Box-Blog

Posts Tagged ‘Waage

Foto: Waage

leave a comment »

P1080647
(C) Uwe Betker

Written by betker

23. Januar 2014 at 23:59

Veröffentlicht in Fotos

Tagged with , , , , , ,

Der verhaltensoriginelle Herr Pütz und der Dopingfall Soliman

with 2 comments

Man kann wohl sagen, dass das Verhalten des Präsidenten des BDB, Bund Deutscher Berufsboxer, manchmal schon etwas verhaltensoriginell ist. Manchmal nämlich begleitet Thomas Pütz einen Boxer zum Ring. Dabei weiß dann wohl keiner so genau, ob er dies nun als Präsident des BDB oder eher als Personenschützer tut. Leider habe ich ihn das noch nie auf einer kleinen Veranstaltung machen sehen. Auch kontrolliert er beim Wiegen gerne mal selber das Gewicht, auch wenn er nicht als Supervisor tätig ist. Das könnte man dann so verstehen, dass er seinem Supervisor nicht zutraut die Skala einer Waage abzulesen. Leider habe ich ihn auch das noch nie auf einer kleinen Veranstaltung machen sehen. Das kann natürlich daran liegen, dass Herr Pütz und ich nicht bei jeder Veranstaltung sein können. Es kann aber auch daran liegen, dass er es eben nur dann macht, wenn die Presse es auch sieht.
Wenn meine Informationen richtig sind, ist das Verhalten von Herrn Pütz im Dopingfall Soliman noch sehr viel origineller. Aber erzählen wir die Geschichte mal der Reihe nach. Bevor der Australier Sam Soliman (54 Kämpfe, 43 Siege, 17 durch KO, 11 Niederlagen, 1 durch KO) nach Deutschland kam, um gegen den ehemaligen Silver Champion des Verbandes WBA (World Boxing Association), Felix Sturm (43 Kämpfe, 37 Siege, 16 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden), zu boxen, forderte er vehement eine Dopingkontrolle von Sturm. Die deutsche Presse reagierte mit Unverständnis und Empörung auf dieses Anliegen. Schließlich gehören Dopingkontrollen zum Standardprozedere bei Weltmeisterschaften. Aber Soliman forderte Dopingkontrollen, die weit über das hinausgehen sollte, was in Deutschland üblich ist.
Im deutschen Boxen geht man recht lax mit dem Problem Doping um. Es gibt nur einen Urintest nach dem Kampf. Es gibt keine Trainingskontrollen. Bluttests, die sehr viel genauer sind und viel häufiger verbotene Substanzen entdecken, werden nicht durchgeführt. Da muss man sich schon fragen, warum der BDB solche Tests, wie sie in anderen Sportarten ja auch schon lange üblich sind, nicht machen will. Eigentlich sollte man auch meinen, der BDB kassiert auch genug von seinen Mitgliedern, um so was durchführen zu können. – Soliman jedenfalls wollte nun genau so einen Bluttest mehrere Wochen vor dem Kampf durchgeführt wissen.
Nach dem Kampf wurde jetzt aber Soliman selber positiv getestet. Man fand in seiner Urinprobe „Methylsynephrine“, das ist ein Bestandteil einer leistungsfördernden Designerdroge. Wenn man die einschlägigen Boulevardzeitungen ließt, kann man den Eindruck bekommen, dass sich Pütz, nachdem er das Ergebnis erfuhr, direkt an die BILD Zeitung bzw. an die BILD am Sonntag gewandt hat. In der BILD vom 02.03.2013 war zu lesen:
