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Uwe Hück fordert Wladimir Klitschko heraus

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Uwe Hück, den Konzern-Betriebsratsvorsitzenden und stellv. Aufsichtsratsvorsitzenden der Porsche AG, nur einmal getroffen hat, der glaubt durchaus, was da in der Überschrift steht und hält es keineswegs für ausgeschlossen, dass er sich traut, gegen Klitschko zu kämpfen. Aber gemeint ist etwas anderes; die Herausforderung ist von einer anderen Art.
Bis vor wenigen Tagen schien unbestritten, dass die Veranstaltung von K2 Promotions am 24. Oktober 2015 das Boxevent des Jahres in Deutschland werden würde. Der 39-jährige Wladimir Klitschko (67 Kämpfe, 64 Siege, 3 Niederlagen, 3 durch KO) wird dann gegen Tyson Fury (24 Kämpfe, 24 Siege, 18 durch KO) antreten, um seine WM-Titel der IBF und WBO im Schwergewicht und den Super Champion Titel der WBA zu verteidigen. Fury ist ein Showman und der zurzeit beste Herausforderer. Er ist vermutlich sogar der beste der letzten Jahre. Es spricht also alles für einen wirklich guten Schwergewichtskampf. Es könnte sogar der beste der letzten Jahre werden.
Dem hat Uwe Hück sportlich nichts oder fast nichts entgegenzusetzen. Hück ist 53 Jahre alt und nur ein „Hobbykampfsportler“. Er war vor ewigen Zeiten wohl mal zweifacher Europameister im Thaiboxen. Am 16. November 2013 machte er einen Charity-Boxkampf gegen den ehemaligen Profiboxer Luan Krasniqi. Nun, zwei Jahre später, will er am 07. November erneut in den Ring steigen und wieder in der MHP-Arena in Ludwigsburg. Der neue Gegner ist ein hierzulande alter bekannter: Frans, oder Francois Johannes Botha. Der inzwischen auch schon 46-jährige Botha (63 Kämpfe, 48 Siege, 29 durch KO, 11 Niederlagen, 9 durch KO, 3 Unentschieden) wurde gegen Axel Schulz am 09.12.1995 in Stuttgart durch einen Punktsieg Weltmeister der IBF. Ihm wurde der Titel jedoch kurze Zeit später wieder aberkannt, nachdem er positiv auf Steroide getestet worden war. Er verlor dann noch WM Kämpfe gegen Michael Moorer, am 09.11.1996 durch TKO 12, Lennox Lewis, am 15.07.2000 durch TKO 2, und Wladimir Klitschko, am 16.03.2002. In Nichttitelkämpfen unterlag er Mike Tyson, am 16.01.1999 durch KO 5, Evander Holyfield, am 10.04.2010, Michael Grant, am 19.11.1011, und Francesco Pianeta, am 07.09.2012. Seine letzten sechs Kämpfe hat er alle verloren und bis zum Kampf am 07. November hat er eine eineinhalbjährige Ringabstinenz hinter sich. Aber immerhin, er ist auch ein Showman.
Nun also zur Herausforderung von Hück: Er und sein Veranstalter, die Ferbermarketing GmbH, wollen sich anschicken, das Boxevent des Jahres auf die Beine zu stellen. Natürlich liegen, sportlich gesehen, Galaxien zwischen den beiden Hauptkämpfen. Auch der Show Act von K2 Promotions dürfte kaum zu toppen sein. Immerhin gibt sich der Commander of the Order of the British Empire, Rod Steward, die Ehre. Und wer nun bei der Charity Gala der Lern-Stiftung Hück auftreten soll, ist noch nicht bekannt. Außer Acht lassen wollen wir hier mal, dass der Gewinn der Klitschko Veranstaltung in die Taschen von Wladimir Klitschko, Vitali Klitschko und Bernd Bönte wandert und der von Hück benachteiligten Kindern zu Gute kommen soll.
Wenn wir also mal absehen von der Wohltätigkeit, wodurch könnte denn die Veranstaltung in Ludwigsburg die in Düsseldorf übertreffen? Die Antwort lautet: Schlicht durch drei Faktoren: Spaß, Sport und Prominente. Veranstalter behaupten gerne, Boxen im Stadion sei etwas Besonderes. Das ist schon richtig. Boxen im Stadion ist in der Regel ein Großevent – aber eines ohne Atmosphäre. Der Ring steht zu weit weg. Der Spaßfaktor in einem Stadion geht, jedenfalls meiner Meinung nach, gegen Null. Hier schlägt Hück Klitschko, um im Bild zu bleiben, KO.
Was nun den Sport bzw. dessen Qualität angeht, so sind Events im Stadion halt auch so eine Sache. Alle warten nur auf den Hauptkampf. Das Vorprogramm ist meist schlecht bis grottenschlecht. Nur sehr selten steht es in einer angemessenen Relation zum Hauptkampf. K2 Promotions Interesse am Vorprogramm reduziert sich vermutlich auf dessen Existenz und wahrscheinlich noch darauf, dass es möglichst wenig kosten soll. Ganz anders bei Hück. Hier treten im Vorprogramm Luan Krasniqi (35 Kämpfe, 30 Siege, 14 durch KO, 4 Niederlagen, 4 durch KO, 1 Unentschieden), Firat Arslan (45 Kämpfe, 35 Siege, 21 durch KO, 8 Niederlagen, 3 durch KO, 2 Unentschieden) und Özlem Sahin (20 Kämpfe, 19 Siege, 6 durch KO, 1 Unentschieden) auf. Krasniqi, der Ex-Europameister im Schwergewicht, boxt gegen Danny Williams (74 Kämpfe, 48 Siege, 36 durch KO, 25 Niederlagen, 12 durch KO). Ob das jetzt ein „realer“ Kampf wird oder nur ein Showkampf zugunsten seiner eigenen Charity Projekte (SOS Kinderdörfer im Kosovo), habe ich noch nicht erfahren. Auch Firat Arslan, der Ex-Weltmeister der WBA im Cruisergewicht, wird in den Ring steigen. Den sportlichen Hauptkampf stellt aber die Doppelweltmeisterschaft im Minimumgewicht der Women`s International Boxing Federation und Global Boxing Union dar. Die ungeschlagene Sahin verteidigt ihre Titel gegen Gretchen Abaniel (23 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO, 8 Niederlagen, 1 durch KO). Mit diesem Vorprogramm erreicht Hück, um im Bild zu bleiben, schon mal ein Unentschieden gegen Klitschko.
Dritter Faktor – Prominenz. An beiden Ringen werden viele Prominente sitzen. RTL wird viel RTL Prominenz auffahren. Hinzu kommen prominente Fans von Klitschko und natürlich der Show Act Rod Steward. Welcher Show Act bei Hück zu sehen sein wird, ist, wie gesagt, noch nicht bekannt. Man kann aber noch nicht davon ausgehen, dass der nicht auch besser sein könnte als Steward. Nun zur Prominenz am Ring, da darf man nicht unterschätzen, wer so alles kommt, wenn Uwe Hück ruft. Beim letzten „Blaue Flecke für soziale Zwecke“ kam unter anderen Udo Lindenberg. Viele Prominente, die bei Hück am Ring sitzen, sind allerdings anders prominent als die Sportler und Showgrößen bei Klitschko. Bei Hück sitzen Größen aus der Wirtschaft am Ring, z.B. von Porsche, Mercedes und Bosch. Die Boschler dürften wohl hauptsächlich wegen Özlem Sahin kommen, die selber Boschlerin ist. Extra für sie kam auch die Werksleitung von Bosch aus Waiblingen zur ersten Pressekonferenz in Ludwigsburg. Man kann außerdem davon ausgehen, dass sich schon auch ein paar Politiker einfinden werden. Auch hier dürfte Sahin ihren Beitrag leisten. Sie kommt schließlich aus der Region kommt und hat Werbung gemacht für die Einbürgerungskampagne des Landes Baden-Württemberg. Mit der Prominenz am Ring rechne ich für Hück mit einem klaren Punktsieg. Hück schlägt Klitschko, um im Bild zu bleiben, auch hier knapp nach Punkten.
Mit seiner Veranstaltung „Blaue Flecke für soziale Zwecke 2“ wird Uwe Hück wohl schlicht die Boxveranstaltung des Jahres 2015 auf die Beine stellen. Damit ist dann auch geklärt, wo ich mich am 07. November aufhalten werde, nämlich in Ludwigsburg.
© Uwe Betker

