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Vier Profiboxkämpfe in der Yayla Arena in Krefeld

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Klaus Waschkewitz stellte in Krefeld eine große Kampfsportveranstaltung auf die Beine. Die Yayla Arena in Krefeld war Austragungsort von 16 Kämpfen, einem MMA, fünf K1, sechs IKBO Boxkämpfen und vier Profikämpfen. Insgesamt gab es fünf Titelkämpfe.
Leider habe ich aufgrund eines Missverständnisses die ersten beiden Profiboxkämpfe, die früh am Abend stattgefunden hatten, verpasst. Im Super Leichtgewicht besiegte Nawid Hakimsadeh (12 Kämpfe, 11 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage) Dominik Tietz (21 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 15 Niederlagen, 10 durch KO) in einem Vierrunder. Tietz musste verletzungsbedingt in Runde 2 aufgeben.
Im Weltergewicht wurde der bis dahin ungeschlagene Piergiulio Ruhe (7 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) Ende der vierten Runde aus dem Kampf genommen. Damit wurde Hamisi Maya (12 Kämpfe. 9 Siege, 8 durch KO, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden) der neue Intercontinentalmeister der GBC.
In dem ersten Kampf, den ich dann sah, traf der Düsseldorfer Schwergewichtler Dominic Vial (5 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO) auf Sebastian Tuscherer (33 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO, 18 Niederlagen, 8 durch KO). Sie maßen im Schwergewicht in einem Sechsrunder ihre Kräfte. Vial beherrschte die Ringmitte. Er arbeitete schön mit der Führhand. Tuscherer versuchte den Reichweitennachteil durch Schwinger zum Kopf und durch Körperhaken auszugleichen. In der zweiten Runde wollte er Vial einfach überrollen. Der aber boxte technisch schön weiter und stellte Tuscherer in der eigenen Ecke, wo er ihn nicht mehr raus ließ. Tuscherer ließ sich von dem GBA Ringrichter Ahmed Bencheikh, der praktisch nichts zu tun hatte, anzählen und stellte sich dann wieder zum Kampf. Vial aber wollte dem nun ein Ende setzen. Er deckte sein Gegenüber mit einer langen Kombination ein, der Tuscherer nichts entgegen zu setzen hatte. Seine Ecke warf ein Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 2, nach 1:01 Minuten: Dominic Vial.
Den Hauptkampf des Abend bei den Profiboxern bestritten im Halbschwergewicht Alpay Yaman (10 Kämpfe, 9 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage) und Alexander Rigas (10 Kämpfe, 10 Siege, 5 durch KO). Es ging um den vakanten Continentaltitel der IBO. Vor dem Kampf hatten beide den gleichen Kampfrekord. Nach einer Minute war das Abwarten beendet und es begann der klassische Kampf Fighter gegen Boxer. Rigas versuchte lang und grade zum Kopf anzuboxen und zwischendurch Körperhaken einzustreuen. Yaman suchte durch Kopf- und Körperhaken zum KO zu kommen. Am Ende der Runde kam er auch mit einer Rechten zum Kopf durch, die Rigas erschütterte. In der zweiten Runde wurde der Kampf verbissen und hart geführt. Rigas kam immer wieder mit Körperhaken durch, Yaman traf seltener, dafür aber härter. In der dritten Runde hielt sich Rigas seinen Gegner mit der Führhand vom Hals. Er ließ ihn auch ein ums andere Mal ins Leere laufen. Dabei zu Gute kam ihm , dass Yaman praktisch während des gesamten Kampfes nie anboxte. Nur Mitte der vierten Runde boxte er eine Zeitlang an und erarbeitet sich dadurch dann auch seine Momente. Aber während der ersten wie der dritten Minute bestimmte Rigas das Kampfgeschehen durch seine Führhand. Auch in der fünften Runde wurde ausschließlich durch Rigas Führhandarbeit der Ton angegeben. Am Ende des sechsten Durchgangs kam er mit einer harten Rechten zum Körper durch, die Yaman nicht mochte. Nach einer Minute in der siebten Runde musste Rigas zu Boden: Ein Tiefschlag hatte ihn gefällt. Danach schien sich der Kampf neu zu erfinden. Beide Boxer suchten den Schlagabtausch, der hin und her ging. Rigas wollte sich offensichtlich für das Foul rächen, was Yaman in die Karten spielte.
In der achten Runde gewann Rigas wieder die Oberhand und dominierte das Kampfgeschehen durch seine Führhand. Allerdings wurden seine Beine langsamer, wodurch Yaman mehr Szenen bekam. In der neunten Runde hatte Rigas wieder mehr Kraft. In der zehnten und letzten Runde versuchte Yaman die drohende Niederlage in diesem großartigen Kampf noch abzuwenden, aber Rigas ließ ihn auch jetzt ins Leere laufen.
Die Punktrichter werteten: 95:95, 93:97 und 93:97. Punktsieger: Alexander Rigas
Alexander Rigas zeigte eine große boxerische Leistung. Er ist jemand, den man im Auge behalten sollte. Einen Rückkampf mit Alpay Yaman, der hinter seinen Möglichkeiten zurück geblieben ist, wäre ein schöner Kampf für 2020.
(C) Uwe Betker

