Box-Blog

Archive for the ‘Literatur’ Category

Boxen in der Literatur: Ernest Hemingway (5) – „A Matter of Colour“

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Ernest Hemingway beschäftigte sich schon sehr früh literarisch mit dem Thema Boxen. Schon eine seiner ersten literarischen Veröffentlichungen drehte sich ums Boxen. Die sehr kurze Short Story: „A Matter of Colour“ erschien in der Aprilausgabe des Literaturmagazins „Tabula” der Oak Park High School – Hemingway war damals sechzehn und besuchte die elfte Klasse.
In dieser Geschichte erzählt der „alte“ Boxtrainer und Manager Bob Armstrong einer namentlich nicht genannten Person, wie „Big Swede“ (Großer Schwede) 1902 einen Boxkampf manipulieren wollte. Im Mittelpunkt steht der große Joe Gans. Mehr sei hier nicht verraten, denn, wenn man das Ende der Geschichte kennt, ist ein großer Teil ihres Reizes weg.
Ein „Big Swede“ taucht bei Hemingway noch einmal in „The Killers“ als Opfer auf. Mit Joe Gans ist dem jungen Autor allerdings ein Recherchefehler unterlaufen. Gans konnte 1902 kein unbekannter und aufstrebender Boxer mehr sein; er war da bereits zwei Jahre amtierender Weltmeister im Leichgewicht.
Die Kurzgeschichte „A Matter of Colour“ ist noch kein richtiger Hemingway, aber sie schon mehr als nur die Arbeit eines Schülers. Man kann hier einen Hemingway in der Entwickelung sehen. Der sechzehnjährige Hemingway hat tatsächlich schon viel von seiner sprachlichen Präzision erreicht, ist aber noch nicht fertig in seiner Entwicklung. Er erzählt seine Geschichte noch konventionell stringent auf einen Höhepunkt hin.
© Uwe Betker