Boxen in der Glaspyramide

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Will man eine Boxveranstaltung sehen, in der zwei Frauenboxkämpfe die Hauptkämpfe sind, dann muss man wohl schon nach Österreich fahren. Das Trend Eventuell Pyramide in Wien, oder besser gesagt in Vösendorf bei Wien, war am 21.06.2014 Austragungsort dieser bemerkenswert guten Veranstaltung. Die Halle ist eine Glaspyramide, die früher eine tropische Wellness Oase beheimatete. Die Palmen und das üppige Grün, die von dem ehemaligen Bad geblieben sind, und einbildeten den Rahmen für einen sehr schönen Austragungsort für Boxveranstaltungen.
Der laue Sommerabend begann mit der Begegnung zwischen Manuel Buchheit (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) und Petr Gyna (27 Kämpfe, 4 Siege, 4 durch KO, 22 Niederlagen, 16 durch KO, 1 Unentschieden) im Leichtgewicht. Buchheit punktete mit Links-Rechts-Kombinationen, begann aber etwas überhastet. Gyna kam daher anfangs noch ein ums andere Mal mit seiner Linken zur Stirn durch. Einmal traf er sogar mit einem schönen Aufwärtshaken den Kopf. Buchheit bestimmte aber den Kampf. Dies machte er auch im zweiten Durchgang, in dem er dann den Druck erhöhte. Mitte der Runde stellte er seinen Gegner in dessen Ringecke, wo er ihn mit einem rechten Körperhaken zu Boden zwang. Kurze Zeit später musste, nach einer Körper-Kopf-Kombination, Gyna erneut zu Boden. Allerdings waren das wohl eher noch die Spätfolgen des ersten Niederschlags. Es sah danach aber zuerst noch so aus, als könnte er das Rundenende erreichen. Buchheit jedoch stellte ihn erneut in seiner Ecke. Er ließ ihn dann auch nicht mehr heraus und deckte ihn mit Schlägen ein. Langsam sackte Gyna in sich zusammen und ging zu Boden. Der Ringrichter Erich Straub brach den Kampf zu Recht ab. TKO Runde 2 nach 2 Minuten 52.
Der folgende Kampf im Junior Weltergewicht ging über die volle Distanz von 8 Runden.
In ihm trafen Kim Poulsen (26 Kämpfe, 25 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage) und Ivo Gogosevic (13 Kämpfe, 8 Siege, 3 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) aufeinander. Zunächst sah es noch nach einer relativ einfachen Angelegenheit für Poulsen aus. Er boxte die ersten beiden Runden überlegt und überlegen. Er trieb seinen Gegner vor sich her, schlug aber wenig.In der dritten Runde veränderte sich dann der Kampfrhythmus. Gogosevic fing im Rückwärtsgang an zu joggen und er versuchte, mit überfallartigen Angriffen zum Ziel zu kommen. In der folgenden Runde versuchte er es mit wildem Keilen. Als er Poulsen zu Boden schubste und dem Knienden dann auch noch einen Schlag auf dem Hinterkopf verpasste, wurde er mit einem Punktabzug von Ringrichter Joseph Tremml bestraft. Hiernach wurde der Kampf von Runde zu Runde härter und vor allem von Gogosevic immer schmutziger geführt. Er sprang in seine Angriffe herein, stieß mit dem Kopf, schlug auf dem Hinterkopf, klemmte den Arm ein und schlug zu, schlug nach dem Break Kommando noch mal, schubste, setzte eine Beinsichel ein und vieles mehr. Der Ringrichter ließ ihn weitestgehend gewähren, was dem Kampf nicht zuträglich war. Aber auch Poulsen trug seinen Teil dazu bei, dass der Kampf schmutzig wurde. Er boxte nicht, d.h. er war zu inaktiv und setzte viel zu wenig seine Führhand ein. Am Ende stand ein einstimmiger Punktsieg für Poulsen, aber auch bei einem Unentschieden hätte er sich nicht beschweren können.

