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Ein blasphemischer Blick auf Mike Tyson

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Ein blasphemischer Blick auf Mike Tyson

Jede Generation hat ihre Helden und manchmal sogar Boxhelden. Einige sind tief in ihre Zeit eingebunden, wie Jack Demsey, Joe Luis und Rocky Marciano. Andere sind vor allem von nationaler Bedeutung, wie zum Beispiel Max Schmeling und Henry Maske. Nur wenige bekommen eine universelle Bedeutung, wie z.B. Muhammad Ali.

Jede Generation unterwirft die Helden der Vorväter einer Überprüfung. So kann man sich heute kaum noch vorstellen, dass ein zum Tode Verurteilter im Gefängnis flehen könnte, der amtierende Weltmeister im Schwergewicht solle ihn retten – so jedenfalls behauptete es der Mythos über Joe Louis.

Die sich wiederholende Frage lautet also: Wer gehört nun zum erlauchten Kreis der ganz Großen im Boxen? Eine ganze Reihe von Angehörigen der Generation, die Mitte der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts bzw. des letzten Jahrtausends Profiboxen verfolgten, vertreten die Meinung, Mike Tyson sei einer der besten, wenn nicht sogar der beste Schwergewichtler aller Zeiten gewesen. – Auf die Gefahr hin mich sehr unbeliebt zu machen, möchte ich dem hier klar widersprechen.

Tysons Verehrer könnten z.B. darauf verweisen, wie viele Tickets er verkauft hat und wie viel Geld er  mit Pay-Per-View gemacht hat. Er war das Gesicht des Profiboxens für ein gesamtes Jahrzehnt. Wohl kein Boxer vor oder nach ihm zierte so viele Titelseiten. Das ist alles richtig. Aber wenn dies Indikatoren für Größe sind, dann ist Madonna wohl der/die größte Musiker/in aller Zeiten. Größe im Boxen kann nicht durch Geld oder Anzahl der Titelseiten definiert werden, sondern doch wohl nur durch die Qualität der Kämpfe, die Qualität der Gegner, die Siege über gute Gegner und durch die Anzahl erstklassiger Kämpfe.

In meinen Augen ist der am 30.06.1966 geborene Michael Gerard Tyson vor allem ein Phänomen. Er ist eine von vielen Personen und Institutionen erschaffene Kunstfigur. Als erster ist zu nennen: Cus D´Amato. Der Entdecker, Trainer und Ersatzvater von Tyson. Er brachte ihm den Peek-A-Boo Stil bei, der am besten zu einen kleinen Schwergewichtler passt. Das hatte er schon bei Floyd Patterson so gemacht.  D´Amato war ewig lange im Boxgeschäft. Er verstand sein Geschäft als Trainer und er kannte Journalisten und TV-Leute und wusste deshalb auch genau, wie sie arbeiten und wie sie ticken. D´Amato verbreitete so, zusammen Jim Jacobs und Bill Cayton, eine mythische Geschichte. Im Zentrum steht der alte weiße und weise Mann, der in seinem selbst gewählten Exil, fern der Großstadt New York, in den Catskills Bergen, einen jungen schwarzen Mann aus Brooklyn, den er vor einem Leben in der Kriminalität gerettet hat, in die Mysterien des Profiboxens einweiht. Das ist der größte Teil des Mythos Mike Tyson.

Von ganz realem Gewicht war sicher sein Punch. Tyson hatte einen brutalen Punch. Besonders seine rechten Körperhaken, gefolgt von einem rechten Aufwärtshaken zum Kopf, war die Kombination, die viele Gegner fällte. Diese Kombination, seine Explosivität und seine Fähigkeit, Schlägen auszuweichen und sich gleichzeitig an die Gegner heranzuschieben, waren seine boxerischen Stärken. Die konnte er auch besonders effektiv nutzen, außer wenn sein Gegenüber von der ersten Sekunde an dagegen hielt.

Tyson wurde mit seinem Sieg gegen Trevor Berbick, am 22.11.1986 in Las Vegas, der jüngste Schwergewichtsweltmeister. Er war, als er den WBC Titel gewann, gerade mal 20 Jahre alt. Vor ihm hielt Floyd Patterson, auch ein  Schützling von D´Amato, diese „Bestmarke“ – mit 21 Jahren. Dies markiert aber auch schon völlig den Platz von Mike Tyson in der Geschichte.

Aber schauen wir uns doch die Qualität seiner Kämpfe und die Qualität seiner Gegner – womit nicht der Unterhaltungswert gemeint ist – einmal an und auch die Siege über gute Gegner, also das, was einen Weltmeister zu einem richtig großen macht.

Nach seinem Sieg über Berbick, den er wie einen Baum fällte, bereinigt er innerhalb eines dreiviertel Jahres die Titelsituation, indem er alle drei bedeutenden Titel (WBC, WBA und IBF) auf sich vereinigte. Dabei schlug er James Smith, Pinklon Thomas und Tony Tucker. Ja, man kann sagen, er war der Terror des Schwergewichts – allerdings in einer Zeit, in der das Schwergewicht erschreckend schwach besetzt war.

Sein Sieg über Michael Spinks, am 27.06.1988, war dann schon ein großer. Er pulverisierte Spinks innerhalb von 91 Sekunden. Aber man muss dazu anmerken, dass Spinks, der in die International Hall Of Fame Of Boxing aufgenommen wurde, seine beste Zeit als Halbschwergewicht hatte.