Boxen in der Literatur: Ernest Hemingway (4) – „Der Kämpfer“

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Die Kurzgeschichte „The Battler“ („Der Kämpfer“) ist, wenn ich richtig gezählt habe, eine von vier Short Stories von Ernest Hemingway, die sich mit Boxen oder Boxern beschäftigt. Zum ersten Mal wurde sie 1925 in „In Our Time“ („In unserer Zeit“) veröffentlicht. Sie ist die fünfte Geschichte, in der Nick Adams, das autobiographische Alter Ego von Hemingway, der Protagonist ist. Nick Adams ist jene fiktive Figur mit autobiographischen Zügen, mit der sich Hemingway jahrzehntelang beschäftigte.
„Der Kämpfer“ beginnt damit, dass Nick Adams von einem Bremser, irgendwo zwischen Kalkaska und Mancelona in Michigan, USA, von einem Güterzug geschmissen wird. Er macht sich entlang den Schienen auf den Weg in die nächste Ortschaft. Da sieht er ein Feuer in der Dunkelheit. Der Mann am Feuer begrüßt ihn und fragt ihn, woher er die Beule im Gesicht hat. Nick erzählt, er sei von einem Zug geworfen worden. Der Mann empfiehlt ihm, das nächste Mal wenn der Zug vorbei kommt, mit einem Stein auf den Bremser zu zielen. Adams erwidert, er werde ihn schon bekommen. Der Mann:
«Du bist´n ganz Harter, was?»
«Nein», sagte Nick.
«Seid ihr Jungs ja alle.»
«Muß man schon», sagte Nick.
«Genau, was ich gesagt habe. »
Erst jetzt sieht er, dass das Gesicht des Mannes deformiert ist und dass ihm ein Ohr fehlt. Der Mann, Adolph Francis, ist ein ehemaliger Boxchampion, der stolz darauf ist, dass sich alle seine Gegner ihre Hände an ihm zerschlagen haben. Er sagt aber auch, er sei verrückt.
Wenig später erscheint Bugs, ein Farbiger. Er hat Essen mitgebracht. Während Bugs das Essen zubereitet, möchte Francis sich das Messer, mit dem Nick gerade das Brot geschnitten hat, von ihm ausleihen. Bugs rät Adams, ihm das Messer nicht zu geben, worauf Francis immer aggressiver wird und Adams zum Kampf auffordert.
Bugs schlägt Franzis mit einem Todschläger KO und dann kümmern sich beide um den Niedergeschlagenen. Adams erkundigt sich, wie der Boxchampion Al Francis so verrückt werden konnte.
«Wodurch ist er verrückt geworden?» fragte Nick.
«Ach, durch allerhand», antwortete der Neger vom Feuer aus. «Wollen Sie eine Tasse Kaffee haben, Mister Adams?»
Er reichte Nick die Tasse und glättete den Mantel, den er unter den Kopf des bewusstlosen Mannes geschoben hatte.
«Erstens hat er zuviel abgekriegt.» Der Neger schlürfte seinen Kaffee. «Aber das machte ihn eigentlich nur ein bißchen einfältig. Dann war seine Schwester sein Manager, und es stand immer alles lang und breit in den Zeitungen von Bruder und Schwester, und wie sie ihren Bruder liebte, und wie er seine Schwester liebte, und dann heirateten sie in New York, und da gab es natürlich ’ne Menge Unannehmlichkeiten.»
