Box-Blog

Posts Tagged ‘Uwe Tritschler

Foto: Uwe Tritschler vs. Tony Harrison

leave a comment »


(c) Oliver Dütschler

Written by betker

18. Januar 2012 at 23:59

Uwe Tritschler – ein Sieger

with 2 comments

Wenn Uwe Tritschler (8 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 4 Niederlagen, 4 durch KO, 1 Unentschieden) am Samstag im Vorprogramm des WM-Kampfes zwischen Klitschko und Haye in den Ring steigt, dann hat er eigentlich schon gewonnen und das, obwohl er doch verlieren soll. Der Weltergewichtler, der die Nummer 524 in der Welt und die Nummer 11 in Deutschland ist, ist nämlich der Aufbaugegner für den als stark eingeschätzten Tony Harrison, der sein Profidebüt gibt. Es ist auch nicht zu erwarten, dass er eine reelle Chance hat, hier für eine Überraschung zu sorgen. Aber er wird als Sieger den Ring betreten und als Sieger den Ring auch wieder verlassen, unabhängig vom Ausgang des Kampfes.
Dass Tritschler überhaupt in den Ring steigen kann, grenzt bereits an ein Wunder. 1995 war er 27 Jahre alt und amtierender Badischer Meister im Amateurboxen. Dann setzte ihn ein schwerer Bandscheibenvorfall so außer Gefecht, dass er sogar ein Vierteljahr im Rollstuhl verbringen musste. Die Ärzte sagten ihm, er müsse mit dem Boxen aufhören. Höchstens Radfahren und Schwimmen billigte man ihm noch zu.
Aber Tritschler lebt für den Kampfsport. Kaum konnte er wieder gehen, flog er nach China in ein Shaolin-Kloster. Dort behandelten die Mönche ihn mit traditioneller Medizin, Akupunktur und Qigong-Meditation. Dort begann er auch wieder mit dem Training. Als er dann, nunmehr 30 Jahre alt, aus China zurückkam, gründete er in Elzach seine eigene „Shaolin-Kung-Fu-Akademie“, die er bis heute leitet und wo er auch als Trainer arbeitet. Von 1998 an boxte er wieder im Amateurbereich, bis er 2003 die Altersgrenze von 35 erreichte und aus Regelgründen aufhören musste. 2010 kehrte er in den Ring zurück, diesmal als Profi. Nach nun acht Kämpfen hat ihn sein Weg bis ins Vorprogramm des Mega-Kampfes Klitschko gegen Haye geführt. Nicht schlecht für einen ehemaligen Rollstuhlfahrer. Uwe Tritschler ist ein Sieger.
© Uwe Betker

Written by betker

30. Juni 2011 at 23:59

Der einzige Deutsche

leave a comment »

Wladimir Klitschko gegen David Haye, Ola Afolabi gegen Terry Dunstan, Ashley Sexton gegen Mike Robinson, Gabor Veto gegen James Kimori, Tony Harrison gegen Uwe Tritschler und Ryan Aston gegen einen noch zu bestimmenden Gegner, das ist bis jetzt die Kampffolge für den 02.07 2011 in der Imtech-Arena in Hamburg Altona. Ich spreche von dem lang ersehnten Kampf Klitschko gegen Haye. Die Veranstaltung findet in Deutschland statt. Der Veranstalter K2 ist ein deutscher Promoter. Der deutsche Fernsehsender RTL überträgt den Kampf in die ganze Welt. Der Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) führt die Aufsicht über die Veranstaltung. Die Mehrheit der Zuschauer im Stadion werden Deutsche sein.
Trotzdem findet die Veranstaltung praktisch unter Ausschluss der Deutschen statt, nämlich der deutschen Boxer. Sechs Boxer kommen aus Großbritannien, ein Boxer kommt aus der Ukraine, einer aus den USA, einer aus Ungarn, einer aus Kenia und einer sogar aus Deutschland. Uwe Tritschler, der im Junior Mittelgewicht boxt, ist der einzige deutsche Boxer, den die Klitschkos bei ihrer Megaveranstaltung boxen lassen. Um es zu präzisieren, die Klitschkos lassen Uwe Tritschler (8 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 4 Niederlagen, 4 durch KO, 1 Unentschieden) nur auf ihrer Veranstaltung boxen, weil sie wollen, dass er verliert. Er soll als Aufbaugegner für den Amerikaner Tony Harrison fungieren. Harrison gibt sein Profidebüt.
Vitali und Wladimir Klitschko wurden in Deutschland groß und sehr-sehr reich. Ein deutscher Veranstalter und deutsche Fans haben einen nicht unerheblichen Beitrag dazu geleistet, dass die Klitschkos das wurden, was sie heute sind. Aber die beiden Vorzeigeathleten verspüren offensichtlich keinerlei Verpflichtung dazu, etwas, von dem was sie empfangen haben, zurückzugeben. Es wäre ein Leichtes für sie, deutsche Boxer zu fördern. Sie müssten sie nur auf ihren Veranstaltungen boxen lassen und ihnen gute Gegner geben. Damit würden sie zum einen das Profiboxen in Deutschland fördern und zum anderen für ein für die Zuschauer in den Arenen attraktives Rahmenprogramm sorgen. Ganz offensichtlich wollen sie aber beides nicht.
Der einzige Boxer, der ein ganz kleines bisschen mittelbar durch die Klitschkos gefördert wird, ist der talentierte, in der Schweiz lebende ungarische Junior Weltergewichtler Gabor Veto (24 Kämpfe, 24 Siege, 18 durch KO). Er darf tatsächlich des Öfteren auf ihren Veranstaltungen kämpfen, weil wohl Tom Löffler vom Klitschko Management sich für Veto stark macht.
Ich drücke dem einzigen Deutschen Uwe Tritschler die Daumen.
© Uwe Betker