Profiboxen im Recover Fight Club in Neuss

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Der Recover Fight Club, in Neuss Norf, stellte am 23. November 2019 eine House Gala mit sechs Boxkämpfen, drei von Amateuren und drei von Profis, auf die Beine.
Den Anfang bei den Profis machten zwei Schwergewichtler, Shkelqim Ademaj (4 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 2 Niederlagen) und Alahadidin Sovuksu (6 Kämpfe, 6 Niederlagen, 1 durch KO). Der auf vier Runden angesetzte Kampf begann munter. Ademaj kam nicht, um Gefangene zu machen. Er setzte sein Gegenüber sofort unter Druck und deckte ihn mit Kombinationen ein. Besonders die Körpertreffer taten Sovuksu offensichtlich weh. Nach einer schönen Linken zum Kopf musste er auch auf die Bretter. Wenig später wurde er dann in einer neutralen Ecke von Ademaj gestellt und nicht mehr herausgelassen. Schlagkombination um Schlagkombination musste Sovuksu nehmen. Irgendwann hatte der am ganzen Abend sehr souverän agierende GBA Ringrichter Kornelius Bernds genug gesehen und ging dazwischen; er zählte Sovuksu, der in die Seile gerutscht war und nicht mehr konnte, aus.
Sieger durch KO in Runde 1, nach 1:51 Minuten: Shkelqim Ademaj.
Im Anschluss stiegen Ali El Said (4 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO, 1 Niederlage) und Nazar Thiaka (7 Kämpfe, 1 Sieg, 5 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) für einen Sechsrunder im Super Weltergewicht in den Ring. Der Rechtsausleger El Said bekam es mit einem Gegner zu tun, der immer wieder ungestüm auf ihn zu stürmte und den Abtausch suchte. Dadurch bekam diese Begegnung einen eigenen Rhythmus. El Said versuchte zu boxen, Thiaka zu fighten. Es wurde viel auf die Deckung geschlagen und viel geklammert. Der Kampf wogte hin und her. In der ersten Runde konnte El Said mehr Hände ins Ziel bringen, in der zweiten Runde Thiaka. Im dritten Durchgang erhöhten beide das Tempo und den Druck und kämpften verbissener. In der vierten Runde ging bei beiden jegliche boxerische Linie verloren. Thiaka stürmte immer und immer wieder auf El Said zu und versuchte, ihn zu treffen, während El Said versuchte zu kontern. Schließlich stürmte auch El Said immer wieder, mit dem Kopf voran, tief in seinen Gegner herein. Es wurde gefightet, gekeilt und geklammert. Ringrichter Bernds hatte alle Hände voll zu tun, die beiden Kontrahenten immer wieder zu trennen. In der sechsten, sehr verfahrenen, aber hart umkämpften Runde, wurde Thiaka ein Punkt abgezogen, weil er wiederholt auf Break Kommandos nicht gehört hatte. Am Ende rettete dieser Punktabzug El Said vor einer Niederlage.
Unentschieden.
Den Hauptkampf des Abend bestritten im Cruisergewicht Tim Voessing (2 Kämpf, 2 Siege, 2 durch KO) und Cristea Cornel Paul mit einen Vierrunder. Paul bestritt sein Profidebüt. Beide Boxer begannen hektisch. Aber Mitte der Runde begann die boxerische Linie von Voessing sich langsam durchzusetzen. Paul hielt allerdings dagegen und so gestaltete sich dieses Kräftemessen heftig und unterhaltsam. In der zweiten Runde kam Voessing mehrfach schon mit Aufwärtshaken zum Kopf durch, die den Kopf von Paul zurückschnappen ließen. Dieser schlug über die Außenbahn. Ende der Runde wurde er dann selber mit einem rechten Cross abgekontert, der ihn sichtlich erschütterte. Es sah so aus, als hätte Paul erhebliche Konditionsprobleme. Dieser Eindruck verfestigte sich noch in der folgenden Runde. Paul schlug nur noch schnell und unkontrolliert. Es war das letzte Aufbäumen. Am Ende der Runde gab Paul auf.
Sieger durch TKO in Runde 3, nach 2:45 Minuten: Tim Voessing.
Voessing, ein Schützling von Trainer Sebastian Tlatlik, ist ein Boxer den man im Auge behalten sollte.
Wenn es bald eine weitere Veranstaltung im Recover Fight Club in Neuss geben sollte, würde mich das freuen.
© Uwe Betker

Besser als die Fußball WM in Russland – die Essener Fight Night 3

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Veranstalter Bjoern Sothmann wird allmählich zu einer festen Größe beim Profiboxen im Ruhrgebiet. Am Samstag, dem 16. Juni 2016, stellte er eine kleine aber feine Veranstaltung in der Wohnbau Hockey Arena an der Raumerstrasse in Essen auf die Beine. Es gab fünf Profiboxkämpfe zu sehen, vier Vierrunder und einen Sechsrunder.

