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Boxen in der Literatur: „Die Schattenboxer“ von Heinrich Peukmann

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Ich kann mich nicht entsinnen, vorher schon mal einen deutschen Roman, der vom Boxen handelte, gelesen zu haben. Dementsprechend war „Die Schattenboxer“ von Heinrich Peukmann eine Premiere für mich. Das Buch ist ein Boxer- und ein Coming-of-age-Roman, also Jugendliteratur. Ein Genre, das auch viele Erwachsene gerne lesen. Wie sonst ließe sich der Erfolg von „Tschick“ (Wolfgang Herrndorf) erklären.
Peukmann erzählt die Geschichte von fünf Brüdern, die im Ruhrgebiet im Schatten von Fördertürmen und Kokereien aufwachsen. Der älteste fängt an zu Boxen und die anderen folgen seinem Beispiel nach. Sportlich haben sie alle fünf Erfolg. Das Boxen verändert ihr Leben und gibt ihm eine andere Richtung. Mit zunehmendem Alter entwickeln sich die Brüder auseinander. Wiederum der Älteste geht „rüber in den Osten“. Er bleibt verschwunden, bis er eines Tages bei einem internationalen Turnier dem jüngsten Bruder im Ring gegenübersteht. Dieser Boxkampf ist sowohl Höhepunkt als auch Schluss des Buches – daher verrate ich auch nichts weiter.
Peukmann nimmt den Leser mit zurück ins Ruhrgebiet der 50er Jahre. Offensichtlich weiß er aus eigener Anschauung und Erfahrung, wovon er da schreibt. Es ist ein Ort, an dem das Leben hart und das Überleben schwer ist. Umwelt wie Arbeit machen krank. Gleichzeitig ist es auch eine Gesellschaft, die sich verändert.
Peukmann Peukmann erzählt seine Geschichte mit Sympathie für seine Figuren. Vielleicht mag er sie schon ein bisschen zu sehr und gönnt ihnen mehr Erfolg, mehr sozialen Aufstieg und ein längeres Leben mit Steinlunge, als es realen Menschen jener Zeit zuteil geworden wäre. Wettgemacht wird diese Beschönigungstendenz aber durch eine ansonsten authentische Wiedergabe des Zeitkolorits. Die kurzweilige und schnell zu lesende Geschichte von Heinrich Peukmann mag etwas kitschig sein, aber sie ist dennoch wahrhaftig und das ist ihre Stärke.
© Uwe Betker

Foto: Go-Go-Tänzerin

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20. Januar 2017 at 23:59

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Foto: Schlagpolster

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Foto: Ilhami Aydemir vs. Anton Bekish

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Foto: Özlem Sahin (mit Trainer Frank Lubitz)

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Foto: Niko Lohmann

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Niko Lohmann vs. Jay Spencer (4)
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20. Januar 2017 at 23:59

