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Ein Rückblick auf das letzte Jahr der sportlichen Karriere von Marco Huck

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Von Marco Hucks letztem Kampf war das Bild im Internet am häufigsten zu sehen, auf dem er besinnungs- und wehrlos auf dem zweiten Seil von unten liegt , über ihm stehend: der Ringrichter David Fields, der ihn auszählt. Huck (42 Kämpfe, 38 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) ist nicht mehr Weltmeister der WBO im Cruisergewicht. Das sollte nun Grund genug sein, das letzte Jahr seiner sportlichen Karriere Revue passieren zu lassen.

Im Sommer letzten Jahres war die Welt von Huck noch in Ordnung. Am 30. August absolvierte er im Garry Weber Stadion in Halle ein leichtes Sparring. Dabei besiegte er den Italiener Mirko Laghetti, einen handverlesenen Gegner. Aus blieb dabei allerdings das angekündigte Zerbröseln der Hartweizen Nudeln. Er brauchte für die „Spagetti à la Laghetti“ doch zwölf Runden. Dies war sein letzter Kampf für Sauerland Events GmbH.
Sauerland hatte ihn, den Kickboxer, 2004 unter Vertrag genommen. Da Huck spät und über den Umweg des Kickboxens zum Boxen gekommen war, wurde aus ihm, trotz der Bemühungen von Trainer Ulli Wegner, kein technischer Boxer, sondern ein harter, technisch limitierter Fighter, der den KO sucht. Trotz schlechterer Voraussetzungen und allein durch Fleiß, Härte und die Hilfe seines Veranstalters wurde er Europameister und Weltmeister der World Boxing Organisation.

Nach seinem Kampf gegen Laghetti trennte sich Huck von seinem Veranstalter. Vermutlich war Geld der Grund hierfür. Es geht schließlich fast immer um Geld. Huck gründete mit seinem Bruder Kenan Hukić eine eigene Promotion-Firma – nach dem Vorbild der Klitschkos und Felix Sturms. Er und sein Bruder, der nun sein Promoter, Manager und Geschäftsführer seiner Firma ist, versuchte er, sich selber ins Gespräch zu bringen als ein möglicher Gegner für Wladimir Klitschko (66 Kämpfe, 63 Siege, 53 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO). „Jetzt bin ich frei für Klitschko!“ Aber natürlich war solch ein Kampf nicht zu vermarkten. Wieso sollte der zur Zeit beste Schwergewichtler der Welt und amtierende Weltmeister der IBF, WBO und Super Champion der WBA gegen jemanden boxen, der seinen einzigen Schwergewichtskampf nicht gewinnen konnte. – Huck verlor am 25.02.2012 gegen Alexander Povetkin. Seine Leistung war keine Offenbarung. Auf keinen Fall aber war sie eine, die ihn als einen möglichen Herausforderer für Klitschko qualifiziert hätte. Gleichwohl wurde er nach diesem Kampf nicht müde, Klitschko herauszufordern.
Der als Muamer Hukić in Novi Pazar, im heutigen Serbien geborene Huck versuchte nach seinem Weggang von Sauerland einen deutschen TV-Sender für seine Kämpfe zu interessieren. Diese Bemühungen waren jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Zeljko Karajica, der Geschäftsführer der ProSiebenSat.1 TV Deutschland sagte öffentlich: „Huck muss mit Sauerland einen Deal machen, wenn er in Sat.1 boxen will. Es wird keinen separaten Vertrag mit Huck Sports Promotion geben.“ Und Wilfried Sauerland gab zum Besten, Huck würde sich überschätzen.
Da Huck keinen TV-Vertrag in Deutschland bekam, ging er in die USA. Die Überlegung, die hinter diesem Schritt stand, war gut. Mit seinem Boxstil und seinem WM -Titel standen ihm die Türen offen. Geplant war eine relativ einfache Titelverteidigung gegen den als zweitklassig angesehenen Kryrsztof Glowacki. Dann sollte er gegen die Ringlegende Roy Jones jun. (67 Kämpfe, 59 Siege, 42 durch KO, 8 Niederlagen, 4 durch KO) antreten. Zwei überzeugende Siege, die auch realistisch waren, und er wäre eine feste Größe auf dem US-amerikanischen Markt geworden. Aber dazu kam es nicht. Er verlor nämlich durch KO in Runde 11.
Nach dieser Niederlage steht Huck nun vor dem Scherbenhaufen seiner Karriere. Da nutzte auch nichts, einen Rückkampf zu fordern. Warum sollte er ihn auch bekommen. Hat er denn selbst Denis Lebedev einen Rückkampf gewährt, nachdem er am 19.12.2010 von diesem vermöbelt worden war und durch die zwei Punkrichter Lahcen Oumghar und Manuel Oliver Palomo den Sieg geschenkt bekommen hatte? – Nein.
Es fiel auf: Huck boxte in seinem letzten Kampf technisch um Klassen schlechter als sonst. Durch seinen Weggang von Sauerland war er gezwungen, sich auch einen neuen Trainer zu suchen. Ulli Wegner, der ihn als Trainer zum Weltmeister gemacht hatte, durfte ihn nicht mehr trainieren. Aus einem mir unerfindlichen Grund nahm er sich dann einen amerikanischen Trainer. Er plauderte selber in einem Interview darüber, dass er einmal zu spät zum Training in seinem Trainingslager in Las Vegas gekommen sei, weil er im Casino festhing. Das spricht ja wohl nicht gerade dafür, dass er seinen Gegner und seinen Trainer Don House sonderlich ernst genommen hätte.

