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Boxen im Film: Stanley Kubrick (2) „Der Tiger von New York“

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Stanley Kubrick (26. Juli 1928 in New York, USA – 07. März 1999 im Childwickbury Manor bei London, Großbritannien) galt als Filmregisseurgenie. Seine Filme 2001: Odyssee im Weltraum, Uhrwerk Orange und Shining haben Kultstatus erreicht.
Mit dem Thema Boxen beschäftigte Kubrick sich mehrfach. Sowohl sein erster Film überhaupt, der Dokumentarfilm „Day of the Fight“ (1950), als auch sein zweiter Spielfilm „Der Tiger von New York“ wählten Boxen und Boxer zum Gegenstand der Handlung.
„Killer’s Kiss“, wie der Originaltitel von „Der Tiger von New York“ lautet, wurde 1955 von dem erst 26-jährigen Kubrick in Schwarz-Weiß gedreht. Es ist ein Low-Budget-Film. Freunde und Verwandte hatten etwa 40.000 US-Dollar aufgebracht, damit Kubrick den Film drehen konnte. Stilistisch wurde es eine Mischung aus Film noir und Melodrama. Man kann ihn auch als Kriminalfilm bezeichnen oder, genauer gesagt, als Kriminal- und Liebesfilm.
Ästhetisch ist der Film geschult an den ausdrucksstarken Bildern in Schwarz-Weiß der Filme der „Schwarzen Serie“. Das erste Viertel, das von den Vorbereitungen auf einen Boxkampf und dem Boxkampf selber handelt, ist stark angelehnt an Kubricks dokumentarischen Kurzfilm „Day of the Fight“. Wer diesen kennt, dem fallen sogleich Gesten und Handlungen des Protagonisten sowie Kameraeinstellungen auf, die er wiedererkennt.
(https://betker.wordpress.com/2017/07/16/boxen-im-film-stanley-kubricks-day-of-the-fight/)
Ein großer Teil des Films wurde in den Straßen von New York gedreht. Durch dieses Drehen „on location“ erhält der Krimi den Anschein von Authentizität. Selbst äußerte Kubrick dazu: „Der Film gibt keinen sehr tiefgründigen Einblick in New York. Es handelt sich ganz einfach um die Standardkulisse eines in New York spielenden Kriminalfilms. Das ist ein nachgemachter Dokumentarfilm.“ Offensichtlich maß er den Außenaufnahmen keine tiefere Bedeutung zu. Dennoch haben sie einerseits eine ästhetische Qualität, die nicht zu unterschätzen ist, und andererseits geben sie dem Film einen dunklen und melancholischen Ton.
Die Handlung beginnt auf einem Bahnhof in New York City, vermutlich Grand Central Station. Davey Gordon (Jamie Smith) führt einen inneren Monolog und fragt sich, wie er in diese Schwierigkeiten hatte geraten können. Er erinnert sich an einige Tage im Rückblick.
Gordon, ein mäßig erfolgreicher Profiboxer, der seine besten Tage hinter hat, lebt in einem bescheidenen Apartment in New York. Er bereitet sich vor und wartet auf seinen letzten großen Kampf, den er dann verliert.

Im gegenüberliegenden Appartement lebt die attraktive Gloria Price (Irene Kane), die als Tänzerin in einem Club arbeitet. Sie wird von ihrem Arbeitgeber, dem Nachclubbesitzer und Gangster Vincent Rapallo (Frank Silvera), bedrängt.
Price und Gordon verlieben sich ineinander. Sie wollen zusammen die Stadt verlassen. Rappallo ist eifersüchtig. Er lässt Price entführen und will Gordon umbringen lassen. Dabei stirbt dann Gordons Manager.
Gordon versucht, Price zu befreien. Dabei kommt es zu einem tödliches Duell mit Rappallo in einer Fabrik für Schaufensterpuppen. Gordon und Price werden getrennt voneinander von der Polizei verhört. Gordon wird nicht angeklagt, da es sich in den Augen der Polizei um Notwehr handelte, und freigelassen. Er beschließt die Stadt zu verlassen und wartet am Bahnhof auf seinen Zug – die Anfangsszene des Films. Kurz vor Abfahrt des Zuges taucht Gloria auf, beide küssen und umarmen sich – ein klassisches Happy End.
„Der Tiger von New York“ ist noch kein klassischer Stanley Kubrick Film. Er ist nicht bombastisch und ausufernd wie die bekannten Filme der zweiten Hälfte seiner Schaffensphase. Es ist ein guter und kleiner Genrefilm mit einem tollen Duell in einer Schaufensterpuppenfabrik. Aber Kubrick wäre nicht Kubrick, hätte er dem Genre nicht etwas Neue abgewinnen können. Wenn man genau hinsieht und -hört, wird man bemerken, dass Kubrick seinem Protagonisten nämlich das glückliche Ende nicht gönnt. Aber wie gesagt, man muss schon bei der Sache sein, um dem versöhnlichen Touch des Endes nicht aufzusitzen. Mehr möchte ich hier nicht verraten. Man kann nur jedem empfehlen, sich „Der Tiger von New York“ anzusehen.
© Uwe Betker

