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Zehn Profiboxkämpfe in Gummersbach

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Am 01.12.2018 war die Schwalbe Arena in Gummersbach Austragungsort einer Veranstaltung von Sauerland Event. Es gab zehn Profiboxkämpfe und zwei nationale Boxverbände zu sehen. Die Mehrheit der Kämpfe wurde sanktioniert von dem Faustkämpferverband Austria. Die Deutsche Meisterschaft im Weltergewicht und die zwei Kämpfe des „The Next Rocky“ Turniers wurden aber vom Bund Deutscher Berufsboxer sanktioniert.

Den Anfang machten zwei Damen im Bantamgewicht: Alicia Holzken gab ihr Profidebüt gegen Gabriella Mezei (30 Kämpfe, 9 Siege, 3 durch KO, 17 Niederlagen, 6 durch KO, 4 Unentschieden). Holzken versuchte immer wieder, mit weiten rechten Haken durchzukommen. Der Kampf war hektisch und wurde in der zweiten Runde unsauber. Man drückte einander runter, steckte durch, schlug auch nach dem „Break“ und schubste sich zu Boden. Der FVA Ringrichter Alexander Plumanns hatte alle Hände voll zu tun. In der dritten und vierten Runde wurde etwas sauberer geboxt und dadurch gab es dann auch mehr Schlagabtäusche, bei denen beide Boxerinnen harte Treffer nahmen. Einstimmige Siegerin nach Punkten: Alicia Holzken.

Es folgte ein Vierrundenkampf im Mittelgewicht mit Simon Zachenhuber (5 Kämpfe, 4 Siege, 1 durch KO) und Danail Stoyanov (7 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 5 Niederlagen). Zachenhuber boxte schön gerade und verteilte gut. Immer wieder bearbeitete er den Körper seines Gegenübers, um die Deckung herunterzuziehen. Ab der zweiten Runde blutete Stoyanov aus der Nase. Immer wieder wurde er in einer Ecke gestellt, aber er schaffte es, auch immer wieder rauszukommen. Einstimmiger Sieger nach Punkten (40:36, 40:36 und 40:36): Simon Zachenhuber.

Im Super Mittelgewicht bestritt Yusuf Kanguel (21 Kämpfe, 17 Siege, 11 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) einen Sechsrunder gegen Slavisa Simeunovic (66 Kämpfe, 31 Siege, 28 durch KO, 35 Niederlagen, 27 durch KO). Kanguel machte von Anfang an sehr beherrscht und souverän Druck. Er verteilte gut und kam mehrfach mit harten Rechten zum Kopf durch. Ende der ersten Runde schien Simeunovic beeindruckt. In der zweiten Runde nahm er viele harte Schläge. Irgendwann ging er dann zu Boden und ließ sich von Ringrichter Bayasgalan Sandag ausgezählt. Sieger durch KO in Runde 2, nach 2:33 Minuten: Yusuf Kanguel.

Im Super Weltergewicht boxten Nick Klappert (29 Kämpfe, 26 Siege, 15 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) und Sergej Wotschel (16 Kämpfe, 11 Siege, 5 durch KO, 4 Niederlagen, 1 Unentschieden) gegeneinander. Wotschel beherrschte die Ringmitte. Klappert kreiste um ihn herum. Wotschel arbeitete mehr, Klappert hatte die saubereren Treffer. Am Anfang der zweiten Runde ging Wotschel zu Boden, aber es war nur ein Ausrutscher. In der dritten Runde wurde er mehrfach mit der Rechten zum Kopf abgekontert. Es bildete sich eine Schwellung unter dem linken Auge, die Runde für Runde größer wurde. Die folgenden Runden dominierte Klappert mit seinem Reichweitenvorteil. Im sechsten Durchgang schaffte es Wotschel mehrfach, sein Gegenüber in einen Schlagabtausch zu verwickeln. In der siebten knickte er dann nach einem harten Konter ein. Die achte Runde war nochmal hart umkämpft. Einstimmiger Sieger nach Punkten (79:73, 79:73 und 79:73): Nick Klappert.

Es folgten zwei Kämpfe aus dem „The Next Rocky“ Turnier. Beides waren Dreirunder – warum die Kämpfe des Turniers unter der Rundenzahl von Debütanten liegen müssen und daher auch nicht bei Boxrec eingetragen werden, erschließt sich mir nicht.

