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Rezension: „Old Holborn Book of Boxing“, herausgegeben von Peter Wilson

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Das Internet verleitet mich manchmal zu blinden Bücherkäufen. Bei meinen Ausflügen im Internet stieß ich so auf eine Anzeige, in der nur ein schlechter Scan vom Cover zu sehen war. Kein Autor wurde genannt, keine Inhaltsangabe gegeben – nichts. Aber das Kaufrisiko war gering. Inklusive Versand sollte das Buch weniger als eine Packung Zigarettentabak kosten – und dabei rauche ich seit einer kleinen Ewigkeit schon nicht mehr.
Das Exemplar des „Old Holborn Book of Boxing“, das ich bekam, war ein vergilbtes Taschenbuch, 160 Seiten stark und auf relativ schlechtem Papier gedruckt. In der Mitte finden sich auf 16 Seiten aus glattem und dickem Papier sogar Fotos; sie füllen jeweils eine Seite, einige sind sogar in Farbe. Es ist zu vermuten, dass dieses Buch nicht über den Buchhandel vertrieben wurde. Man findet auch keinen aufgedruckten Preis. Offenbar war es Teil einer Werbekampagne für die englische Zigarettentabakmarke „Old Holborn“. Dem Inhalt ist zu entnehmen, dass es 1969 erschien ist. Der Herausgeber ist Peter Wilson, der auch viele der Texte selber geschrieben hat. Nun muss man wissen, dass Wilson von Mitte der 30er Jahre bis in die 70er Jahre hinein im Daily Mirror über Boxen schrieb. Und wie er schrieb!
Das Buch beginnt mit einer kurzen Einleitung, die einen kurzen Abriss der Geschichte des Boxens präsentiert. Es folgt ein Abschnitt mit dem Titel „Twelve fights I shall never forget“. Hier beschreibt Wilson und/oder erzählt zwölf Kämpfe nach, bei denen er selbst am Ring saß und die für ihn aus ganz verschiedenen, zum Teil sehr subjektiven Gründen, unvergesslich waren:
Rocky Marciano vs. Jersey Joe Walcott (23.09.1952)
Joe Louis vs. Max Schmeling II (22.06.1938)
Sonny Liston vs. Floyd Patterson I (25.08.1962)
Cassius Clay vs. Cleveland Williams (14.11.1966)
Archie Moore vs. Yvon Durelle II (12.08.1959)
Sugar Ray Robinson vs. Joey Maxim (25.06.1952)
Sugar Ray Robinson vs. Carmen Basilio (23.09.1957)
Henry Armstrong vs. Ernie Roderick (25.05.1939)
Ike Williams vs. Ronnie James (04.09.1945)
Sand Saddler vs. Ray Famechon (25.10.1954)
Eder Jofre vs. Johnny Caldwell (18.01.1962)
Benny Lynch vs. Peter Kane (13.10.1937)
Wie Wilson schreibt, ist schon wirklich beeindruckend. Er ist ein großer Könner der Boxjournalistik. Diese zwölf Beschreibungen der Kämpfe sind mit das Beste, was ich an Kampfberichten je gelesen habe. – Einfach nur großartig. Wenn man sich an Begriffen, die heute nicht mehr politisch korrekt sind, nicht stößt, entdeckt man einen Großmeister des Sportjournalismus. Seine Sprache ist schön, klar, präzise und manchmal sogar poetisch.
Es folgt eine Portraitgalerie der Britischen Meister, unter ihnen Henry Cooper, der auch das Cover ziert, Ken Buchanan und Alan Rudkin. – Gibt es heute einen Verband in Deutschland, der in allen Gewichtsklassen Meister hat?
Es gibt einen großen Artikel über Jimmy Wilde, der im Erscheinungsjahr gestorben ist. Wilde, the Mighty Atom, war einer der besten Fliegengewichtler aller Zeiten. Das Büchlein enthält noch ein Box-Quiz, einen Artikel übers Amateurboxen, gefolgt von Kurzportraits aller amtierenden britischen Amateurmeister. Hinzu kommen Artikel über Veranstalter, über die Geldanlagen erfolgreicher Boxer, Frauen im Boxen, Henry Cooper, Cutmen, Ringrichter und ein Foto-Quiz.
Den Abschluss bildet eine Liste der Weltmeister von 1872 bis 1969. Wobei die amtierenden Weltmeister (Muhammad Ali, Joe Frazier, Jimmy Ellis, Bob Foster, Nino Benvenutti, Curtis Cokes, Amando Ramos, Johnny Famechon, Lionel Rose, Efren Torres) noch jeweils in einem Kurzportrait vorgestellt werden. Zum Schluss erfahren wir dann noch die Auflösung des Bilderquiz.
„Old Holborn Book of Boxing“, herausgegeben von Peter Wilson = 160 Seiten voll Spaß und Unterhaltung. Wo bekommt man für weniger als eine Packung Zigarettentabak noch so viel geboten? Nur im Internet.
© Uwe Betker

Henry Cooper bekommt ein Denkmal

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Auch fünf Jahre nach seinem Tod ist der große englische Schwergewichtler Henry Cooper (* 3. Mai 1934 in London; † 1. Mai 2011 in Oxted, Surrey) noch unvergessen. Zur Legende wurde Cooper (55 Kämpfe, 40 Siege, 27 durch KO, 14 Niederlagen, 8 durch KO, 1 Unentschieden) durch seinen Kampf am 18. Juni 1963 im Wembley-Stadion gegen den späteren Weltmeister Cassius Clay. In der vierten Runde streckte er Clay in diesem Kampf mit einem schönen linken Haken zum Kinn nieder. Der Gong rettete Clay vor dem Auszählen. Und dann kam die sagenumwobene Geschichte mit Clays geplatztem Handschuh, der ausgewechselt werden musste. In der fünften Runde wurde Cooper aufgrund von Platzwunden aus dem Kampf genommen. Cooper war anfällig für Cutverletzungen, besonders an den Augenbrauen.
Cooper boxte Profikämpfe u. a. gegen Ingemar Johansson, Hans Kalbfell, Heinz Neuhaus, Erich Schöppner, Zora Folley, Brian London, Floyd Patterson – und zweimal gegen Muhammad Ali. Er war ein Gentleman durch und durch, der sehr viel Zeit und Energie für karitative Projekte aufwendete. Im Jahre 2000 wurde Cooper von Königin Elisabeth II. in den Ritterstand erhoben.
Nun gibt es eine Initiative der London Ex-Boxers Association, die Geld für ein Cooper Denkmal sammeln will. Das Denkmal soll im Stadtteil Bellingham errichtet werden, in dem Cooper aufwuchs und das Boxer erlernte.
Ich frage mich, warum gibt es kein Denkmal für Max Schmeling in Berlin, für Peter Müller in Köln und für Rukeli Trollmann in Hannover? Und wie wäre mit einem Max Schmeling Museum es in Hollenstedt?
© Uwe Betker