Boxen im Film: Stanley Kubricks „Day of the Fight“

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Stanley Kubrick (26. Juli 1928 in New York, USA- 07. März 1999 im Childwickbury Manor bei London, Großbritannien) gilt als einer der ganz großen Filmregisseure des 20 Jahrhunderts. Jeder kennt Spartakus, Lolita, Dr. Seltsam, oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben, 2001: Odyssee im Weltraum, Uhrwerk Orange, Shining und Full Metal Jacket. „Seine Filme werden vor allem für ihre tiefe intellektuelle Symbolik und ihre technische Perfektion gelobt. Kubrick versuchte, das Medium selbst zu erforschen, indem er jedes Genre analytisch zerlegte, um seine Bestandteile zu etwas Neuem zusammenzusetzen. Der Regisseur war aber auch berüchtigt dafür, jede Szene bis ins kleinste Detail zu perfektionieren und dabei die Schauspieler bis an ihre psychischen und physischen Grenzen zu führen. Seine Filme oszillieren zwischen Ordnung und Chaos und ergeben so eine filmische Conditio humana, “ [Wikipedia], sie beleuchten also eine Bedingung des Menschseins und eine der Natur des Menschen.
Kubrick drehte dreizehn Spielfilme und drei Dokumentarfilme. In beiden Filmgattungen drehte er einen Film über das Boxen.
„Day of the Fight“ ist Kubricks erster Film überhaupt. Es handelt sich dabei um einen Dokumentarfilm, der 12:30 Minuten lang ist. Den Hintergrund bildete der Hinweis eines Freundes von Kubrick, Alexander Singer, der für die Wochenschau „March of Time“ arbeitete. Der erzählte ihm, dass die Wochenschau für acht bis neun Minuten lange Kurzfilme etwa 40.000 Dollar ausgegeben würde. Also beschlossen sie, einen Film mit $ 1.500 zu machen, wobei Kubrick seine Ersparnisse noch drauflegte. Er entschloss sich, seinen ersten Film über den Mittelgewichtsboxer Walter Cartier zu machen, über den er bereits eine Fotoreportage hatte, „The Prizefighter Walter Cartier“ für das Look Magazin. – Kubrick war zu der Zeit tatsächlich noch Photograph. Der Photoessay umfasste sieben Seiten und 22 Schwarz-Weiß-Fotos, auf denen er Einblicke in das Privat- und Berufsleben von dem Profiboxer Cartier gewährt. Man sieht ihn zusammen mit seinem Zwillingsbruder Vincent, man sieht ihn beim Beten in einer Kirche, man sieht ihn mit Freunden am Strand, man sieht ihn mit seinem Trainer, dem berühmten Bobby Gleason, arbeiten und man sieht ihn gegen Tony DeMicco kämpfen. – Cartier verlor am 27.07.1948 den Achtrunder aufgrund einer stark blutenden Cutverletzung über dem linken Auge.
Im Film hat Kubrick das Konzept der Fotoreportage umgewandelt ins „day-in-the-life“- Format. Ausgewählt wurde dafür der 17. April 1950 im Leben von Walter Cartier. Es war der Tag, an dem er im Laurel Garden, Newark, New Jersey, USA gegen Bobby James boxte.
Man sieht in der filmischen Dokumentation die Brüder Cartier beim Aufstehen, beim Warten, beim Frühstücken. Man sieht Walter in seinem kleinen Greenwich Village Appartement, wie er mit seinem Hund spielt, betet in der Kirche, spazieren geht. Man sieht ihn beim Wiegen, beim Warten, bei der medizinischen Untersuchung, beim Mittagessen, beim Warten, in der Kabine vor dem Kampf und dann am Ende im Kampf gegen Bobby James.