In dem ersten Dreirunder im Halbschwergewicht trafen Arton Berisha (8 Kämpfe, 8 Siege, 7 durch KO) und Serdar Kuran, der sein Profidebüt gab, aufeinander. Kuran trug seinem Gegenüber den Kampf an. Dieser versuchte, seinen Reichweitenvorteil zu nutzen und zu kontern. Beide standen mit zunehmender Kampfdauer häufiger Fuß und Fuß und schlugen aufeinander ein. Die dritte Runde wurde sehr verbissen geführt. Kuran zog sich dabei einen Cut über dem linken Auge zu. Die Ringrichterin Jana Melanie machte einen guten Job. Sieger nach Punkten durch Mehrheitsentscheidung: 29:28, 28:29 und 29:28): Serdar Kuran.

Den zweite Dreirunder bestritten Ronny Lopez (5 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO) und Enis Agushi (6 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO) im Super Mittelgewicht. Agushi begann stark. Er konnte seine physische Überlegenheit zunächst gut nutzen und machte den Kampf. Dann aber wurde er von Lopez an den Seilen gestellt und nahm. In der zweiten Runde stellte nun Agushi Lopez in einer neutralen Ecke und deckte ihn ein. Lopez machte kaum Anstalten, daran etwas zu ändern. Er kam zwar wieder heraus, wurde aber direkt anschließend an den Seilen gestellt und weiter eingedeckt. Als er wieder keine Anstalten machte, sich zu wehren, nahm Ringrichterin Melanie ihn zu Recht aus dem Kampf. Sieger durch TKO in Runde 2, nach 1:42 Minuten: Enis Agushi.

Serdar Kuran und Enis Agushi sind offenbar ins Finale „The Next Rocky“ in ihrer jeweiligen Gewichtsklasse eingezogen. Sie werden im Januar wieder Dreirundenkämpfe bestreiten.

Es folgte ein Achtrunder im Halbschwergewicht mit Leon Bunn (12 Kämpfe, 12 Siege, 7 durch KO) und Yannick N’Galeu (10 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO). Bunn war dominant. Er trieb seinen Gegner vor sich her, zeigte schnelle Hände und eine gute Technik. Ende der zweiten Runde kam er mit einer schönen Rechten, gefolgt von einem linken Kopfhaken durch. Die nächste Runde gestaltete sich munter. Beide wollten den Schlagabtausch und nahmen die Angebote ihres Gegenübers an. Am Ende der Runde kam Bunn mehrfach mit einer harten Rechten zum Kopf durch. Die folgenden Runden erarbeitete sich Bunn immer wieder Vorteile. In der siebten Runde zog er sich dann einen kleinen Cut über dem rechten Auge zu. In der letzten Runde kam N’Galeu auf, konnte Bunn aber nicht gefährden. Der Ringrichter Jörg Milke hatte praktisch nichts zu tun. Einstimmiger Punktsieger (79:73, 79:73 und 79:73): Leon Bunn.

Im Mittelgewicht maßen sodann Denis Radovan (12 Kämpfe, 11 Siege, 5 durch KO, 1 Unentschieden) und Ronny Mittag (36 Kämpfe, 30 Siege, 15 durch KO, 3 Niederlagen, 3 Unentschieden) in einem Zehnrunder ihre Kräfte. Es war der erwartet gute Kampf. Beide Boxer zeigten technisch gutes Boxen. Radovan war allerdings der Bessere. Mittag kompensierte das durch seine Physis. Beide beherrschten abwechselnd die Ringmitte und damit das Kampfgeschehen. Die dritte Runde begann und verlief spektakulär. Es begann mit einem harten Abtausch, den Mittag für sich entscheiden konnte. Dann kam Radovan und deckte Mittag mit mehreren langen und harten Kombinationen ein, bei denen vielen Hände ihr Ziel fanden. Es schien als wäre Mittag beeindruckt. Er ging auch zu Boden, aber dies war eher die Folge eines Stoßes. Intensiv ging es dann weiter. In der fünften Runde schien der Kampf zu kippen. Mittag kam auf. Gleichzeitig schwoll sein Gesicht immer mehr an. Unter seinem rechten Auge wurde die Schwellung immer größer und behinderte damit  auch immer stärker seine Sicht. Radovan kam dann wieder zurück und erarbeitete sich Vorteile in den nächsten zwei Durchgängen. In der achten Runde kam Mittag nochmal auf. In der neunten Runde konnte dann Radovan erhöhen und punkte mit langen Links-Rechts-Kombinationen zum Kopf durch die Mitte. Der verbissen und hart geführte Kampf wurde souverän von Ringrichter Alexander Plumanns geleitet. Die Punktrichter werten 96:94, 94:96 und 95:95 – Unentschieden. Ich sah den Ausgang des Kampfes anders.