Die ultimativ subjektive Liste 2016

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Boxer des Jahres
Tyson Fury (25 Kämpfe, 25 Siege, 18 durch KO) boxte 2016 nicht. Er hatte mit psychischen Problemen, Drogen, Alkohol und einem positiven Dopingtest zu tun. Der Weltmeister der WBO und Super Champion der WBA verlor kampflos seine Titel. Aber immer war er in den Medien präsent. Wir dürfen gespannt sein, ob er den Weg zurück in den Ring findet.
Boxer des Jahres (ehrenhalber)
Die Liste der Boxer, die einen zu hohen Preis für ihr Tun bezahlen, wird immer länger. Erst war es Alexander Mengis, der nach seinem Kampf am 23. Mai 2013 in Berlin ins Koma fiel. Nun kam am 18. November 2016 Eduard Gutknecht hinzu. Boxfans, Manager, Veranstalter und Journalisten vergessen gerne, dass Boxen gefährlich ist. Alexander Mengis und Eduard Gutknecht sind die Boxer des Jahres 2016 ehrenhalber.
Boxerin des Jahres
2016 sah ich in Deutschland keine Boxerin, die diesen Titel verdient hätte.
KO des Jahres
Marek Jedrzejewski (11 Kämpfe, 11 Siege, 10 durch KO) boxte am 05.11.2016 in Plettenberg um den Titel des GBU Europameisters im Super Federgewicht. Dabei traf er auf Manuel Buchheit (9 Kämpfe, 8 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO). Jedrzejewski boxte überlegt und kontrolliert bis in die letzte Runde. Dann stellte Jedrzejewski Buchheit an den Seilen und deckte ihn mit Links-rechts-Kombinationen zum Kopf ein. Buchheit stürzte KO durch die Seile auf den Tisch der Offiziellen.
Schlechteste Veranstaltung des Jahres
Alle Veranstaltungen von großen Promotern, die das Geld nicht wert waren, das die Fernsehsender und die Zuschauer an den Kassen bezahlt haben.
Feiglinge des Jahres
Zwei Schläger bedrohten im Rahmen der Veranstaltung am 04. Dezember in Hamburg den renommierten Boxsportjournalisten Per Ake Persson. Ein Boxer oder eine Boxerin fühlte sich wohl von Persson nicht nett genug behandelt. Der Boxer oder die Boxerin hat erst einmal ein intellektuelles Problem, weil er oder sie meint, Journalisten hätten Hofberichterstatter zu sein. Zum anderen scheint er oder sie auch feige zu sein, weil er oder sie nicht das Gespräch gesucht hat.
Rookie des Jahres
Ein 32-jähriger Boxer soll ein Rookie sein? Ja. Der Schwergewichtler Patrick Korte hat bis jetzt nur 8 Profikämpfe bestritten. Er ist ein Spätberufener. Aber als Typ ist er interessant und als Boxer viel versprechend. Den Rest wird die Zukunft zeigen.
Überschätzter Boxer des Jahres
Erkan Teper (17 Kämpfe, 16 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage) hat am 15.10.2016 in Christian Hammer seinen Meister gefunden. Der Schwergewichtler war und ist die Hoffung von Z!-Promotion. Inwieweit Teper die in ihn gesetzten Hoffnungen aber erfüllen kann, wird sich zeigen.
Überschätzte Boxerin des Jahres
Es gibt sie, aber ich will sie hier nicht mit einer Nennung ehren.
Ringrichter des Jahres
Drei Ringrichter sind mir sehr positiv aufgefallen: Goran Filipovic vom BDB, Thomas Hackenberg von der GBA und Alexander Plumanns von dem FVA.
Absteiger des Jahres (männlich)
Alexander Zastrow und Boris Zastrow, die Besitzer von Z!-Promotion wollten von Deutschland aus das Schwergewichtsboxen erobern. Sie holten sich Hagen Döring als Mastermind, Oktay Urkal als Trainer und drei Schwergewichtler, Erkan Teper, Christian Lewandowski und Franz Rill. Die Dopingskandale um Erkan Teper wurden ausgesessen. Dann kam aber noch der 15.10.2016 und alle drei Schwergewichtler verloren. Lewandowski und Urkal verloren wohl sogar ihren Vertrag. Unbeschädigt blieb nur ein Nicht-Schwergewichtler, nämlich der Weltergewichtler Timo Schwarzkopf (17 Kämpfe, 16 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage).
Absteiger des Jahres (weiblich)
Maria Lindberg (19 Kämpfe, 15 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage, 2 Unentschieden) ist die Nummer sechs im Super Weltergewicht. Dennoch boxte sie in ihrem letzten Kampf am 04. Dezember in Hamburg gegen eine Debütantin, Selma Music aus Kroatien.
Aufsteiger des Jahres
Felix Sturm (48 Kämpfe, 40 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden) ist aufgestiegen in den Sportolymp, u. z. in den, in dem schon die Großen Lance Armstrong, Ben Johnson und Jan Ullrich sind. Wie vermutlich bei all den oben Genannten enthielten auch die Körperausscheidungen von Sturm Substanzen, die dort nicht hinein gehören.
Aussteiger des Jahres
Der BDB ist zum zweiten Mal von der EBU in ihrer Mitgliedschaft herabgestuft worden. Grund war wohl jeweils der Umgang des BDBs mit Doping. Man könnte die Informationspolitik des BDB gegenüber der EBU als Ausstieg aus der EBU verstehen.
Veranstalter des Jahres
Der Veranstalter des Jahres ist eine Frau, um es noch präziser zu sagen, eine sehr junge Frau. Die erst 14 Jahre alte Ranee Schröder, stellte am 18.12.2016 in Bielefeld einen Box-Frühschoppen auf die Beine. Und es war eine richtig gute Veranstaltung. Ranee Schröder ist wohl der/die jüngste Boxpromoter/in der Welt sein. Hoffen wir, dass sie weiter macht.