Am 11.02.1990 zerstörte dann James Douglas im Tokio Dome den Mythos Tyson. Er knockte ihn in der 10. Runde aus. Tyson war nicht mehr der Unbesiegbare. Es zeigte sich, dass Tyson nie, wie die wirklich Großen, es schaffte, nach einem Niederschlag den Kampf noch für sich zu entscheiden. Nach dem Tokio-Desaster verlor er alle entscheidenden Kämpfe. Evander Holyfield demontierte ihn zweimal hintereinander, am 09.11.1996 und am 28.06. 1997. Auch Lennox Lewis hatte am 08.06.2002 kein Mitleid mit ihm. Auch er knockte ihn aus.

Mike Tyson ist ein Phänomen. An ihm kann man sehen, was passiert, wenn die Medienmaschinerie einmal so richtig ins Rollen gerät. Dann werden Comeback Kämpfe gegen handverlesene Umfaller, die auch schon mal Werbung auf der Unterseite ihrer Boxstiefel tragen, zu Megaevents. Madonna ist nicht der/die bester/beste Sänger/Sängerin aller Zeiten. Sie gehört auch nicht unter die Top Ten. Ebenso gehört Mike Tyson nicht zu den 10 besten  Schwergewichtlern aller Zeiten. Meine Top Ten sind: Muhammad Ali, Rocky Marciano, Jack Johnson, Jack Dempsey, Larry Holmes, George Foreman, Evander Holyfield, Lennox Lewis, Sonny Liston und vermutlich Wladimir Klitschko. Wobei ich mir über die genauen Platzierungen zwei bis zehn nicht ganz sicher bin.

(C) Uwe Betker

Written by betker

16. Oktober 2016 at 23:59

Veröffentlicht in Boxen, Geschichte, Uncategorized

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Was man so von und über Felix Sturm hört oder auch nicht hört

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In letzter Zeit ist es um Felix Sturm irgendwie seltsam ruhig geworden. Wir erinnern uns: Felix Sturm (49 Kämpfe, 40 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden) wurde nach seinem letzten Kampf gegen Fjodor Tschudinow (15 Kämpfe, 14 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage) am 20. Februar in Oberhausen positiv auf die anabole Substanz Hydroxy-Stanozolol getestet. Er war also wohl in diesem WM-Rückkampf gedopt. Über das, was die Punktrichter Jean-Louis Legland und Giuseppe Quartarone in diesen Kampf sahen und werteten, wollen wir hier den bleiernen Mantel des Fremdschämens legen.
Nach Öffentlichwerden des Ergebnisses der Analyse von Sturms Urinprobe A sprach Sturm mit Express. Dort erzählte er damals: „Ich bin geschockt“. Weiter meinte er: „Ich werde kämpfen wie ein Löwe. Ich werde Anwälte einschalten und die B-Probe öffnen lassen.“
Danach hörte man von Sturm nichts mehr. Sicher ist, dass er die B-Probe bis heute nicht hat öffnen lassen. Es gibt vermutlich eine Bezeichnung für jemanden, der der Öffentlichkeit etwas verspricht oder sagt, dass er etwas machen wird, und es dann nicht einhält. Aber mir fällt diese Bezeichnung einfach nicht ein. Dabei glaube ich ja immer noch daran, dass der Leverkusener Adnan Ćatić morgen oder übermorgen der Öffentlichkeit seine Unschuld beweisen und den Verdacht, ein Doper und Betrüger zu sein, aus der Welt schaffen wird.
Vor ein paar Tagen sprach Sturms Manager Roland Bebak nun auch mit Express. Er sagte:„Felix gibt seinen WM-Gürtel der WBA zurück“, und weiter, „denn er kann in diesem Jahr nicht mehr kämpfen, er wird sich in Deutschland einer Ellbogen-OP unterziehen müssen.“ – Dies sind nun wirklich Neuigkeiten. Natürlich muss man erst mal abwarten, ob Sturm dieser Ankündigung auch Taten folgen lässt. Der geneigte Boxfan hat schließlich mit Ankündigungen von Sturm so seine Erfahrungen gemacht. Siehe oben.
Leider hat Manager Bebak nichts dazu gesagt, wann und ob Sturm nun die Dopingvorwürfe entkräften wird. Leider schweigen aber nicht nur Sturm und Bebak hierzu. Auch der betroffene Weltverband WBA (World Boxing Association) ist zu keiner Stellungnahme bereit. Mehrfach schickte ich dem Verband drei simple Fragen:
Ist Felix Sturm noch der Super Champion der WBA?
Ist Felix Sturm noch der Sieger seines Kampfes gegen Fjodor Tschudinow?
Will die WBA Sturm für sein Doping bestrafen?
Diese Fragen hat die WBA bis heute nicht beantwortet. Wenn Ćatić und Bebak sich nicht äußern wollen, so kann man das, vor allem nach den vollmundigen Ankündigungen, zwar missbilligen, aber man kann es auch verstehen. Wohl gemerkt, während ich dies hier schreibe, bin ich wie 99,5 Prozent aller Boxinteressieren davon überzeugt, dass Sturm unschuldig ist, nicht gedopt hat und damit auch nicht betrogen hat.
Ein wenig Dynamik kommt durch die Staatsanwaltschaft Köln, die ja wegen des Dopingverdachts, den ja aber keiner glaubt, gegen Sturm ermittelt, oder wie die Staatsanwaltschaft selbst es nennt: „Ermittlungsverfahren gegen Adnan Catic wegen einer Straftat nach dem Gesetz gegen Doping im Sport“. In der Sache teilt sie mit, dass die B-Probe am 12.10.2016 um 10 Uhr in Köln geöffnet wird.
Vermutlich wird dies nun der von allen Sturm-Fans so ersehnte Befreiungsschlag. Ich kann mir natürlich sehr gut vorstellen, dass Sturm die Staatsanwaltschaft gebeten hat, die B-Probe öffnen zu lassen, weil er so seine Unschuld beweisen kann. Man kann sich ja schließlich nicht gut vorstellen, dass Sturm die ganze Sache womöglich aussitzen wollte. Auch kann man sich nicht vorstellen, dass er gehofft haben könnte, sein Sender Sat.1 würde seine Kämpfe trotz der Dopingvorwürfe weiter übertragen.
Fies wird die ganze Geschichte, wenn man sich die WBA ansieht, die offensichtlich das Problem auch aussitzen will. Nichts deutet darauf hin, dass der Verband etwas gegen Doping tun will. Doper werden weiterhin nicht bestraft. Die Kämpfe von Dopern werden nicht annulliert oder neu gewertet. Ein Verband, der sich so verhält, ist dann auch wohl nicht Opfer von „Dopingsündern“, sondern selber Täter. Er handelt dann nämlich als Teil des Dopingsystems. Dies trifft genauso auch für die nationalen Verbände zu.
Um es noch einmal deutlich zu sagen, auch wenn es die Offiziellen der nationalen und internationalen Verbände nicht akzeptieren wollen: Doping ist Betrug. Doping ist eine Straftat. Es ist die Pflicht eines jeden Boxverbandes, sich zu überlegen, wie mit diesen kriminellen Machenschaften umzugehen ist.
© Uwe Betker