«Ja, ich besinne mich darauf.»
«Bestimmt. Natürlich waren sie so wenig Geschwister wie wir zwei beiden, aber da waren eine Menge Leute, die es auf jeden Fall unerhört fanden, und dann begannen die Streitigkeiten, und eines Tages ging sie einfach weg und ist niemals zurückgekommen.»
Er trank seinen Kaffee aus und wischte sich mit der rosa Fläche seiner Hand den Mund ab.
«Er ist einfach verrückt geworden. Wollen Sie noch etwas Kaffee haben, Mister Adams?»
Kurze Zeit später geht Nick Adams wieder an den Schienen entlang weg.
Hemingway beschreibt in seiner Short Story sehr drastisch die möglichen Folgen des Boxens, was insofern bemerkenswert ist, als Apologeten des Boxsports die Tendenz haben, die Gefahren zu verharmlosen. Die Geschichte hat schon auch ihre Schwächen. Man kann sich daher trefflich darüber streiten, ob „Der Kämpfer“ zu Hemingways besten Werken zählt. Ich persönlich finde die Kurzgeschichte aber gut und stimmig.
© Uwe Betker

Boxen in der Literatur: Ernest Hemingway (3) – Eine Herausforderung für einen Boxkampf gegen Paulino Uzcudun

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Der bekennende Boxfan und US-amerikanische Gigant der Weltliteratur, Ernest Hemingway, war von seinen eigenen Boxkünsten ziemlich überzeugt. Während er 1932 in Spanien weilte, um für sein Stierkampfbuch „Death in the Afternoon“ (Tod am Nachmittag) zu recherchieren, traf er in Madrid auf Paulino Uzcudun (71 Kämpfe, 51 Siege, 35 durch KO, 17 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden). Er scheute sich dann auch nicht, eben diesen zu einem Boxkampf herauszufordern.
Der Baske Paulino Uzcudun Eizmendi (03. Mai 1899 in Regil, Spanien – 05. Juli 1985) war einer der bedeutendsten spanischen Schwergewichtsboxer. Er kämpfte u. a. gegen Hans Breitensträter, Franz Diener, Harry Wills, Max Schmeling, Primo Carnera, Mickey Walker, Max Baer, Tommy Loughran, Ernie Schaaf und Joe Louis. M.a.W., er boxte gegen all die Schwergewichtler, die Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre Rang und Namen hatten.
Hemingway also traf Uzcudun in der “Cerveceria Alemana” an der Plaza Santa Ana in Madrid. Er hatte vermutlich schon das ein oder andere Bier getrunken. Jedenfalls sprach er die Herausforderung aus. Er stand auf und stellte sich, um seiner Herausforderung mehr Nachdruck zu verleihen, auch gleich in Boxposition hin. Uzcudun ging daraufhin spontan, von einem Lachanfall gefällt, zu Boden.
Die “Cerveceria Alemana” an der Plaza Santa Ana in Madrid ist sehr zu empfehlen. Hier gibt es kühles Bier, sehr gute Tapas und einen schönen Blick auf den Platz.
© Uwe Betker

