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Mindener Nächte sind lang

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In Minden stellte am 03.02.2018 Christoph Gresfoerder (Flügelmann Sportspromotion) eine schöne, aber sehr lange Veranstaltung auf die Beine. In der ziemlich gut gefüllten Kampa Halle gab es insgesamt 16 Kämpfe zu sehen, wovon sieben nach den K1 Regeln geführt wurden. Der Rest waren Profiboxkämpfe, wobei hier ein Schwergewichtsturnier à la „Bigger, Better“ enthalten war.
Es begann mit einem Profiboxkampf über 6 Runden zwischen Shokran Parwani (10 Kämpfe, 9 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) gegen Vojtech Koncitik (9 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO; 6 Niederlagen, 5 durch KO). Der Rechtsausleger Parwani bestimmte den Kampf. Er boxte lang und überlegen. In der Mitte der ersten Runde stellte er seinen Gegner an den Seilen und deckte ihn ein. Nach einem rechten Haken zur Schläfe musste der dann auch runter und wurde vom umsichtig agierenden GBA Ringrichter Cornelius Bernds angezählt. Koncitik kam zwar wieder hoch, musste aber bereits nach der nächsten Kombination erneut zu Boden. Bernds zählte den stehenden, aber nicht mehr kampffähigen Koncitik aus. Sieger durch KO in Runde 1, nach 2:35 Minuten: Shokran Parwani.

Es folgte ein Achtrunder im Super Weltergewicht zwischen Yaser Yüksel (6 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO) und Ziya Gökalp (16 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 15 Niederlagen, 11 durch KO). Beide Boxer begannen verhalten. Es gab nur wenige Aktionen und nur selten fand eine einzelne Hand ihr Ziel. Die zweite Runde war etwas munterer, wobei der Kampf von beider guten Technik und gutem Auge gekennzeichnet war. Viele Aktionen wurden, noch bevor sie stattfanden, vom Gegner schon vorhergesehen. Mitte des dritten Durchgangs fing Yüksel Gökalp mit einer Rechten zum Kopf ab, die diesen leicht einknicken ließ. Danach spielte Yüksel nur noch mit seinem Gegner. Die nächste Runde begann Gökalp ungestüm, aber nach kurzer Zeit besannen beide sich wieder auf gutes technisches Boxen. In der fünften Runde gab es wieder mehr Aktionen. In der sechsten Runde versuchte Gökalp mit Schwingern zum Ziel zu kommen, die allerdings nicht ihr Ziel trafen. In der siebten Runde machte Yüksel mehr Druck und Gökalp baute konditionell ab. Gökalp versuchte dann noch, durch einen Auslagenwechsel seinen Gegner zu irritieren; das funktionierte jedoch nicht. Er nahm mehr und mehr Schläge. Auf einen Ruf aus dem Publikum „Boxe!“ erwiderte er: „Keine Luft“: Zum Pausengong brachte er noch einen Schwinger, wobei er von seinem eigenen Schwung zu Boden ging. In der achten Runde blieb Yüksel am Mann dran und suchte den KO, der aber nicht kam. Punktsieger (78:74): Yaser Yüksel.

Im Halbschwergewicht traf Armenak Havhannisyan (3 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO) auf Emin Karimli, der sein Profidebüt gab. Es war ein ausgesprochen munteres Aufeinadertreffen. Beide suchten den Schlagabtausch und fanden ihn auch. Havhannisyan, der bessere und erfahrenere Boxer, hatte es nicht leicht, den unorthodox agierenden und boxenden Karimli zu beherrschen. In der dritten Runde stellte er ihn zwar in einer Ecke und kam mit einer Rechten gut durch, die Karimli auch erschütterte, aber er schaffte es nicht, ihn zu finishen. Ich muss gestehen, mein Herz schlug für den Außenseiter und ich war froh, als er den Schlussgong erreichte. Sieger nach Punkten (40:36): Armenak Havhannisyan.

Im Anschluss startete die erste Runde des Schwergewichtsboxturniers. Als erstes traf der Debütant Frederik Kretschmer auf Muhammed Ali Durmaz (37 Kämpfe, 10 Siege, 9 durch KO, 26 Niederlagen, 23 durch KO). Der Rechtsausleger Kretschmer übernahm weitestgehend das Kommando im Ring. Er trieb Durmaz vor sich her und versuchte es mit Rechts-Links-Kombinationen. Durmaz beschränkte sich eher auf Konter und war damit zu passiv, um nur eine Runde gewinnen zu können. Ende der vierten Runde wurde er sogar von Ringrichter Kazim Kurnaz, der sonst nichts zu tun hatte, angezählt. Er war in seiner eigenen Ecke gestellt worden und musste nach einer längeren Kombination auf die Bretter. Sieger nach Punkten (40:35): Frederik Kretschmer.

Ebenfalls im Schwergewicht traf Vincenzo Anzalone (2 Kämpfe, 2 Niederlagen) auf den Debütanten Arnold Kasongo. Kasongo bestimmte die erste Runde. Mit seiner Linken hielt er sich seinen kleineren Gegner vom Hals und bereitete seine Rechte vor, die auch immer wieder ihr Ziel fand. In der zweiten Runde setzte er seine Linke weniger ein, wodurch Anzalone an ihm herkam und ihn seinerseits mit Schwingern eindeckte. Die dritte Runde gestaltete sich als recht muntere und unterhaltsame Keilerei. Am Ende der Runde wackelte Anzalone sichtlich, aber zu Boden ging er nicht. In der letzten Runde waren beide Boxer mit ihrer Kraft am Ende, sie konnten nicht mehr Aber für ein Tänzchen von Anzalone und die Andeutung eines Bolapunchs von Kasongo und einen gemeinsamen Tanz reichte es dann doch noch. Punksieger (40:36): Arnold Kasongo.
Damit standen die Teilnehmer des Turnierfinales fest: Frederik Kretschmer und Arnold Kasongo.

Hiernach traf der Jubilar Suleyman Dag (100 Kämpfe, 10 Siege, 5 durch KO; 90 Niederlagen, 62 durch KO) im Halbschwergewicht auf Selim Sarialioglu (16 Kämpfe, 7 Siege, 7 durch KO, 9 Niederlagen, 9 durch KO). Dag bestritt seinen einhundertsten Profiboxkampf, in dem er dann auch genau das machte, was er immer machte: Er versuchte zu überleben, seinen Gegner mit unerwarteten Aktionen zu ärgern und möglichst wenig abzubekommen. Sarialioglu seinerseits versuchte Dag KO zu hauen. In der dritten Runde stellte er Dag in seiner Ecke und kam mit zwei Volltreffern durch. Cornelius Bernds zählte Dag an. Kurze Zeit später wiederholte sich die Szene an gleicher Stelle, nur mit dem Unterschied, dass Dag mehr nehmen musste. Bernds ging dazwischen und brach den Kampf ab. Sieger durch TKO in Runde 3, nach 2:10 Minuten; Selim Sarialioglu .

