Box-Blog

Archive for Juli 2015

Rezension: „Knock Out“ von Steve Monroe

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Bis ich einen Zugang zum Ulysses von James Joyce fand, habe ich drei Anläufe gebraucht. Gleich drei Mal habe ich die erste Episode gelesen, die auf und im Martello Tower spielt und in der Stephen Dedalus von seinem Mitbewohner Buck Mulligan gekränkt wird. Dann endlich hatte mich das Buch gepackt und ließ mich nicht mehr los. Für mich ist der Ulysses eines der besten Bücher überhaupt, wenn nicht das Beste schlechthin.
Auch das Buch Knock Out von Steve Monroe habe ich mehrfach in die Hand genommen. Ich ihm immer wieder eine Chance – aber jetzt gebe ich auf. Ich komme einfach nicht über Seite 50 hinweg.
Knock Out soll ein Buch über das Boxen sein in Form eines Kriminalromans. Es spielt 1957 in Chicago. Alles an Versatzstücken für einen Roman übers Boxen, was man sich nur vorstellen kann, ist vorhanden: Ein schwarzer Schwergewichtler, der Weltmeister werden soll, ein rassistischer und krimineller Manager, ein origineller Trainer, versoffene, servile und verfressene Journalisten, die nichts mitbekommen, Kriminelle und Buchmacher.
Aber gehen wir mal auf die Sachebene. Was Monroe da übers Training schreibt z.B., ist nur halb gar. Aus Sparringshandschuhen macht er Trainingshandschuhe. Immer wieder ist von Handbandagen die Rede. Und dann die seltsamen Schlagkombinationen, die da eingeübt werden. Richtig gravierende Fehler sind es ja nicht, nur ganze viele Ungenauigkeiten, die darauf schließen lassen, dass der Autor nicht wirklich im (Profi-)Boxen zu Hause ist.
Was mich aber am meisten geärgert hat, ist die Sprache. Monroe versucht originell zu sein. Er versucht, Umgangssprache und Slang einzufangen. Das hat aber nur zur Folge, dass es kaum einen Absatz gibt, bei dem ich mich nicht über mindestens einen Satz ärgern muss. Beispiel:
„Sein graues T-Shirt und die Trainingshose waren nass, und die Muskeln an den Oberarmen wirkten wie Pampelmusen.“ (S. 36)
„Wenn du ihn mit dem Haken in den Rippen erwischst, dann lässt er den rechten Ellenbogen fallen. Das gibt dir Gelegenheit, ihm in der oberen Etage ein Pfund zu verkaufen“ (S. 37)
„Juniors Ansicht nach hätte er jederzeit für einen Löffelbagger einspringen und mit bloßen Händen Eisenbahnschwellen ausreißen könne.“ (S. 47)
„Crandy schnitt ihm mit einem jähen Sidestep nach links den Weg ab und ging mit linken und rechten Körperhaken hart in den Mann, als dresche er mit Schlegeln auf eine Trommel ein.“ (S. 48)
„Crandy stürzte sich auf ihn, sein rechter Aufwärtshaken war eine Granate.“ (S. 49)
„Crandy fuhr die Luft aus dem Leib wie einem beinahe Ertrunkenen das Wasser.“ (S. 49)
„Wie ein Buddhist legte Williams das Gesicht auf die Matte, gerade so, als bete er sie an.“ (S. 50)
Um es gleich zu verraten, Crandy Williams ging schließlich KO. Und ich warf das Handtuch und gab auf. Ich sollte den Ulysses von James Joyce ein drittes Mal lesen. Auch da geht es um Boxen, aber das ist eine andere Geschichte, die noch viel Recherchearbeit erfordert.
© Uwe Betker

Foto: Ehsan Maudodi vs. Rudolf Murko

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Maudodi vs. Murko
(C) Marianne Müller

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29. Juli 2015 at 23:59

Foto: Denis Nurja vs. Pietro d´Alessio

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(C) Uwe Betker

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29. Juli 2015 at 23:59

Foto: Özlem Sahin und Istvan Szili

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Charity Boxen in Ludwigsburg, MHP Arena
(C) Marianne Müller