Jeder weiß, dass ein Trainerwechsel nicht unproblematisch ist. Noch schwieriger ist es, wenn der Trainer aus einer ganz anderen Trainerschule kommt. Relativ selten nur kamen europäische Boxer mit amerikanischen Trainern zum Erfolg. Zu unterschiedlich sind beide Boxschulen. Und „Umschulungen“ auf einen anderen Stil gehen in der Regel nicht gut. Wenn Huck nun in seinem Trainer den Sündenbock für seinen Titelverlust gefunden zu haben glaubt, so ist das einfach billig. Er hat sich House doch selbst ausgesucht, der außerdem – abgesehen von Bermane Stiverne – aktuell auch keinen Top-Boxer betreut.
Hucks Deckung war schlecht. Die Kondition war schlecht. Die Linke hängen lassen, um den Gegner zum Angriff zu verleiten, war ein suboptimale Idee. Die Verständigung in der Ringecke war auch schlecht. Sich nur über einen Dolmetscher zu verständigen, kann nun auch einfach nicht hilfreich sein, vor allem, wenn man nur maximal 60 Sekunden Zeit hat zu kommunizieren. Wie schon gesagt Captain Hook hat sich seinen Trainer selbst ausgesucht und alle Probleme waren vorher bekannt.
Huck sucht inzwischen einen neuen Trainer. Es sieht im Moment danach aus, als würde Graciano Rocchigiani sein neuer Trainer werden. Auch hier sehe ich Schwierigkeiten voraus. Aber Huck wird schon wissen, warum er Rocky will. Neue sportliche Aufgaben hat er aber immer noch keine.
© Uwe Betker

Written by betker

25. Oktober 2015 at 23:59

Veröffentlicht in Boxen

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Der Superchampion Marco Huck – auf zu neuen Ufern

