Box-Blog

Gastbeitrag: Drei packende Kämpfe in Pulheim

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350 Zuschauer, eine tolle Location, drei packende Kämpfe und ein diskussionswürdiger Punktrichterentscheid – der erste Profiboxband in Pulheim sorgt für Diskussionsbedarf. Doch der Reihe nach.

50 Jahre Boxclub Pulheim muss natürlich gefeiert werden. Zum Finale des Jubeljahres gab es am 13.10.2018 einen überraschend spannenden Kampfabend, der zwangsläufig leider mal wieder eine Trennung zwischen Amateur- und Profikämpfen hinnehmen musste. Unverständlich, denn der Boxsport in Deutschland steckt in einer großen Krise. Kaum noch öffentliche Aufmerksamkeit für die Profis und zu guter Letzt soll das Amateurboxen aus dem olympischen Programm gestrichen werden. Quo vadis also, deutscher Boxsport?

Zurück zum Sport und direkt zum Hauptkampf. Da stellen sich nach dem Kampf zwei Fragen: Wohin führt Yaser Yüksels Weg und wie kam es zu der überraschenden Punktrichterentscheidung eines Unentschiedens?

Unbestritten kann Yüksel mehr, er kann besser boxen, er kann deutlicher einen Kampf dominieren und er kann auch besser treffen. Das alles fehlte am Samstag, keine Frage. Doch für seinen mutigen Gegner, dem Ungarn Gyula  Roszas, hätte die Performance an diesem Abend durchaus gereicht. Nicht jedoch für den Punktrichter. Er sah den Lokalmatador in keiner Runde vorn. Ein Blick, der überprüft werden könnte.

Sechs Runden standen sich die beiden Kämpfer im Quadrat gegenüber. Die ersten beiden Runden zeigte sich Yüksel zu passiv. Er kam mit den schnellen Kontern des Ungarns nicht zurecht, die in aber auch nicht in Gefahr brachten. Zwei Runden „abtasten“ ist allerdings eine zu viel bei einem Sechs-Runden-Kampf. Für einen Favoriten muss der Zugriff auf seinen Gegner einfach schneller erfolgen. So kamen Rüdiger Mays Anweisungen, enger am Gegner zu bleiben, gegen Ende der zweiten Runde zu spät.

Danach versuchte Yüksel seinen Gegner die restlichen vier Runden zu jagen und zu stellen. Ab der dritten Runde wuchs der Druck auf den 19jährigen Ungarn, der nur noch zwischen den Yüksels Stosspausen einige Konter setzen konnte. Diese fanden zwar manchmal ihr Ziel, entfalteten dort aber keine Wirkung. Dafür schickte Yüksel Roszas zu Boden. Ab der  vierten Runde suchte Yüksel deutlich den KO, forcierte den Druck, konnte seinerseits aber keine entscheidenden Treffer setzen, die den Ungarn niederstrecken konnten. Kurzum: Das Engagement des 26jährigen Super Weltergewichtlers kam zu spät und hatte auch nicht die Präzision, die sich das Trainerteam vorgestellt hatte. Allerdings bestimmte er den Kampf, was mit dem Unentschieden auf dem Punktzettel der Offiziellen nicht belohnt wurde.

Nichtsdestotrotz sollte Yaser Yüksel nun die nächste Stufe seiner boxerischen Laufbahn zünden.

Die steht bei der Überraschung des Abends noch ganz am Anfang. Mit einem engagierten Kampf über sechs Runden erwarb  sich der 19jährige Hannoveraner Armani Aziz den Respekt der 350 Besucher. Er trat im Super Weltergewicht gegen Sergej Wotschel an und zeigte Nehmer- und Steherfähigkeiten, die wohl keiner im Saal dem mit erst nur einem Profikampf unerfahrenen Boxer zugetraut hätten. Von der ersten Runde an sah er sich dem Druck und der Physis des favorisierten Wotschel ausgesetzt. Insbesondere wenn der 29järgiger gebürtige Russe ihn an den Seilen stellen konnte, musste Aziz einige Treffer hinnehmen. Gerade die Kombination mit der Führhand zum Körper und der Schlaghand zum Kopf, die er in den ersten Runden einige Male ansetzte, ließen Aziz das ein ums andere mal wanken. Doch der 19jährige fiel nicht, sondern biss sich durch.

