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Andreas Sidon und ein anderer

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Eigentlich wollte ich über den deutschen Schwergewichtler Andreas Sidon (51 Kämpfe, 38 Siege, 32 durch KO, 12 Niederlagen, 6 durch KO) schreiben, der am 26.05.2012 in der Stadthalle in Ransbach-Baumbach wieder in den Ring steigen soll. Eigentlich wollte ich darüber schreiben, dass der 49-jährige Sidon seinen Kampf gegen das Boxestablishment immer noch nicht aufgegeben hat. Ich wollte über den Wert des Titels der WBU (World Boxing Union) schreiben und über den Gegner, Henadzi Daniliuk (17 Kämpfe, 12 Siege, 12 durch KO, 5 Niederlagen, 4 durch KO).
Aber dann stolperte ich über den Namen des Supermittelgewichtlers Baker Barakat (52 Kämpfe, 36 Siege, 24 durch KO, 12 Niederlagen, 5 durch KO, 4 Unentschieden), der auch an diesem Abend boxen soll. Über Barakat nun wollte ich ansonsten aber eigentlich nicht schon wieder schreiben. Wir erinnern uns: Den in Syrien geborenen Barakat hatte die GBA (German Boxing Association) nach seinem Kampf gegen Khoren Gevor (am 10.12.2011) gesperrt. Wenig später ließ Sauerland Event ihn am 25.02.2012, trotz Sperre, gegen Marcos Nader boxen.
Nun steigt Barakat erneut in den Ring. Dafür kann man fast schon Verständnis haben. Wenn schon der größte Veranstalter von Boxkämpfen in Deutschland, wenn nicht gar in der Welt, nur Verachtung für die Sanktionen eines Verbandes übrig hat, warum sollte sie dann ein Betroffener respektieren. So weit, so schlecht – und eigentlich kaum der Rede wert.
Bemerkenswert an dem Kampf von Baker Barakat und Viktor Dick (35 Kämpfe, 22 Siege, 6 durch KO, 13 Niedrlagen, 4 durch KO) ist nun, dass es sich dabei wohl um gar keinen Kampf handelt. Beide kommen aus Euskirchen und sind meiner Information nach enge Freunde. Dick trainiert im Gym von Barakat und ersetzt ihn schon mal als Trainer – so lauten jedenfalls meine Informationen. Wenn dem aber so ist, stellt sich mir die Frage, ob hier womöglich nur ein Kampf simuliert wird, um den Kampfrekord von Barakat aufzupolieren. Wenn man sich den Kampfrekord des besagten Herrn nämlich näher anschaut und sich vor Augen führt, dass er auch schon einmal drei Tage nach einer wohl epischen Ringschlacht wieder boxte und dann wiederum vier Tage später, dann …
Wie gesagt, eigentlich wollte ich ja über Andreas Sidon schreiben, der seit mehr als dreizehn Jahren in jedem Kampf sein Bestes gibt.
© Uwe Betker

Ein Prä-Event

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Wenn private Fernsehanstalten Boxen übertragen, zeigen sie zumeist nicht Boxen, sondern eher ein Box-Event oder einfach auch nur ein Event. Da aber ein Profiboxabend, bevorzugt in einer Arena, nicht nur aus einem einzigen Kampf bestehen kann, gibt es auch hier, wie bei allen anderen Boxveranstaltungen, Vorkämpfe. Ich möchte nun dafür plädieren, diese Vorkämpfe bei bestimmten großen Events besser Prä-Events zu nennen.
Felix Sturm, der sein Veranstalter-Handwerk bei Klaus-Peter Kohl bzw. bei Taouab Mohamed Hedi gelernt hat, veranstaltet nun selber*. Sturms Freund, der Super Mittelgewichtler Patrick Dobroschi (13 Kämpfe, 11 Siege, 2 durch KO, 2 Unentschieden) kämpft gegen Mounir Toumi (11 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO). Dobroschi, die Nummer 176 in der Welt, boxt gegen einen Gegner, der überhaupt nicht in der Rangliste geführt wird. Beide Boxer leben in Köln; diese Begegnung dürfte aber vermutlich nicht mal die Kriterien der Kölner Stadtmeisterschaft erfüllen.
Mahmoud Omeirat Charr, der sich Manuel Charr (16 Kämpfe, 16 Siege, 8 durch KO) nennt, ist der Neuzugang in Sturms Boxteam. Der ungeschlagene Mann aus Syrien ist die Nummer 37 in der Schwergewichtsrangliste und sein Gegner, Jonathan Pasi (29 Kämpfe, 9 Siege, 4 durch KO, 18 Niederlagen, 7 durch KO, 2 Unentschieden) ist ein Cruisergewichtler, der schon mehr Kämpfe verloren hat, als Charr überhaupt bestritten hat. Pasi ist im Cruisergewicht lediglich die Nummer 288.
Der Schwergewichtler Alexander Kahl (23 Kämpfe, 15 Sieg, 13 durch KO, 7 Niederlagen, 6 durch KO, 1 Unentschieden) verlor seine letzten drei Kämpfe in Folge und ging in seinem letzten (12.11.2010) gegen Erkan Teper schwer KO. Nun bekommt es die Nummer 477 in der Welt mit dem Cruisergewichtler Sebastian Tuchscherer (16 Kämpfe, 6 Siege, 3 durch KO, 10 Niederlagen, 3 durch KO) zu tun. Tuchscherer ist die Nummer 358 im Cruisergewicht. Das ist zwar schon ein Kampf von zwei Boxern auf Augenhöhe, aber noch nicht einmal auf der Höhe einer Deutschen Meisterschaft.
Der aus Albanien kommende Mittelgewichtler Mike Keta (9 Kämpfe, 8 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO), die Nummer 318 in der Welt, darf seine Kräfte mit dem aus Kirgisistan stammenden Viktor Dick (24 Kämpfe, 13 Siege, 5 durch KO, 11 Niederlagen, 3 durch KO), der Nummer 179 der Welt, messen.
Der Schwergewichtler Adnan Redzovic (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) darf nun nicht, wie von Sturm Box-Promotion geplant, Werner Kreiskott (25 Kämpfe, 8 Siege, 6 durch KO, 16 Niederlagen, 6 durch KO) zu seinem zweiten KO innerhalb von zwei Wochen verhelfen. Nun muss er mit dem Ersatzgegner Ergin Solmaz (31 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 24 Niederlagen, 13 durch KO, 3 Unentschieden) vorlieb nehmen, dessen Kampfrekord für sich spricht.
Alle aufgeführten Kämpfe des Vorprogramms, besser gesagt des Prä-Events, haben ihre Berechtigung. Aber alle diese Kämpfe verdienen es nicht, ins Vorprogramm einer großen Boxveranstaltung aufgenommen zu werden. Womöglich sind sie jedoch gerade deshalb hier zu finden. Felix Sturm arbeitet wie früher Universum Box-Promotion gearbeitet hat. Implizit geht er davon aus, dass die Zuschauer nur in die Arena kommen um ihn zu sehen. Er geht wohl davon aus, dass diese Zuschauer sich weder fürs Boxen interessieren noch Ahnung davon haben. Wie soll man sich sonst ein Vorprogramm von solcher Qualität erklären. Wie schon gesagt, ich bin für die Einführung der Bezeichnung Prä-Event für das Vorprogramm von Box-Events, deren Qualität nicht über die von Kleinringveranstaltungen hinaus geht.
© Uwe Betker