Boxen in der Literatur: Ernest Hemingway (2): „Fity Grand“

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Boxen und Ernest Hemingway gehören zusammen. Der Literaturnobelpreisträger liebte das Boxen. Er schrieb auch übers Boxen, wenn auch nicht viel. Eine der vier Kurzgeschichten, die sich ums Boxen drehen, heißt im Original „Fity Grand“, also „Fünfzig Riesen“. Der deutsche Titel „Um eine Viertelmillionen“ ist etwas verwirrend. Offensichtlich hat die damalige Übersetzerin Annemarie Horschitz-Horst den US Dollar in D-Mark umgerechnet. – Was schon etwas seltsam ist.
„Fity Grand“ erschien erstmals 1927 in „The Atlantic Monthly“ und später in der Sammlung “Men Without Women“. In deutscher Übersetzung kam das Buch dann 1958 heraus. Die Handlung soll viele Übereinstimmungen aufweisen mit einer seiner früheren Short Stories: „A Matter of Colour“. Die erschien im Literatur Magazin „Tabula” der Oak Park High School – Hemingway war damals sechzehn. Leider habe ich diese Story bisher noch nicht gefunden.
Die Kurzgeschichte „Fity Grand“ unterscheidet sich erheblich von den meisten anderen von Hemingways Short Stories. Er schrieb sie nämlich nicht nach der von ihm entwickelten „Eisberg- Theorie“ oder dem „Eisbergmodell“, demzufolge sich Hemingway auf die Oberflächenebene des Textes konzentrierte und Informationen, das Fundament des Eisbergs (und damit der Aussage der Geschichte), aussparte. Die erzählte Handlung dient damit dazu, einen Subtext, also eine zusätzliche implizite Bedeutungsebene, zu erschaffen. Der eigentliche, tieferliegende oder symbolische Bedeutungsgehalt einer Erzählung liegt also im Verborgenen und muss vom Leser durch eigene Vorstellungskraft erschlossen werden. „Fity Grand“ weicht von Hemingways klassischem Modell ab. Hier nämlich wird eine Geschichte stringent, auf eine Pointe hin erzählt. Sie bietet auch nicht viel Raum für eine Interpretation. Es ist einfach nur eine richtig gute Geschichte, die uns hier erzählt wird.
Die Short Story erzählt eine klassische Geschichte aus dem Boxermilieu. Der alternde irisch-stämmige Boxer Jake Brennan ist des Boxens müde. Er weiß, dass seine Zeit abgelaufen ist. Nur die Aussicht auf eine letzte große Börse lässt ihn das Trainingslager ertragen, was er hasst. Er vermisst seine Frau und sein Kind und er ist schlecht gelaunt. Er kommt nicht in Form und ihm wird klar, dass er gegen den jüngeren und schlagstarken Gegner keine Chance hat.
Er lässt sich darauf ein, den Kampf zu verschieben. Er setzt seine gesamte Börse auf seine eigene Niederlage, um dadurch genug Geld für seinen Ruhestand zu machen.
Brennan will sich aber nicht einfach nur hinlegen: Er versucht, einen Rest an Würde und Selbstachtung zu wahren, in dem er, wissend, das er nicht gewinnen kann und außer Form ist, sein Bestes gibt. Einige Runden lang, kann er sich, Dank seines Reichweitenvorteils, seinen physisch stärkeren Gegner noch vom Hals halten. Dann fällt ihn ein brutaler und absichtlicher Tiefschlag.
Brennan muss aufstehen und den Ringrichter, der ihn zum Sieger erklären will, davon überzeugen, dass er doch nicht so hart getroffen wurde und weiter boxen kann. Der Kampf geht weiter und der Gegner versucht, den angeschlagenen Brennan KO zu schlagen. Bevor der aber ausgeknockt werden kann, schickt er seinen Gegner mit einem gut gezielten Tiefschlag auf die Bretter. Dafür wird er dann auch folgerichtig disqualifiziert.
„Fity Grand“ ist keine typische Hemingway-Kurzgeschichte, aber sie ist eine sehr gute. Der Protagonist Jake Brennan ist nicht sympathisch, aber er ist eine wahrhaftige Figur: Ein Mann in einer bösen und korrupten Welt, der, wissend, dass er die Welt nicht ändern kann, es auch gar nicht erst versucht. Stattdessen versucht er, nach seinen eigenen Normen zu leben und dabei so gut zu sein, wie es nur eben geht.
© Uwe Betker