Den Anfang machten im Federgewicht zwei Damen, Susan Kolukisa (3 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Nana Chakhvashvili (12 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO, 7 Niederlagen, 5 durch KO). Der Kampf war munter. Chakhvashvili bestimmte den Rhythmus in der ersten Runde. In der zweiten Runde bestimmte dann Kolukisa das Geschehen im Ring. Sie trieb ihre Gegnerin vor sich her. Immer wieder kam sie mit ihrer Rechten zum Kopf durch. Auch in der dritten Runde trug Kolukisa Chakhvashvili den Kampf an. Immer wieder verwickelte sie sie in Schlagabtäusche, die sie dominierte. Die vierte Runde wurde verbissen geführt und Chakhvashvili erwehrte sich nach Kräften ihrer Haut. Der umsichtig agierende GBA Ringrichter Roman Morawiec hatte nicht aber nicht viel zu tun. Einstimmige Siegerin nach Punkten: Susan Kolukisa.

Armin Ajrulai gab im Mittelgewicht sein Profidebüt. Er traf auf Dominik Tietz (15 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 9 Niederlagen, 6 durch KO). Tietz beherrschte die Ringmitte aber Ajrulai machte den Kampf. Er boxte variabel an und verteilte gut. In der zweiten Runde machten beide mehr. Ajrulai schlug mehr und traf mehr, aber Tietz hielt dagegen. Die dritte Runde war verfahren. Es wurde viel geklammert, durchgesteckt, mit der Schulter gestoßen, nachgeschlagen und noch alles Mögliche, was man sonst so machen kann, getan. Ringrichter Kornelius Bernds hatte viel zu tun. In der vierten Runde boxten beide wieder; sie wollten beide den KO. Tietz hatte offensichtlich die bessere Kondition und brachte Ajrulai immer wieder in Bedrängnis. Dieser wusste sich oft nur durch Klammern zu helfen. Er hatte dann in den letzten Sekunden noch eine gute Aktion, wo er Tietz in einer neutralen Ecke stellte. Aber diesmal klammerte Tietz und deutet ein Küsschen auf die Glatze von Ajrulai an. Einstimmiger Punktsieger: Armin Ajrulai.

Im Schwergewicht boxten Paul Zummach (4 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 1 Niederlage) und Vincenzo Anzalone (6 Kämpfe, 6 Niederlagen, 2 durch KO) gegeneinander. Zummach machte den Kampf. Er nutzte seinen Reichweitenvorteil und seine Schnelligkeit und deckte Anzalone ein. Mitte der Runde stellte Zummach seinen Gegner an den Seilen und kam mit einer harten Rechten zur Schläfe durch, die Anzalone erschütterte. Gegen Ende der Runde wiederholte sich die Szene noch mal. Nur mit Mühe erreichte Anzalone das Rundenende. In den nächsten Runde nahm Anzalone wie immer viel, aber er hielt, auch wie immer, durch. Anfang der dritten Runde erlitt er einen bösen Cut über dem linken Auge, der immer schlimmer wurde. Aber er boxte weiter. Ringrichter Morawiec zog zweimal den Ringarzt hinzu, der allerdings nicht empfahl, den Kampf zu stoppen. Anzalone, ein wahrer Krieger, wollte weiter kämpfen und stellte sich zur vierten Runde; sein Trainer Christoph Gresförder warf jedoch das Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 4, nach 5 Sekunden: Paul Zummach.
Der Trainer von Anzalone erklärte nach dem Kampf, sein Schützling mache nun eine längere Pause, um dann im Herbst wieder anzugreifen.
Im Super Mittelgewicht boxten Tiran Metz (21 Kämpfe, 14 Siege, 6 durch KO, 3 Niederlagen, 4 Unentschieden) Jaroslaw Januskiewicz (2 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 1 Niederlage) gegeneinander. Metz ging von der ersten Sekunde an auf einen KO aus, der aber nicht kam. Er bereitete gut mit der Linken vor und verteilte gut. Besonders die Körpertreffer schienen Wirkung zu erzielen. Januskiewicz hatte in der zweiten Runde Metz noch weniger entgegenzusetzen als in der vorangegangenen. Immer wieder wurde er an den Seilen gestellt. Er verschanzte sich hinter seiner Doppeldeckung und konnte nur selten kontern. Anfang der dritten Runde machte Januskiewicz mehr, konnte Metz aber dadurch nicht verlangsamen. Der dominierte die letzten zwei Drittel der Runde. Im vierten Durchgang boxte Metz für die Galerie. Er zeigte seine technische Überlegenheit und seine überlegenen Reflexe. Einstimmiger Punktsieger: Tiran Metz.

Hauptkampf des Abends war der erste Kampf von Patrick Korte (14 Kämpfe, 13 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) nach seiner überraschenden Niederlage im März. Der Essener Schwergewichtler traf auf Giorgi Kopadze (14 Kämpfe, 6 Siege, 6 durch KO, 8 Niederlagen, 7 durch KO) aus Georgien. Korte begann ruhig. Er boxte an und verteilte gut. Alles sah so aus, als würde Korte dort anschließen, wo er vor seiner einzigen Niederlage aufgehört hatte. Dann ließ er sich unnötigerweise auf einen wilden Schlagabtausch ein, lief dabei in eine Rechte zum Kopf und ging zu Boden. Ringrichter Morawiec zähle ihn an. Der Kampf wurde nun hektisch. Beide Boxer keilten aufeinander ein; dabei wirkte Korte anfänglich noch leicht benommen. Gegen Ende der Runde ging Kopadze in seine Ecke und erbrach sich in einen Eimer. Danach nahm er den Kampf wieder auf – etwas, was ich noch nie bei einem Profikampf gesehen habe. Die verbleibenden ca. 15 Sekunden waren wieder eine Keilerei.