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Es war ein kluger Schachzug von Marco Huck (41 Kämpfe, 39 Siege, 26 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden), zur WBO Tagung nach Las Vegas zu fliegen. Der Weltmeister der World Boxing Organisation im Cruisergewicht bekam dort den Titel des Superchampions verliehen. Im Gegensatz zu Felix Sturm, der sich auch mal Superchampion nannte, diesen Titel aber den Regeln des Verbandes gemäß überhaupt nicht tragen durfte, ist Huck nun wirklich Superchampion. Die WBO kann den Titel einem Boxer zusprechen, wenn dieser seinen WM Titel 13-mal erfolgreich verteidigt hat.
Huck hat zwar wohl noch ein juristisches Probleme zu lösen, bevor seine Firma (Huck Sports Promotion) ihn vermarkten kann. Sein ehemaliger Veranstalter Sauerland Event stellt sich nämlich auf den Standpunkt, Huck hätte seinen Vertrag noch nicht zur Gänze erfüllt und müsste daher noch weiter für ihn boxen. Huck aber stellt schon mal in Aussicht, dass er im Frühling 2015 gegen die Box-Legende Roy Jones jun. (67 Kämpfe, 59 Siege, 42 durch KO, 8 Niederlagen, 4 durch KO) antreten will. Vorgespräche hat es bei der WBO Tagung auch tatsächlich schon gegeben. Nun ist ein Kampf dieser beiden, sportlich gesehen, nur mäßig interessant. Zwar steht Jones noch auf Position 20 der unabhängigen Weltrangliste, und er trägt den WM Gürtel der WBU, der World Boxing Union, die deutsche Version, aber er ist bereits 45 Jahre alt und boxerisch auch nur noch eine Schatten seiner selbst.
Es kamen mir auch Gerüchte zu Ohren, denen zufolge es auch Gespräche zwischen Huck und Wladimir Klitschko (66 Kämpfe, 63 Siege, 53 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO 3) gegeben haben soll. Huck hat ja auch schon mal einem Ausflug ins Schwergewicht unternommen, nämlich am 25.02.2012. Dabei konnte er allerdings gegen Alexander Povetkin, den ich auch nicht gerade als Offenbarung wahrgenommen habe, nicht überzeugen. Aber seither wird er nicht müde, einen Kampf gegen Klitschko zu fordern.
Bis Huck nun wieder in der Ring steigt, muss er noch einige Probleme aus den Weg räumen. Da wäre zum Beispiel erst mal die Trainerfrage. Sein langjähriger Trainer Ulli Wegner wird ihn wohl nicht trainieren dürfen, da Sauerland es ihm ja wohl kaum erlauben wird, wenn sich Huck mit seinem früheren Arbeitgeber nicht gütlich einigt oder kooperiert. Unlängst weilte Huck in München, wo er bei einem Fitnesscoach ein Training absolvierte – bei einem „Bundeswehroffizier, der über verschiedene Trainerlizenzen verfügt“. Auch über einen US-amerikanischen Trainer wurde in der Presse schon spekuliert.
Ein zweites Problem dürfte der TV-Sender sein. Welcher Fernsehsender sollte schon bereit sein, für die Übertragung eines Kampfes von Huck Geld auszugeben? Bei Sat.1, dem größten Box-Sender, hat man, jedenfalls gegenüber der Öffentlichkeit, schon abgewunken. Zeljko Karajica, Geschäftsführer der ProSiebenSat.1 TV Deutschland sagte: „Huck muss mit Sauerland einen Deal machen, wenn er in Sat.1 boxen will. Es wird keinen separaten Vertrag mit Huck Sports Promotion geben.“
© Uwe Betker