Veranstaltung des Jahres
Christoph Jan Jaszczuk (First Punch Boxpromotion) stellte am 05.11.2016 in Plettenberg eine großartige Veranstaltung auf die Beine. Es gab einfach nur richtig gutes Boxen zu sehen. Im Hauptkampf des Abends wurde Marek Jedrzejewski (11 Kämpfe, 11 Siege, 10 durch KO) GBU Europameister im Super Federgewicht.
Boxevent des Jahres
Gab es überhaupt ein gutes großes Boxevent 2016?
Fehlentscheidung des Jahres
Felix Sturm (48 Kämpfe, 40 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden) gewann am 20.09.2016 seinen Rückkampf gegen Fedor Chudinov (15 Kämpfe, 14 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage). Das wenigstens sahen die Punktrichter Jean-Louis Legland (115:113), Giuseppe Quartarone (115:113) und Ignacio Robles (114:114). Die meisten Boxfans allerdings, sofern sie nicht gerade Felix Sturm Fans waren, sahen das wohl anders.
Trainer des Jahres
Kai Gutmann aus Lemgo hat mit zwei Boxerinnen das Frauenboxen in Deutschland aufgemischt und bereichert: Beke Bas (7 Kämpfe, 7 Siege, 5 durch KO) und Leonie Giebel (11 Kämpfe, 10 Siege, 1 durch KO, 1 Unentschieden).
Entgleisung des Jahres
Doping fängt an, das Profiboxen in Deutschland zu zerstören. Erkan Teper, Felix Sturm und Alexander Povetkin sind 2016 im Zusammenhang mit Doping in Erscheinung getreten. Aber das interessiert offenbar keinen, am wenigsten die Verbände, deren Strafen für Doping nach wie vor geradezu lächerlich sind.
Boxkampf des Jahres (männlich)
Der Kampf zwischen Milos Janjanin und Atilla Kayabasi um den WBU International Titel im Super Leichtgewicht am 21.05.2016 in Dorsten, im Rahmen der zweiten Assassin Fighting Championship. Beide gingen von der ersten Sekunde an ein unglaublich hohes Tempo. Ein Schlagabtausch folgte auf den nächsten. In der sechsten Runde zog sich Kayabasi einen stark blutenden Cut über dem rechten Auge zu. Danach verwandelte sich der klasse Kampf in eine geradezu epische Ringschlacht, die Atilla Kayabasi schließlich nach Punkten für sich entscheiden konnte.
Boxkampf des Jahres (weiblich)
Es fand kein wirklich großer in Deutschland statt, oder ich habe weder von ihm gehört noch habe ich ihn gesehen.
Comeback des Jahres (männlich)
Markus Bott ist wieder da. Der ehemalige Weltmeister im Cruisergewicht nach Version WBO trainiert seit kurzem Vincent Feigenbutz.
Comeback des Jahres (weiblich)
Habe ich übersehen.
Bester Show Act des Jahres
Troy Afflick, ein unglaublich guter Soulsänger, sang mehrfach beim Box-Frühschoppen von Ranee Schröder in Bielefeld. – Eine super Stimme.
Boxer, der einen WM-Kampf verdient (männlich)
Der Cruisergewichtler Noel Gevor (22 Kämpfe, 22 Siege, 10 durch KO) ist vermutlich der Boxer von Sauerland Event mit dem größten Potential. Er ist WBO International Champion und die Nummer 22 der unabhängigen Weltrangliste.
Boxer, der einen WM-Kampf verdient (weiblich)
Die Super Federgewichtlerin Leonie Giebel (11 Kämpfe, 10 Siege, 1 durch KO, 1 Unentschieden) dürfte reif für eine WM sein. Sie hat zwar keinen richtigen Punch, dafür hat sie aber eine gute boxerische Grundausbildung. Mit ihren 24 Jahren hat sie noch viele Jahre vor sich.
Boxer, der zu Unrecht übersehen wird
Der Schwede Adrian Grant (14 Kämpfe, 14 Siege, 13 durch KO) ist zurzeit der vielversprechendste unter den in Deutschland boxenden Schwergewichtlern. Und er ist erst 25 Jahre alt. D.h. für einen Schwergewichtler ist er noch richtig jung. In der unabhängigen Weltrangliste wird er bereits auf Position 27 geführt.
Boxerin, die zu Unrecht übersehen wird
Die erst 22 Jahre alte Leichtgewichtlerin Beke Bas (7 Kämpfe, 7 Siege, 5 durch KO) ist eine Kriegerin und so boxt sie auch.
Boxkampf, den wir 2017 nicht sehen wollen (männlich)
Laut Internet-Gerüchteküche ist ein Aufeinandertreffen von Felix Sturm (49 Kämpfe, 40 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden) und Arthur Abraham (50 Kämpfe, 45 Siege, 30 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO) geplant. Vor fünf Jahren wäre das ein Weltklassefight gewesen, jetzt, fürchte ich, ginge es nur noch ums Kasse-Machen. Außerdem stellt sich noch eine moralische Frage: Soll man Boxer, die doch wohl des Dopings überführt sind, auch noch mit einer vermutlichen Millionenbörse belohnen?
Boxkampf, den wir 2017 nicht sehen wollen (weiblich)
Es soll da eine Boxerin in Deutschland geben, eine Weltmeisterin, die angeblich in ihren letzten sechs Titelkämpfen, in den letzten drei Jahren, keine Frau mit einem positiven Kampfrekord geboxt hat.
Boxkampf, den wir 2017 sehen wollen (männlich)
Wladimir Klitschko (68 Kämpfe, 64 Siege, 53 durch KO, 4 Niederlagen, 3 durch KO) vs. Anthony Joshua (18 Kämpfe, 18 Siege,18 durch KO) – Eventuell werden wir den Kampf auch zu sehen bekommen, den wir wollen. Der Gewinner dürfte dann der neue oder der alte Herrscher über das Schwergewicht sein.
Boxkampf, den wir 2017 sehen wollen (weiblich)