Im Mittelgewicht boxten Oleg Harder (3 Kämpfe, 1 Sieg, 2 Niederlagen, 1 durch KO) und Dogan Kurnaz (16 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO, 13 Niederlagen, 12 durch KO) gegeneinander. Harder versuchte Kurnaz zu stellen und ihn KO zu schlagen. Kurnaz versuchte Harders Kampf kaputt zu machen, indem er um ihn herum tanzte und mit schnellen Händen ärgerte. In der dritten Runde bekam Kurnaz leichte Konditionsprobleme, wodurch er häufiger gestellt wurde und mehr kassierte. Anfang der vierten Runde wurde Kurnaz von Ringrichter Bernds angezählt. Ein Ausrutscher mit gleichzeitigem Schlag hatte ihn zu Boden gebracht. Hierdurch wurde die Runde sehr munter, weil Kurnaz mehr machte. Zur fünften Runde trat er dann nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 5: Oleg Harder.
Ebenfalls im Mittelgewicht trafen Besir Ay (8 Kämpfe, 7 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage) und Recepagy Emir, ein Debütant, für einen Vierrunder aufeinander. Ay dominierte den Kampf. Er nutzte seinen Reichweitenvorteil und verteilte gut. Mehrfach stellte er Emir, der seine liebe Müh und Not hatte zu überleben. In der zweiten Runde konnte Emir dann auch manchmal kontern. In der dritten und vierten Runde wurde Ay wieder stärker und Emir musste viele Treffer nehmen. Punktsieger (40:36): Besir Ay.

Den Abschlusskampf bei den Profis, der schließlich am Sonntag um 01:45 Uhr begann, bildete das Turnierfinale im Schwergewicht zwischen Frederik Kretschmer und Arnold Kasongo. Kretschmer kam schneller in den Kampf. Obwohl kleiner, nutzte er seine Schnelligkeit, um in der Halbdistanz zu explodieren. Obwohl Kasongo in der zweiten Hälfte besser boxte, machte er aber doch mit seiner Linken zu wenig. Die zweite Runde war ausgeglichen, wobei Kretschmer am Ende der Runde Probleme hatte. Der dritte und vierte Durchgang gehörten dann wieder Kretschmer. Kasongo machte zu wenig. Punktsieger (37:39): Frederik Kretschmer.

Die Zutaten für eine richtig gute Kampfsportveranstaltung sind gefunden: muntere KI-Kämpfe, unterhaltsame Profiboxkämpfe und ein Profiboxturnier, eventuell im Schwergewicht. Die Kampa Halle ist schön. Man kann nur hoffen, dass Flügelmann Sportspromotion weiter Profiboxkämpfe zeigt. Ich würde mir nur wünschen, beim nächsten Mal 02:00 Uhr morgens aus der Halle zu kommen.
Die Veranstaltung ist über die Facebook-Seite von Boxwelt als Lifestream übertragen worden. Obwohl hierfür keine Werbung gemacht wurde, gab es immerhin 22.200 Aufrufe in der Summe: Dabei gab es die Konkurrenz von mehreren andern Boxveranstaltungen, die im Fernsehen gezeigt wurden.
(C) Uwe Betker

Zwei Profikämpfe und zwei Talente

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Fast 600 Zuschauer fanden den Weg in die Turnhalle der Berufbildendenschule in Bad Neuenahr. Dort fand eine Veranstaltung des Boxsportclubs Bad Neuenahr Ahrweiler statt. Insgesamt gab es neun Kämpfe zu sehen. In der Mitte, also an sechster Position, und am Ende, als letztem Kampf, gab es auch zwei Profikämpfe.

Bevor der erste Profi in Ring stieg, setzte eine, gerade mal sechzehn Jahre alte, junge Dame die Messlatte für die nachfolgenden Kämpfer schon gleich sehr hoch. Sarah Liegmann, sechsfache Weltmeisterin im Kickboxen, zeigte einen sehr guten Amateurkampf, den sie nach Belieben dominierte und klar nach Punkten gewann. Bemerkenswert war aber vor allem die Art und Weise, wie sie siegte. Das Tempo, die Härte und der Siegeswillen waren beeindruckend, wenn auch ihre Technik noch nicht zu 100% ausgereift ist. Aber was kann man andererseits von einer sechszehnjährigen Kickboxerin erwarten? Es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn sie schon bald das Profiboxen der Frauen aufmischen würde.

Nach den Damen stiegen Hizni Altunkaya (31 Kämpfe, 30 Siege, 17 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) und Niko Lohmann (12 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 8 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) für einen Vierrunder im Cruisergewicht in den Ring. Die erste Runde begann verhalten. Altunkaya zeigte eine schöne steife Führhand. Lohmann, „Karl Stahl“, versuchte an den Mann herzukommen und am Körper zu explodieren. Es gab allerdings nur wenige Schlagabtäusche. In der zweiten Runde erhöhte Altunkaya das Tempo. Er brachte schöne Links-Rechts-Kombinationen ins Ziel. Aber immer wenn er stehen blieb, bekam Lohmann die Chance, seinen rechten Cross zu schlagen, woraus sich dann harte Schlagabtäusche entwickelten. Die dritte und vierte Runde wurde noch härter umkämpft. Immer wieder standen beide Boxer Fuß an Fuß, um buchstäblich ihre Kräfte zu messen. Es gab kaum Rückwärtsbewegungen. Beide Boxer trafen sich im Ring und schlugen aufeinander ein. Der unauffällig-souverän agierende GBA Ringrichter Hans-Joachim Pagel hatte im Ring praktisch nichts zu tun. Er gab Altunkaya jede Runde. Sieger nach Punkten: Hizni Altunkaya.

Vor dem Hauptkampf stieg der Schwergewichtler Sebastian Breidbach für einen Amateurkampf in den Ring. Breidbach ist augenscheinlich eines der ganz großen Talente im Schwergewicht. Der technisch boxende Schwergewichtler hat das Zeug dazu, ein ganz Großer zu werden.
Kleine Anmerkung in eigener Sache: Normalerweise wird hier nicht über Amateurboxen berichtet. Wenn hier aber Amateurboxerinnen oder Amateurboxer erwähnt werden, halte ich sie für Talente, die das Profiboxen aufmischen könnten.