Nachgezeichnet wird im Film die Zeit zwischen sechs Uhr morgens und zehn Uhr abends. Die ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Bilder ähneln der Ästhetik eines „Film noir“, also eines pessimistischen und zynischen Gangsterfilms der 1940er und 1950er Jahre. – Einen solchen „Film noir“ legte Kubrick 1956 mit „The Killing“ („Die Rechnung ging nicht auf“) dann auch selbst noch vor.
Der Dokumentarfilm bedient sich einer ruhigen Erzählform. Ein Sprecher aus dem Off redet vom Boxen, über Cartier und dessen Traum, Weltmeister im Mittelgewicht zu werden. Mit dem Beginn des Boxkampfes, um genauer zu sein, sobald Cartier zum Ring geht, nimmt der Film dann an Fahrt auf. Es gibt keine Musik mehr im Hintergrund und auch keine Kommentare aus dem Off. Wir sehen den Kampf, hören die Kampfgeräusche und manchmal ist die Reaktion der Publikums dazwischen geschnitten. Vom Kampf selber sind nur zwei Minuten zu sehen. Kubrick, der auch eine der zwei Kameras bedient, versucht dem Boxen filmisch und astethisch neue Perspektiven abzugewinnen. Beispielsweise beginnt der Kampf mit einer Einstellung, bei der man unter dem Hocker von Bobby James durch Walter Cartier zum ersten Gong aufstehen sieht. Kubrick geht in einigen Einstellungen so nahe an Cartier ran, dass man von seinem Boxen gar nichts mehr sieht, sondern nur noch die Bewegungen. Er filmt auch nicht auf Augenhöhe, wie es bei heutigen Übertragungen üblich ist, sondern von unten durch die Seile hindurch. Dadurch kommen dann auch immer wieder die Seile mit ins Bild. Bei einer Infightszene filmt er offensichtlich von unten, mit der Kamera im Ring. All das sind Szenen, die in vielen Boxerfilmen später kopiert wurden. – Kubrick, der Autodidakt, hat so, wie kein anderer, das Genre der Boxerfilme geprägt und ihm neue ästhetische Ausdrucksformen gegeben.
Die berühmte Knockout-Szene filmte Kubrick nicht selbst. Vielmehr war es Alexandre Singer, der die Kamera hielt. Kubrick war zu diesem Zeitpunkt damit beschäftigt, den Film in seiner Kamera zu wechseln.
„Day of the Fight“ erschien im Jahr 1951 in den USA. „March of Time“ bot Kubrick für den fertigen Film nicht einmal die Herstellungskosten und die waren schon sehr viel niedriger, als die der anderen Filme. Später kaufte R.K.O. Radio den Film für eine noch niedrigere Summe. Für Kubrick war der Film ein finanzielles Desaster.