Özlem Sahin (18 Kämpfe, 17 Siege, 5 durch KO, 1 Unentschieden) bestritt ihren ersten WM Kampf. Sie boxte um die drei vakanten Titel im Strohgewicht der WIBF, WBF und GBU (Women’s International Boxing Federation, World Boxing Federation und Global Boxing Union), wobei der WBF Gürtel ein Intercontinental Titel war. Ihre Gegnerin war Thuion Thanyathada alias Buangern OnesongchaiGym (18 Kämpfe, 11 Siege, 2 durch KO, 6 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden). Sahin begann gut und wurde von Runde zu Runde stärker. In der ersten Runde punkte sie mit ihrer variablen Führhand. Sie schlug zu Körper und Kopf. Buangern OnesongchaiGym konnte Sahin, obwohl sie größer ist und einen sichtbaren Reichweitenvorteil hatte, nicht auf Distanz halten. In der zweiten Runde kam Sahin noch stärker und traf nun auch häufiger mit der Rechten. In der dritten Runde versuchte die Thailänderin den Vorwärtsdrang von Sahin durch Klammern zu unterbinden, was ihr aber nur bedingt gelang. Ein harter rechter Kopfhaken am Anfang der Runde hatte sie beeindruckt. Zum Ende hin suchte Sahin den KO, aber geschicktes Klammern von Thanyathada führte dazu, dass beide Boxerinnen auf dem Ringboden landeten. Im folgenden, vierten Durchgang nahm Thanyathada viel und am Ende schien sie etwas wackelig auf den Beinen zu sein, schaffte aber noch die Ringpause. In der folgenden Runde musste sie wiederum viele Treffer nehmen und es stellte sich nun ernsthaft die Frage, ob sie den Kampf bis zum Schluss würde durchhalten können. In der sechsten Runde wurde diese Frage dann schließlich beantwortet. Bereits am Anfang musste sie nach einer längeren Kombination, die sie nehmen musste, zu Boden und wurde angezählt. Wieder auf den Beinen deckte Sahin sie weiter mit Schlägen ein, unter denen sie zusammenbrach und ausgezählt wurde. KO in Runde 6 nach 1 Minute und 10 Sekunden. – Ein großer und beeindruckender Sieg für die neue Doppelweltmeisterin im Strohgewicht.
Im Supermittelgewicht trafen Omar Jatta (22 Kämpfe, 12 Siege, 8 durch KO, 9 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Titusz Szabo (61 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 56 Niederlagen, 26 durch KO, 1 Unentschieden) aufeinander. Jatta dominierte den ganzen Kampf. Er zeigte schöne gerade Links-Rechts-Kombinationen. Am Ende der Runde brachte ein rechter Schwinger Szabo zum Wackeln. Dieser konnte sich jedoch in die Ringpause retten. In der zweiten Runde erhöhte Jatta den Druck und kam auch immer häufiger durch. Szabo musste in ihr dreimal zu Boden. In der folgenden Runde brachte Jatta eine schöne rechte Garde zum Kopf durch, die Szabo zu Boden zwang. Er kam zwar noch mal hoch wurde aber direkt in der folgenden Aktion wieder zu Boden geschickt. Jetzt hatte der Ringrichter genug gesehen und brach den ungleichen Kampf ab. TKO in Runde 3 nach 1 Minute und 1 Sekunde.
Dann kam die zweite Frauenweltmeisterschaft des Abends. Es boxten Eva Voraberger (21 Kämpfe, 18 Siege, 9 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) und Marasri Sriliwai alias Nonggift OnesongchaiGym (9 Kämpfe, 6 Siege, 1 durch KO, 2 Niederlage, 1 Unentschieden) um die vakanten Titel der WIBF und der WBF (Women’s International Boxing Federation und World Boxing Federation) im Super Fliegengewicht. Voraberger war die Hauptprotagonistin des Abends. Das lag nicht nur daran, dass sie die Hauptkämpfern an diesem Abends war, sondern vor allem auch daran, dass praktisch nur ihr Handeln im Ring den Kampf bestimmte. Der Kampf entwickelte sich zu einer regelrechten Ringschlacht, die hin und her wogte und bis zum Schluss spannend blieb.
Die erste Runde ging an Voraberger. Sie setzte ihre Gegnerin unter Druck, musste aber mehrfach Treffer zum Kopf, mit der Rechten geschlagen, nehmen. Die folgende Runde ging dann an Nonggift OnesongchaiGym; Voraberger war zu inaktiv und wartete zu sehr auf den einen alles entscheidenden Schlag. So ging der Kampf hin und her. Voraberger sah immer gut aus, wenn sie gegen die Rechtsauslegerin ihre Linke einsetzte. Sie sah nicht so gut aus, wenn sie ihre Rechte unvorbereitet schlug. Am Ende der achten Runde war der Ausgang des Kampfes noch offen. Mit einer bemerkenswerten Energieleistung sicherte sich Voraberger aber schließlich nach zehn Runden den einstimmigen Sieg. Die Punktrichter werteten 97:94, 97:93 und 96:94. Mit diesem Sieg schrieb Voraberger Boxgeschichte, denn sie ist die erste Österreicherin, die in Österreich einen WM Kampf bestritt.
Zum Abschluss gab es dann noch einen Achtrunder im Weltergewicht, in dem Laszlo Toth (18 Kämpfe, 18 Siege, 13 durch KO) und Arkadiusz Malek (24 Kämpfe, 13 Siege, 4 durch KO, 7 Niederlagen, 5 durch KO, 5 Unentschieden) aufeinander trafen und über die angesetzte Distanz gingen. Toth zeigte schönes Boxen. Besonders seine Linke gefiel. Malek versuchte sein Glück mit Kopfhaken, die nicht ungefährlich waren. Zum Ende hin baute er aber ab und kämpfte nur noch darum, nicht vorzeitig zu verlieren. Der Punktsieg von Toth war einstimmig und deutlich.