Als letztes boxten Enis Agushi (4 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO) und Francis Kojo Ennin (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 3 durch KO) für einen Sechsrunder im Super Mittelgewicht gegeneinander. Der Kampf war kurz und knackig. Ennin versuchte Agushi zu überrollen und ihm durch einen wilden und unorthodoxen Schlaghagel seinen Kampf aufzuzwingen. Dies gelang ihm aber nur zum Teil. Seine Schläge prallten an der Deckung von Agushi ab, der auch immer wieder mit guten und harten Schlägen durchkam. Schon nach kurzer Zeit hatte er Ennin in dessen eigener Ecke gestellt und ließ ihn nicht mehr raus. Er verteilte gut zu Körper und Kopf und Ennin ging zu Boden. Ringrichter Pagel zählte bis acht, bevor Ennin wieder hochkam. Was noch folgte, war reine Formsache. Agushi stellte Ennin kurze Zeit später wieder an den Seilen, ließ ihn wieder nicht weg und deckte ihn wieder mit einer schönen langen Kombination ein. Ennin sank wieder zu Boden, wieder wurde er angezählt und wieder kam er hoch. Diesmal winkte der Ringrichter allerdings den Kampf ab.
Sieger durch TKO in Runde 1 nach 2:46 Minuten: Enis Agushi.
In Bad Neuenahr tut sich etwas. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die dortigen Boxer und Boxerinnen weiter entwickeln.
© Uwe Betker

Henry Flakes, eine Schwergewichtshoffnung der 40er Jahre

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Henry Flakes war ein Schwergewichtler, dem man Ende der 1940er Jahren zutraute, ganz nach oben zu kommen. Die Presse feierte ihn als zukünftigen Weltmeister und als besten jungen Schwergewichtler in den USA. Er hatte Potential. Er hatte eine gute Technik, schnelle Beine und einen harten Punch. Kurz: er hatte alles, um den Weltmeisterschaftsthron zu besteigen, aber stattdessen bestieg er den Elektrischen Stuhl.
Am 27.02.1927 wurde Henry David Flakes in Opelika, einer Kleinstadt in Alabama geboren. Aufgewachsen ist er in Chattanooga, Tennessee. Das Boxen lernte er von und mit seinem Vater. Weil sie sich keine Handschuhe leisten konnten, nahmen sie stattdessen mit Lumpen gefüllte Säcke, die sie mit Seilen an den Handgelenken zuschnürten. Der Boxunterricht endete, als Flakes Senior nach einem rechten Cross zehn Minuten ohne Bewusstsein auf dem Boden lag. Flakes log über sein wahres Alter und trat in die Navy ein. Eine Narbe auf seiner Nase erhielt er beim Absturz eines japanischen Flugzeuges auf den Flugzeugträger „Nassau“ bei Pearl Harbor. Flakes sagte später: „das war das einzige Mal in meinem Leben, dass ich KO ging.“
Er kam nach New York, um zu boxen. In seinen ersten Kampf, am 21.01.1947, knockte er den Journeyman Al Rogers in der ersten Runde aus. Da war er noch keine 20 Jahre alt. Er boxte weiter und gewann weiter. Um fürs Publikum interessant zu sein, gewann er auch genug Kämpfe durch KO. Er kämpfte überall in New York State, in New Jersey, in Newark, und war regelmäßig Hauptkämpfer im Memorial Auditorium in Buffalo. Am 04.02.1948 traf er im Armory in Akron, Ohio auf Pat Comiskey, einen Top Ten Boxer. Flakes hatte bis dahin von seinen 19 Kämpfen zwei verloren, einen vorzeitig – er hatte sich das Knie verdreht – und seinen letzten durch eine Punktniederlage. Dieser letzte Kampf, der auch im Armory stattgefunden hatte, war quasi Flakes Eintrittskarte für seinen Kampf gegen Comiskey. Comiskey wurde von The Ring 1947 auf Position vier geführt. Um es kurz zu machen: Flakes besiegte Comiskey einstimmig nach Punkten. Auch den Rückkampf, zwei Wochen später, konnte er für sich entscheiden. Diesmal gewann er durch TKO in Runde 5, nach 2:34 Minuten. Der einzige Boxer, dem es bis dahin gelungen war, Comiskey auch vorzeitig zu besiegen, war Max Baer.
Flakes war kurz vor dem Durchbruch. Am 11.05.1948 bekam er es erneut mit einem Top Ten Boxer zu tun. Er besiegte Lee Oma nach Punkten. Auch den Rückkampf, knapp zwei Wochen später, am 21.05.1948 im Madison Square Garden in New York, gewann er nach Punkten. Oma wurde von The Ring 1949 immerhin auf Platz zwei geführt.
Flakes war mit seinen 21 Jahren auf dem Höhepunkt seiner Karriere, exakt nach einem Jahr und vier Monaten als Profi. Ein WM Kampf gegen Joe Louis war in die Nähe gerückt. Aber der Auftritt im Madison Square Garden sollte „Snow“ Flakes letzter Kampf gewesen sein. Sein Kampfrekord: 27 Kämpfe, 24 Siege, 13 durch KO, 2 Niederlagen. 1 durch KO, 1 Unentschieden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Flakes hatte ein gesundheitliches Problem. Er hatte Katarakte, also eine Trübung der Augenlinsen, welche auch grauer Star genannt wird. Er war gezwungen das Boxen aufzugeben. Er schlug sich mit schlecht bezahlten Jobs durch, um sich über Wasser zu halten. Er verlor das Augenlicht auf seinem rechten Auge. Die nötige Operation konnte er sich schlicht nicht leisten. Dem Autopsiereport zufolge hatte man ihm seinen Blinddarm entfernt und Haut transplantiert. Operrationen sind und waren in den USA sehr teuer und waren oft verbunden mit der Verabreichung großer Mengen von Drogen. Aber dies sind nur Mutmaßungen darüber, wieso Flakes drogensüchtig wurde. Zwischenzeitlich soll er auch als Automechaniker gearbeitet haben. Das ist das aber nicht verbürgt. Sicher ist nur seine Drogensucht.
Er brauchte Geld und Drogen bzw. Geld für Drogen. Mit einem Partner, Walter Green, überfiel er am 07.11.1958 einen Herrenausstatter in Lackawanna, New York. Ihr Fluchtfahrer Dewitt R. Lee Jr. wartete draußen, mit seiner Freundin, der ehemaligen Lehrerin Beatrice Beckman, die später jedwede Mitwisserschaft abbestritt und als Hauptzeugin der Anklage auftrat. Sie erbeuteten 96 Dollar, was heute ungefähr das Zehnfache wert ist. Zurück blieb der Besitzer Joseph Friedmann. Er war von Flakes erschossen worden.
Alle drei Täter wurden gefasst. Lee, der im Auto gesessen hatte, wurde zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Am 06.März 1959 wurden Flakes and Green zum Tode durch den Elektrischen Stuhl verurteilt. Am nächsten Tag wurden beide nach Sing Sing gebracht. Für den 19. Mai 1960 war die Exekution angesetzt. Sie orderten ihre Henkersmalzeiten. Sie duschten. Dann wurden ihnen Kopf und Beine rasiert. Ihnen wurden schwarze Hosen, schwarze Socken, ein weißes T-Shirt und Duschschuhe als Kleidung gegeben. Während ihnen die Haare rasiert wurden, testete der „State Electrician”, also der Henker Dow Hover, den Elektrischen Stuhl.
In Sing Sing fanden die Hinrichtungen traditionell an einem Donnerstag um 11 nachts statt, weswegen diese Tage dann „Black Thursday“ genannt wurden. Flakes orderte für seine Henkersmalzeiten viel und er aß mit sehr großem Appetit. Sein Mittagessen bestand aus: Barbecuehähnchen mit Sauce, Pommes Frites, Salat, Brötchen, Butter, Erdbeerkuchen mit Schlagsahne, 4 Packungen Zigaretten, Kaffee, Milch und Zucker. Zum Abendbrot gab es: Hummer, Salat, Butter, Brötchen, Eiscreme, eine Schachtel Pralinen, vier Zigarren, zwei Gläser Cola, Kaffee, Milch und Zucker.
Flakes ging die „letzte Meile“ lächelnd mit Gefängnispfarrer Father McKinney. Er lächelte alle Zeugen an, schüttelte McKinney die Hand und sagte einfach „thanks…“. Dann setzte er sich, wurde angeschnallt und durch Strom getötet. Die Geschichte, er sei im Kampfmantel zur Hinrichtung gegangen, dürfte eine Legende sein, wenn auch eine schöne. Er war der 608te Insasse von Sing Sing, der auf dem Elektrischen Stuhl sein Leben ließ. Einen Tag später informierte Flakes Familie den Wärter Wilfred Denno, sie hätten nicht das Geld, ihn zu beerdigen. Daher fand Henry Flakes seine letzte Ruhe auf dem „Potter´s Field”, dem Friedhof von Sing Sing.
© Uwe Betker

