeugen. Aber seither wird er nicht müde, einen Kampf gegen Klitschko zu fordern.
Bis Huck nun wieder in der Ring steigt, muss er noch einige Probleme aus den Weg räumen. Da wäre zum Beispiel erst mal die Trainerfrage. Sein langjähriger Trainer Ulli Wegner wird ihn wohl nicht trainieren dürfen, da Sauerland es ihm ja wohl kaum erlauben wird, wenn sich Huck mit seinem früheren Arbeitgeber nicht gütlich einigt oder kooperiert. Unlängst weilte Huck in München, wo er bei einem Fitnesscoach ein Training absolvierte – bei einem „Bundeswehroffizier, der über verschiedene Trainerlizenzen verfügt“. Auch über einen US-amerikanischen Trainer wurde in der Presse schon spekuliert.
Ein zweites Problem dürfte der TV-Sender sein. Welcher Fernsehsender sollte schon bereit sein, für die Übertragung eines Kampfes von Huck Geld auszugeben? Bei Sat.1, dem größten Box-Sender, hat man, jedenfalls gegenüber der Öffentlichkeit, schon abgewunken. Zeljko Karajica, Geschäftsführer der ProSiebenSat.1 TV Deutschland sagte: „Huck muss mit Sauerland einen Deal machen, wenn er in Sat.1 boxen will. Es wird keinen separaten Vertrag mit Huck Sports Promotion geben.“
© Uwe Betker

Von Boxexperten im Fernsehen

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Wikipedia definiert den Experten wie folgt: „Experte, von lateinisch expertus ‚erprobt‘, (auch Fachmann/Fachfrau, Pl. Fachleute , Fach- oder Sachkundiger, Spezialist) ist ein Schlagwort und bezeichnet als solches eine Person, die über überdurchschnittlich umfangreiches Wissen auf einem Fachgebiet oder mehreren bestimmten Sacherschließungen oder über spezielle Fähigkeiten verfügt oder der diese Eigenschaften zugeschrieben werden. Neben dem theoretischen Wissen kann eine kompetente Anwendung desselben, also praktisches Handlungswissen, für einen Experten kennzeichnend sein.“ Also ein Experte ist ein Fachmann. Ein Boxexperte ist dann ein Fachmann in Sachen Boxen. So weit, so banal.
Ein Grundproblem mit Experten ist nun aber, dass sie zwar fachkundig sein mögen, also über ein überdurchschnittlich umfangreiches Wissen auf einem Fachgebiet verfügen, nur heißt das noch lange nicht, dass sie Andere auch daran teilhaben lassen – und das auch dann nicht, wenn sie öffentlich als Experten auftreten. Als bestes Beispiel können da die Boxexperten im Fernsehen herangezogen werden. Einschränkend muss ich hier sagen: Das gilt vor allem für Experten im deutschen Fernsehen. Z.B. die amerikanischen Experten nämlich sind sehr viel kritischer als die deutschen. Das hat grob gesagt vor allem drei Gründe: 1. Die Bindung zwischen TV Sender und Veranstalter ist in den Staaten nicht so eng. 2. In den USA gibt es mehr Zuschauer, die sich tatsächlich fürs Boxen interessieren. 3. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es dort eine wirklich kritische Berichterstattung über Boxen, die sogar Tradition hat. Hierzulande herrscht dagegen mehr so was wie Hofberichterstattung.
Ein Beispiel zur Illustration:
Henry Maske, der ehemalige Weltmeister im Halbschwergewicht, nutzte seine Popularität als Boxer, um nach Beendigung seiner Karriere als Boxexperte für die ARD zu fungieren. Von 2007 an kommentierte er die Veranstaltungen seines ehemaligen Veranstalters Sauerland Event. Hierbei wurde er, positiv ausgedrückt, seinem Image als Gentleman gerecht. Negativ ausgedrückt, beschönigte er, was gezeigt wurde und er schreckte auch nicht davor zurück, die schlimmsten Fehlentscheidungen, wie z.B. den Punktsieg von Marco Huck über Denis Lebedev am 19.12.2010, schönzureden. Willfährig versicherte er den Zuschauern und dem ihn bezahlenden TV Sender, das, was sie zu sehen bekamen, sei gut gewesen.
