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Felix Sturm, der Zauberlehrling

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Felix Sturm (39 Kämpfe, 36 Siege, 15 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) erinnert mich mehr an einen Zauberlehrling, als an Leonidas, den König einer barbarischen und menschenverachtenden Militärdiktatur. Der WBA Super Champion im Mittelgewicht beschwört nämlich Geister, die er – und wir dann mit ihm – nun nicht mehr loswerden.
Erst beschwor er den Boxer Ronald Hearns herauf, den Sohn des großen Thomas „Hit Man“ Hearns. Hearns Jr. war und ist nur ein ganz schwacher Abklatsch von seinem Vater. Trotzdem boxte Sturm am 19.02.2011 gegen ihn. Und nun wird die Boxwelt ihn nicht mehr los. Obwohl Hearns in der siebten Runde TKO ging, war er ernsthaft als Gegner für Julio Cesar Chavez Jr. (45 Kämpfe, 43 Siege, 30 durch KO, 1 Unentschieden), den WBC Weltmeister im Mittelgewicht und sehr viel schwächeren Abklatsch des großen Julio Cesar Chavez Sen., im Gespräch. Wir erinnern uns: Chavez Jr. wurde am 04.06.2011 durch einen sehr umstrittenen Punktsieg über Sebastian Zbik Weltmeister. Hearns Jr., der sich sogar „The Chosen One“ nennt, wird uns wohl auch weiter im Boxen erhalten bleiben, und es würde mich nicht wundern, wenn er schon bald wieder einen WM-Kampf bekommt.
Einen Kampf später erschuf Sturm dann Matthew Macklin. Sturm, noch in der Kritik stehend, einen solch schwachen Gegner wie Hearns geboxt zu haben, erklärte, dass Hearns Macklin nach ein paar Runden KO schlagen würde. Das könnte man ja jetzt so verstehen, dass Sturm „Mack The Knife“ nicht ernst genug nahm. Auf jeden Fall sah Sturm gegen den Europameister nicht gut aus. Er machte dadurch aus ihm einen Top-Ten Boxer. Nun versucht er Macklin (31 Kämpfe, 28 Siege, 19 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) zu einem Rückkampf zu bewegen. Aber dieser ziert sich, denn nun kann er nämlich sehr viel mehr Börse verlangen, als die 180.000 Euro, die er wohl von Sturm für den ersten Kampf bekommen hatte, und er hat wohl auch noch andere mögliche Gegner im Auge.
© Uwe Betker

Eine Chance für Arthur Abraham

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Arthur Abraham verlor am 14.05.2011 erwartungsgemäß gegen Andre Ward. Ward (24 Kämpfe, 24 Siege, 13 durch KO) zieht damit ins Finale des Super Six Turniers ein. Abraham (35 Kämpfe, 32 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen) ist ausgeschieden. Nach drei Niederlagen in vier Kämpfen im Super Mittelgewicht stellt sich die Frage, wie es mit Abraham weitergeht.
Arthur Abraham überzeugte in seiner ersten Zeit als Profi durch seinen Ehrgeiz, seinen Willen zu gewinnen und durch seine Schlaghärte. Um den hungrigen Boxer besser vermarkten zu können, setzte man ihm eine Schlumpfmütze auf und ließ ihn unter den Klängen von Vader Abrahams „Das Lied der Schlümpfe“ zum Ring gehen. Der Schlumpfboxer war geboren.
Nachdem ihm juristisch die „Schlumpferei“ untersagt worden war, kürte ihn sein Veranstalter Sauerland Event kurzerhand zum König, setzte ihm eine Krone auf, gab ihm einen goldenen Umhang und vermarktete ihn fortan als King Arthur.
Nach seinen zwei Niederlagen in Folge (Andre Dirrell am 27.03.2010 und am Carl Froch 27.11.2010) – wobei letztere schon einer Selbstdemontage gleichkam – erkannte Abraham, dass Krone und Umhang ausgedient haben. Zu seinem letzten Kampf ging er in einen einfachen Mantel gehüllt.
Obwohl Abraham seinen letzten Kampf verlor, zeigte er in den Anfangs- und in den Schlussrunden etwas von dem, was ihn als Boxer einst ausgezeichnet hat: Härte gegen sich und seinen Gegner und Wille zum Sieg. Es bleibt abzuwarten, ob Arthur Abraham es will und auch schafft, sich neu zu definieren. Ich sehe in den Niederlagen eine reelle Chance für Abraham, sich als Boxer neu zu etablieren und sich neu – ohne Mütze oder Krone – zu erfinden.
Abraham könnte beispielsweise zurückgehen ins Mittelgewicht, wo er gegen Felix Sturm (38 Kämpfe, 35 Siege, 15 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden), den WBA Super Champion, antreten könnte. Oder er könnte versuchen, Sebastian Sylvester „zu rächen“ und seinen alten IBF Titel von Daniel Geale (26 Kämpfe, 25 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage) wiederzuholen. Er könnte aber auch im Super Mittelgewicht bleiben, um hier zu versuchen, Robert Stieglitz (42 Kämpfe, 40 Siege, 23 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) seinen WBO Titel abzunehmen. Auch könnte er gegen einen anderen großen Puncher, Kelly Pavlik (39 Kämpfe, 37 Siege, 32 durch KO, 2 Niederlagen), antreten. Er hat also noch viele Möglichkeiten.
© Uwe Betker