Vincent Feigenbutz hat Geschichte geschrieben

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Bis in den Spätsommer 2015 hinein lief fast alles wie geplant. Vincent Feigenbutz wurde als „der junge Wilde“ aufgebaut und die Medien liebten ihn dafür. Mit seiner „Hoppla, jetzt komm´ ich“-Haltung forderte er einfach die etablierten Weltmeister in Deutschland, Arthur Abraham und Felix Sturm, heraus. Er wollte sich einen Happen von der schönen Box-Welt schnappen und er war wohl auch davon überzeugt, tatsächlich so gut und so stark sein, wie seine Claqueure ihm weiß machen wollten. Kritik über eine zu löchrige Deckung und zu wenig Technik verhallte ungehört. Der Erfolg gab ja dem Super Mittelgewichtler und seinem Team Recht. Sauerland gab ihm einen Vertrag. Seine Kämpfe wurden im Fernsehen gezeigt. Er wurde zweimal Interims Inter-Continental Champion der WBO im Super Mittelgewicht. Dann wurde er auch noch Interims Weltmeister der WBA und gleichzeitig regulärer Weltmeister der GBU.
Dann kam die erste Verteidigung dieser Titel der World Boxing Association und der Global Boxing Union gegen Giovanni De Carolis am 17.10.2015 in Karlsruhe. Zwar wurde Feigenbutz von den Punktrichtern Erkki Meronen, Jesus Morata Garcia und Jean-Francois Toupin zum Sieger nach Punkten erklärt, aber sein heimisches Publikum und andere neutralere Beobachter sahen den italienischen Herausforderer vorne. Die Situation im Ring nach dem Kampf überforderte Feigenbutz. Er sagte Dinge, die man besser nicht öffentlich sagt. Und das brachte ihm dann noch mehr Kritik ein. Immerhin stimmte er einem unmittelbaren Rückkampf zu.
Dann kam der Rückkampf. Vier Tage vor den Kampf entschloss sich die World Boxing Association, diesen Kampf zu einer regulären WM hochzustufen. Das wurde möglich, weil zum Einen der WBA Superchampion Andre Ward ins Halbschwergewicht hoch ging und weil zum Anderen die WBA es eben konnte. Flux machte sie den regulären Weltmeister Fedor Chudinov zum Super Champion und dann den Kampf von Feigenbutz … – Die WBA machte es eben, weil sie es kann.
Feigenbutz hätte der jüngste deutsche Weltmeister im Profiboxen in Deutschland werden können. Ein Thema, das auch weidlich aufgenommen wurde. Er hatte also die „historische Chance“, mit einem Sieg über De Carolis alle seine Kritiker auf einmal zum Schweigen zu bringen. Ein gelungener Rückkampf hätte die Scharte ausgewetzt und ihm außerdem noch den ersehnten WM-Titel beschert. Aber es kam anders als geplant. Der Kampf, der am 09.01.2016 in Offenburg stattfand, geriet für Feigenbutz zum Desaster. Er bekam regelrecht Prügel und verlor durch TKO in Runde 11. Giovanni De Carolis (29 Kämpfe, 23 Siege, 11 durch KO, 6 Niederlagen, 1 Unentschieden) wurde neuer Weltmeister der WBA und Vincent Feigenbutz (23 Kämpfe, 21 Siege, 19 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) stand mit leeren Händen und einem lädierten Ruf da.
Mit Sicherheit ist es weder für ihn noch für die Seinen ein Trost, aber Vincent Feigenbutz hat Geschichte geschrieben. Er ist der jüngste deutsche Weltmeister im Profiboxen aller Zeiten. Denn die WBA hatte ihn, den damals amtierenden Interimsweltmeister bei ihrer Titelschieberei zum regulären Weltmeister gemacht. Vincent Feigenbutz war Weltmeister vom 06.01.2016 bis zum 09.01.2016 Weltmeister – na gut, nur für drei Tage. Vincent Feigenbutz ist der jüngste deutsche Weltmeister aller Zeiten im Profiboxen. Aber er ist auch der Weltmeister, der diesen Titel am kürzesten hatte. Eventuell ist er sogar derjenige, der jemals für so kurze Zeit Weltmeister war.
(C) Uwe Betker