Zu erwähnen bleibt mir noch, dass es im Rahmenprogramm der wirklich guten Veranstaltung von Peter M. Pospichal (Box-Team Vienna) noch Muay Thai- und Kickboxkämpfe zu sehen gab. In einem davon verlor die Kickboxlegende Stefan Leko durch eine verletzungsbedingte Aufgabe in Runde 1 gegen Murat Karabulat. Außerdem gaben sich Richard Lugner und Tatjana Gsell die Ehre. Der längste Tag des Jahres bekam mit dem Boxen in der Glaspyramide einen schönen Abschluss.
(C) Uwe Betker

Foto: Özlem Sahin

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(C) Uwe Betker

Foto: Eva Voraberger

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(C) Uwe Betker

Gutes Boxen in Ravensburg

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Obwohl Ravensburg am 07. September 2013 unter dem Motto stand „Ravensburg spielt – überall in der Stadt wurde auf den Straßen gespielt -, gab es genau zu diesem Termin in der Stadt auch Menschen, die nicht spielten, sondern kämpften. Im Hotel/Restaurant Bärengarten gab es gutes Boxen und K-1 Kickboxen zu sehen. Vier K-1 Kämpfe und sieben Profiboxkämpfe wurden in dem schönen Biergarten ausgetragen. Ungefähr 1.000 Zuschauer verbrachten den lauen Spätsommerabend hier im Freien.
Kurzfristig übernahm die GBA die Aufsicht über die Veranstaltung, weil, wenn ich es richtig gehört habe, der BDB den Hauptkämpfer Joe Duffy aus England keine Notlizenz erteilen wollte. Sein Management hatte wohl ein Formular nicht fristgerecht eingeschickt.
Ich hatte das Glück, zwischen den Nummerngirls zu sitzen. Es war mir sogar vergönnt, in jedem Kampf eine andere junge Dame an meiner Seite zu finden. Zuerst saß eine ausgesprochen hübsche Dunkelhaarige neben mir, die auf dem rechten Oberschenkel eine Tätowierung in Form eines Strumpfbandes hatte. Auf ihrem rechten Bein war in verschlungener Schrift etwas geschrieben. Bevor ich entziffern konnte, was dort stand, war der erste K-1 Kampf schon vorbei. Artur Albrand wurde zum Punktsieger über Eyüp Sögüt in der Gewichtsklasse bis 72 kg erklärt. Hiernach saß eine junge und attraktive Brünette neben mir, die etwas kleines Schwarzes anhatte, was man früher Hot Pants nannte. Kaum hatte ich mich halbwegs an das Schwarze meiner Nachbarin gewöhnt, war auch dieser Kampf schon zu Ende. Nicolai Pinkers besiegte Patrick Friedrich in der Gewichtsklasse bis 85 kg durch DSC 1. Der Ringrichter stoppte den Kampf in der Pause nach der ersten Runde aufgrund einer Cutverletzung am linken Auge.
Auch von den ersten drei Runden des dritten Kampfes, in der Gewichtsklasse bis 75 kg, bekam ich nichts mit, weil neben mir eine außerordentlich aparte Blondine saß. Sie hatte pinke Zehennägel, die aus ihren Highheels herauslugten. Ihre Fingernägel hatten die gleiche Farbe. Ihr Top war auch pink. Da das Aufeinandertreffen von Evangelos Kalaitzis und Milan Stützle nach drei Runden unentschieden stand, gab es eine Verlängerungsrunde. In der kam Stützle mit einem Körperhaken durch, der seinen Gegner zu Boden und zur Aufgabe zwang.
Im letzten K-1 Kampf ließ ich mich nicht mehr durch meine Nachbarin ablenken und beobachtete das sehr kurzweilige Aufeinandertreffen von Konstantin Biegler und Köksal Orduhan (Gewichtsklasse bis 95 kg). Orduhan kämpfte spektakulär. Er zeigte Sprünge und Saltos. Biegler kämpfte konventionell aber effektiv. Am Ende musste Orduhan ganz tief in die Trickkiste greifen, absichtliche Kopfstöße und Tiefschläge, um den Schlussgong des mitreißenden Kampfes zu erreichen.
Dann wurden der Weltergewichtler Timo Schwarzkopf (12 Kämpfe, 12 Siege, 7 durch KO) und die deutsche Schwergewichtslegende Andreas Sidon (53 Kämpfe, 41 Siege, 34 durch KO, 11 Niederlagen, 6 durch KO) geehrt. Der anwesende Jens Plösser (8 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO) nutzte die Gelegenheit. Er ließ es sich nicht nehmen, Sidon dazu herauszufordern, den unlängst ausgefallenen Kampf sofort nachzuholen – ein sehr unterhaltsamer Showact, bei dem auch noch Peter Althoff mitspielte. Es folgte noch ein weiter Act mit einem Sänger namens L-Cubano. Vermutlich bin ich nicht Zielgruppe seiner Musik, daher kann ich darüber auch nichts sagen. Aber seine beiden Tänzerinnen waren nett anzusehen.
Im ersten Boxkampf des Abends trafen im Halbmittelgewicht Uran Hadergjonaj (6 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO) und Andy Thiele (30 Kämpfe, 1 Sieg, 27 Niederlagen, 15 durch KO, 2 Unentschieden) aufeinander. Der in Berlin lebende Thiele ist schon ein Phänomen. Von seinen bisher 30 Kämpfen konnte er nur einen einzigen gewinnen. Der 28-jährige Thiele steigt schlicht mit jedem in den Ring, macht sein Ding und verliert. In seinem Kampfrekord finden sich Namen wie Ronny Lopez, Nick Klappert, Ronny Mittag, Jürgen Doberstein und Mike Keta.