Im Internet gibt es inzwischen zwei Versionen von „Day of the Fight“ zu sehen. Die „Newsreel“ Version von RKO mit dem Titel „This is America“, die knapp 4:25 Minuten länger ist. Sie beginnt mit einem kurzen Blick auf den Madison Square Garden in New York. Dann beobachtet man einen namenlosen Boxfan dabei, wie er ein Ticket kauft, und eine Stimme aus dem Off stellt dazu Fragen wie: „Was ist die Faszination? Was will der Fan sehen?“ Dann sieht man eine Menge KOs hintereinander. Es folgen jene kurzen Szenen von Training und Alltag. Nun stellt die Stimme im Off weiter Fragen, wie: „Aber warum machen sie es, die Fighter? […] Wo kommen sie her?“ Dann sehen wir Net Fleischer, den legendären Gründer des „The Ring“ Magazins, wie er an der Schreibmaschine sitzt und dann ein Buch hervorholt und aufschlägt. Die Stimme sagt nun: „Nehmen wir einen zufälligen Namen aus dem Buch: Walter Cartier.“ Ich neige dazu Stanley Kubrick von der Verantwortung für diese Einleitungsminuten, die mit dem eigentlichen Film nichts zu tun haben, frei zu sprechen.
Walter Cartier (29. March 1922 Bronx, New York, USA – 17. August 1995 Mount Vernon, New York, USA) war einer der vielen guten Mittelgewichtler der 40er und 50er Jahre. In dieser Zeit wurden Boxer anders als heute aufgebaut. Sie boxten häufig und sie gewannen nicht jeden Kampf. Cartier begann mit 22, als Profi zu boxen. Es sah gut aus – einer der Gründe, warum Kubrick ihn zweimal porträtierte. Er war physisch stark und boxte einen Stil, den das Publikum mochte. Mit ihm konnte man viele Eintrittskarten verkaufen.
Sein Sieg über Bobby James war beeindruckend. Ein rechter Körperhaken gefolgt von einem linken Kopfhaken fällte James, der bis dahin noch nie ausgezählt worden war. Es folgte am 11. Mai 1951 ein Punktsieg über den starken und hart schlagenden Eugene „Silent“ Hairston im Madison Square Garden. Dieser hatte drei Monate davor Paddy Young in der zweiten Runde KO geschlagen. Hairston schickte Cartier in der ersten und dann noch mal der zweiten Runde zu Boden. Cartier wurde aber von Runde zu Runde stärker. Am Ende der zehnten und letzten Runde musste dann auch Hairston nach Körpertreffern zu Boden. Der Gong rettete ihn davor, ausgezählt zu werden.
Am 14. Dezember 1951 traf Cartier dann auf den großen Kid Gavilán. Dem Sieger winkte ein WM Kampf gegen Sugar Ray Robinson. Cartier schaffte, was bis dahin undenkbar schien: Er dominierte den Kubaner. Er gewann Runde um Runde. Die Punktrichter hatten bis zur zehnten und letzten Runde Cartier mehrheitlich vorne (6:2, 5:3 und 4:5). Nach etwas mehr als einer Minute in der zehnten und letzten Runde kam Gavilán dann mit einer Rechten zum Kinn durch. Die nachfolgenden Schläge ließen Cartier zusammenbrechen. Der bekannte Ringrichter Ruby Goldstein nahm ihn aus dem Kampf.
Danach boxte Cartier noch 16-mal; sieben seiner Kämpfe gewann er, sieben verlor er und zweimal boxte er Unentschieden. Unter seinen Gegnern findet man so illustere Namen wie Bobo Olson, Randolph Turpin und Joey Giardello (zweimal). Die meisten dieser Kämpfe fanden in der Eastern Parkway Arena in Brooklyn statt; hier war er der Liebling der Fans. Am Ende seiner Karriere hielt er einen Kampfrekord von 61 Kämpfen (46 Siege, 24 durch KO, 13 Niederlagen, 9 durch KO, 2 Unentschieden).
Nach Beendigung seiner Boxlaufbahn hatte er noch kleinere Auftritte als Schauspieler in mehreren Sitcoms und einem Spielfilm.
© Uwe Betker

Written by betker

16. Juli 2017 at 23:59

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Rezension: Der Film „Herbert“ von Thomas Stuber – ein großartiger Film

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Es gilt hier ohne Wenn und Aber einen Film zu loben, einen deutschen Film, den Film „Herbert“ von Thomas Stuber. Die wenigsten dürften „Herbert“ im Kino gesehen haben. Also müssen sie sich nun die DVD, die gerade erschienen ist, kaufen. „Herbert“ ist ein grandioser Film. Einen Film von solcher Qualität und Tiefe und mit zudem einem Hauptdarsteller, der eine solche schauspielerische Leistung darbietet, bekommt man nur alle Jubeljahre mal zu sehen.

(C) Wild Bunch Germany

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Das Genre des Boxerfilms ist ja nun weitestgehend durchdekliniert. Die mythischen Geschichten von Sieg und Niederlage, von Aufstieg, Kampf und Fall, sind vermutlich schon hundertfach erzählt worden. – Geschichten über einen Boxer, der Schwierigkeiten überwindet, der durch harte Kämpfe geht, die ihn leiden und bluten lassen, und der schließlich sein Ziel erreicht oder aber scheitert. Oder Boxerfilme, die sich am Aufstieg und Fall von realen Boxern orientieren. Garniert wird das alles immer mit Kampfszenen. Wie gesagt, alles schon ein paar Dutzend Male gesehen und seit Jahren dabei nichts Neues entdeckt.