„Nach dem Kampf am 1. Februar in Düsseldorf um das WM-Herausforderungsrecht gegen Felix Sturm (34) wurde der Australier Sam Soliman (39) positiv getestet. Unglaublich! Das Institut für Bio-Chemie in Köln hat die Urin-Probe des Punktsiegers analysiert. Thomas Pütz, Präsident des Bundes deutscher Berufsboxer (BDB) zu BamS: `Es wurde eine schwer nachweisbare Designer-Droge gefunden, die aufputschende Wirkung hat.´
Die anonyme A-Probe konnte von Pütz dem Australier zugeordnet werden. Pütz: `Sam Soliman hat nun Gelegenheit zu einer Anhörung. Ich werde die Doping-Behörde NADA und den Weltverband IBF informieren.´“
Die Enthüllungen von Herrn Pütz in der Zeitung mit den großen Lettern sind medienwirksam, aber nicht eben üblich für einen, der mit Doping zu tun hat. Die übliche Vorgehensweise bei Doping im Boxsport sieht anders aus: Der BDB bekommt das Laborergebnis. Dann informiert der BDB die NADA, den Weltverband, hier die IBF und den Verband, der den Boxer lizensiert hat. Letzterer Verband informiert dann den Boxer, der sich dazu äußern und die Öffnung der B-Probe verlangen kann. Bis dahin ist das Ergebnis geheim, weil – ein schwebendes Verfahren.
Herr Pütz wählte wohl einen anderen Weg und ging an die Öffentlichkeit. Soliman beschwerte sich, von seiner A – Probe erst durch die internationale Presse erfahren zu haben. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, dann könnte das bedeuten, dass der Präsident des BDB womöglich mutwillig aufs Schwerste nationale und internationale Regeln gebrochen hat. Das Regelwerk des BDB ist eindeutig und unmissverständlich. In § 14 Absatz 3 im Abschnitt zu Doping heißt es: „Der Vorstand des BDB e.V. teilt dem Boxer/der Boxerin ein positives Analyseergebnis der A-Probe mit. Der /die Boxer/in kann innerhalb von zehn Tagen nach Empfang der Mitteilung eines positiven Analyseergebnisses eine Untersuchung der B-Probe bei der gleichen oder auf seine/ihre Kosten bei einer anderen, ebenso qualifizierten Untersuchungsstelle (…) verlangen. (…) Bei Nichteinhaltung der Frist gilt das Ergebnis der A-Probe als anerkannt.“
Also, die Regularien sehen eindeutig vor, dass der BDB als erstes den betroffenen Boxer informiert. Im Falle von Soliman hätte also wohl der amerikanische oder der australische Verband, der Soliman lizensiert hat, zuerst informiert werden müssen, damit dieser dann seinen Boxer informiert. Zur Erinnerung: Soliman behauptet, aus der Presse von seinem angeblichen Doping erfahren zu haben. – Im Regelwerk des BDB steht nicht, dass sich der Präsident des BDB als erstes an die BILD Zeitung zu wenden kann. Das aber legen die Äußerungen von Herrn Pütz nahe, der in der BILD sagt: „Ich [Pütz] werde die Doping-Behörde NADA und den Weltverband IBF informieren.“ Das hört sich doch so an, als hätte Pütz erst mit der BILD geredet, bevor er NADA und IBF unterrichtet hat. Ein solches Verhalten finde ich dann allerdings nicht mehr verhaltensoriginell, sondern skandalös.
Falls Pütz wirklich erst die BILD und dann erst den australischen Verband informiert haben sollte, könnte sein Verhalten womöglich sogar strafrechtliche Relevanz haben.
© Uwe Betker