Foto: Verschiedenes

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(C) Uwe Betker

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28. Juli 2015 at 23:59

Veröffentlicht in Fotos

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Foto: Sandsäcke

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(C) Uwe Betker

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27. Juli 2015 at 23:59

Die 2. Veranstaltung von Holger Petersen in Hamburg

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„Es ist immer die erste Veranstaltung!“ – So lautet ein Spruch eines langjährigen Veranstalters. Was damit ausgedrückt werden soll, ist: Viele stellen die 1. XYZ- Veranstaltung auf die Beine, aber dann ist jedes Mal die Frage, ob dieser Veranstaltung dann noch weitere folgen oder aber nicht. Holger Petersen, der am 30. Mai 2015 seine erste Veranstaltung machte, ließ, früher als gedacht, am 25. Juli 2015 seine zweite Show folgen. Sie war auf 36 Runden angesetzt. Und, um es vorab zu sagen, das Profiboxen in der Boxsporthalle Braamkamp war wirklich gut.
Den ersten Kampf des Abends bestritten Ion Barsan (8 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Yunus Oezcan (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) im Super Mittelgewicht. Oezcan, der Mann mit dem Reichweitenvorteil, kam nicht richtig in den Kampf. Barsan war in der ersten Runde nämlich extrem druckvoll. Dem hatte Oezcan wenig entgegen zu setzen. Immer wieder fand er sich an den Ringseilen wieder, wo er hinter seiner Doppeldeckung die Schläge über sich ergehen lassen musste. Im Infight wirkte er ideenlos. Die zweite Runde verlief ähnlich wie die erste, nur dass Barsan jetzt mehr klammerte, womit Oezcan nicht wirklich zurechtkam. In der dritten Runde baute dann Barsan konditionell ab, wodurch nun Oezcan besser in den Kampf kam und mit seinen Schlägen auch besser durchkam. Der Kampf wurde aber nun immer unsauberer von beiden geführt. Die vierte Runde war munter und unterhaltsam. Barsan versuchte nur noch an Oezcan heranzustürmen, um sich an ihm festzuklammern. Oezcan versuchte, sich den Klammernden mit Schubsen, Runterdrücken und was sonst noch für Mitteln vom Hals zu halten, wobei er in diesen Mitteln nicht gerade zimperlich war. Am Ende entschied die Mehrheit der BDB Punktrichter zugunsten eines Punktsieges für Yunus Oezcan. Ich persönlich hatte den Kampf unentschieden gewertet.
Danach stiegen Nikoloz Berkatsashvili (39 Kämpfe, 25 Siege, 9 durch KO, 14 Niederlagen, 12 durch KO) und Aram Khachatryan (5 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO) im Super Bantamgewicht in den Ring. Dieser Kampf war dann um Klassen besser als der vorangegangene. Von Berkatsashvili kann man sagen, dass er ein guter und erfahrener Haudegen ist. Einen jungen Boxer in seinem fünften Kampf gegen ihn antreten zu lassen, kann man nur als eine sehr mutige Ansetzung bezeichnen. Khachatryan begann nervös. Gleich zweimal ging er zu Boden, weil er ausrutschte. Dennoch bestimmte er den Kampf. Er boxte schnell und explosiv. In der zweiten Runde ging
Berkatsashvili zu Boden und wurde angezählt. Eine Führhand zum Kopf hatte ihn erwischt, als er außer Balance war. Khachatryan ging systematisch ans Werk. Meist schlug er eine einzelne Führhand, gefolgt von einer harten rechten Geraden oder einem Haken zum Kopf. Wenn dann Berkatsashvili stehen blieb, deckte er ihn mit Kombinationen ein. Allerdings ging er dabei etwas übermotiviert ans Werk. So feuerte er nach einem Break Kommando noch eine ganze Kombination ab. Dafür musste er dann auch prompt einen Punktabzug hinnehmen. Ende der dritten Runde stellte Khachatryan seinen Gegner an den Seilen, und brachte ihn mit Körperhaken zu Boden. In der vierten Runde war dann die Flucht von Berkatsashvili zu Ende. Khachatryan stellte ihn an den Seilen und ließ ihn nicht mehr weg. Ein brutaler Leberhaken schickte Berkatsashvili auf die Matte, wo er, sich vor Schmerzen krümmend, ausgezählt wurde. Sieger durch KO in Runde 3, nach 1:36 Minuten: Aram Khachatryan. Mich würde es nicht wundern, wenn wir noch viel von Khachatryan in der Zukunft zu hören bekämen.
Im Weltergewicht maßen anschließend Renat Samedovi (29 Kämpfe, 14 Siege, 4 durch KO, 14 Niederlagen, 10 durch KO, 1 Unentschieden) und Elias Espadas (10 Kämpfe, 9 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage) die Kräfte. Wobei es aber eigentlich kein Kräftemessen war, denn dafür war Elias Espadas zu stark. Espadas spielte geradezu mit seinem Gegner. Er hat eine extrem schnelle Führhand, mit der er punktete. Dann schlug er einen sauberen harten Konter als Rechte zum Kopf, als Samedovi selber schlug, und dadurch wurde dieser dann gefällt. Sieger durch KO in Runde 1, nach 1:43: Elias Espadas. Samedovi wurde noch lange in der Kabine behandelt. Vermutlich verbrachte er auch noch einen Teil der Nacht im Krankenhaus. Man darf gespannt sein, was die Zukunft für Elias Espadas noch bringt. Ich jedenfalls freue mich schon auf seinen nächsten Kampf.