Über das Doping im deutschen Profiboxen und die Verantwortung der TV-Sender

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Wenn man sich auf Boxveranstaltungen umhört, dann gibt es eine Frage die alle umtreibt: Wie werden sich aber die deutschen TV-Sender im Allgemeinen und Sat.1 im Besonderen zu dem immer größer werdenden Problem des Doping beim Profiboxen positionieren? Der Dopingfall Felix Sturm kann als Nagelprobe dafür betrachtet werden, wie die deutschen TV-Sender mit Doping im Berufsboxen umgehen wollen.
Es ist ruhig geworden um Felix Sturm. Wir erinnern uns: Felix Sturm war am 20.02.2016, in seinem Kampf gegen Fjodor Tschudinow – dabei ging es um den Titel Super Champion der WBA im Super Mittelgewicht – vermutlich gedopt. In seiner A-Probe fand sich die anabole Substanz Hydroxy-Stanozolol. Als dies bekannt wurde, stellte sich „ran“-Sportchef Alexander Rösner noch hinter Sturm. „Wir kennen Felix Sturm nur als fairen Sportsmann“. Der 37-jährige Sturm selbst stritt damals jegliches Fehlverhalten ab und kündigte an, die Öffnung der B-Probe veranlassen zu wollen. Seither hat aber keiner mehr etwas von der Öffnung der B-Probe gehört.
Nun sind verschiedene Möglichkeiten denkbar, wieso man nichts mehr vom Dopingfall Sturm gehört hat. Mir persönlich erscheinen die folgenden zwei am plausibelsten:
– Sturm hat die B-Probe öffnen lassen, seine Unschuld wurde bewiesen und dann hat er einfach nur vergessen, es der Öffentlichkeit auch mitzuteilen.
– Sturm hat die B-Probe gar nicht öffnen lassen.
Falls nun Sturm die B-Probe nicht hat öffnen lassen, kann man das wohl getrost als Schuldeingeständnis ansehen.
Spinnen wir den Gedanken einfach weiter: Wir werden weiter nichts von Sturms Urin und dem Hydroxy-Stanozolol hören. Sturm pausiert und steckt damit dann die bekannt drakonische Strafe des BDBs – die Höchststrafe für Doping ist, soweit ich weiß, ein Jahr, locker weg. Dann wird Sturm vermutlich wieder boxen wollen. Und er will natürlich, dass Sat.1 seinen Kampf überträgt und ihm dafür eine erkleckliche Summe auf sein Konto überweist. Wird Sat.1 dann wohl mitmachen?
Hier stellt sich eine grundsätzliche Frage: Sind die deutschen Fernsehsender außer der Einschaltquote noch irgendwem oder -was verpflichtet, z.B. so etwas wie Ethik oder Moral?
Verlassen wir aber mal den Fall Sturm und stellen wir uns einfach vor, ein Boxer X will oder kann einen gegen ihn erhobenen Dopingvorwurf nicht entkräften. Damit ist er ein Doper. Punkt. Jemand der wissentlich dopt, betrügt ganz einfach jemand anderen. Dementsprechend ist ein Doper kein Sünder („Dopingsünder“), sondern ein Betrüger. Er hat einen Anderen gegebenenfalls um den Sieg, um einen Titel und um viel Geld betrogen.
Sollte sich der Eindruck verfestigen, dass Profiboxer alle dopen, so ist davon auszugehen, dass solche kriminellen Betrüger den Sport für mindestens eine Generation zerstören. So etwas konnte man ja schon wunderbar am Radsport beobachten. Ein Jan Ulrich hat einer ganzen Generation von deutschen Fahrern die Möglichkeit auf Ruhm und gutes Geld genommen.
Jemand, der dopt, ist m. E. schlicht ein Krimineller. Wird ein TV-Sender dann weiter die Kämpfe des kriminellen Betrügers übertragen, nur weil er ein Quotengarant ist? Oder wird er die Kämpfe nicht übertragen, weil ein TV-Sender einen Betrüger nicht zusätzlich noch belohnen will.
Wie schon gesagt, es geht hier nicht um Adnan Catic, denn eventuell ist ja seine Unschuld bereits bewiesen. Es geht hier darum, ob deutsche TV Sender kriminelle Betrüger grundsätzlich belohnen wollen.
© Uwe Betker

Felix Sturm-Box-Promotion: Hat da schon jemand die Lichter ausgemacht?