Eine Prognose: Marco Huck vs. Firat Arslan – der Rückkampf

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Der Rückkampf zwischen Marco Huck (39 Kämpfe, 36 Siege, 25 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Firat Arslan (41 Kämpfe, 33 Siege, 21 durch KO, 6 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden), der am 25.01.2014 in der Hanns-Martin-Schleyer Halle in Stuttgart stattfinden soll, kommt spät, aber immerhin kommt er. Mit der ersten Begegnung der beiden, die am 03.11.2011 stattgefundenen hat, konnten schließlich nur der amtierende WBO Weltmeister im Cruisergewicht und sein Veranstalter Sauerland Event zufrieden sein. Obwohl die drei Punktrichter Paul Thomas (115:113), Mickey Vann (115:113) und Giustino Di Giovanni (117:111) Huck einstimmig als Punktsieger gesehen hatten, wurde er vom Publikum ausgepfiffen. Die meisten Zuschauer im Garry Weber Stadion in Halle und an den Fernsehgeräten sahen offenbar Arslan als Sieger.
In der Übertragung fiel sogar das böse B-Wort – Betrug. Einmal öffentlich ausgesprochen, entwickelte es dann seine eigene Dynamik. Der übertragende TV Sender ARD verwahrte sich noch während der Übertragung gegen den Vorwurf, die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland sei an einem Betrug beteiligt. Auch der Veranstalter Sauerland Event wies den Vorwurf weit von sich, drohte mit rechtlichen Schritten und forderte eine öffentliche Entschuldigung.
Vor dem Rückkampf sieht die Situation nun anders aus als noch vor 14 Monaten. Um sicher zu gehen, dass der Titel der World Boxing Organisation auch wirklich bei Sauerland Event bleibt, bekam Firat Arslan schon gleich einen Vertrag. Natürlich bekam er den Vertrag nicht aus altruistischen Gründen oder weil Sauerland ein schlechtes Gewissen hätte wegen des Ausgangs des ersten Kampfes. Die GmbH aus Berlin braucht schlicht und einfach die WBO Titelkämpfe. Zum einen geht es darum, den Vertrag gegenüber der ARD zu erfüllen, und zum anderen will sie sich die Möglichkeit einer Vertragsverlängerung offenhalten.
Auf diesem Hintergrund und weil Huck im ersten Kampf auch so eine schlechte Leistung gezeigt hat, gehen viele davon aus, dass Firat Arslan den Rückkampf gewinnen wird, es sei denn die Punktrichter fällen wieder eine Entscheidung, für die außer dem Weltmeister und seinem Veranstalter keiner Verständnis hat. Diesem allgemeinen Trend, Arslan als Favoriten zu sehen, kann ich mich nun allerdings nicht anschließen. Vielmehr möchte ich die Prognose wagen, dass Muamer Hukic alias Käpt’n Huck alias Marco Huck den Kampf eindrucksvoll gewinnen wird.
Hiermit gehe ich ein relativ großes Risiko ein, denn bei öffentlichen Prognosen kann man sich sehr gut blamieren. Das letzte Mal nämlich, als ich eine Prognose abgeben bzw. eine Wette angenommen habe, lag ich schwer daneben. Ich verlor eine Dose Coca Cola. Die Dose steht immer noch auf meinem Schreibtisch und ich hoffe, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, bevor ich die Gelegenheit habe, sie dem Gewinner auszuhändigen. Bei Boxwetten bin ich ein schlechter Verlierer.
Warum aber glaube ich nun, dass der Mann aus Ugao, Serbien gewinnen wird?
Huck wird nicht noch einmal Arslan unterschätzen. Arslan ist ein Phänomen. Was der 43-jährige Arslan aus seinem Körper herausholt, ist wirklich sensationell. Er wird mit Sicherheit wieder topfit sein. Aber Huck ist gewarnt. Er hat ihn ein Mal unterschätzt, und diesen Fehler wird er nicht noch mal machen. Bereits im Dezember hat Huck, der im Ruf steht, sein Training nicht immer so ganz ernst zu nehmen, Fotos von sich veröffentlicht, auf denen er sehr austrainiert aussieht. Wenn nun aber beide Boxer austrainiert gegeneinander antreten, ist Huck, mit seinen 29 Jahren der deutlich jüngere Boxer, im Vorteil.
Hinzu kommt, dass sich Huck in seinem letzten Kampf am 08.06.2013 deutlich verbessert gezeigt hat. Gegen Ola Afolabi, dem er am 05.12.2009 umstritten seinen WM Titel abgenommen hatte und gegen den er am 05.05.2012 nur ein sehr schmeichelhaftes Unentschieden erreichen konnte, zeigte er zuletzt die beste Leistung seiner Karriere. Wieso sollte er hinter diese Leistung zurückfallen?
Ich tippe auf Marco Huck.
© Uwe Betker

