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Mit zweierlei Maß messen

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Wenn man über jemanden sagt, er messe mit zweierlei Maß, dann wirft man ihm vor, dass er allgemeingültige, z. T. moralische Standards aus politischen, wirtschaftlichen oder sonstigen, zumeist egoistischen Erwägungen heraus, nicht auf alle gleichermaßen anwendet.
Ich plädiere nun dafür, mit zweierlei Maß zu messen, jedenfalls bei der Beurteilung von Kampfansetzungen.
Was man auf Boxveranstaltungen so hört oder in Foren liest, so geben die Kampfansetzungen immer wieder Anlass zu harscher Kritik und sind Ausgangspunkt erbitterter Diskussionen. Häufig genug habe ich hier selber schon Kritik geübt. Daher möchte ich nun aber auch mal um Nachsicht bitten für Paarungen von Kämpfern, die unter sportlichen Gesichtspunkten einfach nur als grauenerregend bezeichnet werden können. Den frühen Aufbau eines Boxers möchte ich dabei noch explizit ausnehmen.
Bevor man ein Urteil über das Matchmaking fällt, sollte man sich erst mal ansehen, wer hier überhaupt Veranstalter ist. Im Boxen scheint es nämlich eine Drei-Klassen-Gesellschaft von Veranstaltern zu geben. In der ersten Klasse sind Universum-Box-Promotion, Sauerland Event und die Klitschkos, Felix Sturm und eventuell bald noch Luan Krasniqi. In der zweiten Klasse sind dann das SES-Boxing, Wiking Box-Team und Arena Boxpromotion anzutreffen. In der dritten Klasse tummelt sich schließlich der ganze Rest. Die Einteilung in die Klassen ergibt sich aus den zur Verfügung stehenden Geldmitteln, TV-Verträgen und der sonstigen Medienpräsenz.
Jeder, der mit offenen Augen zu Klein- und Kleinstveranstaltungen geht, wird bemerken, mit wie wenig Kapital hier gearbeitet wird. Zum Teil entscheidet der Verkauf von 5 bis 10 Kästen Getränken bereits über den finanziellen Erfolg oder Misserfolg einer Veranstaltung. Wenn man sich das vor Augen hält, kann man sich auch vorstellen, wie knapp dann bei den Börsen für Gegner kalkuliert werden muss. Zu bedenken ist außerdem, dass die kleinen Veranstalter die gleichen Gebühren an den Bund Deutscher Berufsboxer zahlen müssen wie die großen. Für mich heißt das nichts Anderes als, dass die kleinen die großen Veranstalter subventionieren. Im Gegenzug schrauben die Veranstalter aus der 1. Klasse dadurch, dass es kaum noch Events unterhalb von WM-Kämpfen gibt, die Erwartungshaltung der Zuschauer unerreichbar hoch für die Kleinen.
Daher plädiere ich für das Messen mit zweierlei Maß. Wer sehr viel Geld für Veranstaltungen, die von ARD, ZDF, RTL und SAT 1 übertragen werden sollen, bekommt, der hat auch eine entsprechende Qualität abzuliefern. Ein Weltmeister, der sagen wir einmal 4 Mal im Jahr boxt, hat einmal im Jahr seine Pflichtverteidigung zu absolvieren; es sollte doch wohl eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass er gegen einen Mann aus den Top 15 der unabhängigen Rangliste kämpft. Dann hat er immer noch genug Zeit, mit zwei leichteren Kämpfen aktiv zu bleiben und natürlich auch Geld zu verdienen.
Für mich sind das Mindestanforderungen an Veranstalter, die zu den erfolgreichsten und wohlhabensten in der Welt gehören. Gefühlt sind die deutschen Veranstalter aus der ersten Klasse im letzten Jahr erheblich hinter diesen Anforderungen zurück geblieben. Daher stehen sie auch zu Recht in der Kritik der Boxfans.
Für die Veranstalter aus der dritten Klasse aber, wünsche ich mir mehr Nachsicht. Denn jeder Klein- und Kleinstveranstalter geht ein nicht unerhebliches Risiko ein, wenn er eine Veranstaltung auf die Beine stellt. Als Zuschauer bekommt man das wofür man zahlt, nämlich eine kleine Veranstaltung. Mit den Promotern in der 2. Klasse ist es schwieriger. Man muss hier von Fall zu Fall entscheiden. Wo mir persönlich der Spaß vergeht und wo meine Nachsicht dann auch aufhört, das ist, wenn ich von einem Veranstalter Weltklasse versprochen aber nur Mittelmaß geboten bekomme – etwas, was leider mehr und mehr zur Regel wird.
© Uwe Betker