Diesmal gab es nur sehr wenig von ihm zu sehen. Bereits am Anfang der ersten Runde brachte ein Körpertreffer ihn zu Boden. Er kam zwar wieder hoch und stellte sich erneut, aber der Mann, der sich „Atomic Boy“ nennt, schickte ihn gleich noch mal mit einem Körpertreffer zu Boden. Der Ringrichter hatte genug gesehen und nahm Thiele aus dem Kampf.
Anschließend kämpfte im Halbschwergewicht Alis Sijaric (4 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO) gegen Attila Korda (7 Kämpfe, 4 Siege, 4 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO). Sijaric, der offenbar technisch bessere Boxer, punktete mit seiner Führhand. Korda versuchte es vor allem mit Kraft, was ihn für Konter anfällig machte. Der von Alexander Petkovic trainierte Korda ließ immer wieder seinem Jab einen weit ausgeholten Schwinger folgen, der aber nur selten sein Ziel fand. In der dritten Runde stellte Sijaric seinen müde werdenden Gegner am Seil und deckte ihn mit 10 bis 15 Kopfhaken ein, woraufhin Korda zu Boden musste. Zwar kam er wieder hoch und stellte sich noch mal dem Kampf, aber kurze Zeit später musste er wieder in die Knie gehen und gab auf.
Auch der folgende einzige Frauenboxkampf war gut. In ihrer eigentlichen Gewichtsklasse, dem Minimumgewicht, bestritt Özlem Sahin (16 Kämpfe, 15 Siege, 5 durch KO, 1 Unentschieden), die Interimsweltmeisterin im Junior Fliegengewicht der WIBF (Women’s International Boxing Federation), einen Kampf, um aktiv zu bleiben. Die Ludwigsburgerin Sahin war zuletzt im Dezember 2012 in den Ring gestiegen. Gegnerin in dem auf 4 Runden angesetzten Kampf war Mirela Baradzic aus Serbien, die bis dahin erst einen Kampf bestritten hatte. Am 06.07.2013 verlor sie gegen die Deutsche Steffi Schünke in Neuruppin durch Mehrheitsentscheidung.
Gegen Sahin hatte Baradzic keinerlei Chance. Soweit ich es gesehen habe, hat sie in den vier Runden ihre Gegnerin nur ein einziges Mal am Körper getroffen. Sehr schnell war ihr klar, dass es hier nur um ihr Überleben ging. Sahin jagte sie geradezu, und Baradzic war regelrecht auf der Flucht. Zum Teil legte die Serbin sogar Joggingeinlagen ein, um vor Sahin zu fliehen. Auch ihre Ecke tat alles, sie zu schützen und Zeit zu schinden: Ecke überfluten, Mundschutz vergessen, spät aus dem Ring klettern … – das volle Programm eben. Letztlich hatte Baradzic Erfolg: Stark verbeult, aber stehend erreichte sie den Schlussgong.
In Sahins Ecke stand nicht wie sonst üblich Conny Mittermeier, sondern der Mittelgewichtler Istvan Szili (18 Kämpfe, 17 Siege, 7 durch KO, 1 Unentschieden) zusammen mit Brigitte Gassert und Dietrich Wolter.
Im Mittelgewicht trafen sich Arton Dajakaj (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Arber Dodaj (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 1 durch KO) zu einer regelrechten Ringschlacht. Dodaj startete furios. Er ließ in der ersten Runde einen Schlaghagel auf Dajakaj, der von Timo Schwarzkopf und Istvan Szilla sekundiert wurde, herunterprasseln. Er deckte ihn mit Schlägen nur so ein. Dajakaj konnte nur selten kontern.
Im zweiten Durchgang fand Dajakaj in den Kampf und blieb Dodaj nichts schuldig. Die letzten drei Runden waren extrem hart und bestanden praktisch aus einem ununterbrochenen Schlagabtausch. Am Ende bekam Dodaj wohl konditionelle Probleme,die er mit Fouls zu kompensieren versuchte. Ein absichtlicher Kopfstoß blieb zunächst ungeahndet. Für den folgenden absichtlichen Tiefschlag musste er dann aber einen Punktabzug hinnehmen. Nach grandiosen vier Runden bekam Dajakaj den verdienten Sieg zugesprochen.
Im Cruisergewicht gab es eine bemerkenswerte Kampfansetzung. Der in Ravensburg lebende Osman Pehlivan gab sein Profidebüt. In seinem ersten Kampf stand er einem Gegner gegenüber, Iko „ Ilhan“ Dzafic (5 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO), der immerhin drei seiner vier Profikämpfe für sich entscheiden konnte. Der Mann der in Bosnien Herzegowina geboren wurde und in München lebt, boxt auch im Schwergewicht und keiner seiner Kämpfe ging über die Distanz. Umso überraschender war der Kampfverlauf.
Der Neuling Pehlivan überrollte seinen Gegner. Er drosch auf ihn ein, stellte ihn am Ringseil und brachte ihn mit Kopftreffern zu Boden. Beim Zu-Boden-gehen verdrehte sich Dzafic dann das Knie, so dass an ein Weitermachen nicht mehr zu denken war.