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Um Felix Sturm ist es seltsam ruhig geworden. Es ist keine Rede mehr davon, dass er sich von dem Verdacht reinwaschen will, in seinem letzten Kampf gedopt gewesen zu sein. Nun, ich werde es nicht müde zu wiederholen: Doper sind Betrüger.
Wir erinnern uns: Felix Sturm (49 Kämpfe, 40 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden) wurde nach seinem letzten Kampf gegen Fjodor Tschudinow (15 Kämpfe, 14 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage), am 20. Februar in Oberhausen positiv auf die anabole Substanz Hydroxy-Stanozolol getestet. Er war also wohl in diesem WM-Rückkampf gedopt. Dazu sahen noch die Punktrichter Jean-Louis Legland und Giuseppe Quartarone, aus für mich unerfindlichen Gründen, Sturm als Punktsieger. Selbst das Unentschieden, was Ignacio Robles sah, habe ich persönlich nicht sehen können.
Wir erinnern uns weiter, was Sturm nach dem Bekanntwerden des Befundes nicht alles gesagt hat. Dem Express erzählte er damals: „Ich bin geschockt“. Weiter meinte er: „Ich werde kämpfen wie ein Löwe. Ich werde Anwälte einschalten und die B-Probe öffnen lassen.“ Davon ist offensichtlich nichts übrig geblieben. Die B-Probe, die die Unschuld von Sturm beweisen könnte, liegt immer noch irgendwo verschlossen rum.
Stattdessen kamen mir nun seltsame Gerüchte zu Ohren. Nein, ich spreche nicht von dem Geschmack des Energy-Drinks Heavy 1 – ich trinke solche Flüssigkeiten nicht. Mir kamen Gerüchte zu Ohren über Sturm-Box-Promotion. – Ich möchte ausdrücklich betonen, dass es sich hierbei um Gerüchte handelt, über deren Wahrheitsgehalt ich keine Aussage tätigen kann. Jedenfalls soll danach die Geschäftsführung von Sturm-Box-Promotion, Jasmin-Jennifer Ćatić und Roland Bebak, angeblich Mitarbeitern gekündigt haben.
Wir dürfen gespannt sein, ob der amtierende Super Champion der WBA Adnan Ćatić weiter gehen wird.
© Uwe Betker

Die tödliche Krankheit des Profiboxens: Doping

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Eine Krankheit breitet sich in rasendem Tempo aus. Sie birgt das Potential in sich, das Profiboxen in Deutschland zu töten. Zwar kann man das Profiboxen nicht direkt töten – es sei denn, der Staat entschließt sich, es zu verbieten. Aber es kann in die Bedeutungslosigkeit absinken. Die Gefahr ist bekannt, denn diese tödliche Krankheit hat bereits einen Sport auf dem Gewissen. Dennoch ist offensichtlich kaum jemand willens, etwas gegen diese Krankheit zu tun.
Die Krankheit heißt Doping. Und Doping hat das einst medial groß vertretene Radrennen fast zum Verschwinden gebracht. Jeder Radrennfahrer muss heute, d.h. nach Jan Ullrich und Lance Armstrong, erst einmal versichern, dass er nicht dopt. Eigentlich gehen wohl alle Zuschauer mittlerweile davon aus, dass Radrennfahrer grundsätzlich gedopt sind. Dass es soweit gekommen ist, dazu haben viele beigetragen: Veranstalter, Sponsoren, Verbände und TV-Sender. Alle haben jedenfalls gegen Doper, die doch nichts anderes als Betrüger sind, nichts getan. Und genau das scheint im deutschen Profiboxen oder im Boxen allgemein auch zu passieren.
Hier eine kleine Liste der Dopingfälle – dabei ist noch anzumerken, dass einige dieser „Fälle“ später offiziell als so etwas wie eine lässliche Sünde oder ein unbedeutendes Fehlverhalten eingestuft wurden:
– Erkan Teper war am 13.06.2014, in seinem Kampf gegen Newfel Ouatah gedopt – dabei ging es um den EBU-EU (European Union) Schwergewichtstitel. Teper gab wohl sein Doping zu.
– Zwischen Februar und März 2015 sollen bei Tyson Fury bei einer Dopingprobe erhöhte Werte des anabolen Steroids Nandrolon nachgewiesen worden sein.
– Erkan Teper war am 17.07.2015 in seinem Kampf gegen David Price vermutlich erneut gedopt – es ging um den EBU Schwergewichtstitel. Diesmal argumentierte sein Management dahingehend, dass es sich bei der Auswertung der A-Probe nicht um Mess-, sondern um Schätzwerte handele, es also „keine aussagekräftige Analyse“ sei und sich das Ergebnis auch noch in einem Bereich befinde, in dem ohnehin „nur Abschätzungen getroffen werden können, welche keine (insbesondere juristische) Verwertbarkeit haben“.
– Alexander Povetkin wurde Anfang des Jahres positiv auf Meldonium getestet. Meldonium ist ein in Osteuropa verbreitetes Herzmittel (!).
– Felix Sturm war am 20.02.2016, in seinem Kampf gegen Fjodor Tschudinow vermutlich gedopt – dabei ging es um den Titel des Super Champion der WBA im Super Mittelgewicht. In seiner A-Probe fanden sich anabole Steroide.
– Lucas Browne war am 05.03.2016 in seinem Kampf gegen Ruslan Chagaev gedopt, bei dem es um den WM Titel im Schwergewicht nach Version WBA ging.
– Igor Mikhalkin war am 12.03.2016 in seinem Kampf gegen Patrick Bois positiv auf Meldonium getestet worden – es ging um die Europameisterschaft im Halbschwergewicht. Da fragt man sich doch, ob ein Profiboxer tatsächlich so herzkrank sein kann, dass er auf der einen Seite medikamentiert werden muss und auf der anderen Seite aber gleichzeitig Hochleistungssport treiben kann.
In dieser Liste sind nur die Fälle aufgelistet, die mir auffielen. Man kann also getrost davon ausgehen, dass es noch viel mehr Dopingfälle im Profiboxen waren. Schließlich meine ich mich doch daran zu erinnern, dass es nationale Verbände geben soll, die die internationalen Verbände nicht über positive Dopingergebnisse informiert und Doping auch nicht öffentlich gemacht haben. Bei Strafen von wenigen Monaten fallen überführte Doper auch nicht weiter auf.
Doping ist Betrug. Aber es will irgendwie keiner etwas dagegen machen. Die Strafen für Doping sind lächerlich. Ich habe den bösen Verdacht, dass die Beteiligten selbst dann nichts ändern wollen, wenn es einen zweiten Fall Jupp Elze gibt. Zu sehr hängt die Existenz der Verbände, Veranstalter und Manager am Erfolg ihrer Boxer.
Für mich stellt sich hier aber die Frage: Wie werden nun die deutschen TV Sender mit Dopingfällen umgehen? Werden sie das Thema einfach ignorieren und totschweigen – nach dem Motto: „The show must go on“? Werden sie die Kämpfe von Dopern weiter übertragen und damit Betrüger belohnen? – Wir werden es sehen.
© Uwe Betker

