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Rezension: “Boxing Made Easy” von Anonymous

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Das Büchlein “Boxing Made Easy” von einem unbekannten Autor, der sich als einen Schüler von Mendosa (sic) und Humpfrey (sic) bezeichnet, erschien zuerst 1865. Es ist Boxlehrwerk mit zehn Holzschnitten und hat einem Umfang von 46 Seiten. Mit Hilfe dieser Schrift lernt man Schritt für Schritt das Boxen, so wie man es vor einhundertfünfzig Jahren machte.
Auf Seite 5f. ist zu lesen: “Before yon begin to learn boxing, it will be necessary to provide yourself and your friend with a pair of mufflers, or gloves stuffed with wool, und similar in make to fencing gloves, except indeed that they are larger und more liable, if a blow with the back hand knuckles of the double fixt be struek, to prevent a wound. A blow, however, with the double fist ought not to be struck by either party, whether in learning the lessons or in sparring, since where there is no enmity, the possibility of hurting may as well be avoided. A straight blow at the face, or a blow at the mark, may be hit with the back of the hand or of the fingers; and a round blow at the face, or a blow at the ribs, with the palm of the hand.”
1865 benutze man gerade die Vorläufer der Boxhandschuhe, die so genanten “Muffler”, oder man bastelte sich selber welche. Man schlug irgendwie auf seinen Gegner ein. Innenahndschläge waren, wie oben zu lesen, normal und regelkonform. Der Leser bekommt einen guten Eindruck, wie vor 150 Jahre geboxt wurde. Der anonyme Autor stellt zum Beispiel die Methoden der Deckung, nach Daniel Mendoza und Richard Humphries gegenüber.

Daniel Mendoza (05. 07.1764 – 03.09. 1836) war ein englischer Boxer der Bare-Knuckle-Ära. Als „Englische Meister“ war er damals auch der inoffizielle Weltmeister. Er portugiesisch-sephardischer Herkunft und gilt als Erneuerer des Boxens. Er war nur 72 Kilogramm schwere und war der erste bewegliche Boxer. Richard Humphries war sein Mentor, und die Beiden boxten 1788 drei Kämpfe gegeneinander. Ihre Kämpfe hatten eine ähnliche Bedeutung wie die Ali-Frazier-Triologie.
Am Ende des Schrift gibt es noch eine kleine Exkursion zum Wrestling und einen Gegenüberstellung von siebzehn Boxern, mit Kurportraits und der Einschätzung ihrer Stärke. Der anonyme Autor scheint, Augenzeuge oder Besucher der Boxakademie von Mendoza, denn er schreibt, dass er einige der genannten Boxer tranigeren gesehen hat.
Es gibt einen netten und preiswerten indischen Reprint von dem Büchlein. Wer sich für „Old School Boxen“ interessiert, und eine Vorstellung bekommen möchte wie früher geboxt wurde, sei dieses Buch wärmsten ans Herz gelegt.
© Uwe Betker

Rezension: „Two Ton“ von Joseph Monninger

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Für jeden, der sich für Boxgeschichte interessiert und auch Humor hat, ist das Buch „Two Ton. One fight, one night“, das Buch von Joseph Monninger über den Kampf zwischen Tony Galento und Joe Louis, Pflichtlektüre. Außerdem ist das Buch noch kurzweilig und amüsant.
Tony Domenick Galento (112 Kämpfe, 80 Siege, 57 durch KO, 26 Niederlagen, 6 durch KO, 5 Unentschieden) war ein Unikum. Er machte Wrestling mit einen Oktopus. Er mimte den Bösewicht in dem Film Faust im Nacken, von Elia Kazan mit Marlon Brando. Er wettete, vor einem Schwergewichtskampf fünfzig Hot Dogs essen zu können und er unterhielt sein Publikum mit Tarzanschreie. Er schlug drei Gegner nacheinander, an einem Abend, KO; dabei trank er in den Ringpausen Bier. Überhaupt bestand sein Training zum Teil aus Biertrinken. Er hatte unzählige Manager, darunter den großen Jack Dempsey und bei dem Kampf gegen Louis den legendären Joe Jacobs. Er war Protagonist in dem wohl schmutzigsten Boxkampf des modernen Boxens. Und er boxte am 28.06.1939 im Yankee Stadion in New York, vor 40.000 Zuschauern. NBC übertrug den Kampf im Radio. Geschätzte 40 Millionen Menschen in den USA lauschten der Übertragung.
Gallento, ein haariger und übergewichtiger Barkeeper, dem die Haare auf dem Kopf ausgingen, trat gegen den besten Schwergewichtler seinen Generation, Joe Louis, an, der gleichzeitig auch einer der besten Boxer aller Zeiten ist. Aber dieser Mann, der so überhaupt nicht aussah wie ein Athlet, glaubte daran, dass er gewinnen könnte. Sein Credo: „I´ll moida da bum.“
In der ersten Runde des Titelkampfes klingelte Galento Louis an und in der dritten Runde hatte er ihn sogar am Boden. Der Ausgang ist bekannt.
Er war der krasse Außenseiter, aber die Hälfte der Zuschauer war für ihn. Er war der Mann, der sie zum Lachen brachte und er war der, mit dem sich viele identifizieren konnten. Er war die Verkörperung der Mehrheit: Nicht besonders hübsch, nicht besonders talentiert und nicht übermäßig intelligent, also ebenso durchschnittlich wie wir jeder – aber auch wie jeder von der Idee beseelt, der eigenen Durchschnittlichkeit zu entwachsen.
Gallento bekam seine Chance im Kampf gegen Louis und er versuchte diese Chance, die, realistisch betrachtet, nicht wirklich bestand, zu nutzten. Was in diesem Kampf und auch alles, was davor oder danach noch passiert ist, zeichnet das Buch minutiös nach. Dabei ist es sehr unterhaltsam. Die knapp über 200 Seiten habe ich mit großem Vergnügen und in einem Rutsch durchgelesen. Das Buch „Two Ton“ von Joseph Monninger ist ein sommerlich leichtes Buch und ideal für den Liegestuhl im Garten oder für den Strand. Es ist neu und gebraucht via Internet zu beziehen.
(C) Uwe Betker