Das Tempo, das Wotschel allerdings anschlug, zollte er schon in der dritten Runde Tribut. Die Stöße wurden  unpräziser und dem 19jährigen Aziz gelang es häufiger seinerseits Aktionen zu setzen. So entwickelte sich ein dynamischer und sympathischer Kampf, in dem der Bergisch-Gladbacher Wotschel klare Vorteile hatte, sich Aziz aber nicht ins „Bockshorn“ blasen ließ.

Wotschels rechter Kopfhaken, seine an diesem Abend stärkste Waffe, wurde zunehmend unpräziser. Sein einstimmiger Punktsieg allerdings war verdient, genau wie der Respekt, den sich  der 19jährige Armani Aziz erwarb.

In dem ersten Kampf des Abends standen sich im Mittelgewicht Oualid Almajdoub und Alexander Farkas gegenüber. Almajdoub betätigte sich als Kurzarbeiter. Nach einer etwas hektischen Anfangsphase holte er seinen Gegner jeweils mit einem harten Körperhaken von den Beinen. Beim zweiten Mal nahm Farkas beim Runtergehen noch einen Kopftreffer. Er wurde auf dem Boden kniend ausgezählt.

Fazit: Der erste Profi-Boxabend in Pulheim war auch dank des Veranstalters Marcel Zichel und der guten Paarungen ein Erfolg, an dem im kommenden Jahr angeknüpft werden soll. Dem BC Pulheim wünschen wir natürlich weitere 50 erfolgreiche Jahre.

(C) Manfred Fammler

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14. Oktober 2018 at 23:59

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Foto: Marek Jedrzejewski vs. Manuel Buchheit

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14. Oktober 2018 at 23:59

Plakat: Robin Krasniqi vs. Arthur Abrham (22.04.2017)

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14. Oktober 2018 at 23:59

Foto: Nummerngirl

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(C) Uwe Betker

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14. Oktober 2018 at 23:59

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Foto: Slim Ben Khalifa vs. René Oeffner

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14. Oktober 2018 at 23:59

Foto: Özlem Sahin vs. Elke Beinwachs II.

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(C) ABM Foto

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14. Oktober 2018 at 23:59

Boxen in der Kunst: Faustkämpfer vom Quirinal

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Erhaltene griechische bzw. großgriechische Bronzestatuen gibt es nur sehr wenige. Um genau zu sein, es sind nur sieben bekannt. Die meisten griechischen Statuen kennen wir nur als römische Marmorkopie. Eine der ganz wenigen griechischen Bronzestatuen, die die Zeit überdauert haben, ist der „Faustkämpfer vom Quirinal“ oder auch „Boxer vom Quirinal“, der in Rom im Museo Nazionale Romano im Palazzo Massimo zu sehen ist.

(C) https://de.wikipedia.org/wiki/Faustk%C3%A4mpfer_vom_Quirinal

Man weiß über diese in besonderem Maße bemerkenswerte Bronzestatue eines Athleten sehr wenig. Der Künstler, der sie erschuf, ist unbekannt. Auch die Datierung ist umstritten. Sie schwankt, je nach Position zwischen dem späten 4. Jahrhundert v. Chr. und der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr., wobei im Augenblick das 3. Jahrhundert am häufigsten genannt wird. Unstrittig ist jedoch, dass der „Faustkämpfer vom Quirinal“ eines der ganz großen Kunstwerke der Welt ist.

Beim Faustkämpfer handelt es sich um eine überlebensgroße (128 Zentimeter hohe), sitzende Figur. Sie wurde zusammengesetzt aus acht Teilstücken, die im Jahr 1885 auf dem Quirinal, einem der sieben Hügel des klassischen Rom, entdeckt wurde, welcher Fundort ihr dann auch den Namen verlieh. Der Sockel ist nicht original. In der Nähe wurde noch eine weitere Bronze gefunden, ein Standmotiv, welches wohl einen nicht identifizierten hellenistischen Fürsten darstellt. Möglicherweise gehörten beide zur Ausstattung der Thermen des Kaisers Konstantin, die sich nämlich genau dort befanden. Daher wird sie manchmal auch „Thermenboxer“ genannt.