Head To Head: Giovanni De Carolis vs. Tyron Zeuge

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TOTT_Zeuge_De_Carolis_Deutsch-1

(C) Team Sauerland

Written by betker

14. Juli 2016 at 23:59

Die Erosion der Boxer bei Sat.1

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Sat.1 wurde nach dem Ausstieg der ARD zum größten deutschen TV-Sender, was das Profiboxen anbelangt. Aber in den letzten Monaten wird immer deutlicher, dass die Hauptkämpfer, die ja die Quoten bringen sollen, einer starken Erosion ausgesetzt sind. Wenn ich es richtig sehe, hat der Sender sechs Hauptkämpfer: Arthur Abraham, Jürgen Brähmer, Jack Culcay, Vinzent Feigenbutz, Robert Stieglitz und Felix Sturm
Nach seinem letzten Kampf muss man dich die Frage stellen: gegen wen soll und kann Arthur Abraham (49 Kämpfe, 44 Siege, 29 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) eigentlich noch boxen? Nach dem Verlust seines Weltmeistertitels im Super Mittelgewicht nach Version WBO ist die Zahl der Optionen für zukünftige Kämpfe doch erheblich geschrumpft. Der logische, auch vom Publikum gewünschte Kampf gegen Felix Sturm, ist durch die Dopingaffäre von Sturm, ziemlich unwahrscheinlich. Eine vierte Auflage gegen Robert Stieglitz will vermutlich keiner sehen. Ein Rückkampf gegen Gilberto Ramirez (34 Kämpfe, 34 Siege, 24 durch KO) macht auch jetzt keinen Sinn. Zu einseitig war der Kampf und zu eindeutig war die Niederlage, als dass noch jemand glauben könnte, Abraham könnte es bei einer Neuauflage besser machen. Ohne Titel und ohne attraktive Gegner wird es aber schwer, Abraham als Hauptkampf zu vermarkten, auch wenn man so etwas propagieren wird, so etwa in dem Sinn wie: „Der Weg zurück“. Ob ein Gegner wie Tim Robin Lihaug (16 Kämpfe, 15 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO), die Nummer 73 in der Welt, Zuschauermassen an die Fernsehgeräte lockt ist sehr zu bezweifeln.
Jürgen Brähmer (50 Kämpfe, 48 Siege, 35 durch KO, 2 Niederlagen) ist mit seinen 37 Jahren nicht nur der Oldie, sondern auch der Goldie. Er ist Weltmeister im Halbschwergewicht nach Version WBA und der verlässlichste aller Kämpfer, die der Sender noch hat.
Jack Culcay (23 Kämpfe, 22 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage) ist amtierender Weltmeister im Super Weltergewicht nach Version WBA. Er wurde am 09.05.2015 gegen Maurice Weber Interimsweltmeister und am 09.04.2016 gegen Jean Carlos Prada (33 Kämpfe, 31 Siege, 22 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) regulärer Weltmeister. Prada war die Nummer 259 in der unabhängigen Weltrangliste. Trotz Weltmeistertitel, ist die große „Golden Jack“- Begeisterung bis jetzt aber ausgeblieben. Aus irgendeinem Grund scheint er mit seinem Boxstil die Boxfans nicht fesseln zu können. Die warteten bis jetzt auch noch vergebens auf einen Kampf gegen einen international renommierten Gegner. Selbst ein Kampf gegen die Nummer 2 in Deutschland, Besar Nimani (22 Kämpfe, 21 Siege, 1 Niederlage, 1 durch KO) wäre schon ein Schritt nach vorne. Ein Rückkampf gegen Weber, der auf Position 5 in Deutschland steht, wäre zwar für Weber schön und es gibt viele, die ihm diese Chance gönnen würden, sportlich macht sie aber nur sehr wenig Sinn.
Vincent Feigenbutz (24 Kämpfe, 22 Siege, 20 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) schaffte es zwar ohne Kampf jüngster deutscher Weltmeister zu werden. Sein Glück hielt dann aber nur ein paar Tage an. In seinen WM Kampfe, am 09.01.2016, unterlag er gleich gegen Giovanni De Carolis (30 Kämpfe, 24 Siege, 12 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO) durch TKO in Runde 11. Der zeigte ihm in zwei Begegnungen hintereinander seine technischen Unzulänglichkeiten auf. Feigenbutz erlitt nicht nur eine schmerzliche Niederlage, sondern auch einen erheblichen Imageschaden. Sein Verhalten und seine Äußerungen nach dem ersten Kampf gegen De Carolis waren nämlich nicht gerade dazu angetan, die Zahl seiner Fans zu vergrößern.
Auch wenn Feigenbutz als Hauptkämpfer dargeboten werden sollte, so ist er das zurzeit doch nur sehr bedingt. Ein Hauptkampf ist üblicherweise eine Titelkampf oder doch zumindest ein Kampf, der für einen solchen durch seine sportliche Qualität qualifiziert. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass Feigenbutz in Zukunft in Ringschlachten geschickt werden kann.
Der Exweltmeister Robert Stieglitz (55 Kämpfe, 49 Siege, 29 durch KO, 5 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) boxt seit seiner letzten Niederlage am 18.07.2015 gegen Arthur Abraham im Halbschwergewicht. Zurzeit ist er auf Position 15 zu finden, d.h., er könnte eventuell bald einen WM Titelkampf bekommen. Ob er einen solchen noch gewinnen kann, ist aber zumindest fraglich. Und einen fünften Kampf gegen Abraham will wohl wirklich keiner mehr sehen.
Felix Sturm (49 Kämpfe, 40 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden) hat ein Problem mit einer positiven Dopingprobe. Angeblich war der amtierende Super Champion der WBA bei seinem umstrittenen Sieg über Fedor Chudinov (15 Kämpfe, 14 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage), am 20.02.2015 in Oberhausen, gedopt. In seiner Urinprobe fand man die verbotene Substanz Hydro-XY-Stanozolol, ein synthetisches anaboles Steroid. Solange der Verdacht nicht ausgeräumt oder Gras über die Sache gewachsen ist, dürfte Sturm als Hauptkämpfer ausfallen. Es sei den Sat.1 will um der Einschaltquote willen einem Doper ihr Geld hinterherwerfen.
Geht man also die Liste der Boxer durch, die bei Sat.1 zu sehen sind, so fällt auf, dass die Hauptkämpfer, die die Quoten bringen, doch stark zusammenschmelzen. Eigentlich sind von den Hauptkämpfern nur Jürgen Brähmer und, mit Einschränkungen, Jack Culcay als einzige, die auch diesen Namen verdienen, noch übrig geblieben.
(C) Uwe Betker

