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Mülheimer Nachlese (1)

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Die Veranstaltung von Sauerland Event vom 12.02.2011 in Mülheim an der Ruhr ist vorbei. Die Kommentare im Fernsehen sind gesprochen, die Berichte für die Internetseiten sind gepostet und die Journalisten von den Tageszeitungen haben ihre Berichte und Analysen den Redaktionen geschickt. Mit ein wenig zeitlichem Abstand können wir uns nun einer näheren Betrachtung widmen.

1. Kampf im Halbschwergewicht über 4 Runden: Valerijs Rogozins (Lettland) vs. Erik Skoglund (Schweden): Sieger Skoglund durch technischen KO in der ersten Runde
Der Kampf war schon zu Ende, bevor er überhaupt richtig angefangen hatte. Erik Skoglund (jetzt 5 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO) soll aufgebaut werden. Alles lief nach Plan. Der komplett überforderte Rogozins (jetzt 5 Kämpfe, 1 Sieg, 4 Niederlagen, 3 durch KO), von dem man schon den Eindruck bekommen konnte, dass er überhaupt nicht boxen kann, ging erwartungsgemäß auf die Bretter. Skoglunds Ego und Kampfrekord wurde aufgebaut. Das war ja auch Sinn und Zweck dieser sportlichen Übung. Solche Sieger sind nicht immer schön mit anzusehen, aber sie sind absolut legitim und auch wichtig am Anfang einer Karriere.
2. Kampf im Schwergewicht über 8 Runden: Samir Kurtagic (Serbien) vs. Francesco Pianeta (Deutschland): Sieger Pianeta (einstimmig) nach Punkten
Diese Begegnung war ein ziemliches Gewürge. Samir Kurtagic (jetzt 11 Kämpfe, 9 Siege, 7 durch KO, 2 Niederlagen) entpuppte sich als zäher Bursche, der der Schwergwichtshoffnung aus Gelsenkirchen Francesco Pianeta (jetzt 23 Kämpfe, 22 Siege, 13 durch KO, 1 Unentschieden) das Leben schwer machte. Der Serbe boxte sehr offen oder zum Teil ohne Deckung. Pianeta wirkte auf mich uninspiriert und zum Teil sogar hilflos. Hinzu kommt, dass einfach nicht zu übersehen ist, dass er keinen Punch hat. Es war, obwohl ein unattraktiver Kampf, interessant. Interessant war nämlich, welch große Schwierigkeiten die Nummer 13 mit der Nummer 385 in der Welt hatte.
3. Kampf im Halbschwergewicht über 8 Runden: Christian Cruz (USA) vs. Karo Murat (Deutschland): Sieger Murat (einstimmig) nach Punkten
Karo Murat (jetzt 24 Kämpfe, 23 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) soll nach seiner Niederlage in dem WBO Eliminator gegen Nathan Cleverly (18.09.2010) wieder aufgebaut werden. Daher setzte man ihm hier mit Christian Cruz (jetzt 25 Kämpfe, 12 Siege, 10 durch KO, 11 Niederlagen, 5 durch KO, 1 Unentschieden) auch einen Aufbaugegner vor. Mir gefiel Murats Arbeit mit der Führhand, sein systematisches Arbeiten und seine Kombinationen. Mir drängte sich im Verlauf des Kampfes der Eindruck auf, als ob Murat über die Distanz gehen wollte. Erst im letzten Durchgang versuchte er sein Gegenüber vorzeitig zu besiegen. In den vorangegangenen Runden hatte es dafür allerdings auch schon Möglichkeiten gegeben.
4. Kampf im Halbschwergewicht über 8 Runden: Oleksandr Cherviak (Ukraine) vs. Eduard Gutknecht (Deutschland): Sieger Gutknecht (einstimmig) nach Punkten
Für mich war der Kampf von Eduard Gutknecht (jetzt 21 Kämpfe, 20 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage) die Enttäuschung des Abends. In seinem ersten Auftritt für Sauerland Event gegen Oleksandr Cherviak (jetzt 11 Kämpfe, 9 Siege, 1 durch KO, 2 Niederlagen) überzeugte er mich überhaupt nicht. Offensichtlich ist ihm der Wechsel von Veranstalter und Trainer doch nicht ganz so reibungslos verlaufen, wie er uns glauben machen will. Wie soll ich es mir denn sonst erklären, dass bei einem solch erfahrenen Boxer mehrfach beim Nachsetzen Schrittfehler zu sehen waren, die man sonst eher nur bei Anfängern sieht. Ich muss gestehen, der Kampf hat mich gelangweilt.
An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich den Ringrichter Ingo Barrabas loben. Er hat immer wieder am Abend eine absolut souveräne Leistung gezeigt. Besonders positiv fiel mir auf, dass er mehrfach Kämpfe zu Recht weiter laufen ließ, die andere seiner Kollegen abgebrochen hätten, um dem Heimboxer einen vorzeitigen Sieg zuzuschanzen. Respekt!
© Uwe Betker