Es folgte der einzige Frauenboxkampf des Abends. Melinda Lazar (3 Kämpfe, 1 Sieg, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden) traf auf Maria Lindberg (16 Kämpfe, 12 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage, 3 Unentschieden). Um es gleich vorweg zu sagen: Der auf sechs Runden angesetzte Kampf ging nicht über die Runden. Lindberg boxte abgeklärt und souverän. Sie hatte immer eine Hand mehr drin als Lazar. Die hatte zwar in der ersten Hälfte der zweiten Runde auch ihre Momente, einfach weil sie mutiger wurde und mehr probierte. Aber die zweite Hälfte der Runde gehörte dann wieder Lindberg, die physisch und boxerisch einfach zu stark war. Zur Hälfte der dritten Runde gab es einen Schlagabtausch in einer neutralen Ecke. Hierbei stießen beide Boxerinnen mit den Köpfen zusammen, wodurch Lazar einen Riss auf dem rechten Oberlid bekam. Der Kampf musste abgebrochen werden: Also, ein technisches Unentschieden nach 1:10 Minuten in der 3. Runde.
In diesem Kampf trat dann auch erstmals das Nummerngirl auf, das aber leider so schnell war, dass ich es nicht sehen konnte. In den folgenden Kämpfen nahm sie sich dann mehr Zeit für das Hochhalten der Karte. Ich war aber dummerweise so mit meinen Notizen beschäftigt, dass ich sie nicht so richtig goutieren konnte.
Im vorletzten Kampf des Abends boxten im Super Mittelgewicht George Aduashvili (35 Kämpfe, 19 Siege, 8 durch KO, 16 Niederlagen, 14 durch KO, 1 Unentschieden) und Jürgen Doberstein (21 Kämpfe, 19 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden) gegeneinander. In diesem Kampf habe ich dann einen ganz neuen Doberstein gesehen, quasi Doberstein 2.0. Sowohl technisch als auch physisch wirkte er deutlich stärker. Er strahlte Selbstbewusstsein aus. Seine Schläge kamen explosiv. In der ersten Runde ging er vor allem zum Kopf. Mit einer Links-Rechts-Kombination zum Kopf schickte er seinen Gegner dann auch auf die Bretter. Aduashvili wurde angezählt. Im zweiten Durchgang ging er dann mehr zum Körper und im dritten verteilte er seine Schläge. Mit einer schönen Kombination zwang er seinen Gegner erneut zu Boden, so dass er wieder angezählt wurde. Aduashvili stellte sich aber noch mal zum Kampf und Doberstein wollte den KO. Er griff an und ließ ihn nicht mehr weg. Wieder ging Aduashvili zu Boden. Während der Ringrichter noch zählte, erlöste das Handtuch Aduashvili. Sieger durch TKO in Runde 3: Jürgen Doberstein.
Jürgen Doberstein sah noch nie so stark aus. Der Austausch seines Teams/ Trainerstabes – jetzt wird er von dem Kubaner Pedro Diaz trainiert – hat sich offensichtlich positiv ausgewirkt. Man darf gespannt sein, wie es jetzt mit Doberstein weitergeht.
Den Hauptkampf des Abends schließlich bestritten, ebenfalls im Super Mittelgewicht, Zura Mekereshvili (14 Kämpfe, 10 Siege, 8 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Rafael Bejaran (20 Kämpfe, 18 Siege, 9 durch KO, 2 Niederlagen). Der auf sechs Runden angesetzte Kampf war gut und ein würdiger Hauptkampf. Obwohl Bejaran verhalten begann, kam er ein ums andere Mal gut durch. Mekereshvili machte Faxen, um zu zeigen, dass ihm die Treffer nichts ausgemachten. Aber schon in der nächsten Runde ließ er das sein. Er hatte keine Zeit mehr dafür, denn Bejaran erhöhte den Druck. Ein sehr schöner rechter Cross erschütterte Mekereshvili. Bejaran suchte den KO – aber er fand ihn nicht. Er schaffte es nur, seinem Gegner den Mundschutz aus den Mund zu schlagen. Die nächsten vier Runden entwickelten sich nachgerade zu einer Ringschlacht, die hin und her wogte. Zwar war Bejaran der Aggressor, brachte auch sehr viel mehr Hände ins Ziel, aber Mekereshvili blieb bis zum Schluss gefährlich. Bis zur letzten Sekunde feuerte er seine Haken ab. Aber er bezahlte auch einen hohen Preis für seine Tapferkeit. In der dritten Runde bekam er Nasenbluten und zog sich eine Cutverletzung in der linken Augenbraue zu. Von Runde zu Runde wurde der Kampf härter. Die letzte Runde war geradezu unglaublich intensiv. Bejaran versuchte Mekereshvili KO zu schlagen, der aber erwehrte sich seiner Haut, was zu vielen harten und verbissenen Schlagabtäuschen führte. Am Ende stand ein eindeutiger und einstimmiger Punktsieg für Rafael Bejaran. Bejaran, der schon bald um einen Europameistertitel boxen soll, ist einer der unterhaltsamsten Super Mittelgewichtler überhaupt. Man wird sehen, wie weit er kommen wird. Auf jeden Fall freue ich mich schon auf seinen nächsten Auftritt.
Die zweite Veranstaltung von Holger Petersen in Hamburg hat weiter gemacht, was er schon mit seiner ersten begonnen hat: Gutes Boxen in einer kleinen Halle, ein gutes Matchmaking, bei dem die Gewinner nicht alle vorher schon feststanden und gutes Frauenboxen. Die nächste Veranstaltung soll am 03. Oktober stattfinden. Wenn ich es schaffe, werde ich wieder hinfahren.
(C) Uwe Betker