Bis jetzt kam es immer noch nicht zum Rückkampf zwischen Christina Hammer (21 Kämpfe, 20 Siege, 9 durch KO) und Anne Sophie Mathis (33 Kämpfe, 27 Siege, 23 durch KO, 4 Niederlagen, 12 durch KO). Wir erinnern uns noch mit Entsetzen an Ringrichter Manfred Küchler und daran, dass Hammer den Kampf nicht durch KO verlor. Nun wird es langsam Zeit, denn Mathis ist bereits 39 Jahre alt und sie hat ihren letzten Kampf gegen Cecilia Braekhus durch TKO in Runde 2 verloren.
© Uwe Betker

Written by betker

31. Dezember 2016 at 23:59

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Über den Umgang mit Doping

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Immer wenn ein Dopingfall bekannt wird und ich hier etwas darüber bringe, dann bekomme ich jedes Mal mehr oder weniger dieselben Mails und Kommentare. Inhaltlich geht das immer in die gleiche Richtung. „Lass doch mal gut sein.“ „Das schadet doch nur dem Sport.“ „Alles nicht so schlimm.“ „Das ist eine Kampagne gegen XY.“ Wenn man das dann so liest, könnte man schon auf die Idee kommen, dass Doping doch gar nicht weiter schlimm ist.
Sieht man sich auch mal Lance Armstrong, den unumstrittenen Weltmeister der Doper, an, dann kann man wirklich den Eindruck gewinnen, Doping ist völlig harmlos. Es geht doch nur um ein paar Meter, um ein paar Sekunden, die einer schneller ist als ein anderer. Es kommt nicht wirklich jemand zu Schaden. Und dem Zuschauer ist doch letztlich egal, ob der eine oder andere Fahrer als erstes durchs Ziel fährt.
Die Haltung nahezu sämtlicher Sportverbände der Welt scheint da ähnlich zu sein. Doping ist lästig, aber irgendwie auch nicht schlimm. Kein Deutscher will auch etwas über Doping im Fußball wissen. Unsere Jungs machen so etwas einfach nicht. Die schöne heile Fußballwelt darf nicht kaputt gemacht werden. Die Verbände wollen offenbar auch gar nicht gegen Doping vorgehen.
Das ist ein Standpunkt, den man sich natürlich zu Eigen machen kann. Ist man nicht gerade Fan, dann ist es wirklich egal, ob jemand einen Zentimeter weiter springt, eine zehntausendstel Sekunde schneller ist oder meinetwegen auch, wer Weltmeister wird. O.K. Nur, dass Boxen nicht wie andere Sportarten ist, wo das eben egal ist.
Boxen ist nicht wie andere Sportarten. Beim Boxen geht es, brutal gesprochen, darum, den Gegner mit der Faust gegen den Kopf zu schlagen. Bei diesem Schlag wird das Gehirn nach hinten, also Richtung hintere Schädeldecke, geschleudert. War es ein richtig guter Schlag, dann schießt die Gehirnflüssigkeit, die das Gehirn als Polster umgibt, nach vorn, Richtung Stirn, und das Gehirn prallt ungepolstert an die hintere Schädeldecke. Die Folgen sind kleine und große Gehirnerschütterungen. Die führen zu chronischen und irreversiblen Schäden. Das nennt sich dann CTE (chronisch traumatische Enzephalopathie), Punch Drunken (Dementia pugilistica), Depressionen, Psychosen, Parkinson, völlige Demenz und vorzeitiger Tod.
Beim Boxen geht es also eben nicht um ein paar Zentimeter oder ein paar Millisekunden. Beim Boxen geht es um Leben und Tod. Das bringt die Sache dann auf eine Ebene von Täter und Opfer. Über die Opfer wollen wir aber nicht so gerne reden, womit wir sie zum zweiten Mal zum Opfer machen. Dem Täter, wenn er sich hat erwischen lassen und es nun mal gar nicht anders geht, klopft der Verband dann mal auf die Finger und sperrt ihn für ein paar Monate. Danach macht eben dieser Täter munter weiter, zum Teil dopt er auch weiter. Das haben wir hier in Deutschland wohl schon erlebt.
Stellen wir uns vor: Ein Profiboxer steigt in den Ring. Er ist selbstbewusst. Er ist davon überzeugt, dass es hier darum geht, sein Können und seine Kraft mit einem Gegner zu messen. Der boxt mehr oder weniger in der gleichen Gewichtsklasse und mit gleichen Mitteln, nämlich mit Boxhandschuhen und Bandagen. Wären nur das die Ausgangsbedingungen, so würde bei einem Boxkampf derjenige gewinnen, der härter trainiert hat, der der bessere Boxer ist und der mit seinen Fähigkeiten am besten umgehen kann. Aber das passiert genau nicht, wenn einer der beiden gegnerischen Boxer ein Betrüger ist und gedopt hat.
Schauen wir nun auch auf die Opfer und nicht auf die Täter. Schauen wir auf den Fall David Price. Price galt 2012 als der kommende Schwergewichtler. Er war der ungeschlagene britische Meister und Commonwealth Meister. Dann traf er im Februar 2013 auf Tony Thompson, der seinen letzten Kampf gegen Wladimir Klitschko verloren hatte. Price nahm in der zweiten Runde eine Rechte zum Kopf, ging runter und kam wieder hoch. Aber der Ringrichter nahm ihn aus dem Kampf. Dies war die erste Niederlage für Price.
Direkt in seinem nächsten Kampf, am 06.07.2013, wollte Price die Scharte auswetzen und trat erneut gegen Thompson an. Price schlug seinen Gegner in der zweiten Runde zu Boden. Nun suchte er den KO. Auch in der dritten Runde standen beide Kontrahenten Fuß an Fuß und deckten sich mit Schlägen ein. Price wurde müde, Thompson nicht. Ende der fünften Runde ging Price zu Boden, nachdem er mehrere Körperhaken und einen Aufwärtshaken nehmen musste. Und das war dann auch das Ende des Kampfes. Thompson war in diesem Kampf gedopt.
Man kann sagen: Price ging KO, weil Thompson ein Betrüger ist und gedopt war. Das hilft aber dem Boxer nicht, der die Niederlage verkraften muss. Er wechselte zu Sauerland und gewann vier Kämpfe in Folge. Dann traf er am 17.07.2015 auf Erkan Teper und ging Anfang der zweiten Runde KO. Wieder war sein Gegner gedopt. Vollkommen absurd, dass Teper bereits in seinem Kampf gegen Newfel Ouatah, vom 13.06.2014, positiv getestet worden war.
Wir können sehr sicher sein, dass Price nicht gegen Teper geboxt hätte, hätte er gewusst, dass der ein überführter Doper ist. Aber Tepers Doping wurde der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt und seine Sperre war so kurz, dass sie gar nicht auffiel.
Man kann nur darüber spekulieren, wo Price heute stehen könnte, hätte er diese beiden Kämpfe gegen Doper nicht bestritten oder hätte er sie gewonnen. Er ist 33 Jahre alt und die Zeit läuft im weg. Ob er jemals einen WM Kampf bekommen wird, das ist sehr die Frage.
Klar kann man sagen: Was interessiert mich ein David Price? Es geht hier aber nicht um Price als Person. Price steht für all die Boxer, die fair kämpfen und die von einem Gegner, der betrügt, um den Lohn ihrer Arbeit gebracht werden. Genau darum geht es nämlich, den Lohn. Jeder Preisboxer hat für seine Profession nur eine bestimmte Zeit zur Verfügung. Er muss versuchen, so weit wie möglich zu kommen und so gut wie möglich für seine Zukunft und die Zukunft seiner Frau und seiner Kinder, zu sorgen.
Ein dopender Boxer verschafft sich deshalb nicht nur einen illegalen Vorteil, sondern er beschädigt die Karriere eines anderen, nämlich eines fair agierenden Boxers. Und mehr noch. Er zerstört dadurch womöglich dessen gesamte Zukunft und die Zukunft der Kinder seines Opfers.
Doping ist eine Seuche. Es handelt sich genau nicht um Einzelfälle. Man muss sich nur einmal eine beliebige Liste der Dopingfälle im Boxen heraussuchen – wohlgemerkt, es gibt Verbände die das Doping ihrer Mitglieder nicht anzeigen, manche meinen sogar, es vertuschen zu müssen. Es gibt auch nicht überall Trainingskontrollen, was dem Doping Tür und Tor öffnet. Hinzu kommt, dass neuen Dopingmittel, noch gar nicht auf der Liste der verbotenen Substanzen stehen. Und entsprechende Testverfahren hinken der Entwicklung der Mittel hoffnungslos hinterher.
Die folgenden Namen findet man auf Wikipedia unter „Doping cases in boxing”:
Mikhail Aloyan
Rosendo Álvarez
Chris Arreola
Dennis Bakhtov
Raymundo Beltrán
Andre Berto
Mickey Bey, Jr.
Francois Botha
Shannon Briggs
Lucas Browne
Lucian Bute
Mariano Natalio Carrera
Julio César Chávez Jr.
Andrzej Fonfara
Ali Funeka
Kid Galahad
Yuriorkis Gamboa
Juan Carlos Gómez
Joan Guzmán
Greg Haugen
Evander Holyfield
Lloyd Honeyghan
Guillermo Jones
Roy Jones Jr.
Vitali Klitschko
Mehrullah Lassi
J’Leon Love
Enzo Maccarinelli
Brian Magee
Ricardo Mayorga
Jameel McCline
John Molina Jr.
Érik Morales
Tommy Morrison
Shane Mosley
David Munyasia
Anoushiravan Nourian
Michael O’Reilly
Fres Oquendo
Luis Ortiz
Eloy Pérez
Lamont Peterson
Frankie Randall
Brandon Ríos
Luis Román Rolón
Omar Niño Romero
Orlando Salido
Sam Soliman
Felix Sturm
Johnny Tapia
Antonio Tarver
Erkan Teper
Tony Thompson
Juho Tolppola
James Toney
Félix Trinidad
Manuel Vargas
Fernando Vargas
Mariusz Wach
Manju Wanniarachchi
Pernell Whitaker
Dillian Whyte
Jez Wilson
Das Problem mit Doping ist: Den Einen ist es egal und die Anderen wollen nichts tun. Für die meisten nationalen und internationalen Verbänden ist Doping ein Thema, mit dem sie sich nur ungern oder gar nicht beschäftigen mögen. Juristisch ist Dopern in der Regel nicht beizukommen. Wie kann man einen Schaden, der entstanden ist, in einer Schadensersatzklage beweisen. Bestreitet man einen Ausscheidungskampf, dann hat man ja den Kampfvertrag für die WM und die Werbeverträge nach einer gewonnenen WM noch nicht in der Hand.
Kein Boxer kann in zehn oder zwanzig Jahren beweisen, dass er den Hirnschaden, an dem er leidet, gerade in dem Kampf erlitten hat, bei dem sein Gegner betrogen/gedopt hatte. Wir sind wieder da angekommen, wo wir angefangen haben. Beim Boxen geht es um Leben und Tod, Gesundheit und Krankheit und um Geld und kein Geld.
Müssen wirklich erst ein paar Tote im Ring rum liegen, erschlagen von gedopten Betrügern, bevor das Problem Doping im Boxen ernst genommen wird?
© Uwe Betker

