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Die letzten Zwölf (2)

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Gennady Golovkin (20 Kämpfe, 20 Siege, 17 durch KO) will nicht mehr für Universum boxen. Der Rechtstreit zwischen dem hamburger Promoter und dem kasachischen WBA Mittelgewichtsweltmeister zieht sich schon eine geraume Zeit hin. Golovkin geht davon aus, ab November 2011 ein „free agent“ zu sein. Klaus-Peter Kohl will natürlich keinen amtierenden Weltmeister ziehen lassen, zumal es Golovkin offensichtlich nichts ausmacht, überall auf der Welt zu boxen. So trat er zuletzt in Kiel, Panama City und Astana in Kasachstan auf. Am 17.06.2011 boxt er erneut in Panama City. Dort trifft er auf Kassim Ouma (36 Kämpfe, 27 Siege, 17 durch KO, 7 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden). Kohl geht davon aus, dass sein Vertrag mit Golovkin bis 2012 gültig ist.
Der Super Mittelgewichtler Karoly Balzsay (25 Kämpfe, 23 Siege, 17 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO) musste 2009 zwei Niederlagen in Folge hinnehmen. Erst verlor er am 22.08.2009 gegen Robert Stieglitz seinen WBO Weltmeistergürtel durch TKO in Runde 11. Dann musste er sich auch noch am 04.12.2009 seinem damaligen Stallkollegen Eduard Gutknecht nach Punkten geschlagen geben. 2010 boxte er dann nur zweimal gegen eher schwache klassische Aufbaugegner. Seine boxerische Zukunft sieht m. E. eher trübe aus.
Der ehemalige WBO-Weltmeister im Halbschwergewicht Jürgen Brähmer (38 Kämpfe, 36 Siege, davon 29 durch KO und 2 Niederlagen) wurde einst als Jahrhunderttalent gehandelt. Heute wird er gerne vom Boulevard als Knastboxer bezeichnet. Zuletzt wurde er kampflos Weltmeister, weil der langjährige Titelinhaber Zsolt Erdei – angeblich hatte er es selber so gewollt – für einen einzigen WM Kampf eine Gewichtsklasse höher ging, wodurch sein Titel vakant wurde. Genauso kampflos wurde Brähmer seinen Titel dann auch wieder los. Er wurde zum zweiten Mal hintereinander krank, bzw. verletzte sich, als er im Ausland boxen sollte. Anfang des Jahres flog er nach Kasachstan, wo er starken Durchfall mit Erbrechen bekam. Vor kurzem flog er nicht nach England, weil, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, ein Handtuch eine alte Verletzung wieder aufriss. Im Augenblick kann ich mir nicht vorstellen, dass Brähmer überhaupt noch mal wieder in den Ring steigt, vor allem nicht außerhalb von Deutschland.
Rachim Tschachkijew oder Rakhim Ruslanovich Chakhkiev (10 Kämpfe, 10 Siege, 8 durch KO) siegte bei den olympischen Spiele 2008 im Schwergewicht und startet jetzt als Profi im Cruisergewicht. Er, dem man auch den netten Kampfnamen „The Mashine“ gab, steht noch am Anfang seiner Karriere. Natürlich lassen seine Amateurerfolge Großes erwarten, aber man kann nie wissen, ob solche Erwartungen auch in Erfüllung gehen.
© Uwe Betker

Der schleichende Niedergang von Sauerland Event (4)

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Gerade der Umgang mit knappen oder umstrittenen Punktentscheidungen unterstreicht den Niedergang von Sauerland. Er beschleunigt ihn außerdem auch noch. Das Standardverhalten bei solchen Punkteinscheidungen ist geradezu schon ritualisiert.
Prinzipiell wird erst einmal bestritten, dass die Entscheidung knapp oder diskussionswürdig ist. Der eigene Boxer hat grundsätzlich immer die härteren Treffer gesetzt. Der Andere, der Herausforderer, hätte mehr machen müssen, wenn er hätte gewinnen wollen. Manchmal wird dann auch noch das Totschlagargument „Heimvorteil“ bzw. „Weltmeisterbonus“ gebracht. Das, was jemand, der nicht gerade ein eingefleischter Fan eines bestimmten Boxers und bezahlter Mitarbeiter von ARD und Sauerland ist, doch eigentlich hören möchte, das kommt nicht. Es kommt in der Regel keine Selbstkritik, und es kommt vor allem nie das Angebot eines Rückkampfes. Wieso hat Sauerland eigentlich eine so panische Angst davor, einen knappen Kampf zu wiederholen?
Ganz übel finde ich persönlich vor allem, wie Sauerland mit den Punktrichtern umgeht, die an solchen zweifelhaften Punktentscheidungen beteiligt waren. Gerade diejenigen, die sich durch skandalöses Falsch-Punkten hervorgetan haben, kommen wieder zum Einsatz. Dabei dürfte es genug Punktrichter auf der Welt geben, so dass dies nicht notwendig sein müsste. Welches Signal sendet der berliner Veranstalter hier denn aus? So wie ich es verstehe, kann der Einsatz von diskreditierten Punktrichtern nur zweierlei heißen. Zum einen: Uns, Sauerland Event, ist es vollkommen egal, was Andere von uns denken. Wir machen, was uns gefällt. Wir brauchen und wollen keine Rücksichten auf unsere Glaubwürdigkeit und die des Sports nehmen. Oder aber: Wir, Sauerland Event, wollen oder müssen Punktrichtern, die uns einen Gefallen getan haben, weiter einsetzen. Sie haben uns einen Gefallen getan, und nun tun wir ihnen einen Gefallen. So können wir dann auch sicher sein, dass unser Boxer auch dann noch gewinnt, wenn er den Kampf eigentlich verloren hat. – So jedenfalls wird das Vorgehen von vielen verstanden.
Meine persönliche Meinung ist, dass die Hauptursache für den Niedergang von Sauerland Event in der „Selbstauflösung“ von Universum Box-Promotion begründet liegt. Mit dem Wegfall des direkten Konkurrenten reichte es nicht mehr aus, nur der „Bessere“ zu sein. Sauerland Event war ja damit auch nicht mehr der „Bessere“, sondern der „Einzige“, und das mit den beschriebenen Folgen. Das Unglaubliche an diesem Niedergang ist, dass diese Entwicklung weitestgehend vorhersehbar war. Ich weiß, dass wohlmeinende Boxjournalisten Entscheidungsträgern des Promoters vor nahezu allen Entwicklungen, die dann eingetreten sind, gewarnt haben. Aber damals war man in Berlin wohl noch zu sehr in dem Hochgefühl, „der Einzige“ zu sein, gefangen, um diese Warnungen hören zu wollen.
© Uwe Betker