Erst nachdem die ARD ihren Ausstieg aus dem Boxen à la Sauerland verkündet hatte, zeigte sich Maske ein einziges Mal kritisch. Nach dem Kampf von Firat Arslan gegen den IBF-Weltmeister Yoan Pablo Hernandez am 16.08.2014 sagte er in der ARD, er habe Arslan als Sieger gesehen. Nun könnte man ja meinen, dass Maske zum Ende seiner ARD-Experten-Karriere doch wenigsten einmal die Fernsehzuschauer von seinem überdurchschnittlich umfangreichen Wissen hätte profitieren lassen. Man kann die Sache aber auch anders verstehen. Zur selben Zeit nämlich ging das Gerücht um, Henry Maske werde in Zukunft für Z! Promotion der Brüder Zastrow tätig sein und die hätten sich nun um einen TV-Vertrag bei der ARD bemüht. Auf der Pressekonferenz nach dem Kampf zeigten sich die Verantwortlichen von Sauerland recht dünnhäutig. Ulli Wegner kündigte Maske öffentlich seine Freundschaft auf und Wilfried Sauerland stellte Maskes Fähigkeit als Experte fürs Boxen in Frage. Leider habe ich das Video von der Pressekonferenz nicht mehr im Internet gefunden.
Kritik ist ja nun auch nicht gerade etwas, was ein TV-Sender oder ein Veranstalter von einem Experten hören will. So wurde z.B. Axel Schulz als Experte bei SAT.1 abgelöst, als er es doch am 25.06.2011 tatsächlich gewagt hatte, die Leistung von Felix Sturm gegen Matthew Macklin zu kritisieren.
Man kann natürlich verstehen, dass ein TV-Sender, der schließlich Geld zahlt für eine Veranstaltung, von einem Experten, den er auch bezahlt, nicht unbedingt hören will, dass das, was da gekauft wurde von schlechter Qualität ist. Gleichzeitig möchte ich den Verantwortlichen der Fernsehsender aber zu bedenken geben, dass mit jeder Show die schöngeredet und mit jeder Fehlentscheidung, die weggeredet wird, ihr Produkt an Glaubwürdigkeit verliert – genauso wie auch die Experten. Allen Beteiligten würde ein mehr an Mut und Rückgrat da m. E. schon gut tun.
© Uwe Betker

Gemein! – Fast alle sind auf Marco Huck neidisch.

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Marco Huck (41 Kämpfe, 39 Siege, 26 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) ist von gemeiner Missgunst von Seiten gemeiner Neider umgeben. Da beweist er, dass er der größte und beste Cruisergewichtler aller Zeiten ist – und was passiert? Ganz viele Menschen gönnen ihm seinen Triumph nicht, wo doch der Muamer Hukić aus Ugao seine 13. Titelverteidigung absolviert hat. Damit hat er schließlich den Rekord von Johnny Nelson eingestellt. Das ist doch wohl großartig!
Der angesprochene Johnny Nelson war sogar höchstselbst angereist, um Huck boxen zu sehen. Leider zollte er unserem Huck aber nicht den ihm gebührenden Respekt, sondern stänkerte nur rum: „In meiner Glanzzeit hätte ich Huck ausgeknockt. Mit einem halben Jahr Vorbereitung würde ich ihn klar schlagen.“ Schade, dass Nelson nicht die Klasse von Huck würdigen kann.
Hucks Einstellung des Rekords von Nelson ist tausendmal besser als die sieben erfolgreichen Titelverteidigungen hintereinander von Anaclet Wamba (1991-94), oder auch die 4 Jahre und 10 Monate, die derselbe Mann den Titel ohne Unterbrechung innehatte – woran man nur wieder die Großartigkeit von Huck ablesen kann.
