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Selbstkritik, Kritik an Elina Tissen und Scheinriesen

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Ich bin nicht immer gerecht. Vermutlich bin ich sogar manchmal ungerecht. Meine Kritik an Frau Elina Tissen ist natürlich nicht gerecht. Elina Tissen (13 Kämpfe, 11 Siege, 5 durch KO, 2 Niederlagen) ist eine hart trainierende Frau, die im Bereich Frauenboxen Erfolg hat und mehr Erfolg haben will. Sie ist immerhin schon amtierende Weltmeisterin der Global Boxing Union im Federgewicht und es sollen in absehbarer Zeit noch mehr Titel hinzukommen. Natürlich kann sie nichts dafür, dass sie aus einem unerfindlichen Grund zur „WIBF Boxerin des Jahres 2010“ gekürt worden ist, obwohl sie keinen einzigen Kampf für die WIBF bestritten hat.
Es gibt aber einen Grund, der mich dazu treibt, ungerecht zu sein. Und der liegt in dem Stil, der von Frau Tissen und ihrem Management gepflegt wird. Was ich damit meine? Ich will hier ein paar Beispiele geben:
– „Interview nach dem Megafight“
– „Bombenstimmung auf der PK zum WM-Kampf!“
– „Medienvertreter aus Funk, Fernsehen und der schreibenden Zunft sind in der Rietberger Cultura erschienen, um sich aktuelle Information zur 1. Rietberger BoxNacht zu holen. Nicht schlecht staunten selbige, als diese die atemberaubende Location betraten, denn an diesem Ort eine Box WM zu veranstalten ist kaum zu toppen, da waren sich alle einig. Promoterin Miriam Bohn gab die Hauptinformationen zum Event.“

Ich gebe zu, es ist etwas sehr Persönliches. Es ist der Duktus der Vollzugsmeldungen und das Vokabular, das mich stört. Wenn ich Begrifflichkeiten lese wie „Megafight“, „Bombenstimmung auf der PK“, „atemberaubende Location“ und „Event“ stellen sich buchstäblich auf meinen Unterarmen die Haare auf, einfach weil dies eine Sprache ist, mit der ich meine Schwierigkeiten habe. Aber dann frage ich mich auch, worüber sprechen denn Frau Tissen und ihr Management da eigentlich? Dann schaue ich mir das Ganze noch etwas näher an, und dann passiert etwas Seltsames. Je näher ich dem Dinge komme, je näher ich es mir ansehe, desto kleiner wird es. Dann scheint das zu passieren, was in „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ mit dem Scheinriesen passiert. Je näher man ihm kommt, desto kleiner wird er.
Genauso ergeht es mir mit Frau Tissen und mit Veranstaltungen, die ihr Management auf die Beine stellt. D.h. je näher ich mir Frau Tissen und die Shows anschaue, umso kleiner werden sie. Frau Tissen ist kein Gigant des Frauenboxens. Vielleicht muss ich ja hier schreiben: noch nicht. Sie ist eine junge Boxerin auf den Weg nach oben. Sie ist aber auf keinen Fall das, als was sie uns verkauft werden soll. Die Veranstaltungen mit ihr sind keine Megaevents sondern eher kleine Veranstaltungen. Darauf bezieht sich meine Kritik. Je mehr Frau Tissen und ihr Management übertreiben, umso mehr Kritik bekommen sie. Wie schon gesagt: Ich bin nicht immer gerecht.
© Uwe Betker

Fremdschämen für Elina Tissen

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Als Bundesforschungsministerin Annette Schavan anfing, sich öffentlich und „nicht nur heimlich“ zu schämen, kam es zu einer Veränderung. Daher möchte ich mich jetzt auch öffentlich fremdschämen, nämlich für Elina Tissen. Nun bin ich nicht Frau Schavan, aber da, wie bekannt, Frau Tissen zur „WIBF Boxerin des Jahres 2010“ gekürt worden ist, auch ohne dass sie auch nur einen einzigen Kampf für die WIBF bestritten hat, ist alles möglich und jeder kann alles werden.
Elina Tissen (13 Kämpfe, 11 Siege, 5 durch KO, 2 Niederlagen), von der ich immer noch nicht weiß, wo sie geboren wurde, kämpft am 26.03.2011 in einer Arena in Münster gegen Juliette Winter (12 Kämpfe, 4 Siege, 7 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden). Frau Tissen hat sich den Kampfnamen „Elin the Machine“ gegeben, wobei ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, was das bedeuten soll.
Die „Maschine“ will nicht nur in diesem Kampf ihren Titel (der Global Boxing Union) im Federgewicht verteidigen, sondern auch noch den Titel des Global Boxing Council und den Interimstitel der Women’s International Boxing Federation dazu erringen. Ich schäme mich nun nicht nur heimlich dafür, dass Frau Tissen es wagt, einen Aufbaukampf – Frau Winter ist die Nummer 33 in der Welt – als WM-Kampf zu verkaufen. Ich schäme mich für Frau Tissen vor allem deshalb, weil sie eine Gegnerin mit einem negativen Kampfrekord in einer WM boxen will. Ich schäme mich weiter dafür, dass ihre Gegnerin kein einziges Mal vorzeitig gewinnen konnte. Es treibt mir die Schamröte ins Gesicht, das Frau Winter in ihrem letzten Kampf (23.04.2010) gegen eine Gegnerin (Alicja Dabrowska) verloren hat, die vorher erst einen einzigen Kampf bestritten hatte. Ich schäme mich für Frau Tissen. Ich schäme mich für Frau Tissen nicht nur heimlich, sondern ganz öffentlich.
© Uwe Betker

Written by betker

8. März 2011 at 23:59