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Homerisches Gelächter

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Am letzten Wochenende wünschte ich mir, ich hätte die Fähigkeit in ein homerisches Gelächter einstimmen zu können, in jenes unauslöschliche laute Gelächter, das nicht enden will. Aber leider können dies nur die Götter, und so habe ich nur herzhaft gelacht. Anlass hierfür waren drei Kämpfe am letzten Wochenende.
Die in Kolumbien geborene Norwegerin Cecilia Braekhus verteidigte erwartungsgemäß ihre drei WM-Gürtel im Weltergewicht. Sie gewann durch KO in Runde 3. Ihre Gegnerin, oder soll man sagen ihr Opfer, war die Serbin Eva Halasi. Halasi hatte sich für diesen WM-Kampf dadurch qualifiziert, dass die sechs Gegnerinnen, die sie besiegt hat, insgesamt nur vier Kämpfe absolviert hatten. Immerhin war Halasi die Nummer 30 der unabhängigen Weltrangliste. Sie hat in der besagten Rangliste genauso viele Punkte wie alle Boxerinnen, die hinter ihr platziert sind, nämlich 0.
Es war zu lesen, dass „Braekhus erneut eine starke Leistung“ gezeigt, dass sie „gegen eine unbequeme Gegnerin“ geboxt und dabei „ihre Sache gut gemacht“ hätte. Ich frage mich nun unwillkürlich, wie stark wohl dann eine Gegnerin sein muss, die eventuell einen Punkt für ihre vorangegangenen Kämpfe bekommen hat? Oder gar – ich wage es kaum zu denken – eine mit zwei Punkten? Ein Gedanke, der mich sehr erheitert.
Auch Robert Stieglitz verteidigte seinen WBO-Titel im Super Mittelgewicht. Er tat sich schwerer als Braekhus, aber sein Gegner Enrique Ornelas (Mexiko) hatte auch ein paar Punkte mehr und war dementsprechend stärker. Stieglitz gewann nach Punkten, obwohl sein Trainer Torsten Schmitz sich von Sauerland Event hatte abwerben lassen, so dass sein Schützling nur wenige Tage vor seinen WM-Kampf alleine zurück blieb. Das vermutliche Kalkül von Sauerland Event, Stieglitz und dessen Veranstalter Sport Events Steinforth (SES) zu schädigen, ging nicht auf. Das ließ mich schmunzeln.
Das Debüt des schon angesprochene Torsten Schmitz verlief dagegen etwas anders, als er und sein neuer Arbeitgeber es sich vorgestellt hatten. Der bis dahin in seinen acht Kämpfen ungeschlagene Cruisergewichtler Lukas Schulz verlor nämlich prompt mit seinem neuen Mann in der Ecke durch TKO in der sechsten Runde. Man könnte es als eine Ironie der Box-Geschichte auffassen, dass der Gegner, gegen den Schulz verlor, ausgerechnet Serdar Sahin war. Sahin ist nämlich ein Boxer von Ulf Steinforth, genau von jenem Steinforth von SES, dem …
Wenn es so etwas wie einen Boxerolymp geben sollte, und wenn dort Boxgötter leben, so haben sie wohl am Wochenende ihr homerisches Gelächter erklingen lassen.
© Uwe Betker

Die Chuzpe von Vitali Klitschko

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Die Chuzpe, mit der Vitali Klitschko seinen neuen Gegner ausgesucht hat, nötigt einem schon Respekt ab. Am 16.10.2010 kämpft er, wobei man sich schon fragen kann, ob kämpfen hier das richtige Wort ist, gegen Shannon Briggs. Denkbare andere Vokabeln sind: Schlachtet ab, schlägt KO, verprügelt, demütigt, führt vor und spielt mit usw. Satzkonstruktionen mit dem Verb „aufführen“ und einem oder mehreren Substantiven wie „Schmierenkomödie“, „Groteske“, „Boulevardtheater“, „Laientheater“ u. ä. wären wohl auch passend.
Briggs war vor 12 Jahren einmal ein guter Boxer. Damals verlor er seinen WM-Kampf gegen den großen Lennox Lewis. Es folgte 2006 der Gewinn des WBO-Titels, den er aber dann in der ersten Titelverteidigung sofort wieder verlor. Dann legte er eine 1 ½-jährige Pause ein, nach der er vier Kämpfe gegen, nennen wir sie mal „Aufbaugegner“, absolvierte. Und dies soll ihn nun dazu qualifiziert haben, gegen einen der beiden besten Boxer im Schwergewicht antreten zu dürfen.
Shannon Briggs ist zurzeit die Nummer 76 der unabhängigen Weltrangliste. Lässt man Vitalis Bruder Wladimir außen vor, gibt es 74 Boxer, die vermutlich alle besser sind als er. Vor Briggs stehen z.B. Timo Hoffmann (Nr. 66) und Manuel Charr (Nr. 37) und Odlanier Solis (Nr. 17) die alle schon laut und vernehmlich den Wunsch geäußert haben, gegen einen der Klitschkos zu boxen. Auch wenn der sportliche Wert eines Hoffmann-Klitschko-Kampfes nicht sehr hoch anzusiedeln ist, so ist er doch immer noch höher einzuschätzen als der des jetzt anstehenden Kampfes.
Man kann sich fragen, wieso sich Vitali Klitschko gerade einen so schwachen und hoffnungslos unterlegenen Mann als Spielkameraden ausgesucht hat. Nun ist ja bekannt, dass einige der möglichen Gegner tatsächlich alles tun, um nicht gegen einen der Klitschkos anzutreten. Dennoch bleibt es in der Verantwortung der Klitschkos, gerade weil sie sich ja auch selber managen, halbwegs angemessene Gegner zu finden. Das sollte ihnen schon der Respekt gegenüber dem WM-Titel gebieten. Es ist aber auch eine Frage des Respekts vor dem Publikum, von dem sie doch immerhin sehr gut leben. Zwar ist zu befürchten, dass die Halle in Hamburg ausverkauft und die Einschaltquoten wieder sehr gut sein werden, einfach weil die Zuschauer in erster Linie ein Event und keinen sportlichen Wettkampf sehen wollen, so sollte Vitali Klitschko aber doch schon etwas mehr Gegenleistung für sein Geld bieten.
Dem Publikum Shannon Briggs als Gegner für Vitali Klitschko zu präsentieren, kann man Chuzpe nennen. Chuzpe heißt auch Frechheit, Dreistigkeit und Unverschämtheit.

(C) Uwe Betker