Deniz Ilbay (22 Kämpfe, 21 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage) und  Denis Krieger (23 Kämpfe, 14 Siege, 9 durch KO, 7 Niederlagen, 2 Unentschieden) boxten danach im Weltergewicht die vakante Deutsche Meisterschaft nach Version BDB aus. Beide zeigten Boxen auf hohem technischem Niveau. In der ersten Runde tastete man einander ab und es gab nur wenige Aktionen. Beide konnten zu gut antizipieren, was der jeweils andere vorhatte. Von Runde zu Runde wurde es dann aber munterer. In der vierten Runde setzte Ilbay Akzente durch die Geschwindigkeit seiner Hände. Ende der fünften Runde stellte er Krieger in den Seilen und deckte ihn ein. Krieger ging langsam runter und setzte sich auf das zweite Seil von unten. Ringrichter Mustafa Erenay zählte ihn an, worüber Krieger sich beschwerte. Aber bereits in der nächsten Situation wurde Krieger erneut gestellt und musste nehmen. Kurz vor dem Rundenende kam er nochmal zurück und es gab einen harten Schlagabtausch. Die sechste Runde war hart umkämpft. In der siebten Runde wurde Ilbay seinerseits mehrfach gestellt. Es sah sogar so aus, als sei er durchgeschüttelt worden. Auch die achte Runde war wieder hart umkämpft, ebenso die neunte. Hier blockte Krieger einige Schläge mit seinem Gesicht. Offensichtlich wollte er zeigen, dass die Schläge ihm nichts anhaben könnten. Aber auch Ilbay ließ sich ohne Not an Seilen und Ecken stellen. Er deckte sich aber. In der zehnten Runde versuchten beide noch einmal alles. Es war aber keiner dazu fähig, seinen Gegener zu fällen. Einstimmiger Punktsieger (96:91, 98:91 und 99:90): Deniz Ilbay.

Hauptkampf des Abends war ein Zehnrunder im Super Weltergewicht mit Abass Baraou (4 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO) und Sasha Yengoyan (48 Kämpfe, 41 Siege, 25 durch KO, 6 Niederlagen, 1 Unentschieden). Bemerkenswert war, dass Baraou schon in seinem vierten Kampf einen Zehnrunder bestritt und dass er den Hauptkampf machte. Baraou boxte überlegen und systematisch. Er bereitete seine Aktionen schön mit seiner steifen linken Führhand vor. Besonders schön waren sein rechten Cross oder seine rechten Graden. Yengoyan hielt dagegen und hatte seine Momente, wenn er zum Körper durchkam. Ab der fünften Runde wirkte er jedoch hilflos. Er schob sich an Baraou heran, um Treffer zu setzten und nahm dabei Schlag um Schlag gegen den Kopf. In der sechsten machte Baraou weniger, wodurch sein Gegner wieder stärker wurde. Er ließ sich sogar an den Seilen stellen. Die Schläge von Yengoyan gingen jedoch auf die Deckung. Dann explodierte Baraou, drehte sich raus und schlug mehrere harte Haken zum Kopf. Einer öffnete einen Cut über dem linken Auge von Yengoyan. Die siebte und achte Runde waren hart umkämpft, die neunte sogar noch härter. Yengoyan nahm viele harte Treffer, aber er steckte niemals auf. In der zehnten und letzten Runde versuchte Yengoyan noch einmal den Kampf zu drehen, aber er schaffte es nicht. Einstimmiger Punktsieger (100:90, 100:90 und 100:90): Abass Baraou.

Wenn alle Punkrichter Baraou auch alle Runden gegeben haben, so heißt das noch nicht, dass es eine einseitige Sache gewesen wäre. Es war tatsächlich ein hart erarbeiteter Sieg über einen starken Gegner.