So als Punktrichter hat man es schon schwer

leave a comment »

So als Punktrichter hat man es schon schwer. Man lässt mich mit einem Linienflugzeug nach Deutschland fliegen, um bei irgendeinem WM-Kampf in Deutschland zu punkten. Aber man kommt eigentlich ganz gerne nach Deutschland, jedenfalls zu einem bestimmten Veranstalter. In der Regel wird man vom VIP Shuttle Service am Flughafen abgeholt, aber manchmal, so wie heute, auch nur von einem Taxifahrer. Diesmal muss man sich sogar noch das Taxi mit einem spanischen Kollegen teilen. Der kennt immer die neuesten und angesagtesten Salsa-Bars. Er wird wohl wieder die Nacht durchtanzen.
Man wird in netten, angemessenen 5- Sterne- Hotels untergebracht. Kaum hat man allerdings eingecheckt, muss auch schon zum offiziellen Weight-In. Immer das gleiche Geschiss. Fotographen und Journalisten schupsen sich rum, dabei wird maximal ein Foto veröffentlicht. Natürlich muss der Punktrichter mit darauf achten, dass die Boxer ihr Gewicht bringen. Aber das ist eigentlich nie ein Problem. Wenn es nicht gerade ein Titelkampf ist, interessiert es sowieso keinen. Boxer springt auf die Waage – springt wieder herunter und das Limit wird verkündet.
Danach geht es zum Rules-Meeting. Langweilig. Die zentralen Regeln müssen noch einmal allen am WM-Kampf Beteiligten erklärt werden. Der ein oder andere Trainer oder auch der Manager versucht natürlich noch mal an die Einhaltung bestimmter Regeln zu erinnern. Der glaubt doch tatsächlich an den Sieg seines Boxers. So ein Naivling.
Endlich ist das Meeting beendet und man kann sich beim Geschäftsführer der Veranstaltung die Aufwandsentschädigung abholen. Man kann zwar finden, dass die paar Hunderter, die so ein Punktrichter bekommt, viel zu wenig für diese Arbeit ist, aber es macht ja keiner des Geldes wegen. Punktrichter sind Idealisten! Immerhin werden sie in US Dollars bezahlt. Es gibt Veranstalter, die in der Landeswährung auszahlen und einen dann noch beim Umrechnen über den Tisch ziehen.
Kurz aufs Zimmer gehen, dann umziehen und auf zum Offiziellenessen. Die Frage ist nur: Sternerestaurant oder nicht?
Hiernach werden dann die Schönheiten der Stadt im Zimmer gezeigt, natürlich auf Kosten des Hauses. Zwar fand man sich im Spiegel doch etwas zu füllig in der Mitte, aber so wie die Kleine gekreischt hat, ist sie garantiert gekommen. Man hat es eben noch richtig drauf, ist ja auch Punktrichter.
Frühstücksbüffet, Stadtrundfahrt und Mittagsschlaf und dann mit dem VIP Shuttle Service in die Halle. Jetzt fängt der Stress richtig an. Beim Rulesmeeting hat der Typ von dem Verlierer darauf bestanden, dass beim Bandagieren ein Offizieller dabei ist. „Man könnte ja sonst Gips verwenden.“ So ein Anfänger. Dabei weiß doch jeder, dass man schmale Aluminiumfolie in die Bandagen mit einwickelt. Aber so etwas gibt es natürlich nicht. Bandagen und die Abklebung der Schnürung werden mit den drei Buchstaben des Verbandes beschriftet, damit niemand manipulieren kann.
Vorkämpfe sind der Alptraum! Immer wieder Jackett ausziehen, in den Ring rein, um als Ringrichter zu fungieren, dann wieder das Jackett anziehen und auf dem Punktrichterstuhl Platz nehmen. Da kommt man ganz schön ins Schwitzen. Die Scheinwerfer tun ein Übriges. Daher ist auch immer ein Handtuch mit, um sich zwischendurch abzutrocknen. Dabei schaut sich sowieso keiner die Vorkämpfe an! Die Zuschauer sind doch alle noch draußen und trinken Bier.
Endlich fängt der Hauptkampf an. Die Punktrichter sehen gut und wichtig aus. Der Boxer des deutschen Veranstalters sieht schlecht aus und er boxt auch schlecht. Aber es gibt natürlich auch andere Aspekte zu beachten, die nicht geschulte Ring- und Punktrichter nicht erkennen können. Nur ein Laie kann glauben, dass der Heimboxer die Runde verloren hat, wenn er von seinem Gegner hart getroffen wird und er durch den Ring torkelt. Aber diese Laien sehen nicht das Große und Ganze und die Feinheiten des Boxens, die sich nur dem erschließen, der sich wie unser einer mit dem Boxen beschäftigt. Der Herausforderer, der Loser, zeigt sich bei der Siegerehrung als schlechter Verlierer. Ist halt ein Loser. Aftershow Party und noch ein paar Absacker an der Hotelbar. Nur ein paar Stunden Schlaf und dann am Sonntagmorgen Rückflug nach Hause zu Frau und Kindern.
Punktrichter zu sein ist ein wirklich harter Job und man muss ein richtiger Idealist sein, um das zu machen. – Natürlich war es auch nur ein Alptraum, das hier niederzugeschrieben, den ich letzte Nacht hatte. Niemand kann ernsthaft glauben, dass Punktrichter und Veranstalter in Wirklichkeit so handeln würden. Ich bin wirklich froh, dass in Deutschland das Boxen sauber ist und nur solche Boxer zu Siegern erklärt werden, die den Sieg auch verdient haben.
© Uwe Betker

Foto: Gabor Veto auf der Waage mit Jean Marcel Nartz und Thomas Pütz

leave a comment »

Written by betker

14. Juli 2011 at 23:59

Vom Wiegen (1)

leave a comment »