Der nächste Kampf bot Kontrastprogramm. Im Super Mittelgewicht boxten Anatoli „Toli“ Muratov (4 Kämpfe, 4 Siege) und Vasile Dragomir (32 Kämpfe, 21 Siege, 10 durch KO, 10 Niederlagen, 9 durch KO, 1 Unentschieden) gegeneinander. In der ersten Runde war technisch sauberes Boxen von beiden Kontrahenten zu bewundern. In der zweiten Runde erhöhte der erfahrene Dragomir den Druck, aber Muratov hielt Stand und boxte weiter gut mit. Die folgende Runde wurde härter und beide verloren etwas ihre boxerische Linie. In der vierten Runde ließ Dragomir seine Führhand fallen, um Muratov zu unüberlegten Aktionen zu verleiten, der sich aber nicht darauf einließ, sondern nun endgültig das Kommando im Ring übernahm. Zur fünften Runde trat Dragomir aufgrund einer Verletzung des rechten Ellebogens nicht mehr an. Muratov überzeugte. Es könnte sich lohnen, ihn im Auge zu behalten.
Dann kam der Hauptkampf des Abends. Ihn bestritten im Mittelgewicht Joe Duffy (6 Kämpfe, 6 Siege, 2 durch KO) und Ionut Trandafir Ilie (33 Kämpfe, 14 Siege, 2 durch KO, 18 Niederlagen, 8 durch KO, 1 Unentschieden). Der in Irland geborene und in London lebende Joseph Duffy kam mit vielen Vorschusslorbeeren zum ersten Mal nach Deutschland. Aber aus dem einfachen Aufbaukampf wurde nichts. Der Mann aus Ploiesti, Rumänien dachte gar nicht daran, ihm den Sieg einfach zu überlassen. Die ersten zwei Minuten der ersten Runde gehörten Duffy. Er boxte schön an, variierte die Schläge und traf – alles nach Plan. Dann kam Ilie mit einem rechten Schwinger auf die Schläfe durch und Duffy rutschte an den Seilen zu Boden. Eine Sensation bahnte sich an. Er kam wieder hoch und kämpfte noch benommen, die Pause zu erreichen. Dabei musste er immer wieder Treffer nehmen.
Im nächsten Durchgang machte Ilie da weiter, wo er in der ersten Runde aufgehört hatte. Duffy wirkte immer noch nicht ganz klar und hatte keine boxerische Linie mehr. Seine Führhand kam praktisch überhaupt nicht und er ließ sich ein ums andere Mal auf Keilereien ein, die offensichtlich nicht seine Stärke sind. Zum Ende der Runde hin wurde er etwas besser. In der folgenden, dritten Runde kam er soweit in den Kampf zurück, dass er sie für sich entscheiden konnte.
In der Rundenpause kam es dann zu einem Zwischenfall: einige Personen im Publikum entschlossen sich, das Kämpfen nicht den Männern im Ring zu überlassen. Die Security behob dieses Problem schnell. Gleichwohl hatten die Boxer dadurch aber eine Pause von mehreren Minuten, die vor allem Duffy zugute kam.
Die nächsten zwei Runden gehörten dann auch Duffy. Die Verunsicherung blieb ihm aber anzumerken. In der sechsten und letzten Runde drehte Ilie auch noch mal wieder auf. Er zwang seinem 25-jährigen Gegner seinen Kampf auf. Er wollte nicht nur die Runde gewinnen, er wollte Duffy KO schlagen. Immer und immer wieder zwang er ihm Schlagabtäusche auf und Duffy schien zwischenzeitlich wieder zu wackeln.
Was dann aber folgte, war schon grotesk. Der Ringsprecher verkündete einen Punktsieg für Duffy. Mein Versuch, vor Ort die genaue Punktwertung zu erfahren, blieb ohne Erfolg. Zuerst fragte der Ringrichter, wer das denn wissen wolle. Dann beschied er allen Ernstes, die Wertung dürfe nicht sagen. Auf meinen Hinweis hin, dass eine Punktwertung öffentlich ist, versuchte er mich mit der Information abzuspeisen, dass ein Punkt den Kampf entschieden habe. Weitere Nachfragen blieben erfolglos. Ich wurde nur noch darauf verwiesen, die genaue Wertung auf boxrec.com nachlesen zu können.
Um es deutlich zu sagen: In meiner persönlichen Wertung lag Ionut Trandafir Ilie vorne. Ich halte es für eine Fehlentscheidung, dass Duffy zum Sieger erklärt wurde. Es war jetzt keine krasse Fehlentscheidung. Sie war bei Weitem nicht so schlimm wie bei dem letzten Kampf von Istvan Szili. Der Kampf war trotz Niederschlag schon eng. Aber es ist eben eine Fehlentscheidung!
Was mich aber wirklich wundert, ist der Umgang des German Boxing Association Kampfgerichts vor Ort mit der Situation. Unabhängig davon, wie der Duffy-Ilie-Kampf bewertet wurde, muss doch gesagt werden: Ein Kampfgericht, das sich nicht in die Punktzettel gucken lässt, setzt sich dem Verdacht aus, nicht sauber zu arbeiten.
Wenn ich richtig informiert bin, war dies die erste Veranstaltung von Benedikt Poelchau und Götz Bauer (Blanko Sports), bei der auch Profiboxen gezeigt wurde. Mein persönliches Fazit lautet: Es war eine gute und durch und durch solide Show – sieht man einmal von den unerfreulichen Geschehnissen am Ende ab. Erwähnt werden sollte vor allem das mutige Matchmaking, bei dem die Sieger nicht alle schon vorher feststanden und nicht alle Sieger aus der gleichen Ecke kamen. Boxen in Deutschland kann nur überleben, wenn es mehr Veranstalter gibt, die ehrliches und gutes Boxen zeigen, wie Blanko Sports es in Ravensburg gemacht hat.
(C) Uwe Betker

