Box-Blog

Eine ansteckende Seuche

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Es scheint eine ansteckende Seuche zu sein, eine Epidemie, wenn nicht sogar eine Pandemie. Diese schier unausrottbare Seuche heißt: Unwürdige Gegner. Das neuste Opfer, das wir zu beklagen haben, ist Felix Sturm.
Der World Boxing Association Super Champion Felix Sturm (37 Kämpfe, 34 Siege, 14 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) ist jetzt wohl auch von dieser heimtückischen Seuche infiziert worden. Wie ist es denn sonst zu verstehen, dass er am 19.02.2011 gegen Ronald Hearns boxen will. Zugegeben, Hearns (27 Kämpfe, 26 Siege, 20 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) hat eine guten Kampfrekord. Der übertragende Sender SAT 1 ist bestimmt auch dafür dankbar, dass über Hearns eine wunderbare „Homestory“ zu machen ist. Er ist schließlich der Sohn des legendären Thomas „The Hitman“ Hearns, des ehemaligen Weltmeisters im Welter-, Junior Mittel- und Mittelgewicht.
Aber der schöne Kampfrekord von Hearns Jr. kann uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass er ein Gegner ist, der keinen WM-Kampf verdient hat. Er boxte noch nie gegen einen namhaften Boxer. Sein letzter Gegner war Robert Kliewer (15.10.2010, TKO 6), der 7 seiner letzten 8 Kämpfe verlor, 5 sogar durch KO. Sein vorletzter Gegner, Delray Raines (17.04.2010, KO 1), hatte 1 Unentschieden, 1 Niederlage, 2 Siege, 1 Niederlage, 1 Sieg, 1 Niederlage, 1 Sieg, 1 Niederlage usw., bevor er auf Hearns traf. Der Gegner davor, Martez Logan (27.03.2010, W 6), brachte es gar auf 10 Niederlagen in Folge. Das waren die Gegner von Hearns im letzten Jahr und auch insgesamt entspricht das der Qualität an Boxern, gegen die er bis jetzt so boxte. Trifft er dann mal auf einen besseren, wie Harry Joe Yorgey (22 Kämpfe, 21 Siege, 9 durch KO, 1 Unentschieden), verliert er auch prompt (28.03.2009) durch KO in Runde 9.
Es ist dann auch nicht weiter verwunderlich, dass Hearns in der unabhängigen Weltragliste nur auf Position 64 geführt wird. Die WBA führt ihn in ihrer Rangliste bis jetzt überhaupt noch nicht. Wie dieser Verband dann auf die Idee kommen kann, diesen Kampf überhaupt zu sanktionieren, ist mir ein Rätsel.
Ich gebe zu, es hätte bei 1086 gerankten Boxern im Mittelgewicht auch noch schlimmer kommen können. Sturms Matchmaking weist für mich da doch große Ähnlichkeit auf mit dem von Taouab Mohamed Hedi von Universum Boxpromotion. Naiv wie ich bin, habe ich Sturm aber zunächst geglaubt, als er verkündete, es besser machen zu wollen als sein alter Arbeitgeber Universum. Aber da habe ich mich wohl gewaltig geirrt.
Adnan Catic, der sich, seit er Profi ist, Felix Sturm nennt, hatte sich nach seinen juristischen Querelen mit Klaus-Peter Kohl und der damit verbundenen Zwangspause mit seinem Punktsieg über Giovanni Lorenzo am 04.09.2010 immerhin eindrucksvoll zurück gemeldet. Aber was ihn und sein Management nun dazu treibt, seinen Ruf durch einen so schlechten Gegner direkt wieder zu beschädigen, kann ich gar nicht verstehen. Womöglich glaubt er wirklich, dass die Zuschauer nicht merken, einen wie absolut unwürdigen Gegner er da engagiert hat. Das Schicksal von Universum hätte ihm doch eigentlich zeigen sollen, dass ein solches Matchmaking nicht immer gut geht.
Es gibt nur ein Heilmittel gegen die beschriebene ansteckende Krankheit: Bessere Gegner. Alle in Deutschland boxenden Weltmeister sollten sich dazu verpflichten, gegen keinen zu boxen, der nicht unter den Top 30 der unabhängigen Weltrangliste gerankt ist.
© Uwe Betker

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