BDB spielt mit dem Leben eines Boxers

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Dem seit Jahren krisengeschüttelten Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) droht ein neuer Skandal, der für mich schlicht seine Existenzberechtigung in Frage stellt. Hauptanliegen eines Boxverbandes muss es doch wohl sein, darüber zu wachen, dass Boxveranstaltungen im Rahmen von vorher festgelegten Regeln stattfinden. Dies macht man, um das Boxen sicherer zu machen und die Boxer zu schützen. Genau dies macht der BDB aber nicht.
Am Samstag, dem 19.02.2011 soll Felix Sturm in der Arena in Stuttgart gegen Ronald Hearns boxen. Dabei wird er seinen Titel des WBA Super Champions wohl ohne wirklich viel Arbeit und Mühe verteidigen können. Die ganze Veranstaltung steht unter der Aufsicht des BDB. Im Vorprogramm versteckt sich nun aber ein Kampf, der gar nicht stattfinden dürfte. Der Schwergewichtler Adnan Redzovic (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) aus Sarajewo trifft auf Werner Kreiskott (25 Kämpfe, 8 Siege, 6 durch KO, 16 Niederlagen, 6 durch KO) aus Wuppertal. Das ist ein üblicher Aufbaukampf. Das Unübliche daran ist allerdings, dass hier der mir unbekannte Matchmaker – und das offenbar wohl bewusst, was ich nun wirklich übel finde – gegen international gültige Regeln im Boxer verstößt. Der BDB unterbindet dieses skandalöse und, wie ich meine, auch skrupellose Verhalten nicht, was doch wohl seine Pflicht wäre, sondern sanktioniert dies auch noch.
Was den Kampf Kreiskott gegen Redzovic zu einer Ungeheuerlichkeit macht, ist nämlich die Tatsache, dass Kreiskott vor zwei Wochen, am 05.02.2011 in Brentwood/Essex in Großbritannien gegen Tom Dallas in der ersten Runde KO ging. Im Regelwerk des BDB steht nun unmissverständlich:

Artikel 24
Jeder Boxer, der auf diese Art oder durch KO aufgrund von Kopftreffern einen Kampf verloren hat, muss eine Zwangspause von drei Monaten absolvieren. Innerhalb dieser Zeit oder unmittelbar nach der Zwangspause ist eine erneute ärztliche Untersuchung durch den Vertrauensarzt des BDB erforderlich. Hinsichtlich der durchzuführenden ärztlichen Untersuchungen entscheidet der BDB nach Rücksprache mit dem Vertrauensarzt. Bei einem Körper-KO bzw. einem TKO beträgt die Zwangspause 6 Wochen.

Egal, ob Kreiskott durch einen Kopf- oder Körpertreffer KO gegangen ist, er darf nicht boxen. Jeder, aber auch wirklich jeder, der mit Boxen zu tun hat, weiß, dass es nach einem KO eine Zwangspause gibt. Der BDB verstößt dadurch, dass er diesen Kampf sanktioniert, gegen die eigenen und auch gegen internationale Regeln. Um es noch mal ganz deutlich zu sagen: Damit spielt der BDB mit der Gesundheit und letztlich mit dem Leben eines Verbandsmitglieds. Wenn Herrn Kreiskott jetzt im Ring etwas passiert, übernimmt dann der BDB die Verantwortung? Bezahlt er seine Arztkosten oder zahlt ihm eine Rente, wenn er zum Pflegefall werden sollte? Nein. Das kann der BDB nämlich gar nicht, weil der Verband praktisch keinerlei Rücklagen hat.
Worauf ich hinweisen möchte, ist, dass das Verhalten des BDB mindestens verantwortungslos und pflichtvergessen ist, wenn nicht sogar mehr. Man muss sich die Frage stellen, ob ein Verband, der so verantwortungslos und pflichtvergessen handelt, überhaupt noch eine Existenzberechtigung hat.
© Uwe Betker