Über Flüssigkeiten, Felix Sturm und Muttertag

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Der diesjährige Muttertag, am 08. Mai, war ein schöner sonniger Tag. Und es war der letzte Tag, an dem sich Felix Sturm überlegen konnte, ob er denn die B-Probe öffnen lassen will. Wir erinnern uns: Felix Sturm (49 Kämpfe, 40 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden) steht im Verdacht, in seinem letzten Kampf gegen Fjodor Tschudinow (15 Kämpfe, 14 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage), am 20. Februar in Oberhausen, gedopt gewesen zu sein. Die WM-Revanche konnte Sturm nicht unumstritten nach Punkten für sich entscheiden. Laut Presseberichten wurde in der A-Probe die anabole Substanz Hydroxy-Stanozolol gefunden. Die Frist für die Öffnung der B-Probe lief, soweit ich es richtig mitbekommen habe, am 09. Mai ab.
Nun hätte ich doch eigentlich gedacht, dass der amtierende Super Champion der WBA nun an die Öffentlichkeit gehen will, zumal er schließlich bis jetzt seine Unschuld beteuert. Da wäre es doch folgerichtig, dass er, wie öffentlich angedacht, versucht, durch die B-Probe seine Unschuld zu beweisen. Gut, wir wissen nicht wirklich, ob Adnan Ćatić nicht doch die Analyse der zweiten Probe veranlasst hat. Was mich nur wundert, ist, dass er hierüber bis jetzt die Öffentlichkeit nicht informiert hat. Schließlich kann man doch wohl davon ausgehen, dass eine Nichtöffnung der B-Probe einem Schuldeingeständnis gleichkommt. Da darf man gespannt sein, ob sein Haussender Sat.1 noch weiter seine Kämpfe übertragen wird.
Sturm jedenfalls hat sich offensichtlich in der Zwischenzeit mit anderen Flüssigkeiten als seinen Urin beschäftigt, nämlich mit den Energy-Drinks Heavy 1. Auf der Konferenz des Sarajevo Business Forums kündigte Ćatić nämlich unlängst den Produktionsstart seines Energy-Drinks in Bosnien an. Das Getränk ist bereits in Deutschland und, ich glaube, 24 anderen Ländern erhältlich und soll bald auch im arabischen Raum angeboten werden. Laut Eigenwerbung ist Heavy 1 „der neue kristallklare Energy Drink – Made in Germany. Ohne Aspartam und ohne Farbstoff!“ Zu den Inhaltsstoffe wird gesagt: „Echter Rohrzucker, Vitamin B6/B12 sowie 86,1% reines Mineralwasser aus dem Herzen der Vulkaneifel sind nur ein Teil der Premium Inhaltsstoffe.“ Es enthält vermutlich 32 mg Koffein pro 100 ml, was wohl der in Deutschland zugelassenen Höchstmenge entspricht.
Ehrlich gesagt: Ich trinke keine Energy-Drinks, daher werde ich nie sagen können, wie Heavy 1 schmeckt. Mich interessieren auch diese Flüssigkeiten, ehrlich gesagt, nicht. Was mich interessiert, ist, ob nun Felix Sturm tatsächlich gedopt hat. Das ist doch schlicht und ergreifend das Vorzeichen, unter dem die Karriere von Sturm zu betrachten ist. Ist Sturm nun der Fünffachweltmeister, der Neunfachchampion und der Champion der Herzen, ein fairer Sportsmann oder ist er ein Doper und damit ein Betrüger?
© Uwe Betker