Sonntagsboxen in Köln

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Boxkämpfe in Köln sind so eine Sache. Man muss ein Tagesvisum beantragen und man steht lange an der Grenze. Grenzbeamten gucken böse und wenn man Pech hat muss man den Kofferraum aufmachen. Manchmal wird sogar Rückbank ausgebaut um darunter etwas zu suchen. So ist es eben, wenn man nach Köln einreist. Aber was nimmt man nicht alles auf sich um gutes Boxen zu sehen? Am Sonntag, den 04.10.2015 fand der Cologne beatdown 3 im Güney Event Center statt. Die Veranstaltung begann bereits um 17 Uhr. Es gab insgesamt sechs Profiboxkämpfe zu sehen.
Es begann mit vier guten Amateurkämpfen, von denen einer von Frauen bestritten wurde. Den ersten Profiboxkampf des Nachmittags gab es dann um kurz nach 18 Uhr. Diesen bestritten Aliaksandr Abramenka (70 Kämpfe, 17 Siege, 6 durch KO, 52 Niederlagen, 28 durch KO, 1 Unentschieden) und Sebastian Deda, der sein Profidebüt gab, im Super Weltergewicht. Deda beeindruckende. Er zeigte schlicht gutes Boxen. Er hatte eine gute Deckung und boxte sehr kontrolliert. Er setzte seinem Gegenüber von Anfang an unter Druck, ohne dabei zu überhasten. In der ersten Runde stellte er vier Mal seinen Gegner mit längeren Kombinationen. In der folgenden Runde machte er mehr Druck und ging zum Körper, wodurch er noch mehr Treffer landen konnte. Ein schöner Aufwärtshaken durch die Deckung durch zum Kopf ließ Abramenka am Anfang der Runde leicht einknicken. In der dritten Runde machte Deda noch mehr Druck. Er suchte den KO, aber sehr kontrolliert. Ende der Runde stellte er Abramenka in einer neutralen Ecke und kam mit einer schönen Rechten zum Kinn durch. Abramenka ging runter und wurde angezählt. Er wollte sich zwar wieder zum Kampf stellen, aber sein Trainer warf zu Recht das Handtuch. Er wirkte nicht ganz klar.
Noch ein paar Worte zu Abramenka. Er kam nicht um sich hinzulegen. Vielmehr ist er ein technisch nicht schlechter Mann, der es seinen Gegner schwer macht. Deda hat mich beeindruckt. Er hat, soweit man es jetzt beurteilen kann ein gute Technik und ich wiederhole es gerne eine bemerkenswerte Selbstbeherrschung, Man dar gespannt sein, wie er sich weiter entwickeln wird. Sieger durch TKO in Runde 3 nach 2:55 Minuten: Sebastian Deda.
In dem folgenden Kampf gab es auch einen Debütanten, nämlich Davis Schwierz. Dieser bekam es im Halbschwergewicht mit Eugen Scheinmeyer (2 Kämpfe, 3 Niederlage, 1 durch KO) zu tun. Am Ende des Vierrunders stand ein Arbeitssieg für den Debütanten. Der Kampf der Beiden war rechts ausgeglichen. Schwierz boxte gut an und versuchte dann Haken ins Ziel zu bringen. Scheinmeyer punktete beim Abkontern. In der vierten Runde ging er nach einer linken zum Kopf zu Boden, wobei er auch schlecht stand. Am Ende stand ein Punktsieg für Davis Schwierz.
Es folgten zwei Kämpfe in einem Amateurschwergewichtsturnier. Danach stieg Bihes Barakat (26 Kämpfe, 22 Siege, 19 durch KO, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden) selber in den Ring. Dort traf er auf Anton Bekish (20 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO, 14 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) für einen Achtrunder im Super Leichtgewicht. Schnell war der Rhythmus des Kampfes etabliert. Barakat schlug wenig. Er boxte grade durch die Mitte an und schlug variabel Haken zu Körper und Kopf. Bekish schlug mehr und fast ausschließlich Haken. Trotz der niedrigeren Schlagfrequenz traf Barakat häufigre. Zumal er sehr viele Schläge von seinem Gegner abblockte. In der ersten Runde punktete Barakat mit seiner linken Graden, die den Kopf von Bekish mehrfach zurückschnappen ließen. Er musste aber auch eine Rechte zum Körper nehmen, die wohl eine Rippe verletzte. In der folgenden Runde erhöhte sich das Tempo, In der dritten Runde hatte Bekish immer größere Probleme sich Barakat vom Hals zu halten. Daher boxte er immer unsauberer. Er schlug Innenhände und schubste seinen Gegner. Barakat ließ sich davon nicht beirren und boxte seinen Kampf. Ende der Runde kam er mit einer harten Rechten zum Körper durch. Bekish ging zu Boden und wurde ausgezählt. Sieger durch KO in Runde 3 nach 2: 55 Bihes Barakat.
Hiernach waren Niko Lohmann (10 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 6 Niederlagen, 2 durch KO) und René Oeffner (5 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO) dran. Der auf vier Runden angesetzte Kampf fand im Halbschwergewicht statt. Lohmann, genannt Karl Stahl, überrollte mit seiner überlegen Physis Oeffner in der ersten Runde. Immer wieder stellte er ihn an den Seilen und deckte ihn mit Schlägen ein, von denen viele Oeffner blockte. Im letzten Drittel der Runde kam dieser dann in den Kampf und punktete selber mit Graden. Die zweite und dritte Runde gehörten Oeffner. Solange er seine steife Führhand schlug konnte er sich Stahl vom Hals halten. Lies er aber nach war Lohmann, kam Lohmann an ihn ran und trug ihn dem Kampf in der Halbdistanz an. Die vierte Runde war heiß umkämpft und es gab viele Schlagabtausche, wobei Oeffner die meister für sich entscheiden konnte. Am Ende stand ein Punktsieg für René Oeffner.
Es folgte ein weiter Kampf im Halbschwergewicht, bei dem die beiden ungeschlagenen Viktor Kessler (3 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 1 Niederlage) und Badiem Hasso (9 Kämpfe, 9 Siege, 3 durch KO) ihre Kräfte maßen. Der Kampf der Beiden war eine Schlacht. Beide wollten den Sieg und beide waren bereit dafür zu kämpfen. Hasso war physisch stärker und hatte die schnelleren Hände. Kessler war schneller auf den Beinen. In der letzten Runde suchten beiden den KO. Am Ende des sehr intensiven und harten Vierrunder stand ein Punktsieg für Badiem Hasso.
Es folgte das Final von dem Tournier und der Kampf im Mittelgewicht zwischen Dzianis Makar (37 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO, 30 Niederlagen, 7 durch KO) und Prinz Lorenzo (15 Kämpfe, 12 Siege, 8 durch KO, 3 Niederlagen) alias Prinz Lorenzo Kouami Folly Kuegah, der auf acht Runden angesetzt war. Im Gegensatz zu den vorangegangen Profiboxkampf war dieser Kampf von Taktik und Technik geprägt. In der ersten Runde tasteten sich die beiden Kontrahenten ab. Im zweiten Durchgang erhöhte Prinz Lorenzo den Druck. Schon bald schickte er Makar mit einer rechten zum Körper zu Boden. Er kam wieder hoch stellte sich zum Kampf. Kurze Zeit später nahm er wieder einen Körperhaken, der ihm sichtlich wehtat. Schließlich schickte ein Leberhaken ihn erneut zu Boden und das Handtuch seines Trainers schützte ihn vor mehr Schläge. Sieger durch KO in Runde 2 nach 2:09 Minuten: Prinz Lorenzo.
Der Cologne Beatdown 3 war ein voller Erfolg und schreit nach einer weiteren Auflage. Auch die ungewöhnliche Zeit, Sonntagnachmittag war gut. Die schöne Veranstaltung war bereits um 21 Uhr zu Ende, damit Alle frühzeitig nach Hause kommen. Denn der Montag ist ein normaler Arbeitstag. Ich wäre auch relativ früh wieder zu Hause gewesen, wenn da nicht die leidigen Grenzkontrollen gewesen wären. Das Warten an der Grenze. Überprüfung ob das Gesicht auf dem Passbild zum Fahrer passt. Abstempeln des Passes usw.
© Uwe Betker

Die ultimativ subjektive Liste 2014

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Boxer des Jahres
Gennady Golovkin (31 Kämpfe, 31 Siege, 28 durch KO) ist zurzeit der beste Mittelgewichtler der Welt. In allen Pound for pound Listen steht er ganz oben. Warum hat kein deutscher Veranstalter ihn unter Vertrag genommen, nachdem Universum Box-Promotion seine Tore geschlossen hatte?

Boxer des Jahres (ehrenhalber)
Der IBF Cruisergewichtsweltmeister Yoan Pablo Hernandez (30 Kämpfe, 29 Siege, 14 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) hat sich 2014 mehrfach politisch geäußert und gegen den Völkermord an den Jesiden im Nordirak demonstriert. Das ist nicht nur sehr ehrenwert. Normalerweise äußern sich Profiboxer in Deutschland ja nicht politisch, es sei denn, dass sie ihrer Bewunderung für Wladimir Wladimirowitsch Putin Ausdruck verleihen wollen, oder wenn sie darüber sprechen, dass die Bevölkerung in Russland noch nicht reif sei für eine Demokratie. Dies Engagement vom Hernandez bringt ihm den Titel Boxer des Jahres (ehrenhalber) ein.