Huck sagte erst kürzlich: „Langsam verliere ich die Lust in meiner Gewichtsklasse. Ich brauche neue Motivation!“ Und ein paar Tage später: „Ich gehe keiner Herausforderung aus dem Weg. Ich bin bereit für alles, Cruiser- oder Schwergewicht.“ So spricht ein wahrer Champion! Huck ist nie jemandem aus dem Weg gegangen, und er boxt immer nur die Stärksten. In seinem letzten Kampf boxte er sogar gegen einen Landwirt aus Italien, Mirko Larghetti (22 Kämpfe, 21 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage). Auf diesen Kampf der Titanen hatte sich Huck auch akribisch vorbereitet. In Kienbaum bei Berlin hatte er fast einhundert Sparringsrunden absolviert. Und sein Trainer Ulli Wegner hat ihm schon „sehr starke Trainingspartner ausgesucht. Sie waren so stark, dass sich der Champion sogar darüber beschwert haben soll… Aber Wegner kannte keine Gnade, war knallhart.“ Das ist ein Champion!
Trotz der schweren der Aufgabe, fand Huck dennoch Zeit, sich von seiner sensiblen Seite zu zeigen. Huck dichtet – nicht so wie Muhammad Ali -, sondern richtig lyrisch und schön. Vor dem Kampf deklamierte er auf einer Pressekonferenz: „Aus Larghetti mache ich Spaghetti.“ Danach packte er ein Bündel Spaghetti und zerbrach es. Huck: „Das passiert am Sonnabend mit Larghetti, ich zerbreche ihn.“ – Ist das nicht schön? Wahre Lyrik, die eine empfindsame Seele schrieb.
Aber dann traten wieder diese Neider auf. Larghetti, der härteste aller denkbaren Gegner, ging einfach nicht KO. Er ging erst am Ende der letzten Runde zu Boden, so dass die Zeitung dann schreiben konnte: „Mit dem letzten Schlag ging der italienische Box-Bauer zu Boden!“ Aber es war kein KO. Gemein! Der letzte Schlag, der, der den italienischen Herkules fällte, kam nämlich nach dem Gong. Selbst die Zeitnehmer sind neidisch auf Huck.
Immerhin stellte sich doch Promoter Kalle Sauerland auf Hucks Seite: „Wir schauen uns das Video noch mal genau an. Notfalls legen wir Protest ein. Für einen Champion ist ein K.o.-Sieg schon wichtig.“ Da ist es nur ein schwacher Trost, dass der Landwirt direkt nach Ende des Kampfes zum Röntgen des Kopfes ins Krankenhaus musste.
Selbst Axel Schulz schien neidisch zu sein. Der schrieb nämlich: „Und jetzt noch zu der Frage: Schwergewicht oder weiter Cruisergewicht? Ganz klar: Marco sollte im Cruisergewicht bleiben. Da ist er sehr gut aufgehoben. Wie wäre es mit einer Revanche gegen Ami Steve Cunningham? Gegen den hat er ja schließlich eine Niederlage kassiert. Auch Vereinigungskämpfe gegen den Polen Wlodarczyk oder den Russen Denis Lebedev sind hochinteressant. Und die hat er noch längst nicht gewonnen…
Im Schwergewicht kommen ganz andere Kanonen geflogen. Verhält sich Huck dann so offen wie in Runde 7 oder 8, dann geht der gute Käpt’n Huck unter, k.o. Und: Das Wort Klitschko sollte Marco lieber nicht in den Mund nehmen. Über diesen Marco Huck, wie in Halle/Westfalen, lacht sich Wladimir nämlich bestimmt kaputt. Zwischen Huck und Klitschko liegen gute 20 Kilo Gewichtsunterschied. Und boxerisch Welten.“
Ist das nicht gemein von Axel?
Kaum trennt sich Huck von seinem langjährigen Veranstalter Wilfried Sauerland, wird der auch gemein zu ihm. Anstatt ihm viel Glück für seine weitere boxerische Entwicklung und für seine Vermarktung zu wünschen, bekommen wir so Sätze zu hören wie: „Er überschätzt sich hier selbst“.
Unser Marco Huck ist von gemeinen Neidern mit ihrer gemeinen Missgunst umzingelt. Es wird Zeit, dass wir alle aufstehen und unseren Marco gegen diese Gemeinlinge verteidigen.