Auch in der zweiten Runde boxte Korte nicht wirklich ruhig. Immer wieder kam es zum Schlagabtausch, der jeweils nicht wirklich vorbereitet war. Dann ging Kopadze erneut in seine Ecke, kniete sich hin und erbrach sich noch einmal in einen Eimer. Seine Ecke hatte nun genug gesehen und warf das Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 2 nach 1:15 Minuten: Patrick Korte.

Die Essener Fight Night 3 war eine gute Veranstaltung. Sie war bereits um 20 Uhr beendet. Vermutlich wollte der Veranstalter Sothmann es den Zuschauern ermöglichen, noch Fußball im Fernsehen zu gucken. Es ist zu hoffen, dass es bald eine Fight Night 4 gibt. Wir werden sehen, wohin sich Patrick Korte entwickeln wird. Der Kampf gegen Giorgi Kopadze sollte hierüber vermutlich Klarheit verschaffen, was er allerdings nicht tat. Aufgrund von Verlauf und Ende des Kampfes sind nun alle so klug als wie zuvor. Es bleibt spannend.
© Uwe Betker

Überlegungen zum Angebot von Jan Jungmayr an Tom Schwarz und Ulf Steinforth

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Das Angebot liegt auf dem Tisch. Jan Jungmayr will nach einer über zwanzigjährigen Pause innerhalb eines Jahres Deutscher Meister im Schwergewicht bei den Profis werden. Dabei hat er bis jetzt nichts, was ihn zu einem solchen Titelkampf qualifiziert. Er war ein erfolgreicher DDR-Amateurboxer, aber die DDR gibt es ja nun schon lange nicht mehr. Jungmayr ist auch schon 46 Jahre alt und seinen einzigen Profikampf hat er am 05.10.1997 bestritten. Er verlor damals nach Punkten gegen Peter Hrivnak, der damals folgenden Kampfrekord hatte: 10 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO, 6 Niederlagen, 6 durch KO. Auf dem ersten Blick erscheint die Herausforderung von Tom Schwarz (21 Kämpfe, 21 Siege, 13 durch KO), dem Deutschen Meister im Schwergewicht, also mutig und abwegig.
Studiert man das Angebot aber mal genauer, so kommt man nicht umhin zu festzustellen: Da ist jemand, der sich Gedanken gemacht und sich seine Sache sehr ganz genau überlegt hat. Das Angebot sieht nämlich so aus, dass jeder der Beteiligten dabei nur gewinnen kann. Der einzige, der etwas zu verlieren hat, ist Jan Jungmayr, der das Risiko eingeht, sich womöglich lächerlich zu machen.
Im einzelnen beinhaltet das Angebot: Das Profiboxen in Deutschland bekommt einen neuen TV-Sender, der Boxen überträgt. Das ist etwas, das jeder Boxfan sich nur wünschen kann. Dieser TV-Sender ist offensichtlich bereit, zwei Veranstaltungen mit Jungmayr zu übertragen und eine Öffentlichkeit hierfür zu schaffen. Es soll nämlich nicht nur die Veranstaltung übertragen werden, sondern der Sender will auch noch die Vorbereitungsphase von Jungmayr begleiten und hierüber berichten. Auch sieht es danach aus, als stünde der MDR, der Haussender von Steinforth, dem Projekt von Jungmayr positiv gegenüber.
Sollten Tom Schwarz und sein Veranstalter Ulf Steinforth das Angebot annehmen, dann können sich beide erst mal zurücklehnen und entspannt der Dinge harren, die da kommen. Jungmayr ist schließlich derjenige, der liefern muss. Er muss unter Beweis stellen, dass er ein würdiger Herausforderer für die Deutsche Meisterschaft ist. Dass er richtiger Herausforderer ist, will und muss er vor dem Kampf gegen Schwarz in einem anderen Kampf erstmal beweisen. Er muss gegen einen Schwergewichtler gewinnen, der in der Weltrangliste so weit oben steht, dass er um die Deutsche Meisterschaft boxen könnte, wenn er denn Deutscher wäre. M.a.W, das Risiko liegt bei Jungmayr.
Ein sehr schöner Nebeneffekt des ganzen Plans wäre noch, dass bei den Kämpfen von Jungmayr vorbildliche Dopingkontrollen nach den WADA-Richtlinien durchgeführt würden. Hinzu käme, dass erstmals eine reelle Chance besteht, dass alle deutschen Profiboxverbände, wenigsten in einer Gewichtsklasse, einen gemeinsamen Titelträger hätten.
Wenn also Tom Schwarz und sein Veranstalter Ulf Steinforth das Angebot annehmen, dann kann Schwarz nicht nur die wohl höchste Börse seiner Karriere kassieren, sondern er kann womöglich, sollten BDB, GBA, BDF mitspielen, nach fast 14 Jahren der erste Deutsche Meister im Profiboxen werden, der keinen Gegen-Meister hat.
Letztlich fallen mir also keine vernünftigen Gründe ein, die gegen einen Kampf zwischen Tom Schwarz und Jan Jungmayr sprechen könnten. Bleiben noch die irrationalen Gründe. Was kann gegen einen solchen Kampf sprechen? Eigentlich kann ich mir nur einen Grund vorstellen: Angst. Wenn es nicht zu diesem Kampf kommt, dann heißt das für mich, Ulf Steinforth und Tom Schwarz haben Angst. Steinforth hätte Angst davor, sein Deutscher Meister im Schwergewicht könnte einen dann 47-jährigen Mann womöglich nicht besiegen. Mit einer Niederlage würde sich seine Investition in Schwarz allerdings in Rauch auflösen. Und Schwarz hätte Angst, einen Mann zu boxen, von dem er nur einen Kampf zu sehen bekommen hat und den er folglich nicht vollständig ausrechnen kann.
Wir werden sehen, wie Steinforth und Schwarz auf das vorliegende Angebot reagieren werden.
Jeder kann das Angebot nun lesen.
(C) Uwe Betker