© Uwe Betker

Written by betker

2. Dezember 2018 at 23:59

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Ringschlachten in Velbert

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Der Wuppertaler Kultboxer und Veranstalter Werner Kreiskott zog für einen Tag in die Nachbarstadt Velbert. Dort fand am 19.09.2015 in der EMKA Sportarena eine bemerkenswerte Veranstaltung statt. Zwölf Kämpfe standen auf dem Programm, von denen sechs Profiboxkämpfe waren. Der Hauptkampf war sogar eine Weltmeisterschaft, wenn auch nur nach Version WBU, aber immerhin – und wenn die Veranstaltung was hermachen will, dann muss das Kind ja schließlich auch einen Namen haben.
Der einzige Frauenboxkampf des Abends war auch gleich der erste Profiboxkampf des Abends. Dabei trafen im Leichtgewicht Ikram Kerwat (3 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO) und Bojana Libiszewska (9 Kämpfe, 1 Sieg, 8 Niederlagen) aufeinander. Kerwat, die vom ehemaligen Weltmeister im Super Mittelegewicht Sven Ottke sekundiert wurde, bestimmte den Kampf, wenn auch ohne viele Aktionen. Sie war die klar bessere Boxerin und dominierte den Vierrunder nach Belieben. Ihre Beinarbeit und ihre Deckung waren, soweit ich das nach dem,was ich gesehen habe, jetzt sagen kann, gut. Aber sie macht eben extrem wenig. Pro Runde gab es nur eine Handvoll Aktionen. Meist standen sich die beiden Boxerinnen fintierend gegenüber. Manchmal ließ Kerwat auch lässig ihre Führhand fallen, um ihre Überlegenheit zu demonstrieren. Sie zeigte auch zwischendurch Andeutungen eines Bolo Punches. Dem folgten dann aber keine Aktionen. Die unterhaltsamste Runde war die dritte. In der kam Kerwat am Ende mit einem rechten Schwinger zum Kopf durch, der Libiszewska einknicken ließ. Kerwat setze nach und konnte noch einen rechten Schwinger ins Ziel bringen. Libiszewska erreichte klammernd die Ringpause. Der Punktsieg von Ikram Kerwat war eindeutig.
Es folgte ein Gefecht im Cruisergewicht, das auf 10 Runden angesetzt war, aber nur 46 Sekunden dauerte. Sanel Papic (16 Kämpfe, 16 Siege, 13 durch KO) traf auf Slobodan Jankovic (7 Kämpfe, 1 Sieg, 5 Niederlagen, 5 durch KO). Papic war von Anfang an auf der Jagd und Jankovic auf der Flucht. Praktisch in der ersten Aktion fällte Papic dann auch schon seinen Gegner. Zwei Leberhaken in der Ecke von Papic brachten Jankovic zu Boden. Dann flog ein Handtuch. TKO in Runde 1.
Es folgte der Kampf Emin Atra (3 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO) gegen Radovan Petrovic (10 Kämpfe, 10 Niederlagen, 9 durch KO) im Super Mittelgewicht. Von einem Kampf mag ich eigentlich gar nicht sprechen. Mir stellte sich das Ganze eher als eine Demonstration von Arbeitsverweigerung durch Herrn Petrovic dar. Er ließ die sich dann auch schon bald nach einem Wischer zu Boden fallen. Kurze Zeit später ging er erneut schmierentheatermäßig zu Boden – je nach Perspektive: aufgrund eines Schlags auf die Schulter oder nach einem Kopfstreichler. Der Ringrichter Arno Pockrand fing an zu zählen. Dann kam ein Handtuch geflogen, aber Pockrand ließ sich nicht beirren und zählte bis 10. Immerhin bekommt Petrovic nun eine Zwangspause, in der er nicht Veranstalter, Gegner und Publikum auf die Nerven gehen kann durch seine Arbeitsverweigerung. Sieger durch KO in Runde 1 nach 1 Minute 19 Sekunden: Emin Atra.