© Uwe Betker

Markus Lanz und Marco Huck

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Wenn man sich eine Weile die publizistischen Reaktionen auf die im Internet kursierende Onlinepetition „Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr!“, dann bemerkt man eine gewisse Ratlosigkeit der Kommentatoren. Innerhalb von wenigen Tagen unterzeichneten 230.000 Menschen diese Petition. Darüber, wie viele sie noch unterschrieben hätten, kann man nur mutmaßen, denn die Petition ist von der Autorin aus dem Netz genommen worden. Nun kann man die Meinung von fast einer Viertelmillion Zuschauer nicht einfach ignorieren. Gleichzeitig ist aber das Misstrauen gegen Menschen, die Onlinepetitionen verfassen und unterzeichnen, groß. Da wird gefragt, ob es sich hier nicht um eine „von sich selbst berauschte Internetöffentlichkeit“, um einen Mob handelt.
Der Kabarettist Ottfried Fischer sprach von „Menschenjagd“, die, seiner Meinung nach, seit Christian Wulff salonfähig geworden sei. Fischer rief das ZDF auf, stark zu bleiben und zu ihrem Moderator zu halten. Der öffentlich-rechtliche Sender dürfe „Markus Lanz auf keinen Fall dem Pöbel vorwerfen“. Der „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe rückte den Protest gegen Lanz gar in die Nähe der Nazi-Kampagne gegen jüdische Geschäfte. Mich brachte das ganze publizistische Getöse auf die Idee, dass der Moderator Markus Lanz und der Boxer Marco Huck sehr viel gemeinsam haben.
Sowohl Lanz als auch Huck müssen sich im Internet Hohn, Spott und auch offene Ablehnung gefallen lassen: Lanz für seine Art zu moderieren und Huck unter anderem für seine Art zu boxen. Beide sind außerhalb von Deutschland geboren. Markus Josef Lanz Bruneck, Italien und Muamer Hukić in Ugao, Serbien. Lanz hat eine italienische Staatsangehörigkeit und Huck die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen. Beide verdienen ihr Geld bei einer öffentlich rechtlichen Fernsehanstalt. Lanz beim ZDF, dem Zweiten Deutschen Fernsehen, und Huck bei der ARD, der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland.
Beide waren und sind gut aussehende Männer, die eine Affinität zu Nahrungsmitteln und Kochen haben. Seit Oktober 2009 ist Lanz der Nachfolger von Johannes Baptist Kerner und ist nun auch der Namensgeber für die Sendung „Lanz kocht“. Er ist wohl so etwas wie ein Kerner Light. In ihr plaudert er charmant mit Spitzenköchen und gibt gerne zum Besten, dass er hin und wieder in Restaurants speist. Huck ist genauso charmant und dem Kochen zugetan. Er gab nach seinem Rückkampf gegen Firat Arslan zum Besten: „Wenn ich rohes Fleisch rieche, lasse ich nicht mehr los.“
Was den Umgang mit Kritik angeht, kann der italienische Moderator noch viel von dem eingedeutschten Boxer lernen. Der ZDF-Moderator gestand nach seinem gescheiterten Versuch, den Journalisten zu geben, gemeint ist hier das Gespräch mit der Linken-Politikerin Sarah Wagenknecht, lauwarm Fehler ein. „Das war sicher an der einen oder anderen Stelle verbesserungswürdig.“ Huck ist da sehr viel gradliniger und sympathischer. Er veröffentlicht munter Videos, auf denen er erzählt, dass immer, wenn er etwas veröffentlicht, er gleich Hasskommentare bekommt. Huck ist zwar weniger diplomatisch als Lanz, aber wohl sehr viel ehrlicher.
Andererseits schafft es Lanz, wenn er öffentlich kritisiert wird, sich persönlich zu entschuldigen. So hat er „in einem längeren Telefonat“ persönlich sein Bedauern wegen des Interviews ausgedrückt und sich entschuldigt. So etwas hat Huck (40 Kämpfe, 37 Siege, 26 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) noch nicht geschafft. Sonst hätte er sich doch wohl bei Denis Lebedev für seine verbalen Entgleisungen entschuldigt. Hier ist der Moderator sehr viel mutiger als der Boxer.