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Eine Bluttransfusion für das deutsche Profiboxen

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Dem Profiboxen in Deutschland geht es schlecht. Es wird nur noch wenig Boxen im Fernsehen gezeigt und die Einschaltquoten erreichen nur noch einen Bruchteil von denen vor zwanzig Jahren. Aber nun schickt sich jemand an, dem Profiboxen in Deutschland wieder etwas auf die Sprünge zu helfen.
Das Projekt von Jan Jungmayr ist schon seit langem bekannt (http://operation300.de/). Der erfolgreiche DDR Amateurboxer will nach einer über zwanzigjährigen Pause beweisen, dass Erfolg planbar ist. Er will gegen renommierte Schwergewichtler antreten. Hierfür gibt er sich 300 Tage Zeit. Offensichtlich hat Jungmayr einen TV-Sender gefunden, der seine Vorbereitung begleiten und seine Boxkämpfe übertragen will. Dann gibt es mehr Boxen im Fernsehen und einen weiteren Sender, der Boxen zeigt.
Jungmayr will gegen den deutschen Meister im Schwergewicht, Tom Schwarz (21 Kämpfe, 21 Siege, 13 durch KO), antreten. – Auf den ersten Blick erscheint eine solche Ansetzung absurd. Jungmayr ist schließlich 46 Jahre alt und seinen einzigen Profikampf hat er 1997 bestritten und verloren. – Vorher plant er noch mit einem Kampf, gegen einen entsprechend platzierten Boxer, unter Beweis zu stellen, dass er ein würdiger Herausforderer ist.
Interessant wird das ganze Vorhaben erstmal aber schon dadurch, dass Jungmayr so viel Geld eingesammelt hat, dass er seinem Gegner Tom Schwarz die beste Börse seiner Karriere garantieren und Dopingkontrollen nach NADA-Standards durchführten lassen kann.
Das Angebot von Jan Jungmayr an Tom Schwarz und Ulf Steinforth könnte wie eine Bluttransfusion für das deutsche Profiboxen wirken. Es will ihm nämlich zukommen lassen: einen TV-Sender, zwei gute Schwergewichtskämpfe mit deutscher Beteiligung, gute Börsen und ernstzunehmende Dopingkontrollen.
© Uwe Betker

Zwei Profikämpfe und zwei Talente

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Fast 600 Zuschauer fanden den Weg in die Turnhalle der Berufbildendenschule in Bad Neuenahr. Dort fand eine Veranstaltung des Boxsportclubs Bad Neuenahr Ahrweiler statt. Insgesamt gab es neun Kämpfe zu sehen. In der Mitte, also an sechster Position, und am Ende, als letztem Kampf, gab es auch zwei Profikämpfe.

Bevor der erste Profi in Ring stieg, setzte eine, gerade mal sechzehn Jahre alte, junge Dame die Messlatte für die nachfolgenden Kämpfer schon gleich sehr hoch. Sarah Liegmann, sechsfache Weltmeisterin im Kickboxen, zeigte einen sehr guten Amateurkampf, den sie nach Belieben dominierte und klar nach Punkten gewann. Bemerkenswert war aber vor allem die Art und Weise, wie sie siegte. Das Tempo, die Härte und der Siegeswillen waren beeindruckend, wenn auch ihre Technik noch nicht zu 100% ausgereift ist. Aber was kann man andererseits von einer sechszehnjährigen Kickboxerin erwarten? Es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn sie schon bald das Profiboxen der Frauen aufmischen würde.