Boxen in der Literatur: Ernest Hemingway (1): „Die Killer“

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Fragt man nach Literaten, die sich mit Boxen beschäftigt haben, dann fällt schon ganz früh der Name Ernest Hemingway. Der Literaturnobelpreisträger liebte das Fischen, das Jagen, den Stierkampf und das Boxen. Es gibt viel Fotos von ihm mit Boxhandschuhen an, in Boxpose und beim Sparring während einer Pause auf einer Safari. Wenn er sich mit anderen Literaten auseinandersetzte, verwandte er häufig eine Sprache, die aus dem Boxen kommt. Sätze wie: „Ich habe sachte angefangen, und dann Herrn Turgenew geschlagen. Dann habe ich hart trainiert und Herrn de Maupassant besiegt. Anschließend bin ich zwei Runden in den Ring mit Herrn Stendhal und konnte einen guten Haken setzen.“
Ernest Miller Hemingway (* 21. Juli 1899 in Oak Park, Illinois, USA – † 02. Juli 1961 in Ketchum, Idaho, USA) war einer der besten Schriftsteller, sozusagen ein Schwergewichtsweltmeister. Obwohl er das Boxen liebte und praktizierte, hat er tatsächlich gar nicht viel direkt übers Boxen geschrieben. Wenn ich es richtig sehe, hat Hemingway in zwei Romanen Boxer auftreten lassen und in vier Kurzgeschichten kommt Boxen bzw. Boxer vor. Eine der Kurzgeschichten ist „Die Killer“.
Für mich ist „Die Killer“ eventuell sogar die beste Short Story von Hemingway überhaupt. Sie erschien zuerst im März 1927 im Scribner’s Magazine. Im gleichen Jahr erschien sie dann in die Sammlung „Men Without Women“. In deutscher Übersetzung kam das Buch dann 1958 heraus.
Der Inhalt ist schnell erzählt. Nick Adams, der Lieblingsprotagonist von Hemingway – immerhin tritt er in 24 seiner Short Stories auf -, wird als Stammgast eines Lokals in einer Kleinstadt Zeuge eines Überfalls. Zwei Killer bedrohen Adams, den Wirt und den Koch und lauern einem anderen Stammgast auf, der aber nicht kommt. Die Killer ziehen sich zurück. Adams sucht und trifft dann das anvisierte Opfer, den früheren Boxer Ole Andreson. Er warnt ihn, obwohl er sich selber dadurch in Gefahr bringt. Andreson weiß um die Gefahr, in der er schwebt. Dennoch lehnt er es auch ab zu fliehen. Er ist zu müde und zu ausgebrannt, um sein Leben durch Flucht zu retten.
Als Grund für den geplanten Mord an Andreson wird lediglich eine Vermutung genannt: „Er war wohl in Chicago in irgendwas verwickelt.“
In „The Killers“ erleben wir Hemingway in Bestform. Er schreibt präzise und emotionslos. Obwohl in der Kurzgeschichte nicht getötet wird, hat der Leser dennoch die Gewissheit, dass Ole Andreson irgendwann ermordet werden wird. Nick Adams versucht erfolglos, das Schicksal aufzuhalten und Ole Andreson zu retten. Andresons Schicksal ist besiegelt und es spielt keine Rolle mehr, zu welchem Zeitpunkt es sich erfüllt. Andreson weiß, dass er bereits tot ist, obwohl er noch atmet.
An dieser Stelle möchte ich diese tolle Geschichte nicht tot analysieren. Auf einige Aspekte sei hier aber noch kurz hingewiesen. Den historischen Hintergrund stellt die Prohibition und die organisierte Kriminalität dar, die auch massiv Einfluss auf das Boxen nahm. Interessant ist, dass ein Jahr vor der Veröffentlichung von „The Killers“, am 31. April 1926, der zur damaligen Zeit bekannte Schwergewichtsboxer Andre Anderson (45 Kämpfe, 17 Siege, 14 durch KO, 19 Niederlagen, 15 durch KO, 9 Unentschieden) in Cicero, einem Vorort von Chicago, vermutlich von Mitgliedern der Mafia erschossen worden war. Anderson, eigentlich Frederick Boeseneilers, erreichte gegen Jack Dempsey im Juni 1916, bei dessen erstem Kampf in New York, ein Unentschieden. Er hatte Dempsey angeblich sogar am Boden. Hiernach kämpfte Anderson 17 Monate lang während des Ersten Weltkriegs in Italien. Er wurde der einzige US-amerikanische Boxer, der für seinen Einsatz im Krieg die Ehren-Medaille bekam. Es wird behauptet, Anderson hätte den einen oder den andern Kampf für die Mafia verschoben, bzw. absichtlich verloren. Laut Angaben der ermittelnden Polizei wurde Anderson ermordet, weil er seinen vorletzten Kampf, am 22. Dezember 1925 gegen Wayne (Big) Munn, durch KO in der ersten Runde gewonnen hatte. Anderson soll gesagt haben: „I’m through throwing fights and laying down whenever they want me to. I’m going to knock Munn out in one punch, if I can.“
Hemingway wurde möglicherweise durch diese Vorkommnisse inspiriert zu der Gestaltung der Figur des Ole Andreson.
© Uwe Betker