Boxerin des Jahres
Özlem Sahin (19 Kämpfe, 18 Siege, 6 durch KO, 1 Unentschieden) wurde am 21.06.2014 Weltmeisterin der WIBF, WBF und GBU im Minimumgewicht. Ohne Veranstalter und ohne Manager erreichte sie dies. Seit 2007 boxt sie nun als Profiboxerin unter wechselnden Trainern. Sie ist ohne Zweifel eine der attraktivsten Boxerinnen der Welt.

KO des Jahres
Habe ich verpasst.
Schlechteste Veranstaltung des Jahres
Alle Veranstaltungen von großen Promotern, die das Geld nicht wert waren, das die Fernsehsender und die Zuschauer an den Kassen bezahlt haben.

Rookie des Jahres (männlich)
Manager Rainer Gottwald verkündete lautstark, sein Schützling Vincent Feigenbutz (19 Kämpfe, 18 Siege, 17 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) könne jetzt Arthur Abraham schlagen. Nun, das bezweifle ich schon. Aber Feigenbutz hat einen guten Punch, und mit einem Mehr an Technik kann der Karlsruher noch weit kommen. Er ist auch seit kurzem bei Sauerland Event unter Vertrag.

Rookie des Jahres (weiblich)
Die Weltergewichtlerin Ornella Domini (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO) aus der Schweiz hat zwar erst 8 Kämpfe bestritten, ist aber bereits auf Position 6 der unabhängigen Weltrangliste – und das ohne Titelkampf.

Ringrichter des Jahres
Manfred Küchler vom BDB. Bereits am 14.10.2011 hatte er einem Heimboxer, nämlich Alexander Petkovic, eine Niederlage erspart, indem er beherzt eingriff. Am 26.07.2014 wurde er nun noch zum Wiederholungstäter. Er sorgte nämlich dafür, dass Christina Hammer (18 Kämpfe, 17 Siege, 8 durch KO), die von Anne Sophie Mathis (31 Kämpfe, 27 Siege, 23 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) ganz regelkonform KO geschlagen worden war, doch ihren WM Titel behalten durfte. Das schaffte er, indem er kurzerhand die Siegerin disqualifizierte.
Ich möchte hier noch mal bemerken, dass es mir persönlich absolut schleierhaft ist, wieso der Bund Deutscher Berufsboxer einen solchen Mann, der offensichtlich das Boxen so sehr hasst, dass er immer wieder versucht, dessen Glaubwürdigkeit zu zerstören, in seinen Reihen duldet. Manfred Küchler vom BDB gebührt eigentlich nicht der Titel Ringrichter des Jahres, sondern wohl eher skandalösester Ringrichter aller Zeiten oder schlechtester Ringrichter aller Zeiten.

Absteiger des Jahres (männlich)
2014 war für Robert Stieglitz (52 Kämpfe, 47 Siege, 27 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) ein Seuchenjahr. Erst verlor er den Rückkampf gegen Arthur Abraham und war damit auch seinen WBO Titel im Super Mittelgewicht los. Und dann erreichte er gegen Felix Sturm nur ein Unentschieden.

Absteiger des Jahres (weiblich)
Elina Tissen (20 Kämpfe, 18 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) bestritt im Oktober 2013 erst einen Kampf ohne sanktionierenden Verband, den sie gewann. 2014 boxte sie nur einmal. Sie gewann auch wieder. Ihre Gegnerin kam mit einem Rekord von 9 Kämpfen, 4 Siegen, 4 Niederlagen und ein Unentschieden in den Kampf. Das war dann auch noch ein WM Kampf im Federgewicht nach Version WIBF und GBU. – Ich werde mich ehrlich bemühen, nie wieder über diese Frau zu schreiben, die sich selber Maschine nennt.

Aufsteiger des Jahres (männlich)
Der Weltergewichtler Robert Tlatlik (16 Kämpfe, 16 Siege, 10 durch KO) schickt sich an, in die europäische Spitze vorzustoßen.

Aufsteiger des Jahres (weiblich)
Nicole Wesner – Leichtgewicht – 9 Kämpfe, 9 Siege, 4 durch KO, bereits Weltmeisterin der WIBF und WBF, Nummer 8 der unabhängigen Weltrangliste – Was soll ich mehr schreiben?

Aussteiger des Jahres (männlich)
Markus Tomala (11 Kämpfe, 9 Siege, 4 durch KO, 2 Niederlagen) erklärte mir vor ein paar Monaten, er sei noch im Training und warte auf Kämpfe. Aber ich habe den Verdacht, dass er nie wieder in den Ring steigt. Seinen letzten Kampf bestritt Tomala am 16.12.2012. In ihm zeigte er, was aus ihm hätte werden können. Ich habe dem Düsseldorfer Schwergewichtler locker zugetraut, Deutscher Meister zu werden. Auch eine Europameisterschaft traute ich ihm zu. Man mag mich für einen Träumer halten, aber sogar einen heißen Tanz mit einem der Klitschkos habe ich für möglich gehalten. Schade!

Aussteiger des Jahres (weiblich)
Die Federgewichtlerin Goda Dailydaite (9 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO, 1 Niederlage) boxte 2013 zum letzten Mal. Sie verlor gegen Ina Menzer (31 Kämpfe, 30 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage) in deren Abschiedskampf. Offensichtlich konzentriert sie sich jetzt auf ihr Lehramtsstudium.

Veranstalter des Jahres
Veranstalter des Jahres kann nur sehr schwer ein großer Veranstalter mit TV Vertrag werden. Die Großen bekommen viel Geld für ihre Veranstaltungen, aber häufig wirken ihre Shows billig und die Gegner ihrer Boxer sehen schlecht aus. Offensichtlich verschwindet einfach zu viel Geld in den Taschen der Veranstalter, die dann eben zu wenig Geld für ihre Veranstaltungen ausgeben. Da lobe ich mir die vielen Kleinen, die mit viel Mut, viel Enthusiasmus und Liebe – und wenig Geld – veranstalten.
Drei möchte ich hier stellvertretend für viele andere nennen: Benedikt Poelchau, Patrick Driessen, Timor Khalil und Peter M. Pospichal.
Der Veranstalter Benedikt Poelchau ist erneut Veranstalter des Jahres geworden. Zwar veranstaltet er nur selten, aber wenn, dann richtig gut. Seine Show im Volkshaus in Zürich, am 30.08.2014 war einfach vorbildlich. An Poelchau sollten sich die großen und mit TV-Verträgen ausgestatteten Promoter ein Beispiel nehmen. Noch besser wäre es aber, wenn ein Fernsehsender seine Show übertragen würde.