Die folgenden drei Kämpfe entschädigten mich dann aber vollends für das Vorangegange. Um es vorab zu sagen: Das Hauptprogramm war einfach klasse. Marco „Krawallo“ Martini (6 Kämpfe, 6 Siege, 2 durch KO) und Jovica Jovanovic (4 Kämpfe, 1 Sieg, 3 Niederlagen, 1 durch KO) stiegen für einen Sechsrunder in den Ring. Von der ersten bis zur letzten Minute standen die beiden Kontrahenten Fuß an Fuß und deckten sich mit Schlägen ein. Die ersten zwei Runden waren einfach nur intensiv. Beide gingen ein extrem hohes Tempo. Sie hielten sich nur sehr selten mit Anboxen auf, sondern suchten und fanden gleich den Schlagabtausch. Mit Körper- und Kopfhaken deckten sie sich ein, wobei Martini meist die Oberhand behielt. Jovanovic steckte aber zu keinem Zeitpunkt auf. Ende der dritten Runde bekam Martini sein Leistungstief, das anhielt bis zum Ende der nächsten Runde, die auch deutlich langsamer geführt wurde. In dieser Zeit nahm er mehr als sein Gegner. In der folgenden Runde erhöhte Martini dann wieder das Tempo und hatte auch wieder mehr vom Kampf. Beide Boxer nahmen im Laufe des Kampfes viele Schläge. Am Ende der Materialschlacht stand ein Punktsieg für Marco Martini.
In der GBA Juniorenmeisterschaft im Halbschwergewicht trafen David Saric (7 Kämpfe, 7 Siege, 7 durch KO) und Kevin Laubach (5 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) aufeinander. Saric kam am Anfang der ersten Runde mit einem schönen präzisen rechten Cross zur Schläfe durch und war damit auf der Siegerstraße, die er nicht mehr verließ. Im Laufe der Runde kam er auch noch mehrfach schön mir rechten Kopfhaken und Körperhaken durch. Die Linke von Laubach war schlicht zu langsam für die Rechte von Saric. Auch in der zweiten Runde nahm Laubach viele Treffer. Wobei Saric ruhig und überlegen boxte. Es war nur noch die Frage, wann und wie der Kampf zu Ende gehen würde. In der dritten Runde erhöhte Saric den Druck und ließ nicht mehr von seinem Gegner ab. Laubach stand an den Seilen und kam nicht mehr weg. Irgendwann sackte er einfach in sich zusammen und wurde ausgezählt. Sieger durch KO in Runde 3 nach 1 Minute 45 Sekunden: David Saric.
Hauptkampf des Abends war dann die vakante Interimsweltmeisterschaft im Schwergewicht nach Version World Boxing Union zwischen Werner Kreiskott (43 Kämpfe, 22 Siege, 16 durch KO, 19 Niederlagen, 8 durch KO) und Zoltan Csala (13 Kämpfe, 9 Siege, 7 durch KO, 4 Niederlagen, 3 durch KO). Um es gleich vorweg zu sagen: Es war eine Ringschlacht. Beide hielten sich nicht lange mit Abtasten und Studieren des Gegners auf. Sie gingen vielmehr direkt aufeinander los und versuchten sich gegenseitig KO zu schlagen. Die ersten drei Minuten waren ein nahezu ununterbrochener Schlagabtausch, der hin und her wogte. Keiner konnte für sich einen klaren Vorteil herausarbeiten. In der zweiten Runde verlegte sich Kreiskott dann darauf, mehr zum Körper zu gehen, was Csala auch offensichtlich nicht gut vertrug. Der KO Sieg für Kreiskott war schon zum Greifen nah. Dann plötzlich, am Ende der Runde, lief Kreiskott in eine Rechte hinein, die ihn fast durch die Seile schlug. Er wurde von Ringrichter Mustafa Erenay angezählt. Die verbleibende Zeit bis zur Rundenpause versuchte Kreiskott nur noch irgendwie zu überstehen, während Csala auf ihn eindrosch.
Die dritte Runde setzte dort an, wo die zweite aufgehört hatte. Kreiskott, der wohl immer noch nicht ganz da war, nahm und Csala deckte ihn mit harten Schlägen ein. Aber dann bekam Kreiskott den „zweiten Wind“ und drehte den Kampf doch noch mal. Erst gab es einen offenen Schlagabtausch nach dem anderen. Dann deckte er seinen Gegner mit Schlägen ein. Am Ende der Runde war Csala kurz vor dem KO. Er spuckte den Mundschutz aus, um sich ein paar Sekunden Luft zu verschaffen. In der folgenden vierten Runde trieb Kreiskott Csala vor sich her. Immer wieder stellte er ihn und immer wieder kam er mit schweren, harten Treffern zu Kopf und Körper durch. Kreiskott stellte Csala an den Seilen und ließ ihn nicht mehr weg. Irgendwann drehte Csala sich dann ab und gab auf. Zeitgleich ging der Ringrichter dazwischen und brach den Kampf ab. Sieger durch TKO in Runde 4 nach 43 Sekunden: Werner Kreiskott.
Die Veranstaltung Werner Kreiskott in Velbert war ein voller Erfolg. Es gab sechs Kickboxkämpfe, drei Aufbaukämpfe und drei Hauptkämpfe zu sehen. Bei den drei letzten handelte es sich um regelrechte Ringschlachten, über die die Zuschauer noch lange reden werden.
© Uwe Betker