Beide scheinen sich vom weiblichen Geschlecht zur Leistungssteigerung animieren zu lassen. Lanz, der, sofern ich das richtig sehe, eigentlich der Meister der Harmlosigkeit und der Weichgespültheit ist, der nie irgendwelche kritischen Fragen stellt, oder gar nachfragt, versucht sich bei einem weiblichen Studiogast als kritisch fragender Journalist. Sein Versuch, den Michel Friedmann zu geben, wurde vom Publikum allerdings nicht so gewürdigt, wie er es sich offenbar erhofft hatte.
Da Huck ja nicht gegen Frauen öffentlich boxen kann, er aber auch den weiblichen Gegner sucht, versucht er es mit Selbstsuggestion. So verkündete er vor dem Rückkampf mit Arslan. „Diesmal mache ich Arslan im Ring zu meinem Mädchen“. Der Erfolg gibt Huck recht. Kaum stellte er sich sein Gegenüber als Frau vor, brachte er auch schon die beste Leistung seiner Karriere.
Sowohl das ZDF als auch die ARD werden vermutlich dem Druck der Zuschauer in absehbarer Zeit nicht nachgeben. Auch wenn beide ihre Plattform für ihr öffentliches Tun verlieren würden, bräuchte man aber nicht gleich eine Kollekte für die Geschassten veranstalten. Huck dürfte gut verdient haben. Lanz dürfte sogar noch erheblich wohlhabender sein, denn er ist auch Produzent seiner Sendungen und verdient daher mit seinem charmanten Plaudern gleich doppelt.
Man kann wohl davon ausgehen, dass die beiden gut aussehenden Herren, Lanz und Huck, uns noch eine Weile erhalten bleiben. Lanz wird voraussichtlich nach seinem desaströsen Ausflug in den Bereich Journalismus, bei seinem Interview mit Sarah Wagenknecht, zu seinem „Flachland-Entertainment“ zurückkehren. Da seine Quoten gut sind und mittlerweile nicht wenige glauben, dass er Opfer eines digitalen Mobbing ist, wird er weiterhin plaudern und dabei gut aussehen. Und es ist zu befürchten, dass er dies noch Jahrzehnte lang weiter durchhalten kann.
Huck wird wohl nach seinem letzten guten Kampf gegen Firat Arslan, zu seinen leichten, handverlesenen Gegnern zurückkehren und sie verprügeln. Solange die ARD noch das Boxen der Sauerland Event GmbH überträgt, wird er beim Ersten zu sehen sein. Seine Bedeutung beschrieb sein Trainer Ulli Wegner mit den Worten: „Marco ist der Garant für die Zukunft des gesamten Sauerland-Boxstalls.“ Sein Problem ist, dass der Vertrag von Sauerland Ende des Jahres ausläuft und im Augenblick fraglich ist, ob er verlängert wird. Zur Erinnerung: Vor kurzem kursierte das Gerücht, dass Huck vergeblich versucht hat, selber einen Vertrag mit der ARD zu bekommen.
Nur wenige haben in der Beurteilung der Onlinepetition gegen Markus Lanz erkannt, dass es sich hier um ein legitimes Mittel der Öffentlichkeit handelt. Es ist geradezu grotesk, wenn den Lanz-Kritikern empfohlen wird, einfach abzuschalten oder den Kanal zu wechseln. Markus Lanz, aber auch Marco Huck, verdient schließlich sein Geld im öffentlich rechtlichen Fernsehen. Nachdem nun mal praktisch jeder Bürger der Bundesrepublik Deutschland per Gesetz gezwungen ist, Rundfunkgebühren zu zahlen, hat er da nicht auch das Recht und die Pflicht, Fernsehprogramme, Fernsehformate, Moderatoren oder auch Sportler zu kritisieren?
Je länger ich mir Markus Lanz und Marco Huck so ansehe, umso ähnlicher finde ich sie. Kann es nicht sein, dass sie Brüder sind? Oder zumindest Seelenverwandte?
© Uwe Betker