Wer sich eine längere Zeit intensiv mit dem Boxen beschäftigt, landet früher oder später automatisch auch beim Wiegen. Einen Tag vor dem Wettkampf findet das offizielle Wiegen statt, bei dem die Boxer öffentlich auf eine Waage steigen. Dabei achten die Delegierten der nationalen und internationalen Verbände darauf, dass die Boxer innerhalb des Gewichtlimits sind, das die Regeln vorschreiben – soweit jedenfalls die Theorie.
In der Praxis sieht es manchmal etwas anders aus. Wenn man genauer hinsieht, fällt da gelegentlich geradezu Ungeheuerliches ins Auge. Man kann z.B. Trainer und Betreuer dabei beobachten, wie sie mit dem Fuß die Trittfläche der Waage anheben. Man kann auch schon mal Mitarbeiter von Veranstaltern erleben, die, kaum dass der Boxer die Waage betritt, auch schon das Gewicht verkünden, das dann immer auch das obere Limit der Gewichtsklasse darstellt. Komplett zur Farce wird das Ganze sowieso durch die Tatsache, dass beim Wiegen fast immer Laufmassenwaagen verwendet werden. Das sind Waagen, bei denen das Gewicht durch einen Schieberegler eingestellt werden kann. Also: Das Limit wird eingestellt. Der Boxer steigt auf die Waage. Und dann hört man ein vernehmliches metallisches Klacken. Jeder, der jemals selber eine solche Waage benutzt hat, weiß nun: Der Boxer ist über dem Limit. Ein Mitarbeiter des Veranstalters verkündet dann schnell das exakte Gewicht, ohne dass das Reglergewicht noch einmal verschoben wurde, und die Offiziellen der Verbände nicken eilfertig das Verkündete ab. Gerade im Vorprogramm scheint das Gewicht kaum noch jemanden zu interessieren.
Es ist nun für einen Boxer nicht immer leicht, das Limit zu bringen. Je älter er wird, umso schwieriger wird es. Einige Boxer können das Gewicht nur noch bringen, wenn sie sich vorher dehydrieren. Oft stehen daher hinter einem Paravent unzählige Flaschen mit Getränken bereit. Nicht selten sieht man die Boxer dann, direkt von der Waage kommend, eine oder mehrere Flaschen mit irgendwelchen Getränken leeren. Auch Glukoseinfusionen waren eine zeitlang in Mode.
Boxer machen Gewicht, weil sie meinen, einen Vorteil in einer niedrigeren Gewichtsklasse zu haben. Wenn es jemand schafft, eine oder mehrere Gewichtsklassen tiefer zu boxen, dann hat er nämlich meist physische Vorteile. Er ist in der Regel größer und schlagstärker als die Mehrheit seiner Mitbewerber. Das wohl bekannteste Beispiel in Deutschland war Dariusz Michalczewski (50 Kämpfe, 48 Siege, 2 Niederlagen, 1 durch KO). Bei kaum einem der hiesigen Boxer war der Unterschied zwischen vorher und nachher, zwischen auf der Waage und im Kampf, so unübersehbar wie bei dem WBO-Weltmeister in Halb Schwergewicht von 1994 bis 2003. Geschätzte mindestens 5 bis 8 Kilo Unterschied lagen zwischen den beiden öffentlichen Auftritten. Wie man an den KOs sehen kann, konnte Michalczewski seine körperliche Überlegenheit dann auch nutzen.
Gerade diese KOs aber zeigen auch die Notwendigkeit, das Wiegen ernster zu nehmen. Jeder, der schon einmal im Ring stand oder eine andere Kampfsportart betrieben hat, weiß schließlich, was es heißt, wenn sein Gegenüber mehrere Kilo schwerer ist als man selber. Ganz simpel formuliert: Je schwerer man ist, umso mehr Gewicht kann man in seine Schläge legen und umso härter sind dann die Schläge. Daher ist es auch unverantwortlich, dass so viele Menschen, die mit dem Profiboxen zu tun haben, das Wiegen so wenig ernst nehmen und die Nichteinhaltung von Regeln für ein Kavaliersdelikt halten. Ich kann mich nicht erinnern, jemals bei einem Wiegen in Deutschland erlebt zu haben, dass offiziell eingeschritten worden wäre, weil ein Boxer das Gewicht nicht gebracht hat. Aber die oben beschriebenen Methoden habe ich schon unzählige Male gesehen.
© Uwe Betker

Written by betker

4. Dezember 2010 at 23:59