Veranstaltung des Jahres
Die Veranstaltung im Volkshaus in Zürich am 30.08.2014 von Benedikt Poelchau war so gut, dass einer dieser ewigen Nörglern nur bemängeln konnte, dass bei seiner Show die Nummerngirls zu schnell waren.

Boxevent des Jahres
Diese Kategorie sollte ich eventuell ganz streichen. Wenn es nämlich ein Event, also eine Großveranstaltung, nicht schafft, Veranstaltung des Jahres zu werden, warum sollte man ihr dann noch den Trostpreis „Boxevent des Jahres“ zukommen lassen, nur weil die Veranstalter viel Geld dafür bekommen haben?

Fehlentscheidung des Jahres
Anne Sophie Mathis (31 Kämpfe, 27 Siege, 23 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) hat Christina Hammer (18 Kämpfe, 17 Siege, 8 durch KO) absolut regelkonform KO geschlagen. Der Ringrichter Manfred Küchler vom BDB hat seiner Verachtung für den Sport und das Publikum Ausdruck verliehen, indem er Mathis disqualifizierte. Dass die Entscheidung später in ein No Contest umgewandelt wurde, ändert nichts an dem Skandal.

Trainer des Jahres
Fritz Sdunek (geb. am 18. April 1947 in Lüssow – gest. am 22. Dezember 2014 in Hamburg). Der große Fritz ist tot. Wie kein anderer verkörperte er den Trainer, der bei und mit seinen Schützlingen war. Man hatte nie den Eindruck, dass er seine Boxer als Mittel zum Zweck des Geldverdienens sah. Er war vielleicht der beste und ehrlichste deutsche Trainer aller Zeiten.

Entgleisung des Jahres
Die Entgleisung des Jahres ist eigentlich nichts weiter als eine unglaublich ehrliche Reaktion. Als Ulli Wegner auf der Pressekonferenz mitgeteilt wurde, was der ARD Experte Henry Maske über den Sieg von Yoan Pablo Hernandez (30 Kämpfe, 29 Siege, 14 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) über Firat Arslan (44 Kämpfe, 34 Siege, 21 durch KO, 8 Niederlagen, 3 durch KO, 2 Unentschieden) gesagt hatte, war er empört. Wegner polterte: „Dass Henry von einem Fehlurteil spricht, ist eine Schweinerei von ihm. Wer das so sieht, der kann nicht mehr mein Freund sein.“

Boxkampf (männlich) des Jahres
fand nicht in Deutschland statt.

Boxkampf (weiblich) des Jahres
Özlem Sahin (18 Kämpfe, 17 Siege, 5 durch KO, 1 Unentschieden) bestritt am 21.06.2014 ihren ersten WM Kampf. Es ging um die WIBF, WBF und GBU Titel im Minimumgewicht. Eindrucksvoll besiegte sie Thuion Thanyathada alias Buangern OnesongchaiGym (18 Kämpfe, 11 Siege, 2 durch KO, 6 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden). Von Runde zu Runde stärker werdend, schickte sie ihre Gegnerin in der sechsten Runde nach einer längeren Kombination zu Boden. Wieder auf den Beinen, deckte Sahin sie weiter mit Schlägen ein, unter denen Thanyathada zusammenbrach und ausgezählt wurde. – Ein großartiger Kampf von eine großartige Weltmeisterin.

Comeback des Jahres (männlich)
Graciano Rocchigiani versucht sein Comeback. Nachdem 2012 bekannt wurde, dass er sein komplettes Vermögen durchgebracht hat und Hartz IV bezieht. Nun betreibt er ein eigenes Box Gym.

Comeback des Jahres (weiblich)
2013 musste Rola El Halabi (15 Kämpfe, 14 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage) bei ihrem Comebackkampf, nachdem sie sich von ihren Verletzungen erholt hatte, eine bittere Niederlage einstecken. Damals zeigte sie sich als große und faire Verliererin. Mittlerweile ist sie die Nummer 6 in der unabhängigen Weltrangliste im Junior Weltergewicht und Weltmeisterin der Verbände WIBF, WIBA und UBF.

Bester Show Act des Jahres
Was ist besser als Nummerngirls? – Nummerngirls und Gogo-Tänzerinnen oder Sambatänzerinnen. Auf der Veranstaltung von Patrick Driessen, am 08.11.2014 in Voerendaal bei Heerlen, gab es nicht nur gutes Boxen zu sehen, sondern auch Gogo-Tänzerinnen. Wieso gibt es eigentlich nicht auf allen Profiboxveranstaltungen Gogo-Tänzerinnen?

Boxer, der einen WM-Kampf verdient (männlich)
Der Mittelgewichtler Istvan Szili (20 Kämpfe, 18 Siege, 7 durch KO, 2 Unentschieden) könnte innerhalb eines halben Jahres Weltmeister werden. Absolut unverständlich warum kein deutscher Veranstalter mit TV-Vertrag den sympathischen, deutsch sprechenden und klasse boxenden Szili unter Vertrag nimmt. Aber vielleicht sind es ja genau diese drei Eigenschaften, die man nicht haben will.

Boxer, der einen WM-Kampf verdient (weiblich)
Melanie Zwecker (6 Kämpfe, 5 Siege, 2 durch KO) ist eine Federgewichtlerin aus Karlsruhe, die sich innerhalb ihrer zwei Jahre als Profi sehr schnell entwickelt hat. In ihrem letzten Kampf wurde sie World Boxing Federation International Champion. Wenn sie sich weiter in dem Tempo entwickelt, traue ich ihr Ende 2015 einen WM Titel zu.

Boxer, der zu Unrecht übersehen wird
Der Berliner Mittelgewichtler Arthur Hermann (15 Kämpfe, 14 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage) wird hier meist übersehen, schlicht weil er in London lebt und trainiert und vor allem in Großbritannien boxt. Hermann ist jedoch ein Mann mit Potential.

Boxkampf, den wir 2015 sehen wollen (männlich)
Schön wäre, wenn der WBA Weltmeister im Halbschwergewicht Jürgen Brähmer (47 Kämpfe, 45 Siege, 33 durch KO, 2 Niederlagen) mal wieder gegen einen halbwegs guten Boxer antreten würde. Zsolt Erdei (35 Kämpfe, 34 Siege, 18 durch KO, 1 Niederlage), der von 2004 bis 2009 Weltmeister der WBO im Halbschwergewicht war, wäre da eine gute Wahl.