Schreibt der BoxSport über den Boxsport?

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Die Zeitschrift BoxSport gibt es, seit ich denken kann, wenn ich recht informiert bin sogar noch länger, nämlich schon seit 1948. Ich kannte sie noch als unansehnliche Zeitschrift auf billigem Zeitungspapier. Nun ist daraus ein durchgängig farbiges Monatsmagazin geworden. Den allergrößten Teil seiner bedruckten Seiten widmet diese einzige Box-Zeitschrift Deutschlands dem Profiboxen. Aber warum habe ich nur jedes Mal das Gefühl, überhaupt nicht informiert zu sein, wenn ich den BoxSport gelesen habe?
Der BoxSport berichtet nicht, wie der Name vermuten ließe, über den (Profi-)Boxsport, sondern nur über Boxevents. Die Boxveranstaltungen, über die berichtet wird, sind auch in der Regel eben diejenigen, die man im Fernsehen sehen kann. Boxveranstaltungen, Boxer, Boxerinnen und Promoter, die keine TV-Präsenz haben, scheinen für dieses Fachblatt praktisch nicht zu existieren. Dafür erfährt man in diesem Fachorgan aber sehr viel über Personen, vermutlich Prominente, die ich aber nur selten kenne, die bei den Box-Events anwesend waren. Was nun die Berichte über das Boxen selbst betrifft, so sind sie, wie ich finde, auf eine so erfrischende Art unkritisch, dass einem der Verdacht kommen könnte, die Zeitschrift möchte auf keinen Fall Kritik an den Veranstaltern üben, die schließlich ja auch ihre Anzeigenkunden sind.
Wenn ich nun den BoxSport flüchtig durchblättere, dann stellt sich mir das Boxgeschäft als eine Drei-Klassen-Gesellschaft von Veranstaltern dar. In der ersten Klasse sind Universum-Box-Promotion, Sauerland Event und die Klitschkos zu finden, und seit kurzem auch Felix Sturm. In der zweiten Klasse sind dann das Wiking Box-Team und Arena Boxpromotion anzutreffen. Wobei Ahmet Öner sich wohl als einziger auch schon mal einen Seitenhieb gefallen lassen muss. Und in der dritten Klasse tummelt sich schließlich der ganze Rest, der sich glücklich und dem Herausgeber und Chefredakteur Hans Reski preisen kann, wenn er es denn doch mal und nur ausnahmsweise in den BoxSport geschafft hat.
Wie bei der klassischen feudalen Drei-Stände-Gesellschaft stellt die dritte Klasse nun allerdings die Mehrheit. Über die meisten Box-Veranstaltungen in Deutschland erfährt man m. a. W. als Leser dieser Zeitschrift nichts. Hier sei nur an das Erstaunen des BoxSports über den dritten Platz bei der Wahl Boxerin des Jahres 2010 von Jessica Balogun erinnert und die Unfähigkeit dieser Zeitschrift überhaupt ein richtiges Foto von ihr zu drucken.
Da kann man sich schon fragen, ob der BoxSport überhaupt über den Sport Boxen schreibt, wo er doch den größten Teil des Profiboxens in Deutschland so konsequent ignoriert.
© Uwe Betker