Written by betker

12. November 2016 at 23:59

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Ein blasphemischer Blick auf Mike Tyson

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Ein blasphemischer Blick auf Mike Tyson

Jede Generation hat ihre Helden und manchmal sogar Boxhelden. Einige sind tief in ihre Zeit eingebunden, wie Jack Demsey, Joe Luis und Rocky Marciano. Andere sind vor allem von nationaler Bedeutung, wie zum Beispiel Max Schmeling und Henry Maske. Nur wenige bekommen eine universelle Bedeutung, wie z.B. Muhammad Ali.

Jede Generation unterwirft die Helden der Vorväter einer Überprüfung. So kann man sich heute kaum noch vorstellen, dass ein zum Tode Verurteilter im Gefängnis flehen könnte, der amtierende Weltmeister im Schwergewicht solle ihn retten – so jedenfalls behauptete es der Mythos über Joe Louis.

Die sich wiederholende Frage lautet also: Wer gehört nun zum erlauchten Kreis der ganz Großen im Boxen? Eine ganze Reihe von Angehörigen der Generation, die Mitte der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts bzw. des letzten Jahrtausends Profiboxen verfolgten, vertreten die Meinung, Mike Tyson sei einer der besten, wenn nicht sogar der beste Schwergewichtler aller Zeiten gewesen. – Auf die Gefahr hin mich sehr unbeliebt zu machen, möchte ich dem hier klar widersprechen.

Tysons Verehrer könnten z.B. darauf verweisen, wie viele Tickets er verkauft hat und wie viel Geld er  mit Pay-Per-View gemacht hat. Er war das Gesicht des Profiboxens für ein gesamtes Jahrzehnt. Wohl kein Boxer vor oder nach ihm zierte so viele Titelseiten. Das ist alles richtig. Aber wenn dies Indikatoren für Größe sind, dann ist Madonna wohl der/die größte Musiker/in aller Zeiten. Größe im Boxen kann nicht durch Geld oder Anzahl der Titelseiten definiert werden, sondern doch wohl nur durch die Qualität der Kämpfe, die Qualität der Gegner, die Siege über gute Gegner und durch die Anzahl erstklassiger Kämpfe.

In meinen Augen ist der am 30.06.1966 geborene Michael Gerard Tyson vor allem ein Phänomen. Er ist eine von vielen Personen und Institutionen erschaffene Kunstfigur. Als erster ist zu nennen: Cus D´Amato. Der Entdecker, Trainer und Ersatzvater von Tyson. Er brachte ihm den Peek-A-Boo Stil bei, der am besten zu einen kleinen Schwergewichtler passt. Das hatte er schon bei Floyd Patterson so gemacht.  D´Amato war ewig lange im Boxgeschäft. Er verstand sein Geschäft als Trainer und er kannte Journalisten und TV-Leute und wusste deshalb auch genau, wie sie arbeiten und wie sie ticken. D´Amato verbreitete so, zusammen Jim Jacobs und Bill Cayton, eine mythische Geschichte. Im Zentrum steht der alte weiße und weise Mann, der in seinem selbst gewählten Exil, fern der Großstadt New York, in den Catskills Bergen, einen jungen schwarzen Mann aus Brooklyn, den er vor einem Leben in der Kriminalität gerettet hat, in die Mysterien des Profiboxens einweiht. Das ist der größte Teil des Mythos Mike Tyson.

Von ganz realem Gewicht war sicher sein Punch. Tyson hatte einen brutalen Punch. Besonders seine rechten Körperhaken, gefolgt von einem rechten Aufwärtshaken zum Kopf, war die Kombination, die viele Gegner fällte. Diese Kombination, seine Explosivität und seine Fähigkeit, Schlägen auszuweichen und sich gleichzeitig an die Gegner heranzuschieben, waren seine boxerischen Stärken. Die konnte er auch besonders effektiv nutzen, außer wenn sein Gegenüber von der ersten Sekunde an dagegen hielt.

Tyson wurde mit seinem Sieg gegen Trevor Berbick, am 22.11.1986 in Las Vegas, der jüngste Schwergewichtsweltmeister. Er war, als er den WBC Titel gewann, gerade mal 20 Jahre alt. Vor ihm hielt Floyd Patterson, auch ein  Schützling von D´Amato, diese „Bestmarke“ – mit 21 Jahren. Dies markiert aber auch schon völlig den Platz von Mike Tyson in der Geschichte.

Aber schauen wir uns doch die Qualität seiner Kämpfe und die Qualität seiner Gegner – womit nicht der Unterhaltungswert gemeint ist – einmal an und auch die Siege über gute Gegner, also das, was einen Weltmeister zu einem richtig großen macht.

Nach seinem Sieg über Berbick, den er wie einen Baum fällte, bereinigt er innerhalb eines dreiviertel Jahres die Titelsituation, indem er alle drei bedeutenden Titel (WBC, WBA und IBF) auf sich vereinigte. Dabei schlug er James Smith, Pinklon Thomas und Tony Tucker. Ja, man kann sagen, er war der Terror des Schwergewichts – allerdings in einer Zeit, in der das Schwergewicht erschreckend schwach besetzt war.