Rezension: „Old Holborn Book of Boxing“, herausgegeben von Peter Wilson

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Das Internet verleitet mich manchmal zu blinden Bücherkäufen. Bei meinen Ausflügen im Internet stieß ich so auf eine Anzeige, in der nur ein schlechter Scan vom Cover zu sehen war. Kein Autor wurde genannt, keine Inhaltsangabe gegeben – nichts. Aber das Kaufrisiko war gering. Inklusive Versand sollte das Buch weniger als eine Packung Zigarettentabak kosten – und dabei rauche ich seit einer kleinen Ewigkeit schon nicht mehr.
Das Exemplar des „Old Holborn Book of Boxing“, das ich bekam, war ein vergilbtes Taschenbuch, 160 Seiten stark und auf relativ schlechtem Papier gedruckt. In der Mitte finden sich auf 16 Seiten aus glattem und dickem Papier sogar Fotos; sie füllen jeweils eine Seite, einige sind sogar in Farbe. Es ist zu vermuten, dass dieses Buch nicht über den Buchhandel vertrieben wurde. Man findet auch keinen aufgedruckten Preis. Offenbar war es Teil einer Werbekampagne für die englische Zigarettentabakmarke „Old Holborn“. Dem Inhalt ist zu entnehmen, dass es 1969 erschien ist. Der Herausgeber ist Peter Wilson, der auch viele der Texte selber geschrieben hat. Nun muss man wissen, dass Wilson von Mitte der 30er Jahre bis in die 70er Jahre hinein im Daily Mirror über Boxen schrieb. Und wie er schrieb!
Das Buch beginnt mit einer kurzen Einleitung, die einen kurzen Abriss der Geschichte des Boxens präsentiert. Es folgt ein Abschnitt mit dem Titel „Twelve fights I shall never forget“. Hier beschreibt Wilson und/oder erzählt zwölf Kämpfe nach, bei denen er selbst am Ring saß und die für ihn aus ganz verschiedenen, zum Teil sehr subjektiven Gründen, unvergesslich waren:
Rocky Marciano vs. Jersey Joe Walcott (23.09.1952)
Joe Louis vs. Max Schmeling II (22.06.1938)
Sonny Liston vs. Floyd Patterson I (25.08.1962)
Cassius Clay vs. Cleveland Williams (14.11.1966)
Archie Moore vs. Yvon Durelle II (12.08.1959)
Sugar Ray Robinson vs. Joey Maxim (25.06.1952)
Sugar Ray Robinson vs. Carmen Basilio (23.09.1957)
Henry Armstrong vs. Ernie Roderick (25.05.1939)
Ike Williams vs. Ronnie James (04.09.1945)
Sand Saddler vs. Ray Famechon (25.10.1954)
Eder Jofre vs. Johnny Caldwell (18.01.1962)
Benny Lynch vs. Peter Kane (13.10.1937)
Wie Wilson schreibt, ist schon wirklich beeindruckend. Er ist ein großer Könner der Boxjournalistik. Diese zwölf Beschreibungen der Kämpfe sind mit das Beste, was ich an Kampfberichten je gelesen habe. – Einfach nur großartig. Wenn man sich an Begriffen, die heute nicht mehr politisch korrekt sind, nicht stößt, entdeckt man einen Großmeister des Sportjournalismus. Seine Sprache ist schön, klar, präzise und manchmal sogar poetisch.
Es folgt eine Portraitgalerie der Britischen Meister, unter ihnen Henry Cooper, der auch das Cover ziert, Ken Buchanan und Alan Rudkin. – Gibt es heute einen Verband in Deutschland, der in allen Gewichtsklassen Meister hat?
Es gibt einen großen Artikel über Jimmy Wilde, der im Erscheinungsjahr gestorben ist. Wilde, the Mighty Atom, war einer der besten Fliegengewichtler aller Zeiten. Das Büchlein enthält noch ein Box-Quiz, einen Artikel übers Amateurboxen, gefolgt von Kurzportraits aller amtierenden britischen Amateurmeister. Hinzu kommen Artikel über Veranstalter, über die Geldanlagen erfolgreicher Boxer, Frauen im Boxen, Henry Cooper, Cutmen, Ringrichter und ein Foto-Quiz.
Den Abschluss bildet eine Liste der Weltmeister von 1872 bis 1969. Wobei die amtierenden Weltmeister (Muhammad Ali, Joe Frazier, Jimmy Ellis, Bob Foster, Nino Benvenutti, Curtis Cokes, Amando Ramos, Johnny Famechon, Lionel Rose, Efren Torres) noch jeweils in einem Kurzportrait vorgestellt werden. Zum Schluss erfahren wir dann noch die Auflösung des Bilderquiz.
„Old Holborn Book of Boxing“, herausgegeben von Peter Wilson = 160 Seiten voll Spaß und Unterhaltung. Wo bekommt man für weniger als eine Packung Zigarettentabak noch so viel geboten? Nur im Internet.
© Uwe Betker