Von Punktrichtern des BDB

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Schon wieder ist ein, wie ich finde, grauen- und erbrechenerregendes Fehlurteil zu beklagen. Dem bis dahin ungeschlagenen Istvan Szili (18 Kämpfe, 17 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage) gab man am 23.08.2013 in Galati in Rumänien gegen Gökalp Özekler (17 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO. 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden) nur ein Unentschieden, weil zwei deutsche Punktrichter ihm den Sieg nicht zusprechen wollten.
Die Veranstaltung in Rumänien wurde vom hamburger Veranstalter EC Boxpromotion auf die Beine gestellt. Das mag auch erklären, dass zwei bekannte BDB Punktrichter, nämlich Frank Michael Maass und Holger Wiemann am Ring saßen und ein bekannter BDB Ringrichter, nämlich Manfred Küchler, den Kampf leitete. Es gab auch einen rumänischen Punktrichter, Mihai Leu, der seine Sache ordentlich machte. Er punktete, wenn auch ein wenig zu knapp mit 115:113 für Szili.
Die Punktrichter des Bundes Deutscher Berufsboxer werteten den Kampf allerdings anders. Maass punktete 114:114, also unentschieden, Wiemann 113:115 für Özekler. Der Kampf wurde also Unterschieden gewertet. Nun könnte man natürlich argumentieren: eine Unentschieden ist doch keine Fehlentscheidung. Aber wer sich eine Aufzeichnung des Kampfes ansieht, kann eigentlich nur Istvan Szili als eindeutigen Sieger sehen. Man kann m.E. Gökalp Özekler ernsthaft nur dann mehrere Runden zusprechen, wenn man ständiges Halten und Klammern als boxerische Aktionen wertet. Ich muss schon sehr in meinem Gedächtnis kramen, um mich an einen Kampf zu erinnern, bei dem ein Boxer so viel klammerte. Damit wären wir dann auch bei der Leistung des Ringrichters Küchler, der das ständige Klammern von Özekler nicht ein einziges Mal ermahnte, geschweige denn eine Verwarnung aussprach – in meinen Augen eine unterirdische Ringrichterleistung.
Immer und immer wieder bekommt man bei solchen offensichtlichen Fehlendscheidungen dann die gleichen Ausreden zu hören. Da wird z.B. gesagt, Punktrichter werten einen Kampf unterschiedlich, weil sie an unterschiedlichen Seiten des Rings sitzen. Oder: nur vom BDB geschulte Punktrichter können die Feinheiten des Profiboxens wirklich sehen und werten. Oder …
Eigentlich braucht man all diesen doch sehr alten und abgeschmackten fadenscheinigen Ausreden nur eine Feststellung entgegenhalten: Fehlentscheidungen in Deutschland bzw. bei deutschen Veranstaltungen sind immer zu Gunsten der Veranstalter. Ich kann mich in den Jahrzehnten, in denen ich nun Boxen verfolge, nur an eine einzige gravierende Fehlentscheidung erinnern, die zu Ungunsten eines Heimboxers lautete. Und das war bei einer Kleinringveranstaltung von Mario Guedes.
Was mich bei all dem wirklich beunruhigt, ist die Tatsache, dass Fehlurteile scheinbar immer irgendwie weitere nach sich ziehen. Frank Michael Maass, der für mich unverständlicherweise Özekler ein Unentschieden gab, sah z.B. auch Susi Kentikian gegen Nadia Raoui siegen und gab ihr außerdem ein Unentschieden gegen Melissa McMorrow. Holger Wiemann sah als Einziger Rola El Halabi gegen Lucia Morelli ein Unentschieden erreichen. Ringrichter Küchler disqualifizierte Cisse Salif in seinem Kampf gegen Alexander Petkovic für Tiefschläge, die nur er sah.
Das Muster ist eindeutig: Fehlentscheidungen fallen immer zu Gunsten von Heimboxern. Gökalp Özekler bleibt damit Interkontental Champion der World Boxing Organisation im Mittelgewicht. Und Promoter Erol Ceylan hat sich als deutscher Veranstalter in die Reihe der „Opfer von Fehlurteilen“ eingereiht.
Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Die Zahl der Fehlurteile in Deutschland nimmt rapide zu. Man könnte schon geradezu von einer Epidemie sprechen, die sich hier ausbreitet. Die Einzigen, die das nicht sehen wollen, sind die Offiziellen, die großen Veranstalter und ein Teil der Fernsehsender. Liest man aber im Ausland irgendetwas über Boxen in Deutschland, so stößt man unweigerlich auf die Feststellung: In Deutschland ist es nahezu unmöglich, nach Punkten zu gewinnen. – Leider ist das die Wahrheit.
Man könnte sich natürlich auf den Standpunkt stellen: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.“ Aber nach dieser Maxime können letztlich nur die Veranstalter handeln, die einen lukrativen Fernsehvertrag haben und deren Sendern es egal ist, wenn Boxer um ihre Siege betrogen werden und damit schlich ihre Zuschauer für dumm verkauft werden. Nur diese Veranstalter können sich nämlich Titelkämpfe kaufen, bzw. sie nach Deutschland holen.
© Uwe Betker