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„Herbert“ ist eine ganz andere Art von Boxerfilm. Er ist härter, ungeschönter, realistischer als die meisten. „Herbert“ ist wahrhaftig.

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Held des Films ist, wie könnte es anders sein, Herbert, ein Brocken, ein Berg von einem Mann. Er ist zwar nicht mehr der jüngste, aber seine Fäuste, seine Muskeln und seine abgebrühte Brutalität sind noch immer sein Kapital. Er verdingt als Geldeintreiber, Türsteher und, wenn es denn der Job erfordert, auch schon mal als Knochenbrecher. Nebenbei trainiert er einen jungen aufstrebenden Amateurboxer, den er auf seinen ersten Titelkampf vorbereitet.

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Herbert ist jemand, der niemanden emotional an sich heranlässt. Weder seine Freundin, die er immer wieder wegstößt, noch seinen Boxer noch auch seine schon lange erwachsene Tochter, die er seit ihrem sechsten Lebensjahr nicht mehr gesehen hat, kommen ihm sonderlich nahe. Nur zu seinem Auftraggeber, für den er Schulden mit Wucherzinsen eintreibt, scheint er ein etwas tieferes Gefühl zu entwickeln.

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Wir beobachten, wie Herbert, der Mann, der sich immer über seine Physis definiert hat, vor unseren Augen auseinanderfällt und zergeht. Er verliert buchstäblich die Kontrolle über seinen Körper und damit über sein gesamtes Leben. Er hat ALS, eine Erkrankung des Nervensystems, die zu Muskelzucken, Muskelschwund, Schwächung der Sprach-, Kau- und Schluckmuskulatur usw. führt.

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Der Film zeigt den schmerzhaften letzten Kampf, den Herbert zu bestreiten hat. Er versucht, die verbleibende Zeit sinnvoll zu nutzen. Er versucht, Gefühle zuzulassen. Den Rest der Handlung verschweige ich hier. Nur das eine sei noch gesagt: Dem Zuschauer wird kein nettes zuckersüßes Happy End vorgesetzt. Es gibt keine Erlösung.

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Herbert“ wurde in Leipzig und Halle gedreht. Es handelt sich um das Spielfilmdebüt des Regisseurs und Co-Drehbuchautor Thomas Stuber. Der war Gewinner des Studenten-Oscars und des Deutschen Drehbuchpreises. Und Stuber ist außerdem ein ausgewiesener Kenner der ostdeutschen Boxszene.

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Sehr positiv ist, dass Regisseur und Drehbuchautor, Clemens Meyer, den Zuschauern nicht alles erklären. Es wird nicht gesagt, warum Herbert eigentlich so ist, wie er ist. Nur einen Hinweis bekommen wir, der auf den Rücken von Herbert tätowiert ist: Torgau. Der Zuschauer muss hier allerdings schon wissen, wer oder was Torgau nun ist, oder er muss sich eben erkundigen. Der Film jedenfalls bietet keine Erklärung, wie sie dem Zuschauer sonst so häufig aufgezwungen wird, weil viele Macher von Filmen ihren Bildern und ihren Zuschauern nicht trauen mögen.

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Ein paar Worte über den Schauspieler Peter Kurth. Kurth wurde 2014 als „Schauspieler des Jahres“ ausgezeichnet. Dies ist der wichtigste Preis des deutschen Theaters. Für „Herbert“ bekam er den deutschen Filmpreis 2016 als bester Hauptdarsteller, und das nun wirklich zu Recht. Er spielt geradezu beängstigend gut. Auf der Leinwand bzw. auf dem Bildschirm strahlt er eine unglaubliche Präsenz aus.

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Auf die Rolle hat Kurth sich ein halbes Jahr vorbereitet. Er begann mit dem Boxtraining und nahm 14 Kg an Körpergewicht zu. Da der Film chronologisch gedreht wurde, sehen wir, wie Kurth als Herbert im Film immer mehr an Gewicht verlieren.