Felix Sturm 2.0

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Wenn Felix Sturm (43 Kämpfe, 37 Siege, 16 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) am 06. Juli in der Westfalenhalle in Dortmund in den Ring steigt, werden wir einen neuen Felix Sturm sehen. Er wird den ungeschlagenen Predrag Radosevic (27 Kämpfe, 27 Siege, 9 durch KO) eindrucksvoll besiegen. Damit wird er wohl einen Weltmeisterschaftskampf im Mittelgewicht nach Version IBF (International Boxing Federation) bekommen.
Natürlich wird er eindrucksvoll gewinnen, denn Radosevic ist zwar die Nummer 4 der IBF Rangliste, aber nur die 75 der unabhängigen Weltrangliste. Sage und schreibe 70 Weltranglistenplätze trennen Sturm von Radosevic. Das sind 70 Kämpfe, die sportlich mehr Sinn machen würden. Selbst der 42-jährige Haudegen Bronco McKart (65 Kämpfe, 54 Siege, 32 durch KO, 10 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden), der seinen letzten Kampf verloren hat, ist besser – und auch besser platziert als Radosevic. Interessant wäre z.B. ein Kampf gegen den in den Schweiz lebenden und nun bei 8M Box-Promotion boxenden Ungarn Istvan Szili (17 Kämpfe, 17 Siege, 7 durch KO). Der steht auf Position 63. – Sturm dürfte den leichtesten Kampf seit achteinhalb Jahren bestreiten und dementsprechend wird er auch seit langer Zeit wieder einmal eindrucksvoll gewinnen.
Gleichwohl, wir werden einen neuen Sturm sehen. Schließlich hat er sich nach seiner Niederlage gegen Sam Soliman (54 Kämpfe, 42 Siege, 17 durch KO, 11 Niederlagen, 1 durch KO) am 01.02.2013, die in ein No Contest umgewandelt wurde, erstmals selbstkritisch geäußert. Derselbe Sturm, der Journalisten und Boxexperten, die kritisch berichten bzw. sich kritisch über sein Matchmaking äußern, schon mal Hausverbot erteilt, gibt nun öffentlich Fehler zu. Adnan Catic, denn so heißt Sturm in Wirklichkeit, beichtet öffentlich in der größten Boulevardzeitung Deutschlands über seine „Süßigkeiten-Sucht“. Dem Journalisten der Zeitung mit den großen Lettern vertraute er sogar bei seinem Lieblingsitaliener in Köln in einem investigativen Interview an, dass „Felix Sturm 2.0“ vor ihm sitzt. Sturm sagt sogar über seinen Kampf gegen Soliman. „Das war der schlechteste Kampf meiner Karriere.“ Ein anderes Mal hat er der gleichen Zeitung anvertraut: „Ich habe mein Leben umgekrempelt, im und außerhalb des Ringes. In der Vergangenheit unterliefen mir grobe Fehler in der Vorbereitung.“ – Hat man je solch selbstkritische Töne von Sturm gehört? Wenn das so weiter geht, schickt Sturm Box-Promotion womöglich mir noch eine Pressekarte.
Sturm boxt also die Nummer 75 in der Welt. Und dieser Kampf ist dann so etwas wie ein WM-Ausscheidungskampf! Natürlich kann Sturm nichts dafür, dass die IBF einen Radosevic auf die Nummer 4 ihrer Rangliste hievte. Es ist nur schade, dass er schon wieder das Opfer von Machenschaften der Verbände geworden ist. Zuletzt wurde er ja vom Verband WBA (World Boxing Association) zum „Super Champion“ gemacht, obwohl er, den Regularien dieses Verbandes gemäß, die Voraussetzungen dafür gar nicht erfüllte. Diese Missachtung der Regeln und die darin auch zum Ausdruck kommende Verachtung der Boxfans durch den Verband hatte eine kuriose Folge: Sturm bekam einen Vertrag mit dem TV-Sender SAT1, der ihm vermutlich mehrere Millionen Euro einbrachte.
Es besteht wohl kein Zweifel daran, dass Sturm den unwürdigen Gegner Radosevic eindrucksvoll besiegen wird. Dadurch bekommt er dann wohl einen WM-Kampf gegen Daniel Geale (30 Kämpfe, 29 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage). Das wiederum hat dann zur Folge, dass Sturm 2.0 weiterhin …
© Uwe Betker