Der Traum eines jeden Veranstalters (1)

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Jeder Veranstalter von Profiboxkämpfen träumt von einem Schwergewichtsweltmeister. Ein Schwergewichtsweltmeister verspricht Geld, viel Geld, noch mehr Geld – und zudem noch ein gerüttelt Maß an Aufmerksamkeit. Daher setzten die deutschen Promoter immer mehr auf das Schwergewicht, so auch der hamburger Boxstall Universum Box-Promotion. Seltsam ist es schon, dass eine Europameisterschaft, die in anderen Gewichtsklassen meist von wenig Interesse ist, im Schwergewicht gleich zum Hauptkampf des Abends wird.
Titelverteidiger ist der in Yevpatoriia/Ukraine geborene Oleksandr Dymytrenko alias Alexander Dimitrenko, der seit kurzem die deutsche Staatsangehörige hat. Als Deutscher muss er, laut seinem Promoter, natürlich „der zweite deutsche Weltmeister im Schwergewicht nach Max Schmeling werden.“ Bevor Dimitrenko (31 Kämpfe, 30 Siege, 20 durch KO, 1 Niederlage) seine Kräfte mit den Weltmeistern Wladimir Klitschko (IBF und WBO), Vitali Klitschko (WBC) oder David Haye (WBA) messen darf, soll er nun am 04.12.2010 in Schwerin um den EBU-Titel boxen. Hätte er seinen vorletzten Kampf (04.07.2009), einen WBO Eliminator, nicht gegen Eddie Chambers nach Punkten verloren, hätte er schon gegen Wladimir Klitschko einen WM-Kampf bestreiten können. So aber musste er sich erneut hinten anstellen.
In seinem letzten Kampf, dem ersten nach der Niederlage, gewann er zwar durch TKO in Runde 5 und er wurde damit auch Europameister, jedoch konnte er mich nicht überzeugen. Dafür waren sowohl er selbst wie auch sein ukrainischer Gegner Yaroslav Zavorotnyy (19 Kämpfe, 14 Siege, 12 durch KO, 5 Niederlagen, 2 durch KO) einfach zu schwach. Da ist sein jetziger Pflichtherausforderer schon ein anderes Kaliber. Albert Sosnowski (50 Kämpfe, 46 Siege, 28 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) aus Polen ist, wie man unschwer an seinen Kampfrekord sehen kann, kein Schlechter. Er erreichte gegen den für Sauerland Events boxenden Francesco Pianeta ein Unentschieden, was für den Deutsch-Italiener recht schmeichelhaft war. Hiernach besiegte er Paolo Vidoz (18.11.2009) nach Punkten und verlor anschließend gegen Vitali Klitschko (29.05.2010) durch KO in Runde 10. In der unabhängigen Weltrangliste wird er auf Position 18 geführt, was wohl eine realistische Einschätzung ist. Dimitrenko steht auf Position 11.
Die Meinungen der Experten zu dem bevorstehenden Kampf gehen relativ weit auseinander. Die einen gehen davon aus, dass Dimitrenko relativ leichtes Spiel haben wird. Er ist seinem polnischen Gegenüber an Technik, Kraft, Körpergröße und Reichweite weit überlegen. Die anderen halten dem allerdings entgegen, dass er genau diese Vorteile aber gar nicht nutzen könnte, und dementsprechend würde ein harter und knapper Punktsieg herauskommen.
Ob Dimitrenko zurzeit wirklich eine Chance hat, einen der Weltmeister zu schlagen, sei dahin gestellt. Es steht jedoch für mich außer Frage, dass es mir lieber ist, einen guten Europameisterschaftskampf zu sehen, als einen von diesen vielen langweiligen und einseitigen Weltmeisterschaftskämpfen. Bleibt zu hoffen, dass die Rückbesinnung auf EMs nicht nur dem Traum eines jeden Veranstalter geschuldet ist, d.h. nicht nur auf das Schwergewicht beschränkt bleibt.
© Uwe Betker