Boxen in der Literatur: Robert E. Howard

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Boxen in der Literatur: Robert E. Howard
Ein Kollege von mir machte mich darauf aufmerksam, dass ein gewisser Robert E. Howard Geschichten übers Boxen geschrieben hat. Er gab mir auch eine Kopie von einer, die er einem Sammelband mit Horrorgeschichten von besagtem Autor entnommen hatte. Hier muss ich nun gestehen, dass mir ein Autor namens Howard bislang nicht bekannt war. Die Zusatzinformation, es handele sich um den Autor von „Conan“, vergrößerte nur meine Skepsis. Weder Horrorgeschichten noch Geschichten über Barbaren gehören eigentlich zu meiner bevorzugten Lektüre. Trotzdem gab ich der Geschichte „The Spirt of Tom Molyneaux“ eine Chance.

„The Spirt of Tom Molyneaux“ erschien erstmals im April 1929 in dem Pulp-Magazin „Gost Stories“. Erzählt wird die Geschichte des Boxers Ace Jessel aus der Perspektive seines früheren Managers. Jessel ist ein technisch guter farbiger Boxer, der aber keinen Killerinstinkt hat. – Interessanterweise trägt er einen jüdischen Nachnamen. Jessel kommt von Joseph und bedeutet „Gott möge vermehren“. – Sein Vorbild ist der große Tommy Molineaux, den er wie einen Heiligen verehrt und zu ihm betet. Irgendwann muss er gegen Mankiller Gomez antreten, einen brutal harten und Furcht einflößenden Senegalesen, der alle seine Gegner brutal KO schlägt.
Hier nun wird die Geschichte spannend und sehr blutig. Jessel wird von Runde zu Runde immer fürchterlicher von seinem übermächtigen Gegner verprügelt. Aber er will nicht aufgeben. Als Jessel im wahrsten Sinne am Boden zerstört ist, kommt der Geist vom Tom Molineaux und hilft ihm, seinen Gegner KO zu schlagen.
Tom Molineaux (* 1784 in Georgetown, South Carolina, USA; † 4. August 1818 in Dublin, Irland) war ein legendärer afroamerikanischer Boxer der Bare-Knuckle-Ära. Noch als Sklave für einen Plantagenbesitzer begann er mit dem Boxen. Später wurde er, als Belohnung für einen Sieg, freigelassen. Berühmt wurde er durch seine zwei Ringschlachten mit Tom Cribb 1810 und 1811 in England. [mehr zu Tom Crip: https://betker.wordpress.com/2011/11/19/tom-cribb-1/ und https://betker.wordpress.com/2011/11/20/tom-cribb-2/%5D Bemerkenswert ist vor allem, dass ein schwarzer Exsklave in England und Irland zu einer Berühmtheit werden konnte.

Robert Ervin Howard, (* 22. Januar 1906 in Peaster, Texas, USA; † 11. Juni 1936 in Cross Plains, Texas, USA) war ein US-amerikanischer Autor von Fantasy-, Abenteuer- und Horrorgeschichten; er schrieb außerdem mehrere Westernromane. Berühmt wurde er mit seinem Romanzyklus um „Conan, den Cimmerier“. Er erschuf auch „Kull von Atlantis“, den Pikten Bran Mak Morn, den irischen Piraten Turlogh O’Brien und den englischen Puritaner Solomon Kane. Howard arbeitete als Baumwollpflücker, Cowboy, Verkäufer, als Gehilfe in einem Rechtsanwaltsbüro, als Landvermesser und als Journalist, bevor ihn der Verkauf seiner Geschichten an diverse Pulp-Magazine ernähren konnte. Er nahm sich im Alter von 30 Jahren das Leben. (nach wikipedia).
Howard boxte nachweislich als Amateur im Gym Fifth Street, Ecke Main Street in Cross Plane in Texas. Ab Juli 1929, also mit 23 Jahren, veröffentlichte er Boxgeschichten im „Fight Stories“, einem „Pulp Magazine“, das Geschichten übers Boxen veröffentlichte. Später erschienen Short Stories von Howard auch in „Action Stories“ und in „Sport Story Magazine“. In einigen der Geschichten tauchen immer wieder die gleichen Protagonisten auf: Sailor Steve Costigan, Dennis Dogan, Kid Allison und natürlich Ace Jessel, dem wir schon begegnet sind. Vermutlich hat Howard insgesamt 26 Short Stories übers Boxer verfasst, von denen einige erst posthum veröffentlicht wurden. Angeblich hat er auch für das „Ring“ Magazine geschrieben. Er war auf jeden Fall ein profunder Kenner des Profiboxens, was sich auch anhand seiner Briefe nachweisen lässt.
Leser, die radikale Verfechter dessen, was heute Political Correctness bedeutet, sind, sollten nicht zu Howard greifen. Er arbeitet mit Stereotypen und charakterisiert Personen und deren ethnische und soziale Herkunft durch die Wiedergabe von deren Sprache. Das machte Howard allerdings mit allen Ethnien und sozialen Gruppen, wobei er auch die eigene nicht ausnahm. Es ist ein Stilmittel – und da fragt sich, inwieweit Political Correctness in Bezug auf Literatur nicht überhaupt nur dumpfer Unsinn ist.
Robert E. Howard kann jedenfalls schreiben – und wie er schreiben kann. Seine Sprache ist große Literatur, auch wenn seine Themen es nicht sind. Nach der Lektüre von „The Spirt of Tom Molyneaux“ habe ich mir jedenfalls den Sammelband “Waterfront Fists and Others: The Collected Fight Stories of Robert E. Howard” sofort bestellt. Ich verspreche mir von diesem Bändchen Boxgeschichten von einem ganz großen Literaten, nämlich Robert E. Howard.
© Uwe Betker