Über weiße Kittel und geschlossene Augen

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Ärzte in weißen Kitteln, insbesondere wenn sie auch noch das Stethoskop lässig aus einer ihren Taschen herauslugen lassen, flößen unendlich viel Respekt ein. Sie sind wahre Götter in weiß. Nie – nie würde ich das fachliche Urteil eines Arztes im weißen Kittel in Frage stellen, eine zweite Meinung einholen oder gar daran zweifeln. Leider haben Ringärzte keine Kittel an, und daher erwacht in mir manchmal der Zweifel an einigen Entscheidungen dieser Herren.
Der bekannteste Ringarzt in Deutschland ist Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Walter Wagner aus Bayreuth. Wagner war erst vor kurzem im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen und zu hören. Auf sein Anraten hin wurde der letzte Kampf von Arthur Abraham, am 23.03.2013 in Magdeburg, gestoppt. Abraham (40 Kämpfe, 36 Siege, 4 Niederlagen, 1 durch KO) verlor seinen Titel der WBO, World Boxing Organisation) im Super Mittelgewicht an Robert Stieglitz (47 Kämpfe, 44 Siege, 25 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO), dem er eben diesen Titel zuvor, nämlich am 25.08.2012, abgenommen hatte.
Nun erscheint es einem blutigen Laien wie mir nur natürlich, dass ein Kampf abgebrochen wird, wenn einem Boxer ein Auge zugeschwollen ist. Das leuchtet schon deshalb ein, weil der Boxer dann ja die Schläge von dieser Seite nicht mehr sehen kann. Dementsprechend ist die Entscheidung von Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Walter Wagner uneingeschränkt zu befürworten. Mein Problem dabei ist nur, dass es sich hier um den berühmten Ringarzt Wagner handelt und dass er keinen weißen Kittel trägt. Wagner erlangte schließlich internationale Berühmtheit dadurch, dass er Abraham am 23.09.2006 in Wetzlar acht Runden mit einem doppelten Kieferbruch weiterboxen ließ. Wir erinnern uns noch alle gut an das grotesk geschwollene Gesicht von Abraham und wie das Blut aus seinem Mund quoll. – An diesem Vergleich erkennt man vermutlich den medizinischen Laien, der einen doppelten Kieferbruch für gefährlicher hält als ein zugeschwollenes Auge.
Vermutlich würde Dr. Wagner argumentieren, dass durch ein geschlossenes Auge der Boxer die Schläge nicht mehr sehen kann und schlimmstenfalls sogar das Augenlicht in Gefahr ist. Dem würde ich den 11. März 1988 entgegen halten. Damals wurde Graciano Rocchigiani gegen Vincent Boulware in der Philipshalle in Düsseldorf das erste Mal Weltmeister. Es war eine Ringschlacht wie wir sie wohl niemals vorher oder nachher in Deutschland zu sehen bekommen haben. Wenn ich mich recht entsinne, war seinerzeit das linke Auge von Rocchigiani auch komplett geschlossen. Und wenn ich mich weiter recht entsinne, war ausgerechnet Dr. Wagner damals der Ringarzt, der den Kampf nicht abgebrochen hat. Da frage ich mich doch: Was unterscheidet denn eigentlich ein komplett geschlossenes Auge bei Graciano Rocchigiani von einem bei Arthur Abraham?
Die Antwort dürfte wohl in einem „Ich will nicht mehr!“ liegen. Laut einem Augen- und Ohrenzeugen soll Abraham, als er zurück in seine Ecke kam, nämlich zu seinem Trainer Ulli Wegner gesagt haben: „Ich will nicht mehr!“. Und als Dr. Wagner zu ihm kam, um sein Auge zu untersuchen, soll er auch zu ihm gesagt haben: „Ich will nicht mehr!“.
Um es deutlich zu sagen: Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Walter Wagner hat sich um den deutschen Boxsport sicherlich sehr verdient gemacht. Soweit ich informiert bin, war er maßgeblich an der Einführung der Dopingkontrollen und der MRT Untersuchung beteiligt. Aber am Ring sollte er vielleicht doch einen weißen Kittel tragen. Dann würde ich auch seine Entscheidungen womöglich nicht mehr hinterfragen.
© Uwe Betker