Nach den Damen stiegen Hizni Altunkaya (31 Kämpfe, 30 Siege, 17 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) und Niko Lohmann (12 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 8 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) für einen Vierrunder im Cruisergewicht in den Ring. Die erste Runde begann verhalten. Altunkaya zeigte eine schöne steife Führhand. Lohmann, „Karl Stahl“, versuchte an den Mann herzukommen und am Körper zu explodieren. Es gab allerdings nur wenige Schlagabtäusche. In der zweiten Runde erhöhte Altunkaya das Tempo. Er brachte schöne Links-Rechts-Kombinationen ins Ziel. Aber immer wenn er stehen blieb, bekam Lohmann die Chance, seinen rechten Cross zu schlagen, woraus sich dann harte Schlagabtäusche entwickelten. Die dritte und vierte Runde wurde noch härter umkämpft. Immer wieder standen beide Boxer Fuß an Fuß, um buchstäblich ihre Kräfte zu messen. Es gab kaum Rückwärtsbewegungen. Beide Boxer trafen sich im Ring und schlugen aufeinander ein. Der unauffällig-souverän agierende GBA Ringrichter Hans-Joachim Pagel hatte im Ring praktisch nichts zu tun. Er gab Altunkaya jede Runde. Sieger nach Punkten: Hizni Altunkaya.

Vor dem Hauptkampf stieg der Schwergewichtler Sebastian Breidbach für einen Amateurkampf in den Ring. Breidbach ist augenscheinlich eines der ganz großen Talente im Schwergewicht. Der technisch boxende Schwergewichtler hat das Zeug dazu, ein ganz Großer zu werden.
Kleine Anmerkung in eigener Sache: Normalerweise wird hier nicht über Amateurboxen berichtet. Wenn hier aber Amateurboxerinnen oder Amateurboxer erwähnt werden, halte ich sie für Talente, die das Profiboxen aufmischen könnten.

Als letztes boxten Enis Agushi (4 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO) und Francis Kojo Ennin (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 3 durch KO) für einen Sechsrunder im Super Mittelgewicht gegeneinander. Der Kampf war kurz und knackig. Ennin versuchte Agushi zu überrollen und ihm durch einen wilden und unorthodoxen Schlaghagel seinen Kampf aufzuzwingen. Dies gelang ihm aber nur zum Teil. Seine Schläge prallten an der Deckung von Agushi ab, der auch immer wieder mit guten und harten Schlägen durchkam. Schon nach kurzer Zeit hatte er Ennin in dessen eigener Ecke gestellt und ließ ihn nicht mehr raus. Er verteilte gut zu Körper und Kopf und Ennin ging zu Boden. Ringrichter Pagel zählte bis acht, bevor Ennin wieder hochkam. Was noch folgte, war reine Formsache. Agushi stellte Ennin kurze Zeit später wieder an den Seilen, ließ ihn wieder nicht weg und deckte ihn wieder mit einer schönen langen Kombination ein. Ennin sank wieder zu Boden, wieder wurde er angezählt und wieder kam er hoch. Diesmal winkte der Ringrichter allerdings den Kampf ab.
Sieger durch TKO in Runde 1 nach 2:46 Minuten: Enis Agushi.
In Bad Neuenahr tut sich etwas. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die dortigen Boxer und Boxerinnen weiter entwickeln.
© Uwe Betker