Boxen in der Literatur: „The Minotaur, or Stopping in Oran” von Albert Camus

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Albert Camus (* 7. November 1913 in Mondovi, Französisch-Nordafrika, heute Dréan, Algerien; † 4. Januar 1960 nahe Villeblevin, Frankreich) ist einer der Großen der Literatur. Er erhielt 1957 den Nobelpreis für Literatur. Er war ein großer Schriftsteller und Philosoph. Er wird häufig dem Existentialismus zugeordnet. Er selber zählte sich nicht zu dieser Strömung. Seine Philosophie wird auch als „Philosophie des Absurden“ bezeichnet.
Um 1939 entstand der Essay „Minotaurus“, in dem Camus fünf Anekdoten oder Erinnerungen aus der algerischen Stadt Oran erzählt, der Stadt, in deren Nähe er geboren wurde und in der er aufwuchs und in der er später „194…“ auch „Die Pest“, eines seiner bekanntesten literarischen Werke, spielen lässt. In dem Essay beschreibt er die Stadt, das dortige Leben, die Menschen und ihren Sport in besonders liebevoller und sehr direkter Weise, aber auch mit Ironie und zum Teil beißendem Spott. „Gezwungen, mit einer der wundervollsten Landschaften vor Augen zu leben, haben die Bewohner von Oran diese schwierige Prüfung bestanden, indem sie sich mit hässlichen Bauten umgaben.“
In dem Absatz über Sport geht es um Boxen bzw. um eine Boxveranstaltung. Wenn Camus über Boxen schreibt, dann macht er das sowohl als Schriftsteller als auch als ehemaliger Boxer. Camus boxte selbst als Amateur im Mittelgewicht. Leider war es mir nicht möglich, etwas über die Box-Karriere von Camus zu erfahren.
Wie das obige Zitat über die Architektur von Oran ist auch sein Blick aufs Boxen ein ironischer. Camus nimmt uns mit in den Central Sporting Club in der Rue du Fondouk, in Oran. Es hört sich in etwa so an, wenn Camus über Boxen schreibt: Die Boxer, deren Namen auf den Plakaten stehen, sind weit davon entfernt, Meister zu sein. Einige steigen auch das erste Mal in den Ring. Weshalb ihr Mut größer ist als ihre boxerische Fähigkeit ist. Aber die Oranier sind elektrifiziert von dem Versprechen, dass Blut fließen wird. Weshalb sich auch „wirklichen Liebhaber des Sports“ einfinden.
Camus beschreibt die Halle, die Enge im Zuschauerraum, die unsägliche Musikbeschallung, den Gestank von Schweiß und vieles mehr. Einen der Kämpfe bestreiten zwei Boxer aus Algier und Oran, was zum Anlass genommen wird, die Rivalität zwischen den beiden Städten aufzurollen. Den Hauptkampf bestreiten ein französischer Seemann und ein oranischer Boxer. Der Heimboxer dominiert die ersten Runden, baut dann aber ab. Am Ende steht ein Unentschieden.
Camus‘ Ton ist durchgängig ironisch. Außerdem zeigt er bei den Beschreibungen der Kämpfe und den Reaktionen des Publikums immer wieder einen Hang zur Transzendenz und zieht Parallelen zu kultischen Handlungen. Spätestens hier nun wird einem schmerzhaft vor Augen geführt, dass Camus viel zu früh durch einen Autounfall aus dem Leben gerissen wurde. Hätte ein Camus Boxen konsequenter unter diesem Gesichtspunkt betrachten können, was hätte daraus für eine Abhandlung oder was für ein Buch werden können.
Den Essay „Minotaurus“ gibt es leider nicht auf Deutsch. Es gibt aber eine englische Übersetzung in einem Sammelband. Lesenswert!
© Uwe Betker