Written by betker

9. September 2013 at 23:59

Veröffentlicht in Boxen, Frauenboxen, Uncategorized

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Ein großer Abschied für Ina Menzer

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Am 30.03.2004 konnte wohl kein Zuschauer im Saaltheater Geulen in Aachen ahnen, dass eine der vielen Frauen, die dort boxten, neun Jahre später immer noch in den Ring steigen würde. Für mich jedenfalls war sie nur eine von den Vielen, die Universum Box-Promotion damals als neue Regina Halmich zu verkaufen versuchte. Die Boxerin, von der hier die Rede ist, heißt Ina Menzer. Sie gewann ihr Profidebüt gegen eine gewisse Zsanett Erod, deren einziger Profikampf das war. Ich habe keine Erinnerung mehr an den Kampf. Ihrem Kampfrekord gemäß gewann Menzer seinerzeit durch TKO in Runde 3.
Universum Box-Promotion gibt es inzwischen nicht mehr. Regina Halmich boxt nicht mehr. Und Ina Menzer wurde keine neue Halmich. In der Bedeutungslosigkeit versank sie aber nicht. Sie wurde etwas Eigenständiges, nämlich Ina Menzer (31 Kämpfe, 30 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage). Sie war Weltmeisterin im Federgewicht nach Version WIBF (Women’s International Boxing Federation), WBC (World Boxing Council) und WBO (World Boxing Organization). Sie gewann ihren ersten Titel am 22.10.2005 gegen Silke Weickenmeier, und sie verlor alle ihre Titel am 03.07.2010 an Jeannine Garside.
Nun will Menzer in ihrer Heimatstadt Mönchengladbach zum letzten Mal in den Ring steigen. Dass es sich hierbei sogar um einen Titelkampf handeln soll, ist dabei schon fast nebensächlich. – Es geht um den Interims WM Titel der WBF (World Boxing Federation) und um den WIBA (Womens International Boxing Association) Titel. Was diesen Kampf aber wirklich zu einem besonderen Abschiedskampf macht, das ist die Gegnerin, Goda Dailydaite (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO).
Dailydaite gilt als die kommende Boxerin im Federgewicht. Die amtierende Weltmeisterin der WIBF Elina Tissen (18 Kämpfe, 16 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) scheint vor Dailydaite dagegen wohl Angst zu haben. Wie könnte man es denn sonst erklären, dass die Frau, die sich selber Maschine nennt und die als Worldchampionesse vermarktet, die Pflichtverteidigung ihres Titels nicht macht?
Da ist Ina Menzer aus ganz anderem Holz geschnitzt! Zum Abschluss ihrer Karriere boxt sie noch mal eine der stärksten Boxerinnen der Welt und schenkt ihren Zuschauern damit einen großartigen Kampf.
Es ist schwer zu sagen, wer den Kampf gewinnen wird. Ich persönlich sehe leichte Vorteile bei Menzer – aufgrund ihrer Erfahrung und weil Dailydaite manchmal nicht stabil steht. Gleichzeitig dürften Kraft und Ausdauer aber für Dailydaite sprechen. Deshalb halte ich auch ihren Sieg für möglich.
© Uwe Betker