Gastbeitrag: Boxen in der Literatur – Jack London (3) „The Abysmal Brute“

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Der erfahrene Boxmanager Sam Stubener erhält im ersten Kapitel diese Romans [Jack London. The Game and The Abysmal Brute. London: Arco Pub., 1967. 65-142] einen Brief von Pat Glendon. Der ehemalige Schwergewichtsprofi, dem nur durch Pech und Betrug ein Weltmeistertitel vorenthalten blieb, bittet den Manager darin, seinen Sohn unter seine Fittiche zu nehmen. Glendon beschreibt Pat Junior als den perfekten Schwergewichtler. Da Stubener auf das Urteil des ehemaligen Weltklasseboxers vertraut macht er sich auf in die entlegenen Wälder Nordkaliforniens, um das junge Talent mit eigenen Augen zu sehen. Pat Glendon Junior übertrifft sowohl in physischer als auch in boxerischer Hinsicht alle Erwartungen und so nimmt ihn der Manager unter Vertrag. Allerdings besteht der Vater auf einer Klausel, die die Abmachung ungültig macht, sollte der Stubener den jungen Mann in unsaubere Geschäfte verwickeln. Der alte Mann hatte seinen Sohn nämlich in alle Finessen des Boxsports eingeweiht, ihn aber in einem abgelegenen Waldgebiet aufgezogen und ihm alle Berichte über Betrügereien in der Szene vorenthalten, um die Unschuld des jungen Mannes zu bewahren. Dessen Lehrerin war im übrigen die einzige Frau, mit der er zu tun hatte und vor deren Nachstellungen floh er in die Wälder.
Der junge Boxer begleitet den Manager allerdings nur um seines Vaters Willen nach Los Angeles und wird dort von Heimweh nach den Bergen geplagt. Seine ersten Kämpfe gewinnt Glendon Junior nach nur wenigen Sekunden durch K.O., was einen der Gegner zu folgender Aussage bewegt: „„What happened?“ he queried hoarsely. „Did the roof fall on me?““ [London. Abysmal Brute. 86]
Daraufhin überzeugt der Stubener seinen Schützling, seine nächsten Kontrahenten nicht so schnell bewußtlos zu schlagen, da es sein Ruf ansonsten schwierig machen würde, neue Gegner zu bekommen und da die Zuschauer für ihr Eintrittsgeld länger unterhalten werden wollen. Unmittelbar vor seinem nächsten Kampf hat Pat Junior die traurige Pflicht, seinen Vater zu beerdigen. Dennoch führt er die Anweisung seines Managers pflichtbewußt aus. Nach einer Weile gehen die beiden sogar dazu über, die Runden zu verabreden, in denen der Knockout stattfinden soll. Der Manager nutzt dies ohne das Wissen des Boxers aus und verdient durch seine Verbindung zu einem Wettsyndikat große Summen.
Der Boxer verbringt seine Freizeit mit dem Lesen von Gedichten und Museumsbesuchen. Da er nur wenig Zeit mit anderen Sportlern verbringt, sehr wortkarg ist und alle Kämpfe vorzeitig gewinnt wird er für dumm und brutal gehalten und ein Sportreporter verleiht ihm den Beinamen Abysmal Brute.
Im sechsten Kapitel des Romans wird die junge Maud Sangster vorgestellt. Um ihrer Unabhängigkeit willen verließ sie ihr millionenschweres Elternhaus und wurde Reporterin. Außerdem ist sie jung und hübsch, Staatsmeisterin Tennis, spielt mit Männern Polo und verfaßt Gedichte. Auf eigenen Wunsch übernimmt sie den Auftrag, für ihre Zeitung Pat Glendon zu interviewen, der inzwischen als möglicher neuer Weltmeister gehandelt wird. Dieser muß erst von seinem Manager überzeugt werden, dieses Interview zu geben, denn bislang hatte er sich stets von Reportern fern gehalten. Erst als er erfährt, daß die junge Frau, die das Gespräch führen soll auch Gedichte schreibt willigt er ein. Die Begegnung zwischen dem Schwergewichtler und der Reporterin ist ein zentraler Moment des Romans.
“The meeting was a mutual shock. When blue eyes met grey, it was almost as if the man and the woman shouted triumphantly to each other, as if each had found something sought and unexpected.” [London. Abysmal Brute. 103]
Obwohl der Manager dies zu verhindern sucht bringt die junge Frau das Gespräch auf Betrügereien im Boxgeschäft. Sie erklärt, daß einer ihrer Kollegen stets vorher weiß, in welcher Runde die Kämpfe Glendons enden werden. Glendon schickt nach diesem indirekten Betrugsvorwurf seinen Manager aus dem Raum. Nur dieser wußte schließlich außer ihm von der Abmachung, den Gegner im nächsten Kampf, Nat Powers, bis zur 16. Runde stehen zu lassen. Der junge Boxer verabredet mit der Reporterin den bevorstehenden Kampf in einer späteren Runde, der 18., zu beenden, um der Reporterin zu beweisen, daß sie mit ihrem Verdacht im Unrecht ist.
Maud Sangster schleicht sich als Mann verkleidet in die Arena, um den Fight zu verfolgen. Dort wird sie Zeugin, als Powers in der 16. Runde K.O. geht und wendet sich mit Abscheu ab. Glendon wollte den Kampf erst später beenden, doch sein Manager wollte kein Risiko eingehen und bestach den Gegner, in der verabredeten Runde zu Boden zu gehen. In dem Moment als Powers ohne Schlagwirkung zu Boden geht wird sich Glendon klar über die Verruchtheit des Boxgeschäftes.
Es gelingt ihm die junge Reporterin zu überzeugen, daß er nicht an dem Betrug beteiligt war. Die beiden heiraten Hals über Kopf und verbringen ihre Flitterwochen in den Bergen. Glendon beschließt noch ein letztes Mal zu kämpfen bevor er sich mit seiner Frau in die endgültig in die Einsamkeit der Natur zurückzieht. Seinen Manager läßt er in dem Glauben, er habe sich mit den dunklen Seiten des Boxgeschäftes abgefunden. Unmittelbar vor seinem letzten Kampf hält der junge Boxer unter dem Jubel der Zuschauer im Ring eine Rede, in der er die üblen Machenschaften des Wettsyndikates aufdeckt und die letzten Endes zu einer offiziellen Untersuchung der Boxbranche führt.