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Nochmals: Der Film „Herbert“ von Thomas Stuber ist einfach großartig. Er bereichert das Genre Boxerfilm um eine ganz neue Fassette. Den Film muss man gesehen haben.

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(C) Uwe Betker

„Snatch“ – ein Klassiker des Films

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Snatch – Schweine und Diamanten“, ein Film von Guy Ritchie, ist eine sehr amüsante britische Filmkomödie aus dem Jahre 2000. Jason Statham, Benicio del Toro und Brad Pitt sind in den Hauptrollen zu sehen.
Drei Handlungsstränge laufen zuerst parallel und werden dann später miteinander verwoben. Der Film handelt einmal vom Raub eines riesigen Diamanten, auf den verschiedene Parteien Jagd machen. Und unter anderem geht es auch ums Boxen, genauer gesagt um illegale Bare-Knuckle-Kämpfe. Brad Pitt spielt dabei einen Gypsy und Bare-Knuckle-Boxer.
Mit Logik hat das, was da alles so passiert, nicht unbedingt viel zu tun. Aber der Film ist komisch, zum Teil auch brüllend komisch. Und das, obwohl es an Leichen und Brutalität nicht gerade mangelt. Es sei hier aber noch verraten, den Tieren passiert in dem Film nichts.
Eine temporeiche, fulminante Gangsterfilm-Parodie. Ein Film, der Spaß macht. Brad Pitt, der den irischen Pavee spielt, spricht zum Teil mit einem nur sehr schwer verständlichen Akzent. Nur mit Mühe kann man einzelne Wörter verstehen. Das soll auch so sein und ist im englischen Original nicht anders.
Aber noch ein Wort zu den Boxszenen. Sie sind herrlich unrealistisch. Es ist da der wohl absurdeste Niederschlag in Zeitlupe zu sehen. Wie Brad Pitt von den Füßen geschlagen wird und dann waagerecht durch die Luft fliegt, ist schon absolut sehenswert. „Snatch“ ist mit Sicherheit der witzigste Boxerfilm, den ich bis jetzt gesehen habe. Wer ihn noch nicht kennt – es gibt ihn für kleines Geld auf DVD.
© Uwe Betker