Über Felix Sturm, Doping im deutschen Profiboxen und über Doping im Allgemeinen

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Felix Sturm (49 Kämpfe, 40 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden) hat ein Problem. Der amtierende Super Champion der WBA war laut Presseberichten bei seinem letzten Sieg über Fedor Chudinov (14 Kämpfe, 14 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage) am 20.02.2016 in Oberhausen, der nicht einmal unumstritten war, gedopt. In seiner Dopingprobe fand man die verbotene Substanz Hydro-XY-Stanozolol. Stanozolol ist, laut Wikipedia „ein synthetisches anaboles Steroid, das sich vom Testosteron ableitet. Der Besitz von nicht geringen Mengen Stanozolol (gemäß Dopingmittel-Mengen-Verordnung über 150 mg) zu Dopingzwecken steht laut Arzneimittelgesetz in Deutschland unter Strafe.“
Ich muss zugeben, dass ich kein Spezialist für Doping bin, daher kann ich auch nichts sagen über den Nutzen von Stanozolol beim Boxen. Thomas Pütz, der Präsident des BDB, wird wie folgt zitiert: „Dieses Mittel bringt einem Boxer noch nicht einmal was – es kommt aus dem Bereich des Bodybuilding.“ Viele schreibende Kollegen haben diese Information aufgegriffen und kolportieren sie. Wenn man aber Stanozolol googlet, kann man den Eindruck bekommen, dass dieses anabole Steroid im Leistungssport aber doch immerhin sehr weit verbreitet ist. Positiv getestet auf Stanozolol wurden u. a. der Leichtathletiksuperstar Ben Johnson. Aber auch Langstreckenläufer, Gewichtheber, Ringer, Baseballspieler und natürlich nicht zu vergessen Radsportler. Wie gesagt, ich bin kein Dopingspezialist, und natürlich kann ich mich irren. Aber mir scheint Stanozolol nun kein Mittel vor allem für Bodybuilder zu sein, sondern eher so was wie ein Universalmittel für alle Doper in allen Sportarten.
Eine Anmerkung vom Präsidenten des Bundes Deutscher Berufsboxer ist noch bemerkenswert. Er sagte wohl: „Mich hat das auch völlig überraschend getroffen. Die WBA hat uns nicht informiert. Sturm ist lizenzierter Boxer des BDB, der Kampf hat in Deutschland stattgefunden und nach den Regeln des BDB. Wir haben den Kampf beaufsichtigt. Das ist für mich alles komisch und undurchsichtig. Die WBA hätte zunächst uns informieren müssen. So einen Vorgang habe ich noch nie erlebt.“
Seltsam ist es schon, dass das Ergebnis acht Wochen nach dem Kampf erst herauskommt. Auch das Verhalten der World Boxing Association ist seltsam. Andererseits meine ich mich dunkel erinnern zu können, dass es da auch schon mal einen nationalen Verband gab, der ein Dopingvergehen nicht an den internationalen Verband gemeldet hat. Meine Erinnerung kann mich aber auch täuschen.
Sturm, der Hauptbetroffene, zeigte sich geschockt. Es sagte gegenüber einer Boulevardzeitung: „Ich kann beschwören, dass ich wissentlich solch ein Mittel nicht genommen habe.“ Und dann weiter: „Ich bin sicher hundertmal getestet worden, mit Blut und Urin. Nie hat es was gegeben. Ich habe ein absolut reines Gewissen. Ich werde jetzt einen Anwalt nehmen.“
Auch für Profisportler gilt die Unschuldsvermutung und daher sollte man Sturm auch zubilligen, dass er bis zum Beweis seiner Schuld als unschuldig zu gelten hat. Aber gerade das mit dem Beweis ist so eine Sache. Sturm kann natürlich die B-Probe öffnen und analysieren lassen. Aber an wie viele Dopingfälle kann ich mich erinnern, bei denen die B-Probe ein anderes Ergebnis erbrachte als die vorangegangene? – Keinen.
Man kann natürlich auch hingehen, was ziemlich in Mode gekommen ist, und die Genauigkeit der Testverfahren von Urinproben in Frage stellen. Dadurch würde dann jede Dopingprobe zur reinen Makulatur verkommen. Wie gesagt, ich bin kein Spezialist, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass durch eine Blutprobe, die mehr als acht Wochen nach dem Kampf genommen wird, eine verbotene Substanz genauer festzustellen ist als durch eine Urinprobe direkt nach dem Kampf.
Ein Problem jedenfalls scheint sich mir immer wieder zu zeigen: Die verschiedenen Verbände und Länder haben in der Regel nur ein sehr schwaches Interesse daran, überhaupt gegen Doping vorzugehen. Wir erinnern uns an den Fall Fuentes. Solange die Überführten nur Radfahrer waren, wurde fleißig ermittelt und wurden Dopingsünder überführt. Kaum wurde sichtbar, dass auch Fußballer dopen, wurden die Akten schnell versiegelt. Die spanische Justiz wollte offensichtlich keine Beweise gegen Fußballer, schon gar nicht spanische, wahrnehmen.
Der von uns doch so verehrte Trainer von Bayern München Josep „Pep“ Guardiola i Sala war tief in einen Dopingfall verwickelt. 2001 wurde er positiv auf Nandrolon getestet, einem anabolen Steroid. Er wurde sogar für vier Monate (!) gesperrt. 2005 wurde er als erster Spieler wegen Dopings zu einer Haftstrafe von sieben Monaten und einer Geldstrafe von 9.000 Euro verurteilt. Er legte Berufung ein und blieb bis zur Verhandlung in Freiheit. 2009 wurde er dann von sämtlichen Dopingvorwürfen freigesprochen. Interessant finde ich vor allem, dass niemals öffentlich die Frage gestellt wurde, ob man einen Mann, der bis zu den Hüften in eine Dopingaffäre verwickelt war, denn überhaupt als Trainer – als „Vorbild für die Jugend“ – nehmen kann.
Die Dopingskandale im deutschen Profiboxen häufen sich. Es stand oder steht der Verdacht im Raum, dass der Schwergewichtler Erkan Teper (15 Kämpfe, 15 Siege, 10 durch KO) am 17.07.2015 gegen David Price zum zweiten Mal gedopt war.
Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Europameister im Halbschwergewichts Igor Mikhalkin (19 Kämpfe 18 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage) am 12.03.2016 gegen Patrick Bois positiv auf Meldonium getestet worden ist. Das Herz- und Kreislaufmedikament steht seit Anfang des Jahres aber auf der WADA-Liste für verbotene Substanzen. Mikhalkin gibt die Einnahme von Meldonium zu. Gibt aber zu bedenken: „bis vor wenigen Monaten war das ja auch erlaubt und in Russland absolut gängig. Ich habe nicht mitbekommen, dass es inzwischen verboten ist. Ich hatte es sowieso abgesetzt gehabt. Aber offenbar dauert es sehr lange, bis es im Körper komplett abgebaut wird.“ – Mir drängt sich aber die Frage auf: Nur weiß ich nicht, warum man Meldonium überhaupt nehmen sollte, wenn man keine Herz- Kreislaufprobleme hat.
Und nun ist also der Verdacht aufgetaucht, dass Felix Sturm in seinem letzten Kampf gedopt war. Wie schon gesagt, wir glauben natürlich alle, dass Sturm ein sauberer und fairer Sportsmann ist, der nicht dopt. Nichtsdestotrotz haben wir ein massives Dopingproblem im Profiboxen in Deutschland. Wir dürfen gespannt sein, ob die deutschen Verbände das nun auch lösen wollen, z.B. durch Trainingskontrollen und abschreckende Strafen – oder ob sie es aussitzen wollen.
© Uwe Betker

