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Quo vadis Sauerland Event? (1)

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Der berliner Veranstalter von Profiboxveranstaltungen, Sauerland Event, ist wohl in ein gefährliches Fahrwasser gekommen. Bis vor kurzem gab es in Deutschland zwei große Promoter, die für das Boxen Made in Germany standen: Sauerland Event und Universum Box-Promotion. Beide hatten ein eigenes Profil und standen sich in z. T. erbitterter Rivalität gegenüber. Mit dem Verlust des TV-Vertrages beim ZDF und einem Großteil seiner Boxer scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann Universum seine Pforten schließt, zumal Universum wohl auch nicht über ein tragfähiges Alternativkonzept verfügt. Sauerland Event ist also aktuell „der“ deutsche Veranstalter.
Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen, dass diese unumschränkte Machtposition ihnen nicht gut tut. Es machte immer die Qualität des Sauerland Stalls aus, dass sie sich bemühten, besser zu sein als ihre Konkurrenz – ein Konzept, das über die Jahre auch weitestgehend aufgegangen ist. Nun aber haben sie keine Konkurrenten mehr und das, so scheint mir, ist inzwischen auch zu spüren.
Das „weihnachtliche Geschenk“ der beiden, wie ich finde, unsäglichen Punktrichter Lahcen Oumghar und Manuel Oliver Palomo, die aus einem mir unerfindlichen Grund heraus wohl zu den ganz wenigen auf der Welt gehören, die ernsthaft meinen, Muamer Hukic, genannt Marco Huck, hätte Denis Lebedev am 18.12.2010 in Berlin besiegt. Überschattet wurde dieses Fehlurteil schon im Vorfeld durch üble verbale Entgleisungen des WBO-Weltmeisters im Cruisergewicht, die von seinem Veranstalter geduldet scheinen. Das muss man wohl als Stilbruch beim Sauerland Stall ansehen.
Dieser Stilbruch scheint inzwischen ins Bild zu passen. Ich möchte an jene unwürdigen Szenen nach dem Kampf von Sebastian Sylvester und Roman Karmazin (05.06.2010) erinnern, bei denen es unlängst sogar zu Handgreiflichkeiten kam. Die nachträgliche Änderung eines Punktzettels war wohl rechtens, die dann zu dem umstrittenen Unentschieden und damit zur Titelverteidigung von Sylvester führte. Ein Punktrichter musste nachträglich die Wertung einer Runde ändern. Zunächst hatte er sie Unentschieden gewertet, was er aber seit kurzem aufgrund einer Regeländerung der IBF nicht mehr durfte. Er gab die Runde dann Sylvester, der dadurch Weltmeister der IBF im Mittelgewicht blieb. Gleichzeitig hinterlässt dieser Vorgang doch ein „Geschmäckle“.
An dieser Stelle sei noch ausdrücklich der amerikanische Punktrichter Matthew Podgorski erwähnt, bei dem man schon fast den Eindruck bekommen konnte, dass er die Punktzettel schon vor dem Kampf ausgefüllt hat. Wie sonst ist zu erklären, dass er als der vermutlich einzige Mensch auf dieser Welt Sylvester mit einem derart großen Vorsprung (117:111) siegen sah – noch ein Punktrichter, den ich nicht mehr am Ring sehen möchte.
Ich halte diese Häufung von „umstrittenen“ Punktrichter-Entscheidungen für bedenklich. Für besorgniserregend halte ich es jedoch, wie Sauerland Event damit umgeht. Anstatt einen unmittelbaren Rückkampf anzusetzen meint der Veranstalter aber offensichtlich, es aussitzen zu können. Dies gründet sich dann wohl auf die Hoffnung, Zuschauer würden schon vergessen, was passiert ist. Vielleicht hoffen sie aber auch, dass der Gegner, gegen den der eigene Mann so schlecht aussah, gegen einen anderen verliert und damit aus dem Weg ist, wie es Karmazin erging. In meinen Augen ist eine solche Haltung ein fundamentaler Fehler. Durch das Aussitzen wird nämlich nur der Eindruck erweckt oder verfestigt, dass im Boxen sowieso betrogen wird. Das kann aber doch nicht im Sinne eines Promoters sein. Sauerland sollte sich schon überlegen, ob es nicht sinnvoll ist, das Risiko einzugehen, einen schwachen Weltmeister in einem Rückkampf vielleicht verlieren zu sehen, dafür aber seine Glaubwürdigkeit zu erhalten. Schließlich war genau dies – Glaubwürdigkeit – einer der Hauptunterschiede zwischen Sauerland und Universum.
© Uwe Betker