Sein Sieg über Michael Spinks, am 27.06.1988, war dann schon ein großer. Er pulverisierte Spinks innerhalb von 91 Sekunden. Aber man muss dazu anmerken, dass Spinks, der in die International Hall Of Fame Of Boxing aufgenommen wurde, seine beste Zeit als Halbschwergewicht hatte.

Am 11.02.1990 zerstörte dann James Douglas im Tokio Dome den Mythos Tyson. Er knockte ihn in der 10. Runde aus. Tyson war nicht mehr der Unbesiegbare. Es zeigte sich, dass Tyson nie, wie die wirklich Großen, es schaffte, nach einem Niederschlag den Kampf noch für sich zu entscheiden. Nach dem Tokio-Desaster verlor er alle entscheidenden Kämpfe. Evander Holyfield demontierte ihn zweimal hintereinander, am 09.11.1996 und am 28.06. 1997. Auch Lennox Lewis hatte am 08.06.2002 kein Mitleid mit ihm. Auch er knockte ihn aus.

Mike Tyson ist ein Phänomen. An ihm kann man sehen, was passiert, wenn die Medienmaschinerie einmal so richtig ins Rollen gerät. Dann werden Comeback Kämpfe gegen handverlesene Umfaller, die auch schon mal Werbung auf der Unterseite ihrer Boxstiefel tragen, zu Megaevents. Madonna ist nicht der/die bester/beste Sänger/Sängerin aller Zeiten. Sie gehört auch nicht unter die Top Ten. Ebenso gehört Mike Tyson nicht zu den 10 besten  Schwergewichtlern aller Zeiten. Meine Top Ten sind: Muhammad Ali, Rocky Marciano, Jack Johnson, Jack Dempsey, Larry Holmes, George Foreman, Evander Holyfield, Lennox Lewis, Sonny Liston und vermutlich Wladimir Klitschko. Wobei ich mir über die genauen Platzierungen zwei bis zehn nicht ganz sicher bin.

(C) Uwe Betker

Written by betker

16. Oktober 2016 at 23:59

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Der Champion der Herzen – Felix Sturm

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Letztens fiel mir ein Lexikon in die Finger. Da war zwischen Champignons, dem beliebten Speisepilz, und Champions League, dem Nachfolger des Europapokals der Landesmeister im Fußball, der Begriff Champion zu finden. Ein Champion ist laut diesem Lexikon: „früher: Kämpfer im Zweikampf, Vorkämpfer; heute: bes. erfolgreicher Sportler, Meister einer Sportart.“ Der Begriff „Champion“ wird oft als Synonym für Weltmeister benutzt, was aber nicht hilfreich ist. Vor allem auch beim Profiboxen gibt es Weltmeister, Junioren Weltmeister, Interims Weltmeister und was weiß ich nicht noch alles. Die WBA verändert ständig die Statuten, die die Vergabe des Titels „Super Champion“ regeln, so dass man gar nicht mehr nachkommt. Wenn ich es noch richtig zusammenbekomme, konnte zuerst nur Super Champion werden, wer auch in einem anderen Verband Weltmeister war. Danach konnte man diesen Titel auch tragen, wenn man den regulären Titel sieben Mal verteidigt hatte. Inzwischen kann man den Titel wohl erst tragen, wenn man in den letzten drei Kämpfen vorher zwei Mal verloren und ein Unentschieden erreicht hat.
Man kann nun natürlich darüber diskutieren, ob und was für ein Weltmeister bzw. Champion Felix Sturm (49 Kämpfe, 40 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden) durch seinen letzten Sieg über Fedor Chudinov (14 Kämpfe, 14 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage) am 20.02.2015 in Oberhausen wurde. Er wäre dann der erste deutsche Fünfachweltmeister. Stichworte wären hier: Super Champion und Statuten der Word Boxing Association.
Man könnte aber auch hingehen und einfach aufhören, immer nur kleinlich auf Einhaltung von Regeln zu pochen, und jetzt mal alles entspannter und positiver sehen. Wieso addieren wir nicht einfach alle Titel von Sturm und fassen sie unter dem Begriff Champion zusammen.
Sturm errang am 08.03.2003 den IBF Youth Titel im Mittelgewicht.
– Einfachchampion.
Sturm wurde am 12.07.2003 WBO Inter-Continental Meister im Mittelgewicht.
– Zweifachchampion.
Sturm wurde am 13.09.2003 Weltmeister der WBO im Mittelgewicht.
– Derifachchampion.
Sturm wurde am 18.09.2014 WBO Inter-Continental Meister im Mittelgewicht.
– Vierfachchampion.
Sturm wurde am 11.03.2006 Weltmeister der WBA im Mittelgewicht.
– Fünfachchampion.
Sturm wurde am 28.04.2007 erneut Weltmeister der WBA im Mittelgewicht.
– Sechsfachchampion.
Sturm absolvierte am 04.09.2010 seinen ersten Kampf als Super Champion der WBA im Mittelgewicht.
– Siebenfachchampion.
Sturm wurde am 07.12.2013 Weltmeister der IBF im Mittelgewicht.
– Achtfachchampion.
Sturm wurde am 20.02.2015 durch einen Sieg in einem Boxkampf erneut Super Champion der WBA!
– Neunfachchampion.
Man könnte natürlich in der obigen Liste das Nomen Weltmeister suchen und zählen, wie oft es vorkommt, um herauszubekommen, wie häufig Felix Sturm denn nun Weltmeister war. Damit würde man sich aber dem Verdacht aussetzen kleinlich, regelversessen und neidisch zu sein. Man kann aber auch zu Recht sagen, dass Adnan Catic ein Neunfachchampion ist.
Wenn man sich aber die Reaktionen nach dem großartigen und unumstrittenen Sieg in Sturms Rückkampf gegen Chudinov ansieht, dann kommt man nicht umhin festzustellen: Felix Sturm ist der Champion der Herzen.
(C) Uwe Betker