Rezension: „Southpaw“ schlägt „Rocky“ nach Punkten

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Wenn heute jemand einen Boxerfilm dreht, dann muss er sich wohl oder übel auch einen Vergleich mit den großen Drei gefallen lassen. An Position eins und zwei stehen Million Dollar Baby und Raging Bull (Wie ein wilder Stier). Dann gibt es eine große Lücke. Dann kommt Rocky 1. An diesen drei Filmen muss man den 123 Minuten langen Film von Antoine Fuqua messen.
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© TOBIS Film
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Der Inhalt ist schnell erzählt. Billy „The Great“ Hope (Jake Gyllenhaal) verteidigt seinen Weltmeistertitel im Halbschwergewicht erfolgreich im Madison Square Garden in New York. Dabei muss er viele schwere Treffer nehmen und kann erst am Schluss, stark blutend, durch KO gewinnen. Billys Frau (Rachel McAdams) bittet ihn, um seine Gesundheit zu schonen, eine längere Pause zu machen.
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Bei einem Charity-Dinner, bei dem der jähzornige Hope sich von einem Nachwuchsboxer Miguel Escobar (Miguel Gomez) zu einem Handgemenge provozieren lässt, wird seine, also Hopes Frau erschossen. Es folgt ein rasanter Niedergang. Er verliert seinen Titel, er nimmt Drogen, seine Tochter wird ihm vom Jugendamt weggenommen und er ist von jetzt auf gleich seinen kompletten Besitz (!), Riesenvilla, Sportwagen und Limousinen, los.
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„Um wieder auf die Beine zu kommen, sucht er sich ein neues, schlichtes Apartment und bittet den Amateur-Boxtrainer Tick Wills (Forest Whitaker) um Arbeit.“ Er nimmt bei ihm einen Putzjob an und beginnt auch, bei ihm zu trainieren. Sein neuer Trainer arbeitet mit ihm nicht nur an seiner Impulsivität, sondern auch an seiner nicht vorhandenen Deckung und übt mit ihm einen plötzlichen Auslagewechsel (Southpaw) ein. Am Ende hat er seine Tochter wieder und boxt und besiegt Miguel Escobar, der mittlerweile Weltmeister geworden ist.
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Die Stärke des Films sind ganz ohne Frage die Boxpassagen. So beginnt der Film z.B. damit, während noch der Vorspann läuft, dass die Hände von Jake Gyllenhaal professionell bandagiert werden. Die Kampfszenen sind wirklich sehenswert. Hier sieht man, dass der Regisseur Antoine Fuqua etwas vom Boxen versteht. Er hat selber geboxt und er stand schon selber im Ring. Unterstützt wurde er von Terry Claybon, dem dreimaligen Golden-Glove Gewinner, ehemaligen Profiboxer im Leichtgewicht (5 Kämpfe, 5 Siege) und Boxtrainer, der den Kampf choreographiert hat. Aber machen wir uns nichts vor, wir sprechen hier von Boxen á la Rocky. Wie in Hollywood üblich boxt der Held ohne Deckung. Er lässt sich dann auch ein paar Mal ein paar Volltreffer an den Kopf gegen, um dann mit mehr Wut zurück zu kommen.
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Southpaw ist ein sehr amerikanischer Film. Die Fallhöhe bzw. die Aufschlagtiefe des Helden wird extremst vergrößert. Eine Tragödie jagt die nächste: Frau erschossen, Kind weg, restlos alles Geld ist weg und zum Schluss wird noch ein Junge erschossen, um den Hope sich gekümmert hatte. Ist der Protagonist erst am Boden, steigt er dann aber auch wie Phönix aus der Asche wieder auf. Hope lernt innerhalb kürzester Zeit einen anderen Boxstil und er gewinnt seinen letzten Kampf, obwohl er sehr viel weniger Vorbereitungszeit hat. Vollkommen kitschig wird es, wenn die hübsche Sozialarbeiterin, sie sich um Hopes Tochter im Kinderheim gekümmert hat, am Ende mit seiner Tochter in der Kabine mitfiebert.
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Das Drehbuch hat einige Löcher. Was wird aus der Sozialarbeiterin? Was wird aus dem Mörder von Hopes Frau? Was ist die Geschichte des lebensklugen, aber offenbar alkoholkranken Trainers Tick Wills? Wieso bereitet er ihn dann doch auf den WM Kampf vor, obwohl er erst gar nicht will?
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Bei aller Kritik an dieser Stelle, Southpaw ist ein bildgewaltiger Film. Er ist trotz seiner Schwächen besser als Rocky 1 und damit sehenswert und für einen Box-Aficionado, der ins Kino geht, ein Muss.
© Uwe Betker

Filmplakat: Southpaw

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© TOBIS Film

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13. August 2015 at 23:59

„Knuckle“ – ein Film

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2011 kam in Großbritannien ein Dokumentarfilm mit dem Titel „Knuckle“ heraus. Dieser Film war so erfolgreich, dass es mittlerweile sogar das Buch zum Film gibt. In dem Film von Ian Palmer geht es um „Irish Travellers, auch Pavee genannt, die als fahrende Händler ein ganz eigenständiger Teil der irischen Bevölkerung wurden und starke Familienstrukturen aufgebaut haben.“ Zwischen einigen der Sippen gibt es Fehden, die zum Teil über Generationen fortgeführt wurden. Diese werden mit den Fäusten ausgetragen.
Die Kämpfe finden meist auf abgelegen Landstraßen statt. Es gibt keine Handschuhe, keinen Mundschutz und keine Runden. Der Kampf ist zu Ende, wenn jemand KO geht oder aufgibt. So ein Kampfkann dann auch schon einmal mehrere Stunden dauern. Man bekommt durch den Film einen Einblick in eine fremde und abgeschottete Gesellschaft. Was mich persönlich an diesem sehr sehenswerten Film besonders faszinierte, war, dass ich meine, er vermittelt auch einen guten Eindruck, wie zu Zeiten, als noch ohne Handschuhe geboxt wurde, Boxen aussah.
Der Film ist als DVD erhältlich. Aber ich könnte mir auch vorstellen, dass es ein Leichtes wäre, ihn im Internet zu finden.
© Uwe Betker

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4. August 2012 at 23:59