Ein Hauptkampf Jürgen Brähmer vs. Tony Averlant?

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Eduard Gutknecht (26 Kämpfe, 24 Siege, 9 durch KO, 2 Niederlagen) verlor am 02.02.2013 gegen Jürgen Brähmer (41 Kämpfe, 39 Siege, 30 durch KO, 2 Niederlagen) seinen Europameistertitel der EBU, European Boxing Union, im Halbschwergewicht. Der frischgebackene Europameister heißt Jürgen Brähmer. Jener Jürgen Brähmer, der einst als Jahrhunderttalent gehandelt wurde, dann vom Boulevard das Etikett Knastboxer bekam und heute als geläuterter Paulus des deutschen Profiboxens gilt.
Auch seine sportliche Karriere war ein auf und ab. Sein unaufhaltsam erscheinender Aufstieg wurde am 27.05.2007 jäh gestoppt durch eine überraschende Punktniederlage gegen seinen Stallkollegen Mario Veit. Dann stand zwischen ihm und dem Weltmeister-Titel nur Hugo Hernan Garay. Am 22.11.2008 gewann Garay klar nach Punkten. 2009 wurde er, dank der cleveren Stallregie von Universum Box-Promotion, doch noch Weltmeister der WBO, World Boxing Organisation – und das kampflos. Genauso kampflos, verlor er den Titel dann auch ein Jahr später wieder.
Aus der Konkursmasse von Universum Box-Promotion wechselte Brähmer Anfang dieses Jahres zu Sauerland Event. Dort gab er sein erfolgreiches sportliches Comeback. Er siegte über seinen Stallkollegen Eduard Gutknecht. Nun soll er am 27. April in Hamburg gegen Tony Averlant (27 Kämpfe, 18 Siege, 4 durch KO, 7 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) kämpfen. Averlant verlor nicht nur seinen letzten Kampf. Vorher hat er, ausgerechnet gegen Gutknecht, verloren. Dieser Kampf soll nun der Hauptkampf von Sauerland für die ARD sein.
Der geplante Hauptkämpfer Marco Huck (38 Kämpfe, 35 Siege, 25 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) muss seinen WM Titel der WBO im Cruisergewicht bei einem anderen Veranstalter, nämlich Don King, verteidigen. Also wurde kurzerhand Brähmers Europameisterschaft zum Hauptkampf. Aber hätte man nicht einen besseren Gegner finden können? Muss es denn gerade der Gegner sein, den Gutknecht geschlagen hat, u. z. im letzten Kampf vor seinem Titelverlust? Muss es ein Gegner sein, der seinen letzten Kampf verloren hat? Ist sich Sauerland Event denn nicht bewusst, dass alle Haushalte in der Bundesrepublik Deutschland mit ihrem Rundfunkbeitrag für sie und ihre Veranstaltungen bezahlen? Kann man da nicht zumindest eine bessere Kampfansetzung verlangen?
© Uwe Betker