Vincent Feigenbutz hat Geschichte geschrieben

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Bis in den Spätsommer 2015 hinein lief fast alles wie geplant. Vincent Feigenbutz wurde als „der junge Wilde“ aufgebaut und die Medien liebten ihn dafür. Mit seiner „Hoppla, jetzt komm´ ich“-Haltung forderte er einfach die etablierten Weltmeister in Deutschland, Arthur Abraham und Felix Sturm, heraus. Er wollte sich einen Happen von der schönen Box-Welt schnappen und er war wohl auch davon überzeugt, tatsächlich so gut und so stark sein, wie seine Claqueure ihm weiß machen wollten. Kritik über eine zu löchrige Deckung und zu wenig Technik verhallte ungehört. Der Erfolg gab ja dem Super Mittelgewichtler und seinem Team Recht. Sauerland gab ihm einen Vertrag. Seine Kämpfe wurden im Fernsehen gezeigt. Er wurde zweimal Interims Inter-Continental Champion der WBO im Super Mittelgewicht. Dann wurde er auch noch Interims Weltmeister der WBA und gleichzeitig regulärer Weltmeister der GBU.
Dann kam die erste Verteidigung dieser Titel der World Boxing Association und der Global Boxing Union gegen Giovanni De Carolis am 17.10.2015 in Karlsruhe. Zwar wurde Feigenbutz von den Punktrichtern Erkki Meronen, Jesus Morata Garcia und Jean-Francois Toupin zum Sieger nach Punkten erklärt, aber sein heimisches Publikum und andere neutralere Beobachter sahen den italienischen Herausforderer vorne. Die Situation im Ring nach dem Kampf überforderte Feigenbutz. Er sagte Dinge, die man besser nicht öffentlich sagt. Und das brachte ihm dann noch mehr Kritik ein. Immerhin stimmte er einem unmittelbaren Rückkampf zu.
Dann kam der Rückkampf. Vier Tage vor den Kampf entschloss sich die World Boxing Association, diesen Kampf zu einer regulären WM hochzustufen. Das wurde möglich, weil zum Einen der WBA Superchampion Andre Ward ins Halbschwergewicht hoch ging und weil zum Anderen die WBA es eben konnte. Flux machte sie den regulären Weltmeister Fedor Chudinov zum Super Champion und dann den Kampf von Feigenbutz … – Die WBA machte es eben, weil sie es kann.
Feigenbutz hätte der jüngste deutsche Weltmeister im Profiboxen in Deutschland werden können. Ein Thema, das auch weidlich aufgenommen wurde. Er hatte also die „historische Chance“, mit einem Sieg über De Carolis alle seine Kritiker auf einmal zum Schweigen zu bringen. Ein gelungener Rückkampf hätte die Scharte ausgewetzt und ihm außerdem noch den ersehnten WM-Titel beschert. Aber es kam anders als geplant. Der Kampf, der am 09.01.2016 in Offenburg stattfand, geriet für Feigenbutz zum Desaster. Er bekam regelrecht Prügel und verlor durch TKO in Runde 11. Giovanni De Carolis (29 Kämpfe, 23 Siege, 11 durch KO, 6 Niederlagen, 1 Unentschieden) wurde neuer Weltmeister der WBA und Vincent Feigenbutz (23 Kämpfe, 21 Siege, 19 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) stand mit leeren Händen und einem lädierten Ruf da.
Mit Sicherheit ist es weder für ihn noch für die Seinen ein Trost, aber Vincent Feigenbutz hat Geschichte geschrieben. Er ist der jüngste deutsche Weltmeister im Profiboxen aller Zeiten. Denn die WBA hatte ihn, den damals amtierenden Interimsweltmeister bei ihrer Titelschieberei zum regulären Weltmeister gemacht. Vincent Feigenbutz war Weltmeister vom 06.01.2016 bis zum 09.01.2016 Weltmeister – na gut, nur für drei Tage. Vincent Feigenbutz ist der jüngste deutsche Weltmeister aller Zeiten im Profiboxen. Aber er ist auch der Weltmeister, der diesen Titel am kürzesten hatte. Eventuell ist er sogar derjenige, der jemals für so kurze Zeit Weltmeister war.
(C) Uwe Betker

Rekord: Felix Sturm boxt zum fünften Mal hintereinander in einem WM Kampf!

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Die Überschrift ist natürlich Unsinn. Wohl wissend dass sie Unsinn ist, wurde sie dennoch so gewählt, um den Artikel besonders gut zu vermarkten. Um eben so ein Verhalten geht es auch in den folgenden Zeilen:
Der ehemalige Weltmeister im Mittelgewicht Felix Sturm (48 Kämpfe, 39 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden) sollte am 05.12.2015 erneut gegen den WBA Weltmeister Fedor Chudinov (14 Kämpfe, 14 Siege, 10 durch KO) antreten. Es handelte sich da um eben den Fedor Chudinov, gegen den Sturm überraschenderweise seinen Titel am 05.06.2015 in Frankfurt/Main verloren hatte. Der Kampf wurde aber kommentarlos abgesagt. Bis zu seinem sang- und klanglosen Verschwinden wurde damit geworben, dass Sturm mit einem Sieg der erste Deutsche werden könnte, der zum fünften Mal Weltmeister wird – ein Rekord. Und damit sind wir nun auch beim Thema angelangt.
Mit diesem Rekord ist das nämlich so eine Sache. Felix Sturm wurde von April 2010 bis Februar 2013 Super Champion der World Boxing Association. Das Problem mit diesem Titel ist nun aber, dass Sturm ihn, den damaligen Statuten des Verbandes gemäß, gar nicht tragen durfte. Dabei ist jetzt vollkommen unerheblich, ob die WBA ihm den Titel gegeben hat, weil Geld geflossen ist, wie behauptet wurde, oder ob die WBA ihm den Titel zugesprochen hat, um ihm einen Gefallen zu tun. Der Verband begründete seine Entscheidung mit einem Rechtsstreit zwischen Sturm und seinem damaligen Arbeitgeber Universum Box-Promotion. Leider ist Sturm gegen die Behauptung des gekauften Titels niemals juristisch vorgegangen. Eine juristische Aufarbeitung hätte den Sachverhalt eventuell klären können. Bedauerlich ist auch, dass Sturm, in seiner Zeit als Super Champion, ja offenbar nie auf die Idee gekommen ist, gegen den regulären WBA Weltmeister und ehemaligen Stallgefährten, Gennadi Golowkin, anzutreten. Das ist auch genau jener Golowkin, gegen den er auch nie angetreten ist, als beide noch gemeinsam bei Universum Box-Promotion geboxt haben.
Sollte also Sturm jetzt am 20.02.2016 gewinnen, so wird er nur formal, nicht aber real, zum fünften Mal Weltmeister. Seine Regentschaft als Super Champion hatte er doch wohl eher nur ehren- oder geldhalber; sie sollte daher wohl doch anders bewertet werden. Hinzu kommt, dass der Weltmeister Chudinov unlängst zum Super Champion ernannt wurde. D.h. Sturm kann maximal der Besieger eines Super Champions werden, denn mehr wird man nicht, wenn man einen Super Champion der WBA besiegt. Dieser Titel wird, soweit ich das verstehe, immer noch verliehen und nicht erkämpft.
Man kann sich aber natürlich auch fragen, was denn Adnan Catic eigentlich dazu qualifiziert, den direkten Rückkampf von Chudinov zu bekommen. Am 31.05.2014 verlor Sturm seinen IBF Titel gegen Sam Solimann. Danach erreichte er gegen Robert Stieglitz, am 08.11.2014, nur ein Unentschieden. Und in seiner letzten Begegnung, die wohl auch erst einen Tag vor dem Kampf zu einem WM Kampf erklärt worden war, verlor er gegen Fedor Chudinov. Fassen wir also zusammen: ein Unentschieden und zwei Niederlagen. Und diese Resultate qualifizieren Felix Sturm nun für einen „WM-Kampf“? Das dürfte ja wohl auch ein Rekord sein.
© Uwe Betker