In der 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde eine umfangreiche Restaurierung durchgeführt, welche faszinierende Details zutage brachte. Da war z.B. das von Platzwunden und Blutstropfen übersäte Gesicht des Boxers. Es ist umstritten ob es sich um das Porträt eines realen Faustkämpfers handelt, wovon ältere Forscher in ihrer überwiegenden Mehrheit ausgingen, oder ob es die verallgemeinernde Darstellung (Typus, Urbild) eines nicht realen Faustkämpfers, dem individuelle Züge letztlich fehlen, darbietet. Diese Diskussion ist noch nicht abgeschlossen.

 

 

(C) https://de.wikipedia.org/wiki/Faustk%C3%A4mpfer_vom_Quirinal

Sportler genossen in Griechenland höchstes Ansehen. Sie wurden in der Kunst als Idole dargestellt. Ihre Körper waren makellos und ihre Gesichter zeigten keine Anstrengung. Sie boten dem Betrachter eine Idealvorstellung aus Harmonie, Maß und Perfektion dar. Der „Faustkämpfer vom Quirinal“ entspricht diesem Bild nun aber ganz und gar nicht. Zwar hat er eine makellose sportlich-praktische und modische Kurzhaarfrisur, mit kleinen sichelförmigen Locken, aber er ist nicht makellos.

Das von den Locken umrahmte Gesicht zeigt vielmehr deutliche Spuren eines Kampfes. Hier sieht man nicht einen mythischen Sieger, der ohne Blessuren die härtesten Kämpfe übersteht, sondern einen richtigen Boxer, der auch hatte einstecken müssen. Ob er den Faustkampf gewonnen oder verloren hat, das erkennt man nicht. Müde und erschöpft sitzt er auf seinem Sockel, den Rücken gebeugt. Die Unterarme stützt er auf die Oberschenkel. Er trägt an seinen Händen bzw. Unterarmen die Lederriemen  für den Faustkampf (Cestus). Er atmet tief durch den geöffneten Mund. Vermutlich verstopft geronnenes Blut seine Nase, denn Blut versteift auch seine Schnurrbarthaare und quillt aus der aufgerissenen Haut seiner Blumenkohlohren.

 

 

 

(C) https://de.wikipedia.org/wiki/Faustk%C3%A4mpfer_vom_Quirinal

Das Gesicht des Boxers zeigt typische Blessuren dieser Sportart (jener Zeit). Er hat frische Platzwunden, Cuts, mit Blutgerinnseln darunter. Er hat Schwellungen unter den Augen, alte Narben und eine deformierte Nase. Auch an Unterarmen, Beinen und  auf den Schultern finden sich Wunden. Die Wunden und die Lippen werden durch Einlassungen aus einer rötlichen Kupferlegierung hervorgehoben.

Sein Gesichtsausdruck ist schwer zu deuten. Er dreht seinen Kopf auf seinem muskulösen mächtigen Hals zur Seite. Er blickt aufmerksam und wach schräg nach oben in die Höhe, so als spräche ihn genau in diesem Augenblick jemand gearde an. Der Künstler lässt seine Figur vermeintlich spontan aufschauen. Er will den Augenblick festhalten. Damit berührt er den Betrachter, der hier Zeuge eines Dramas wird und dessen Mitgefühl für den starken und geschundenen Mann geweckt wird. Der Bronzegießer unterstreicht noch, welchen brutalen Schlägen ein Boxer standhalten muss. Das Werk ist sehr realistisch. Denn manch einer sieht tatsächlich unmittelbar nach einem Kampf so aus.

Der Faustkämpfer ist muskulös und austrainiert. Er ist ein trainierter Athlet. Ein Boxer, dem aber auch anzusehen ist, dass er gekämpft hat. Ganz bewusst hat der Künstler die Figur nicht frontal angelegt, sondern den Raum genutzt, so dass er den Betrachter zwingt, sie aus der Nähe zu umkreisen, wodurch die Dynamik allererst erlebbar wird. Der Boxers beeindruckt durch sein physisches Präsens. Es ist eben nicht Vollkommenheit, die uns berührt, sondern ein menschlicher Held, der schonungslos dargestellt wird, der erschöpft ist und der leidet. Es ist das Nebeneinander von Kraft und Schwäche, das fasziniert.

(C) Uwe Betker