Gedanken zum Phänomen Elina Tissen

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Elina Tissen ist ein Phänomen. Vermutlich gibt es kaum eine Boxerin, die so viel Ablehnung unter den Boxfans erfährt wie sie. Dabei ist Tissen (17 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) amtierende Weltmeisterin in drei Gewichtsklassen. Sie hat nicht weniger als fünf WM Titel.
Man könnte sich natürlich auch annehmen, die, die an ihr Kritik üben, sind nur neidisch. Aber dieser Ansatz fasst zu kurz. Wieso sollten denn Boxfans neidisch auf eine Boxerin sein? Die 26-jährige Boxerin sieht ja gut aus, wirkt charmant und nett. Sie ist auch Beispiel für eine gelungene Integration. In Orynbor (Orenburg, Russland) geboren, zieht sie mit zwölf nach Warendorf bei Münster. Sie nimmt die deutsche Staatsangehörigkeit an und macht eine Ausbildung zur Erzieherin. Wo ist da ein Grund für die Ablehnung?
Mir persönlich ist Elina Tissen zu zu. Sie ist mir zu aufdringlich, zu großsprecherisch, zu seltsam, zu selbstverliebt und zu laut. Halt zu zu. Beispiele gefällig? Frau Tissen wird von ihrem Management nicht als Weltmeisterin, sondern als „Worldchampionesse“ vermarktet. (Ich hoffe ich habe das Wort richtig geschrieben, denn aussprechen kann ich es nicht.) Dann mag ich ihren Kampfnamen nicht „Elin the Machine“. Wie kann man nur aus einer jungen Dame eine Maschine machen? Dies sind aber nur persönliche Empfindlichkeiten von mir.
Unangenehmer wird es, wenn sie einfach von der WIBF zur Boxerin des Jahres 2010 erklärt wird, ohne überhaupt nur einen WIBF Kampf bestritten zu haben. Oder wenn Frau Tissen mögliche zukünftige Gegnerinnen aus der Halle wirft. So geschehen 2011. Die Herausgeworfene war Goda Dailydait (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO). Oder wenn sie die angesprochene Dailydait einfach nicht boxt, obwohl sie die Pflichtherausfoderin ist. Warum nun Elina Tissen nicht auf einer Veranstaltung Khalil BoxPromotion boxt, ist letztlich nicht ganz klar. Aber es drängt sich der Verdacht auf, das Management von Tissen könnte den Kampf auf keinen Fall gewollt haben.
Nun boxt sie am 01.Juni in Essen gegen Doris Köhler (25 Kämpfe, 11 Siege, 5 durch KO, 12 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden). Dabei geht es um die WM Titel im Federgewicht von den drei Verbänden GBC (Global Boxing Council), WIBF (Women’s International Boxing Federation) und GBU (Global Boxing Union). So weit so schlecht. Aber noch schlimmer wird diese Kampfansetzung durch die Tatsache, dass Tissen bereits am 24.03.2012 gegen Köhler geboxt und nach Punkten gesiegt hat. Die Punktrichter werteten den Kampf 100:89, 100:89 und 100-91. Von den drei Punktrichtern wertete nur einer eine einzige Runde unentschieden. Alle anderen Rundenwertungen gingen an Tissen. Die Dame aus Wien gewann nicht eine einzige Runde.
Wenn Tissen Köhler jetzt in einem Interview stark redet und über ihre Entwicklung im letzten Jahr spekuliert, dann empfinde ich dies einfach nur als eine Beleidigung der Intelligenz der Boxfans. Frau Köhler verlor nach ihrem Kampf gegen Tissen noch gegen Ina Menzer, am 21.04.2012 und gegen Gaelle Amand, am 29.06.2012. Hiernach erreichte sie gegen eine Dame mit einem Kampfrekord von 3 Siegen, 24 Niederlagen, 2 Unentschieden in 29 Kämpfen immerhin ein Unentschieden. Dann siegte sie sogar noch drei Mal in Folge. Ihre erste Gegnerin gab ihr Profidebüt, die nächste hatte alle ihre drei Kämpfe verloren und die Letzte hatte zwölf Kämpfe in Folge verloren. Der WM Kampf zwischen Tissen und Köhler ist, nach meiner Meinung, einfach nur eine beschämend unwürdige Kampfansetzung.
Trotzdem kann ich nur jedem empfehlen, zu diesem Kampfabend hinzugehen. Die Veranstaltung verspricht wirklich gut zu werden, wenn man einmal absieht von dem letzten Kampf, den man als Ausfeger ansehen kann. Der Veranstalter Granit Shala schickt sich an, dem Profiboxen in Essen neue Impulse zu geben. Im richtigen Hauptkampf ist der Junior Weltergewichtler Bihes Barakat (21 Kämpfe, 18 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) zu sehen und der Barakat Kampf ist mit Sicherheit sehenswert.
© Uwe Betker