Boxkampf, den wir 2014 sehen wollen (weiblich)
Wenn es einen Rückkampf geben muss, dann den zwischen Christina Hammer (18 Kämpfe, 17 Siege, 8 durch KO) und Anne Sophie Mathis (31 Kämpfe, 27 Siege, 23 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO).
© Uwe Betker

Written by betker

30. Dezember 2014 at 23:59

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Ein Versuch, Promiboxen als Sport zu sehen

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Samstag, dem 27. September, fand in Düsseldorf das große ProSieben Promiboxen statt. Das Fernsehformat „Promiboxen“ wird bereits von RTL und SAT 1 benutzt. Die letzte Veranstaltung erreichte immerhin insgesamt 1,54 Millionen Zuschauer, von denen weit über die Hälfte, nämlich 990.000, in der Altergruppe der 14- bis 49-jährigen war. Der Marktanteil gesamt lag bei 6% und in der angesprochenen Altersklasse bei 10,5%. D.h. die letzte Veranstaltung hatte die mit Abstand schlechteste Einschaltquote von allen. Das konnte man natürlich vorher nicht wissen.
Ich bin nun auch mal zum Promiboxen gegangen. Ich wollte mir das Treiben im Ring mal unter sportlichen Gesichtspunkten ansehen. Immerhin steigen hier doch Männer und Frauen in den Ring, die dafür trainiert haben.
Es ist relativ leicht, sich über diese Art von Veranstaltungen lustig zu machen. Und das muss man schon sagen, der Privatsender macht es einem Sportreporter auch sehr schwer, es nicht zu tun. Da treten Boxer in Kategorien – Gewichtsklassen kann man das nicht nennen – gegeneinander an, die da heißen: „Rosenklasse“, „K.O.-Klasse“, „Silikonklasse“ und „Gesichtsklasse“. Es gibt auch noch einen Einheizer, der vor der Veranstaltung Witze erzählt und singt. Einige der Witze fand ich so abgeschmackt, dass ich schon überlegt habe, ob besagter Herr bei einem anderen Publikum nicht womöglich Prügel dafür bekäme. Aber den Zuschauern gefiel es offensichtlich.
Die Bezeichnung Promi kann man als umgangssprachliche Kurzform für „Prominenter“ verstehen. Wikipedia definiert: „Der Ausdruck Prominenz (v. lat.: prominentia = das Hervorragende; aus pro minere) wird im Alltag meist zur Bezeichnung der Gesamtheit von herausragenden Persönlichkeiten verwendet, kann aber auch neutral das wie immer erworbene Ausmaß der individuellen Bekanntheit in der Öffentlichkeit meinen:“ Leider kannte ich von den acht auftretenden Prominenten (Jan Kralitschka, Christian Tews, Trooper da Don, Thorsten Legat, Jordan Carver, Melanie Müller, Lukas Cordalis und Marcus Schenkenberg) nur den Ex-Fußballer Legat. Aber ich bin mir sehr sicher, dass es alles herausragende Persönlichkeiten sind und, dass ich sie nicht kenne, das ist bestimmt nur Zufall.
Die Runden dauerten bei den Männern zwei und bei den Frauen 1,5 Minuten. Die Rundenpausen dauerten so lange wie sie dauerten, bzw. so lange die Werbung dauerte, also mehrere Minuten. Der BDB, der Bund deutscher Berufsboxer, beaufsichtigte die Kämpfe. Ich bin allerdings überfragt, wieso der älteste Profiboxerverband in Deutschland das nun meinte machen zu müssen. Weder erfüllten die Boxer die Kriterien für eine Lizenzierung als Profis, noch waren die Kämpfe regelkonform. Aber der BDB nahm die Veranstaltung offensichtlich auch nicht sonderlich ernst. Ringrichter Jürgen Langos holte wohl während einer Ringpause, die zugegebenermaßen auch übertrieben lang war, sein Mobiltelefon heraus.
Aber noch beschämender war, dass der BDB es, meiner Meinung nach, selbst beim Promiboxen nicht geschafft hat, richtig zu punkten. Die Wertung für den ersten Kampf war nämlich – wie gesagt, meiner Meinung nach – ein Skandal. Der Experte von Pro7, Axel Schulz, formulierte es etwas höflicher. Vielleicht waren die Punktrichter und der Präsident des BDB, Thomas Pütz, ja zu sehr mit ihren Mobiltelefonen beschäftigt. Wie man den ersten Kampf hat Unentschieden werten können, ist mir ehrlich schleierhaft.
Was mich an diesem Punkturteil besonders erschüttert, ist, dass selbst bei einer Promiboxveranstaltung, bei der es ja schließlich um nichts geht und wo die Punktrichter auch nicht unter Druck stehen, die Punktwertung der BDB Punktrichter nicht, jedenfalls nicht nach Meinung der Mehrheit der Zuschauer und derjenigen, die etwas vom Boxen verstehen, den Kampfverlauf widerspiegelt. Das ist empfinde ich schon als ein verheerendes Signal nach außen.
Jan Kalitschka und Christian Tews, beide wohl von Beruf Bachelors, was immer das auch sein mag, boxten sechs Runden. Kralitschka war offensichtlich derjenige, der bei seinem Training mehr gelernt hatte. Das kann natürlich auch an seiner exquisiten Ecke liegen, in der Walter und Thomas Knieps standen. Kalitschka gewann die ersten vier Runden deutlich. Es beschlich mich dabei allerdings das Gefühl, dass er nicht vorzeitig gewinnen wollte. Mehrfach hatte er Tews deutlich erschüttert. Er setzte jedoch nicht nach und gab seinem Gegenüber somit Zeit, sich zu erholen. Die letzten zwei Runden gingen an Tews, der über Kampf und Willen die Runden holte.
Im zweiten Kampf traten Trooper da Don, ein Moderator und Sänger, und Thorsten Legat gegeneinander an. Auch hier zeigte sich, dass ein wirklich guter Trainer schon von Vorteil ist. In da Dons Ecke stand immerhin Conny Mittermeier, und er hatte seinem Schützling auch einiges beigebracht. Letztlich konnte er, trotz besserer Technik, dem Druck von Legat aber nicht widerstehen. Dabei sollte man noch erwähnen, dass der Gewichtsunterschied von 8 KG schon erheblich war. Legat gewann nach Punkten.
Im dritten Kampf des Abends traten Jordan Carver und Melanie Müller gegeneinander an. Craver ist wohl von Beruf Yoga-Jordan und Müller Dschungelkönigin. Auch diese Berufe kenne ich nicht. Das was die beiden gezeigt haben, kenne ich auch nicht. Mit Boxen jedenfalls hatte das genauso viel zu tun wie mit Schlammcatchen. Es war aber im Ring kein Schlamm. Wer gewonnen hat, kann ich nicht sagen, weil ich während der Siegerehrung schon auf dem Heimweg war. Daher verpasste ich auch den letzten Kampf zwischen Lukas Cordalis und Marcus Schenkenberg – was ich übrigens nicht bedauere – und den Auftritt der Guano Apes – was ich schon bedauere.
Als Erfahrung kann ich verbuchen: Beim Promiboxen steigen Männer und Frauen in den Ring, die unter normalen Umständen, d.h. bei gleichem Trainingsaufwand in einem Gym, mit einem verantwortungsvollen Trainer, noch nicht einmal Sparring machen dürften. Das, was diese Prominenten zeigten, hatte nur entfernt mit Boxen zu tun. Was daran erschütternd ist, ist die Tatsache, dass Promiboxen so viele Zuschauer anzieht. Die Arena in Düsseldorf schien nahezu ausverkauft – und das bei einer Veranstaltung, deren sportlicher Wert so ziemlich gegen Null geht. Möglicherweise ist die Faszination fürs Promiboxen zu vergleichen mit der Faszination bei Autounfällen. Sie sind schrecklich, aber viele wollen sie auch sehen.
© Uwe Betker