Der Champion der Herzen – Felix Sturm

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Letztens fiel mir ein Lexikon in die Finger. Da war zwischen Champignons, dem beliebten Speisepilz, und Champions League, dem Nachfolger des Europapokals der Landesmeister im Fußball, der Begriff Champion zu finden. Ein Champion ist laut diesem Lexikon: „früher: Kämpfer im Zweikampf, Vorkämpfer; heute: bes. erfolgreicher Sportler, Meister einer Sportart.“ Der Begriff „Champion“ wird oft als Synonym für Weltmeister benutzt, was aber nicht hilfreich ist. Vor allem auch beim Profiboxen gibt es Weltmeister, Junioren Weltmeister, Interims Weltmeister und was weiß ich nicht noch alles. Die WBA verändert ständig die Statuten, die die Vergabe des Titels „Super Champion“ regeln, so dass man gar nicht mehr nachkommt. Wenn ich es noch richtig zusammenbekomme, konnte zuerst nur Super Champion werden, wer auch in einem anderen Verband Weltmeister war. Danach konnte man diesen Titel auch tragen, wenn man den regulären Titel sieben Mal verteidigt hatte. Inzwischen kann man den Titel wohl erst tragen, wenn man in den letzten drei Kämpfen vorher zwei Mal verloren und ein Unentschieden erreicht hat.
Man kann nun natürlich darüber diskutieren, ob und was für ein Weltmeister bzw. Champion Felix Sturm (49 Kämpfe, 40 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden) durch seinen letzten Sieg über Fedor Chudinov (14 Kämpfe, 14 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage) am 20.02.2015 in Oberhausen wurde. Er wäre dann der erste deutsche Fünfachweltmeister. Stichworte wären hier: Super Champion und Statuten der Word Boxing Association.
Man könnte aber auch hingehen und einfach aufhören, immer nur kleinlich auf Einhaltung von Regeln zu pochen, und jetzt mal alles entspannter und positiver sehen. Wieso addieren wir nicht einfach alle Titel von Sturm und fassen sie unter dem Begriff Champion zusammen.
Sturm errang am 08.03.2003 den IBF Youth Titel im Mittelgewicht.
– Einfachchampion.
Sturm wurde am 12.07.2003 WBO Inter-Continental Meister im Mittelgewicht.
– Zweifachchampion.
Sturm wurde am 13.09.2003 Weltmeister der WBO im Mittelgewicht.
– Derifachchampion.
Sturm wurde am 18.09.2014 WBO Inter-Continental Meister im Mittelgewicht.
– Vierfachchampion.
Sturm wurde am 11.03.2006 Weltmeister der WBA im Mittelgewicht.
– Fünfachchampion.
Sturm wurde am 28.04.2007 erneut Weltmeister der WBA im Mittelgewicht.
– Sechsfachchampion.
Sturm absolvierte am 04.09.2010 seinen ersten Kampf als Super Champion der WBA im Mittelgewicht.
– Siebenfachchampion.
Sturm wurde am 07.12.2013 Weltmeister der IBF im Mittelgewicht.
– Achtfachchampion.
Sturm wurde am 20.02.2015 durch einen Sieg in einem Boxkampf erneut Super Champion der WBA!
– Neunfachchampion.
Man könnte natürlich in der obigen Liste das Nomen Weltmeister suchen und zählen, wie oft es vorkommt, um herauszubekommen, wie häufig Felix Sturm denn nun Weltmeister war. Damit würde man sich aber dem Verdacht aussetzen kleinlich, regelversessen und neidisch zu sein. Man kann aber auch zu Recht sagen, dass Adnan Catic ein Neunfachchampion ist.
Wenn man sich aber die Reaktionen nach dem großartigen und unumstrittenen Sieg in Sturms Rückkampf gegen Chudinov ansieht, dann kommt man nicht umhin festzustellen: Felix Sturm ist der Champion der Herzen.
(C) Uwe Betker