Zwei Dinosaurier in China

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Evander Holyfield (57 Kämpfe, 44 Siege, 29 durch KO, 10 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden) und Andreas Sidon (56 Kämpfe, 44 Siege, 35 durch KO, 11 Niederlagen, 6 durch KO) sind zwei Dinosaurier des Boxens. Sie kommen aus einer anderen Zeit. Sie sind Wesen, die, schon aufgrund ihres Alters, eigentlich nicht mehr unter den aktiven Boxern weilen dürften. Holyfield ist 53 und Sidon ist 52. Beide aber trotzen standhaft den nachgefolgten Generationen. Sie sind boxerische Relikte aus einer vergangenen Zeit.
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Holyfield, dem ein Platz in der International Boxing Hall of Fame sicher ist, war von 1987 bis 1988 Weltmeister im Cruisergewicht. Er schlug 1990 Buster Douglas in der dritten Runde KO. Vorher, im gleichen Jahr, hatte der Mike Tyson in der zehnten Runde KO geschlagen. So wurde Holyfield Weltmeister im Schwergewicht. Danach schlug er George Foreman und Larry Holmes. Es folgten 1992, 1993 und 1995 seine drei legendären Ringschlachten mit Riddick Bowe. 1996 und 1997 waren seine beiden unvergessenen Kämpfe mit Mike Tyson, in denen er den Mythos Tyson geradezu pulverisierte. Bis heute ist er aktiv und er will immer noch Weltmeister werden.received_1261770330515293
Andreas Sidon ist fast genauso alt wie Holyfield und auch seine Kampfstatistik weist eine erstaunliche Ähnlichkeit mit der von Holyfield auf. Aber er ist natürlich schon ein anderes Kaliber. Sidon war nie das Supertalent, das von einem Veranstalter aufgebaut und gefördert worden wäre. Er musste sich immer alleine durchschlagen und stieg oft als Außenseiter in den Ring. In seinem zweiten Profikampf 1999 stieg er gegen Nicolay Valuev, der damals in 19 Kämpfen ungeschlagen war, in den Ring. Der Kampf steht zwar als No Contest im Kampfrekord, aber jeder, der dabei war, oder ein Video davon gesehen hat weiß, dass Sidon gewann. Das ist wohl auch der Grund, warum Valuev einem Rückkampf nie zustimmte.
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Sidon war und ist auch boxerisch immer für eine Überraschung gut. Und er ist ein Kämpfer. Persönliche Schicksalsschläge hielten den alleinerziehenden Vater von drei Kindern nicht ab davon, seine Ziele weiter zu verfolgen. Auch als der Bund Deutscher Berufsboxer (BDB), dessen deutscher Meister im Schwergewicht Sidon war, ihm aus gesundheitlichen Gründen die Lizenz entzog, kämpfte und kämpft er weiter. Seitdem gibt es einen Rechtsstreit zwischen ihm und den Verband. Sidon fordert vom BDB die entgangenen Börsen.
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Sidon ist, wie Holyfield zurzeit in Shanghai in China. Beide sind zu einer Profiboxveranstaltung eingeladen worden. Sidon erklärte kurz vor dem Abflug, dass er mit zweierlei Hoffnungen zum zweiten Mal nach China reist. Zum einen würde er gerne in China als Profiboxer und als Trainer Fuß fassen. Zum anderen will er versuchen, einen Kampf gegen Evander Holyfield zu bekommen. Es gab in den vergangenen Jahren immer wieder Gespräche hierüber. Ein Kampf mit ihm wäre ein würdiger Höhepunkt für die Karriere von Andreas Sidon.
(c) Uwe Betker
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Rezension: Ricky Hatton’s Vegas Tales

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Das Buch „Ricky Hatton’s Vegas Tales“ des ehemaligen Weltmeisters der IBF im Halbweltergewicht und der WBA im Weltergewicht, Ricky Hatton, ist vor allen Dingen unterhaltsam und schnell zu lesen. Es trägt den selbstironischen Untertitel: „Me in Las Vegas, what could possibly go wrong?” Damit ist der Ton des Buches schon gut getroffen. Hatton erzählt von seinen zweieinhalb Jahren in Las Vegas, die finanziell zwar schon sehr erfolgreich waren, sportlich aber weniger. Er bestritt dort sechs Kämpfe. Von denen konnte er vier, nämlich gegen Juan Urango, Jose Luis Castillo, Juan Lazcano und Paul Malignaggi, gewinnen. Seine beiden wichtigsten Kämpfe allerdings, nämlich Floyd Mayweather Jr. und Manny Pacquiao, verlor er.
Sein Ghostwriter Justyn Barnes, der sich auf das Schreiben von Sportbüchern, davon viele über Manchester United, spezialisiert hat und sich als Ghostwriter von Sportlerautobiographien einen Namen gemacht hat, trifft den Ton von Hattons Sprache gut. Der hatte offenbar wirklich eine tolle Zeit in den USA, und das merkt man dem Buch an. Beim Lesen stellt sich rasch das Gefühl ein, Hatton würde eine amüsante oder witzige Anekdote nach der anderen erzählen. Dabei macht er auch Witze über sich selbst. Die Stärke des Buches liegt vor allem in seinem Unterhaltungswert. Es ist kurzweilig und man bekommt die 282 Seiten sehr schnell runter gelesen. Und es hat auch noch ein ausführliches Register, das die Suche nach Kämpfen, Personen etc. erleichtert.
Die Erinnerungen von Hatton werden ergänzt durch die von Wegbegleitern. Gegner kommen nicht zu Wort. Das letzte Drittel des Buches wirkt ein wenig langgezogen. “Ricky´s Top Ten Vegas Tear-Ups”, also Hattons Auswahl der besten Kämpfe in Las Vegas und “Rick´s Dream Fight Card” wirken etwas gezwungen originell. Erik Morales vs. Marco Antonio Barrera I wertet er als besten Kampf und er lässt Mike Tyson gegen Muhammad Ali siegen.
Ricky Hatton’s Vegas Tales ist in erster Linie ein Buch für Hatton Fans. Für Nichtfans weist es unübersehbare Lücken auf. Eine Beschreibung, oder Nachbetrachtung der sechs Kämpfe gibt es da beispielsweise nicht. Hatton äußert sich auch kaum über Gründe für die Niederlagen oder Trainer- und Managerwechsel. Diese Erinnerungen sind eben nicht analytisch, sie wollen vielmehr witzig anekdotisch sein. Ein Muss für die Bibliothek ist dieses Buch folglich nicht. Aber es ist, wie schon gesagt, witzig und schnell und einfach zu lesen. Es wäre daher z.B. die richtige Wahl ein träges Wochenende. Bestellen kann man das Buch im Internet oder es auch in Großbritannien im Buchhandel erwerben. Ich habe meines vor kurzem in London bei Waterstones Piccadilly, nicht mein Lieblingsbuchladen in London, gekauft. Es war auf fünf Pfund heruntergesetzt, dafür aber von Ricky Hatton signiert.
© Uwe Betker