Der wütende Weltmeister, der als Gast unter den Zuschauern ist stürmt in den Ring, wird aber von Glendon mit einem Schlag ausgeknockt. Der eigentliche Kampf findet schließlich statt, denn Glendon will seinen Gegner nicht wie verabredet in der 14. sondern bereits in der ersten Runde ausknocken. Dies gelingt ihm auch und im Saal bricht ein Tumult aus, denn die Zuschauer fallen über die betrügerischen Boxer, Manager und Promoter her. Der Roman endet damit, daß Pat Glendon auf den Schultern seiner Anhänger getragen wird und erneut eine Rede halten muß.
Der Titel des Romans kommt von dem Spitznamen, den London 1905 dem dänischen Leichtgewichtsboxer Battling Nelson verlieh. Er meinte dies durchaus nicht abwertend:
“I like Nelson. I named him the „Abysmal Brute“ after his seventeen-round fight with Britt at Colma several years ago. Bat didn´t like it at first, but we got together and talked it over, and he began to appreciate the term. I called him that as a compliment. He has the primitive thing in his nerves and fibre and soul that goes ahead; that knows no quitting-primitive.” [Zitiert nach: Kingmann, Russ. A Pictorial Life of Jack London. New York: Crown, 1979, .226]
Im Roman dient der Titel wohl eher dazu, dem Leser klarzumachen, daß sich hinter einem scheinbar stupiden und brutalen Boxer auch ein sensibler und kluger Mann verbergen kann.
Die Kampfszenen in diesem Roman sind absolut überzeugend und realistisch. Der „Übermensch“ Pat Glendon, der körperlich, geistig und moralisch perfekt ist wirkt dagegen wie eine Figur aus einem Märchen. Im Wald aufgewachsen wurde er zum Vorbild für den klassischen Stereotypen des natural, des geborenen Athleten vom Lande. [vgl. Oriard, Michael: Dreaming of Heroes: American Sports Fiction, 1868-1980, Chicago: Nelson-Hall, 1982, 82]
Fast so als ginge es darum Londons Darstellung zu rechtfertigen wurde 15 Jahre nach der ersten Veröffentlichung von The Abysmal Brute ein Mann Weltmeister, der Pat Glendon in vielen Dingen entsprach. Gene Tunney sah blendend aus und erlitt als Profi nur eine Niederlage, schlug aber den Gegner danach noch mehrmals. Nachdem er innerhalb von drei Jahren fast 1.800.000 Dollar verdient hatte trat er zurück und widmete sich seinen Hobbys. [Higgs, Robert. The Unheroic Hero: A Study of the Athlete in Twentieth-Century American Literature. Diss. U. of Tennessee. Ann Arbor: University Microfilms International, 1961, 152] Dazu gehörte die Literatur und so gab Tunney sogar Shakespeare-Vorlesungen in Yale. Außerdem heiratete er eine Dame aus der High Society, welche der fiktiven Maud Sangster nicht unähnlich war. [ebd.]
Seit Muhammad Ali ist auch bekannt, daß ein Weltklasseboxer die Runde vorhersagen kann, in der er einen Kampf beenden wird, wenn auch nicht immer ganz korrekt. Der einzig wirklich utopische Teil des Romans ist folglich die Schlußszene, in der Pat Glendon im Ring eine Rede hält und damit anscheinend auf einen Schlag die gesamte Korruption im Boxgeschäft beseitigt. Ebenso unglaubwürdig ist, daß ihn die nur an ihrer Unterhaltung interessierten Zuschauer dafür bejubeln, ihn am Ende auf den Schultern tragen und noch eine Rede fordern.
Auffällig in diesem Roman sind noch die Anspielungen auf Glendons Rasse und seine irische Abstammung. Sein Vater schreibt über ihn: „Talk about the hope of the white race. This is him.“ [London. Abysmal Brute. 70] und im letzten Kapitel heißt es: „Glendon had the Celt´s intuitive knowledge of the psychology of the crowd.“ [London. Abysmal Brute. 135]
Man kann The Abysmal Brute einfach als Attacke gegen die Korruption im Boxgeschäft verstehen. Michael Oriard ist der Meinung, daß Jack London mit diesem Roman den Konflikt zwischen Stadt und Land darstellen wollte. [Oriard. Jack London: 3ff] Pat Glendon ist ein Kind der Natur, die ihn reichlich mit Talenten und Tugenden ausstattete. Er ist abstinent von Alkohol und Tabak, moralisch rein, gutaussehend, hat ein angeborenes Talent als Redner und besitzt nicht zuletzt die perfekten physischen Voraussetzungen für einen Boxer. Auf Frauen reagiert er mit Scheu, aber als er seiner idealen Partnerin begegnet erkennt er sie und verhält sich intuitiv richtig. Die Stadt dagegen ist das Zentrum der Korruption in dem der natural sich zwar problemlos behaupten kann, dem er die Einsamkeit der Natur jedoch vorzieht.
Der Aspekt der Flucht vor dem Übel der Stadt wird auch in einem anderen Roman thematisiert, in dem das Boxen eine Rolle spielt. Der Held im Roman „The Valley of the Moon“ [Jack London. The Valley of the Moon. New York: Macmillan, 1913] verdient gelegentlich als Boxprofi zusätzliches Geld. Als er aufgrund eines Streiks seinen Job verliert beschließt er mit seiner Frau Saxon aufs Land zu ziehen, wo sie Land kaufen und glücklich werden.
Will man einschätzen, inwieweit die hier angesprochenen Aspekte ein wirkliches Anliegen Londons war muß man besonders berücksichtigen, daß London das Plot für diesen Roman nicht selbst entwickelte, sondern es als „The Dress Suit Pugilist“ seinem Freund Sinclair Lewis für 7,50 Dollar abkaufte. [Vergleiche: Franklin Walker. „Jack London´s Use of Sinclair Lewis Plots, Together with a Printing of Three of the Plots“ in: Jacqueline Tavernier-Courbin (Hg.). Critical Essays on Jack London. Boston: Hall, 1983. 76]
(C) Martin Scheja