Wofür kämpft ein Boxer?

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Vor längerer Zeit erzählte mir ein us-amerikanischer Kollege von seiner Theorie eines großen Boxers. Er vertrat die Ansicht, ein Boxer könne nur dann ein wirklich großer Boxer werden, wenn er für etwas kämpft. Er definierte es dadurch, dass ein Boxer erst zu einem wirklich großen Boxer wird, wenn er große Kämpfe gegen harte Gegner gewinnt. Diese Kämpfe, so seine Theorie, kann man nur gewinnen, wenn einen etwas antreibt, quasi als Ersatzbatterie.
Zunächst einmal kämpft jeder Boxer für sich selber. Weil er persönlich etwas davon hat, nimmt er Strapazen und Schmerzen auf sich. Man kann sich aber wirklich fragen, was, außer persönlicher Eitelkeit, einen Boxer dazu treibt, sich praktisch nackt der Gefahr auszusetzen vor aller Augen verprügelt zu werden. Evander Holyfield (55 Kämpfe, 43 Sieg, 28 durch KO, 10 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden) sagte immer von sich, er kämpfe für Gott. Böse Zungen behaupten aber, dass er wohl eher für die Alimente kämpft; schließlich hat er 11 Kinder von 6 Müttern.
Unlängst wurde der Mittelgewichtler Hamid Rahimi (22 Kämpfe, 21 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage) auch außerhalb des Kreises seiner Boxfans bekannt. Er war nämlich der erste Profiboxer, der in Afghanistan boxte. Der in Kabul als Hamidullah Rahimi geborene und heute in Hamburg lebende Boxer deklariert sein Boxen schon seit einer Weile als „Kampf für Frieden.“ Seinen Kampf am 30.10.2012 gegen den nicht sehr starken Said Mbelwa sahen 20 Millionen Landsleute in Fernsehen. Rahimi wurde zum Nationalhelden und er wurde auch Interkontinental Champion der WBO, World Boxing Organisation. Sein „Kampf für Frieden“ brachte ihm eine sehr breite Medienpräsenz. Selbst das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ begleitete seinen Kampf in Afghanistan.
Nun forderte vor kurzem der Schwergewichtler Manuel Charr (24 Kämpfe, 23 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) David Deron Haye (28 Kämpfe, 26 Siege, 24 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO) heraus. Der in Beirut (Libanon) geborene Mahmoud Omeirat Charr, der eigentlich Syrer ist, will jetzt ebenfalls für den Frieden kämpfen, allerdings für den Frieden in Syrien: „Wenn David Haye gegen mich boxt, spende ich die Hälfte meiner Börse für Friedensprojekte in meiner Heimat!“
Beide Boxer und ihre Anliegen sind durchaus ernst zu nehmen. Man kann und muss ihnen beiden auch nur viel Erfolg bei ihren Kämpfen für den Frieden wünschen. Ich persönlich würde mir aber auch Boxer wünschen, die für den „Krieg“ kämpfen, nämlich für einen Krieg gegen schlechte Kämpfe, korrupte Punktrichter, verlogene Veranstalter usw.
© Uwe Betker