Box-Blog

Tom Cribb (1)

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Wer als Reisender nach London kommt, steht irgendwann unweigerlich auf dem Piccadilly Circus. Der Piccadilly Circus, der ja mal so etwas wie das Zentrum der Welt war, ist heute einfach nur aufdringlich laut und voll. Es werden die gleichen Produkte angeboten wie überall sonst auf der Welt, und außerdem natürlich noch die unvermeidlichen London-Souvenirs. Aber unweit von diesem Un-Ort gibt es das Tom Cribb, einen bemerkenswerten Pub.
Der Pub ist nach Tom bzw. Thomas Cribb benannt, dem es einmal gehörte. Cribb wurde am 02.07.1781 in Hanaham, Gloucestershire, England, in der Nähe von Bristol, geboren. Er lebte die ersten Jahre zusammen mit seinen Eltern Thomas und Hannah und mit seinen sechs Geschwistern Abraham, Ann, Daniel, Elizabeth, Ester und George. Bereits mit 13 Jahren ging er allein nach London. Dort arbeitete er zunächst bei einem Verwandten als Türglockenaufhänger. Aber bereits kurze Zeit später arbeitete er als Träger bei den Kais in den Docklands von London, wo er die Ladung der Lastkähne löschte. In diese Zeit fielen auch zwei Unfälle, die beide zum vorzeitigen Tod von Cribb hätten führen können. Das eine Mal fiel er zwischen zwei Kohle-Kähne, die ihn zu zerquetschen drohten. Das andere Mal rutschte er aus und die sehr schweren Pakete mit Orangen, die er trug, stürzten auf seinen Brustkasten. Noch Tage später spuckte er Blut.
Er diente auch eine Zeitlang bei der königlichen Marine, von der er 1804 entlassen wurde. Hiernach arbeitet er weiter als Kohleträger in den Docks, was ihm den Namen „The Black Diamond“ eintrug. Unter diesem Kampfnamen absolvierte er auch seinen ersten Kampf am 07.01.1805. Cribb gewann seinen ersten öffentlichen Kampf gegen George Maddox in Wood Green in Middlesex in der Nähe von Highgate, heute ein Teil von London. Der Kampf dauerte zwei ein viertel Stunde und ging über 76 Runden.
George Cribb, ein Bruder von Tom Cribb, versuchte sich auch als Profiboxer. Er boxte wohl fünf Mal. Er verlor alle seine Kämpfe.
Einen Monat später, am 15.02.1805, schlug Thomas Cribb Tom „Tough“ Blake und gewann eine Börse von 40 Guineas, was in dieser Zeit ein kleines Vermögen war. Diesmal boxte er „nur“ eineinhalb Stunden, bzw. 20 Runden lang. Seine Siege und seine Börse überzeugten ihn, von nun an Profiboxer zu sein. In der gleichen Zeit lernte er Robert Barclay Allardice, besser bekannt als Captain Robert Barclay, kennen. Barclay erkannte das Potential von Cribb und wurde sein Betreuer, Berater und Trainer. Im Juli des gleichen Jahres musste Cribb gegen George Nichols eine der wenigen Niederlagen seiner Karriere hinnehmen. Der Kampf dauerte eineinhalb Stunden und ging über 52 Runden.
Am 08.10.1805 besiegte er knapp William „Bill“ Richmond, genant „Black Terror“ in einem eineinhalb Stunden dauernden Kampf. 1807 schlug er dann Jem Belcher, den ehemaligen All England Champion, der zu jener Zeit eine lebende Legende war. 1809 wurde er zum British Champion ernannt, weil „Titelinhaber“ John Gully zurücktrat. Im selben Jahr, am 12.12.1809, heiratete er Elizabeth Warr in der St. Pancras Old Church, im Stadtteil Camden in London. Vermutlich hatten die Beiden sieben Kinder.
Unsterblich wurde Cribb durch seine zwei Kämpfe mit dem großen Tom Molineaux. Molineaux wurde 1784 als Sklave in Virginia, USA geboren. Er boxte mit anderen Sklaven um die Plantagenbesitzer zu unterhalten. Er gewann seinem Besitzer so viel Geld durch Wetten auf ihn, dass dieser ihm die Freiheit schenkte. Hiernach ging Molineaux nach England und verdingte sich als Profiboxer.

(C) Uwe Betker

Written by betker

19. November 2011 um 23:59

Veröffentlicht in Boxen, Geschichte, Uncategorized

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